Einzelbild herunterladen
 

UN- Kirchhain.

JI2 233

Erstes Blatt.

>

die Ausfuhr kommen vorzugsweise Waren der Textil- und Eisenindustrie, ferner Kriegsbedarf, Ton- und Porzellanwaren sowie Lederwaren in Betracht. Die Einfuhr wie die Ausfuhr zeigen mit 61,4 bezw. 18,4 v. H. eine bedeutende Zi

die Ausfuhr zugenommen. Der Verkehr des Zoll« arisschlutzgebieteS Bremen ist hierin nicht ent­halten, da er handelsstatistisch als Teil des Zoll­gebietes behandelt wird.

Der Verkehr mit dem Zollausschluß Helgoland in der Einfuhr 116 '000 Mark (hauptsächlich Hummern), in der Ausfuhr rund 1,3 Millionen Mark (frisches Fleisch, Kleider, Butter, Bier usw.) hat etwas abgenommen. Unternicht ermittelt" sind hauptsächlich die gesalzenen, geräucherten Er­trägnisse der deutschen Hochseefischerei, außerdem die ein- und ausgefiihrten Schiffsvorräte, Schrffs- ausrüstungsgegenstände, Strandgut usw. nachge- wiesen. Einfuhr 5,7 Millionen Mark, Ausfuhr 746 000 Mark. Am Schlüsse sind die Badischen Zollausschlüsse behandelt, deren Handelsverkehr mit dem deutschen Zollgebiet sich in der Einfu!>r fast nur auf Vieh und Getreide, in der Ausfuhr hauptsächlich auf persönliche Bedarfsgegenstände und Vieh erstreckt und in beiden rund 350 000 Mark beträgt.

hältnismäßig kurzer Zeit eine Ausbildung zuteil werden zu lassen, die sie befähigt, im Dienst der Regienmg Verwendung zu finden. , Daher wird neben der allgemeinen auch auf eine besondere Ausbildung für einen bestimmten Zweck geachtet.

Beschleunigung des Wagenumbaues der Eisenbahnen.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten Hai unter dem 24. August nachstehenden Erlaß über Maßnahmen zur Beschleunigung des Wagenum- baucs für den Herbstverkehr an die Eisenbahn­direktionen gerichtet:

Der bevorstehende Herbstverkehr wird vor­aussichtlich sehr hohe Anforderungen an den Wagenpark und die Betriebsleistungen der Eisen­bahnverwaltung stellen. Die zur Beschleunigung des Wagenumlaufs erforderlichen Maßnahmen sind unverzüglich zu treffen, weil sich die Wagen­anforderung voraussichtlich schon in nächster Zeit infolge der Manövertransporte und der Zu. nähme des Getreide-, Zucker- und Kohlenver­kehrs steigern wird. Die Dezernenten für den Beförderungs- und Wagendienst und den Güter- zugfahrplan werden deshalb zunächst auf Grund eines besonderen Planes in Gemeinschaft mit den Vorständen der Betriebs- und Verkehrsinspektionen unter Zuziehung der Betriebskontrolleure örtlich zu prüfen haben, ob alle Vorschriften für den Wagen-, Lade-, Rangier- und Zugbildungsdienst, für die Zu- und Abfuhr und Bereitstellung der Güter, sowie die Bedienung der Bahnhöfe und Anschlüsse von den Dienststellen und Beamten richtig aufgefaßt und befolgt werden. Soweit er­forderlich, haben auch die betriebsmaschinentechni­schen Dezernenten und die Vorstände der Ma- schinen-JnsPektionen mitzuwirken. Die Betriebs­kontrolleure sind in den Monaten September bis November vorzugsweise für die Zwecke des $8eigen« und Beförderungsdienstes heranzuziehen. Die Wagendezernenten haben täglich nachzuprüfen, ob die Verfügungen des Wagenbureaus richtig und rechtzeitig getroffen sind. Ausfällige Fehler und Abweichungen in den Meldungen und Nachweisen der Dienststellen sind nach Anweisung der Dezer« nenten sofort durch einen Betriebskontrolleur oder in anderer geeigneter Weise örtlich zu untersuchen. Da nach dem Erlaß von dem 23. Juni 1898 die Fürsorge und Verantwortlichkeit für die zweck­mäßige und schnelle Beförderung der Güter und für die Ausnutzung und den raschen Ablauf der Wagen in erster Reihe den Vorständen der Ver- kehrsinspektiou obliegt, werden diese ihre Täffg- keit während des starken Herbstverkehrs vorzugs­weise der Belehrung und Ueberwachung der Dienst­stellen zuzuwenden und auch die Kassenkontrolleure zu beauftragen haben, mit den Kasseurevisionen oder anderen auf den Stationen ausznfiihrenden Geschäften stets eine Prüfung des BesörderungS- und Wagendienstes zu verbinden. Die Betriebs­kontrolleure haben das Ergebnis ihrer Revisionen regelmäßig den Vorsiänden der Verkehrs- und Betriebsinspektionen zu melden, damit nötigen­falls sofort geeignete Anordnungen zur Abhilfe troffen werden. Von den Beförderungs- und Fahrplandezernenten sowie den Vorständen der Betriebs- und Verkehrsinspektioneii ist zu über­wachen. daß die Beförderung der Güter und der leeren Wagen mit den richtigen Zügen erfolgt und erforderlichenfalls die Beförderungsgelegenheiten durch Einlegung van Zügen vermehrt werden. Namentlich wird aus den Uebcrgangs- und Ran­gierbahnhöfen eine dahingehende Prüfung bei Zu­sammenstellung und Auflösung der Züge oder aufgrund der Zugführeraufschreibungen und des Wagenübergangsplanes öfters vorzunehmen sein. Die Durchführung des letzteren ist insbesondere von den Vorständen der Betriebsinspektionen per« sonlich zu überwachen. Die vermehrte Ausnutzung der fremden Wagen hat die Königliche Eisenbahn­direktion in Magdeburg, sobald dies erforderlich ist, nach dem Erlasse vom 25. Januar 1902 herbei­zuführen. Insoweit die Wagenbeistellung für die Neben- und Kleinbahnen durch die Staatseisen­bahnverwaltung erfolgt, ist durch geeignete Ueber­wachung sicher zu stellen, daß die vertraglichen Verpflichtungen bezüglich der Meldung und Be­nutzung der Wagen, Verkürzung der Ladefristcu und Vornahme von Teildeckungen erfüllt werden.

Außerdem hat der Minister die Direktionen noch auf verschiedene Einzelheiten aufmerksam ge­macht. Dazu gehören die Feststellung, ob die Werkstäten zweckmäßige und ausreichende Anord­nung zur möglichsten Beschleunigung der Wieder- Herstellungsarbeiten getroffen haben, die örtliche

nähme gegenüber dem Vorjahre; sie find iin ganzen bewertet auf 11,2 bezw. 29,6 Millionen Mark.

Der Handel mit der Türkei in Asien, bei wel­chem im übrigen ebenfalls eine Zunahme um 9,5 v. H. in der Einfuhr und um 10 v. H. in der Ausfuhr verzeichnet ist, ist im ganzen bewertet auf 25,3 Millionen Mark Einfuhrwert und 13,4 Millionen Ausfuhrwert. Es kommen von borst hauptsächlich Material- und Drogeriewaren sowie Erzeugnisse des Landbaus und der Textllindustrie, während namentlich Erzeugnisse der Textil- und Eisenindustrie und der chemischen Industrie dort­hin ausgeführt werden.

Der Handel mit der Türkei in Afrika ist be­deutend geringer als der mit der übrigen Türkei und beträgt in der Einfuhr nur 18 000 Mark, in der Ausfuhr nur 270 000 Mark.

Im Heft XXIII ist der Handel mit den Frei­häfen und den Zollausschlüssen sowie der nicht näher ermittelte seewärtige Verkehr behandelt.

Dem umfangreichen Tabellenwerk über den Handelsverkehr mit den Freihäfen Hamburg und Cuxhafen sind Erläuterungen vorangestellt aus denen sich ergibt, daß die in der Einfuhr verzeich- neten Mengen nur die daselbst erzeugten oder be- arbeiteten Waren umfassen, während die Ausfuhr nicht nur die nach den Freihafengebieten als End- bestimmung angeführten Waren enthält, sondern auch solche, welche nur zur Lagerung dorthin aus- geführt, bis zum Abschluß der Darstellung jedoch noch nicht weiter versandt waren, außerdem die dorthin ausgehenden Postsendungen und Schiffs- Vorräte. Die Einfuhr betrug im Berichtsjahre im ganzen 22,3 Millionen Mark, die Ausfuhr dorthin 61,3 Millionen Mark. In der Einfuhr sind es größtenteils Erzeugnisse einiger der her­vorragendsten im Freihafcngebiet Hamburg zu­gelassenen Industriebetriebe (Oelmühlen, Kupfer­schmelze, Düngerfabriken, Affinerie, Reisschäl­mühlen, Gasfabrik, Mineralölwerke usw.), in ter Ausfuhr insbesondere Steinkohlen, Böttcherwaren, Platten und Bleche ,Rohzucker usw., welche hervor­treten.

Der in der Einfuhr nur 79 000 Mark, in der Ausfuhr 9,3 Millionen Mark betragende Spezial­handel des deuffchen Zollgebietes mit den Frei­häfen Bremerhafen und Geestemünde weist beson­ders unedle Metalle, nicht besonders genannt, und Legierungen daraus als Haupteinfuhr nach, wäh- rend in der Ausfuhr ebenfalls Steinkohlen her­vorragen; außerdem frisches Fleisch, Bier, Lein­wand, Seilerwaren usw. Die Einfuhr hat ab-.

Effchrint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmvcrsttätS-Buchdruckcrei 38. Jllhrg« Mmckurg, Markt 21. Telephon 55.

Umschau.

Auswärtiger Handel des deutschen Zollgebietsim Jabre 19 02.

Die Hefte VII und XXIII von Band 152 der im Kaiserlichen Statistischen Amt bearbeiteten Statistik des Deutschen Reiches mit bis zum Jahre 1897 zurückgreifendem, vergleichendem Tabellenwerk sind soeben erschienen.

Im Heft VII wird der auswärtige Handel des deuffchen Zollgebietes mit Bulgarien nebst Ost- rumelien, ferner mit Griechenland und der Türkei behandelt. Die Einfuhr von Bulgarien, die zwar der Menge nach abgenommen, dem Werte nach je- doch gegen das Vorjahr zugenommen hat, bestand hauptsächlich aus Erzeugnissen der Viehzucht und der Landwirtschaft, darunter besonders Eiern, und wurde im ganzen bewertet auf 6,8 Millionen Mark, die dem Vorjahr gegenüber so ziemlich gleich gebliebene, vornehmlich Textil- und Eisen­umfassende Ausfuhr dorthin auf rund 6 Millionen Mark.

Der Handel mit Griechenland samt den Joni­schen Inseln, den Kykladen und den nördlichen Sporaden ist in der Einfuhr auf 11,2 Millionen Mark, in der Ausfuhr auf 6,9 Millionen Mark bewertet, was gegenüber dem Vorjahr einer Stei­gerung von 2,2 bezw. 6,2 v. H. gleichkommt. In der Einfuhr nahmen Korinthen mit 3,7 Millionen Mark Wert die erste Stelle ein, wenn sie auch dem Vorjahr gegenüber etwas gefallen sind. An zweiter Stelle stehen rohe behaarte Schaffelle mit 1,1 Millionen Mark, sonst sind noch Feigen, Waschschwämme, Wein, Rosinen, Erden, Häute und Felle als Haupteinfuhrartikel zu nennen. In der Ausfuhr nach dort kommen hauptsächlich chemische Erzeugnisse, lackiertes und gefärbtes Leder, baumwollene und wollene Tuch- und Zeug- Waren, feine Holzwaren, Maschinen usw. vor. Die Türkei ist gemäß den seit 1900 gemachten Aufzeichnungen in drei Abschnitten behandelt, und zwar zunächst die Türkei in Europa in Zusammen­fassung mit Kreta und Montenegro. Für die Ein­fuhr von da bilden Erzeugnisse des Landbaues und der Viehzucht Haupthandelsgegenstände. Für

Das Bild der Stadt ist vorstehend so skizziert worden, wie es sich dem von der See herkommen- den Reisenden zeigt. Die großen, von deutscher Seite aufgeführten Steinbauten berühren mit ihrem lichten Mauerwerk und ihren modernen architektonischen Formen das Auge sebr angenehm.

Hinter diesem Stadtviertel, das sozusagen die Neustadt von Dar-es-Salaam bildet, breitet sich der von den Eingeborenen bewohnte Stadtteil aus. Dank dem Einfluß der deutschen Verwaltung haben die früheren elenden Lehmhütten der Inder und Araber mit ihren Dächern von Palmen­blättern schon vielfach Steinhäusern Platz gemacht. Auch die Sauberkeit und Ordnung auf den Stra­ßen und Plätzen dieser Altstadt hat schon ersichtlich Fortschritte gemacht. Diese durch eine strenge Straßenpolizei den Farbigen eingeschärste Rein­lichkeit für die Stadt die besten Folgen gehabt. Was besonders dazu beigetragen, ist außer der Sauberkeit die Beschaffung von gutem Trink- wasser. Es bestehen jetzt wohl an 20 Brunnen, die bis zu 30 Meier Tiefe gehen und reichliches Onellwasser auch in der trockenen Jahreszeit liefern. Die Stadt, deren Ausbau nach Gebäuden und Wegeanlagen vom Bezirksamt fo forgföltig beaufsichtigt wird, hat außerdem eine Kanalisation erhalten, bestehend in einem Röhrennetz> zur Ab­leitung der während der Regenzeit stagnierenden Gewässer, welche die Innenstadt überschwemmen. Veranlaßt durch den regen Baubetrieb, der jetzt in Dar - es- Salaam herrscht, haben sich dort auch Handwerker aller Art niedergelassen, und es sind Schlosser-, Schmiede- und Klempnerwerkstätten eingerichtet worden, um der Bautäffgkett ihre Dienste zu leihen. Die Gewerbetreibenden sind meist Inder (Banianen) und Goanesen. Es sind diese Gewerbebetriebe den deutschenHauShaltungcn in jeder Hinsicht sehr zustatten gekommen.

Auch die deutsche Frau hat sich infolge der immer besser werdenden Wohnungs- und Lebens­verhältnisse in Dar-es-Salaam akklimatisiert, ja diejenigen, die daS Leben dort einmal kennen ge­lernt haben, hängen mit Liebe an der Kolonie und haben in derselben eine zweite Heimat gesunden. Mit der mehr oder minder großen Anschmiegungs- fähigkett, die ihr verliehen, dient auch die Frau der Sache des Vaterlandes dadurch, daß sie sowohl den Haushalt des Mannes, wie die Geselligkeit als ein belebendes Element unterstützt und in beide den Zauber der Weiblichkeit mtt seinem ver­edelnden Einfluß einführt.

Für die Hausfrau, welche nach Deutsch-Osi- afrika ohne jede Sprachkenntnis kommt, entsteht zunächst eine große Schwierigkett dadurch,. daß sie sich nicht mtt der Dienerschaft und den Einge­borenen verständigen kann, denn die Boys, wie die schwarzen Diener allgemein genannt werden, sprechen noch nicht deutsch und auch keine andere europäische Sprache. Einige Boys haben aller­dings durch jahrelangen Dienst bei deutschen Herren und durch den Besuch der deutschen Schule gelernt, etwas Deutsch zu verstehen, ohne cs in­des selbst sprechen zu können. Dies bezieht sich aber nur auf die persönlichen Diener, nicht auf die schwarze» Köche (meist Goanesen), sodaß die Hausfrau diesen gegenüber zumeist auf Zeichen­sprache ober die sehr mangelhafte Verdolmetschung der Boys angewiesen ist, bis sie selbst genügende Kenntnis der Suahelisprache erlangt hat. Für das Erlernen der nötigsten Redewendungen ge­nügen meist einige Wochen. Die schwarzen Diener sind im ganzen insofern nicht schwerfällig, als sie bald die Wünsche ihrer Herrin begreifen und alsdann ohne besondere Anweisung ihren Dienst gut versehen. Der letztere muß sich allerdings in den täglichen Geleisen bewegen, denn sobald eine Selbständigkeit von ihnen verlangt wird oder Ver­änderungen im alltäglichen Getriebe eintreten, wie es z. B. der Fall ist, wenn Gäste kommen, dann verlieren sie leicht den Kops. Der Besitz guter Dienstboten, besonders eines guten Kochs, ist in Ostafrika für die Hausfrau eine viel wichtigere Frage als in der Heimat, da die erstere sich infolge des Klimas um den Haushalt und um die Küche nicht so viel kümmern kann. Es gibt aber schon eine ganze Reihe guter Köche, welchen eine Haus­frau, wenn sie Anleitungen zu geben weiß, die Zubereitung ganz gut überlassen kann. Wer sich übrigens einen Hausstand in Dar-es-Salaam ein« richtet, lebt viel billiger, als der Unverheiratete; denn abgesehen von den wohlfeilen Nahrungs­mitteln, sind hier auch die WohuungSmieten nicht teuer und werden mit der Zunahme der Bauten wohl noch billiger werden. Auch die RegieruugS- schulen tragen wesentlich zur Heranbildung von Dienerschast bei. Das Schülermaterial besteht aus den verschiedensten Elementen. Nicht nur die verschiedenen Negerstämme, sondern auch Inder und Araber sind darin vertreten. Neben Lond- wirtschaftsschiilern sitzen Boys, Handwerksschüler im Alter von 6 bis 30 Jahren. Die letzteren stammen aus allen Teilen Deutsch-Ostafrikas und machten anfangs rechte Schwierigkeiten, da sie fast alle die Suahelisprache nicht verstanden. Die 125 Schüler der Regierungsschule in Dar-es-Sa« laam werden in fünf Klassen unterrichtet; Unter- richtsfächer sind Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und für die Befähigteren Zeichnen, Heimatkunde und Deutsch. Aufgabe der Regierungsschule ist es, den beranwachsenden .Eingeborenen in ver­

Virrteljährlichcr Bezugspreis-, vct der wxpemnon <- jwu, SVidtDittd

bei allen Postämtern 2,25 Mk. lejcL Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die geiMtene Zelle oder deren Raum 18 Psg. DüNNtEllg, 3. ©CptCUlbCT 1903«

Dar-es-Salaam.

Von der Hauptstadt der Kolonie wird in der ZeitschriftGlobu s" eine anschauliche Schilder« ung entworfen, der wir folgendes entnehmen:

Dar-es-Salaam (Hafen des Friedens") legt sich am Nordgestade der gleichnamigen Meeres­bucht, die so groß ist, daß sie eine ganze Flotte aufnehmen könnte, dem Meere vor. Der Hafen wird dadurch gebildet, daß einer nördlichen Land­zunge gegenüber, die eine fast halbkreisrunde Bucht im Osten abschließt, sich von Süden her ein emporgehobenes Korallenriff vorschiebt, das von feiner Nordspitze, dem Ras Rongoni an bis zu seiner Nordwestecke, dem Ras Makabe, das Süd­ufer eines wenn auch nur schmalen, so doch tiefen Kanals bildet, der gegen Osten in eine nach allen Seiten hin völlig geschützte Bucht, den eigenllichen Binnenhafen von Dar-es-Salaam, ausläuft. Dieser Kanal wird im Norden abgegrenzt durch das sogenannte Nordriff und die gegen Osten ein­springende Landzunge des Festlandes, und die so entstandene Einfahrt hat überall Fahrwasser ge­nug für große Schiffe (nicht unter sieben Faden). Nach der von der Kriegsmarine vorgenommenen Vermessung des Wassers und der aufgrund der­selben herausgegebenen vorzüglichen Karte, zu­sammen mit der gründlichen Austonnung des Hafens, bietet auch die enge Einfahrt für den Schiffsverkehr keine wesentlichen Schiviei i-ffeiten mehr. Sind die Schiffe aber einmal im Binnen­hafen, so finden sie hier vorzügljcheii Ankergrund und tiefes Wasser bis dicht an das Gestade heran. Gegenüber dem Fort von Dar-es-Salaam reichen sieben bis neun Faden Wasser bis auf 40 Zenti­meter an den Strand. Hier ist Raum für eine so große Zahl von Seeschiffen, wie sie bei den oft- afrikanifchenWirtschaftsverhältnissen wohl niemals hier zusammenkommen wird, dabei ist die Ein« fahrt gegen den Ozean hin im Kriegsfall sehr leicht völlig zu schließen und gut zu verteidigen. Mit seinen grünen Ufern, feinen malerischen Pal­mengruppen, den weißen stattlichen Häusern mit dem Hintergründe des tiefblauen Aegnator- Himmels gewährt der Ort bei der Einfahrt einen wunderschönen Anblick. Das Auge fällt zur Rech­ten zuerst auf die protestantische Mission; dahinter erheben sich dann die stattlichen Baulichkeiten deS Gouvernements inmitten ausgedehnter Gartenan­lagen. Auf der Uferhöhe lauft die Strandsrraße in großem Bogen um den Hafen, um dann in die Kaiscrstraße. einzumünden. An ersterer liegen neben verschiedenen Gebäuden der Verwaltung die neue Post, das Gouvernementsgebäude, da- Pulvermagazin, an letzterer die befestigte Station mit zwei Bastionen, die evangelische und die katho­lische Kirche, die Zollgebäude und Magazine. Parallel zur Kaiserstraße verläuft die gleichfalls saft nur von Steinhäusern eingefaßte Hauptstraße, die Barraerasta, in der sich die meisten Geschäfts­häuser befinden. Die Verlängerung derselben nach Süden bildet die Araberstraße, in die mit spitzem Winkel die Jnderstraße läuft.

Breite, ziemlich saubere Straßen, gut gepflegte Anlagen, wohl eingerichtete und gewissenhaft ver­waltete Institute lassen erkennen, daß trotz häu­figen Personenwechsels das System ehrlicher Ar­beit und geordneter Verwaltung hier feste Wurzel geschlagen hat. . Alle Häuser sind große, luftige Baulichkeiten mit aus Korallenstein gemauertem, festem Untergeschoß und ausgesetztem, teils aus Fachwerk, teils aus Holz und Eisenkonstruktion bestehendem Obergeschoß mit stattlicher, über- hängender, ringsherum führender Veranda.. In der Mitte jedes Hauses befindet sich ein breiter Flur, der bei einigen Häusern nach dem Oberge­schoß offen ist und dann einer großen, hohen, luftigen Halle gleicht, die am Obergeschoß von einer Galerie eingefaßt ober verdeckt ist, so daß ein gleicher luftiger Raum im Obergeschoß wie ini Parterre geschaffen ist. Sämtliche Häuser, mit Ausnahme des Gouvernementsgebäudes haben ihre Front nach dem Hafen. Die Wände in den Junenräumen sind weiß getüncht und mit Farben- sttichen in Felder eingeteilt. Die Ausstattung der Dienstwohnungen mit Möbeln ist einfach, aber ge­legen, und macht einen behaglichen Eindruck. Das Gouvernementsgebäude ist von einem geräumigen Plötz umgeben, der von zahlreichen Wegen durch­schnitten wird. In ber Mitte dieses Platzes >k-bt bie große, sogenannte Schaurihätte, in welcher bie öffentlichen Gerichtssitzungen vom Bezirks­hauptmann abgehalten werben. Jeben Mittag, punkt 12 Uhr, wird hier ein Kanonenschuß abge« feuert, nach welchem täglich in Dar-es-Salaam alle Uhren gestellt werden. Auf dem nach allen Seiten frei liegenden Fort weht stets nachmittags die deutsche Kriegsflagge. An der Hinterfront der genannten Gebäude befinden sich Gartencm- lagen und rechts von diesen, in der weiteren Fortsetzung an der großen Straße gelegen, dec Paradeplatz, der von den Gebäuden der deutsch­katholischen Mission begrenzt wird. An diese schließt sich das große Haus der Deutsch-Ostafri­kanischen Gesellschaft.