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mit -em Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kerchhairn

CsmrtasZLeUsAsr MrstririeZ Sorr^^stWLatt.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlage Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 38. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (epi, Bestellgeld).

3nfettion§gebü:^bu^p^te«3eüe^o^öerenKaum 10gifg. DiMstag, 1. SepleMbN 1903.

Die Monarchenbesuche in Rom.

Kaiser Nikolaus II. von Rußland und Präsi­dent Loubet von Frankreich, welcher im inter­nationalen Hof-Zeremoniell ja auch schon als Monarch fungiert, wenigstens bei seinen Be­suchen schon die vollen Ehren und Würden eines solchen genießt, werden in diesem Herbst nach Rom kommen und sowohl dem Könige von Italien, wie Papst Piu8 X. einen Besuch abstatten. Die Person des Zaren, welcher der griechisch - katholischen Kirche angehört, spielt hier eine besondere politische Rolle nicht, anders ist es mit Herrn Loubet, der nicht nur Katholik ist, sondern auch Oberhaupt Frankreichs, das den Ehrentitel seit Chlodwigs des Franken Zeiten hat:Netteste Tochter der römisch- katholischen Kirche.' Man ist nun gespannt auf die Festsetzung des Begrüßungs-Zeremoniells für den Papst und Herrn Loubet und will daraus die Folgerung ziehen, daß innerhalb derselben Grenzen sich der bisher für unmöglich erklärte Besuch des Kaisers Franz Josef von Oesterreich in Rom abspielen wird. Die Sache ist aber keineswegs so einfach, wie vielfach an­genommen wird.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und Dem päpstlichen Stuhle sind durch da? durch die Republik von der früheren Monarchie über­nommene sogenannte Konkordat geregelt, daS die ultraradikalen französischen Volksvertreter Heute noch lieber als morgen kündigen möchten. Diesen äußersten Schritt scheute aber bisher das Pariser Ministerium und wird kaum so schnell, wenn überhaupt, diese Haltung verlosten. Eine spezielle Staats-Konfession kennt die Re­publik in dem Sinne, wie e8 in anderen Staaten der Fall ist. nidst, es wird demgemäß auch in allen Staatsschuten kein ReligwnS - llnterrrcyr erteilt. Es findet in Frankreich Donnerstags kein Schulunterricht statt, und es bleibt den Eltern daher überlasten, ihren Kindern, wie sie wollen, den genannten Unterricht erteilen zu lasten. Wenn Herr Loubet also auch Präsident und Katholik ist, so steht er persönlich dem Papste gewissermaßen als Privatmann gegen­über; für alles, was zwischen dem Vatikan und Frankreich erfreuliches und unerfreuliches ge­schieht, ist nur seine Regierung verantwortlich. Bestimmenden Einfluß auf die Politik deS Ministeriums besitzt Herr Loubet nicht.

Wesentlich anders aber ist die Stellung deS österreichischen Kaisers. Der Inhaber des Habsburger Thrones ist vom heiligen Stuhle mit sehr wichtigen, an seine Person geknüpften Rechten auSgestattet, eins derselben, das Ein­spruchsrecht gegen die Persönlichkeit eines be­stimmten Papst-Kandidaten, ist ja bei der letzten Papstwahl erst gegen den Kardinal Rampolla ausgeübt, der sonst wahrscheinlich für Pius X. zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt worden wäre. Ferner hat der österreichische Kaiser ein Ernennungsrecht für Landes-Bischöfe, er setzt den österreichischen Kardinälen das Barett selbst aus, und was

g (Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. Jobst.

iFortfehnng.)

, Es ist nur unser Fräulein Lore darf nichts davon erfahren "

..So heimlich Frau Hummels Sic machen mich gewaltig neugierig." _ .

Ist es wahr, daß unser Frauletn Lore nicht niehr Von Roeder heißt?"

Ja, Frau Hummel, daran ist nichts meyr zu andern. Aber wenn Sie das trösten kann, der alle Herr hat ihr seinen Namen geben wollen.

Weiß ich, Herr Forstmeister, weiß ich."

»Sie wissen--"

Ja, Herr Forstmeister, unsereins hat doch auch Augen im Kopse. Unser lieber verstorbener Herr war rechtschaffen verliebt in die Lore."

Braun packte den rundlichen Arm der Wirt­schafterin so fest, daß dieselbe zurückprallte.

Ja, wußten Sie das nicht, Herr Forstmeister? Sogar der Siegfried hats zuletzt verspürt und immer den Kopf geschüttelt, und unser Fräulein erst, die hatte es in der letzten Zeit auch weg."

Darum die Briefe um ihn herum und das Bild! Du mein Herrgott, so hat ers gemeint mit dem Namen. Armer Freund! Arme Lore!"

Arme Lore!" sagte Frau Hummel.So sagen wir auch, der Siegfried und ich, und wenn wir zusammen sind, bereden wir alles. Vor dem Sieg- fried brauch ich mich nicht zu genieren ,der hat unser Fräulein gerade so lieb wie ich, der plappert auch nicht weiter. Und da hat er denn so aller- baud von Ihrer Rieke gehört."

dieser Privilegien mehr sind. Dazu kommen dann noch verschiedene intime Abmachungen, die vielleicht noch wichtiger sind, wie die öffent­lich bekannten. So einfach, w'e ein Besuch des Präsidenten Loubet in Rom, ist also ein solcher des Kaisers Franz Josef nicht, weil die be­stehenden Beziehungen im letzteren Falle viel enger find als im ersteren.

ES dürfte sich vor allem darum handeln, ob Kaiser Franz Joseph im italienischen KönigS- palaste, dem Quirinal, ehemaliger päpstlicher Residenz, Wohnung nimmt oder nicht. Es ist nicht ganz leicht, um diese Frage herumzu­kommen, und eS wäre möglich, daß sie dadurch gelöst wird, daß der Kaiser in einem anderen Palazzo, auS irgend welchen Gründen, Aufent­halt nimmt. Damit wäre wohl die Haupt­schwierigkeit überwunden, denn über politisch bedenkliche Stellen in den offiziellen Trink- sprüchen läßt sich durch vorherige Vereinbarung schnell fortkommen. Auch daS EmpfangS- Ceremoniell wird sich regeln lassen. Von Papst PiuS X. weiß man bereits, daß er kein Freund deS sonst vorgeschriebenen FußkusseS ist, er wird diesen hohen Besuchern also gern erlassen. Für den Präsidenten derdemokratischen Republik Frankreich" wird freilich schon der Handkuß lebhaftes Hallo unter den Stützen des heutigen französischen Regierungs-Systems im Gefolge haben, aber Herr Loubet wird darüber sort- kommen.

Papst PiuS X. ist, wie alle Welt schon weiß, ein einfacher Herr, der seinen persönlichen Anschauungen gemäß gewiß keine unerfüllbaren Bedingungen für einen Besuch resp. einen Empfang im Vatikan aufstellen wird; er kann aber nicht alle RegierungS - Grundsätze seiner Vorgänger auf dem apostolischen Stuhle mit PtMPm SHInTo ,

Ja, aber nun habe ich über Ihre Herzens­angelegenheiten noch immer nicht erfahren, was die Rieke sagte." , .

Frau Hummels rosiges Gesicht legte sich Plötz­lich in tiefe Falten.

Nein, daß ich über der Rieke alles andere ver< gessen habe, und es geht doch um das arme Fräu- lein Lore, und die Sehnsucht nach dem Referendar drückt ihr noch das Herz ab."

Dem Referendar, Frau Hummel?" Der Forstmeister wurde auf einmal gewaltig ernst.

Wußten die Dienstboten schon um die unselige Geschichte?"

Na, ich meine, weil der Herr nie mehr kommt. Er bekümmert sich nicht mehr um unser Fräulein, lind früher konnte er stets den Weg zu ihr finden und ging mit luftigem Singen hier vorbei. Aber jetzt nicht rühren und sie schaut sich die Augen nach ihm aus."

Aber Rieke!" fiel Braun der redseligen Alten ins Wort.

Ja, ja, die Rieke, das ist's eben, warum tch den Herrn Forstmeister durchaus sprechen mußte," Frau Hummel beugte sich ganz dicht zu Braun herüber und flüsterte dann:Ist der Vater von Fräulein Lore ein Brandstifter?"

Wie entsetzt von dieser schweren Anklage fuhr die Wirtschafterin ivieder zurück, die kugelrunden Augen in aufgeregter Spannung auf Brauns Gesicht richtend.

Ja, Frau Hummel, es ist leider traurige Wahrheit."

Nun sagt Rieke aber, das mißgunsttge Ding der Siegfried hat sie seither nicht mehr ange­sehen, so böse ist er geworden, kein Mensch wolle jetzt mit unserem Fräulein mehr was zu tun Hatzen, und es sei eine Schande für uns, in

des Kanzlers einer ärztlichen Anordnung ent­spricht. Doch wollen wir auch Has in Berlin um­gehende Gerücht nicht verschweigen, daß die Tage des Grafen auf dem Ministersessel gezählt und bereits für ihn ein Nachfolger ins Auge gefaßt worden ist. ________

Lobenswerte Besonnenheit der

BergarbeiterdeSRuhrreviers.

Zur Bergarbeiterbewegung bringt dieBochu­mer Zeitung" eine beachtenswerte Mitteilung. Das Blatt wendet sich gegen eine Mitteilung, die mit der Möglichkeit, um nicht zu sagen Wahrschein­lichkeit eines Bergarbeiterstreiks rechnet. Es liege nichts vor, was die Nachricht stützen könnte. Die Bergleute bringen mit Ernst und Nachdruck ihre Beschwerden bei den berufenen Stellen vor, aber sie tragen sich nicht mit der Absicht eines Ausstan­des, wett sie hoffen, daß sowohl die Bergwerks- besitzer wie auch die staatliche Bergbehörde den Be­schwerden derArbeiter ein aufmerksames und wohl­wollendes Gehör schenken. An einen Streik denken die Bergleute schon deshalb nicht, weil sie ganz genau wissen, daß die gegenwärtige Zeit für einen so zweischneidigen Kampf der denkbar ungeeig­netste ist." Auch daS Organ des alten Berg­arbeiterverbandes, dieBergarbeiterztg." schreibt unter anderem:Wer unter den gegebenen Um­ständen von einemStreik" redet, der hat ent­weder keine Ahnung von den Machtverhältnissen oder unsere Kameraden mögen sich denkampf- hiftigen Mann genau ansehen l In bewegter Zett fauchen oftmals fehr verdächtige Elemente auf, die, wenn sie den Brand entfacht, plötzlich auf Nimmer­wiedersehen verschwinden! Kameraden, haltet des­halb die Augen auf! Was zu tun ist, nochmals fei es gesagt: Ruhiges, beharrliches Arbeiten für eine mächtige Bergarbeiterorganisation l"

Einen guten Rat.

Dem Kriegsminister v. Einem erteilt daS Organ des Bundes der Landwirte einen wohl- flEmeiiue» yiui. «uuv «um*« iu^m. »u», bevorstehende Militärvorlage werde auch eine Vermehrung der Kavallerie erfordern. Jede neue Forderung für das Heer sei mehr oder weniger Vertrauenssache, weil die Nachprüfung der Forderung schon insofern schwer sei, als die meisten Politiker nicht die Möglichkeit haben, die gesamte politische Lage zu übersehen und die notwendigen Begleiche mit den anderen Armeen anzustellen. Für die Behandlung der Heeresvermehrungsfragen als Vertrauensfrage ist jedoch eine Vorbedingung unerläßlich: Die Regierung darf nichts UeberflüssigeS fordern, das Geforderte muß tatsächlich daS Mindest­maß des Notwendigen bedeuten. Das Ver­trauen hierauf ist in den letzten Jahren wankend geworden, da der Vorgänger des Herrn v. Einem bei fast allen militärischen Forder­ungen mit sich handeln ließ. Die Praxis, mehr zu fordern, um wenigstens etwas zu er­reichen, ist vom Hebel. Die Heeresverwaltung muß sich zum Grundsätze machen, nicht vorzu­schlagen, fanden von vornherein nur das ganz Unerläßliche zu fordern, auf diesen Forderungen dann aber auch fest zu bestehen.

Umschau.

Reichskanzler Graf Bülow.

Der Reichskanzler Graf Bülow wird am 16. d. M. in Kleinflottbeck eintreffen, um bei fernem Beter, dem Legattonsrat Dr. Mcker-Jenisch, einen mehrwöchigen Aufenthalt zu nehmen. Graf Bülow pflegt feinen Vetter in Klemflottenbeck alljährlich zu besuchen; daß er dort in diesem Jahre einen mehrwöchigen Aufenthalt nehmen will, erregt jedoch um deswillen ein Befremden, als der Kanzler, entgegen feiner bisherigen Ge­wohnheit, in diesem Jahre außerordentlich kurze Zeit in Berlin geweilt hat. Zu Ostern begab sich der Kanzler nach Rom, folgte bald darauf dem Kaiser nochmals dorthin, ging dann zu ungewöhn­lich langem Aufenthalt nach Norderney und will nun noch mehrere Wochen in Kleinflottbeck weilen. Betrachtungen verschiedenster Art über die lang- dauernde Abwesenheit beS Kanzlers von der Zen- ttalstelle der Geschäfte werden nicht ausbleiben. Auch die Befürchtung, daß es mit der Gesundheit des Kanzlers nicht zum besten stehe, wird wieder hervortreten. Im Juni war Graf von Bülow so ernstlich erkrankt, daß er fein Wahlrecht nicht ausüben konnte. Heber das Wesen der Krankheit hat man nichts erfahren. Es ist nicht ausge- schlossen, daß der auffallend lange Landaufenthalt

So, so, das ist ja nett! Also klatschen tut die leichtsinnige Rieke auch!" bemerkte Braun. , .

Frau Hummels stattlicher Busen hob sich tn tiefem Atemzuge der Befriedigung, daß sie ihrer Freundin eins auswischen konnte.

Die Rike hat erzählt" Frau Hummel stockte. r

Na, weiter, weiter, Frau Hummel. Bm doch gespannt, was das Weibsbild dem Siegfried an­gehängt hat." .... .,

Sie nehmens mir nicht übel, daß tchs weiter sag', Herr Forstmeister, aber es ist nur, daß man 'weiß, woran man ist, denn im Vertrauen ge­sagt, Herr Forstmeister, der Rieke trau ich nicht über den Weg. Und was das Getue mit dem alten Knasterbart Sie nehmens mir nicht übel, daß ich so ganz unter uns den Siegfried so benenne - bedeutet, ist doch io klar wie die liebe Sonne am Tage. Aber was ich dazu tun kann, die Rieke und der Siegfried nein, Herr Forstmeister, da kann der Alte doch andere Ansprüche machen. Aber seit der Erbschaft na. Sie könnens sich denken, Herr Forstmeister ist das Weibsbild wie ver­rückt rein wie verrückt, sage ich. Möchf sich wobl ins warme Nest setzen. Nein, Herr Forst­meister, so alt und jung zusammen, das taugt allemal nicht. So eine Junge quifelt hin und her, und das Alter will seine Ruhe und Pflege haben und*

Und da haben Sie gedacht, der Siegfried und die Frau Hummel sind wie geschaffen für einan­der, und das sag' ich auch."

Herrgott, was der Herr Forstmerfter für Späße machen kann." Die Wirtschafterin strich verschämt die blendend weiße Schürze glatt. Wenn das der Siegfried hörte, womtt Sie mir ehrsamen Wittfrau unter die Augen geh'n."

stammen.

9

Altar.'

(Fortsetzung folgt.)

so einem Hause zu dienen» denn das Fräulein hätte keinen ehrlichen Namen mehr."

So, das sagt die Dirne?!" Dem Forstmeister kochte es und er setzte mit erhobener Stimme hin­zu: Na, dann kann die Rieke nur gleich ein Haus weiter ziehen, ich habe keinen Platz mehr für sie.»

Das habe ich dem Siegfried auch gesagt, eiferte Frau Hummel,und er hat dazu genickt. Aber poussiert hat er sie doch bis jetzt, so sino die Man,lsleute nun mal, und es ist gut, daß sieftrt- kommt, bann ist sie ihm aus den Augen. Fuhre unS nicht in Versuchung bet ich alle Tage, denn das ist das wichtigste." - i

Und sie bleiben bei dem Franlem? fragte Braun halb belustigt, halb gerührt

So lange Sie uns behalten wtll. Wir haben ja jetzt zu leben, der Siegfried und ich, feitbrai uns unser lieber gnädiger Herr so reich bedacht hat," sie fuhr mit dem Schürzenzipfel über di« Augenaber so lange die Lore uns behalte« will, so lange bleiben der Siegfried und ich bei ihr." . r ,

Dsr Forstmeister drückte ihr die arbeitsrauhen Hände:Das ist recht von Euch. Das gnädige Fräulein hat jetzt eine schwere Zett, und da ist es gut, wenn ich so treue Menschen um sie Weiß-

Braun wollte sich erheben, um zu gehen.

Noch einen Augenblick, Herr Forstmegter. Als ich das von der Rieke gehört habe, bin ich zu Fräulein Lore gegangen von ihrem Vater ha« ich nichts gesagt und habe mit ihr wegen des Namens gesprochen, und sie hat nur gesagt, daß da ein Verwandter ist, der nicht haben will, daß sie sich vonNöder nennt. Und der jehge Herr hat ihr doch seinen Namen geben wollen vor dem

Deutsches Reich

Berii«, 31. August.

Das Kaiserpaar, das Freitag al end in Kassel den Behörden Hesien-Nassaus ein Festmahl gab, Wo­bei der Kotter das Wohl dieser Provinz ausbrachte und von der Freude an der Arbeit sprach, ist Sonn­abend nachmittag wohlbehalten in Berlin wieder eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich die Prinzen Eitel-Fridrich und Joachim, Prinzeß Viktoria Luise, sowie der Herzog von Koburg-Gotha. AbendS empfing der Kaiser auf dem Anhalter Bahnhof den Großherzog von Weimar, der am heutigen Montag der Parade über das Gardekorps beiwohnt. Der Parade ging am Sonntag eine Fahnenweihe im Zeughause voran

Die Kaiserin hielt Freitag nachmittag in Wilhelmshöhe einen größeren Damenempfang ab und erteilte dem Vorsitzenden und dem Schriftführer des Zwcigvereins vom Roten Kreuz in Kastel eine Audienz zur Entgegennahme des Erlöses eines Konzerts zum Besten der Ueberschwemmten.

Die kaiserliche Familie wohnte gestern mtt ihren hohen Gästen, dem Großherzog und der Groß­herzogin von Sachsen-Weimar und anderen fürstlichen Herrschaften der Weihe der neuen Fahnen von Truppen­teilen des 4. und 11. Armeekorps in der Ruhmeshalle in Berlin statt. Die Weihe und die spätere Nagelung der Fahnen und Standarten verlief in der üblichen Weise. Sonntag Abend fand größere Tafel zu Ehren des weimarijchen Großherzogspares statt, welches der Kaiser herzlich willkommen geheißen hatte. AbendS war Galaoper im Opernhause. Das Wetter war Sonntag in Berlin stürmisch und zeitweise regnerisch, keine angenehme Aussicht für die heute Montag an- beraumte große Herbst-Parade des Gardekorps, di« zahlreiche Schaulustige zur Spree gelockt hat. Dem Kaiser wurden gelegentlrch des letzten MarinevortrageS in Kastel die großen Personalveränderungen in bet Flotte für das Winterhalbjahr 1903/04 vorgelegt. Die Bekanntgabe soll in den nächsten Tagen erfolge«.

Der deutsche Kronprinz hat das Protektorat über die internationale Kunst» und große Gartenbau- Ausstellung übernommen, die im Jahre 1904 in Düsseldorf veranstaltet wird. Auch für die Industrie- Ausstellung von 1902 war der Kronprinz bekanntlich Protektor.

Ans der .schwungvollen Rede des von besonderer politischer Bedeutung die Stelle an- sehen, ,wo die Not am höchsten ist', der Fürst zu dem Manne greifen müsse, der ihm der rechte an Ort und Stelle zu sein scheint. Man darf daraus ent­nehmen, daß an maßgebender Stelle die Polengefahr in Schlesien jetzt sehr ernst angesehen wird und die Ueberzeugung herrscht, der neue Oberpräsident Graf Sedlitz müsse ihr energischer entgegentreten, als fern organger Fürst Hatzseldt getan.

Ende voriger Woche tagte tn Bonn der 19. Verbandstag der deutschen landwirtschaftlichen Ge- nossenschaften, auf dem verschiedene Resolutionen ge­faßt wurden. ~

Der neue Reichsschatzsekretär Frhr. v. etengel wird erst Mitte September in Berlin eintreffen, um definitiv die Leitung seines Ressorts zu übernehmen.

Ans der Untersuchungshaft fretgelasten ist der in Dresden verhaftete Geheime Kommerzienrat Hahn gegen eine Kaution von 100000 Mk.

Bei den Manöver» der 7. Division tn der Nähe von Chraplau wurde infolge des starken WindeS ein Drachen-Ballon der Lustschiffer - Abteilung abge­rissen. In der Gondel befanden sich zwei Offizier^ beim Losreißen wurden zwei Soldaten schwer ver- tounbet. Der Ballon landete glücklich bei Treuen- briehen in bet Mark Brandenburg. ,

Der Jahresbedarf der Reichswersten an Kiefernholz soll nach einer Blättermeldung zu einem Teile versuchsweise an einheimische kleinere Säge- Werke zur Lieferung vergeben werden. Das Holz muß auS deutschen Staats- oder Prtvatforsten