mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchharn.
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M 241
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Marburg
Sonnabend, 12. September 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55,
38. Jahrg.
Die Komödie geht weiter.
Dem „vergewaltigten" Sozialistenchef Bebel wird die erste Genugtuung zu teil. Die Preßkommission des „Vorwärts" erklärt, die Ablehnung der Bebelschen Elaborate durch die Redaktion des Zentralorgans nicht billigen zu können. Die Redaktion dagegen verwahrt sich gegen diesen Rüffel und bleibt auf ihrem Standpunkte stehen, um so mehr, als sie des Herrn und Meisters Erklärungen nicht rundweg abgelehnt, sondern nur um die Abänderung derselben „ersucht" habe.
Inzwischen hat auch Gerisch sich und Auer wegen dieser „Gewalttat" verteidigt und die Ablehnung der Bebelschen Auslaffungen mit der Befürchtung motiviert, daß sich daran ein ganzer Rattenkönig weiterer Erklärungen geknüpft haben würde. So wird die neue inter- effante Sache schon in aller Stille in die „richtigen" Bahnen gelenkt werden, bevor die „große" Debatte aus dem Dresdener Parteitag losgeht.
Man pflegt solche Skandälchen rein programmmäßig zu behandeln. Die Lust der „Genossen" an unterhaltsamen Gezänk findet dabei volle Befriedigung, die wiedersinnigen Mauserungshoffnungen unverbesserlicher Optimisten oder bösartiger Taktiker erhalten neue Nahrung, und schließlich erscheint die „durch nichts zu erschütternde" Einigkeit der Sozialdemokratie zur Freude aller in der schönsten Beleuchtung. Im Komödienspiel sind die Sozialdemokraten inklusive Bebel Meister.
Was ist es anders als Komödianterie, wenn Bebel in seiner Auslastung in der „Leipziger Volkszeitung" behauptet, das „Unglaubliche" sei geschehen, seine Erklärungen seien vom „Vorwärts" zurückgewiesen worden? Die Redakteure des Zentralorgans erklären neuerdings — zam zweiten Male — unter genauer Begründung, daß sie dem Abg. Bebel „irrige tatsächliche Voraussetzungen" nachgewicfen und ihn deshalb um Aenderungen ersucht hätten, daß also eine Ablehnung gar nicht in Frage gekommen sei. Bebel hat sich also, wie man sieht, nach bewährter Methode, um Eindruck zu machen, nicht genau an die Wahrheit gehalten. Er verlangt eben die unbesehene Aufnahme seiner Elaborate, also ein Ausnahmerecht für seine Person.
Auch die Bebelsche Artikel-Serie, die nun endlich in der „Neuen Zeit" erschienen ist und dort volle einundzwanzig Seiten einnimmt, dient nur der persönlichen Selbstverherrlichung. Ans allen Spitzfindigkeiten, von denen die Artikel wimmeln und aus allen Abkanzlungen, die er in reicher Zahl über seine „intimsten" Freunde, Bernstein, Heine, v. Vollmar, Peus u. a. ergehen läßt, sieht man die Selbstüberhebung Bebels und seine Eifersucht auf den bayerischen „Aristokraten" und die „Akademiker". Ter Ehrgeiz des proletarischen Autodidakten kommt
19 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
(Fortsetzung >
Das alles konnte Walter ihm geben und Lore, die liebe heitere Frau Lore, sollte in ihrer Unbefangenheit seine beste Helferin sein. Er beugte sich zu ihr nieder und blickte in die klaren, braunen Frauenaugen: „Du wirst immer Geduld mit ihm haben, Lore, wenn er in Dein Leben treten sollte!"
Die junge Frau wußte gleich, wen ec meinte, und antwortete lächelnd: „Dein alter Griesgram soll cs stets gut bei mir haben. Aber cs ist nur die Frage, oh er überhaupt etwas von mir wissen will. Frau Siegfried sagte mir vorhin in aller Eile, der alte Baron sei der wunderlichste Mensch, der ihr je vorgekommen sei. Er habe immer so über sic wcggcsehcn, als ob irgend einer hinter ihr stände. Sie habe sich heimlich umgedreht, aber da sei keiner dagewesen."
„Ich sage es ja. auch nur für den Fall, Lore, daß er Deinen Weg gekreuzt. Meine Stellung wird zuerst sehr schwierig sein. Erstens ist sie eine neu geschaffene und zweitens sind mir die Verhältnisse total fremd. Mit großer Freudigkeit trete ich mein neues Amt an und hoffe, mich darin glücklich zu fühlen. Aber für die erste Zeit ist für uns die strengste Zurückhaltung geboten, auch für Dich und die Kinder."
„Sei ohne Sonic, liebster Mann, ich mache es wie bei unserem Schachspiel, erst muß ein Zug von seiner Seite erfolgen und dann kommt einer von unserer Seite und so Zug um Zug, bis wir alle Groll, alle Bitterkeit aus dem Felde schlagen und die Schlacht gewonnen haben. Und tut er Dir weh, der arme, alte Herr, und kränkt Dich, bann komm nur zu uns, wir küssen Dir alle bösen Falten fort. Mir ist nicht bange, wenn ich nur
bei ihm überall zum Vorschein. Auf diese Weise wird Bebel schließlich zur komischen Figur in der von ihm mit so großem- Eifer inszenierten Komödie.
Bebel hat seinen „Sieg" auf dem Dresdner Parteitage schon in der Tasche. Die von ihm in lächerlicher Weise aufgebauschteVizepräsidenten- frage wäre ohnedies in seinem Sinne — der Not gehorchend — ablehnend entschieden worden. Er brauchte wahrlich nicht erst alle Folgen für einen „Genossen" als Vizepräsident zu schildern, die namentlich fürchterlich sein müßten, wenn — ein Bebelsches Beispiel — die „Hoftracht aus den Zeiten Ludwigs XV." ein geführt würde. Die ganze Aufbauschung dieser Sache hat nur den Zweck, für den Parteitag, dem ohne besonderes Jntereffe entgegengesehen wurde, Reklame zu machen und Herrn Bebel in bengalischer Beleuchtung zu zeigen: Komödie!
Was ist es ferner anderes' als Konwdi- anterie, wenn Bebel den Revisionisten vorwirst, sie gäben den Gegnern Stoff zu „albernen Hoffnungen und törichten Schlußfolgerungen" und w-nn er dabei selbst die Zustände in der Sozialdemokratie so darstellt, als warteten die Revisionisten und „Akademiker" nur auf den Tod der „Alten", namentlich aber des „größten" derselben, Bebels, um eine Umwandlung der Partei herbeizuführen? Bebel selbst übertreibt in seiner gewohnten Manier, um sich als Hüter der sozialdemokratischen Einigkeit hinzustellen und in Dresden als Triumphator erscheinen zu können.
Wie die Komödie enden wird, weiß aber schon heut jeder. Der Parteitag wird die bereit gehaltene Resolution, die natürlich vorher in vertraulichem Zirkel zu allseitiger Zufriedenheit sestgestellt ist, annehmen. Die Revisionisten werden den Löwen von Zürich-Küß- nacht besänftigen, und die Dreimillionenpartei wird in Dresden dastehen als eine weltgebietende unerschütterliche Macht, deren Stärke darin beruht, daß fie auch die „schärfsten" Diskussionen in aller „Öffentlichkeit" vertragen kann. Das ist das „Tableau", mit dem, unter den Klängen der Arbeitermarseillaise und unter Hochrufe auf die „völkerbesreiende" Sozialdemokratie die neuste große Komödie in Dresden schließen wird.
Umschau.
Kaiser Wilhelms Reise nach Wien.
Uebcr den Besuch unseres Kaisers am österreichischen Hose veröffentlichen die Wiener Zeitungen fortgesetzt eingehende Artikel. Kaiser Wilhelm trifft danach am Freitag, den 18. d. M., vormittags halb 10 -Uhr. mit Hofsonderzug aus Mohärs auf dem Wiener Siidbabnhofe ein. Auf dem Wege vom Bahnhof zur Hofburg werden die Turppen der Wiener Garnison Spalier bilden. Die kürzlich von einem Wiener Blatte gebrachte Mitteilung, der Reichskanzler Graf Bülow werde
Dich habe und die Kinder. Höre nur, da kommen sie schon."
Die Tür öffnete sich und Frau Siegfried erschien mit der dampfenden Koffekannc. Die kleine Ursel hing ihr an der Schürze, Werner flog voraus. den Eltern entgegen: „Vater, denk bloß, Fra» Siegfried sagt, auf dem Hofe wären vierzig Pferde das ist doch sehr viel. So viel kann ich ja noch gar nicht zählen. Und in dem Schlosse wohnt euch ein Großpapa und eine Großmama, zu denen gehe ich dann alle Morgen gerade wie zu Großvapa Forstmeister und Groß-Ursel. Ob sie auch so schöne Schokolade haben? Ach ja Vater, nachher gehst Du mit mir in den Hof zu alle den Pferden. Da ist eine freundliche Frau, die hat uns zugenickt. Mamsell Erdman» heißt sie. sagt Frau Siegfried, und da sind Hühner, Enten und Tauben. Tie Schafe komme» erst später, tagte Guste."
„Guste?" unterbrach der Vater de» aufgeregte» Knabe».
„So heißt doch unser neues Mädchen Vater, und die weiß gut Bescheid hier. Die sagt, hier sei es viel schöner als in Schwarzbach. Viele, viele Bäume hätten wir auch da. aber so ein Hof wäre das Aller-, Allerschönste auf der ganze» Welt. Aber eins glaube ich nicht, Guste sagt, im große» Stalle wären hundert Kühe. Weißt Du Vater hundert, hundert! Es sind sicher nicht soviel, meinst Du nicht? Du kannst sie ja nachher mal zähle» Vater, oder dauert das zu lange?"
„Wir wollen mal sehen, Werner, ob Vater das kann. Jetzt wollen wir aber Kaffe trinke» und Kuchen elfen, das können wir, nicht wahr, mein Jnnae?"
Werner blickte aber ganz tiefsinnig vor sich hin, als er an dem Tische saß und murmelte leise: „Hundert Kühe, so was giebt's doch gar nicht."
Frau Sore, die neben ihm saß, strich ihm zärtlich über den kleinen dunklen Kops, und als er aiiffah zu den lachenden Mutteraugen, kehrte er
an der Begegnung der beiden verbündeten Monarchen nicht teilnehmen, ist unbegründet. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." feststellen kann, wird sich Graf Bülow vielmehr in den Tagen der Wiener Zusammenkunft in der Begleitung des Kaisers befinden. Diese Erklärung wird überall schon desbalb begrüßt werden, weil man sich schon vie- fach über die andauernde Zurückgezogenheit des Reichskanzlers Gedanken zu machen anfing. Die Teilnahme des Reichskanzlers an der Begegnung legt auch die Annahme nahe, daß in Wien entgegen der bisherigen Auffassung politische Erörterungen gepflogen werden dürften, die allerdings nur in einer Bekräftigung des bisherigen ungetrübten Einvernehmens bestehen könnten. — Vor seinem Besuche in Wien wird Kaiser Wilhelm bekanntlich auf Einladung des Erzherzogs Friedrich in dessen Revieren in Bellye durch mehrere Tage an den Jagden teilnehmen. Der Kaiser trifft an diesem Sonntag, nachmittags 3 Uhr, mit Hossonderzug in Mohacs ein. Noch an demselben Tage findet eine Abendpürsche statt. Die Pürschen werden am 14.. 15., 16. und 17. d. M. täglich zweimal fortgesetzt. Unser Kaiser ist bekanntlich auf der Jagd aus Leib und Seele Jäger und von allen europäischen Fürsten der beste Schütze.
Vom Kaisermanöver.
Die Kaisermaröver schließen am heutigen Freitag. Ihr Verlauf war ein lehrreicher und ungestörter. Von Jntereffe ist, was Richard Schott in der „Tgl. Rdsch." über den dritten Manövertag, an dem die Sachsen die Preußen wieder zurückdrängten, berichtet: „Der Tag war für die Infanterie ungemein lehrreich. Es hätte gar kein günstigeres Gelände (bei Naumburg a. d. Saale) für sie gewählt werden können. Diese vielen hintereinander liegenden Hügel mit de» oft tiefen Einschnitten dazwischen boten dem Angreifer wie dem Verteidiger reichlich Gelegenheit, seine Geschicklichkeit und die gute Ausbildung seiner Truppen zu zeigen. Und diese Gelegenheit hat man sich nicht entgehe» kaffen. Sowohl das 11. (preußische) Korps wie auch die beiden sächsischen Armeekorps löste» ihre taktischen Aufgaben mit großem Glück. Es war eine Freude, sie sich bewegen zu sehe». Prächtig machte sich ein großer Surenargriff einer sächsischen Brigade, lieber die Zweckmäßigkeit dieser zerstreuten Fechtart gehen freilich die Meinungen auseinander." Am Donnecsfag wurde die blaue Partei (Sachsen) nach Osten zurückgeworfen. Beide Parteien griffen an und beide Führer entschlossen sich zu Flankenumgehungen. Durch die Bewegungen nach den beiderseitigen rechten Flügeln ergaben sich so komplizierte Situationen, wie sie selten Vorkommen. Vollkommene Front- Verschiebungen sanden statt, zahlreiche Truppen- abteiiungen mußten außer Gefecht gesetzt werden, sagt der Bericht de8 „B. L.-A." Von der blauen Partei erlitt die 24. Division starke Verluste, von der roten Partei die 7. Division. Der Kaiser, der mit dem König von Sachsen die Kümpfe beobachtet hatte, kehrte mittags nach
in die Gegenwart zurück. Ei» großes Stück Napf- kuchc» mit den dickste» Rosinen tat das übrige, er war plötzlich ganz bei der Sache und entwickelte einen Riesenappetit.
Nach dem Kaffee wurde dem Assessor der Inspektor gemeldet, der ihm die Meldung machte, daß der Herr Baron ihn am andere» Morgen um zehn Uhr im Schlosse erwarte. Mit de» Worten: „Ich stehe dem Herr» Assessor jederzeit zur Fügung," schloß der alte, schlicht aussehende Mann seine Rede.
„So wolle» wir den» eine» flüchtigen Rundgang durch Hof und Ställe machen. Wie ist Ihr Name?"
„Erdmann, Herr Asseffor, und meine Frau ist hier Mamsell, sie hat die Molkerei unter sich. Ich bin schon dreißig Jahre im Amt; zuerst war ich Drescher, dann Hofinspektor und nun Inspektor. Ich kenne das Gut besser als der Gnädige, und soll Ihnen Bescheid sagen, sagt Herr Baron."
„Gut, Herr Erdmann."
„Bloß Erdmann, Herr Assessor, nichts vom Herr». Nur die Leute nennen mich Herr Inspektor, des Respekts wegen. Und dann wollte ich »och ergebend fragen, ob mir nicht Herr Leutnant zum Herrn Assessor sagen dürsten. Das meinte der Baron auch."
„Herr Leutnant?" Schulz lachte.
„Ja, das klingt forscher. Denn sehen Sie, Herr Assessor, daß mit dem Gericht ist so,n eigen Ding."
„Bin ja gar nicht vom Gericht," unterbrach ihn Schulz verwundert.
„Weiß ich, Herr Asiesfor, und da drüben in der Oberförsterei Rothentann ist ja auch oft fo’n Herr, der sich Forstassessor nennt. Aber die Leute, sehen Sie, die sind doch nun mal, wie sie sind, und was die nicht glauben, das glauben sie
Merseburg zurück. Für den Schlußtag wurde eine neue Kriegslage ausgegeben. Der Kaiser übernimmt das 4., 11. und 12. Korps sowie ein Kavalleriekorps und führt sie gegen einen markierten Feind, den das 19. Korps unter General v. Treitschke bildet.
Vorschläge zum Militär-PensionS- gesetz.
Zur Reform des Militär - PenfionsgesetzeS erhält die „Berl. Volksztg." von einem ehemaligen Offizier eine Zuschrift, die eine Aufbesserung in den unteren Chargen fordert: Ein pensionierter Oberst mit 35 Dienstjahren erhält jetzt 6216 Mk., nach dem neuen Penfionsgesetz erhielte er 6993 Mk.; ein pensionierter General- maformst 35 Dienstjahren bezieht jetzt 7976 Mk., nach dem neuen Gesetz hätte er 8973 Mk. zu beanspruchen; ein verabschiedeter Generalleutnant mit 35 Dienstjahren hat jetzt 10 286 Marl Pension, nach dem geplanten Gesetz bezöge er 11572 Mk. Daß diese Aufbefferungen nun unumgänglich nötig wären, kann nicht behauptet werden. Sache des Reichstags ist es, hier einen Riegel vorzuschieben. Möge er sich zu einer Beffersituierung der Leutnants, Oberleutnants, Hauptleute, Majore und Oberstleutnants, die keine Regimentskommandeure waren, bereit zeigen. Was darüber ist, ist vom Nebel. Die Pension des Leutnants wird nach dem neuen Gesetz 973 Mk., des Oberleutnants 1273 bis 1426 Mk., des Hauptmanns 2. Klaffe 2354 bis 2519 Mk., des Hauptmanns 1. Klaffe 3251 bis 3422 Mk., des Majors 4537 bis 4886 Mk., des Oberstleutnants 4886 bis 5095 Mark betragen.
Gewerbeordnungsnovelle für Gastwirte.
Gegen den Entwurf einer Gewerbeorduungs- novelle zur Bekämpfung des übertriebenen Al- koholgenuffes, den die preußische Regierung dem Bundesrat zu unterbreiten gedenkt, macht sich in Gastwirtskreisen bereits eine lebhafte Protestbewegung geltend. Wahrscheinlich wird wieder, wie vor zwei Jahren, ein außerordentlicher Delegiertentag aller deutschen Gastwirtsvereine nach Berlin einberufen werden. Die Schutz- kommisfion der Gastwirtsorganisationen wird zu den Vorschlägen im Einzelnen Stellung nehmen und ihre Schädlichkeit bezw. Nndurch- führbarkeit durch reichliches Material nachzuweisen suchen, das die Grundlage einer Petition an den Bundesrat und an den Reichstag bilden soll. Insbesondere werden die Gastwirte gegen die Verschärfung der Strafen für Uebertretungen sowie gegen die Einmischung der Behörden in den inneren Betrieb ihrer Geschäfte, das Borgverbot, den Zwang zum Führen alkoholfreier Getränke usw. Front machen. Sie wollen einer Meldung des „Berl. L. A." zufolge den Beweis erbringen, daß gerade die Tendenz der
nicht und wenn selbst unser Herr Pfarrer eS ihnen auseinanderfetzt, lind da Sie doch nun einmal Leutnant find und der alte Erdmann seine Leute kennt und —"
„Ich nicht,,, fuhr Walter gut gelaunt fort, „so mag cs den» so sein, aber nur im Fall der Herr Baron damit einverstanden ist. Das erfahre ich ja morgen. Und nun lassen Sie uns gehen."
Als der Rundgang beendet war, suchte Erdmann feine grau, die er um diese Zeit zu Haufe wußte. „Marie, der Herr Leutnant versteht's. Nur ein Auge wirft er hin und weiß Bescheid. Dabei kein Wort zu viel, kurze Fragen, kurze Antworten, grab wie bei meinem Rittmeister. Und wo liederliche Arbeit getan war ober Dreck lag, zeigte er blos mit bem Stock hin und sagte: „Das muß anbers werben! Ich sage, Marie, oct bem stehle» sie nicht, paß auf, nun fängt die gute Zeit an für bie ehrlichen Leute."
Die Mamsell lachte über das ganze runbe Gesicht. „Hab' ich Dir's nicht gleich gesagt, Mann? Der Frau Siegfrieb konnte man boch glauben unb als erst bie Wagen kamen mit all beit Sache», unb alles so schön unb vornehm, ba dachte ich mir gleich, das sind feine Leute; die sind nicht wie Oberinspektor Schäfer und nehmen, wo sie kriegen können. DerSchäser hätte auch feinen Weg direkt ins Zuchthaus nehnten müssen, als baß et mit Kisten unb Kasten frei ausrücken bürste. Ich wette, bet kauft sich nächstens ein Rittergut von seinen Ersparnissen."
„Kann schon sein, Marie, aber uns geht ei nichts an. Das ist bem alten Herrn seine Sache unb wenn bet bett Spitzbuben laufen lä^, haben wir nicht bintenbrein zu schimpfen. Halt blos den Mund, Alte, und laß uns froh fein, daß es jetzt anders toirb.“
(Fortsetzung folgt.)