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mit dem Kreis blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Soi»ittag-öbe!lager AAustrirtes Sonntagsblatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreis: btt oer Expedition 2 Mk., bei allm Postämtern 2,25 Mk. <egcL BestcUgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonnabend, 5. September 1903.
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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlage J o h. A ug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 38. Jahrg.
Marburg, Martt 21. — Telephon 55, °
Die amerikanische Konkurrenz.
Nach dem Zensus batten die in den Vereinigten Staaten hergestellten Fabrikate im Jahre 1900 einen Wert von rund 13 Milliarden Dollar. Die Ausfuhr der Fabrikate (ohne Petroleum) belief sich auf 366 Millionen Dollar, also zunächst freilich auf 3 Proz. der jährlichen Fabrikaterzeugung, weil es eben in erster Reihe galt, den heimischen Markt zu erobern, die aus- bindischen Fabrikate davon zu verdrängen. Die Fabrikatausfuhr Deutschlands und der Vereinigten Staaten bewertete sich, unter Nichtberücksichtigung der Mineralöle, im Verhältnis zur Gesamtaussuhr beider Länder wie folgt (in Millionen Mark):
Gesamt« Davon entfallen
Ausfuhr auf Fabrikate
Deutschland 1894 2962 1879 = 63«/°
1901 4431 2893 = 65°/»
1902 4678 3089 — 66«/»
»er. Staaten 1894 3651 615 =17«/.
1901 6134 1455 = 24«/»
Die Ausfuhr von Jndustrieprodukten bildet in den Vereinigten Staaten vorläufig noch nicht ein Viertel, in Deutschland zwei Drittel der Gesamtausfuhr. Dagegen zeigt in Amerika die Fabrikatausfuhr eine raschere Zunahme als die Gesamtausfuhr und auch als die deutsche Fabrikatausfuhr. Im Jahre 1894 betrug die amerikanische Fabrikatausfuhr nicht ganz ein Drittel der deutschen Fabrikatausfuhr, 1901 dagegen war sie bereits auf reichlich die Hälfte der letzteren gestiegen. Von 1894 bis 1901 hat die deutsche Gesamtausfuhr eine Zunahme von 50 Prozent und die deutsche Fabrikatausfuhr eine Zunahme von 54 Prozent aufzuweisen. Bei den Vereinigten Staaten stellen sich diese Ziffern auf 68 und 137 Prozent.
Diese Zahlen zeigen, wie rapide die amerikanische Industrie ihre Produktion und auch ihren Export steigert, während der amerikanische Markt sich anderseits gegen den Import ausländischer Erzeugnisse, die im Jnlande selbst erzeugt werden können, abschließt. So hat die Rohzuckerausfuhr von Deutschland nach den Vereinigten Staaten so gut wie ganz aufgehört. Die Ausfuhr von Rohzucker zeigt nämlich nach dem schon beträchtlichen Rückgang von 92 pZt. im ersten Vierteljahr dieses JahreS einen weiteren Ausfall von mehr als 99 Prozent gegen die schon niedrige Ausfuhrmenge deS Vorjahres; anstatt 33 500 Tonen bezw, 52 000 Tonnen in den beiden vorjährigen Quartalen sind im letzten Vierteljahr nur noch 268 Tonnen zur Ausfuhr gelangt. Im vorhergehenden Vierteljahr waren eS doch noch 1720 Tonnen. — Trotzdem ist unsere Handelsdiplo- matie nicht zu der Einsicht zu bekehren, daß die weitere Gewährung der Meistbegünstigung an die Vereinigten Staaten ein Nonsens ist und daß die Kündigung deS Meistbegünstigung- Vertrages nur die Regelung unserer neuen Handelsbeziehungen zu den Vertragsstaaten erleichtern wird.
Umschau.
Aus dem Kaisermanöver.
Die die Kaisermanöver einleitenden Paraden nehmen ihren Fortgang. Ihr Verlauf ist der übliche, glänzende. Der Kaiserparade deS sächsischen 12. Armeekorps am Mittwoch folgte am Donnerstag die Parade des 11. preußischen Korps bei Erfurt. In Dresden hatte der Kaiser am Grabe deS Königs Albert einen Kranz niedergelegt und auf^DankeSworte des Königs Georg mit einem Trinkspruch erwidert, in dem er sagte, es werde sein Bestreben sein, in enger Fühlung mit den bewährten Führern aus großer Zeit, von ihnen lernend, die Truppen so auszubilden, wie es zum Besten des Vaterlandes und der Armee dienen könne. Die Ankunft deS Kaisers in Erfurt fand dann Donnerstag vormittag statt. Ferner trafen ein: die Kaiserin, König Georg, der Großherzog von Weimar, der Herzog von Koburg-Gotha, der Herzog Karl Theodor in Bayern, der Herzog von Aosta, ein Vetter des Königs von Italien. Das etwa 80000 Köpfe zählende Publikum (bei Dresden waren es sogar gegen 120000 Personen) brachte den Majestäten große Huldigungen dar. Der Kaiser führte die neuen Feldzeichen vor die Front und übergab sie den Truppenteilen mit. kurzen, aber markigen Worten. Bei den zwei Vorbeimärschen, die trotz der sengenden Hitze vorzüglich ausgeführt wurden, hatten der Großherzog von Weimar, der Herzog von Koburg und Herzog Karl Theodor sich an die Spitze ihrer Regimenter gesetzt. Hinter der Front waren Sanitätszelte aufgeschlagen. Da die Truppe ermähnt war, daß jeder, der sich matt fühle, sofort aus der Front treten solle, wurden schwere Erkrankungen vermieden. Von den etwa 16 000 Mann, die in Parade standen, ist die Zahl der Ermüdeten nicht nennenswert. Die Fürstlichkeiten reisten mittags wieder ab. Das Kaiserpar ist am Nachmittag in Merseburg angekommen und dort von der Bevölkerung mit hellem Jubel begrüßt worden. In dem alten Schloß schlägt der Kaiser während der Manövertage sein Hauptquartier auf. Für den Abend war ein Festmahl für die Behörden der Provinz Sachsen geplant. Der Kaiser leerte sein Glas auf das Wohl der Provinz. Am heutigen Freitag ist die große Parade über das 4. Armeekorps unweit des Schlachtfeldes von Roßbach. — Der .Reichsanzeiger" gibt die Auszeichnungen bekannt, die der Kaiser aus Anlaß seiner Anwesenheit in der Provinz Sachsen verliehen hat. Sie füllen fast sieben Spalten des amtlichen Blattes.
Krieg oder Frieden?
Die Ursache an der schwierigeren Gestaltung der Dinge auf dem Balkan ist natürlich — Deutsch- land. Wie könnte es auch anders sein! Deutsch-, land hetzt und peitscht in Konstantinopel und bearbeitet den Sultan, Bulgaren und Serben den Krieg zu erklären und mit den abscheulichen Auf-
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(Nachdruck verboten.)
„und die Ihr von
Zeiten vorgesorgt." Mit diesen Worten überließ er den Alten der Wirkung seiner Worte und alles weitere der Frau Hummel, die verständnisinnig zugehört hatte.
Siegfried knurrte etwas Unverständliches in den Bart und schielte dann zur Frau Hunimel hin, die sich aus lauter Verlegenheit in die Nähe des Weihnachtsbaumes zurückgezogen hatte, da dessen Zweige ihr ein gutes Bollwerk zu sein schienen, in dessen Schutz sie sich schon getraute, dem Alten einen aufmunteruden Blick zuzuwersen. Es glomm in Siegfrieds verwittertem Gesichte, es sah.wie ein Lächeln aus, dann schüttelte er den Kopf wie über etwas Unbegreiflichem und näherte sich zögernden Schrittes mit der Frage: „Ihr wollt wirklich fort, Frau Hummel?"
Frau Hummel nickte, obgleich sie merkte, ivas in dem Alten vorging, aber sie fühlte es mit echter Evasschlauheit, nur so kam der alte Fuchs aus seinem Bau heraus.
Siegfried brummte: „Die können'auch so durchs Leben kommen."
„Meinen Sie, alter Knabe?" Der Forstmeister sah ihn scharf an, als er fortfuhr: „Was mich be- trrfft, so sorgt meine Schwester, seitdem der liebe Gott mir meine Frau nahm, so gut für mich, daß ich wohl beraten bin. Aber IM daß mit Ihnen 'werden soll, wenn Frau Hummel mit der künftigen Frau Forstassessor fortzieht, das will ich lieber nicht werter ausdenken."
Siegfried sah ganz verstört den Sprechenden >n und dann Frau Hummel, die über und über errötete und vor lauter Verlegenheit den Zipfel
<T knisternden, schwarzseidenen Schürze aus a ter Gewohnheit an die Augen führte. Lächelnd bückten dre Anwesenden auf das alte Paar, sie wußten nun, worauf der Forstmeister lossteuerte, und um rhn zu unterstützen, zogen sie sich an den Kamm zurück und waren bald in ein eifriges Gespräch vertieft.
Roman von I. Jobst.
tFortsetzung.)
„Hml" erwiderte Braun launig, Mannsleute, Siegfried? Was meint denen?"
Der Forstmeister fuhr derweilen eindringlich sort: „Ja, da giebt es kein gemütliches Kaffe- stundchen mehr und abends keinen steifen Grog zu Zweien. Denn wenn Sie jetzt auch dank der Erbschaft recht behaglich in der Wolle sitzen, man muß doch lemanden haben, der für einen sorgt. Wir alten Knaben verstehens doch nun einmal sucht so. tote Frauenzimmer, gäbe ich nicht Recht.
„Das leide ich nicht, daß Ihr es wißt, Frau 'Hummel. Soll wohl auf meine alten Tage noch allein sitzen?" Der Alte wurde ganz eifrig. ..Das leide ich nicht, nein, das leide ich nicht."
„Ja, aber wo soll ich denn noch hin auf meine alten Tage, Siegfried, wenn nicht zu der künftigen gnädigen Frau?" fiel hier Frau Hummel ein. Sie war dem alten Kutscher ganz nahe gekommen, der tiefsinnig in die Zweige des Weihnachtsbaumes starrte. Sie sahen es beide nicht, daß sich der Forstmeister davon gemacht hatte, und nun mit den andern , schwatzte und lachte, als ob es nicht da drüben im Glanze der Weihnachtskerzen ein paar alte Seelen gäbe, deren Herzen ^auf Flügeln der Liebe" — etwas von alter, süßer Gewohnheit war wohl auch mit darunter, aber darum war fte cv nicht schlechter — zu einander strebten und den
»«x unser lieber Herr Mellor bat nicht finden konnten- •— ~ -
ständischen ein für allemal abzürechnen. ES wäre interessant, zu erfahren, wer diese Lüge ausgeheckt bat, die einen ausgesvrochenen englischen Beigeschmack besitzt. Deutschland hat bekanntlich keinerlei unmittelbare Interessen an dem Balkan, die Vorgänge dort interessieren es politisch nur insoweit, als sie für die Erhaltung resp. Gefährdung des europäischen Friedens Bedeutung gewinnen. Deutschland will den Frieden und gibt auch der friedlichen Lösung der Balkanwirren den Vorzug vor jeder anderen. Die kleine Lüge, so gut gemeint sie auch ist, trifft uns also nicht. Wohl aber wendet auch die deutsche Politik den Ereignissen auf dem Balkan wachsende Aufmerksamken zu. Was sich da abspielt, sieht doch bereits einem richtigen Kriege verzweifelt ähnlich. In Mazedonien gährt der Aufstand keineswegs mehr bloß in den Grenzgebieten, wie es bisher der Fall war, sondern das ganze , Land ist mit aufständischen Banden angefiillt, die aus Bulgarien und Serbien fortwährende!: Zuzug erhalten. Gestatten Ruß- land und Oesterreich-Ungarn der Türkei nicht bald eine kräftige Kriegsunternehmung zur Abwehr, dann wird es schlimm. Die Anzeichen, daß die Mächte sich in die Angelegenheiten einmischen werden, mehren sich übrigens. Auch Frankreich scheint entschlossen zu sein, als Rußlands Freund und Verbündeter, seine Kriegsschiffe im Orient zu vermehren und sich eventuell an einer Aktion zu beteiligen. Der Geduldsfaden der türkischen Regierung scheint nun endlich abgelaufen zu sein und es scheint wohl bitterer und blutiger Ernst werden zu sollen. Nachrichten, die aus Konstan- tinopel und nicht etwa aus den Lügennestern (Sofia oder Belgrad herrühren, erklären, daß sich die Türkei mit einem Ultimatum an Bulgarien ge-. wendet habe, in dem dieses aufgefordert wird, den Aufständischen in Mazedonien seine Unterstützung sofort zu entziehen und gemeinsam mit der Türkei dahin zu wirken, daß endlich wieder Ruhe und Ordnung eintreten. Es soll auch bereits Befehl gn die Truppen ergangen sein, am heutigen Freitag die bulgarische Grenze zu überschreiten. Obwohl eine Bestätigung dieser aufregenden Mitteilungen noch aussteht, so muß man jetzt doch auf da§ Schlimmste gefaßt fein. Es ist wohl anzunehmen, daß Mazedonien, auf die Hilfe Bulgariens und Serbiens bauend, sich zur Unabhängigkeitserklär- ung entschlossen hat. In Konstantinopel muß man einer derartigen Erklärung selbstverständlich zu- vorkommen. Mazedonien ist türkisches Gebiet und auch Bulgarien steht, trotz seiner 1878 erfolgten Erhebung zu einem erblichen Fürstentum, noch heute im Vasallenverhältnis zur Hohen Pforte. Die Türkei wird daher alles ausbieten, um den Beweis zu liefern, daß fte noch Herr im Hause ist. Kommt es zu einem Kriege, so kann kein ZweifÄ darüber bestehen, zu wessen Gunsten er endigen wird. Militärisch ist die Türkei stärker als alle die übrigen Balkanrackers Bulgaren und Serben, Mazedonier und Albanier. Ob aber die Mächte ein Blutbad zulassen werden, in dem Tausende von Christen den Tod finden würden, das ist doch noch die Frage. Für Europa ist der Balkan das Land der Ueberraschungen, bezüglich deren jede Voraus- sicht zu Schanden wird. — Folgenschwere Schritte Oesterreich-Ungarns gegen Bulgarien stehen in Aussicht. Es ist jetzt erwiesen, daß der der ungarischen Levante - Schiffahrt gehörende Dampfer „Vaskapu" in der Bucht voi: Mesembria an der bulgarischen Küste durch eine Explosion zerstört
„Minnachen!" flüsterte es plötzlich an ihrem Obr und ein süßer Schauer überflog sie, gerade so hatte der selige Hummel sie gerufen. „Minna- chen!" flüsterte es wieder und ein eckiger Ellenbogen stieß sie auffordernd in die Seite. „Na, nun sagt mal was."
„Wenn ich ehrlich fein will," begann Minna, genannt Fran Hummel, „so geht mir die Trennung auch ans Herz. Aber Ihr werdet Euch schon zu trösten wissen, Siegfried, denn Rieke —- —"
„Ach was, schnick schnack, aus dem Weibsbild hab ich mir meiner Seele nichts gemacht. Hab nur sehen wollen, was Ihr dazu für Augen machtet. Na, die ivaren auch danach."
„Wißt Ihr warum?" flüsterteFrau Hummel jetzt verschämt, denn der Siegfried sah die, welche er schon zu verlieren meinte, ordentlich mit Wohlgefallen an, die kleinen Augen funkelten nur so — oder spiegelten sich nur die Weihnachtskerzen in Urnen?
„Na. schießt nur los, Minnachen. Mn, weiß Gott neugierig, ist sonst nicht mein Fall."
, „Ich war eifersüchtig, Siegfried. Ich hätte der Rieke können die Augen auskratzen, wenn sie mit Euch charmierte."
„Ha, ha, Eifersucht auf mich alten Knasterbart." Siegfried lachte vergnüglich vor sich hin und fließ die rundliche Frau von neuem in die Seite. „Aber Minnachen —" der Name schien ihm zugefallen, die Stimme klang ordentlich sanft dabei — „die krummen Beine--"
„Ach was, wenn nur das Herz auf dem rich- tigen Fleck sitzt," lachte Minna verlegen, denn sie schämte sich ihres früheren Spottes.
„Na dann ist wohl alles in Ordnung, Minna- chen, wir bleiben zusammen und in den nächsten Lagen bestellen wir das Aufgebot.-,
„Aber Siegfried, so baldl" wehrte Frau Hummel verschämt.
„Ich meine, wir beiden hätten nicht mehr viel Zeit zu verlieren, wenn wir noch auf unsere Kosten kommen wollen. Und nun wollen wir dem Forst« meister Bescheid sagen, da steht er gerade."
Braun sah es gleich, daß die beiden Alten einig waren und brachte als erster seinen Glückwunsch an: „Na Siegfried, Sie haben das gute Teil erwählt. Eine Bessere konnten sie nicht finden als unsere Hummel."
„Aber Herr Forstmeister," wehrte Fra» Hummel verschämt.
„Alles, waS recht ist, in der Küche weiß sie Bescheid, gerade so gut, wie Sie im Stall und darum hätte ich einen Vorschlag zu machen. Uns alle, die wir hier zusammen sind, hält das Band alter Liebe und Anhänglichkeit fest umschlungen. Warum es im neuen Jahre auseinanderreißen? Ihr, liebe Kinder, mietet die Villa und zieht, so Gott will, bald hinein als glückliches junges Paar. Aber weil Ihr dort zu viel Platz habt, so gebt Ihr einige Stuben im Souterrain an dieses glückliche: alte Paar ab und da ich gedenke, mit Siegfrieds Ein« Verständnis ihn zu meinem Leibkutscher zu ernennen, so wäre auch für den zweiten Haushalt gut gesorgt. Der künftigen Frau Kutscher Siegfried soll es aber unbenommen bleiben, mit klugem Rat der jungen Hausfrau beizustehen in ihrem neuen Amte und Frau Lore wird gut tun, ihr allerhand Küchengeheimnisse abzulauschen, denn die Liebe des Mannes geht bekanntlich durch den Magen. Seit Ihr damit einverstanden, so schlagt kräftig einkräftig ein. In: neuen Jahre, so Gott will wie im alten bleibe unter uns wohnen: Eintracht, Liebe und Treue. Dazu gebe Gott seine» Segen. Amen." (Fortsetzung folgt). .
worden ist. Es handelt sich um ein politisches Verbrechen bulgarischer Dynamiterde, durch das insgesamt 29 Personen ums Leben gekommen sind. Die Erplosion sollte anscheinend erst i» Konstantinopel erfolgen, das Uhrwerk der Höllenmaschine war wenigstens so eingestellt, daß btt Katastrophe erst in der türkischen Hauptstadt ein« treten sollte. Die Abfahrt des Schiffes aus Varna verzögerte sich jedoch unerwarteter Weise mehrere Stunden, so daß die Erplosion schon an der bub garischei: Küste stattfand. — Wie wir aber meldeten, trifft auch die französische Regierung mit Eifer ihre Vorbereitungen für den Fall des Aus- brnches kriegerischer Verwickelungen auf dem Balkan. In Paris ist man also offenbar seh: gut unterrichtet. Der Ministerrat, welcher dem Ersuchen des französischen Botschafters in Konstantinopel, Constens, mehrere Kriegsschiffe in die orientalischen Gewässer zu entsenden, entsprach, hat gestern bereits stattgefunden. Vor der Konferenz hatte ber Staatssekretär des Auswärtigen Delcassö eine längere Unterredung mit dem russi- Sjen Botschafter, die gleichfalls der mazedonischen rage galt. ____________
Fabrik und Handwerk.
Den demnächstigen deutschen HandwerkS- nnd Gewerbekammertag wird auch die Feststellung von Unterscheidungsmerkmalen für „Fabrik" und „Handwerk" beschäftigen. Es ist nur zu begrüßen, daß die zuständigen Kreise sich immer von neuem mit der wichtigen Frage beschäftigen, ob aber nunmehr ein zum Ziele führender Weg gefunden werden wird, bleibt S bezweifeln. Es gewinnt beinahe den An- ein, als ob eS sich hier um ein Problem handelt, daS durch Begriffsdefinition überhaupt nicht zu lösen ist, eS müßte denn fein, man ginge mechanisch in der Weise vor, daß man alle Betriebe, in denen eine gewisse Arbeiterzahl beschäftigt wird, als Werkstätten, die übrigen als Fabriken bezeichnete. Mit einer derartigen Lösung der Aufgabe würden aber wohl die interessierten Kreise am wenigsten zufrieden sein. Wie bekannt, hat seitens der Regierung eine umfassende Erhebung stattgefunden, um Material zur Entscheidung der Streitfrage zu sammeln. Ob es zu einer Aktion in der Gesetzgebung, beispielsweise zu einer Ergänzung deS Handwerksorganisationsgesetze» mittels Begriffsbestimmung der „Handwerksstätte" führen wird, ist nicht sicher. Als ziemlich gewiß aber dürfte heute wohl angesehen werden, daß selbst, wenn eine solche Gesetzesänderung vorgenommen würde, die tatsächlichen Schwierigkeiten bei der Entscheidung der einzelnen Fälle nicht aus der Welt geschafft wären. Im praktischen Leben besitzen die Einzelbetriebe eine große Mannigfaltigkeit der Struktur. Di« Differenzierung steigert sich, je bedeutender di« Betriebe werden, aber gerade bei diesen Betrieben liegen die Schwierigkeiten. Wenn die Handwerksvertretungen möglichst viel Betriebe, auch solche, die einen Fabrikcharakter tragen, an sich heranzuziehen trachten, so ist ein solches Vorgehen sehr wohl zu verstehen. Vorläufig