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Sormtags-eilager Jllustrirtes Sonrrtagsblatt.
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Kirchhain.
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Marburg
Dienstag, 15. September 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 38. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Die neue Militärvsrlage.
Für die Einberufung des Reichstages ist zwar amtlicherseits noch kein bestimmter Termin ins Auge gefaßt worden, indessen geht die allgemeine Meinung dahin, daß der Zusammentritt des hohen Hauses frühestens in der letzten Novemberwoche erfolgen werde. Unter der Reichskanzlerfchaft des Fürsten Hohenlohe begannen die Sessionen sogar erst im Dezember, so' daß vor Weihnachten immer nur die Firste Lesung des Etats erledigt werden konnte. Wenn im vergangenen Jahre der Reichstag bereits in der Mitte Oktober zusammentrat, so hatte das seinen Grund darin, dos; die umfangreiche und schwierige Zolltarifvarlage vor Jahres» schluß zur Verabschiedung gebracht werden sollte. Im großen ganzen darf der November als der- jcnige Monat bezeichnet werden, in dem die Reichs- tagssessioncn in der Mehrzahl der Fälle eröffnet worden sind. In diesem Jahre glaubt man es mit der Einberufung des Reichstages durchaus nicht eilig nehmen zu brauchen, weil für die erste Session der Legislaturperiode nur ausnahmsweise weniges B-matungsmaterial zu erwarten ist,- anfter dem Etat und einigen unbedeutenden kleinen Vorlagen nur die neue Militärvor - läge. Hinzukommt, das; der Wechsel im Reichs- schahamte. dieAufstellung des Etats sowie im preußischen Kriegsministerium die Vollendung der Militärvorlagc verzögert hat, und daß vor geschehenen Landtags-Wahlen in Preußen, die erst in der zweiten Novemberwochc stattfindcn werden, die Einberufung des Reichstages untunlich erscheint. Obwohl es daher nicht ausgeschlossen ist, daß die neue Militärvorlage erst nach Neujahr an den Reichstag gelangt, ist cs doch begreiflich, wenn sich ihr daS Interesse unserer Politiker jetzt schon in hohem Maße zuwendet. Von der neuen Vorlage ist bereits so oft und viel die Rede, daß ein Rückblick auf den Gang unserer Hccrescntwicklung nützlich erscheint. Ein solcher Rückblick lehrt, daß der deutsche Bürger nicht nur volles Vertrauen in die Stärke unsres Heeres setzen, sondern sich auch mit einer Militärvorlagc durch das tröstliche Bewußtsein abfindcn kann, daß er für die Wehrmacht seines Vaterlandes noch immer wesentlich geringere Aufwendungen zu machen hat, als die Angehörigen eines großen Teiles der übrigen europäischen Großmächte sie zu machen haben und auch in Zukunft zu leisten haben werden.
Artikel 60 der Reichsverfassung bestimmt, daß /ich die Fricdenspräsenzziffcr des Heeres auf 1 Prozent der Bevölkerung zu stellen habe. Das ergab von der im Jahre 1867 ermittelten Zoll- obrechnnngsbevölkerung der zum deutschen Zoll- pcbiet gehörenden Bundesstaaten, zuzüglichBayern Württemberg, Baden und Hessen 385 770 Mann, von der in der französischen Volkszählung von 1866 festgestellten Vcvölkerungszahl der abgetretenen Gebiete von Elsaß-Lothringen 15 889, zusammen also 401 659 Mann. An dieser Ziffer, wir bemerken hierbei, daß es sich bei allen diesen Angaben und Militärvorlagen stets nur nm die Friedenspräsenz, nicht aber um die Kriegsstärke handelt, da die letztere der Gesetzgebung durchaus porentbalten ist, ist bis zum Jahre 1880 nichts prinzipiell geändert worden, cs blieb bei dem einen Prozent der Bevölkerung. Als im Jahre 1880 der Beginn des Etatsjahres vom 1. Januar auf den 1.April verlegt wurde, erfolgte dnrchGesctz
21 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
tFortfetz.mg.1
Lore lachte, doch nach einigem Sträuben saß sie richtig an ihrem behaglichen Fensterplätze in ihrem kleinen Gemache und hörte durch die offene Tür das Knistern der Blätter, die. ihr Mann an feinem Schreibtisch umschlug. Er war so vertieft in feine Arbeit, daß er kaum mehr wußte, wo er sich befand, und das nebenan ein paar hellhörige Fra.ncnohren feinem Tun liebevoll folgten. Immer rascher blätterten die Seiten, bald hier, bald dort, er machte Notizen, schüttelte den Kopf, die Augen brannten in unheimlichen Lichte, er merkte nicht, daß das Feuer seiner Zigarre erloschen war.
Jetzt flog mit kräftigem Ruck der Sessel ein Stück zurück, die geballte Faust schlug auf den dicken Jolianten, den er gerade vor sich hatte, rind mit lautem Ausruf: „Der Schuft, der Dieb! . Ter Teufel hole den Kerl!" flog er empor und raste im Zimmer auf und ab.
Lore war voller Sckrccken aufgcflogen und stand auf der Schwelle des Zimmers, mit lautlosem Staunen dem rätselhaften Zornausbruch ihres Mannes folgend. Jetzt erblickte sie der aufgeregte Mann und eilte auf sie zu, einem gegenüber mußte er sich Lust machen oder er erstickte daran.
„Da liegen die Bücher meines Vorgängers, des Oberinfpektvrs Schäfer, Lore. Wie viel Tausend glaubst Tn wohl, daß er gestohlen hat?"
„Gestohlen?" fragte Lore ganz verblüfft, »aber- wer stiehlt, wird doch bestraft."
„Natürlich, Lore, gewöhnlich kommt cs so, aber hier liegt die Sache anders. Der alte Baron hat
vom 6. Juni, die erstere größere Mlstärvorlage im deutschen Reichstage, die Erhöhun,. "ir Präsenzstärke auf 427 274 Mann. Diese Erhöhung entsprach der Bevölkernngszunahme, die neue Präsenzstärke stellte wiederum nur 1 Prozent der Gesamtbevölkerung dar. Dieselbe Rücksicht waltete auch bei der nächsten Vorlage des Jahres 1887 ob, wo gleichfalls entsprechend der Bevölkerungszunahme die Friedenspräsenz sich auf 1 Prozent beschränkte und dadurch auf 468 409 Mamm emporschnellte. Die politischen Verhältnisse gegen Ausgang der achtziger Jahre, als Kaiser Wilhelm die Regierung antrat, steigerten plötzlich das Militärbedürfnis dermaßen, daß man den Grundsatz der Anlehnung an ein bestehendes Verhältnis zur ortSanwescnden Bevölkerung aufgab und bereits im Jahre 1890, zu einer Zeit also, in welcher das neue Septennat noch bei weitem nicht abgelaufen war, eine weitere Erhöhung auf 486 983 Mann forderte. Mit der Vorlage des Jahres 1893 verließ man den bisherigen Modus der siebenjährigen Präsenzfestsetzung des Septennats, der in der letzten Periode ja bereits durchbrochen worden war. und wandte sich dem Quinqennat, der Festlegung der Friedenspräsenzstärke des Heeres auf 5 Jahre zu. Die Militärvorlage des Jahres 1893 ist aber noch in anderen Beziehungen von besonderer Wichtigkeit. In ihr wurde zum ersten Male eine Jahresdurchschnittsstärke ausgestellt, die sich auf rund 557 000 Mann belief, einschließlich der Unteroffiziere. Die Vorlage brachte der Armee eine Verstärkung durch 173 Halbbataillone Infanterie, 60 Batterien Feld-, 6 Bataillone Fuß-Artillerie, 3 Bataillone Pioniere und 7 Bataillone Eifenbahntruppen, mit dieser Vermehrung brachte sie jedoch auch die fakultative Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Infanterie, die also in diesem Jahre ihr zehnjähriges Jubiläum hat feiern können. Ob diese Probezeit der Militärverwaltung ausreichend erscheinen wird, um in der bevorstehenden Militärvorlage die zweijährige Dienstpflicht bei der Jn- fonterie obligatorisch festzulegcn, bleibt abzuwarten. Die letzte große Militärvorlage, welche die Fricdenspräsenz bis zum 31. März 1904 festlegt„ wurde im Frühjahr 1899 vom Reichstage verabschiedet. Sie setzt die Jahresdurchschnittsstärke, die bis zu dem oben genannten Termin erreicht sein muß. einschließlich der Unteroffiziere auf rund 576 000 Mann fest, wozu noch 24 292 Offiziere, 2198 Militärärzte, Zahlmeister. Roßärztc, Waffenmeister usw. kommen. Im Ganzen ist die Frie- dcnspräsenzstärke des deutschen Heeres also vom Jahre 1871 bis zum 31. März 1904 um rund 150 000 Mann erhöht worden.
Im Rechnungsjahre 1902 betrugen die Ge- samtkostcn für die Unterhaltung dieser gewaltigen Streitmacht, mit der das deutsche Reich jederzeit imstande ist, den Kampf gegen zwei Fronten auf- zunehmen, rund 780 Millionen Mark, gegen etwa 500 Millionen im Jahre 1872. Trotzdem das deutsche Reich ober gleichzeitig auch seine Kriegsflotte dermaßen hat verstärken müssen, daß z. B. im Jahre 1902 in Summa an Flotteukosten 224 Millionen Mark aufgewendet werden mußten, fo entfällt auf den Kopf der Bevölkerung des deutschen Reichs für Militär- und Marinezwecke doch jährlich nur eine Summe von 17,6 Mark, die nach Abzug der durch den Jnvalidenfonds und durch Anleihen bestrittenen Ausgaben sogar auf 15,5 Mark. herabsinkt. Dem gegenüber ist die Fest-
uns ausdrücklich befohlen, den Lump laufen zu lassen. Er will nichts davon wissen, damit ihm die Unbcgucmlichkeiten erspart bleiben. Ha, ha, cs ist zum Lachen, wenn es nicht dazu angetan wäre, aus der Haut zu fahren. Er kann nun ruhig weiter betrügen, dieser Herr Schäfer, wenn er nicht schon genug im Säckel hat. Na, der soll mir mal den Weg kreuzen, ich würde ihm schon klar machen, was ich über solche Ehrenmänner denke."
„Aber Walter, ereifere Dich doch nicht so. Er tragt doch nicht unser Geld davon, und schließlich, wenn es dem Baron egal ist, kann es Dir ja auch gleichgültig fein."
„So, das sind ja nette Ansichten!" rief Walter, noch ganz erregt.
„Sieh mal bester Mann, ich finde es ja sogar ganz gut, daß der Kerl ein solcher Schuft war. Was wird nun Dein alter Griesgram für Augen machen, wenn unter Deiner Leitung unerhörte Einnahmen erzielt werden!"
Walter brummte noch vor sich hin, aber cs waren schon behagliche Laute, und Frau Lore, die den lieben Bären nur zu gut kannte, streichelte sänftiglich tveiter: „Du sagst selbst, Dir fehlte es noch an so manchem, aber nach einem solchen Regiment muß das Deinige trotz Deiner geringen Erfahrung glänzend abschnciden, meinst Du nicht?"
„Hm!" sagte der Assessor, darum braucht doch mein Vorgänger kein solcher Lump zu fein."
„Gewiß nicht, aber cs ist besser so, als wenn ein tüchtiger, treuer Administrator schon hier seines Amtes gewaltet hätte. Jetzt giebt cs keine Vergleiche zu Deinen Ungunfteit und ich werde noch sehr, sehr stolz auf Dich fein dürfen. Giech nur acht. Du wirst binnen kurzem Deinem HcrrnBaron unentbehrlich werden."
„Tu Herzensweib!" Schulz Preßte die schlanke Gestalt zärtlich an sich; veraucht war der Zorn,
stcllung nicht ohne Interesse, daß für die gleichen Zwecke in Frankreich ein Jahresaufwand von 23,8 Mark und in England gar ein solcher in Höhe von 34 Mark auf den Kopf der Bevölkerung entfällt.
Umschau.
Befchlüfse der evangelisch-lutheri- fchen Konferenz.
Die evangelisch-lutherische Konferenz in Berlin hat am Freitag ihre Tagung abgehalten und nach längerer Debatte folgende Resolution angenommen:
„Hochwürdige Generalsynode wolle im Hinblick auf die Gefahr, von welcher die evangelische Kirche durch die gegenwärtige Ausübung nnum- schränkter Lehrfreiheit, entgegen der bestehenden Lehrverpflichtung, seitens der negativen Theologie bedroht ist, an das Kirchenregiment die Bitte richten, dieser Gefahr scharf ins Auge zu sehen und bis zu ihrer gänzlichen Beseitigung als Abwehrmittel folgende Maßnahmen zu ergreifen:
1) Eingehende Prüfung der Stellung jedes zu berufenden Lehrers der Theologie zu der in der heiligen Schrift und den Bekenntnissen der Kirche ausgesprochenen Heilswahrheit;
2) Mitwirkung 4>es General-Synodal-Vorstan- des bei der Besetzung theologischer Professuren;
3) Vermehrung der Predigerseminare unter Leitung tüchtiger, bekenntnistreuer Direktoren als Gegengewicht gegen die verwirrende und zersetzende Lehre der negativen Theologie;
4) Bereitstellung von Mitteln, damit wissenschaftlich hervorragend tüchtigen posittven Theologen mehr als bisher die Möglichkeit zur Ergreifung und Durchführung des akademischen Berufes eröffnet werde."
Vom Segen des reinen Industriestaates.
Dom Segen des reinen Industriestaates entwirft die Dossische Zeitung dieses Bild:
„In den Baumwollendistrikten von Lanca- shire greift die Arbeitslosigkeit immer mehr um sich; in London füllen sich die Armenhäuser mitten im Sommer, und zwar sind es nicht abgehärmte alte Leute oder Stromer von Beruf, die allnächtlich die casnal wa’ds aufsuchen und Obdach verlangen, sondern rüstige Männer, gelernte Arbeiter, die in der besten Jahreszeit sogar keine Beschäftigung finden, und ausgediente Soldaten mit Denkmünzen aus mehreren Kriegen, auch aus Südafrika."
Ei, ei! Und diesem engelländischen Ideal soll Deuschland durchaus nachstreben?
Die Balkanwirren.
Panslavistische Blätter haben die Mär erfunden, Deutschland habe die Balkanwirren veranlaßt und geschürt. Dem gegenüber wird, beinahe überflüssig, amtlicherseits festgestellt, daß Deutschland von dem Augenblicke an, in dem die diplomatische Reformarbeit durch den in Mazedonien ausgebrvchenen Kriegszustand unterbrochen wurde, seine ohnehin nur gelegentliche auf Wunsch Rußlands der Oesterreichs ge-
d!e blauen Augen blickten so glücklich darein, als ob sie nicht vor tuenigen Augenblicken im wilden Manneszorn gesprüht hätten.
„Und nun laß die alten Bücher, wir wollen jetzt unseren Buben suchen und nach dem Kaffee — Du hast es uns versprochen — geht cs hinaus in den herrlichen Wald. Frau Siegfried begleitet uns und bringt Werner zurück, wenn er müde wird, wir aber gehen weiter und immer weiter, bis--"
„Zum verwunschenen Schloß," lachte Walter und sah seiner liebreizenden Frau mit leuchtendem Blick in die funkelnden Augen, sie aber streckte die Arme sehnsüchtig aus und rief: „Ja bis zum verwunschenen Schloß, und wir öffnen cs mit dem goldenen Schliisselein der Liebe und bann bist Du der König in unserem Reich und ich die Königin. Wie wollen wir glücklich fein!"
„Schwärmerin!" Walter klopfte ihr zärtlich die glühenden Backen.
„Sag selber, lieber Mann, würdest Tu nicht gern auf Deiner eigenen Scholle sitzen? Denke nur, wenn das Schloß da drüben unser wäre, wir wollten schon Leben bineinbringen, glaubst Du nicht? Es liegt so still da, als wäre cs verzaubert, und Frau Erdmann sagt, man graule sich ordentlich in den langen Gängen und hohen Zimmern. .Lachen dürfte da drüben keiner. Stelle Dir nur vor, Walter, ich sollte niemals lachen dürfen, nein, da will ich lieber all mein Lebtag Frau Administrator bleiben, ober Fran Leutnant," setzte sie neckisch hinzu.
„Bitte lieber ben Himmel, baß er Dich vor solchem Leid bewahre, erwiderte Walter ernst.
„Tn hast recht, Walter, und ich will es nie wieder vergessen, wie schwer die Hand des Schicksals auf ben Armen ruht," sagte Lore reuevoll.
leistete Mitwirkung gänzlich eingestellt und wartet die Niederwerfung des Aufruhrs und die etwaigen Entschließungen der näher beteiligten Mächte ab. — Don einem Budapester Blatt wird Rußland des Doppelspiels der Balkan« wirren gegenüber bezichtigt. Anfangs habe man in den österreichisch - ungarischen Regierungskreisen geglaubt, die Aufständischen würden nur von Bulgarien unterstützt. Es habe sich jedoch herausgestellt, daß eine große politische Partei Bulgariens nur die Rolle des Vermittlers spiele, hinter ihr aber die russische Politik stehe. Während Rußland den Aufständischen früher nur ganz im Geheimen ganze Schifisladungen von Waffen und Munition habe zukommen lafien, geschehe das jetzt bereits mit ganz unverkennbarer Offenheit. Es sei klar, daß Rußland das Ziel verfolge, Oesterreich-Ungarn nach und nach von jedem Einfluß auf den Balkan zu verdrängen. Seitens des Auswärtigen Amtes in Wien soll die Anfrage an den russischen Minister des Auswärtigen Grafen Lambsdorff gerichtet worden sein, ob Rußland die unausgesetzten Waffenhandlungen begünstige und was damit für ein Zweck verfolgt werde. — Auch die griechische Negierung hat ein Rundschreiben an die Großmächte gerichtet, in dem sie über die Grausamkeiten der irregulären türkischen Truppen im Bezirk Kruschewo Klage führt und es als eine Ehrenpflicht der Türkei bezeichnet, gegen die Urheber jener Miffetaten einzuschreiten. Die Türkei läßt Sensations - Nachrichten englischer Zeitungen über von ihren Truppen vorge- rommene Massen-Hinrichtungen in Mazedonien für erfunden erklären. Die türkischen Offiziere lasten nur bei Meuchelmord die gebührende Strafe eintreten.
Deutsches Reich
Berlin, 14 Septbr.
— Kaiser Wilhelm ist nach Schluß der Kaifer- manöver zur Jagd bei dem Erzherzog Friedrich euf dessen Besitzung bei Mohärs in Ungarn angekommen. Die Abreise erfolgte Sonnabend Vormittag von Merseburg aus, wo die Kaiserin sich von ihrem Gemahl verabschiedete. Vorher hatte der Kaiser verschiedene Vorträge gehört. Die Bevölkerung bereitete den Majestäten lebhafte Kundgebungen. In Ungarn verweilt der Monarch bis zum 17. September, dan» fährt er nach Wien. Die Kaiserin ist nach Potsdam zurückgekehrt.
— An den Binnenschiffahrtskongreß in Mannheim ließ der Kaiser als Antwort auf ein Huldigungs» telegramm depeschieren, er werde die Bestrebungen des Verbandes auch ferner mit lebhaftem Interesse begleiten. Großherzog Friedrich von Baden wünschte, daß die für das Verkehrswesen so sehr wichtigen Beratungen erfolgreich sein mögen.
— Die Flottenmanöver erreichten mit einem zweitägigen Angriff auf die Kieler Befestigungen am Sonnabend ihr Ende. Nachdem Freitag Nachmittag ein Teil der Hafenbefestiaung von der feindlichen Flotte außer Gefeckt gefetzt und Truppen in der Bucht von Eckernförde vom Geschwader gelandet worden waren, sand in der Nacht ein Angriff sämtlicher Schiffe statt. Nach heftigem Gefecht, bei dem alle kriegsmäßig besetzten Forts mitwirkten, wurde der Angriff abgeschlagen.
„Glmibst Du nicht, bas; ich bie Frau Baronin ein wenig trösten könnte?"
„Vorläufig wirb unser Besuch scheinbar gar nicht gewünscht, und auch Wieblitz meinte, wir sollten ruhig bie Aufforberung bazu abtoarten. In einigen Tagen wollen wir zur Oberförsterei hinüber fahren, ba uns der Wagen so freundlich zur Verfügung gestellt würbe, und zu Pastors müssen wir auch."
„Das müssen reizenbe Leute sein, wie Frau Siegfried erzählt. Dcr alte Pfarrer ist ber Vermittler zwischen ben Leuten und bem Schloß, er und Wieblitz sind scheinbar bie einzigen Menschen, bie bem alten, unglücklichen Ehepaar menschlich nahcstehen."
Walter blickte traurig hinüber zu dem alten Bau, er merkte es wohl selber kaum, baß ihm bie Augen feucht wurden. Frau Lore blieb cs nicht verborgen und sie liebte ihn darum umsomehr, ihren warmherzigen, treuen Liebsten.
Fröhlich zog bald darauf das Ehepaar,in ben herrlichen, herbstlich-bunten Wald, Frau Siegfried ging mit Werner hinterdrein, der Kleine hatte jff fo viel zu erzählen, daß die kleinen Beinchen nicht Schritt halten konnten, er mußte stets in das treue Gesicht seiner alten Freundin schauen, um bie Bestätigung seiner Erlebnisse in bereit liebevollen Blicken zu lesen. Nun seufzte er tief auf une fagte: „Mutti sagte schon, es würbe schon hier werden, aber so schön, das habe ich nicht gedacht, Frau Siegfried."
„Du wirst uns bald vergessen haben, Bubi.*,
„Sag bas nicht," eiferte der Kleine und sah seine Gefährtin ängstlich an. „Ich soll Euch ber geffeit, bas gibt» gar nicht. Ich hab ben Christia» schon gern, sehr gern, aber so toll lieb wie ich de» Siegfried habe, nein, noch lange nicht. SeinO Brannen sind auch viel schöner al» die Rappen