«Kollmar ufa.) Wenn hiergegen nicht mit Energie dorgegangen wird, dann muß es zu einer Spaltung kommen, denn ich könnte mit solchen Leuten zusammen nicht länger in einer Fraktion sitzen. Glücklicherweise haben wir eine Spaltung nickt zu befürchten. Die Partei ist gefestigt genug, als daß Gefahr vorläge, daß solche Grundsätze jemals zur Geltung kommen könnten. Es ist aber dringend erforderlich, daß auch die Parteikonferenz zu dieser wichtigen Frage Stellung nimmt." — Nach dieser Kostprobe zu urteilen, dürste die Parteikonferenz recht unruhig und für die Revisionist.i auch recht eigentümlich verlaufen sein.
Von der Flotte.
Ta? Flottengesetz wird in dem vom Reichstage bewilligten Tempo und nicht schneller zur Durchführung gelangen, so erklären die „Berl. N. N.' entgegen anders lautenden Mitteilungen. Die Gefamtforderungen des neuen Marineetats- Voranschlages für daS künftige Rechnungsjahr, der in allen Teilen heute noch nicht endgültig feststeht, weil der Bundesrat noch ein letztes Wort zu sprechen hat, werden sich innerhalb der Jahresquoten halten, wie sie durch daS Flottengesetz s. Z. bestimmt worden find. Was die Andeutungen betreffs einer für den Winter 1904/05 zu erwartenden Novelle zum Flottengesetz, die eine Vermehrung unserer Kreuzer- stotte bezweckt, angeht, so hat diese Novelle der „Vorwärts"' bereits vor Jahr und Tag in einem dem Reichsmarineamt entwendeten Erlaß Angekündigt. Seit jener Zeit aber haben sich gerade auf dem Gebiete des Kreuzer-Flotten- ausbaueS die Verhältnisse zu Ungunsten des Deutschen Reiches verschoben. Auf alle» auswärtigen Stationen gerät die deutsche AuS- landsflotte mit ihren geringen Jndiensthalt- ungen mehr und mehr inS Hintertreffen, leider znm Nachteil unser Handelspolitischen Beziehungen, da alle fremdländischen größeren Marinen in den letzten anderthalb Jahren eine außerordentliche Verstärkung ihrer AuSlandS- flotten nicht nur angestrebt, sondern auch durch- geführt haben.
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Deutsches Reich
Berlin, 8. Septbr.
— Die Kaiserin traf Montag vormittag in Magdeburg ein und stattete der Augustaschule ritten Besuch ab. Abends kehrte sie nach Potsdam zurück.
— In Bayern soll daS Frauenstudium erleichtert werden, wenn eine Mitteilung deS .B. T.' zutrifft, daß der Senat der Universität Erlangen beschlossen hat, in Zukunft studierende Frauen ebenso zu behandeln wie Männer. DaS heißt, deutsche Frauen, die daS Abiturientenexamen bestanden habe«, und Ausländerinnen, die eine dem deutschen Abiturienten- examen entsprechende Bildung Nachweise« könne«, werdm zur Jmmatrikulatio« zugelassen.
— Zu bett bevorstehenden preußische« Landtags« Wahlen haben die Berliner Sozialdemokraten be- schloffen, die Freisinnigen fallen zu lasten, falls diese nicht für die Sozialdetnokraten rintreteu. I» der „Freis. Ztg.' wird daraufhin erklärt, daß bei den Freifinmaeu keinerlei Neigung besteht, sozialdeuw» kratische Kandidaturen zu unterstützen.
— Bo» einem ZeugniSzwangSverfahreu gegen einen Redakteur deS .Vorwärts' ist in bett Blättern diel bie Rebe. Ein Ungenannter hatte einem „Vor- wärtS'-Rebakteur Mitteilungen über angebliche Eolbatenmißhanblungen in einem Berliner Regiment gemacht. Der bete. Redakteur begab sich zu dem Regimentsobersten und teilte ihm die erhobenen Beschuldigungen mit. Im Laufe der Untersuchung wurde der Redakteur ausgefordert, seinen GewährS- mann zu nennen. AIS er dieses Ansinnen zurückwies, wurde das ZeugniSzwangSverfahren gegen ihn eröffnet. Die große Mehrzahl der bürgerlichen Blätter wünscht die sofortige Zurücknahme dieser Anordnung, die ein (roher Fehler sei und die Militärbehörde in rin hlechteS Licht stelle.
— Der König und die Königin von Italien werden den Besuch König Eduards Mitte November in London erwidern.
— Wie ouS Göttingen gemeldet wird, nimmt der serbische Heuptmaun Dragitsch im Auftrag der serbischen Regierung an der Vermessung des HarzeS teil, nm in Serbien daS deutsche Mestungsverfahren einzurichten.
— Ueber die Herkunft der ReichStagsabgeord» neten bringt die .Disch. TageSztg.' eine interessante Aufstellung. Hiernach sind ISO Abgeordnete auf dem Lande geboren. Selbst bei den Sozialdemokraten Entstammt noch rin Viertel dem Lande, bei den
.gongen soll, so bin ich es für ihn, und sogar tüchtig."
„So ist es recht," lobte Wieblitz und sah be- htftigt in das vor Eifer gerötete herzige Gesicht und die sprühenden braunen Augen Frau Lores.
„Er ist zu bescheiden, Herr Forstmeister, viel zu bescheiden. Er weiß nichts aus sich zu machen wie so mancher andere, der nur ein Blender ist. Und doch sagt der Onkel Forstmeister — und der Muß es doch wissen —, daß er der Tüchtigste von allen ist. Er sagte mir dergleichen stets heimlich, Henn wenn mein Mann dergleichen hört, wird er vrgerlich."
„Kann der Aflestor auch ärgerlich werden?" setzte Wieblitz das Gespräch fort, denn auf diese Weise lernte er die junge Frau am fief'cn kennen.
Selten genug, Herr Forstmeister," sagte Lore. „Wenn es bei mir schon blitzt und donnert und ich rein aus der Haut fahren möchte, so bleibt er noch gelassen, und dann mal wieder bricht es überraschend bei ihm los."
„Bei welcher Gelegenhest zum Beispiel?"
„Bei allem, was seiner ritterlichen Gesinnung entgegen ist, wie bei Lüge, unredlicher Gesinnung pnd übler Nachrede. Sie sollten meinen Walter mal als Vater sehen! Unseren Buben leitet er mit tinem Blick, ich glaube, der Junge hat noch nie einen Schlag von seinem Vater bekommen »nd gehorchte ihm dennoch aufs Wort. Wie oft muß ich schelten, ja mit Strafe drohen, und doch piacht der kleine Mann mit mir, was er will. Und wenn ich ehrlich sein will, muß ich gestehen: er setzt jedesmal feinen Willen durch."
Frau Lore seufzte tief und setzte dann hinzu: „Sie glauben gar nicht, wie es ist, einen Jungen zu erziehen."
„Wem sagen Sie das? Einem Vater von fieren, Frau Lore — darf ich Sie auch so nennen? ks Hingt so hübsch I"
(Fortsetzung folgt.)
übrigen Parteien noch viel mehr, so bei bett Konservativen (40 von 58) 69 Prozent, bei bett Frrikonser- vativen (14 von 19) 74 Prozent, bei dem Zentrum (59 von 100) 59 Prozent. Unter der Hälfte finden wir bas Land nur bei betn Freisinn nnb bei ben Antisemiten sowie bei ben Nationalliberalen, bie fich hauptsächlich a«S Mittel- nnb Kleinstädten ergänzen (25 von 50). Auch bie Sozialdemokraten find bei dieser Rubrik stark beteiligt. Im ganzen stammen 136 Abgeordnete aus Klein- «nd Mittelstädten. Bon ben in bet Großstadt geborenen Abgeordneten gehört fast die Hälfte — 30 von 64 — der sozialdemokratischen Partei an. Sechs Abgeordnete endlich find im Auslände geboten
— Wegen Erlasses eines FlußschuhgefeheS petitioniert der Internationale Verein für Reinhaltung bet Flüsse, des Bodens und bet Lust beim Reichstag. Seitens bet preußischen Regierung werden, wie eS heißt, demnächst Anordnungen ergehen zu dem Zweck, bet Ansteckungsgefahr durch verseuchtes Waffet ent- gegenzuarbeiten. Der Metzer Fall hat ja auch wieder die Wichtigkeit der Frage der WaffetVersorgung rin- dringlich vor Augen geführt.
— Der internationale statistische Kongreß tagt während der Zeit vom 20. biS 25. September in den Räumen deS Reichstages. Die Vorbereitunge« zu diesem Kongreß find in umfassendster Weise vom Präsidenten des deutschen Statistische« AmteS, Geh. Oberregierungsrnt Wilhelmi, getroffen
— Der Naturmensch Gustav Nagel weilt gegenwärtig mit seiner Braut in Berlin. Nagel, der, wie bekannt, nach Aushebung feiner Entmündigung fich mit einer jungen Türkin verlobt hat, hat dieselbe für feine LebenSgewohnhriten gewonnen. Et macht nun mit bet Verlobten eine .Geschäftsreise* durch Nord- deutschland. Da die Türkin übrigens genau so leicht bekleidet ist wie ihr Bräutigam, so erregt das Pärchen in feinem Kostüm überall da, wo eS sich fehen läßt, großes Aussehen.
Ausland.
Oesterreich-Ungar«. Wegen der Beilegung der ungarischen Minister - Krisis herrscht überall vollkommene Ratlosigkeit. Die Ablehnung der Kabinetsbildung durch den Finanzminister Lukacz ist dem Kaiser sehr nahe gegangen, der getobt aus diesen verdienten Staatsmann seine Hoffnung gesetzt hat. Durch die Berufung SzellS des Vorgänger des gegenwärükgen Ministerpräsidenten Grasen Khuen-Hadervary, hat die Lösung der Reise keine Fortschritte gemacht. Der Kaiser hat, wie die „Voss. Ztg." erfährt, Szell nicht die Kabinetsbildung übertragen, sondern nur seinen Rat angehört. Zu irgend einem Entschlüsse ist man maßgebenden Orts bisher nicht gelangt. An diesem Mittwoch kehrt der Kaiser wieder nach Wien zurück, man glaubt nicht, daß der Ministerpräsident bis dahin ernannt sein wird. — Dem „83. T." zufolge ist dagegen Aussicht auf eine baldige Erledigung der Krise vorhanden. Kolman Szell soll den Auftrag erhalten haben, Weckerle für die Uebernahme des Ministerpräsidiums zu gewinnen.
— An der gestrigen feierlichen Eröffnung der interparlamentarischen Friedens- Konferenz nahmen etwa 400 Deputierte teil, ferner eine große Zahl Damen, für welche die Galerie reserviert ist. Zum Präfidenten wurde Ernst v. Plenner gewühlt. Er begrüßte die Konferenz, worauf der Ministerpräsident Körber, der italienische Botschafter Graf Nigra und Oberbürgermeister Lueger Ansprachen hielten. — Dieselben bewegten fich im allgemeinen in den bewährten Gleisen der grauen Friedenstheorie, die über die wahren Ursachen der heutigen Friedensliebe der modernen Staaten sanft hinweg leiten. Mit ihrer bloßen Erwähnung ist man ihrer Bedeutung bereits mehr als gerecht geworden.
gtttlitM. Von dem neuen Papste Pius X. gelangen nur selten Mitteilungen in die Oeffentlichkeit; was über ihn bekannt wird, berührt aber stet» sympathisch. PiuS X. entwickelt auf allen Gebieten der Pontifikaten Regierung eine energische Tätigkeit. Dieser Tage hat er infolge der Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung deS PeterS- pfennigS die ganze Verwaltung reorganisiert. Mehrere Beamte wurden abgesetzt und an Stelle des begehrten Kardinal» Mozelli ein Leimdirektor von der Italienischen Bank ernannt.
England. „Daily Mail' erfährt au» Rom daß der König und die Königin von Italien am 16. November in England eintreffen werden, um König Eduards Besuch zu er- wiedern. — In dem auf nächsten Sonnabmd angefetzten Kabinettsrat soll die Politik der Regierung bezüglich der Chamberlainschen Zollreform festgelegt werden.
Rntzland. Die.Sakaspiiskoje Obosrenie" meldet: In Aschabad find 8 Khau» au» Beludschistan eingetroffen, die bei dem Gouverneur de» TranSbaikalgebiete» dahin vorstellig werden sollen, daß Rußland fie gegen die Uebergriffe der Engländer schütze. — Demnach scheinen Anlaß zu haben, dm Hochmut John Bull» durch diesen deutlichen Hinweis aus die Stelle, an der er verwundbar ist, etwas zu dämpfen.
Bom Balkan. Die Türkei hat fich jetzt anscheinend zu äußerst umfassenden Maßnahmen ent- schlossen, um dem mazedonischen Aufstande ein Ende zu machen. In diesem Sinne äußerte sich wenigstens der türkische Botschafter in Paris zu einem Vertreter des dortigen „Gaulois", indem er erklärte, die türkische Regierung werde fich bemühen, dem Blutvergießen in Mazedonien Einhalt zu tun. Sie werden durch ein ausgedehntes Vorgehen die Aufständischen einschließen und zur Unterwerfung zwingen. 9hir die Führer der Bewegung werden alsdann vor ein Gericht gestellt und abgeurteilt werden, die große Maste der Verführten wird man laufen lassen. Der türkische Botschafter i > Paris soll weiter erklärt habm, daß ein Krieg n Bulgarien nicht zu befürchtm sei. Mit dem offiziellen Bulgarien nicht, das meinen auch wir. Aber was dann, wenn eine Revolution zu Gunsten der Mazedonier in Bulgarien aus- bricht, die den Fürsten Ferdinand vom Tron verdrängt und der Türkei den Krieg aufnötigt? So zuversichtlich, wie es der türkische Botschafter in Paris getan hat, darf man bei der starken Mög-, lichkeit eintretenber Ueberraschungen doch nidm von der Verhütung eines bulgarisch-türkischem
Krieges sprechen. — Auf dem Balkan geht es augenblicklich in der Tat etwas ruhiger zu. Ob diese verhältnismäßige Stille nur die Ruhe vor dem Sturm ist oder ob sie als ein günstiges Symptom gedeutet werden kann, muß ja schon die nächste Zukunft lehren. Die Türkei will den Frieden, das ist sicher; auf die Nachrichten aus Sofia stt dagegen gar nichts zu gefiert. Die Stellung Bulgariens hat sogar König Eduard mißbilligt, der doch im Punkte honoriger Polittk von seiner Regierung nicht verwöhnt ist. Der König soll sogar auS dieser seiner Meinung den Verwandten des Fürsten Ferdinand gegenüber kein Hehl gemacht und namentlich der Mutter des Fürsten, der Prinzessin Klementine seine Mißbilligung ausgesprochen haben. — Was in ©erbten werdm wird, läßt sich noch gar nicht afi- sehen. Daß König Peter mit seinen Veriuschungs- und Verkleisterungssystem Erfolg haben sollte, bezweifeln wir. Schließlich wird die Armee doch auf einen klaren und bündigen Entweder-oder bestehen. Daß dem Könige selbst die Lage nicht recht geheuer erscheint, geht am besten daraus hervor, daß er seine Rundreise durch das Königreich abgekürzt hat und wieder in Belgrad eingetroffen ist. In Belgrad befindet er sich nun wieder ganz in den Händen und unter dem Schutze der Königsmörder, deren Partei er notgedrungen bisher gehalten hat. Um dem Heere einen Beweis seines Vertrauens zu geben, wird der König seinen ältestm Sohn und Thronfolger an dessen demnächstigen Geburtstage in ein serbisches Infanterie-Regiment einfaßen.
Die Meldungen au» Sofia machen zwar auf unbedingte Glaubwürdigkeit keinen Anspruch, doch darf man fie immerhin nicht mit Stillschweigen übergehen. Sie besagen: Die türkischen Truppm nahmen ben Aufständischen da» große Kutzo - Walachische Dorf Klisura im Bezirk von Kastoria ab und zerstörten elf bulgarifche Dörfer. Da der türkische Truppenkommandant vom griechischen Bischof von Kastoria begleitet wird, fetzt man Vorau», daß mit den türkischen Truppen auch griechische Freischaren operieren. In der Ebene von Florina steht alles in Flammen.
Zur Lage in Monastir wird noch gemeldet, daß die bulgarischen Bittsteller bei den Konsuln keine Hilfe mehr finden und von ihnen an Hilmi-Pascha verwiesen werden. Die Konsuln äußern auch äußerlich die größte Zurückhaltung, indem fie ihre Wohnungen so wenig al» möglich verlassen. — Morgen überreicht die hiefige mazedonische Delegatton den fremden Vertretern einen Appell gegen die barbarischen Verfolgungen und Verwüstungen friedlicher Einwohner und Dörfer durch türkische Truppen.
Da» „Wiener Korr.°Bureau" meldet: Die Ankunft des albanefischen PriSrender Bataillons Redif» zweiter Klaffe in Adrianopel beunruhigte, da da» Bataillon sowohl in Adrianopel, al» auch auf dem Marsche nach Kirkilisse, fich undiszipliniert und gewalttätig benahm. Angeblich werden noch weitere neun Bataillone zur Wiederherstellung der Ruhe im Sandschak Kirkilisse folgen. Eine größere militärische Operation wird in dem östlich von Monastir gelegenen GebirgSzuge von Munihovo vorbereitet, da fich dort angeblich das Zentrum der Banden befindet. Die Ueberwachung der Bahnlinie Mustafa - Pascha - Konstantinopel durch Türken ist noch immer ungenügend and beschränkt fich nur auf größere Bahnobjekte, da die zur Ueberwachung der Bahn beorderten Truppen anderwärts verwendet wurden. — Die Direktion der Orientbahn verlangte abermals auf» dringendste Verstärkungen. DaS Verlangen wurde von der österreichisch-ungarischen Botschaft nachdrücklichst unterstützt.
Südafrika. Von den deutschen Frauen in Südwestasrika ist in einer Windhuker Zuschrift an die .Nat.-Ztg." zu lesen: E» wurden in daS südwestafrikanische Schutzgebiet entsandt: 18 Bräute, 18 weibliche Familienangehörige, 21 Mädchen als Dienstpersonal. Die zuletztgenannten Mädchen find diejenigen, die „offiziell eingeführt' worden find, um die Zahl der weiblichen Bevölkerung des Schutzgebiets zu vermehren. Von ihnen haben fich 17 verheiratet beziehungsweise verlobt. Unverheiratet find vier wieder ausgewandert, zwei nach Deutschland zurück, die beiden anderen nach Kapstadt. Jetzt werden keine Mädchen mehr offiziell eingeführt, sondern e8 geschieht dies lediglich auf Antrag. Solche Anträge laufen ausreichend ein, indem die bereits hier befindlichen , mittlerweile zu Frauen gewordenen Mädchen nunmehr ihre weiblichen Verwandten und Freundinnen nachziehen. Daß dies geschieht, ist wohl der beste Beweis dafür, daß die Ehen glückliche find, und widerlegt den Vorwurf, man habe bei der Entsendung der Mädchen keine glückliche Hand gehabt.
Ostafie«. Aus Ostasien liegen wieder eine Anzahl Londoner Meldungen vor, die fich auf daS Verhältnis Rußlands zu Japan in der Mandschurei- und der Koreafrage beziehen. Die betreffenden Angaben laufen immer wieder daraus hinaus, daß Japan zur Voraussetzung seiner Anerkennung der Rechte Rußlands in der Mandschurei die russische Anerkennung der eigenen Rechte auf Korea mache. In Wirklich- lichkeit kümmert fich Rußland herzlich wenig um Japans Forderungen; was ift dem all» mächtigen Rußland das kleine Japan! Die Japaner haben unter schweren Opfern Heer und Flotte verstärkt und in Kriegsbereitschaft gesetzt. Die russische Regierung spottet darüber. Wozu diese Anstrengungen und Unkosten, sie sind ganz zwecklos! Ein Krieg Rußlands mit Japan steht ja garnicht in Aussicht. Die japanische Regierung selbst hat sich, um nicht fortgesetzt das Ziel der russischen Spöttereien zu sein, zu der Erllärung von ArntSwegen entschlossen, daß die Londoner Ausstreuungen tatsächlich weit von der Wahrheit entfernt feien. Die Anerkennung
der japanischen Interessen auf Korea habe Rußland schon im Jahre 1898 ausgesprochen und in einem Protokoll schriftlich niäiergelegt. ES werden zwar Verhandlungen zwischen den beiden Mächten geführt, eS kommen dabei aber ganz andere Fragen in Betracht als die von den Londoner Blättern bezeichneten. Aus dieser amtlichen Bekundung auS Tokio ist nur daS eine zu entnehmen, daß Japan fich den Schritten Rußlands in Ostafien nicht entgegenstemmen wird. Und daran tut da? Heine Japan auch sehr gut. Je entschiedener eS die Lockungen Englands, einen Konflikt mit Rußland herbei» zuführen, zurückweist, um so besser bettet es fich.
Marburg und Umgegend
Marburg, 8. Septbr.
8 See Misere« Jägrrbatuillou. Wie uns au» dem Manöverfelde mitgeteilt wird, hat Ihre Majestät die Königin-Mutter von Italien soeben an da» Bataillon depeschiert, daß Seine Majestät der Kaiser und König ihr telegraphiert habe, daß sich das Bataillon bei der Parade außerordenllich auszeichnete. Wir freuen un» über die unseren Jägern zu teil gewordene Allerhöchste Anerkennung.
* Sam Manöver. In der Exerzierhalle auf dem Kämpfräsen ist das Proviantamt für da? 18. Armeekorps eingerichtet. Am nächsten Donnerstag dürsten fich die Manöverübunge, bi» in die Gegend von Wetter und Battenber; erstrecken.
* Diözesau-Psurrkouferertz. Im Seebodesschev Saale fand heute mittag die amtliche Diözesankonferenz für die Diözese Marburg statt. In der Hauptsache besprach man die Tagesordnung für die morgen früh um 10 Uhr in de) lutherischen Pfarrkirche stattsindende Diözesan synode, zu welcher jedermann Zutritt hat.
* Fernsprechverkehr. Der Sprech verkehr mit Oberwaroldern und Elleringhausen in Waldeck ist heute eröffnet worden. Die Gebür sür ein gewöhnlicher Gespräch bis zur Dauer von 3 Miuten beträgt 50 Pfg.
* Silberae Hochzeit. Das Fest ihrer silbernen Hochzeit feiern heute die Georg Bachrnann'schen Eheleute dahier in großer geistiger und körperlicher Frische. Die Eheleute Bachmann dürften wohl mit zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Stadt und Umgegend zu rechnen sein. Eine Anzahl der nächsten Angehörigen des Paare? hatte e» fich nicht nehmen lassen, ihnen heute Morgen ein Ständchen darzubringen. — Vor 2 Jahren feierte der Jubilar fein 25 jährige« Dienstjubiläum. Ein Leiden, das er sich in feinem Berufe zuzog, hat ihn indessen jetzt veranlaßt, feine vorgesetzte Behörde um seine Pensionierung zu bitten. Doch wünschen wir dem Jubelpaare noch ein recht langes, freudenreiches Dasein, damit dem silbernen auch noch der goldene Kranz hinzukomme.
* Gtwerbevrrein Marburg - Nord. Wie aus dem Inseratenteile der heutigen Nummer zu ersehen ist, findet Freitag, den 11. September, nachmittag 4 Uhr in der Kranz'schen Wirtschaft zu Cölbe eine Generalversammlung deS Gewerbevereins Marburg-Nord statt, zu der Mitglieder und Gewerbetreibende vom Vorstande eingeladen werden.
"Märzenbier. Man schreibt uns: „Göttertrank', nennen die Münchener das vom Sonnabend, 12. d. MtS. an zum Ausschank gelangende Pschorr - Märzenbier fürwahr nicht mit Unrecht. Es war köstlich zu sehen, wie sich die Marburger Weiblein und Männlein im vorigen Jahre eilten, um im Museum noch einige Halbe von diesem köstlichen Naß zu bekommen. So wollen wir hoffen, daß daS edle Getränk, welches in diesem März gebraut wurde, ebenso gut ausgefallen ist wie im Vorjahre. Also frisch auf zur Probe!
* Städtisches. Diejenigen Bewohner de' Stadt Marburg, welche einen Raff- und Leseholzzettel für daS Jahr 1903/4 haben wollen, • haben fich während der Zeit vom 14. bis 21 September d. Js. vormittags von 8 bis 12 Uhr^ " im Rathaus (Stadtsekretariat) zu melden.
* Freiwillige Feuerwehr. Wir werden ersucht, darauf hinzuweisen, daß der 4. L ö s ch z u g der Freiwilligen Feuerwehr morgen Mittwoch, den 9. September 19 03, abends 6 Uh'' Uebuna hat.
* Zur Warnung Da in diesem Jahre die Pflaumenernte eine überaus reiche ist, so wird man auch wieder der Gewohnheit der Kinder begegnen, daß diese nach dem Genüsse der Pflaumen die Kerne zerschlagen, um fich an dem vermeintlichen süßen Inhalt zu laben. Hiervor ist entschieden zu warnen; denn diese Kerne find sehr reichhaltig an Blausäure, die schon in geringen Quantitäten genoffen, Ver» gistungserscheinungen verursacht und sogar den Tod herbeiführt. Darum Vorsicht.
* Fallobst-Serweuduug:. Zur jetzigen Zeit des Fallobstes wird uns sicherlich manche Hausfrau dankbar sein, wenn wir ihr eine noch lange nicht genug bekannte nützliche Verwendung dieses Gartenproduktes mitteilen. Vielerorts kennt man keine andere Nutzbarmachung des Fallobstes als seine Verfütterung an die Schweine. Abgesehen davon, daß über die gesundheitliche Zuträglichkeit der unreifen Früchte für die Tiere keineswegs die Ansichten übereinstimmen, steht eS fest, daß daS Fallobst daS Gegenteil von Mastfutter ist. Seine Wirkung als Verdauungr-Beschleunig- ungSnnttel ist von der Magenverderbnis, die es unter der wenig wählerischen Jugend anzu- richlen pflegt, viel zu bekannt, als daß fit