Sonmagsvetrager Muftrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Donnerstag, 3. September 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 38.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Ansiedelungskommijfion und Landbank.
In verschiedenen Blättern find neuerdings heftige Angriffe gegen die Ankaufstätigkeit der Ansiedelungskommisfion erhoben worden. Man macht ihr zum Vorwurf, daß fie 6 namentlich aufgeführte Begüterungen im Flächeninhalt von etwa 10000 ha von der Landbank zu hohen Preisen erworben habe, die von dieser selbst vor Jahren zu teuer gekauft worden seien, und für die letztere deshalb seither vergeblich Abnehmer gesucht habe. Besonders belastend falle dabei ins Gewicht, daß die Güter der An- fiedelungskommission von den früheren Besitzern iu billigeren Preisen angeboten worden seien, diese aber den Ankauf abgelehnt habe.
Es ist bereits von anderer Seite zutreffend darauf hingewiesen worden, daß eS nicht erfindlich sei, weßhalb die Ansiedelungskommission, die, wie die Verhältnisse sich nun einmal seit dem Jahre 1886 gestaltet haben, schon seit längerer Zeit genötigt ist, überwiegend auS deutscher Hand zu kaufen, weil polnische Güter nur noch ausnahmsweise zu haben find, nicht auch von der Landbank kaufen sollte. Es kann sich vielmehr nur darum handeln, ob die erworbenen Güter für Ansiedelungszwecke Wohl geeignet find, der Preis ein angemessener ist, und ob die Ansiedelungskommission in der Tat die Gelegenheit, diese Güter von den früheren Besitzern billiger zu kaufen, ohne ausreichenden Grund hat unbenutzt vorübergehen lassen.
Die von der ansiedelungssreundlichen Presse ausgesprochene Erwartung, daß diese Fragen eine befriedigende Antwort finden werden, wird sich, wie nachstehend auf Grund zuverlässiger Informationen dargetan werden soll, in vollem Umfange erfüllen.
Die Güter, von denen die Rede ist, sind folgende:
1. Die Rittergüter Morasko und Glinno Kreis Posen-Ost mit . ...... 1466 ha
2. Das Rittergut Machet Kreis Bromberg 553 , 3. Das Rittergut Joachimshof Kreis Gnesen 421 , 4. Das Rittergut Pila mit dem Gute Bo-
dussewo Kreis Obornik......1519 .
5. Das Rittergut Pakoslaw Kreis Rawitsch 1400 , 6. Die Herrschaft Schmiegel Kreis Schmieget 4000 ,
9364 ha
Diese Güter sind sämtlich, wie von sachverständiger Seite eingeholte Gutachten bestätigen, zur Kleinkolonisation hervorragend geeignet, ihren Erwerb hat die Behörde überdies nach pflichtmäßiger Prüfung au8 national- politischen Gründen für dringend erwünscht erachtet.
Von dem Erwerbe durch die Landbank waren der Ansiedelungskommisfion seitens der früheren Besitzer zum Kaufe angeboten worden:
JUL (Raddruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
^Fortsetzung.)
„Klopfe an und es wird dir ausgetan, es ist ja das Feit der Liebe heuteI" dachte der Forst- uteifter, als er mit dem Schlitten an der Villa Röder vorfuhr. „Ei sieh mal, wie schmuck heute, wie schön heute unsere Lore aussiehtI" rief Braun dein jungen Mädchen entgegen, und auch der alte Siegfried, der Kaiunierjungfcrdienste bei seinem gnädigen Fräulein tat und sic so warm wie möglich einhüllte, schmunzelte in den Bart.
Und daun ging es los, mitten in den dichten Forst hinein. Wie schön das war! Es funkelte und glitzerte ringsherum, die hohen Wipfel krach- ten und schüttelten sich so lustig, daß die weißen Polster mit duntpfem Laut zur Erde hinunter sausten, auch auf die Schlittcninsassen fielen sie. Machten sie es gar zu toll, so drohte Braun mit der Peitsche fröhlich empor.
„Ach das ist ja herrlich!" jubelte Lore mit einem Male laut auf, als sie aus dem liefen Walde heraussuyren und der Forstmeister die Pferde jäh anhiclt.
In der leuchtenden, strahlenden Wintcrsonne lag vor ihren entzückten Blicken wie ein Winter- märchen die Ruine einer stolzen Abtei, welche in ihren Mauern eine Oberförsterei barg. Ringsum ! das stille Waldesschwcigen die hohen Kiefern beugten die grünen Wipfel unter der weißen Last. Weiß war der Weg, weiß die gefrorenen zierlichen Gräser der Wiesen, das zierliche Geäst der Gebüsche und mitten int winterlichen Rahmen die leuchtend roten Mauern der alten Klosterkirche.
Schweigend sah der alte Mann auf das junge,
1. DaS Rittergut Machet, damals noch 985 ha groß, für 1130 000 Mark, also für 1147 pro Hektar. Demgegenüber hat die An- fiedelungskommisfion für 558 ha der Landbank 600 000 Mk. bezahlt, daS sind 1075 Mk. pro Hektar, den Rest hat die Landbank anderweit für 460917 Mk. verkauft.
2. Das Rittergut Joachimshof für 425000 Mark, während die Ansiedelungskommission der Landbank nur 395000 Mark bezahlt hat.
3. Die Rittergüter MoraSko und Glinno ohne Angabe einer Preisforderung. Die Ablehnung erfolgte im Jahre 1894 zu einer Zeit, wo die beschränkten Mittel der AnfiedelungS- kommisfion, deren Auffüllung damals noch nicht zu erwarten stand, den Erwerb derartig großer vereinzelter Objekte in der nächsten Umgebung von Posen nicht gestatteten, vielmehr an erster Stelle zur Massierung des bis dahin erworbenen AnfiedelungSbefitzeS Verwendung finden mußten.
Die Ansiedelungskommisfion hat der Landbank für diese beiden Güter 1710000 Mk. bezahlt, daS sind 1166 Mk. pro Hektar. Da der frühere Besitzer sie der Ansiedelungskommisfion überhaupt ohne Preisforderung angestellt hatte, läßt fich nicht behaupten, daß diese von ihm billiger gekauft haben würde. Jedenfalls hat die Ansiedelungskommission die in der Nähe belegenen Güter Golenczhn und Solacz von deren Besitzern zu wesentlichen höheren Einheitssätzen pro Hektar gekauft.
DaS Rittergut Pila (oben zu Nr. 4) ist der Anfidelungskommission vom Vorbesitzer überhaupt nicht angeboten worden, dak Angebot erfolgte vielmehr zum ersten Male durch die Landbank.
Was endlich das Rittergut Pakoslaw und die Herrschaft Schmiegel anlangt, so ist die Landbank niemals Eigentümerin dieser Besitzungen gewesen. — Pakoslaw, früher dem polnischen Grafen Leo v. Czarnecki gehörig, hat vielmehr ein Beamter der Landbank erworben und ohne jeden Verdienst zu dem von ihm gezahlten Preise der Ansiedelungskommisfion überlassen. Bei dem Ankäufe von Schmiegel aber hat die Leihbank lediglich als Vermittlerin mitgewirkt. Diese Vermittlung hat sich für den Anfiedelungsfiskus als besonders vorteilhaft erwiesen. Denn während der Besitzer der An- fiedelungskommisfion ursprünglich die Forderung von 4 200 000 Mk. gestellt hatte und nach längeren Verhandlungen dem FiSkuS gegenüber nur eine Ermäßigung auf 4 Millionen zugestehen wollte, wobei daS Geschäft nicht zustande kam, hat die Landbank diese Begüterung der Ansiedelungskommission schließlich für 3 770000 Mark verschafft.
Den Ankäufen aller dieser Güter ist in jedem einzelnen Falle eine von einem erfahrenen landwirtschaftlichen Sachverständigen der An- fiedelungSkommission vorgenommene Abschätzung vorausgegangen, die für die Bemeffung der ge-
schöne Geschöpf an seiner Seite, von dessen Herzen die Fesseln absielen, die Sünde und Bosheit andrer darum geschmiedet hatten. Auch hier versagte sie nicht in ihrer Heilkraft, die göttliche, die freie Natur.
Jetzt toandte Lore ihm, verwundert über sich selbst, den leuchtenden Blick zu. Was hatte sie nur so froh gemacht?
„Es ist ja Weihnachten heute, Kind!" beantwortete der Forstmeister die stumme Frage. „Und siehe da, Knecht Rupprecht ist nicht weit."
Lore folgte seiner beutenbeit Hanb und eine glühenbe Röte bedeckte plötzlich ihr liebliches Gesicht. Sah sie recht, wenn sie in dem dort aus dem Walde tretenden Jägersmann Walter von Schultz erkannte? Was das dumme Herz nur plötzlich angab, es klopfte ihr ja bis in den Hals hinauf, und dazu blickte sie ganz unnötigerweise der Forstmeister an. Gott sei Dank, nun wandte er sich dem Nahenden zu, aber nicht ohne seinem inneren Jubel über die soeben gemachte Entdeckung — hatte er doch nur zu gut in Lores Mienen gelesen und wußte besser wie sie selbst, wie es um sie stand — in übermütigen Willkomrnensgruß Luft zu machen.
Ei, Herr Assessor, kommen Sie als Weihnachtsmann durch den Wald gestapft? Müssen wir unser Sprüchlein aufsagen? Die Lore wirds Wohl noch am besten können, müssen schon bei ihr anfangen."
Walter lachte und Lori stimmte mit ein. Ja, Schultz sah recht, sie lachte — zum erstenmale seit den trüben Zeilen. Und wie rosig sie aussah, dazu die vom Reife gepuderten Löckchen des braunen Haares zu beiden Seiten des Pelzkäppchens. Er starrte sie wie verzaubert an, bis sie ganz verlegen das zierliche Köpfchen wandte.
Ein rascher Blick des Einverständnisses zwischen den beiden Verschworenen —war doch bis jetzt
zahlten Kaufpreise maßgebend gewesen ist. UeberdieS sind die Kaufverhandlungen in der Mehrzahl der Fälle Gegenstand der Nachprüfung durch daS Staatsministerium gewesen, und es haben die bezüglichen Ankäufe dessen ausdrückliche Genehmigung gefunden.
Vorstehende Tatsachen werden ohne weiteres die Haltlosigkeit der gegen die Ansiedelungskommission gerichteten Vorwürfe erweisen.
Umschau.
Die große Kon-fusion.
Nun ist auch daS überstanden. 209 national- soziale Delegierte waren am letzten Sonnabend nach Göttingen gekommen, um die in jungen Jahren schon verblichene Partei des Herrn Pfarrers Naumann zu begraben. Aller Augen waren in jenen Tagen nach der alten Universitätsstadt am Harze gerichtet, denn eS ist kein alltägliches Ereignis, eine Partei, und sei sie noch so klein, sterben zu sehen. Das ist schon des Hinsehens wert. Mit großem Tamtam war der Nationalsoziale Verein ferner Zeit auf der Bildfläche erschienen und hatte sich als der Netter des Vaterlandes vor der roten Gefahr angepriesen. Sozial wollte er sein, sozialer noch als die Sozialdemokratie, er wollte dem 4. Stande so weit entgegenkommen, wie es nur irgend denkbar war, um sein Vertrauen zu erwerben und ihn mit sanfter Hand allmählich wieder zu Monarchie und Vaterland zurückzuführen. Es war ein schöner Gedanke, kühn und edel, der nur den Fehler hatte, daß er unrichtig gedacht und praktisch undurchführbar war. DaS hat Pfarrer Naumann schon vor, während und nach den Wahlen eingesehen. Die große Masse war ein allzuschwereS Bleigewicht, als daß es die Nationalsozialen zu sich emporzuziehen vermocht hätten, es zog vielmehr die „geschichtlich unmögliche Nüance" der Sozialen langsam, aber sicher zu fich herab. Mit dieser bitteren Erkenntnis war die ideale Aufgabe, die sich Naumann ehemals gestellt, gescheitert und erledigt. Seine Theorie hatte vor der prosaischen Praxis nicht Stand gehalten und als ehrlicher Mann zog er die Bilanz über Soll und Haben und erklärte die Liquidation seiner Partei. Zu Göttingen war die Generalversammlung und alle Welt erwartete dort ein Begräbnis, wenn auch nicht erster, so doch 2. oder 3. Klasse zu sehen. Man täuschte sich, eS war kaum eines 4. oder 5. l Nur einige wenige waren vorhanden, die, als fie die Lehren Naumanns logisch bis zum Ende durchgedacht hatten, als mutige Realpolitiker keinen Augenblick zögerten, das gefundene Endresultat in die Wirklichkeit umzusetzen.
Die Lehre Naumann'S ist sozialistisch und demokratisch auf der einen, monarchisch auf der anderen Seite. Vor dem Sprung über den Graben zur republikanischen Sozialdemokratie ist Naumann schon bei Auf
alles laut Absprache wunderbar geglückt •—, bann begann Braun so unbefangen wie möglich: „Wie wärs mein lieber Schultz, wenn Sie Fräulein Lore noch ein Stückchen weiter kutschieren, indessen ich mit dem Forstmeister auf dem hiesigen Amte alles bespreche, in einer halben Stunde holen Sie mich wieder ab. Da wir Vollmond haben, ist es zur Heimfahrt tageshell, und Sie können sich ja hinten auffitzen und kehren mit uns zusammen zurück. Wie ich Ursula kenne, wird sie mit der Bescherung doch nicht vor sieben fertig und bis dahin können Sie sich längst in Gala werfen und bei uns draußen sein. Mein Kutscher hat Ihnen doch die Einladung zu heute Abend überbracht?"
Gewiß, Herr Forstmeister, ich will nur hoffen, daß ich nicht als Störenfried gelte bei der intimen Familienfeier."
„Uns sind Sie stets willkommen, mein lieber Assessor, und ich denke, unser lieber Gast wird auch einverstanden sein. Was meinst Du, Lore?"
Ihr scheuer Blick traf flüchtig das schöne, er- regte Männerantlitz, welches mit brennenderFrage auf ihr ruhte, dann neigte sie nur stumm den Kopf. Sie ahnte, daß die beiden da vor ihr im Einverständnis waren. Sie wollte die vorgeschrie- bene. Fahrt mit dem Assessor ablehnen, sie wollte es nicht dulden, daß man sie so überrumpele, aber da schlug es leise an ihr Ohr,während der Forstmeister sich schon aus seinem Pelze herausschälte: „Gnädiges Fräulein, es ist ja Weihnachten heute!"
„Lore, höre doch nur, wie der Schelm betteln kann. Na, Kind, ich würde mich an Deiner Stelle nicht lange bitten lassen. Es ist doch besser im weiten Walde, als in der heißen Stubenluft in irgend einem ungemütlichen Wartezimmer, denn Du willst doch nicht die Frau Forstmeisterin besuchen?" setzte der Alle noch schlau hinzu, kannte er doch ihre Scheu vor fremden Menschen.
„Ach nein, nur das nicht!" rief Lore erregt.**
stellung des nationalsozialen Programms zurückgebebt, er hat sich gescheut, aus den von ihm aufgestellten Voraussetzungen die allein möglichen Schlußfolgerungen zu ziehen, die die Sozialdemokratie bereits vor ihm gezogen hatte. DaS radikale aber klare und logische Programm dieser Partei zog die unzufriedenen Massen in hellen Scharen an, dem nationalsozialen Programme standen sie mit unüberwindlichem Mißtrauen gegenüber. Nachdem dies Naumann während der Wahlen erkannt hatte, wäre ihm eigentlich nichts weiter übrig geblieben, al- fein Programm nach der radikalen Seite hin auSzubauen und zur Sozialdemokratie überzugehen. Aber er tat e8 nicht. Er hatte zwar die Hand an den Pflug gelegt, aber im entscheidenden Augenblick sah er zurück und — suchte Unterschlupf in der großen Waschküche des Kommerzienratsvereins. Daß ein Herr von Gerlach und 109 andere Delegierte teils freudig, teils resigniert Blutsfreundschaft mit den Wadelstrümpflern schloffen, wird weder unwilliges Staunen noch Trauer Hervorrufen, aber daß ein Naumann seine ganze Vergangenheit durch einen solchen Schritt desavouieren konnte, ist Freund wie Feind gleich unverständlich und leid.
Den Sprung über den Graben, den Naumann nicht wagte, tat eine kleine Gruppe mit dem Dr. Maurenbrecher an der Spitze, die einzigen konsequenten Glieder der Partei. UnS waren die Ausführungen dieses Mannes besonders interessant, da sie sich völlig mit unseren von gegnerischer Seite oft bekämpften Anschauungen über die Nationalsozialen decken. Dr. Maurenbrecher führte etwa aus:
„Wir wollten ursprünglich eine sozialistische Partei, die nur in der Frage der Taktik sich von der Sozialdemokratie unterscheidet. Dies war bis in die letzte Zeit unser Standpunkt. Wir wollten dasselbe tun wie Jaurds in Frankreich. Unsere Mitglieder haben uns aber meist anders aufgefaßt, als bürgerliche Gruppe nämlich. Man hat in uns Leute gesehen, die die Sozialdemokratie bekämpfen. Meist hat man bei uns neuen Liberalismus gesucht, der besser ist als der Eugen Aichler- sche. Wir haben vieles infolgedessen bei den Wahlen zurückdrängen müssen, unsere Stellung zu den Konsumvereinen, Warenhäusern usw., wo wir nicht Mittelstandspolifik treiben konnten. Unser Herz war bei den Arbeitern. Wir haben sodann Kleinbauernpartei werden wollen, aber mit unserem sozialisfischen und Jndustrieprogramm konnten wir dies auch nicht genügend tun. Bei unserer Sfichwahltaktik kam es zum Ausdruck, daß wir mit unseren Wählern nicht harmonisch waren. Wir haben irr „Hilfe" und „Zeit" stets in den letzten Jahren gesagt, bei dieser Wahl ist die Sozialdemokratie das kleinere liebel. Aber unsere Wähler haben gegen die Sozialdemokratie gestimmt. Wenn wir nun aerobe Arbeiter nicht bekommen haben, wie unsere Führer gewollt, so liegt dos tiefer. Wir haben das Mißtrauen d e r A r- beiter nicht überwinden können in unsere Ehrlichkeit, die wir besaßen. Wir hatten eben keine Macht, konnten keine Garantien oieter.
Das nahm der Assessor für ihre Einwilligung. Wie der Blitz war er an ihrer Seite, und fort ging es in den einfainen Wald, während der Forstmeister das letzte Stück des Weges zu Fuß znrück- legte. Schultz suchte die schmälsten Wege auf, wo die Aeste über ihnen nickten und die Zweige sie fast streiften, es war ihm nicht um rasches Fahren zu tun. Desto rascher Pochte ihm da? Herz, und bei Lore war es wohl auch nicht anders. Keines sprach ein Wort. Das schöne Mädchen warf keinen Blick auf ihren Begleiter, und doch fühlte sie, daß er sie forschend ansah.
Immer tiefer ging es in den Wald: so wett- berloreu, so einsam war es ringsumher, und mitten in der toten, starren Natur zwei junge, heiße Herzen, die zu einander drängten und es sich doch nicht zu bekennen wagten.
Selbst die Bäume schüttelten verwundert die Wipfel als der Assessor zum Rückwege in einen Hohlweg einbog — noch immer hatte er keinen Mut gefunden zur verhängnisvollen Frage und zu irgend einer gleichgiltigen Redensart fehlte ihm die Unbefangenheit. Das Schütteln der Baumkronen wurde heftiger, der Wind frischte auf — Pardauz, da sauste die ganze weiche, weiße Last einer knorrigen Kiefer hinunter auf Hohlweg, Schlitten und stumme Menschenkinder.
Hellarif lachte das junge Mädchen, der ganze Humor ihrer Lage packte sie und weckte die alte Lore, die zu jedem fröhlichen Streich zu haben war. Die Pferde machten vor Schreck einen Satz vorwärts, der unzuverlässige Kutscher dachte an alles andere eher als an die Zügel. Hopp, stieß das Fahrzeug an einen Grenzstein, und heidi ginge seitwärts in den dicken Schnee. Der Assessor fiel zuerst und dann Lore, sie flog so recht eindringlich und ganz gewichtig als echter, rechte« Julklavv dem Geliebten in die Arme. Ach, wie «