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mit dem Kreisölatt für die Kreise Marburg und Kirchhain, z

Sonntagsbeilage: JÜuftrirtcs Sonntagsblatt.

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Aiertcljährlichcr Bezugspreis: bet oct Expedition 2 Mk., AfKrttBlttd Erscheint wöchentlich sieben mal.

bei allen Postämtern 225 Mk. tcxct. Bestellgeld). Druck Md Verlag- Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 38. Jlchlg.

WfrTrwrf.n S'i' 9't 'IIfSonnLaa, 13. September 1903. Marburg, Martt 21. Telephon 55.

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Erstes Blatt.

Revision des Einkommensteuer- Gesetzes.

DieB. P. 9t." schreiben mit offiziösem An­striche: Bereits in der letzten Landtagssession ist gegenüber den von verschiedenen Seiten geäußer­ten Wünschen auf Revision des Einkoininensteuer- gcsetzcs darauf hingewiesen worden, daß es immer­hin ernsten Bedenken unterliege, nach kaum zwölf­jährigem Bestehen der jetzt geltenden Bestimm- ungen an eine Aenderung zu denken und daß jedenfalls dabei mit der größten Vorsicht vorge­gangen werden müsse. Die im Landtage hervor- getretenen Wünsche erstrecken sich bereits auf eine ganze Reihe von Gebieten: Anrechnungsfähigkeit der kommunalen Ertragssteuern, Freilassung der Amortisationsbeiträge bei den Landschaften, so­weit sich die zur Amortisation bestimmten Sum­men der Verfügung der Schuldner entziehen, Er­weiterung der Bestimmungen der §§ 18 und 19 des Einkommensteuergesetzes, betreffend die Be- rücksichtigung besonderer die Sleuersähigkeit be­einträchtigender Umstände bei der Veranlagung. Alle diese Wünsche, von denen zweisellos manche nicht unberechtigt sind und grundsätzliche Zu- stimmung verdienen, haben ober da? gemeinsam, daß sie eine nicht unbeträchtliche Verminderung des Ertrages der Einkommensteuer herbeiführen würden, ohne daß, abgesehen von einer Seite, Wege und Mittel angegeben worden waren, den in Aussicht zu nehmenden Ausfall durch Erhöhung des Ertrages an anderen Stellen ouszugleichen. Nach der Lage unserer Finanzen kann aber von einer Aenderung des Einkommensteuergesetzes nur dann ernstlich die Rede sein, wenn einer Vermin­derung des Aufkommens aus der Einkommen­steuer vorgebeugt wird. Denn angesichts der Zunahme der Ausgaben zur Befriedigung der Knlturbedürfnisse unseres Landes und angesichts des unsicheren und zweifelhaften finanziellen Ver­hältnisses zum Reiche lväre es mit der dauernden Sicherung des Gleichgewichts zwischen Einnahmen und Ausgaben int preußischen Staatshaushalt un­vereinbar, den Ertrag aus dieser sichersten und stetigsten Einnahmequelle des preußischen Staates erheblich zu vermindern. Es kommt hinzu, daß, wie erst die jüngste Zeit recht nachdrücklich in Er­innerung gerufen hat, die klebe rschüsse aus den Eisenbahnen sehr wechselnder Natur sind.

Fehlt es daher schon inbezug auf die im Land­tage hervorgetretenen Wünsche auf Aenderung des Einkommensteuergesetzes an der notwendigen finanziellen Gruitdlage, so sind neuerdings noch ungleich weitergehende Forderungen auf Äender- ung des Einkommensteuergesetzes unter Vermin­derung des Ertrages der Steuer hervorgetreten. In derFreisinnigen Zeitung" wird nichts we­niger als die Ueberlassung der Steuer von den Einkommen bis einschließlich 1500 dl int Betrage von 22 Millionen dl an die Gemeinden gefordert. Es handelt sich dabei in Wirklichkeit um die Auf­frischung eines Gedankens, der in bett vom Fürsten Bismarck anfangs der 80 er Jahre des vorigen

tNachdruck verboten.)

Jugendliebe.

Spreewald-Skizze von Alfred 6 ent er au.

Noch niemals hatte der Fährmann solch einen schiveigsamen Fahrgast gehabt. Jetzt hatte der Kahn schon den halben Weg von der Stadt bis Segrow zurückgelegt, und der Fahrgast hatte nicht mehr als die fünf Worte gesprochen beim Besteigen des Kahnes, die dem Fährmann befahlen, über Segrow durch die Forsten nach Könitz zu fahren. Der Fährmann wußte nicht recht, was er ans seinem Fahrgast machen sollte. Einer von denen, die um des Vergnügens willen nach dein Spree­wald kamen, schien er nicht zu fein. Die Ver- gnügungstsuristen kamen meist gleich in Schwär­men und Gruppen, und im September kamen sie überhaupt schon selten. Ein Maler konnte aber der Fahrgast auch kaum sein. Die kamen mit ihren Staffeleien, Pinselkasten und Paletten, den Malern sah man gleich ihr Handwerk an, wenn man schon so lange Fährmann gewesen war wie Wilhelm Henzka. Der Fremde hatte nur wenig Gepäck, und darunter war sicher keine Statfelei. fein Malkasten. Wilhelm Henzka kam nicht ins Reine mit seinen Gedanken über den Fahrgast.

Der von der Stadt nach Segrow fährt, kann schon still seinen Gedanken nachbängen. Niemand braucht den Kahn zu treiben, die Wasser tragen ihn schon fort, ohne das; jemand nachhilft. Und lenken kann man den Kahn so leicht mit dem laugen Eichen rüder: wer sich nur ein bischen anfs Rudern versteht, kann hier ganz allein fahren. Wenn die Sonne, wie jetzt am Spätnachmittag, anfs Wasser fällt durch die Wivsel der Kastanien, die schon rot und gelb sind, ist das Wasser wie grünes Gold: wenn der Kahn aber an der großen Schneidemühle vorübcrgeglittcn ist und nun über die schmalen Fließe geht, an denen Weidenstümpfe sieben und die aucb nur spärlich, dann in das

Jahrhunderts inspirierten sogenannten Verwend­ungsgesetzen zum Ausdruck gelangt war. Auch in jenen Entwürfen war die Ueberweisung der Klassensteuer, so weit diese nicht ganz aufgehoben werden sollte, an die Gemeinden in Aussicht ge­nommen. Dantals sind aber die Msmarckschen Pläne gerade von linksliberaler Seite auf das heftigste bekämpft worden. Von jener Seite ist sogar die Freilassung der Einkommen bis 900 dl von Staatssteuern grundsätzlich bekämpft worden, und zwar vom Standpunkte der allgemeinen Steuerpflicht und ihrer erziehlichen Mrkung auch auf die ärmere Bevölkerung. Man sieht also, daß sich inzwischen auf jener Seite eine weitgehende Wandlung der Anschauungen vollzogen hat, daß man, wie übrigens auch auf anderen Gebieten, jetzt Gedanken aufnimmt, welche früher, solange sie Fürst Bismarck befürwortete, leidenschaftlich bekämpft wurden. Aber auch abgesehen davon, wird der Gedanke eines Verzichts des Staates auf die Steuer aus den Einkommen bis 1500 dt ohne weiteres von der Hand zu weisen fein. Soll der Staat nicht außer Stand gesetzt werden, feine Kuliuraufgabett zu erfüllen, so muß er alle feine Einkommcnqttellen, insbesondere aber diejenigen steuerlicher Natur, auf das Pfleglichste behandeln und schonen, und zwar gerade jetzt in besonderem Maße, wo eine ganze Reihe neuer mit großen Mehrausgaben verbundener gesetzgeberischer Pläne der Ausführung entgegengeführt werden soll. Wir erinnern in dieser Hinsicht nur an das im Landtag so lebhaft geforderte Schuldotationsgesetz und an die Maßnahmen zur Sicherung weiterer Land­striche vor Hochwassergefahr. Deshalb erscheint schon aus rein finanziellen Gründen ein Vorschlag, welcher dem Staate den Verzicht auf eine Ein­nahme von 23 Millionen dl ansinnt, völlig in­diskutabel.

Umschau.

Die Reichstags-Nachwahl in Dessau- Zerbst

hat kein endgiltiges Ergebnis gezeitigt. Obwohl die Nationaftiberalen erklärt hatten, schon im ersten Wahlgange für den Kandidaten der Barth- schen Gruppe, Schroder, einzutrcten und dies wohl auch zu einem großen Teil getan haben, ist die auf Schrader gefallene Stimmenzahl um rund 2000 niedriger als die, welche der sozialdemo­kratische Kandidat aus vereinigt hatte. Es steht also fest, daß Schrader das Vertrauen der Freisinnigen bezw. Liberalen nicht voll besitzt. Wenn nun aber nicht einmal die bürgerliche Linke sich dazu entschließen kann, vollzählig für einen der ihrigen zu stimmen, so wird man es doch den rechts stehenden Wöhlern nicht etwa zum Vorwurf mache», wenn möglicherweise ein Teil von ihnen, ongewidert durch das Verhalten Barths. Schra­ders usw., es dem freisinnigen Kandidaten an- beimstellen wollte, sich von seinen eigenen Leuten heroiishanen zu lassen.

Die Ausstellung des Kandidaten Schrader war eine direkte Provokation der Rechten. Stellen also freisinnige Organe jetzt die Forderung auf, die Konservativen sollten pslichtgemöß gegen die sozialdemokratischen Kandidaten stimmen, weil sie

Wasser Heller leuchtender, und manchmal kann man bis auf den gelben Grund feben.

Man fährt nicht lange von der Stadt bis Segrow, und dieser Weg ist nicht der schönste, den es im Spreewald gibt, aber der stillste ist es sicher, llnd darum kommen hier die Gedanken und Er­innerungen, die aus den anderen Wegen erschreckt vor der bunten, vielgestalftgen Wirklichkeit zuriick- weichen. Wilhelm Henzka braucht nicht auf die Fahrt zu achten, er hat den Weg schon tausendmal gemacht. Er könnte ihn im Scklas finden. Der Fährmann weiß nicht, wer der Fremde ist und toas er zu dieser Zeit im Spreewald will. Darüber morf* er sich nun Gedanken. Der Fremde sitzt still auf der Kahnbank. Obwohl die Sonne in breiten goldenen Lickt fluten sich vom Himmel er­gießt, hat er den Hut aus der Stirn gerückt, als wolle er besser sehen. Die Hände hält er über den. Knien gc'nltct. und, als Wilhelm Henzka sich diese Hände genau ansieht, merkt er, daß diese Hände nie gewohnt gewesen sind, grobe Arbeit zu tun. Wilhelm Henzka versteht sich auf Hände, er denkt, am Ende sind das doch Malerhände.

Nackte Felder sieht der Fremde, kleine unzäh­lige Erdhäufcken auf den Feldern deuten an, daß unter ihnen Kartoffeln sich verborgen hielten, Merrettig.'Zwiebeln lagen, daß alles nun schon eingescnmnelt ist ftir den Markt in der Stadt, die Stoppelfelder zeigen, daß die Ernte vorüber ist. die kurzgeschnittenen Wiesen sagen, daß auch der zweite Schnitt vorbei ist. Kahl und öde sehen die Felder und Wiesen aus, und noch elender würden sie sein, wenn nicht die Sonne ihre feinen Gold- gesvinste über sie gebreitet hätte. Es lohnt sich wirklich kaum der Mühe, so genau über die Felder und Wiesen zu sehen, denkt der Fährmann. Wil­helm Henzka hat schon die Hoffnung aufgegeben, den Fahrgast sprechen zu hören. Wer so lange nichts gesagt bat, der fängt nicht mit einemmal dicht vor Segrow an zureden, denn da sieht man schon durck dje Erlcnstäinme die Säufer und Back-

als Grundsatz Proklamiert hätten, unter allen Um­ständen gegen die Sozialdemokratie sich zu wenden, so unterschätzen sie die Selbstverleugnung, die ge­rade einem Kandidaten wie Schrader gegenüber geübt werden müßte. Man vergesse dabei nicht, daß sich seit den letzten Reichstagswahlen inbezug auf die Stellung der Konservativen zur Frei­sinnigen Vereinigung eine wesentliche Aenderung vollzogen hat. Seitdem wird von der Barthschen Gruppe das Bündnis mit der Sozialdemokratie gegen die Reaktion" mit größtem Eifer Propa­giert, und dadurch hat sich die Freisinnige Ver­einigung mit der Sozialdemokratie auf eine Stufe gestellt.

Wir wissen natürlich nicht, in welchem Sinne die Wähler des Herrn Schirmer sich entscheiden werden; vermutlich werden sie in ihrer großen Mehrzahl dazu beitragen, daß die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktton nicht noch um eine weitere Null vermehrt wird. Aber um den Sieg des Herrn Schrader zu ermöglichen, ist es vor allen Dingen erforderlich, daß er versucht, die eigenen Leute der bürgerlichen Linken für sich zu gewinnen, und das dürfte eine schwierige, aber auch dringendere Aufgabe sein, als die Rechte an ihrePflicht" zu mahnen.

Die Polnische Gefahr.

Nach der vergleichenden Uebersicht der Reichs­tagswahlen von 1898 auf 1903, die auf gründ der Berichte der Wahlkommissare im kaiserlich- statistischen Amte aufgestellt worden ist, ist die Zahl der von den polnisch sprechenden Wählern abgege­benen Stimmen von 244 128 auf 347 347 784 oder von 3,1 auf 3,7 v. H. gestiegen. Man sieht, daß die fortlaufende und mit Aufwendung erheb­licher Mittel betriebene Agitation ihre Früchte ge­tragen hat, und da, wo die Führer der allpolni- schen Bewegung am eifrigsten und unter Vorspie­gelung falscher Tatsachen gearbeitet haben, in Oberschlesien und Westpreußen, sind polnische Kandidaten in der Stichwahl zum Siege gelangt. Eine weitere Ausdehnung^ dieser Agitation zu gunsien der allpolnischen Sache steht bevor, denn die Bildung eüies polnischen Zentral-Wahlkonntees für das Deutsche Reich befinde sich, wie der Posener Goniec Wielkopolski" mitzuteilen weiß, schon in dem Stadium offizieller Beratung seitens der ein­zelnen Provinzial-Wahlkomitees. In diesen Vor­verhandlungen, soweit ihr Ergebnis bekannt ge­worden ist, wurdeeinmütig und grundsätzlich" die Notwendigkeit der Bildung einer zentralen Wahlbehörde anerkannt. Das Berliner Wahl­komitee hat bereits einen Delegierten nach Posen zur Teilnahme an den einschlägigen Beratungen abgesandt.

lieber den Wert und die voraussichtliche Wirk­ung der gevlanten Neuerung äußert sich das ge­nannte Blatt dahin:Unsere künfttge Wahlor­ganisation wird nicht nur die bereits bestehenden Provinzialkomitees umfassen, sondern sie wird ihre Befugnisse auf alle Wahlkreise ausdehnen, wo pol­nische Wähler wohnen. Die Bildung eines Zen- tralwahlkonntees für Dciitsckland wird ein Glied mehr fein zum Ziisammenschaaren aller Polen unter eine gemeinsame Losung sie wird eine konkrete Tat mehr sein, welche beweist und bestätigt die tatsächliche Entwickelung unseres gesunden na-

steinösen des- Dorfes. Der Fährmann hängt ganz seinen Gedanken nach, da wird er aufgerüttelt durch die Frage des Fremden:Wem gehört das Gasthaus in Segrow?"

August Richter, dem jungen Richter. Das heißt, jung ist er nicht mehr, aber zum Unterschied vom Vater"

Wilhelm Henzka. der erfreut ist, endlich ein­mal reden zu bürren, will nock weitersprechen, aber der Fremde schneidet ihm das Wort ab!Da können wir auf ein Viertelftündchen ein kehren."

In der langen schmalen Holzveranda, die links vom Wirtshaus sich hinftreckt, sind zwar alle Tische mit bunten Tüchern belegt, aber niemand schi an ihnen; und es währt auch eine Zeit, ehe das Mädchen kommt und »ack den Wünschen des Gastes fragt. Ter Fremde sagt, was er wünscht, und das Mädchen geht. Er ruft sie noch einmal zurück:Wie heißen Sic?"

Anna." Das Mädchen ist erstaunt über die Frage, aber sie lächelt ein wenig und wendet, viel­leicht will sie der Gast noch etwas fragen. Zögernd gebt sie, er hat nichts mehr gesagt. Er hat nur leise wiederholt:Anna!"

Der Gast hat gegessen und sitzt nun bei einem Glase Rotwein. Der Gastwirt hat ihn begrüßt und siebt neben dem Tisch. Der Gast ist fremd hier und will vielleicht manches wissen, denkt er. In dieser touristenarmen Zeit muß man jedem Gast doppelt gefällig sein. Der Wirt aber weiß noch nicht, wovon er mit dem Fremden gerade sprechen sott.

Da sagt der Gast:Jetzt muß Ihre Bilder­galerie da drüben im wendischen Saal doch schon recht stattlich sein, Herr Richter."

Der Wirt ist ganz verdutzt, der Fremde war also doch schon mal in Segrow. Der Wirt sieht ihn an, erkennt ihn aber nicht.

Ich muß mich wohl sehr verändert hoben." sagt der Gast, ,,Dg brüh?;; jft mm) was von mir? Er stebt auf..gebt hinüber4» dem.wendischen Saal.

ttonalen Gedankens". Das sind keineswegs leere Worte ober übertriebene Vorstellungen. Der Ver­lauf der letzten Wahlperiode beweist, daß die polnischen Wahlkomitees organisiert und unter­stützt von den Leitern der Nattonalliga, ihre Auf­gabe richttg verstanden haben und daß die Mehr­heit der polnisch sprechenden Bevölkerung für den Gedanken der Wiederaufrichtung eines selbstän­digen polnischen Reiches leicht zugänglich ist. Dte- fes Ziel aber kann nur durch eine Losreißung der ehemals polnischen Gebietsteile von den Staaten, denen sie seit mehr als 100 Jahren angegliedert sind, verwirklicht werden.

Mögen auch die Führer der allpolnischen Be­wegung von der vorläufigen Aussichtslosigkeft dieser Pläne durchdrungen fein, so setzen sie doch nichtsdestoweniger ihre Hetzarbeit mit unge- schwächten Kräften, und darüber darf man sich nicht täuschen, mit wachsendem Erfolge fort. Eine ernste Gefahr aber bedeutet es für die Sicherheit eines Staates, wenn auf die Loyalität und patriotische Gesinnung seiner Grenzbevölkerung nicht unbe­dingt und in jedem Falle gezählt werden kann. Deshalb sind die Besorgnisse, die sich angesichts der unablässig wachsenden Propaganda des Polen« tums aller Deutschen bemächttgen müssen, nur zu sehr begründet.

EinlehrreicherKommentar.

Ein dem sozialdemokratischen Parteitage vor­liegender Antrag fordert folgende Abänderung des Punktes 6 "des sozialdemokratischen Partei­programms:

6. Erklärung der Religion zur Privatsache Daraus sich ergebende Forderungen:

a) Trennung zwischen Staat und den heutigen Kirchen.

b) Abschaffung aller Aufwendungen aus öffent­lichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken.

c) Entfernung des konfessionellen Religions­unterrichts aus der Schule.

d) Ersatz desselben durch einen Moralunterricht ohne metaphysische Voraussetzungen, einen umfassenden naturwissenschaftlichen Unterricht einen wissenschaftlichen Unterricht in der Re­ligionsgeschichte.

e) Verbot der Erteilung jeglichen Glaubens­unterrichts an Kinder unter sechzehn Jahren.

f) Bekämpfung aller religiösen Wahnvorstell­ungen durch Aufklärung ihrer Anhänger., g) Austritt ans konfessionellen Religionsgemnn- schaften, deren Glauben man nicht mehr teilt."

Ferner wird beantragt, der Parteitag solle be­schließen, als notwendige Folge dieserForderungea nachstehende Ergänzung des Organisationsstatuts vorzunehmen:

Nur solche Personen, die feiner konfessio­nellen Religionsgemeinschaft angehören, dürfen Partciämter bekleiden und von dieser Partei als Kandidaten für Kommunal». Land- und Reichstagswahlen aufgesiellt werden."

Die Forderung, inbezug auf die Stellung der Sozialdemokratie zur nein gegen die Religion Klarheit zu schaffen, ist schon auf verschiedenen Parteitagen erhoben worden. Aber die betreffen­den Anträge sind bisher stets ohne weiteres unter den Tisch gefallen. Da nun Bebel erklärt Hot, dem

der rechts an das Gasthaus heraugebaut ist, öffnet die Tür und geht hinein. Der Wirt folgt ihm, und so gehen sie beide an den Wänden entlang, die mitOelbstdern bedeckt sind, mit Skizzen und Studien. Vor einem kleinen Bilde bleibt der Fremde stehen: Vorn an einem schmalen Fließ ein Häuschen, über dessen Dach die Schatten zweier hoher Erlen fallen, die am Wasser stehen. Im Hintergründe ziehen sich die Felder weit hin, ein paar Heustaken zeigen, es wird Herbst. Aber noch liegt über allem der lichte Sonnenglanz des Sommers.

Der Fremde zeigt ans das Bild:Da isi's. W. R. Sehen Sie da in der Ecke. Wilhelm Rotter, 's ist natürlich schonne Weile her, daß ich das gemalt habe."

Der Wirt hatte die Hände des Malers gesoßt: Ja, jetzt kenne ich Sie wieder. Ihr Bart hat Sie so verändert."

Na. auch sonst hab ich mich doch verändert, was Herr Richter? Zehn Jahre sinds doch schon gilt und gerne her, seit wir uns znm ketzten Male sahen. Und zehn Jahre find eine lange, lange Zeit! Eigentlich müßte ich jetzt zu Hause sitzen und malen, anstatt durch den Spreewald zu fahren, aber ich mußte doch endlich mal meine Jugendliebe Wiedersehen, denn hier hab ich ja malen gelernt, sehen und malen. Den Spreewald hab ich nicht vergessen, und immer hab ich mir borgenommen, einmal fährst du noch hin, und jetzt hab ich das ja auch durchgefetzt."

Und nun Heiden Sie eine Weile hier, Hen Rotter."

Wo denken Sie hin? Heute will ich noch nach Könitz, 's ist Zeit."

Nach Könitz kommen Sie nicht vor drei Stun­den und dann ists schon dunkel."

Da hoben Sie pxx Maler dachte nach. T,Sargen Sie Herr Richter, weil ich nun doch mal Segrow vom ganzen Spreewald am besten fennt und am meisten liebe, will ich hier bleiben, W