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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Sonntagsbeilage! Allnstrirtes Sonntagsblatt.

Jo 236

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Ml, bei alten Postämtem 2,25 Mk. (ejcL Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Rcclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag. 6. September 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Zweites Blatt.

Moderne Kulturstätten.

Wenn wir im letzten Jahrzehnt einen ganz ge- waltigenAufschwung auf geistigem, wie industriell- gewerblichen Gebiete zu verzeichnen hatten, wenn wir sehen, wie Errungenschaften der wissenschast- lichen Forschung in praktische Taten umgesetzt und der friedlichen Arbeit nutzbar gemacht wurden, fo läßt sich doch nicht bestreiten, daß die modernen Passionen einen unerfreulichen Zuwachs genom­men haben, daß Millionen im Dienste der Leiden­schaft, oder sagen wir auch nur zum Zeitvertreib, verschleudert worden sind. Wir wollen nur an das in Frankreich und Spanien geplante, hinter­her von beiden Regierungen verbotene Automobtl- Wcttfahren erinnern, das eine ganze Reihe von Menschen das Leben gekostet hat, nachdem allein für die Vorbereitungen mehrere Millionen aus­gegeben waren! Aber diese Erscheinung ist bei weitem nicht die schlimmste. Im letzten Jahrzehnt hat namentlich das Spiel eine Ausdehnung er­fahren, von welchen sich ein schlichter Bürger ohne noble Passionen nichts träumen läßt. Was in demTeufels-Paris" Monte Earlo passiert, davon hat man ungefähr eine Ahnung, um die Unter­drückung der vollen Wahrheit bemüht sich ja die Spielbank-Direktion nach Kräften, aber was außer­dem an diesem Spiel-Unfug geleistet ist, das ent­zieht sich der allgemeinen Kenntnis. Unsummen werden in diesem verwerflichen Treiben von den Spielbanken verdient, es würden sonst nicht immer wiederOfferten" von Finanzleuten an halb bankerotte Staaten auftauchen, die gegen schwere Millionen die Erlaubnis zur Konzessionierung einer Spielbank erkaufen wollen. So ging Griechenland ein Angebot für die Errichtung einer Roulette-Hölle auf Korfu, Serbien für eine solche Veranstaltung in Topschider bei Belgrad zu. Dank einem nachdrücklichen Wink von Seiten Rußlands und Oesterreichs ist es bei dem Angebot geblieben. Geruht haben deshalb die Roulette-Spekulanten allerdings deshalb noch lange nicht und eines schönen Tages wird, wie man weiß, der Welt be­kannt, daß unweit Aachen in dem kleinen neu­tralen Kanton Maresnet eine Spielhölle eröffnet war. Dem famosen Unternehmen ist von der preußischen und belgischen Polizei sofort die Tür zugeschlossen worden, aber dieEntrePreneure haben nun doch die Dreistigkeit, gegen diese Maßnahme das Gericht anzurufen. Sie meinen augenschein­lich, niemand könne gehindert werden, im Glücks­spiel Geld und Gut zu verlieren, um sich hinterher tot zu schießen oder aufzuhängen.

Aber wenn es mit dem bischen Roulette in Maresnet getan wäre! Das Königreich Belgien, das in feinen zahlreichen Bädern einen einzigen großen Spielsalon bildete, hat durch Gesetz diese Spielzirkel unterdrückt; aber Bäderverwaltungen, Hotelbesitzer und die Geschäftswelt in diesen soge­nannten belgischen Kurorten schreien bereitsAch und Weh", sie geben ziffernmäßig die Summen an, ivelche sie in diesem Sommer zufolge des Aus­bleibens von zahlreichen Fremden weniger ver­dient haben, sie erbitten Ausnahmen, da sonst ein allgemeiner Krach unvermeidlich sei. Hoffentlich bleibt die belgische Regierung fest und läßt sich auf gar nichts ein; aber man ersieht aus diesen Angaben bereits, was das eigentliche Wesen ele­gant-modernen Gesellschaftslebens so oft ist.

14 (Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. Job st. llkortsetzung.!

Die alte Standuhr holte klingend aus und mit ihren zwölf dröhnenden Schlägen hielt das neue Jahr seinen Einzug.

Einige Jahre vergingen, Jahre, die dem stillen Erdwinkel am Schwarzbach eitel Glück und Sonnenschein brachten. Und wer war der strah- lende Mittelpunkt, um den sich alles drehte? Na­türlich Frau Lore, wenn auch ihrer unbeschränkten Herrschaft und Anziehungskraft noch zwei Sonnen zugesellt waren, man konnte sie auch füglich Tra­banten nennen, denn wo Frau Lore war. da waren sie meist auch nicht weit. Und dem Herzen des kecklich zum Großvater avancierten Onkel Forst- meiner standen die kleinen Trabanten, Werner und Ursula, fast näher als deren Mutter, Frau Lore, die entschieden bei ihm jetzt erst in zweiter Linie rangierte. Was aber erst Groß-Ursel so wurde Ursula Braun von dem kleinen Werner genannt, zum Unterschied von Klein-Uriel, dem Schwesterchen alles mit dem geliebten Paten- lindern anstellte an abgöttischer Zärtlichkeir, das läßt sich gar nicht beschreiben. Sie wurden viel- leicht noch Überboten von Frau Siegfried, die den seligen Hummel in ihrem neuen Ebeglück ganz berwssen hatte und von deren Mann, dem ge­liebten, alten Knasterbart.

Bei Siegfried und den beiden Braunen fand es der kleine Werner wunderschön und setzte ihn der alte Getreue, der die wunderbarsten Eigen- haften als Kinderfrau entwickelte, auf einen der

Uebrigens wollen wir auch die zahlreichen deut­schen Wettbureaus in deutschen Großstädten nicht außer Acht lassen, das Wetten ist hier nichts wei­ter, wie das reine Spiel, und es ist bedauerlich, daß hiergegen keine unbedingt einschränkenden Bestimmungen getroffen werden können. Das einfachste wäre eine dermaßen hohe Besteuerung aller Wetten, daß die Lust von selbst schwände. Mancher Gerichtsbericht über Unterschlagungen und Veruntreuungen würden künfftg in Fortfall kommen, und im übrigen sollte man meinen, ist auf den Rennplätzen genug Gelegenheit, dieser Leidenschaft zu fröhnen. Weit schlimmer wie in Deuffchland ist es in Paris, wo es eine Masse Klubs giebt, die nichts weiter vorstellen, als mit einem beliebigen, harmlosen Namen maskierte Spielhöllen. Auch sonst bieten französische elegante Badeorte einer aufmerksamen Polizei genug Ge­legenheit zur Beachtung.

Aber waS will daS alles gegen die Weiter- Existenz der berüchtigten Spielbank von Monte- Carlo besagen? Die Verwaltung der Spielbank giebt, wie jeder weiß, an den Fürsten von Monaco eine hohe Pacht, sie bezahlt ferner die gesamten Staats-Ausgaben für diesesReich" von noch nicht zehntausend Einwohnern. Aber dafür zieht sie Angehörigen aus allen Staaten der Erde das Geld aus der Tasche, eine Unmenge von Katastro­phen, in welchem Geld und Ehre verloren werden, kommen auf ihr Schuld-Konto. Unzählige Male ist bei der französischen Regierung, von deren Ge­biet Monte Carlo völlig umgeben ist, bereits an­geregt worden, die Spielbank zu unterdrücken, aber es wird nichts daraus. Und doch haben die preußische und belgische Regierung gezeigt, wie leicht solchem Unfug ein Ende zu machen ist, die Spielbank von Moresnet ist im Nu von der Mld- fläche verschwunden. Man hat behauptet, der Fürst von Monaco würde von seinen Untertanen fortgejagt werden, wenn die Spielbank nicht mehr alle Staalsausgaben desFürstentums übernehmen. Nun, eine Revolution desVolkes von Monaco" toäre wohl etwas weniger schwer zu dämpfen, wie die der Mazedonier. Der Wille zu einem energi­schen Einschreiten muß nur vorhanden fein, dann geht es sicher. Europa bemüht sich, in Ostasten für christliche Kultur zu sorgen. Wir haben in Europa aber genug moderne Kulturwerkstätten", die einmal revidiert zu werden verdienen!

Umschau.

Unterstützungsfonds für die Familien von Reservisten.

Zu den Etatsposten, die in letzter Zeit eine Steigerung erfahren hatten, gehört auch der Fonds, der zur Erstattung der Ausgaben dient, die für die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen eingezogenen Mannschaften den Lieserungsverbänden der einzelnen Bundes­staaten erwachsen. Er erfuhr von 1901 auf 1902 eine Steigerung von 110 000 Mk., von 1902 auf 1903 eine solche von 80000 Mark. Die Etatssteigerungen entsprechen den in der Wirklichkeit immer größer werdenden Summen zur Bestreitung des genannten Zweckes. 68 wurden im Jahre 1899 für die Unterstützungen 1509 763 und im Jahre 1900 1764 823 Mk. verausgabt. Im Jahre 1901 ging der Betrag etwas, und zwar auf 1 668580 Mk. zurück, um jedoch in 1902 auf die schon einmal er-

spiegelglatten glänzenden Pferderücken, fo saß der noch nicht fünfjährige Knirps fo stolz da oben, als sei er zum mindesten ein Prinz. Ganz vor­sichtig führte dann Siegfried den Braunen zum Stall hinaus die breite Allee entlang, damit die Eltern und Großeltern fo hießen letztere nun 'mal auch den Spaß von der Sache hatten.

Schade, daß der Bengel nicht auf c!.'..'M Gut auswächst," sagte der Forstmeister.Tiere sind fein liebstes Spielzeug."

Er erbt 'mal unsere Güter, die auf dem Mond liegen," lachte Lore frohgelaunt und trat voll Stolz zu ihrem Erstgeborenen. Sie sah nicht den sonderbaren Blick ihres Mannes, in dem cs fun­kelte und blitzte wie von einer geheimen Freude oder war es nur der Stolz auf feinen Jungen, den die Mutter soeben zärtlich in die Arme schloß? es war bald Schlafenszeit für den kleinen Reiter. Früh ins Bett und früh heraus lautete die Losung. Nach ungemein zärtlichem Abschied von Seiten des Forstmeisters und Groß-Ursel, den Werner mehr duldend als erwidernd über sich er­gehen ließ, schritt die glückliche Familie die Allee entlang, dem breiten Tore zu, das auf die Chaussee führte. Sie waren ihm schon ganz nahe, als ein hochgewachsener, älterer Herr in den Gar­ten einbog und im Vorbeigehen plötzlich stutzend den Hut zog, den Forstassessor höflich grüßend, was dieser überascht erwiderte.

War das ein Bekannter von Dir?" fragte Lore neugierig.

Ich sah ihn vor drei Jahren bei meinem On­kel, es ist Forstmeister von Wieblitz. Ich wußte gar nicht, daß Braun ihn kennt," lautete die Antwort.

reichte Höhe nahezu wieder hinaufzuschnellen. Nach dem Finalabschluß der Reichshauptkafse für 1902 ist nämlich der Etatsansatz dieses Fonds, der mit 1640000 Mk. bemessen war, um 102 000 Mk. überschritten worden; tat­sächlich find also für die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften im letztgenannten Jahre 1742000 Mark vom Reiche erstattet worden. Der Etat für 1903 weist bei dem Etatsposten die Summe von 720 000 Mk. auf. Ob sie ausreichen wird, wird sich erst beim Finalabschluß der Reichs­hauptkafse für 1903 ersehen laffen. Da die Höhe des Fonds nach dem Durchschnitt der beiden letzten Jahre in den Etat eingestellt zu werden pflegt, so ist anzunehmen, daß der Be­trag für 1903 auch im Etat für 1904 erscheinen wird.

Au8 dem Kaisermanövsr.

Die dritte Parade über am Kaisermaubver teilnehmende Truppen fand am Freitag bei Merseburg statt, nachdem am Donnerstag daS 11. Armeekorps bei Erfurt vor dem Kaiser in Parade gestanden hatte. ES war da» 4. preußische Korps, über daS der Kaiser Heerschau hielt auf historischem Boden, unweit des Schlacht­feldes von Roßbach, wo Friedrich der Große 1758 die Franzosen und die Reichsarmee schlug. Das Kaiserpaar, daS Tags vorher seinen Einzug in Merseburg gehalten hatte, begab sich Freitag morgen zn Wagen nach dem Paradefelde, geleitet von Sehdlitz Krüras- sieren. Die Majestäten begrüßten auf dem Wege die Kriegervereine, die ihnen ebenso wie das übrige, sehr zahlreich erschienene Publikum Huldigungen darbrachten. Der Kaiser führte die verschiedenen Regimentern neu verliehenen Fahnen den Truppen zu und ritt dann mit dem König von Sachsen und den anderen Fürst­lichkeiten die Fronten ab. Hierauf folgte zwei­maliger Vorbeimarsch. König Georg führte sein Ulanenregiment HennigS von Treffenfeld (Altmärkisches) Nr 16 vor. Das Wetter war gut und etwas weniger heiß, so daß die Truppen nicht so sehr unter der Hitze zu leiden hatten wie daS 11. und 12. Korps. Die Feldzeichen wurden vom Kaiser nach Merseburg zurückge­führt, wo abends im Schlöffe den Offizieren ein Festmahl gegeben wurde, bei dem der oberste Kriegsherr sein GlaS dem 4. Korps weihte. Am heutigen Sonnabend wird die letzte Parade, die über das 19. (sächsische) Armeekorps bei Leipzig abgehalten. Am Sonntag besucht das Kaiserpaar Halle a. d. Saale und am Montag beginnen die eigentlichen Kaisermanöver.

Der Trinkspruch, den der Kaiser in Merse­burg auf die Provinz Sachsen und die Alt­mark hielt, beschäftigte sich mit einer fernen Vergangenheit. Mit schwungvollen Worten sprach der Kaiser von dem guten Stück kerniger deutscher Erde, erinnerte er an den ersten deutschen König, Heinrich I., der an der Un­strut die Ungarn vor bald einem Jahrtausend schlug und die Mark Schleswig wieder herstellte. Auch Martin Luthers gedachte der Kaiser; er

Sie müssen gute Freunde fein, sieh nur, wie freudig sich die alten Herrn begrüßen."

Komm nur, Lore, der Kleine muß inS Bett," sagte Schulz etwas hastig, fo daß feine Frau ihn verwundert von der Seite ansah, sie sagte aber nichts.

Der Fremde war indessen weiter gegangen und wurde von Braun mit lauter Freude empfan­gen: Wieblitz, alter Junge, was führt Dich denn des Weges daher? Ursula, Ursula, rief er, wenn auch vergeblich, der schon in der Veranda ver­schwindenden Schwester nach,sieh doch her,, wen ich hier habe."

Wieblitz klopfte lächelnd dem erregten Freund auf die Schulter:Es wundert mich, daß Du mich auf den ersten Blick wieder erkannt hast. Jüng:r bin ich doch nicht in den Jahren der Trennung geworden."

Ich auch nicht, lieber Recke."

Recke, wie fange hat mich keiner so genannt. Und Du hießest Bär, Braun, der Bär. Ach ja, die Zeiten, als wir noch jung, schön und reich waren, letzteres nur auf Kosten des Geldbeutels der Eltern."

Ha, ha, Recke, ja darin warst Du groß."

Na, und Ihr habt fleißig hospitiert."

Hattest immer eine offene Hand, alter Freund," lobte Braun, indem er mit feinem will­kommenen Gast den Weg zur Veranda einschlug, in der Ursula längst verschwunden war,aber auch ein offenes Herz. Mein Gott, Menschenkind, was hast Du alles geliebt!"

Aber mich am meisten und das war mein Glück, und so kam ich stets nur mit einigen Wund- malen, davon, Es ift mir niemals das Herz ge­

nannte ihn den größten deutschen Mann, der für die ganze Welt die größte befreiende Tat getan und die Schläge seines Hammers auf­weckend über die deutschen Gefilde schallen ließ. Bewundernde und begeisterte Worte widmete der Kaiser ferner der heiligen Elisabeth, der Ländgräsin von Heffen, die eine wahre Landes­mutter gewesen ist. Hätte der Kaiser nicht so weit zurückgegriffen, dann hätte er wohl auch den größten Sohn der Altmarkt, deS Stammlandes des preußischen Staates, den einstigen Deichhauptmann vonSchönhausen, Bismarck, genannt.

Deutsche Schulen im Auslande.

Die Deutschen Schulen im Auslande erfreuen sich nicht nur der materiellen Unterstützung des Reiches, sondern auch der beständigen Fürsorge in schultechnischer Beziehung. So sind schon lange blühende Schulanstalten in Konstantinopel, Bu, karest, Brüssel und Antwerpen vorhanden, die der regelmäßigen Beaufsichtigung durch die preußische Schulverwaltung unterstehen. An diesen Anstal-! ten wird in den letzten Jahren die Prüfung für den Einjährig-Freiwilligendienst an Ort und Stelle unter Aufsicht eines dorthin entsandten Schulkommissars vorgenommen. Wie dieNot.- Ztg." hört, hat jetzt auch die deutsche Schule in Mailand um eine ähnliche Revision gebeten, die demnächst der Geh. Rat. Dr. Matthias, Vortragen­der Rat in der Unterrichtsabteilung des Kultus­ministeriums, vornehmen wird. Welchen Wert die deutsche Reichsregierung auf die Pflege der deutschen Bildung in den deutschen Schulen int Auslande legt, beweist der Umstand, daß bei dieser Gelegenheit Dr. Matthias vom Auswärtigen Amt im Einverständnis mit dem preußischen Kul­tusminister ersucht worden ist, auch die deutschen Schulen in Genua, Florenz, Rom und Venedig zu besuchen und nötigenfalls Vorschläge zur Heb­ung und Förderung dieser Schulen zu machen.

Vom kaiserlichen Gesundheitsamt.

Um die Kenntnis von den Nachteilen und ge* sundheitlichen Gefahren., die der übermäßige Ge­nuß geistiger Getränke im Gefolge hat, in weiten Kreisen zu verbreiten, hat das Kaiserliche Gesund­heitsamt ein Merkblatt herausgegeben, welches den Titel führt:Gegen den Mißbrauch geistiger Getränke! Alkohol-Merkblatt." Es gleicht in Format und Ausstattung den bereits früher er­schienenen Tuberkulose-, Typbus- und Rubrmerk« blättern und behandelt den Gegenstand in drei Abschnitten: Geisttge Getränke. Höhe des Ver­brauchs. Wirkung der geistigen Getränke auf den menschlichen Körper. a. Allge­meine Wirkung Ivhysiologisch); b. Folgen des übermäßigen Alkohlgenusies. Zusammen­fassung. Zur Veranschaulichung der wichtigsten Tatsachen ist das Merkblatt mit Zeichnungen vor« sehen, von denen die eine den Gehalt an Nähr­stoffen (Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) und Alkohol in den gebräuchlichsten Nahrungsmitteln Mager- käse. Milch, Schweinefleisch, Brot) im Gegensatz zu Bier und Alkohol alles auf die für 30 H käuflichcken Mengen der betreffenden Nahrnngs- und Genußmittel berechnet veranschaulicht. Die andere bietet eine Darstellung der in zwei haupt­sächlich durch den übermäßigen Alkoholgenuß be­drohten Körperorganen, nämlich in der Leber und den Stieren hervorgerufenen Veränderungen,

brachen und als ich später meine Grete bekam, da konnte ich ihr noch ein heiles bieten, mit dem sie auch bis auf die heutige Zeit ganz zufrieden ge« wesen ist. Dich Aermsten hat das Schicksal härter gepackt."

Ja, ja, vor zehn Jahren war's, da starb meine liebe gute Frau," nickte Braun weh­mütig,und damals sahen wir uns zum letzten Mal."

So lange ist es schon her?"

So fange schon. Es zählt sich leicht nach den Grenzsteinen unseres Lebens und der Tag ivat meines Lebens schwerster. Dort kommt Ursula, die soll uns einen kühlen Trunk heransschicken. Du bleibst doch die Nacht hier?"

Wenn Du mich haben willst.. Ich habe Zeit bis morgen mittag, dann muß ich nach Bcrlin- Mein Wagen wartet draußen und der Kossetz auch."

Kutscher Siegfried kann ihn^hereinholen, ich werde es ihm selber sagen, begrüße Du erst Ur­sula. Gleich bin ich wieder da."

Als nachher die alten Freunde plaudernd us der Veranda saßen, indessen Ursula das Abend« essen besorgte und das Fremdenzimmer berrich- tete, sagte Wieblitz:Mir begegnete vorhin ein alter Bekannter in Deinem Garten.

Ach, Du meinst Forstassessor von Schulz?" Ja, Schulz-Hoffelde.,,

Hoffelde? Mein junger Freund nennt sich nur Schulz." >

Sein ganzer Name heißt aber Schulz-Hof« felde und ist als solcher der MajoratSerbe bei großen Güter in Pouuuern."