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Marburg

Sonntag, 13. September 1903.

:£ Erscheint wöchentlich sieben mal. s

Druck Md Verlag- Joh. Slug. Koch, Umbersttäts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

B

Zweites Blatt.

Die preußischen Sparkassen im Jahre 1901.

Das Königlich preußische Statistische Bureau wird in dem demnächst erscheinenden Hefte seiner Zeitschrift, Jahrgang 1903, eine Uebersicht über den Geschäftsbetrieb und die Ergebnisse der preu­ßischen Sparkassen im Rechnungsjahre 1901 ver­öffentlichen. Danach gab es am Schlüsse des Be­triebsjahres 1901 im preußischen Staate insge- fctnit 1508 Sparkassen gegen 1490 im Jahre 1900. Damit hat die Zahl wieder die aufsteigende Be­wegung angenommen, die seit einer Reihe von Jahren zu beobachten ist. Einen Riickgang hatte überhaupt nur das Jahr 1900 gebracht, der aber darin seine Erklärung findet, daß eine Anzahl von Privatfparkassen nach Inkrafttreten des Bürgec- licheir Gesetzbuches die Rechtsform einer Aktien­gesellschaft, Handelsgesellschaft, Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht oder Gesellschaft mit be­schränkter Haftung angenommen hatte, einige andere, aber in städtische, ländliche oder sonsüge kommunale Institute umgewandelt sind. Auch 1901 sind die Vereins- u. Privatsparkassen gegen­über dem Vorjahre noch um acht zurückgegangen. Im einzelnen gab es im Jahre 1901 unter den 1508 Sparkassen 686 städtische (gegen 676 im Vorjahre), 224 Landgemeinde- usw. Sparkassen (gegen 213), 407 Kreis- und Amtssparkassen (gegen 402), 6 Provinzial- und ständische Spar­kassen (ebensoviel im Vorjahre) und 185 Vereins­und Privatsparkassen (gegen 193).

Zu diesen 1508 Sparkassen gehörten 576 Filial- oder Nebenkassen und 2347 Sammel- oder Annahmestellen mit einem Zugänge von 19 be­ziehungsweise 76. Es waren also insgesamt 4431 Sparkassen vorhanden (gegen 4318 im Jahre 1900), und zwar jn 3620 Orten (gegen 3518 im Vorjahre). Es entfiel somit eine Sparstelle auf 78.69 qkm (gegen 80,74 qkm im Vorjahre) und auf 7918 Einwohner (gegen 7994 im Jahrei900).

Außer den genannten Sparkassen gab es 1901 noch 2586 Verkaufsstellen von Sparmarken. Diese Einrichtung hat niehr und mehr ihre anfängliche Beliebtheit eingebüßt und ist seit einigen Jahren in stetem Rückgänge begriffen; 1900 gab es noch 2703 solche Stellen, 1899 noch 2908, 1898 noch 2917, 1897 noch 2986.

Auf die einzelnen Provinzen verteilten sich die 1508 Sparkassen in der Weise, daß, wenn man vom Stadtkreise Berlin (mit 2 Sparkassen) und Hohenzollern (mit 1 Sparkasse) ihres geringen Ilmfanges wegen absieht, die größte Zahl von Sparkassen, nämlich 217, auf die Provinz Rhein­land entfiel, demnächst auf Schleswig-Holstein mit 192, Westfalen mit 179, Hannover mit 178, Schlesien mit 167, Sachsen mit 137 und Branden­burg mit 108; die übrigen Provinzen bleiben unter 100, und zwar Hessen-Nassau mit 83, Posen mit 79, Pommern mit 76, Westpreußen mit 45 und Ostpreußen mit 44. Die stärkste Zunahme seit 1900 hat die Provinz Rheinland (von 208 auf

20 (Nachdruck Verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. I o b st.

lFortsehung.)

Hast Du die Frau gesehen, Mann? Die ist nicht stolz, sie hat sich alles von mir zeigen lassen Und der kleine Bub lief immer mit. Der ist nun rein zum Aufessen. Als wir in den Kuh­stall kommen, hebt ihn die Mutter hoch, daß er besser sehen kann. Auch die Augen, die er machte! Und dann schlug er in die Hände und rief: Wahrhaftig! Mutti, nun glaub ich, daß es hundert sind. Wie die junge Frau da lachen konnte; Du hättest es hören müssen. Weißt Du, Mann, daß einer hier so lachen kann!"

Mög, sie,s nicht verlernen, Marie!" antwor­tete der Alte ernst und ging dann hinaus; seine Frau aber warf den Kopf in den Nacken und sagte für sich hin:Die verlernt's nicht und ich getrau' es mir nun auch wieder."

Die Sonne ging zur Ruhe, sie hatte ihr Tag­werk vollbracht. Noch einmal, wie es ihre Ge­wohnheit war, blickte sie nach dem alten Schloß­turme und traf mit vollem Strahle das große Fenster, das in die dicken Mauern gebrochen war, um dem lieben Gotteslicht freien Eintritt zu ge­währen. Dort wußte sie ein liebes, blasses Frauenbild, die feinen Hände lagen lässig im Schoße, die alten Augen blickten trübe und hoff­nungslos in all das Glänzen und Flimmern in den farbenbunten, lustigen Herbst da draußen.

Wer hätte es für möglich gehalten, gestern "goldenen Sonnenschein und heute dieser Nebel, tiefer dick zu Wolken geballte Nebel!

Am Fenster stand die hohe Gestalt des alten Barons. Kurzes, weißes Haar krönte Sie eckig hervorspringende mächtige Stirn, während die buschigen Augenbrauen mit ihrer tiefschwarzen ^Färbung einen eigenartigen Gegensatz dazu hfl- »eten. Unter ihnen blickten dunkle, schwermütige

217), gar keine Posen; um je eine Sparkasse znrückgegangen sind Schlesien und Hannover.

An Sparkassenbüchern waren am Jahresschluß 9 034 937 im Umlauf gegen 8 670 709 im Vor­jahre, das ist eine Zunahme der Bücher von je 100 auf 104,20. Diese Zunahme ist stärker als die von 1899 aus 1900, die nur 2,62 v. H. betrug, jedoch etwas schwächer als die von 1898 auf 1899, die 4,97 v. H. erreichte. Auf die einzelnen Pro­vinzen verteilten sich diese 9 034 937 Bücher in der Weise (von Berlin und Hohenzollern wieder abgesehen), daß auch hier Rheinland voransteht, jedoch von Schlesien und Sachsen fast erreicht wird; in allen drei Provinzen (sowie in Brandenburg) überschreitet die Zahl der Sparkassenbücher eine Million. Die geringste Zahl von Büchern hat Posen, nächstdem Westpreußen und Ostpreußen, alle drei Provinzen überschreiten 200 000 nicht weit. Von der Einrichtung der gesperrten, Spar­kassenbücher wird noch immer recht wenig Ge­brauch gemacht, jedoch zeigt sich eine bemerkens­werte Zunahme seit den letzten Jahren; es gab nämlich an derartigen Büchern 1897: 39 887, 1898: 44 005, 1899: 51 385, 1900: 65 116 und 1901: 82 741.

Nach der Höhe der Einlagen waren 44 007 Bücher nicht klassifiziert. Auf , die der Höhe der Einlagen nach klassifizierten Bücher verteilten sich die Einlagen in den letzten drei Jahren in folgen­der Weise: Es hatten eine Einlage

1901. 1900. 1899. vom Hundert

bis zu 60 M. 27,97 28,07 28,22

von über 60 bis 150 M. 15,95 15,35 15,48

, , 150 . 300 . 13,46 13,77 13,81

. 300 , 600 . 15,27 15,44 15,40

. . 600 . 3CC0 , 24,08 23,46 23,17

. . 3000 , 10000 . 3,72 3,50 3,49

, , 10000 M. 0,45 0,42 , 0,42

Danach zeigen Sie Sparkassenbücher mit klei­neren Einlagen einen leichten Rückgang, während die mit höheren Einlagen etwas zugenommen haben. Letztere, namentlich diejenigen mit über 10 000 'M, fanden sich 1901 in ganz überwiegen­dem Grade in der Provinz Westfalen, während die Bücher mit den niedrigsten Einlagen hier ver­gleichsweise wenig zahlreich sind, vielmehr eine besonders starke Verbreitung in Sachsen haben. Der Rückgang der Micher mit kleinen und mitt­leren Spareinlagen dürfte feine Ursache im wesent­lichen in dem starken Aufschwungs der DarlehnS- kassenvereine und verwandter genossenschaftlicher Gründungen haben, die ebenfalls Spargelegenheft bieten, jedoch von Ser vorliegenden Statistik nicht mit erfaßt werden. Es wäre also falsch, aus obigen Zahlen auf eine Abnahme desSpartriebes bei dem­jenigen Teile der Bevölkerung schließen zu wollen, dessen Anlagen sich in bescheidenen Grenzen zu halten Pflegen. Der erwähnten Neigung zur Zu­nahme der Bücher mit höheren Einlagen ent­spricht auch die Tatsache, daß eine fortgesetzte Steigerung der Einlagen, die durchschnittlich auf ein Buch entfallen, zu beobachten ist; 1900 ent­fielen auf ein Buch durchschnittlich 662,67 M, 1901 dagegen bereits 690,26 M, zum Vergleiche sei angeführt, daß 1835 auf ein Buch nur 160 M, 1875: 503 M, 1898: 656 M entfielen.

Bei den in Rechnung stehenden 1508 Kassen Betrugen die Gesainfeiulagen

Augen hinaus in das gespenstige Treiben; es war, als ob ein Nebelschleier auch über den Blicken des stolzen Mannes läge, solch gleichgültige Apathir lag in ihnen, etwas Weltverlorenes, wie es müden, einsamen Seelen eigen ist. Er sah nicht, der sinnende Mann, daß da draußen der Kampf der lichtfeindlichen Geister mit den lustigen Sonnen­strahlen immer heftiger wurde.

Endlich siegte die Sonne. Gleich einem leuch­tenden Auge brach das Licht durch das zerflat- ternde Gewölk und umfloß plötzlich mit solcher Fülle den einsamen Mann, daß er förmlich zu­rückprallte, die Augen geblendet schließend, und als er sie wieder öffnete, stand inmitten des Zim­mers, verklärt von dem flutenden Licht, eine hoch- gewachsene jugendliche Gestalt, die mit warm anf- leuchtenden Augen dem forschenden Blicke des alten Herrn begegnete.

Man hat mich hierher gewiesen, Herr Baron, und die Tür stand offen."

Sie sind Herr Assessor von Schulz?"

Jawohl, Herr Baron, und zu dieser Stunde bin ich befohlen."

Noch ein kurzes Prüfen von Seite der schar­fen, alten Augen, in die ein kurz aufblitzendes Leben trat, dann sagte der alte Herr:Wollen Sie nicht Platz nehmen, Herr Assessor?"

Mit unbeweglichem Gesichte, nur in den Augen das warme Licht, nahm Walter Platz an dem großen Tische, der inmitten des Zimmers stand.

Der Schloßherr setzte sich ihm gegenüber, ein kurzes Schweigen folgte; der alte Herr konnte den Anfang nicht finden und Walter wartete.

Sie sind gern gekommen?" fragte der Baron kurz.

Forstmeister von Meblitz glaubte, ich würde meiner Stellung gewachsen sein," antwortete Wal­ter ebenso worflarg.

Sie werden sehr selbständig sein."

Um so schwieriger für mich, da ich noch keine Erfahrung habe."

beim Beginne des Jahres 5746 924612,73 M. am Schlüsse des Jahres 72' 6458932,18 , mithin Zugang 489534289,34 ,

Dieser Zugang für 1901 ergibt sich aus den gutgrschrieberien Zinsen mit 175863 722,07 , neuen Einlagen mit 165121897443 .

zusammen i «270826 6 ,

Davon ab Rückzahlungen mit 13^7518 <.6.75 , verbleiben wie oben 489 534 . M.

Dieses Ergebnis stellt sich als ein außerordent­lich günstiges dar; denn das Berichtsjahr über- trifft danach feine sämtlichen Vorgänger sowohl bei dem Gesamtzuwachs der Einlagen wie auch bei dem Ueberschusse der Neueinlagen über die Rückzahlungen allein; am günsftgsten standen bis­her die Jahre 1895, 1898, 1897, 1896 und 1899. Indessen gab es auch in dem Jahrzehnt von 1880 bis 1890 einige Jahre, die, nach diesem Maßstab gemessen, als sehr günstige bezeichnet werden müssen, zumal wenn man bedenkt, daß die Em- lageüberschüsse damals von einer viel kleineren Bevölkerung aufgebracht wurden.

Auf jeden Kopf der fortgeschriebenen Be­völkerung Preußens von 35 082 875 Orts­anwesenden entfielen an Spareinlagen 177,76 Mark gegen 166,46 Mark im Vorjahre. Es stellte sich der Anteil an je 100 M Einlage in den Provinzen Hohenzollern auf 0,26, Ostpreußen 1,81, Posen 1,83, Westpreußen 1,91, Stadtkreis Berlin 4,49, Pommern 4,79, Hessen- Nassau 4,85, Schleswig-Holstein 7,73, Branden­burg 8,16, Schlesien 8,72, Sachsen 10,93, Han- nover 12,25, Westfalen 16,04, Rheinland 16,78.

Beträchtlich gewachsen sind die Reservefonds, feit dem Vorjahre von insgesamt 364 628 436,60 Mark auf 419 710 762,48 M, was einer Steiger­ung von 100 auf 115,11 entspricht, während die Spareinlagen nur von 100 auf 108,52 gewachsen sind. Diese Reservefonds betrugen 6,73 v. H. der Einlagen gegen 6,35 v- H. im Vorjahre.

Die erzielten Zinsiiberschüsse von zusammen 53 054 679,58 M ergaben von den zinsbar an­gelegten Kapitalien von 6 523 540 231,31 M 0,81 v. H. gegen 0,86 v. H. int Vorjahre.

Nach der Art der Anlage entfielen von je 100 Mark Ser überhaupt zinsbar angelegten Kapitalien im Betrage von 6 523 540 231,31 M auf:

städtische Hypotheken ländliche , Jnhaberpapiere (Bilanzwert) Schuldscheine ohne Bürgschaft

. mit ,

Wechsel

Faustpfand

Anlagen bei öffentlichen In­stituten

sonstige Anlagen

Es zeigt sich also, daß die dem Personalkredft dienstbaren Anlageformen in sehr geringem und meist noch weiter sinkendem Maße Verwendung finden; um fo stärker nimmt aber schon seit einer Reihe von Jahren die Anlage in städfischen Hypo­theken zu, während die in ländlichen langsam, doch mit Unterbrechungen zurückgegangen ist. Bemerkt sei, daß die einzelnen Landestelle in den verschie­denen Arten der Anlagen sehr von einander ab­weichen, so daß sich das obige Durchschnittsblld im einzelnen oft stark verschiebt.

1901.

1900.

1899.

34,02

33,48

32,05

23,69

24,88

25,67

26,43

26,00

26,68

0,19

0,14

0,29

2,20

2,37

2,75

1,36

1,44

1,63

1,41

1,85

1,88

9,97

9,65

8,97

0,73

0,68

0,64

Die Antwort gefiel dem Baron sichtlich.Im Forstsache wissen Sie doch gründlich Bescheid?"

Das wohl, aber in der Landwirtschaft find die

Lücken befto größer."

Dafür ist Erdmann da, der ist eine ehrliche Haut und versteht seine Sache, doch taugt er nicht zur Oberleitung und Buchführung ist ihm fremd."

Der Mann macht auf mich einen guten Ein­druck, ich werde viel bei ihm zu lernen haben, wenn ich auch von Jugend auf mft ländlichen Ver­hältnissen vertraut bin."

Ihr Herr Vater war Besitzer."

Nein, nur Pächter."

Sol"

Die Privatverhältnisse des Administrators schienen den alten Herrn nicht Wetter zu interessieren.

Schulz atmete auf, bte Gefahr war glücklich

borbeigegangen.

Ich werbe Ihnen nachher alle Bucher Ihres Vorgängers herüberschicken und denke, daß Sie sich darin ausfinden können."

Nehmen Sie sich zu allem Zett, und lernen Sie erst Grund und Boden kennen. Sollte Erd­mann Ihnen irgend etwas nicht beantworten können, so bin ich zu dieser Stunde stets für Sie zu sprechen. Außerdem empfehle ich Sbnen unfern alten Pfarrer, der Ihnen jede Auskunft zu geben vermag. Kutscher Christian wird Ihnen den Fuchs zeigen der zu Ihrer persönlichen Benutzung bereit steht. Auch über Pferd und Wagen dür­fen Sie frei verfugen, wenn Sie eine Ausfahrt machen wollen, im Falle Sie in der Umgebung Verkehr suchen . Wir leben ganz für uns und sehen niemanden, seit feit nun seit vielen Jahren schon. "

Der alte Herr stand plötzlich auf, über sein Gesicht flogen tiefe Schatten, Walter fühlte es, die Audienz war zu Ende. Er erhob sich und wollte mit einer stummen Verbeugung verschwinden, da hielt ihn eine Handbewegung zurück:

- »Noch eins, sollten Sie in den Büchern Un-

Umschau.

Aus dem Kaisermanöver.

Die Kaisermanöver endigten am Freitag bei Weißenfels an der Saale, nachdem Preußen und Sachsen fünf Tage hindurch mit wechselndem Glück gekämpft haben. Beide Gegner zeigten sich einander gewachsen und bewiesen ihre Schlagfertigkeit. Am letzten Tage führte der Kaiser die beiden preußischen Armeekorps Nr. 44 und Nr. 11 sowie das sächsische 12. Korps und ein Kavalleriekorps gegen das sächsische 19. Korps unter General v. Treftschke. Dieser hatte seine Armee bei Gröbitz mit zurückoebogenem linken Flügel ausgestellt. Der Kaiser führte seine Armee unter äußersten Benutzung des schluchten­reichen Geländes heran und stieß mit dem 11. und 44. Korps gegen die Front der Verteidig­ungsstellung. Besonders das 4. Korps sührfp nach dem Bericht desB. L.-A." einen sehr maskierten Angriff durch. Das 12. KorpS hatte der Kaiser weit südöstlich disponiert, so daß eS den feindlichen linken Flügel umfaßte. Das Kavalleriekorps ließ er noch weiter nach Osten umkreisen. Es attackierte, als die drei anderen KorpS unter steter Führung des Kaisers den Feind vollkommen erschüttert, zum Teil schon geworfen hatten. Durch diesen voll­ständigen Sieg blieb die Absicht der kaiserlichen Armee, freie Hand nach Westen zu behalten, vollkommen gesichert. König Georg von Sachsen wohnte dem Manöver als Zuschauer bei. Das Wetter war kühl und stürmisch. Durch die' Truppenmaffen ging, als Sie Signale den Schluß der Manöver verkündeten, eine freudige Be­wegung, überall waren lachende Gesichter zu sehen. Am glücklichsten sind die, für die die Parole nun lautet: Nach Hause! Die nächsten Kaisermanöver sollen angeblich unter Beteiligung des 7., 8., 10. und 11. Korps int südöstlichen Teile Westfalens stattfinden.

Deutsches Reich

Berlin, 12. Septbr.

Der Kaiser reist am heutigen Sonnabend vor­mittag von Merseburg nach Mohacs in Ungarn zur Jagd bei dem Erzherzog Friedrich. Die Ankunft dort findet Sonntag früh statt. Die Katierm, bte bereits nach Potsdam zurückgekehrt war, begab sich am Freitag nochmal nach Merfeburg, um sich von ihrem Gemahl zu verabschieden. .

Die einzige Tochter des Kaiserpaares, Prinzessin Viktoria Luise, wird am Sonntag 12 Jahre alt.

- Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiser- Paares, legt in Siefen Tagen in Kiel die Ergänzungs­prüfung in Artillerie ab. Dann beginnt der Praktisch« Dienst, zunächst an Bord des Kreuzers .Hertha m Ostafien.

Betreffs der Einberufung des Reichstags und seiner nächsten Arbeiten ist, der .deutsch. Tagesztg. zufolge, zwar ein endgültiger Beschluß noch mcht ge­faßt, doch ist es unwahrscheinlich, daß der Zusammen­tritt des Hauses vor Ende November erfolgen werde.

ordnung finden, so gehen Sie der Sache nicht weiter nach. Ich habe den Kerl, den Schäfer lau­fen lassen und möchte nicht hinterher Aerger haben."

Wie Sie befehlen, Herr Baron. Soweit es sich mit meiner Ehre verträgt, werde ich schweigen, uni Ihnen Verdruß zu ersparen."

Baron Schulz blickte erstaunt auf, der neue Beamte hatte seinen eigenen Kopf und seine Ansichten. Na, so lang sie sich nicht mit den fernen kreuzten, konnte man ihm das ja gestatten.

Der Assessor hielt dem Blick ruhig Stand und setzte dann noch hinzu:Inspektor Erdmann bat um meine Erlaubnis, mich Herr Leutnant zu nennen. Ich sagte es ihm zu, im Falle Sie, Herr Baron, damit einverstanden seien."

Der alte Herr ließ ein kurzes Lachen hören, es rief ein wunderliches Echo wach in den Ecken des wetten Gemachs:Daran erkenn' ich Erdmann, den früheren Kavalleristen, aber er kennt ferne Leute und er mag mit feinem Vorschläge Recht haben. Ich finde nichts dagegen einzuwenden, Herr Assessor."

Walter ging, ein langer Blick seines Herrn folgte ihm, und eine leise Stimme flüsterte ihm zu:Dieser Mann gefällt diw"

Frau Lore war indessen nicht müßig gewesen, mit Frau Siegfrieds Hülfe hatte sie schier Ueber- menschliches geleistet, und als Walter zunr Mittag­essen erschien, harrte ein sauber gedeckter Tisch int behaglich eingerichteten Eßzimmer der hungrigen Gatten. Werner sprang dem Vater fröhlich ent­gegen und hatte soviel zu berichten von seinen Entdeckungsreisen, daß derkleine Mund kein Ende finden konnte und energisch zur Ruhe gewiesen toerSen mußte. Man vertröstete ihn auf später und so sprach denn ein jeder der einfachen Mahlzeft zu, welche nach den kulinarischen Kenntnissen bet neuen Guste gewählt worben war. Befriebigt er­hob sich Walter vom Tisch und zog sich nut, der Erklärung, daß er in seinem Zimmer zu arbeiten