mit dem KreiMati für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JUnstrirtes Sonntagsblatt.
M—gjogpca»
M 234
Picrtcljährlicher Bezugspreis: bn Der (Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. zexcll Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder derm Raum 10 Pfg.
Ncclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Freitag, 4. September 1903.
12*
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dmck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 88. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Der Zar als Selbstherrscher.
Der bisherige Finanzminister von Witte, her zähe Verteidiger russischer Jnteresten auf tvirtschaftlichem Gebiete, ist zum Präsidenten des Minister-Komitee'S ernannt worden, doch hat ihm, wie mitgeteilt, der Zar di» Leitung der Handelsvertrags-Verhandlungen mit Deutschland zu dem Zwecke überlasten, eine erfolgreiche Verständigung herbeizuführen. Bisher hieß es, Herr van. Witte halte ein Eingehen auf den im deutschen Zolltarif vorgesehenen Mindestzoll für Roggen für unmöglich, die Aussichten auf einen baldigen Vertrags-Abschluß zwischen Deutschland und Rußland seien also ziemlich gering. In dieser Beziehung muß nun ein Umschlag eingetreten sein. Der Zar hat sich entschieden selbst davon überzeugt, daß Rußlands Außenhandel zum guten Teil in der Luft schwebt, wenn mit Deutschland keineVerständigung erzielt wird, und Herr von Witte wird sich dieser Anschauung seines kaiserlichen Herrn wohl oder übel anschließen müssen, falls er sie nicht von selbst für die richtige erkannt hat. Und das letztere ist wohl das zutreffende. Von der ganzen russischen Staatsverwaltung weiß man, daß sie zäh bis zum äußersten sein kann, daß sie ihre Zeit abwartet, aber daß sie doch nicht daran denkt, Wände einzurennen. Rußland braucht Absatz für seine Waren, e8 braucht Geld. Deutschland ist den Moskowitern, der altrussischen Partei, ziemlich arg verhaßt, auch die Petersburger Kreise halten nicht viel von »ms, aber, was hilft das alles? Die ganze französische Zärtlichkeit für den russischen Verbündeten ist materiell und finaziell nicht so diel wert, wie die deutsche Nachbarschaft, wie unser guter Wille. Die Franzosen können Ruß- land's Ausfuhr nicht aufnehmen, das kann nur Deutschland.
Ter deutsche Reichskanzler hat mehrfach persönlich mit russischen Vertretern über den neuen Handelsvertrags-Abschluß gesprochen, aber die Dinge blieben bisher in der Luft hängen. Graf Bülow hat darum niemals die Hoffnung aufgegeben, daß wir gerade mit Rußland verhältnismäßig schnell auf Grund des vom deutschen Reichstage angenommenen ZolltarifeS ans verständigen würden. Er scheint Recht behalten zu sollen, am Ende nicht von heute auf morgen, aber doch in nicht allzu entfernter Zeit. Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, daß hoch politische und diplomatische Angelegenheiten, im fernsten Osten etwa, ins Gewicht gefallen sind, aber es kommt hier auf die Begleiterscheinungen am Ende weniger an, wie auch den praktischen Erfolg. Rußland weiß zudem, daß eS an Deutschland einen viel friedliebenderen Nachbar hat, wie einen rücksichtsvollen Konkurrenten in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, die im Punkte der landwirtschaftlichen Produktion und auch der für das Zarenreich immer wichtiger werdenden Petroleum-
12 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
(Fortsetzung.)
„Und Du hast den Mut nicht verloren."
• Lore ließ sich in den Schlitten heben, den Walter mit starken Armen wieder ins Gleichgewicht gebracht hatte. Nun wickelte er sie sorgsam in die Pelze ein — mit der sinkenden Sonne wurde t'v empfindlich kalt — er schwang sich neben sie und in rascher Fahrt ging es nun auf breiten Wegen zum harrenden Forstmeister. Heimlichkeit war überflüssig geworden, der ganzen Welt hätte er heute verkündigen mögen, welchen Schatz er sich errungen.
„Der Forstmeister wird schön ärgerlich sein, er wartet wohl schon eine Stunde."
„Tut nichts Lore, das verrät ihm ja unser Glück.
„Ihr habt wohl als Schelme unter einer Decke gesteckt,, um mich armes Kind zu fangen."
„Ist Dir's leid Lore, dann schilt den Forstmeister nur tüchtig aus."
„Ach was, einen Kuß bekommt er. Aber nun beiä.te mir ehrlich, von wem ging der listige An- wtlag aus? Denn daß die ganze Geschichte abgekartet war, sagt mir mein kleiner Finger!"
„Aber nicht der Sturz aus dem Schlitten, Lore. Das hat das Christkindchen getan, um mir Mut zu machen!" flüsterte der glückliche Mann ßhr ins Ohr, indeffen in den treuen Augen der Schalk spielte. „Was wird der Onkel Forstmeister bloß sagen, wenn wir ihm erzählen, wie Du mir buchstäblich in den Arm geflogen bist?"
Lore lachte. Wie lieblich das klang! Walter lauschte mit dankbarem Herzen, denn all ihr Leid
Ausfuhr die schärfsten Wettbewerber sind. Eine klare Erkenntnis dieser Tatsachen macht mehr aus, wie eine phantafievolle Zukunftshoffnung auf irgendwelche glückliche Möglichkeits-Zwischenfälle, die sich nicht erfüllt. Wir wollen unS hüten, in unseren eigenen Zukunfts-Erwartungen allzu kühn zu werden, aber wir meinen, wenn zwischen Rußland und Deutschland ein gesundes wirtschaftliches Einvernehmen gefunden wird, so läßt sich für die Folge-Zeit in der Tat manches anderen Staaten gegenüber erwarten. Ohne eine berechtigte Wahrnehmung der eigenen Jntereffen geht es nicht; aber wenn uns jemand offen die Hand bietet, dürfen wir einschlagen.
Es wird auch für den russischen Staatskredit vorteilhaft sein, wenn es der Energie des bisherigen Finanzministers gelingt, auf seinem neuen Posten gehörig durchzugreifen. Rußland hat keine Verfassung, einen leitenden Ministerpräsidenten, wie bei uns der Reichskanzler resp. die ersten Minister der deutschen Bundesstaaten es sind, kann es also dort nicht geben. Die einzelnen Minister unterstehen direkt dem Zaren, der Präsident des sogenannten Minister-Komitees hatte bisher kein anderes Recht, als den gemeinsamen Beratungen seiner Kollegen zu präsidieren und von irgend welchem Ausschlag gebenden Einstuß auf die zu fastenden Entschließungen konnte keine Rede sein. Ein tüchtiger Staatsmann, wie Herr v. Witte es ist, kann mit Unterstützung durch den Zar- Selbstherrscher hierin sehr wohl eine Aenderung schaffen, er kann vor allem auch der etwas fragwürdigen Sorgfalt der inneren russischen Staatsverwaltung vollkommen neue Wege weisen. Die letzte Inspektionsreise des seitherigen Finanzministers in Sibirien hat bewiesen, daß Herr v. Witte sich kein X für ein U machen läßt. Daraus hat der Zar wohl vieles ersehen, was seinen Entschluß gezeitigt hat, Aenderungcn eintreten zu lasten, die seinem Lande zugute kommen. Das ist für Rußland vortrefflich. Für un8 ist die Hauptsache, und für das Zarenreich auf diesem Spezialgebiete nicht minder, die Eröffnung eines freundnachbarlichen wirtschaftlichen Verkehrs. Für die europäische Wohlfahrt könnte es nichts befferes geben. Ein solcher gegenseitiger Vorteil nützt dem allgemeinen Frieden nicht weniger, als ein geschriebener Vertrag.
Umschau.
Der
I. deutsche Städtetag in Dresden.
In der Hauptstadt des Königreichs Sachsen, die zurzeit die erste deutsche Städteausstellung beherbergt, traten gestern die Vertreter aller Städte des deutschen Reiches von mehr als 25 000 Einwohner zur Abhaltung des I. deutschen Städte- tagcs zusammen. Se. Majestät der Kaiser hatte sein Erscheinen abgesagt und den Kronprinzen mit seiner Vertretung beauftragt. Der Gedanke der
Abhaltung eines allgemeinen deutschen Städtetages ist schon früher wiederholt aufgetaucht. Sein Organisation ist in der Weise erfolgt, daß jede Stadt mit weniger als 100 000 Einwohnern zwei Vertreter entsandt hat, während die Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern für die ersten 100 000 Einwohner je zwei, und für jede ferneren angefangenen 100 000 je einen Vertreter entsenden. Demgemäß sind 33 Städte mit über 100 000 78 mit 25 bis 50 000 und 40 mit über 50 bis 100 000 Einwohnern aus dem Städtetag vertreten. Unter den Teilnehmern bemerkt man fast alle bekannten Komunalleiter des Deutschen Reiches.
Die Eröffnung de? Städtetages ging heute Nachmittag bei prächtigem Herbstwetter in den Räumen der Städteausstellung vor sich. Nachdem der Kronprinz in Begleitung des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach und der übrigen Fürstlichkeiten, von Fanfaren der Gardereiter begrüßt, in der Versammlung erschienen war, hielt Oberbürgermeister Geh. Finanzrat Beutler eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Wenn einst im Mittelalter dieStädte fast ausnahmslos gut kaiserlich gesinnt waren, ja die mächtige Hansa einen Teil der kaiserlichen Aufgaben des Schutzes und der Ausbreitung des Handels übernahm, so ist das Blühen und Gedeihen der deutschen Städte unserer Zeit noch vielmehr und viel inniger mit dem Kaisertume verknüpft, mit dem Wohl und Wehe des Reiches verbunden. Erst das Reich hat die Kräfte ausgelöst, die die deutschen Großstädte schufen, erst das Reich hat die Bahn frei gemacht, auf der sich unser Handel und unsere Industrie, auf der sich der Reichtum unseres Landes und unseres Volkes entwickeln konnte. Erst das Kaisertum, ja erst Se. Majestät der Kaiser selbst haben uns gezeigt, welche hohen Ziele auch jenseits der politischen Grenze des Reiches liegen und wie die gesicherte Verbindung unseres Volkes mit der gesamten Kulturwelt eine der vornehmsten Bedingungen seiner Macht und seiner Größe bildet. Darum bekennen wir es auch gern, daß die Blüte des deutschen Städtewesens, wie sie die letzten drei Jahrzehnte gezeitigt haben, und wie sie dieDeutsche Städteausstellung zur Darstellung bringen soll, auf der Macht und Stärke des Reiches beruht. — Die Rede endete mit einem Hoch auf den Kaiser und den Kronprinzen. Nachdem der Kronprinz für diese Worte gedankt und Oberbürgermeister Beutler den Städtetag für eröffnet erklärt hatte, traten die Fürstlichkeiten einen Rundgang durch die Ausstellung an. Um 8 Uhr abends fand dann im Festsaale der Ausstellung der BegrüßungSkom- rners für den Städtetag statt, Bei welchem Oberbürgermeister Beutler die Teilnehmer — unter ihnen befand sich, allseitig freudig begrüßt, Graf Waldersee — namens der Stadt Dresden willkommen hieß. Ein Festspiel, dessen verbindender Text von Dr. Vollack-Dresden herrührte, führte in drei Bildern die Begründung des deutschen Städtewesens durch Kaiser Heinrich, die Blütezeit der Hansa im Mittelalter und die Aera der Großstädte im 20. Jahrhundert vor.
Die geschäftlichen Verhandlungen nehmen Mittwoch Vormittag 9 Uhr unter dem Präsidium des Oberbürgermeisters Kirschner - Berlin ihren Anfang.
war umgcwandelt in Liebe, und er würde sie fernerhin zu schützen wissen mit kräftigem Arm.
„Kinder, wie vergnügt Ihr seid!,, scholl es zu ihrer Rechten laut in ihre Versunkenheit. Sie hatten den Forstmeister gar nicht gesehen, der sich plötzlich den ruhig vorantrabenden Pferden in den Weg stellte. Er war vor lauter Ungeduld über den Ausgang des gewagten Experimentes dem Schlitten schon entgegengegangen, als er ihn von weitem Herkommen sah.
„Ach Onkel Forstmeister!" jubelte Lore, und ehe Walter es sich versah, purzelte sie vor Eifer fast über die hindernden Pelze hinweg, Braun in die eiligst von ihm ausgebreiteten Arme. Na, sie hatte schon Hebung in der Sache, wie der schmunzelnd zusehende Verlobte bei sich meinte. Und die alte Lore war wieder zum Leben erwacht, die glückliche, übermütige Lore. Es brach bei ihr ans Tageslicht gleich einer versunkenen und nun dem Erdreich wieder von neuem entsprudelnden Quelle.
Prompt und gewissenhaft wurde dec versprochene Kuß bei dem doch etwas verdutzten Vor- mund angebracht.
„Kinder, versteh ich Euch recht?" fragte der Forstmeister verblüfft über die rasche Entwicklung der Dinge.
„Ja Onkel Forstmeister, er will mich haben, mich, das arme verachtete Kind," sagte Lore. Das Glück des Augenblicks drohte in aufgeregtes Schluchzen überzugehen, aber ganz leise flüsterte der alte, treue Freund dem weinenden Mädchen ins Ohr: „Mein Herzenskind, wäre ich noch jung gewesen, weiß Gott, der da hätte Dich niemals küssen dürfen, das wäre dann meine Sache gewesen."
Darüber mutzte Lore nun wieder lachen und die heftige Gemütsbewegung ging ohne Schaan vorüber.
„Doch nun nach Hause, Kinder, wenn wir noch rechtzeitig zur Kirche kommen wollen, denn Ihr werdet dem gütigen Gott doch Euren Dank nicht schuldig bleiben wollen. Was wird Ursula für Augen machen! Daß Ihr mir nichts verratet, ich bescheere ihr erst unter dem brennenden Baume. Hab' es immer so gehalten und Ihr seid mein kostbares Geschenk. Und nun, junger Mann, marsch, hinten auf, die Lore aber soll mir erzählen, wie dumm Sie sich bei der ganzen Sache angestellt haben. Tenn das ist eine alte Geschichte, in LiebeS- sachen sind tvir stets dümmer als die Frauenzimmer. Die brauchen ja auch nur ja zu sagen."
„Er. hat mich gar nicht gefragt, Onkel Forst- meifter," fing Lore vorn ihren Bericht an, während Walter selig ihrer Stimme lauschte.
„Sie ist mir aus freien Stücken in den Arm geflogen!" rief Walter den beiden zu.
„Ruhig da hinten!" kommandierte der Forstmeister, „jetzt hat die Lore das Wort. Wird es wohl auch künftig behalten, wie ich einen gewissen Jemand kenne. Wer so verliebt ist — na, ich will lieber nicht aus der Schule plaudern."
Lore lachte hell auf und Walter versuchte die zarte Wange mit den Lippen zu streifen, wurde aber energisch zur Ruhe gewiesen. Und nun konnte die glückliche Braut erzählen, der Forstmeister lachte mit seinem tiefen Baß dazu, auch Walter stimmte mit ein. Nun waren sie füll, die drei glücklichen Menschen. Die Pferde trabten flott die glatte Bahn entlang, der Vollmond warf bläulichte Lichter über die glitzernde Pracht, im Wald? blitzte es auf gleich einem Meer weißleuchtender Christbäume, durch die ein heiliges, feierliches Rauschen zieht. Der Forstmeister hatte daS Schlittengelaut bei der Rückfahrt abgenommen, er wußte warum. Aufmerksam lauschend hob er jetzt den Kopf.
Das Kaisermanöver.
Das Vorspiel zu den Kaisermanövern hat begonnen. Der Kaiser, der Dienstag Vormittag in Berlin die Parade über das Garde- korpS abnahm und nachmittags in Dresden eintraf, wo er herzlichst bewillkommnet wurde, wohnte am Mittwoch vormittag mit dem König Georg der Parade des 12. Armeekorps bei Zeithain bei. Nach dem Abreiten der Fronten der in zwei Treffen aufgestellten Truppen begann der Vorbeimarsch. König Georg führte daS Grenadierregiment Nr. 100, das Schützenregiment Nr. 108, daS Gardereiterregiment und daS 12. Feldartillerieregiment, der Kaiser daS Grenadierregiment Nr. 101 und das Leibkürassier- regiment vor. Am Paradeplatz hatten Kriegervereine Aufstellung genommen. Das Publikum bereitete dem Kaiser und dem König sehr lebhafte Huldigungen. Die an der Parade teilnehmenden preußischen Kavallerieregimenter wurden beklatscht. Nach der Parade kehrten die Majestäten und die übrigen Fürstlichkeiten nach Dresden zurück, wo abends im Residenzschloß Parademahl stattfand, bei dem Kaiser Wilhelm und König Georg herzliche Worte wechselten. Der Kaiser dankte für den Empfang und lobte die Leistungen der sächsischen Truppen. — Am heutigen Donnerstag steht daS 11. Armeekorps bei Erfurt in Parade vor dem Kaiser. Nachmittags hält der Kaiser mit der Kaiserin seinen Einzug in Merseburg.
Der Reichshaushaltetat für 19 0 2.
Der „Neichsanzeiger" veröffentlicht die Ergebnisse des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1902 nach dem Einzelabschlusse der Reichs- hauptkasse. Danach sind u. a. beim Reichskanzler 102 000 Mark Mehrausgaben entstanden, wovon 48 000 Mark außeretatsmäßig für die Mitglieder der Zolltarifkommifsion aufgewendet wurden; der 48 000 Mark außeretatsmäßig für die Mitglieder Rest wurde dr.rch die längere Tagung des Reichstags verursacht. Die Kolonialverwaltung halte »inen Mehrbedarf von 58 000 Mark gegen den Etatsvoranschlag. Im Bereiche des ReichSamts des Innern war dagegen eine Ersparnis ton 82 000 Mark zu verzeichnen. Für das ReichSheer sind bei den Kontingentsverwaltungen von treusten, Sachsen und Württemberg bei den einmaligen Ausgaben 297 000 Mark, bei den fortdauernden 3 262 000 Mark mehr erforderlich gewesen, während an Einnahmen 1 626 000 Mark mehr aufgekommen sind. Das Gefamtergebnis stellt sich daher beim Reichsheer um 1 933 00 Mark ungünstiger. Die fortdauernden und einmaligen Ausgaben der Marineverwaltung haben inSge-. samt 728 000 Mark mehr als die Etatsfumme gefordert. Erheblichere Ueberschrestungen des Mats find entstanden durch über- und außeretatsmäßige Ausgaben aus Anlaß der Blockierung venezolani- fcher Häfen usw. Die Verwaltung und Verzinsung der ReichSschnld hat mit einer Mehrausgabe von 2 825 000 Mark abgeschlossen. Bei den die Zivilverwaltung betreffenden Titeln des allgemeinen Pensionsfonds sind 71 000 Mark zu Beihilfen für ehemalige französische Militärpersonen und
Ein Klingen und Singen kam durch die stille Lust, ein tönendes Rufen, ein Wogen undSchallen. Von überall, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf zog das liebliche Getön in mächtig an- schwellender Kraft oder geisterhaft verklingend in unermeßlichen Weiten. Der Weinachtsglocken eherne Stimmen kündeten frohe Botschaft und gleich Engelsstimmen klang es wieder in den Menschenherzen: „Ehre fei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"
„Fröhliche Weihnachten!" sagte der Forstineister mit bewegter Stimme und das selige Paar, dessen Hände sich fanden, sah sich tief in die Augen und sprach es träumend nach.
Von der Erde bis zur Decke ragte die schlank- Weihnachtstanne im großen Saale der Ober- förfterei Schwarzbach, aber noch schimmerten 'eine Kerzen in den Zweigen, um mit ihrem Glanze dem neuen Jahre festlichen Empfang zu bereiten.
Sülles friedliches Weihnachtsmärchen, tote im Traume befangen, hatte sein Reich in dem Winkel des weiten Raumes aufgeschlagen und ganz dicht daneben knisterte der Kamin. Auch die schlanke Frauengestalt im kleidsamen Festgewande, welche im hohen Lehnstuhl wartend saß, paßte gut zu der heimlich trauten Umgebung. Der feine Kopf mit dem weißen Haare hob sich wie ein altes Bild aus dem Spitzenkragen der ihn umschloß, die schlanke Frauenhand von schönen, alten Spitzen überrieselt, hing lässig hinab. Die Weichen Falten deS matt- grauen Kleides breiteten sich noch auf dem Boden aus, die flackernden Lichter der brennenden Scheite warfen glühende Reflexe darauf.
In diesem Rahmen gesehen, war Ursula Braun eine vornehme, schöne Erscheinung, über die edle Ruhe Iag,bie leider im gewöhnlichen Leben der wunderlichen alten Dame fehlte. Ursula saß unbeweglich und blickte in die züngelnden Flammen,