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mit dein Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilager JttustrirteS Sonntagsblatt.
M 236
Vierteljährlicher Bezugspreis; der »er Expedition 2 Mk^ bei allen Postämtern 2,25 Mk. (e$cL Bestellgeld).
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Marburg
Sonntag, 6. September 1903,
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck unb Verlag: Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerel 38. Jühkgi Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
nach der Südsee mit dem Ergebnis der Einstich der Kautschuk-Großkulttir in Kamerun und
irung । der
Entdeckung gröberer Bestände für Kabelzwecke taitglicher Guttapercha in Neuguinea. Die Wert-, bestimmung und Verarbeitung erfolgte durch die einschlägigen Fabriken. Seitens des Staatssekretärs des ReichSPostaints wurde mit Rücksicht auf die Bedeutung von Guttapercha für deutsche Kabel eine namhafte Summa Ku diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Ein auf Jahre sich hinaus sich erstreckendes Unternehmen zur Erziehung der eingeborenen Bevölkerung Neuguienas zur Guttapercha- und Kautschukgewinnung ist in Vorbereitung. Die Nahrungs- und Genußmittel- Jndustrie, insbesondere die Kakao- und Scho- koladen-Jndustrie, beteiligte sich an den Studienreisen nach Zentral- und Südamerika, nach Indien und nach Samoa, die die Feststellung für bestimmte Kulturen geeigneter Gebiete un die Einführung neuer Nutzpflanzen und Spielarten sowie ben besserter Einrichtungen der Erntebereituiig in unseren Kolonien zur Folge hatten. Die chemische und Pharmazeutische Industrie förderte die Expe» tioneu nach Deutsch-Ostafrika und Zentral- und Südamerika. Sie übernahm zugleich die Verarbeitung und Wertbestimmung der von den Expeditionen mitgebrachten wertvollen Rohstoffe und Chemikalien. Die Textilindustrie beteiligte' sich in hervorragender Weise an Len deutsch-kolonialen Baumwollunternehmungen, die die Einführung bezw. Ausbreitung der Baumwollkultur in den deutschen Kolonien und baumwollneutralen Ländern, wie Kleinasien und Südamerika bezwecken. Mit großem Interesse haben sich Spinnereien und Webereien der Verarbeitung der deutschen Kolo- nialbaumwolls unterzogen und u. a. der Togobaumwolle eine höhere Wertstufe zuerkannt, als die Taxe der Bremer Baumwollbörse ursprünglich feststellte. Nach dem deutschen Beispiel haben nunmehr auch englische und französische Gesell- schgjten Baumwollkulturversuche in Westafrika un dWestindien eingeleitet, zu deren Kosten selbst Arbeiterverbände beisteuerten. Die deutsch-kolo« nialen Baumwoll-Unternehmungen werden jetzt in größerem Umfange betrieben, insbesondere durch finanzielle Beihülfe an direkte Interessenten, Die Maschinen-Jndustrie förderte die kulturellen Arbeiten ihreseits durch Konstruktion und Herstellung tropenwirtschaftlicher Maschinen, wie Baumwollgins und -Pressen, Maschinen für Hanf- entfaferung, Palmölbereitung und Entkernung, Erdnuß- und Bataten-Schälmaschinen, Maniok- ^ivein, Geräte zur Kautschukgewinnung, leichte Pfluge, Lastautomobile, Transportwagen und -Karren usw., teils aus eigener Initiative, teils auf Grund von Preisausschreiben und Modellen »es Komitees. Gelegenheit zur Vorführung von Kolomalmaschinen bieten die für das Jahr 1904 vorgesehene landwirtschaftliche Ausstellung in
Deutsche Schutzgebiete.
Dem Jahresbericht des Kolonialwirtschaftlichen Komites 1902/1903 wird als Vorwort ein Aufsatz des Vorsitzenden dieses Komitees, Karl Supf- Berlin, vorausgeschickt, der sich über die bisherige und künftige Beteiligung der Industrie an den kolonialen Pionierarbeiten wie folgt äußert:
Die Gruppe der Kautschuk-, Kabel- und Elektrotechnischen Industrie unterstützte die Kautschuk- und Guttapercha-Expeditionen nach Westafrika und
Aus dem Tagebuch eines Marburger's von 1870,71.
Von L. Müller. (Fortsetzung).
Die Liebesgaben an das Jäger-Bataillon trafen nach einer mühevollen Fahrt 'am 13. Dezember, abends 8 llhr in Severs ein. Am 15. Dezember hielten die sämtlichen Hilfsvereine abends um 6 Uhr eine Generalversammlung im Rathaussaale ab. Den Bahnhof passierten 2000 gefangene Franzosen, sie kamen von Orleans und waren nach Stralsund beordert. Das hiesige Sanitätskorps erhält Ordre, sich bereit zu halten, um auf den Kriegsswauplatz abzugehen. Freiwillige wollen sich bei Dr. von Könen melden, der auch neue Anmeldungen entgegennimmt. Seit Anfang Dezember gehen ganze Eifenbahnzüge mit Belagerungsgeschützen hier durch, um vor Paris befördert zu werden. Ebenso stark sind noch die Truppendurchzüge vor und um Weihnachten, es war damals eine bittere Kälte. Infolge der vielen Mannschaften, die hier durchkamen, tour- den die Vorräte an Lebensmitteln am Bahnhof so daß an einem Tage die letzten Reite bis auf einige Säcke voll Schnitzen und gedorrte Zwetschen von den Soldaten mit Heißhun- ger aufgezehrt wurden und man genannte Zwet- fchen und schnitzen geben mußte. In aller Eile wurden bei den Backern und Metzgern die fehlenden Bedürfnisse ergänzt. Am zweiten Weihnachtstag war gerade im Quentinschen Saale Konzert, als die Nachricht anlangte, daß einige nicht angemeldete Truppenzüge ankämen. Schreiber dieses und der Obmann der Verpflegungskolonne, Karl
Deutsch-Osiafrika und die für das Jahr 1905 geplante Kolonialkongreß-Ausstellung zu Berlin.
Die Rentabilität der Kultur von exportfähigen Massenprodukten, wie Baumwolle, Faserstoffe, Oelfrüchte usw., hängt hauptsächlich von billigen Traiisportmitteln, insbesondere von dem Bau von Eisenbahiien ab. An der Ausführung der Eisenbahnen zur Erschließung des Innern Chinas, der Otavibahn zur Erschließung der Otaviminen, der Küsten- und Ainterländ-Eisenbahnen in Togo, der Kamerun-Eisenbahnen und der ostafrikanischen Eisenbahnlinien Dar-es-Salaam-Mrogoro und Korogwe Mombo ist die deutsche Eisenbahn- bau-Jndustrie in hohem Grade interessiert. Auch die von der Reichsregierung angekündigte vlan- mäßige Besiedelung Deutsch-Südwestafrikas verdient die volle Aufmerksamkeit der Industrie. Zunächst handelt es sich hier um die Einrichtung wasserwirtschaftlicher Betriebe (Brunnen- und Stauanlagen), die durch die Ausrüstung von Bohrkolonnen und durch die Fischfluß-Expedition bereits eingeleitet sind und demnächst in größerem Stile durch das Komitee zur Ausführung gelangen werden. Für Ingenieure dürften auch die von x dem Komitee geplanten Vorarbeiten für eine ratio- nette Wasserwirtschaft des Bagdadgebietes von Interesse fein.
Im Hinblick auf den Gewinn, der dem Nationalvermögen durch die industrielle Arbeit in den Schutzgebieten zufließt, stellt das kolonial- wirtschaftliche Komitee im Interesse der ihm angehörigen industriellen und kommerziellen Körperschaften folgende Forderung auf: Bei Erteilung von Privilegien und Kanzessionen in den Ko- Ionien (Land-, Eisenbahn-, Minen- usw. Konzessionen) ist die Bedingung zu stellen, den Bedarf an Industrie-Erzeugnissen vorzugsweise durch deutsche Fabrikate zu decken.
Umschau.
Vergebung von Kronland in Südwestafrika.
Das Gouvernement bereitet der „Deutsch- Südwestafrikanischen Zeitung" zufolge die Festsetzung neuer Bedingungen für den Erwerb von Kronland vor. Nach den allgemeinen Bestimmungen des Entwurfs gibt das Eigentum am Grund und Boden nicht das Recht aus die vorhandenen Mineralien und aus unbeschränkte Benutzung oberirdischer Wasserläufe und unterirdi- scher Wasseransammlungen die sich über die Grenzen der Farm erstrecken. Das Recht an Mineralien unterliegt der geltenden Bergbauordnung, während eine Regelung des Wasserrechts gesetzlicher Bestimmung Vorbehalten wird. Außerdem sind eine Reihe von Beschränkungen des Grundeigentums aus Rücksichten des gemeinen Wohls, für Wege. Eisenbahnbauten u. dergl., vorgesehen, wobei für in Kultur genommenes Land nach den Vorschriften der Enteignungsverordnung Entschädigung geleistet werden sott, wäh. rend für die Inanspruchnahme anderen Bodens eine gesetzliche Regelung des Verfahrens nicht vor- gesehen wird.
Verkauf von Kronland erfolgt bei mehreren Bewerbern im Wege öffentlicher Versteigerung, wobei als Regel ein Preis von 50 F bis 1 «Al, für wehrpflichtige Reichsangehörige von 30^ bis 1 «Al für den Hektar vorgesehen wird. Für den Zuschlag steht dem Gouvernement die Wahl unter ben drei Meistbietenden frei. Der Kaufpreis ist in bar zu entrichten, kann aber bis zur
Heuser, eilten mit einer Anzahl Studenten zum Bahnhof, es waren damals 18 Grad Kälte, bald waren die Körbe voll Brote geschnitten und belegt, Kaffee gekocht, und den durchkommenden preußischen Landwehrleuten, die von Königsberg kamen, konnten wir eine Labung anbieten. Die Eisenbahn war damals so in Anspruch genommen, daß sie das leere Material nicht mehr bewältigen konnte, llnendlich lange W.agenreihen, einmal bis Fron- Haufen, standen . auf einem Geleise, denn das leere Material ging, weil die Mainweserbahn ein Doppelgeleise hatte, alles über hier zurück. Ein Truppentransport, es waren Ersatzleute aus Bremen, Oldenburg, Hamburg und Mecklenburg, mußte 5 Tage in Marburg eingnartiert werden, weil sie nicht weiter befördert werden konnten. Ein Mitleid erregendes Ereignis trug sich im Jahre 1871 bei einem Gefangenentransport zu. In Ermangelung gedeckter Wagen hatte man diese in offene Wagen eingeladen, da in Frankreich die Witterung gelinde war. In der Gegend von Frankfurt gab es Regenwetter, das aber rapid um- schlng, so daß, als der §ug in Marburg ange- fommen, schon 5 Grad Kälte waren. Die Gefangenen waren infolge der Nässe ganz steif gefroren und konnten sich nicht rühren, auch durften sie nicht ausgeladen werden und so ging die Fahrt weiter bis nach Kassel, wo man sie in Stallungen unterbrachte und langsam erwärmte. Es sollen einige davon gestorben fein. Professor Ubbelohde bildet ein Komitee, das es sich zur Aufgabe machte, für die im Felde stehenden Kommilitonen undSoloaten Zeitungen zu sammeln und äu senden. Infolge der Annahme der Kaiserwürde, wurden am 80. Januar 1871 die Gebäude geflaggt. Seit der ersten Einrichtung des Reserve-Lazarett- hjz ium
Hälfte unter Verzinsung mit 5 Prozent auf ein Jahr gestundet werden. Das Land ist binnen sechs Monaten nach Genehmigung des Kaufvertrags in Bewirtschaftung zu nehmen und darf vor Ablauf von zehn Jahren ohne Genehmigung des Gouvernements nicht verkauft werden. Letzteres bewirkt 'die Vermessung, für welche der Käufer Hand- und Spanndienste zu leisten hat.
Die Verpachtung von Kronland erfolgt unter Festsetzung des Pachtzinses auf 5 Prozent des entsprechenden Kaufpreises. Nach 25 Jahren wird das Land, wenn der Zins ordnungsmäßig gezahlt ist, Eigentum des Pächters. Es kann ihm, wenn er für ordnungsmäßige Bewirtschaftung Gewähr bietet, schon nach zehn Jahren unter Eintragung des Restkaufgeldes als erststellige, unverzinsliche Hypothek als Eigentum übertragen werden. Die Veräußerungsbeschränkung ist ebenso wie beim Kauf vorgesehen. Der Pachtvertrag kann seitens des Gouvernements jederzeit mit sechsmonatlicher Frist gekündigt werden, falls nach seiner Ansicht die Bewirtschaftung nicht ordnungsmäßig erfolgt.
Ehemaligen Kapitulanten der Schutztruppe, die sich tadellos geführt haben und den Besitz von 2500 dl nachweisen, kann binnen eines Jahres nach ihrer Entlassung Land unentgeltlich abgegeben werden. In diesem Falle wird der Pachtzins mit der Maßgabe erlassen, daß die Farm nach zehn Jahren in das Eigentum des Besitzers übergeht, wenn während dieser Zeit jährlich inin- bestens der Betrag der Pacht auf Verbesserungen verwandt ist.
Wie die Deutsch- Südwestafrikanische Zeitung bei Besprechung des Entwurfes zutreffend hervorhebt, verfolgt derselbe die Tendenz, den Erwerber von Grundbesitz in der Bestimmung über sein Eigentum einzuschränken und damit die Landspekulation einzuengen. Mag man dieses Ziel des Entwurfs als berechtigt anerkennen und es selbst nicht als Härte empfinden, daß es strebsamen Ansiedlern verwehrt fein soll, bei günstigem Preisstand? Land zu kaufen, für dessen Bewirtschaftung sie in nächster Zeit noch nicht die erforderlichen Mitteln besitzen, so bleibt es immerhin bedenklich, daß Erwerber wie Pächter von Kronland vollständig von dem Gutbefinden des Gouvernements abhängig gemacht werden. Letzteres ist in keiner Weise beschränkt in der Genehmigung oder Nichtgenehmigung des Weiterverkaufs und in der Prüfung, ob eine ordnungsmäßige Bewirtschaftung eingeleitet ist. Namentlich der schwächere, weniger.bemittelte Ansiedler, der Pächter, wird vollständig in die Hand der Verwaltungsbehörde gegeben. Diese ist jederzeit berechtigt, ihm feinen Vertrag, weil er nach ihren Ansichten nicht ord- nungsmäßig wirtschaftet, mit halbjähriger Frist aufzukndigen. Daß das Gouvernement in Zukunft die Vermessung bewirken will, bedeutet einen dankenswerten Fortschritt. Wie aber steht es mit der Erschließung von Wasser?
Die Landwirtschaft in England.
Von der Gesamtoberfläche Großbritanniens, die einschließlich der Seengebiete 56 786 741 Acres gleich 22 714 696 Hektar beträgt, sind 32 343480 Acres oder 44480 Acres weniger als im vorigen Jahre unter Kultur. Nach der neuesten Veröffentlichung des Landwirt- fchaftsministers ist ein besonders starker Rückgang der Weizenkultur in England zu konstatieren. Während 1902 noch 1 726473 Acres mit Weizen ange-
20. Januar hatten die Landgemeinden durch viele Naturallieferungen die Zwecke der hiesigen Vereine zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger in wesentlicher Weise gefördert und jo eine gute Verpflegung in den Lazaretten und am Bahnhof ermöglichen helfen. Durch Vermittlung des Landratsamtes war ein regelmäßiger Turnos eingerichtet worden. Wegen der großen Lasten, welche die Armenpflege den Gemeinden auflegt und wegen der nicht günstigen Ernte wurden nun diese Lieferungen eingestellt. Was nun noch die Gemeinden aus patriottschen Gefühlen brachten, war um so höher anzurechnen. Die Gemeinde Wittelsberg hatte durch eine Hauskollekte 68 Taler zusammengebracht und den in Frankreich befind- lichen WittelsbergerSoldaten übersandt, von denen jeder 4 Taler erhielt. Am 29. Januar traf folgende Depesche hier ein: „An die Kaiserin- Königin. Versailles, 29. Januar. Gestern ist dreiwöchentlicher Waffenstillstand unterzeichnet worden. Linie und Mobile werden kriegsgefangen in Paris interniert. Garde und Nationalesenden- täre übernimmt die Aufrechterhaltung der Ordnung. Wir besetzen alle Forts. Paris bleibt cer- niert und darf sich verpflegen, wenn die Waffen au8geliefert sind. Eine Konstituante wird nach Bordeaux in 14 Tagen berufen. Die Armeen im freien Felde behalten ihre respekttven Landstrecken besetzt mit Neutralftätszonen zwischen sich. DieS ist bet erste segensvolle Lohn für den Patriotismus, Heldenmut und die schweren Opfer. Ich danke Gott für neue Gnade. Möge der Friede bald folgen.
Frankfurt a. M., 29. Januar 1871'.
Wilhelm."
baut waren, beschränkte sich im laufenden Jahn die Weizenproduktion auf 1581587 Acres; ei hat also eine Abnahme der unter Weizen« kultur stehenden Fläche um nicht weniger all 144886 Acres stattgesunden. Auch Gerste hat nahezu 51000 Acres verloren, da die für ihren Anbau verwendete Fläche nur noch 1858000 Acres gegen 1909000 im Jahre 1902 beträgt. Mit Hafer dagegen waren rund 83 000 Acres mehr als im Vorjahre, nämlich insgesamt 3140 200 Acres bestanden. Andererseits wieder ging die Anbaufläche für Klee und Schnittgras um 24100 Acres zurück, während die mit Weidegras bestandenen Ländereien einen Flächenzuwachs von rund 127 900 Acres, insgesamt eine Ausdehnung von 16 800500 Acres aufweisen. Der Viehbestand ist mit einer Ausnahme im Wachstum begriffen. Die Zahl der in der Landwirtschaft verwendeten Pferde stieg von 1504 790 auf 1537155, hat also um 32365 Stück zugenommen. Rindvieh und Schweine vermehrten sich um 148 600 bezw. 387 000 Stück unb zeigen gegenwärtig einen Bestand von 6,7 bezw. 2,7 Millionen Stück. Nur die Schasheerden haben sich bedeutend, um nahezu 126000 Stück auf 25,6 Millionen Stück, verringert.
In Irland dagegen hat die Bodenkultur eine annähernd so große Bodenfläche neu in Angriff genommen als in England und Schottland der Landwirtschaft entzogen wurde. Der Kulturbestand umfaßt jetzt nach einem Zuwachse von 39545 Acres oder 9 pCt. ein Gebiet von 4 634 710 Acres gleich 1853 884 Hektar. Auch in Irland zeigt der Getreideanbau eine, wenn auch geringfügige Abnahme. Jndeffen wird der Rückgang im Anbau an Halmfrüchten reichlich aufgewogen durch die vermehrte Gewinnung von Klee unb Futtergras. Hinsichtlich des Viehbestandes steht einer verhältnismäßig geringfügigen Vermehrung der Pferde und Schweine eine Verminderung der Rinderheerden um 118000 und der Schasheerden um 271000 Stück gegenüber.
Man wird an dem allgemeinen Rückgang des Getreidebaues in England, vor allem der Weizenkultur, nicht achtlos vorübergehen können. Der' unaufhaltsam fortschreitende Prozeß bet Umwandlung der Ackerbauflächen in Weide- und Grasland reduziert von Jahr zu Jahr mehr die eigene Produktion Englands an Brotfrüchten und weist die einheimische Bevölkerung mit zwingender Deutlichkeit auf die hohe Bedeutung der Ernährungsfrage hin. Bisher wat ihre Lösung unter dem Schutze des Freihandels- shstems verhältnismäßig leicht. Es ist daher begreiflich, daß sich die minder bemittelten Klaffen des englijchen Volkes gegen die Verwirklichung der Chamberlainschen Resormpläne sträuben. ____________
Unterstützung wenig bemittelter Ansiedler in Deutsch-Ostafrika.
Für die Unterstützung wenig bemitt.lter Ansiedler in Uh ehe werben in einer Zuschrift an die Deutsch-Ostafrikanifche Zeitung die nachstehenden
Als am Nachmittag diese Depesche hier cintraf, gab es große Freude in Marburg. Rasch wurden die Häuser mit Fahnen geschmückt unb Böllerschüsse sowie Glockengeläute verkündeten bas Ereignis. Zahlreiche Freudenschüsse ertönten und nicht endenwollende Hnrrahmfe und patriotische Gejänge zeugten davon, welchen Eindruck es auf Alt und Jung niachte. Am Abend wurde die Stadt illuminiert und ein Fakelzug veranstaltet. Da nun alle Gebäude im Lichterstrahl erglänzten war das Marburger Rathaus in Dunkel gehüllt. Darüber konnte man am folgenden Tag in der Zeitung Aufklärung erhalten: „Die öffentliche Meinung sprach sich darüber aus, daß bei der Jlluinination, welche in der Stadt so glänzend verlaufen war, da§ Marburger Rathaus sich an diesem Tage durch Dunkelheit auszeichnete, welches den schärfsten Tadel verdiene. Der Stadtrat schob die Schuld dem Ausschuß in die Schuhe, denn der Ortsvorstand hatte mit Talg gefüllte Jlluminai tionslämpchen pro 100 Stück für 4 Th. 10 Sgr. anzukaufen beschlossen, der Gemeindeausschuß aber den Betrag von 43 Taler 10 Sgr. abgelehnt. Damals machte man den Witz, der damalige Stabte diener hieß nämlich „Henkel": Frage: Warum war das Rathaus nicht illuminiert? Antwort: Der „Henkel" hatte keine Lampen und die Lampen hatten keine Henkell
Am 16. Februar wurde der Waffenstillstand um 8 Tage verlängert.
Von 650 in Amerika wohnenden Deutschen wurde die Summe von 86 000 Taler gesammelt und zur Verwendung für verwundete Krieger unS deren Hinterbliebenen nach Deutschland geschickt. Ein Zeichen von dem Patriotismus im Ausland«