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Marburg
Sonntag, 30. August 1903.
M dem KreiMatt für die Steife Marburg uud Kirchhain.
Sonutagsbeilager Allustrirtes SonnLagsblatt. _____________
Erscheint wöchentlich sieben mal. j
Druck ttttb Verlag- Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerel 38, Jllyrg.
Marburg, Martt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Unsere Anleihen.
Unsere dreiprozentigen deutschen Anleihen sind tm Kurse langsam, aber stetig gewichen, sie stehen nicht unerheblich unter dem Satze, zu welchem die vielmals überzeichneten letzten Anleihen zur Zeichnung aufgelegt wurden. Trotz dieser überaus starken Nachfrage also nunmehr das Sinken des Preises, das, wie wie wir zur Vermeidung von Mißverständnissen hervorheben wollen, selbver- ständlich für die Inhaber solcher Wertpapiere auch nicht zur leisesten Besorgnis Anlaß bietet. Im Laufe der Zeit findet schon wieder ein Ausgleich statt, und die weiten Kreise des Publikums, welche diese unbedingt sicheren Anleihen zur Anlage von Ersparnissen verwendeten, können ganz ruhig sein. Anders steht es bei denen, welche aus Spekulation diese Werte kauften, um dabei zu profitieren. Die haben keine Kurssteigerung, sondern Rückgänge erlebt, sahen mithin, wenn sie zur Beschaffung von flüssigen Geldmitteln verkaufen müssen, zu. Das ist nun einmal das Los der Spekulation: Wer schnell rind mühelos einheimsen will, muß auch damit rechnen, daß er einmal hängen bleibt. Aber nicht hierauf wollen wir die Auf- mcrksamkeit lenken, sondern auf eine andere Tatsache wirtschaftlicher Natur, die sich aus den oben erwähnten Tatsachen ergibt: Wir haben in Deutschland nicht so sxhr diel überflüssiges Geld, wie vcr- schiedentlich angenommen wird, und wenn fremde Staaten — Rußland namentlich hat gewaltige Lust dazu — die Millionen von den deutschen Bäumen schütteln wollen, so wird es gut sein, nicht bloß daran zu denken, daß solche Liebesdienste einer Gegenleistung wert sind, sondern auch daran, daß in Geldsachen sich jeder selbst der nächste ist. Mit anderen Worten: Wir haben darauf zu achten, daß wir mit unserem inneren deutschen Geldbedarf nicht plötzlich mehr oder weniger selbst auf dem Trockenen sitzen.
Es werden bei uns in Deutschland noch bedeutende Sparsummen alljährlich neu gewonnen, aber die überschüssigen Gelder haben nicht jene Höhe, mit welcher in optimistischen Kreisen lange gerechnet ist. Welche Kreise der Bevölkerung sind es hauptsächlich, die neue flüssige Mittel produ- . zieren? Die des Nährstandes in Stadt und Land. Für diese sind aber allenthalben Ausgaben und Unkosten gewachsen, der Verdienst, und erst recht die Neberschüssc sind gesunken. Wie sollen also von ihnen die Unsummen Herkommen, mit welchen die Finanz- und Börsenkreise bei neuen Anleihen gern rechnen? Die Kreise der Rentiers und Kleinkapi, talisten verzehren ihre Zinsen und damit sind sie meist fertig, denn man darf nicht vergessen, daß sie die letzte böse Krachzeit nicht ungeschädigt überstanden haben. Viel, viel Geld ist in Industrie-Werten sestgelegt, daß nicht ohne weiteres losgemacht werden kann, wenn kein bedeutender Verlust entstehen soll, und die Renten sind infolge der verschlechterten Konjimkttir im Jndustriewesen gesunken. Die hohe Finanz hütet sich aber, ihre Millionen in solchen Papieren fest anzulegen, sie kann es auch nicht, weil ihr dann das Be-
8 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. Jobst.
lFortsetzung.t
„Erbärmlich, wenn Sie recht behalten sollten," zagte der Assessor voller Nachdruck.
„Aber menschlich, mein lieber Assessor. Unsere arme Lore wird die Verachtung der Welt zu kosten bekommen. Ein lebender Vater, der Zucht- Häusler ist, eine solche Zugabe lassen sich die wenigsten Menschen gefallen."
„Uns bleibt sie dieselbe!" ries voller Eifer Fräulein Braun.
„Ja, Schwester, das wußte ich und ich habe es ihr gesagt. Hier bei uns kann sie jederzeit eine neue Heimat finden."
„Wenn Fräulein von Nordmann auch mich wie bisher zu ihren Freunden zählen will, so wird mir damit eine große Ehre zuteil," sagte Schulz. -Walley Sie das Fräulein Lore mitteilen, Herr Forstmeister." Die Augen des Assessors sprühten förmlich und seine Riesenfaust drückte vor Erregung die Hand Brauns, daß dieser hätte auf- schreien mögen, doch blickte er gerührt dem guten Menschen nach, als derselbe sich empfahl: „Den hätten wir, Ursula, und dessen kleiner Finger ist mir mehr wert als der ganze unzuverlässige, windige Hans von Schierstedt. Der Schulz hat einen Griff wie ein Bär." Launig schlenkerte Brann seine mißhandelte Rechte. „Und wenn der Lores Freund wird — na, ich will nichts schlechtes prophezeien, denn wir stecken noch zu fies im schweren Herzeleid — aber das sage ich Dir, wenn die Lore den will, dann sagt der liebe Vater im Himmel noch sein Ja und Amen dazu. Seine Wege sind wunderbar, Ursula, wer 'toeiß, ob er nicht dem schönen Hans zum Trotz dem armen Liebling die schwere Prüfung schickte.
triebskapital fehlen würde, wo sollen also, so ist wieder zu fragen, die für Anleihen aller Art gebrauchten enormen Summen in Hülle und Fülle Herkommen? Genug Geld zur Befriedigung deS deutschen Kredits ist da, aber viel mehr nicht. Das war seit Jahr und Tag zu erkennen, wenn man gewollt hätte. Es war 'nicht allein Mißtrauen, welches die an der Börse viel beklagte Zurückhaltung des Publikums, die in Wahrheit sehr ge- scheidt war, veranlaßte, es war die Unmöglichkeit, jenen weitgehenden Ansprüchen zu genügen.
Wenn es sich wieder einmal darum handelt, deutsche Anleihe an den Markt zu bringen, dann müssen diese .Tatsachen beherzigt werden. Die Ueberzeichnung der Anleihen durch Spekulanten, tvelche die ihnen zuerteilten Werte hinterher nicht halten können, ist gefährlich und schädlich. Es kommt darauf an, daß diejenigen, welche die Papiere behalten wollen, sie auch bekommen. Es sind darum jene vorzuziehen, cs kann ihnen dafiir auch eine kleine Prämie gewährt werden, die wirklich ihre Spargelder sicher anlegen wollen. Eine in dieser Weise gezeichnete Anleihe ist aus einer ganzen Reihe von Gründen viel empfehlenswerter, als eine zehnmalige bis zwanzigmalig; scheinbare Ueberzeichnung, die nur Verwirrung anrichtet. Im übrigen kann die Reichsregierung an diese tatsächlich vorhandenen deutschen Geldverhältnisse auch beim Abschluß neuer Handelsverträge denken: Wir haben Anlaß, darauf zu halten , daß das Nationalvermögen nicht weiter geschwächt wird. Auch ein tiefer Brunnen kann einmal ausgeschöpft werden.
Umschau.
Kasseler Kaisertage.
Der Kaiser gab gestern abend 7 Uhr im Rest- denzpalais eine Tafel für die Provinz Hessen- Nassau, an der auch der -Oberpräsident Graf Zedlrtz-Trützschler, Prinz Eitel Friedrich, unsere Kaiserin und der Herzog von Gotha teilnahmen. Der Kaiser hielt während derselben folgende Rede:
„Indem ich mein Glas auf das Wohl der Provinz erhebe, spreche ich meine Freude aus, so viele der Kurhesseu und Nassauer um mich versammelt zu sehen, und heiße die Herren alle herzlich bei mir willkommen. Es ist mir stets eine Freude, wenn ich mich eine Weile in dem mir zur zweiten Heimat gewordenen Kassel aufhalte und mich daran erfreuen kann, daß die alten Beziehungen wieder zum Ausdruck kommen. Ich bitte Euer Exzellenz, den Kasselern in meinem Namen auszusprechen, wie gerührt Ihre Majestät die Kaiserin und ich durch die spontane, freudige Begrüßung der Bevölkerung und durch die Ausschmückung der Straßen sind, und unseren warmen Dank zu sagen. Ich freue mich, auf dem Boden zu sein, auf dem ich gelernt habe (von kundiger Hand geleitet), daß die Arbeit nicht nur um sich selbst willen da ist. sondern, daß man in der Arbeit feine ganze Freude finden soll. Die ernsthaften und unablässigen Vorbereitungen, die ich in meinen Studien auf dem Gpmnasium und unter der Leitung des Geheimrats Hinzpeter hier vornehmen konnte, haben mich befähigt, die Arbeitslast auf die
Gib nur acht, der treulose Kerl, der Schierstedt, läßt sich nicht mehr sehen. Wollte Gott, daß Lore ihn nicht so tief im Herzen trägt, es wäre des Elends zu viel, viel zu viel!"
♦ *
Durch offene Fenster und Schlüssellöcher, durch Ritzen und Fugen dringen sie, die Bazillen der skandallüsternen Klatschsucht. Hatte Herr von Schierstedt geplaudert, um seinen schmachvollen Rückzug zu decken? War der Rechtsanwalt beauftragt, zur Rechtfertigung des schroffen Vorgehens seines Klienten die Sachlage zu klären? Kurz, es vergingen nur wenige Ta^e und Stadt und Land waren voll von den traurigen Ereignissen, deren Zeitpunkt schon fast zehn Jahre zurücklag.
Es kam, wie Forstmeister Braun vorausgesagt hatte, der Tochter des lebenden Zuchthäuslers blieb ein jeder fern. Keine tröstende Freundeshand klopfte an der Villa an, keiner der üblichen Trauer- besuche sprach zu der armen Lore die üblichen nichtssagenden Redensarten. Ach, sie wäre sogar dafür dankbar gewesen, aber es kam nicht einer.
In den ersten Tagen sah sie nach dem Geliebten aus, sie glaubte, er müsse herbeieilen, da er sie in dem Jammer wußte, sie, die er an fein Herz genommen hatte, noch ehe er ein Recht dazu gehabt hatte.
Zuletzt vermochte sie die Ungewißheit nicht mehr zu ertragen und forschte zaghaft den Forstmeister aus. Er durchschaute sie gleich und dachte, ein frischer Schnitt ist besser, als eine eiternde Wunde. So gab er ihr denn in knappen Worten eine Schilderung des Benehmens Schierstedt an jenem traurigen Abend.
„Seif der Zefi ist der junge Herr au8ge- blieben, ich glaube gar, er geht mit dem Gedanken einer Versetzung um. Die Luft hier bei der Oberförsterei Schwarzbach scheint ihm nicht mehr zu behagen."
Schultern zu nehmen, die von Tag zu Tag an wachsender Bürde zunimmt. Und wenn schon damals, meine Lehrer, überzeugt von der hohen Aufgabe, die Jhnxn übergeben war, alles daran- setzten, jede Stunde und jede Minute auszunutzen, um mich für den kommenden Beruf vorzubereiten, so glaube ich doch, daß niemand von Ihnen sich darüber hat klar sein können, welche ungeheuere Arbeitslast und welche niederdrücknde Verantwortlichkeit demjenigen aufgebürdet ist, der für 58 Millionen Deutsche verantwortlich ist. Jedenfalls bereue ich keinen Augenblick die mir damals schwer vorgekommenen Zeiten, und ich kann wohl sagen, daß die Arbeit und das Leben in der Arbeit mir zur zweiten Natur geworden sind, das danke ich dem Kasselaner Boden.
Schmerzlich bewegt es mich, daß ich am heutigen Tage, ehe ich das Wohl der Provinz aus- bringe, zugleich das Scheideglas für EuerExzellenz trinken muß. Wenn etwas meinen tiefen Schmerz noch erhöht, so ist es das, daß ich mit Rührung sehe, wie aus allen Teilen der Provinz uneingeschränkt die Trauer sich kundgibt über Euer Exzellenz Scheiden. Wenn auch die Provinz vollinhaltlich begreift, daß, wo die Not am höchsten ist, der Fürst zu dem Mann greifen muß, der ihm der rechte an Ort und Stelle zu fein scheint, da empfindet sie es tief, daß ihr das Oberhaupt genommen wird. Das beweist, daß Euer Exzellenz die Aufgaben hier noch in weit höherem Maße zu erfüllen imstande waren, wie ich bei der Berufung gehofft hatte. Es ist Ihnen gelungen, in der Provinz Vertrauen zu gewinnen, diese verschiedenartige Bevölkerung an Ihre Persönlichkeit zu fesseln, und sie mit Vertrauen und Zuversicht zu erfüllen, daß sie freudig an ihre schwere Arbeit ging. Verschieden sind die Gaben von Natur und Vorsehung in diesem Lande ausgebreitet. Das erfordert von dem Oberpräsidenten ein solches Maß verschiedener Kenntnisse, daß es eingehen-, der und tiefgreifenderSelbstarbeit bedarf, um allen diesen Gebieten einigermaßen gewachsen zu sein. Wo ich hingehört habe, in jedem Stande und jeder Beschäftigung ertönt Euer Exzellenz Lob, und deshalb beglückwünsche ich die Provinz zu diesem Ausgang, und ich darf wohl im Namen der Provinz Ihnen den Dank aussprechen für die aufopfernde Arbeit, der Sie sich zu ihrem Wohle unterzogen haben. Die Provinz möge daraus ersehen, wie es mir am Herzen liegt und wie ich bestrebt bin, so weit es in meiner Macht steht, die Männer einzusetzen, von denen ich glaube, daß sie den Aufgaben gewachsen sind. Sie möge auch in Zukunft das Vertrauen zu mir haben, daß ich bestrebt bin, die Nachfolger so zu wählen, wie es zu ihrem Wohle nötig ist. Alle meine Wünsche fasse ich zusammen, indem ich rufe: „Die Provinz blühe, grüne und gedeihe! Hurrah, Hurrah, Hurrah!"
Die Bäckereiverordnung.
„Fort mit der Bäckereiverordnung!" überschreibt die „Stacttsb.-Ztg." einen Artikel in dem sie warm für die Interessen des Mittelstandes, insonderheit des Handtverks, eintritt. Das Blatt erinnert an das Festmahl bei dem damaligen preußischen Finanzminister v. Miquel im Winter 1893, wo unser Kaiser sich von den ebenfalls ge-
„Nicht mehr zu behagen!" wiederholte Lore tonlos.
Braun blickte das junge Mädchen forschend an. Das ging tiefer, als er geahnt hafte.
„Ist Dir der junge Herr in letzter Zeit näher getreten, Lore?"
Lore schluchzte qualvoll auf. Das Leid um den geliebten Mann, dessen erbärmliche Schwäche sie schonungslos aufdecken sollte, erstickte sie fast.
„Lore, liebes Kind, denke, Dein lieber Pflegevater stände vor Dir und vertrau mir."
„Ich gab ihm mein ganzes Herz," flüsterte sie.
„Und er weiß es, Lore?" fragte Braun aufgeregt.
„Er warb um mich an dem Abende vor Onkels Tode."
„Er warb um Dich! Himmelkreuzdonnerwetter!" — Braun lief im Zimmer umher wie ein Wilder. "Ha, ha, es ist zum Lachen! Um solch Mädel, wie unsere Lore, wirbt ein solcher Kerl, solche Hundeseele, solch ein Feigling —"
„Onkel Forstmeister!" flehte eine traurige Stimme. Lore legte ihm beschwichtigend ihre Hand auf den Arm.
„Ja, Kind, es ist schon gut. Du hörst es nicht gern. Kann's mir denken, aber bei solcher häßlichen Ehrensache wird mir altem Kerl noch warm. Gott verhüte in Gnaden, daß das Freund Schulz erfährt, dann wäre der Skandal fertig."
„Nicht so, Onkel, das geht niemandem etwas an als mich. Und glaubst Du, daß ein Mädchen, das einen Zuchthäusler zum Vater hat, nicht auch ihren Stolz hat? Nicht eine Träne mehr meinte sie dem nach, der ihre erste Liebe war. Ich verachte die ganze böse Welt, die mich schwaches Mädchen so bitter kränkt, aber Dir und Deiner Schwester vermag ich eS niemals zu danken, was ihr an mir tut. Wäret Ihr nicht, ich wäre erstickt an dieser Schande."
Weinend fiel sie ihm um den Hals und wußte
lodenen Vertretern des Handwerks Vortrag halfen ließ, sich eingehend über die Ursachen des Niedergangs des Handwerks erkundigte und dann, zum Handelsminister gewendet, die Worte sprach: „Etwas mehr Dampf, lieber Berlepsch!" Einige Zeit später fiel auf dem Sparenberge das Kaiserwort von der Stärkung des Mittelstandes. Bald nach feinem Regierungsantritt hatte der Kaiser den Ausspruch getan: „Ich will, daß dem Handwerk der goldene Boden wieder gewonnen werde, den es verloren hat." Die Hoffnungen, die sich an diese Kaiserworte knüpften, seien leider unerfüllt geblieben. Daß der Mittelstand zur Zeit geradezu das Stiefkind der Regierung fei, beweise di? Bäckereiverordnung vom Jahre 1895, die trotz aller Anstrengungen der beteiligten Handwerksmeister bis auf den heutigen Tag nicht wieder aufgehoben worden fei. Es wurden zwar regier- ungsseitige Umfragen und Erhebungen veran- stalfet, geschehen sei nichts. Die letzte Regierungserklärung in dieser Angelegenheit gab der Staatssekretär Graf Posadowsky im Januar 1901 ab, als eine Petition der sächsischen Bäckerinnungen, in der die Aushebung von Einschränkung der Verordnung gefordert lourbe, im Reichstage zur Debatte stand. Seitdem sind wiederum zwei. Jahre verflossen, die Bäckereiverordnung ist aber nicht ab- geändert worden, und es ist auch keine Hoffnung! vorhanden, daß eine Regierungsvorlage in diesen! Sinne dem Reichstage zugehen wird. Wohl abels sprechen alle Anzeichen dafür, daß neue Verordn nungen kommen werden, durch die das Gewerbe noch mehr drangsaliert wird, als bisher, und ber Bäckermeister, bet heute schon in feiner Autorität dem Gesellen unb Lehrling gegenüber stark erschüttert ist, vollenbs die Herrschaft in seinem Hause verliert. Das Blatt fordert das Handwerk schließlich zur energischen Verteidigung der Jnteri essen des Mittelstandes auf, da es anders nicht besser, sondern schlechter werden wird. — Diese Aussührungen der „Staatsbürger-Zeitung" unterschreiben wir fast Wort für Wort. Es ist eine der ersten Forderungen auch der konservativen Partei, die selbständigen Handwerker nicht durch alle möglichen sozialen Gesetze in ihrem Erwerb zit hindern. Aber so lange diese noch immer eher geneigt sind, um ein paar liberaler Pflaumen trillert lieber einem sozialen Heilsapostel nachzulaufen als einen Kandidaten zu unterstützen, der nach jeder Richtung für sie eintreten will, erhoffen toif sür das Handwerk keinen Segen. Nur wenn e, selbst seine Interessen zu wahren weiß, hat es AnH sicht, aus der heutigen Misere herauszukommen.
Die Brandkatastrophe zu Budapest.
Die furchtbare Branbkatastrophe in Budapest macht immer noch von sich reden. Leider scheint die Zahl der Opfer doch eine größere zu sein, als zuletzt angenommen wurde. Die Leichenfunde in dem Schutt mehren sich nach einem Pester Telegramm der .Voss. Ztg." von Tag zu Tag, wenn auch eine gründliche Durchsuchung des Hauses wegen der noch glimmenden Trümmer und der Einsturzgefahr bisher nicht möglich ist. Die Vermutung, daß in beq Flammen mehr Leute umgekommen find, als durch die Todessprünge bei den Rettungsver-
es selber nicht, daß alle ihre Tränen doch mir bet Treulosigkeit des einen galten.
So begrub Lore von Nordmann ihre erst« Liebe.
Braun ließ sie weinen unb streichelte ab un| zu das dunkle Köpfchen — eine Mutter hätte e> nicht besser verstanden. Nach und nach wurde Lor» ruhiger, so daß er begann, mit ihr die nächste Zu funft zu beraten.
„Ms das Haus verkauft ist, hast Du bat Recht, hier wohnen zu bleiben," log er tapfer barauf los, denn Sore wäre schon morgen aus- gezogen, wenn sie wußte, daß sie es nur eine» Gnade des Erben, Herr von Roeder verdankte Dann hätte aber das treue Hin und Her zwischer der Villa und der Oberförsterci aufgebört, unb selbst wenn Sore seiner Einladung in fein Hau) gefolgt wäre, so würde für all die Möbel doch fein Raum gewesen sein. Nein, so war es besser, und die beiden alten Dienstboten waren vorläufig Schutz genug für sie. Die alte Hummel haft» mehr Taktgefühl als manche fein gebildete Dame
Sore atmete tief auf bei der Mitteilung, denn das wäre ihr das Härteste gewesen, wenn fie jetzt schon hätte aus den trauten Räumen scheide^ Müssen. So ließ Braim sie beim Abschied in ge. Ker Stimmung zurück und wandte sich sinnend
Haustür zu, als Frau Hummel auf ihn zutrat«
„Herr Forstmeister, ich hätte die große Bitte, ein paar Worte mit Ihnen ganz allein sprechen, zu dürfen."
„Wie Sie befehlen, Frau Hummel, ich stehe zu Ihren Diensten.
Frau Hummel führte Braun in ihr 'leinetz Zimmer im Erdgeschoß und schob ihm einen Lehn- Kans Fenster, in den der Forstmeister sich g-N
ig niederließ, er merkte, die Sache würde lanj werden. Die Wirtschafterm zog sich geschäftig einen Stuhl her unb setzte sich Braun gegenüber*
(Fortsetzung folgt.)