A!
’i i
'M 244
Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <t$cl, Bestellgeld). " Jnscrtionsgcbühr: die gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pfg. Neclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Mittwoch, 16. September 1903.
LM Erscheint ivöchcntlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerck Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Ter „rote Tag" in Dresden.
Seit Beginn der Woche togt die jährlichePactei- rzersammlung dec Sozialdcinokratie in Dresden.
es sich um prinzipielle Fragen der Partei- Taktik handelt, it. et. um die vielbesprochene Angelegenheit, ob ein Sozialdemokrat in das Reichs- sags-Präsidium unter Annahme der Bedingung, das; er mit seinen Kollegen dem Kaiser seine Aufwartung zu machen habe, eintreten solle, so geht M stürmisch her, und der älteste Führer dec Partei, Gngnst Bebel, hat mit entschiedener Gegnerschaft nicht blos der süddeutschen Genossen unter Leitung Vollmars, sondern auch der jüngeren Partei- Groszen zu kämpfen. Diese Gegnerschaft war ja vor acht Tagen schon in besonders deutlicher Weise dadurch zum Ausdruck gekommen, daß das Berliner Partei-Organ, der „Vorwärts", verschiedene Erklärungen des Abg. Bebel die Ausnahme verweigerte. Man kann aber getrost annehmen, das; schließlich die Autorität des bisherigen anerkannten Partei-Führers durchdringen und in seinem Sinne beschlossen iverden wird. Der Krieg, der vor dem Parteitage im Innern der Sozialdemokratie entbrannte, wird ihre Einigkeit und die bestehende Partei-Diktatur nicht erschüttern; darin bleibt die Tendenz unverändert, das; an dem revolutionären und internationalen Charakter der Sozialdemokratie festgehalteu tvird, und hierauf kommt cs in dec Hauptsache an. Wer sich den optimistischen Anschauungen zugeneigt hat, es könnte in der krlrcn'.sten Partei des Reichstages Spaltungen geben, der irrt sich gründlich, die Sozialdemokratie will und musi.immer als Ganzes genommen sein, darum kann auch der Kampf gegen sie keine Ab- schwächung oder Aenderung crsahrcn.
Es ist von je her ein bedauerlicher Irrtum geivcsen, daß eine Anzahl von deutschen Partei- Politikern annahm, die Sozialdemokratie lvürde sich mit den Jahren immer mehr und mehr „mausern", so das; es am Ende gelingen tvürde, einen Teil ihrer Anhänger zu den links stehenden bürgerlichen Parteien herüberzuzichen. Besonders in den freisinnigen Kreisen herrscht dieser Irrtum, und er ist, wie die leisten Wahlen von nettem cr- wiesen haben, teuer bezahlt. Nicht der Freisinn Hal die Sozialdemokratie aufgesogen, sondern umgekehrt hat die Sozialdemokratie Bresche auf Bresche in die freisinnige Stellung gelegt. Von irgend welcher politischen Rücksichtnahme ist bei den Sozialisten, wie ihre Haltung deutlich genug zeigt, gar keine Rede, cS gibt nur zweierlei ihr gegenüber: Bekämpfung oder Unterordnung! ltnd darum ist es ein Fehler, wenn man in manchen deutschen Zeitungen wer weis; wie viel Aufhebens von solchen sozialdemokratischen Angelegenheiten gemacht wird. Dank gibt cs dafür doch 'nicht, die Partei setzt unverändert ihre agitatorische Tätigkeit fort. Zu hoffen für Deutschlands Entwicklung ist van einem Einlcnken der Sozialdemokratie nichts, denn dies Einlenken wird nie erfolgen. Es muß also mit Möglichkeiten gerechnet werden, die recht unliebsam sich gestalten können. Ergehen !vir uns nicht in Selbsttäuschungen, cs könnte sich bitter rächen.
. , Die sozialdemokratischen Prinzipien, die Parkei-Organisation ändern zu Ivollen, ist also, ein völlig aussichtsloses Beginnen, wenn freisinnige oder sonstige deutsche Politiker hiermit rechnen, so Iverden sie nur verlorene Zeit als Resultat zu verzeichnen haben. Die rauhe Wirklichkeit ist zu f » ... g ---F7B
”2 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st. ' (Fortsetzung.)
■ ' Kamt schon sein," antwortete Walter, indessen Lore zu der fassungslosen Frau trat und ihr aut zuredete. Ihr selbst war das Herz auch schwer, wenn sie an den Abschied von der alten Getreuen dachte.
„Weinen Sie nicht so, Frau Siegfried. Sie machen Bttbi das Her; schwer, er sieht schon ganz ängstlich aus, der arme kleine Mann."
' Fwu Siegfried schluchzte noch einmal herzbrechend, dann sah sie aber mit dem frischen, kugelrunden Gesicht schon getrösteter aus, schien doch die Sanne so lustig durch die bunten Blätter, gerade wie in Schwarzbach, und der Wind sang sein Lied in den hoben Wipfeln und es wurde ihr ganz feierlich und heimatlich zu Sinn.
„Herr Assessor," sagte sie energischen Tones zu dem herantretenden Manne, der ihr auch einige Trostworte sagen wollte, „wenn Sie hier mal von was hören, was für meinen Mann und mich paßt, so kommen wir her, hier läßt cs sich leben. Ter Herr Forstmeister zieht bald fort und läßt uns beide Alten ganz allein, dann kann ich mir nur gleich das Grab aussuchen, das überlebe ich nicht."- . „Ich werde die Sache im Auge behalten, Frau Siegfried. Wir nehmen keinen Abschied für immer. Gas sollen auch Bubi und Klein-Ursel anfangen ohne Siegsrieds. Schlimmslensalls ziehen Sie »ben in unser Giebelstübchen."
Bei diesen Worten verklärte ein glückseliges köcheln das breite Gesicht der Kutscherssrau und * je war getröstet. — ........
scharf, als daß es Zlvcck hätte, sich günstige Zukunftsbilder vorzumalen. Es kann sich nur darum handeln, die sozialistischen Wählerscharen zu ver- mindern, und hier ist, wie die letzten Wahlen ergeben haben, der Kampf kein aussichtsloser. Es wäre auch mehr wie traurig, wenn dem so wäre. Es ist eine Tatsache, daß zahlreiche Persönlich- keiteit, die alles andere eher, als Arbeiter sind, ans irgend welchen seltsamen Anschauungen sozialistisch wählen, aber es ist auch Tatsache, daß die kernfesten Reihen der selbständigen denlschen Ge- werbctceibenden und Geschäftsleute, gerade so, wie die Bauern ein Haar in dem sozialdemokratischen Treiben gefunden haben und nichts mehr davon wissen wollen. Wo es gelungen ist, diese bürgerlichen Elemente in geschlossener Reihe in die Wahlschlacht zu bringen, da ist auch ein Sieg erfochten. Eine ganze Reihe von Mandaten ist der Sozialdemokratie sicher; aber eine ganze Reihe von Reichstagssitzen ist ihr nur durch die Lauheit der bürgerlichen Wähler zngefallen. Die persönliche Verstimmung oder Verdrießlichkeit darf niemals ins Gewicht fallen, wo es sich um nationale Fragen handelt, aber doch wählt mancher sozialistisch. tocil er sich über irgend etwas ärgerte. Was hat er damit erreicht? Gar nichts weiter, als daß auf dem „roten Tage" in Dresden mit dec Stimmenzahl renommiert wird.
Umschau.
Gute Freunde.
Eine Abrechnung mit Deutschlands „guten Freunden", die uns bei jeder Gelegenheit schwarzer Pläne zeihen, halten die „Berl. N. Nachr.", die den Herrschaften wieder einmal vor Augen führen, was sie sich angeeign.kt Halen. Wir lassen die Schlußsätze folgen: Kurzum, unsere schlimmsten Feinde können nicht leugnen, daß die deutschen Erwerbungen gar nicht zu vergleichen sind mit denen Rußlands, Frankreichs und Englands. Und wenn wir nun gegenüber den unaufhörlichen, törichten und gehässigen Verdächtigungen, die das deutsche Reich als den gefräßigen Oger hinstellen, auch einmal derb antworten wollen, so sagen wir: jenes Geschrei gleicht dem Rufe „Haltet den Dieb!", mit welchem Leute, die die Taschen voll fremden Gutes und die besten Absichten auf weiteres haben, die Ausmerksamkeit auf den Unschuldigsten, der am lcerstcn ausgegangen ist, lenken möchten. Auf diese Weise wird schön Moral geheuchelt und noch viel mehr unerwünschte Konkurrenz zu beseitigen gesucht. Datei würde selbst keiner unserer guten Freunds offen so unbescheiden sein, geradeaus zu erklären, daß das deutsche Reich bei künftigem Wettbewerb um weitere Einflußsphären oder Besitztümer ausgeschlossen sei und nur England, Frankreich, Rußland, Amerika und vielleicht Japan die Welt zur Verfügung stände. So wird sich auch Deutschland, gerade weil es sich seiner durchaus maßvollen, ja bescheidenen Haltung bewußt ist, nicht durch allgemeine Anschwärzungen einschüchtern lassen. — Tas wäre zu wünschen. Bisher hat man nur leider recht wenig davon gemerkt und mit noch so viel schön gesetzten,
Im besten Einvernchmcn schritt die kleine Gesellschaft weiter und Bubis Herz jubelte doppelt freudig allem neuen zu, als er seine alte Vertraute wieder lachen sah. Munter sprang er voraus auf den Weg, der durch eine dichte Schonung führte, doch blieb er plötzlich überrascht stehen und rief: „Vater sich doch nur, hier steht ein Haus."
Die andern beeilten ihre Schritte und sahen hart hinter dem dichten Tannenbestand eine kleine Waldwicse, an welcher ein freundliches Hänschen lag, mit Weißen Wanden und glitzernden Fenstern, das rote Dach wie eine Zipfelmütze tief herunter gezogen. Hohe Sannen wiegten ihren stolzen Wivscl über dem anheiniclndcit Bildchen und begrüßten mit ihrem Rauschen die herzutretenden Wanderer, ein silberheller Bach zog murmelnd durch Wiese und Wald.
„Das tvird wohl ein Forsthaus fein," sagte Frau Lore.
„Ein Wirtshaus ist es!" belehrte sie ihr Mann. ' „Ein Wirtshaus," fragte Lore zweifelnd, „hier so tief in der Waldeinsamkeit?"
„Wer fragt, bekommt Antwort, und ein frischer Trunk wird uns gut tun," lachte Walter und klopfte an die Tür: „Heda, Wirtshaus!"
Ein Fenster klirrte und ein altes Fcauengesicht sah hinaus: „Komme gleich!" '
„Hier ist cs köstlich!" sagte Lenore, tief auf- atmend. Sie hatte einen Sitzplatz entdeckt unter einer mächtigen Linde, die sich eine Strecke von dem Häuschen entfernt auf der Wiese befand. Vergnügt ließ sich die Gesellschaft nieder und wartete, was da kommen würde. Es dauerte nicht lange und die Tür öffnete sich, tim ein gebücktes Weibchen durchztilassen, das auf den Tisch los- »"^.Können wir Vier bekommen?"
' " „Ist gestern alle geworden bei der Leich'."
mutigen Worten wird das kaum anders werden. Die betrübenden Antworten, die vor kurzem Herr Specki sowohl in seinem eigenen Namen wie in dem des Reichskanzlers in der bedauerlichen Steuerangelegenheit einer deutschen Schiffsbesatzung in New^ Orleans erteilt hat, können keinerlei Hoffnungen in uns wecken, daß Deutschland sich nicht einschüchtern lassen wird.
Eine Ermahnung Buddes an die E i s c n b a h n b e a m t e n.
Der preußische Eisenbahnminister Budde hat an die oberen Beamten der Eifenbahudirektion Kassel eine längere Ansprache gerichtet, der wir nach der „N. A. Z." folgende Stellen entnehmen: Ter Minister erkennt seine Aufgabe darin, daß er dem reisenden Publikum neben schnellster Beförderung die möglichste Bequemlichkeit des Reisens, sowie die denkbar größte Sicherheit für Gesundheit und Leben gewährt. Dec Frachtenverkehr, fuhr der Minister fort, aber durch Begünstigung der Mafseiitransporte und Ermittelung angemessener Tarife begünstigt und gehoben werden. Er bitte die Herren, ihn in diesem Streben zu unterstützen, welches auch den Intentionen des Kaisers entspreche, der ein warmer Freund und Förderer des Eisenbahnwesens fei. Vor allem aber möchten die Herren ihren Beamten immer wieder klar machen, das; die Eisenbahnen um deS Publikums willen, nicht aber das Publikum um der Eisenbahn willen da fei. — Bravo! Vielleicht erleben luir es auch noch, daß diese Binsen-Wahrheit zur Geltung kommt.
'.'S Verschiedene taktische
. - A n s ch a u n n g c n.
lieber französische Taktik läßt Generalleutnant z. D. v. Bogn-lawSki in der „Tägl. Rundschau" u. a. wie folgt vernehmen: Die Internationale Revue über die gesamten Armee» und Flotten enthält einen sehr interessanten Aufsatz über die neuen Dienstvorschriften der französischen Armee und ihre Bedeutung für Taktik und Heerwesen. Ganz besonders bemerkenswert ist die neue Taktik der französischen Artillerie, die darin gipfelt,, zu- sammeirhängende Linien möglichst zu vermeiden und einen bedeutenden Teil dec Artillerie beim Beginn des Gefechts znrückznhaltcn, während das deutsche Reglement das sofortige Einsetzen einer möglichst überlegenen Kraft, tvic cs 1870/71 gemacht wurde, empfiehlt. Die Franzosen stützen sich hierbei auf die größere Feuerjchnclligkeit ihrer Geschütze, wodurch eine Batterie angeblich dasselbe bei Beschießung eines Ziels von einer gewissen Breite leiste wie zwei deutsche Batterien. Abgesehen davon, daß die größere Schnelligkeit bald von allen Artillerien erreicht sein wird, ist der Grundsatz, einen größeren Teil der Artillerie zu Anfang znrückznhaltcn, aus ihrer eigenen Mitte angefochten worden. Wir glauben, daß die sofortige Maffenverwendung unter verständiger Ausnützung des Geländes das richtige bleibt und daß die neue französische Artillerietaktik nur zur Niederlage der nacheinander eingesetzten Teile führen kann, ungefähr so, wie es bei einem zersplitterten Einsetzen der Truppen oft zu bemerken war. Die französische Batterie zählt heute nur vier Geschütze, aber die Zahl dcc Munitionswagen ist von neuem auf zwölf gestiegen, was man als Vorteil bezeichnen muß. Frankreich hat bei jedem Armcc-
„Bei was?" fragte Walter.
„Mein Mann selig ist gestern begraben worden." Die Alte wisckte sich die Augen.
Alle schauten mitleidig auf die arme Frau und als sie wieder dem Hause zuhuinpelte, um Mitch und Schinkenstullen zu besorgen, schloß sich Fran Siegfried ihr an, um dem armen Weibchen zu helfen. Bald darauf erschien sie wieder mit blitzenden Augen und hochroten Backen: sie trug in ihrer Schürze eine zappelnde Last, indessen ein brauner Hühnerhund sic begleitete und ängstlich an ihr emporsprang.
„Schau nur, wa? ich hier habe, Bubi," lockte sie den Knaben und ließ sechs junge Hündchen auf die Wiese fallen.
Jauchzend sprang Werner auf und saß bald in holder Eintracht neben her Hündin auf dein Rasen und spielte mit den samtweichen Geschöps- chen, über bereit tollpatschiges Purzeln er sich tot- lachen wollte.
„Ich wollte ibn ein wenig wegbaben," sagte Fran Siegfried, die wieder zu den Eltern getreten war; „ich möchte Ihnen was sagen, Herr Assessor."
„Schießen Sie los."
„Diese Waldschenke heißt Waldfried, ein schöner Name, das muß man sagen." Fran Siegfried nickte mit dem Kopfe und sah das junge Paar auffordernd an.
„Ein sehr schöner Name," wiederholte ihr zu Gefallen Lore.
„Ja, und zu denken, daß sie nun keinenWict mehr hat."
„Wird schon bald genug wieder einer da fein," sagte Walter. „Wem mag sie eigentlich gehören?"
„Sie ist königlich, sagt die Frau," belehrte Frau Siegfried.
„So war das also der Pächter, der gestorben ist," erwiderte Walter; er blickte zu feinem Buben
korps 23 Batterien mit 92 Geschützen. Deutschland 24 und 144. Ob diese große Geschützzahl überall Raum genug zur Verwendung finden kann, ist sehr fraglich.
Deutsches Reich
Berlin, 15. Septbr.
— Der in Gleiwitz tagende erste oberschlesifche (Sautag des Deutschen Ostmarken-Vcreins übermittelte bent Reichskanzler einen Grus; und sprach zugleich das Vertrauen au?-, daß auch in Oberschlesien den im Kampfe gegen das vordringende Polentum stehen- ■ den Deutschen die mächtigen Hilfsmittel des Staates nicht versagt bleiben werden. Graf Bülow dankte und versicherte, „daß die Pflege unseres Volkstums in Oberschlesien mir nicht minder am Herzen liegt, wie in Westpreußen und Posen. Ich bin überzeugt, daß der Oberpräsideut Graf Zedlitz mit bewährter Sachkenntnis die richtigen Wege finden wird, um die nationalen Gesichtspunkte, welche für die Politik der Staatsregierung maßgebend sind, unter den besonderen Verhältnissen Oberschlesien erfolgreich durchzuführen". .
— Die Handelsvertragsverhandeungen m:t Italien wird Deutschland angeblich erst ausnehmen, wenn es die neuen Verträge mit Rußland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz abgeschlossen haben wird. Man halte in Nom an der Ueberzeugung fest, daß die Unterband- langen zwischen Italien und dem deutschen Reiche ohne große Schwierigkeiten verlausen werden.
— Heber Vertrag-Verhandlungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika tveiß die .Deutsche Votksv. Korr." zu berichten, es fei wahrscheinlich, daß Unterhandlungen über den Abschluß eines besonderen Handelsvertrages zwischen Deutschland und der Union bereits eingeleitet worden feien, daß der bisherige so verschieden aufgefaßte Meistbegünstigungsverirag nicht aufrecht erhalten Iverden tarnt, darüber ist man sich wohl allerseits klar.
— Kreuzer „Berlin' 1 Die Taufe des am 22. Sept, in Danzig vom Stapel laufenden Kreuzers »Ersatz Zielen" wird auf Befehl des Kaisers der Oberburger. meister von Berlin vollziehen. Hieraus kann auf den Namen des neuen Kreuzers geschlossen werden.
— Das Reichskomitee zu annsten der durch Hochwasser Geschädigten hält am Sonntag in Berlin eine Sitzung unter Leitung des Kronprinzen Wilhelm. Es soll über den Umfang der Schäden und die bisherige Tätigkeit deS Komitees berichtet sowie über die Verwendung der eiugegangenen Gelder Beschluß gefaßt werden. , .
— Das Handwerk, das den Anschluß au die Invaliden- und Alters-Versicherung erhofft, muß sich noch gedulden. Es wird soeben als ausgeschlossen bezeichnet, daß der Reichstag sich bereits in der neuen Tagung mit einem Gesetzentwurf, der. diese Frage regelt, beschäftigen könne. Tie Schwierigkeiten seien zu groß. Im ftvteresse des Handwerks muß man aber ihre baldigste Bewältigung wünschen. ,
— Zu dem Wettbewerb des österreichischki: Hoizes auf dem deutschen Markt schreibt der .Holzmarkt': Die Klage über das fühlbare Eindringen österre'.chlsch- ungarischer Schnittware auf den heimischen Markt ist ganz berechtigt, sie trifft aber nicht nur das Haupt- äbsatzgebiet der süddeutschen Schnittmateria'.len, Rheinland und Wcstsalen, sondern in weit stärkerem Maße in jüngster Zeit auch Hessen-Nassau und be- sonders Thüringen. — Die .krzztg. meint, für die HandelZvertragsverhandlungen mit Oesterreia) und Rußland feien'biefe Ausführungen jedenfalls sehr beachtenswert. Ein wirksamerer Schutz des heimischen Holzes und der heimischen Bearbeitung des Holzes als der gegenwärtige sei durchaus berechtigt und not-
—? Aus der neuesten amtlichen Nachiveisuug über die Preise der wichtigsten Lebens- und Futtermittel in Preußen ergibt sich eine weitere Steigerung der
hinüber, dcc jetzt umbertolüe mit dcc Hündin, die Gefallen an ihm zu finden schien. Die Erregung der alten Frau entging ihm, aber Lore niacate sieh -darüber schon ihre Gedanken. „Ja Herr Assessor, cv ist gerade io, wie sie sagen, dec alte Pachter ist tot und cS ist noch kein ncucc da," sagt die alte Fran.
„So so!" murmelte Walter vor sich bin, Lore aber sah belustigt auf ihren zerstreuten Mann, der noch gar nicht begriff, worauf Fran Siegfried lossieuerre. doch sie wollte nicht vergreisen.
„Und 'wenn sie ein gutes Wort einlegen täten, Herr Assessor, so würde Ihnen Herr Forstmeister von Wicblitz wohl zu Gefallen fein." _
Walter blickte auf. Was redete die etegrrtcb? „Forstmeister Wicblitz?" wiederholte er fragend. „Aber was sollte er selbst dabei?"
„Es ist doch nur, das; der Herr Jorstmeisier die Schänke zu vergeben hat." ~
„Das stimmt, wenn sie königlich ist, Frau Sieg- sried. Aber meinetwegen fann er hiehecsetzeu, wen er will."
„Gewiß, Herr Assessor, Sic haben so recht, aber cs ist nur, daß man ihn darauf bringt!" Tiefsinnig starrte Frau Siegfried vor sich hin, glaubte sie doch bestimmt, dec Assessor wüßte, mit welch vermessenen Wünschen, sie sich trug. Vermessen war es doch gewesen, an solches Glück zu glauben. Endlich stieß sie hervor: „Es wäre ja ein unverdientes Glück."
„Was?" fragte Walter und sah verblüfft au; die erregte Frau, deren Backen leuchteten wie die roten Blätter dec jungen Eichenfchonung drüben jenseits der grünen Wiese. ;i
„Na, das mit der Schänke. Itnb so nahe bot Hoffelde, einen Katzensprung — Zum Kaffee kann man hiehec fommen, ich glaube, es ist knapp eine Viertelstunde.", (Fortsetzung folgt.)