Einzelbild herunterladen
 

M 239

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage; Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei Der Expedition 2 Mk^ bei allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld).

JnserlionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Donnerstag, 10. September 1903.

-SW Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag: 3oh. Ang. Koch, Unibersitäts-Buchdruckerer Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Zweites Blatt.

Handelsdampfer als Referven der Kriegsmarinen.

Der neueste Jahrgang desNauticus, Jahr­buch fstr Deutschlands Seeinteressen" wird durch ein erfolgreiches Bemühen gekennzeichnet, für die Handelsmarine ebenso wie bislang schon für die Kriegsmarine eine möglichst vollständige, um» fassende Jahresübersicht zu werden. Außer dem bisher üblichen Jahresbericht über die deutsche Handelsmarine finden wir diesmal auch Ueber- ^ichten über die englische, französische und ameri­kanische Handelsflotte, eine auf authentisches Ma­terial gestützte Darstellung von der Entstehung des Morganschen Schiffahrtstrustes, die sich von dem jüngst aufgetauchten Wirrwar englischer Be­richte über diese Organisation vorteilhaft abhebt, ferner eine gründliche Untersuchung über die Oel- feuerung auf Schiffen usw. Auch das Tabellen­material über Handelsflotten und Seeverkehr hat interessante Erweiterungen erfahren.

In die jährliche Uebersicht über alle Kriegs­schiffe der Seemächte sind diesmal auch die Hülfs- kreuzer einbezogen worden. Je 4 Schnelldampfer der Hamburg-Amerika Linie (Deutschland, Fürst Bismarck, Columbia, Auguste Viktoria) und des Norddeutschen Lloyd (Kaiser Wilhelm II., Kron­prinz Wilhelm, Kaiser Wilhelm der Große, Kaiserin Maria Theresia) mit über 18 Knoten Schnelligkeit stehen der Deutschen Marine im Kriegsfälle zur Verfügung. Darunter befinden sich die 4 weitaus schnellsten Hülfskreuzer der Welt, von denen die Hamburger Deutschland über den Ozean mit mehr als 23% Knoten Geschwindigkeit gefahren ist und auch die drei ersten Lloyddampfer diese Geschwindigkeit nahezu erreicht haben.

Die neuesten Schiffe sind den Anforderungen unserer Marincverwaltung entsprechend gebaut worden; durch die Anordnung der Kohlenbunker ist ein Schutz der Maschine erzielt, die Aufftellung der Geschütze ist beim Bau vorgesehen worden, und die Umwandlung in Hülfskreuzer erfolgt in we­nigen Tagen. Die Deutschland beispielsweise er­hält dann 2 lange 15 Zentimeter-Geschütze, 4 zu 15,5, ferner 2 8,8 Zentimeter- und 2 5,7 Zenti­meter-Schnellfeuergeschütze und 14 Maschinen, kanonen. In früheren Jahren hat die Kaiserliche Marine mit einem Hamburger Hülfskreuzer praktische Uebungen veranstaltet, die für den Kriegsfall einen Anhalt für die Instruktion geben.

Außer den 8 ersten Schnelldampfern nennt der Nauticus als verfügbare deutsche Hülfskreuzer die 4 großen schnellen Postdampfer der Hamburg- AinerikaLinie Moltke, Blücher, Hamburg und Kiautschou, die Bremer Reichspostdampfer gleicher Klasse König Albert und Prinzeß Irene, ferner die älteren Lloydschnelldampfer Lahn, Trave, Aller. Hohcnzollern und die jüngeren Lloyddampfer Barbarossa, Bremen, Friedrich der Große, Großer Kurfürst, Königin Luise, Prinz Heinrich und Prinzregent Luitpold, außerdem den Touristen­dampfer der Hamburg-Amerika Linie Prinzessin Viktoria Luise.

Aus dem Tagebuch eines Marburger's von 1870|71.

Von 8. Müller.

(Fortsetzung und Schluß). '

Am 3. März war ein im Innern mit frischem Grün geschmückter Sanitätszug Nr. 8 hier einge- troffen und brachte eine Anzahl Kranker und schwer Verwundeter aus Tours in die hiesigen Lazarette. Bei dem Transport derselben vom Bahnhof in die Lazarette war das ganze Kranken­trägerkorps des Turnvereins aufgeboten. Am 11. März passierte der erste Zug heimkehrender Trupen den hiesigen Bahnhof. Wie man oftmals bei dem Einmarsch nach Frankreich an den Wag­gons lesen konnteEilgut nach Frankreich"" stand heuteEilgut nach Muttern" angeschrieben. Das Komitee bittet die Bewohner Marburgs um Gaben damit die rückkehrenden Truppen wieder ebenso bewirtet werden können, als wie die damals nach Frankreich ziehenden. Am 28. März kam die Kunde, daß das Reserve-Lazarett aufgehoben wer­den sollte, während die Baracken-Lazarctte unter der Direktion des Sanitätsrat Dr. Horstmann fortbestehen sollen. Auf Kosten der Stadt wurde zu Ehren der durchziehenden Truppen das Bahn­hofsgebäude mit Tannengrün, Gnirlanden, Büsten und Fahnen ausgeichmückt. Neben dem Haupt- eingang prangte die Inschrift:

Des Vaterlandes Größe, Einheit und Ruhm, Danken wir Euch Ihr siegreichen Helden.

Die Lazarett-Kommission macht folgendes be­kannt:

Danksagung.

Die Auslösung der Kommission und die damit beendigte Tätigkeit gibt derselben die freudige Ge­legenheit zu einer warmen Anerkennung und Danksagung für die von allen Seiten der hiesigen ßtazarettanstalten gewordenen Unterstützung und

Da diese Aufstellung nur die Hülfskreuzer mit 15 und mehr Knoten Geschwindigkeit berücksichtigt, entgehen ihr die anderen Reichspostdampfer, in­sonderheit die zahlreichen und stattlichen Dampfer der Deutschen Ostafrika-Linie, über die das Reich im Kriegsfälle ebenfalls verfügen kann. Unter den großen Schnelldampfer hätte vielleicht auch der Kaiser Friedrich der Schichau- Werft mitgezählt werden können. Ebensowenig kommt in der Auf­stellung zur Geltung, daß auch alle anderen Dampfer unserer großen Rhedereien im Kriegs­fall dem Reich zur Verfügung gestellt würden, und daß gerade diese langsameren, für große Trans­porte sehr leistungsfähigen deutschen Dampfer sich als Transportschiffe für Truppen, Pferde, Kohlen und Material wie als Lazarettschiffe während der Chinaexpedition vortrefflich bewährt haben, Der erste grosze Transport der deutschen Division bil­dete geradezu eine Stichprobe auf die Brauchbar­keit der gesandten Flotten der Hamburg-Amerika Linie und des Norddeutschen Lloyd im Heeres­dienst. Denn die Schiffe müßten so rasch gestellt werden daß damals in außerordentlich reger Geschäftszeit ohne besondere Auswahl von Schiffen, Führern und Besatzungen einfach diejenigen großen Dampfer genommen wurden, die innerhalb von acht bis vierzehn Tagen auS fernen Meeren in den Heimathafen beordert, dort gelöscht, gedockt und im Verlaufe von wenigen Tagen als Quartierschiffe für hunderte und tausende von Mannschaften, für zahlreiche Offiziere und deren Pferde, für Gepäck, Geschütze und Munition umgebant und hergerichtet und auf Monate hinaus verproviantiert werden konnten. Bekanntlich sind fast alle diese Schiffe auf die Minute pünktlich ausgelaufen, fast ebenso pünkt­lich in Taku eingetroffen und haben die deutschen Transporte daheim und in der Fremde großes Lob geerntet, insbesondere auch bei den Russen, als diese trotz ihrer Verfügung über diefrei­willige Flotte" das größte der Hamburger Trans­portschiffe mit einem Heimtransport von 2500 Mann von Ostasien nach Odessa beauftragten. Das gleiche gilt von den Pferdetransporten über den Stillen Ozean und zurück durch die Tropen nach Deutschland. Bei späteren Ersatz- und Rllcktrans- porten konnten sich auch andere deutsche Reedereien und die regulären ostasiatischcn Reichspostdampfer gleich erfolgreich betätigen. Von den drei Laza- retschiffen des deutschen Korps erhielt eines auf der Frachtsahrt nach Ostasien den Auftraa. sofort in Japan seine Ausrüstung zu beschaffen und sich unter Befehl des deutschen Admirals zu stellen. Ein zweites wurde rasch in Deutschland ausge­rüstet, ein drittes auf der Rede von Taku aus einem Transport- in ein Lazaretschiff umgewan­delt. Alle drei behielten ihre Besatzung und alle zeigten sich für ihre neue Aufgabe geeignet.

Als Hilfskreuzer der englischen Marine nennt der Nauticus 8 Dampfer der White Star Line. 7 Dampfer der Cunard Line, 12 Schiffe der P. and O. Company, 5 der Orient Stcam Nav. Co., und 5 der Canadian Pacific Railway Co. Für 18 von diesen 49 Dampfern erhalten die Gesell­schaften bedeutende Jahrgelder (jährlich über 1% Millionen Mark) dafür, daß sie diese Hilfskreuzer zur Verfügung halten, während Deutschland für seine Reserve an besseren Schnelldampfern keinen Pfennig bezahlt. Der Nauticus schätzt die beiden

Hilfe. Das glückliche Resultat, welches hier, durch in der Pflege-Behandlung von über 3000 Kranken und Verwundeten nur 30 Todesfälle erreicht wur­den, verdanken wir dem Zusammenwirken der ver­schiedenen Vereine und der Privatwohltätigkeit. Aus vollem Herzen sagen wir daher allen denen, die uns so wacker mit vieler Aufopferung beige­standen, den tiefgefühltesten Dank. Namentlich dem Vorstand der beiden Hülssvereine, den sämt­lichen Damen, welche durch aufopfernde und selbst mit Lebensgefahr verbundene Pflege in jeder Weise bei unseren Kranken so segensreich wirkten, gleich wie den wackeren Turnern, welche so oft, meist in später Nacht, unsere Kranken in die Laza­rette trugen, allen denen die für unsere Soldaten Speise und Trank spendeten. Allen gebührt für so viele Liebe ein kaum auszusprechender Dank.

Marburg, 27. März 1871.

Kgl. Reserve-Lazarett-Kommission: Kaup, Major. Horstmann, dirigierender Arzt.

Jahnert, Oberlazarett-Jnspektor.

Am 3. April reiften die seit der Uebcrgabe von Metz hier internierten Offiziere nach Frankreich ab. Am 6. April wurde mit der Schelle bekannt gemacht, daß der Termin für Fourage-Lieferung sowie Brod und Fleisch am 8. April für das hiesige Jägerbataillon auf dem Rathaus stattfindeu soll.

Nach einer Zusammenstellung sollen von Mar­burg über 32 000 Taler bei den Unterstützungs- Komitees an barem Gelde eingegangen sein.

Tie Baracken-Lazarette waren mittlerweile auf gelöst worden, zum letztenmale war das Kranken- trägerkorPS als solches in Tätigkeit. Die Kranken wurden mit der Eisenbahn nach Kassel geschafft und von den Krankenträgern in die Eisenbahn gebracht.

Für die Krieger in Frankreich trat eine große Enttäuschung ein, denn schon am 27. März 1871 sollte das 11. Korps in die Heimat zurückbefördert tverden, als am 19. März Konfre Ordre infolge

schnellsten englischen Hilfskreuzer für diesenDienst nur 21 Knoten ein, und diese Inferiorität Deutschland gegenüber beunruhigt die englische be­kanntlich dermaßen, daß sie es sich in 20 Jahren 60 Millionen dl an Subsidien kosten lasten will, um wenn möglich durch die Cunard Line 2 Hilfs­kreuzer zu erhalten, die den 4 deutschen überlegen sein werden.

Frankreich hat als Hilfskreuzer 20 Dampfer der Compagnie Generale und 13 der Messageries Maritimes zur Verfügung, darunter jedoch viele ganz kleine und fast ausschließlich nur mäßig schnelle Schiffe nur 4 große Schnelldampfer, die sich freilich mit den 4 ersten deutschen auch noch in feiner Weise messen können.

In Rußland kommt für den Hilfskreuzerdienst das eigenartige Jnstttut derFreiwilligen Flotte" in Betracht, durch das die Regierung über 6 ziem­lich große Schnelldampfer und über 9 Transport­dampfer verfügt. Als Transportdampfer hat die Admiralität auch die Schiffe derSchwarze-Meer- Dampfschiffahrts- und Handelsgesellschaft" zur Verfügung.

Die Vereinigten Staaten verzeichnen als Hilfs­kreuzer 4 stattliche Schnelldampfer, die jetzt der International Mercanfile Marine Company an­gehören, außerdem 5 mittelgroße und eine große Zahl kleinerer Transportdampfer, welche die Re­gierung sich während des spanischen Krieges an­geschafft hat. Zwei davon dienen jetzt als Schul- schiffe, viele andere werden im Transportdienst verwandt.

Italien hat, gemäß derZusammensetzung seiner Handelsflotte, int Kriegsfall nur mittlere und kleinere Dampfer von mäßiger Geschwindigkeit als Hilssschisse zur Verfügung und zwar 3 Dampfer der Gesellschaft La Veloce und 19 der Navigazione Generale.

Japan verfügt im Bedarfsfälle über die 60 Dampfer der Nippon I)usen Kaisha, von denen jedoch nur 3 eine Schnelligkeit von 15 Knoten erreichen. In ähnlicher Weise stehen für Oester­reich die 25 Dampser des Oesterreichischen Lloyd zur Disposition, von denen 4 mittlere Schiffe 15 bis 16 Knoten laufen.

Bei den letzten Zahlen handelt es sich schon um disponible Hilssschisse überhaupt, und in diesem weiteren Sinne wird man wohl annehmen können, daß lebten Endes alle verwendbaren Handelsschiffe einer Nation, wenn es not tut, für Kriegszwecke mobil gemacht werden können. Wenigstens bei den rührigsten nationalen Handelsmarinen, in Deutschland bei den Chinatransporten und in England namentlich bei den noch viel größeren Transporten des südafrikanischen Krieges hat sich eine weitgehende Leistungsfähigkeit der Reederei für die von ihr beanspruchten Transportleistungen und eine Bereitwilligkeit, sie jederzeit unter Hint­ansetzung aller anderen Aufgaben zu übernehmen, herausgestellt. Die Engländer sind zweifellos durch die ersten großen südafrikanischen Trans­porte zu einer Zeit, als in der atlantischen Fahrt für das Passage- und Frachtgeschäft großer An­drang war, ihren Mitbewerbern gegenüber auf ihren wichtigsten Fahrtzielen empfindlich geschädigt worden, isomit hängt es von dem Umfang, der Beschaffenheit und der Instandhaltung der natio­nalen Handelsmarinen ab, wie viel Hilssntittel die Regierungen nach dieser Richtung hin mobil

des Kommune-Aufstandes in Paris eintraf, des­halb kehrte unser Jäger-Bataillon erst am 6. Juli beinahe ein Jahr nach seinem Ausmarsch in feine Garnison Marburg zurück. Dieser Tag war für Marburg ein Fest- und Freudentag, welcher denen die ihn miterlebt haben, in dauernder Er­innerung bleiben wird. Wohl noch nie vorher hatte unsere Stadt in einem solchen Festschmuck geprangt, wie bei der Heimkehr der Jäger. Wer die Straßen durchwandelte, ging in einem wahren Tannenwald, denn zu beiden Setten waren die Straßen mit Fichten und Tannengrün, Kränzen, Transparenten und Fahnen geschmückt. Ueberall war reich geflaggt und Triumphbogen und Ehren­pforten mit Inschriften angebracht. Am 6. Juli zogen Gäste und Landleute aus der Umgegend schaareuweise in die Stadt. Gegen 10 Uhr vor­mittags strömte alles nach der Bahnhofstraße, wo .die Vereine mit ihren Fahnen Aufstellung nahmen, Schützcnverein, Turnverein, Liederverein und Liedertafel, der Fortbildungsverein, das Gym­nasium, die Studentenschaft und die Ersatzkom­pagnie und die Turnerfeucrwehr, die sich besonders verdient gemacht bei dem Transport der Verwun­deten und Kranken, bildeten vom Bahnhof bis zum Eingang der Elisabethenkirche errichteten Ehren­pforte Spalier, an der folgende Inschrift zu lesen war:Seid uns Ihr Helden der Schlacht, in der Heimat herzlich willkommen, Freiheit und Frieden verdankt jubelnd das Vaterland Euch!"

Um 11 Uhr kündeten Böllerschüsse von Augustenruhe die Einfahrt des Zuges mit dem Jägerbataillon an. Am Bahnhof begrüßten die hiesigen Offiziere die Angekommenen und über­reichten jedem Kompagnieführer und dem Kom­mandeur einen Lorbeerkranz. Um 12 Uhr be­gann der Einmarsch des Bataillons mit klingen­dem Spiel und unter dem Geläute der Glocken. An der Ehrenpforte hatten 12 Ehrenjungsrauen der Oberbürgermeister, die städtischen Behörden,

machen können. Deshalb ist es auch vom Stand­punkt der nationalen Wehrhaftigkeit nicht ohne Bedeutung, daß Deutschland die zweitstärkste Han­delsmarine der Welt, daß es unter den großen Seemächten durchschnittlich die größten, schnellsten und besteingerichteten Dampfer hat, daß in der deutschen Handelsmarine am meisten die großen Gesellschaften und die festen Linien vorherrschen, deren Schisse für Kriegszwecke in erster Linie Frage kommen und deren geschäftsgewandte nn> leistungsfähige Verwaltungen in Umbau und Be­reitstellung der Dampfer der Marineverwaltuna am besten in die Hände arbeiten können.

Fernerhin ist es wertvoll, daß ein nicht unbe­trächtlicher Prozentsatz von Kapitänen, Offizieren und Mannschaften unserer Handelsnrarinc ge­legentlich der chinesischen Expedition und gelegent­lich von Ablösungstransporten schon im Dienst der Kriegsmarine tätig waren, und daß überhaupt in einer fast rein deutschen Bemannung unserer Handelsmarine mit 56 000 Mann das Reich eine stattliche im Seedienst stets eingeübte Reserve hat, zumal unsere Seefischerei durchaus noch nicht in der wünschenswerten Weise entwickelt ist und wir noch keineswegs gleich den Franzosen an 60 cOO Seefischer in Reserve haben. Bemerkenswert ist es auch, daß sich jederzeit bei Ablösungstrans­porten und auch Bei den chinesischen Transporten, obschon damals die Handelsmarine ohnehin stark beschäftigt war und die Herausziehung so vieler leistungsfähiger Schiffe aus den regulären Fahr­ten ihr viel Gewinnentgang und direkte Verluste brachte, weife Kreise der deutschen Reederei bereit­willig zur Verfügung gestellt und sich den recht weitgehenden Anforderungen des Reichsmarine- antts für diese Transporte willig unterzogen haben. So erscheint es durchaus erklärlich, daß die dem Reichsmarineamt nahestehende Redaktion des Nauticus bei ihren periodischen Ucbersichten über Deutschland maritime Machtmittel die Entwicklung und den Zustand unserer Handelsmarine aufs sorgfältigste in Rechnung zieht.

s------- ----------- S

Umschau.

Frankreich und Rußkand.

Diese ewige Friedfertigkeit der russischen Po- lttik bringt die Franzosen nachgerade zurVerzweif- lung. Wie oft hätte sich schon Gelegenheit zu einem frischen, fröhlichen Kriegc geboten, indem man vielleicht auch den schlimmen Deutschen etwas hätte am Zeuge flicken können, wenn nur nicht immer und immer von Petersburg aus die Wei­sung ergangen wäre: Still! Wir müssen der Welt den Frieden erhalten. Gegenwärtig würden die Balkanwirren einen ganz unübertrefflichen An­laß zu kriegerischen Verwicklungen bieten. Frank« reich würde von Herzen gern einen Türkenkrieg beginnemschou weil ihm der Sultan als dcrFreund des deutschen Kaisers gilt. Aber wiederum macht derfriedliebende" Zar einen Strich durch die glühendsten Hoffnungen der französischen Chau­vinisten. Ja, wenn man Rußlands Freundschaft aufgeben und sich an die Vereinigten Staaten von Nordamerika anschließen könnte! Die haben doch noch Kourage und Unternehmungsgeist! Aber, daran ist aus tausend anderen Gründen gay nicht zu denken. Die Beziehungen zu Rußland

die Vertreter der Universität und die der anderen Behörden Aufstellung genommen. Hier machte das Bataillon Halt und Oberbürgermeister Rudolph traf vor und hielt folgende Ansprache an den Kom­mandeur und das Bataillon:Es ist mir ein ehrenvoller Auftrag c : erben, im NoWier. der Stadt Sie und da:- .re Bataillon der 11. Hessischen Jäger bei i ersehnten Augenblick feiner Rückkehr aus d.. . siegreichen Feldzüge in der Heimat feierlich zu begrüßen. Die Stadt und ihre Bewohner haben mit dem lebhaften Anteils Sie in den heißen Kämpfen und den Mühsalen des Feldzuges begleitet und hocherfreut wünschen sie Ihnen Glück zu ihrer Heimkehr. Den tapferen Siegern von Weißenburg, Wörth, Sedan und Paris bringe ich ein donnerndes Hoch! Mit be­geisterten Worten dankte der Kommandeur, Ma­jor von Johnston, er freue sich über den festlichen Empfang, welchen die Bewohner Marburgs dem Bataillon bereitet hätten, namentlich aber übet? die freundliche Teilnahme, welche ihrer Garnison während des Krieges sei bewiesen worden. DaS herzliche Einvernehmen zwischen Bürgerschaft und dem Bataillon möchte immer ungetrübt forfbe- stehen! Ein dreimaliges Hurrah erschallte aus den Reihen der Jäger auf das Wohl der Stadt Mar­burg. Von den Festjungfrauen überreichte Frl. Roser einen Lorbeerkranz und zum immerwahrem den Gedächtnis einen weiteren von Silber auf purpurrotem Samtkissen, wobei sic folgendes Ge­dicht vortrug:

Ein Jahr ists fakt wer wird das Jahr vergessen» Seit ernsten Abschied, Ihr von uns genommen, Aus tiefem Frieden war der Krieg entnommen, Und keiner konnte feinen Lauf ermessen.

Da wußten wir der alte Ruhm der Hessen Er werde neu auf Eure Taten kommen.

Ihr fandet ihn, aus Schanzen, kühn erklommen Auf weiten. Schlachtfeld, in Gebirges Pässen.

Und Gott war mit Euch! nach gewaltigem Streite« Liegt nun das eitle Frankreich überwunden