y
B '
mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonrttagsvettager JAustrirtes Sonntagsblatt.
JVi 240
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Ml, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld). v ,
Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
' • ' Erscheint wöchentlich sieben mal. 4
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdmckerei 38. cX6BT(Ta
Marburg, Marti 21. - Telephon 55. 1 ö
Marburg
Freitag, 11. September 1903.
Die Deutschen in den früheren Burenstaaten.
Daß England dem deutschen Reiche für die wohlwollende Neutralität, die es während des Burenkrieges beobachtete, herzlich schlecht gedankt hat, ist allgemein bekannt. So lange die britischen Truppen in Süd - Afrika in der Klemme saßen, wurde die Freundlichkeit der europäischen Regierungen in London sehr angenehm empfunden, aber die wahre Gesinnung, welche die Regierung König Eduards beseelte, trat zu Tage, als der Friede geschloffen war. Nachdem schon den Buren nicht die von Lord Kitchener ihnen mündlich gemachten Versprechungen gehalten waren, erachtete man sich auch jeder Rücksichtnahme den fremden Staaten gegenüber ledig. Vor dem Kriege hieß es von der Themse aus, daß in den Buren - Republiken nichts geändert werden dürfe, daß selbstverständlich alle Staaten und deren Angehörigen die gleichen Rechte behalten würden. Nach dem Kriege sagte Herr Chamberlain mit aller Offenheit, über die er verfügte: „Fälltuns gar nicht ein, wir gründen einen südafrikanischen Zollverband, in welchem England bevorzugt wird; und die anderen Staaten mögen dann sehen, wie sie fertig werden !' Es wurde von unseren deutschen Optimisten natürlich sofort gesagt, Herr Chamberlain werde mit seinen Gedanken nicht durchdringen, es werde für ihn ein großes Fiasko werden. Der Herr Kolonialminister wußte aber ganz genau, was er sagte und was er tat; heute ist es kaum noch irgend welchen Zweifeln unterworfen, daß er schließlich mit seinem Plane durchdringen wird. Und da bei der ganzen schlauen Idee immer das Bestreben, Deutschland eins auszuwischen, ins rechte Licht gestellt wird, so wird Herr Chamberlain auch gar nicht einmal so besondere Mühe haben, die Heerschar der Wähler mit fortzureißen. Stecken doch John Bulls Söhne heute beinahe noch tiefer im Chauvinismus drin, wie die Franzosen in ihren besten Zeiten.
Wird so den europäischen Festlandstaaten gezeigt, daß sie die englische Politik nicht nach Edelmut und Rücksichtnahme zu taxieren haben, so haben die Deutschen, die bei Kriegsausbruch in den einstigen Burenstaaten ansässig waren, noch besonderen Anlaß, ein Lied von der englischen Gerechtigkeit zu singen. 400 Reichsdeutsche, die sich in bett Feindseligkeiten vollkommen neutral verhielten, sahen ihren Betrieb und Besitz durch die englische Kriegsführung hart mitgenommen, sie selbst wurden zum großen Teil an den Bettelstab gebracht. Die Art und Weise des englischen Feldzuges in den Buren - Republiken ist bekannt, wer weiß wie viel Farmen und andere Gebäude find zu dem Zweck zerstört, daß sich die Buren dort nicht festsetzen sollten. Diese britische Kriegs-Methode war neu, freilich nicht gerade rühmlich, aber es ist doch selbstverständlich, daß die Deutschen, denen so die Existenz entweder ganz genommen
18 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
iFortsetzuna.!
Die würden schon dem Diebsgesindel heim- leuchten, das den Baron in allen Ecken bestahl. Ach. und die Kinder! Der Bub war ein strammer Kerl, er hatte gleich zu ihm aus den Bock gewollt, und die kleine Dirn läßt es grad wie ein Märchenprinzeß mit dem flachsenen Härchen und den blitzenden Augen. Nein, alles was recht war, die Frau Siegfried hatte nicht zu viel gesagt; das waren vornehme Herrschaften. Zu diesem Resultat war Kutscher Christian gerade angelangt, als ihn eine Frage des Assessors ausstörte:
„Ja, Herr Assessor, da drüben liegt Hofselde. Der Kirchturm ist schon zu sehen."
„Ob Frau Siegfried wohl noch zur reckten Zeit mit allem fertig geworden ist?" fragte Lore. „Es war doch zu nett von der Alten, daß sie vorauSsuhr und alles so weit richten wollte, damit wir heute schon dort schlafen können. So durften wir doch zuiammenreisen."
„Das Kinderzimmer ist fertig," milchte sich Christian in das Gespräch. Die Frau Siegfried hat schon mächtig geschafft, und das neue Mädchen ist auch schon da, es ist Schäfers Miene. Sie hat sich int Schloß schon allerhand angenommen, so kann sie Frau Assessor schon nett an die Sand gehen. Willig ist sie ja."
„Tas ist mir lieb zu hören, Christian. Und cs ist alles gut angekommcn?"
„Ich denk doch," klang es vom Bock herunter, "nur der eine Spiegel hat einen Sprung und die große Kiste fiel vom Wagen herunter, es krachte
oder doch bedeutend geschmälert wurde, dafür eine Schadloshaltung verlangen, und auch erlangen müssen. Ob England die Zahlungspflicht überhaupt zu bestreiten gedenkt, möglich ist alles in London! oder ob die Ansprüche auf ein Minimum heruntergedrückt werden sollen, muß einstweilen dahingestellt bleiben, Tatsache ist, daß die Deutschen, vierhundert Mann an der Zahl, vor drei Jahren ihre wohlbegründeten Ansprüche stellten, auch die Unterstützung des Reichsamtes des Auswärtigen in Berlin anriefen, aber bis zur Stunde nicht einen einzigen Pfennig erlangen konnten. Soeben erst hat der Wortführer der geschädigten Deutschen nochmals auf diese Tatsache hingewiesen.
Jeder, der weiß, wie die deutsche Reichsregierung gegenüber England gestanden hat, wird sagen, daß das ein reichlich starkes Stück ist, deutsche Reichsangehörige dermaßen warten zu lassen, er wird es für unmöglich gradezu halten, daß England einen Versuch machen könnte, jenen vorzuenthalten, worauf sie aus Billigkeitsgründen, wie nach den Grundsätzen strenger Grechtigkeit vollsten Anspruch haben. Aber eS ist so, und da ist wohl ein festeres Auftreten des ReichSamteS des Auswärtigen erwünscht. Es soll zugegeben werden, daß es nicht nötig ist, sofort daS ganze Britentum vor ein Ultimatum zu stellen, aber eine solche Sache muß doch vorwärts, sie muß einmal zu Ende kommen. Daß es zwischen London und Berlin nicht mehr so steht, wie „einst im Mai' ist aus der Tatsache ersichtlich, daß König Eduard durch Deutschland soeben reiste, ohne mit unserem Kaiser die sonst stets übliche Begegnung zu haben. Aber auch eine Abkühlung der gegenseitigen Beziehungen wegen der Zollpläne des Herr Chamberlain kann nicht aus der Welt schaffen, wie die Gerechtigkeit gebietet.
Umschau.
Aus dem Kaisermanöver.
Die Kaisermanöver in der Provinz Sachsen nahmen bisher einen ungestörten Verlauf. Das Wetter ist kühl und stürmisch geworden, was für die Truppen aber besser ist als die drückende Hitze. Gehörte der Erfolg des ersten TageS den Sachsen (der blauen Armee), so gipfelte der zweite Manövertag in der unter Führung deS Kaisers gerittenen großen Kavallerie-Attacke bei Roßbach, welche die Entscheidung zugunsten der roten Armee (Preußen) brachte. Hebet diese Attacke schreibt Richard Spott der „Tgl. Rundsch." u. a.: „Plötzlich stürzten sich Teile des Kavalleriekorps auf die weiter unten am Hügel feuernde sächsische Artillerie. Diese wendete nun zwar sofort die Geschütze und konnte noch an die anstürmenden Reitermassen feuern. Aber der Ansturm der Uebermacht war zu groß und die Batterien wurden überritten. Inzwischen war das Gros des Kavalleriekorps etwas nach Norden eingeschwenkt. Die Regimenter die eben attackiert
nur so. Warum hielten die dummen Kerls nicht fester? Und dann war ein großes Bild, das stellten sie an die Wand und nichts davor, na, da mußte es doch umfallen. Und — und —"
"Hören Sie auf, hören Sie auf, Christian, mir wird ja angst und bang," tief Frau Lore kläglich. „Ich finde wohl nur ein Stückgut!"
„Wird fo schlimm nicht werden, Weibchen!" tröstete Walther. „Und nun fahren Sie ein wenig schneller, Christian, damit wir noch bei Zeiten in Hoffelde ankommen. Die prächtigen Pferde könnens ja leisten."
„Zu Befehl, Herr Assessor!" sagte der Kutscher geschmeichelt, seine Peitsche fuhr über den spiegelblanken Rücken der schönen Rappen hin, daß sie ihre Gangart beschleunigten un ddie Familienkutsche weit zurückblieb.
Mit afemlofer Spannung sah Walther zur Rechten und Linken, als der Kutscher sich herumdreht mit den Worten:
„Hier fängt Hofselde an."
Der Wagen bog in einen Landweg, und bei langsamerer Fahrt sah Walther die Stätten seiner künftigen Tätigkeit an sich vorüberziehen. Lore merkte, daß er nicht gestört sein wollte. Sie sah auch neugierig dem Unberkannten entgegen, aber diese Erregung ihres sonst so ruhigen Mannes blieb ibr ganz unverständlich. Sie blickte ihn immer heimlich von der Seite an, es war ,als ob sie gar nickt da fei. Brennenden Auges, den Kopf etwas nach vorn geneigt, blickte er über die Felder und Wiesen. Jetzt blitzte es in seinen Augen auf, das Schloß wurde sichtbar, ein stattliches, altes Gebäude, von einem mächtigen Turm flankiert.
Wie oft hatte Walther es im Bilde geschaut.
Die Rappen bogen in eine Allee hochragender Linden, mit deren Laub schon der Wind sein
hatten, sammelten sich wieder. Voran sah man die Standarte des Kaisers flattern, der die Uniform der Leibkürasfiere trug. Und nun stürzten sich alle 12 Regimenter auf die bei Roßbach stehende Infanterie von Blau, während von der Höhe aus die vier reitenden Batterien und die beiden Maschinengewehr-Abteilungen den gewaltigen Angriff unterstützten. Erst nach längerer Pause wurde der Attacke Jnfanterie- feuer entgegengesandt, und allerdings sehr wirkungsvoll durch daS ganze 177. Regiment bei vollkommen freiem Schußfelde. Ein Teil des Kavalleriekorps, von dem man schließlich vor der gewalttgen Staubwolke, die daS ganze Tal erfüllte, kaum noch etwas sehen konnte, schwenkte nun abermals nach Norden, um eine Artilleriestellung zu attackieren. Gleich darauf aber wurde die Uebung abgebrochen.' Derselbe Berichterstatter meldet, daß sich über die Leistungen der Rohrrücklaufgeschütze vorläufig noch nichts sagen lasse. — Vom dritten Manövertage wird berichtet, daß die rote Armeeabteilung Befehl hatte, die rechte Flanke der bloß gedachten Westarmee, die weiter zurückgehen mußte, zu decken. Der Führer von Rot beschloß daher, auf Camburg und Sulza an der Saale zu marschieren. Die blaue Partei war der Verfolger und schob sich nach heftigen Kämpfen südlich von Naumburg vor das Marschziel des zur roten Armee gehörigen 11. Korps. In letzter Stunde aber kam das 4. Korps heran und brachte das Vorgehen von Blau zum Stehen. Nachher hatte die rote Partei freie Bahn. Der Kaiser, der ebenso wie König Georg von Sachsen und die anderen Fürstlichkeiten diesem Kampfe beigewohnt hatte, kehrte nachmittags nach Merseburg zurück.
Frankreich und daS Ausland.
Der Deputierte Etienne setzt im Pariser „Figaro" seine Betrachtungen über daS Verhältnis Frankreichs zum Auslands fort. Je mehr er sagt, um so mehr zeigt es sich, wie befangen und kurzsichtig sein politisches Urteil ist. So behauptet der Pariser Politiker, der Abschluß des franko-russischen Bündnisses habe die erfreuliche Wirkung gehabt, daß die Haltung Deutschlands zu Frankreich eine bessere geworden sei. Etwas Törichteres kann kaum behauptet werden. Deutschland hat nach dem Frankfurter Frieden gegenüber Frankreich die loyalste Haltung beobachtet, die überhaupt denkbar war. Alles was von feindseligen Absichten Deutschlands gegen Frankreich in den Pariser Blättern erzählt und von deren Lesern geglaubt wurde, gehört in das Reich der Fabel. Die Verkündigung des russisch - französischen Bündnisse» hat auf Deutschland nicht den geringsten Eindruck gemacht und seine Haltung zu Frankreich in keiner Weise beeinflußt. Wenn der Monsieur Etienne weiter erklärt, Frankreich dürfte die nunmehrigen herzlichen Kundgebungen Deutschlands wohl annehmen, ohne ihren Wert jedoch zu überschätzen oder irgend eine seiner Forderungen aufzugeben, so wollen wir mit ihm des-
herbstliches Spiel begann. Im Sommer mußte es hier sein wie in einem Dome.
Weit zur Rechten bog sich Walther zum Wagen hinaus und blickte dem Hause seiner Väter entgegen. Heiß stieg es in ihm empor in Liebe und Trauer, und er drückte die Hand seines Weibes, die sich in die feinige gestohlen hatte, als wollte Lore ihn mahnen, daß auch sie noch da sei.
„Daheim!" sagte er mit einer Feierlichkeit, die Lore unverständlich war. Daun hielt der Wagen an einem langgestreckten, freundlichen Hause, welches zur Rechten der Allee lag, ehe die eigentliche Auffahrt zum Schlosse begann.
Frau Siegfried stürzte zur Haustüre heraus, gefolgt von einer drallen Magd, und alles ging vorläufig unter in dem Schwalle der Begrüßung und der rastlosen Tättgkett, die sich nun entfaltete. Die alte Glaskutsche war auch herangekommen und entlud die Kinder und das Kindermädchen, sowie Gepäckstücke jeglicher Art in den geräumigen Flur des Hauses. Und nun begann die erste Inspektionsreise, wie Frau Lore sagte.
Während das Mädchen dem Kindermädchen ihren Weg in ihr Reich zeigte, schritt das Ehepaar unter Frau Siegsrieds Führung durch das Haus. Alle Ziinmer lagen zu ebener Erde. Da war gleich zur Rechten das Zimmer ihres Mannes, an das sich ein kleines freundliches Zimmer für Lore an- schloß. Dann kamen zwei Schlafzimmer, schon fix und fertig eingerichtet, das eine nach vorn liegend und das andere nach hinten mit dem Blicke auf den Wirtschaftshos. Daran schloß sich ein geräumiges Kinderspielzimmer. Es folgten die Küchenräume, und zur Linken des Flurs nach vorn heraus, lagen zwei große Zimmer, deren eines Eßzimmer und das ,andere Wohnzimmer werden
halb nicht weiter rechten. Unsere Ueberzeugung geht jedoch dahin, je kühler wir un8 den Franzosen gegenüber verhalten, um fo eher kommen sie uns. Die Zeit wird den Schmerz über Elsaß-Lothringen am sichersten heilen, an deren jemalige Zurückeroberung die ernsthaften Franzosen ja auch nicht mehr glauben. Herr Etienne wandte sich darauf den Beziehungen Frankreichs zu Italien zu und meinte, das Einvernehmen mit Italien werde nicht mehr zu erschüttern sein. Mag sein; aber der Dreibund ist eS ebenso wenig. Wie bestimmt ist doch der Austritt Italiens auS dem Dreibunde von den Franzosen angekündigt worden! Und doch erfolgte die Erneuerung des Dreibundes im Juni vorigen Jahres. Der Dreibundsvertrag wäre erst im Mai dieses Jahres abgelaufen gewesen, hätte also erst wesentlich später verlängett zu werden brauchen. Die Pariser Redereien haben, wohl die hauptsächliche Veranlassung dazu geboten, daß die Erneuerung des Dreibundver- trageS und die Veröffentlichung dieses Ereignisses fast ein volles Jahr vor der Ablaufsfrist des Vertrages erfolgten. Mag sich das Verhältnis Italiens zu Frankreich so freundlich gestalten, wie eS nur immer will, Deutschland hat nichts dagegen, denn es weiß, daß Italiens Zugehörigkeit zum Dreibunde alle franko - italienischen Freundschastsbeziehungen überdauert.
Wie ein Streik gemacht wird.
Der Vorstand deS Verbandes von Arbeitern der sächsischen Gespinstindustrie, Ortsgruppe Grimmitschau versendet nach der „T. R.' eine Erklärung, in der es heißt: Ein Nach geben der hiesigen Arbeitgeber ist absolut ausgeschlossen. Diese sagen: Wir find durch die Höhe unserer Löhne und die Kürze unserer Arbeitszeit allen unseren Konkurrenzstädten gegenüber schon weit im Nachteil und werden lieber unsere Betriebe geschlossen halten, als uns durch daS Vorgehen unverständiger Elemente vollständig konkurrenzunfähig machen zu lassen. Die Konkurrenz arbeite fast ausnahmslos 11 Stunden, während Grimmitschau in den meisten Betrieben vor dem Streik 10%, sogar teilweise nur 101/» Stunden gearbeit habe. Und dabei bezahle die Konkurrenz in der Vigognespinnerei, um die es sich handelt, mindestens 10 vom Hundert billigere Löhne. Die Grimmitschauer Arbeitgeber hätten sich unter Bedingung, daß der Streik vermieden werde, dazu bereit erklärt, die 10% stündige Arbeitszeit allgemein ein« einzuführen, was aber von den Arbeitführern abgelehnt worden sei. Weiter hätten die Grimmitschauer Arbeitgeber sich bereit erklärt, den Zehnstundentag einzuführen, sobald die Konkurrenz ein gleiches tun werde, und versprochen, sich selbst für Verkürzung in den Konkurrenzstädten in Gemeinschaft mit dem Verband von Arbeitgebern der sächsischen Gespinstindustrie zu verwenden. Man sei jedoch auch hier bei den Arbeiterführern nur schroffer Ablehnung und hartnäckigem Beharren auf dem einmal eingenommenen, undurchführbaren
sollte. Oben im Giebel lagen ein paar freundliche Fremdenzimmer. Lore kam sehr befriedigt von ihrem Rundgange wieder in ihres Mannes Zimmer an. und als Frau Siegfried wieder in den Küchenräumen verschwand, fiel sie Walter nm den Hals und erklärte, es sei wunderschön hier, fast so schön wie in Schwarzbach.
„Mein Herzensweib," erwiderte er gerührt, „Gott segne unfern Eingang, möchte er der Beginn einer neuen glücklichen Zeit werden."
Arm in Arm standen sie am Fenster und blick« ten zu dem stattlichen, alten Gebäude hinüber, welches den Namen eines stolzen Schlosses mit Fug und Recht trug, Sore mit neugierig blitzenden Augen, Walter in tiefem Sinnen. Würde er den Schlüssel finden zu der verbitterten alten Seele, die sich in Hader mit ihrem harten Geschicke von der Welt abschloß, um hier auf eigener Scholle ein wunderliches Einsiedlerleben zu führen? Aber eines hatte sich der alte Mann bewahrt. Aus den kurzen Berichten des Forstmeisters Wieblitz ging cs klar hervor, daß der Gutsherr die Liebe und Zuneigung zu der ewigen göttlichen Natur stets lebendig hielt und von da fand sich wohl auch der Weg zu dem Menschen zurück. Da im Verborgenen sprudelte der lebendige Quell, wenn auch Asche und Moder von vielen Jahrzehnten darüber lag. Das kommende Alter hatte vielleicht die Kraft nicht mehr, das niederzuhalten, was mit Macht ans Tageslicht wollte.
Das Alter brauchte Liebe, treue, uneigennützige Liebe, den wärmenden Sonnenschein freundschaftlicher Anteilnahme und den Anblick frisch emporwachsender Jugend.
(Fortsetzung folgt)