t:ttt dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonntagsVeilager Jllustrirtes Sonntagsdlatt. I
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Somabend, 29. August 1903. Marburg, M 21. - Telephon 55. w
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„Oberheffische Zeit««g" nebst ihren Beilagen werdm von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Hain und Neustadt, sowie von allm Postanstalten und Landbriesträgern entgegengenommen.
Die deutsch-russischen Handels- Vertragsverhandlungen.
Die Meldung, die deutsch-russischen Handels- ocrtrags-Verhandlungen hätten einen,„vorläufigen Abbruch" erlitten, wird von der offiziösen „Südd. Reichst." dahin berichtigt, daß die deutschen Vertreter noch heute nicht von St. Petersburg abgereist seien, daß die Vorbesprechungen sortdauerten und daß niemals durch einen besonderen Zwischenfall ein Abbruch oder auch nur eine störende Unterbrechung veranlaßt worden sei. Als die deutschen Delegierten nach der russischen Hauptstadt aufbrachen — als Kommissare zu Vorbesprechungen, nicht als Bevollmächtigte zu entscheidenden Vertragsverhandlungen — sei man hier darauf vorbereitet gewesen, sie nach kurzer Zeit zurück- kebren zu sehen, ohne aus der ersten Fühlung nahnie mit den russischen Vertretern mehr mitzubringen, als gleichsam eine Einzäunung des Tummelplatzes für spätere Unterhandlungen. Es sei aber bald nach der Ankunft unserer Beamten in Sr. Petersburg auf russischer Seite die Bereit- Willigkeit hervorgctreten, die Vorbesprechungen bis zu dem vermutlich am 28. d. M. erfolgenden Ur- lanbsantritt des Finanzministers Witte fortzu- setzen, also länger, als die deutschen Kommissare angenommen hätten . Und so nehme der mündliche Meinungsaustausch seinen Lauf und gehe noch weiter. Daß aber Herr Witte diese St. Petersburger Präliminarbesprechnngen nicht in seiner Abwesenheit geführt haben sehen wolle, lasse gerade darauf schließen, daß er sie nicht für gleichgültig halte! Im übrigen habe man bei uns daran keine besonderen Erwartungen geknüpft, die Schwierigkeiten des neuen Vertragsschlusses nicht verschleiert und keine Neigung gezeigt, Ergebnisse zu forcieren. Der Zeitpunkt für die Abgabe endgültiger Erklärungen werde erst kommen, wenn die eigentlichen Unterhandlungen sich ihrem Ziele nähern. Einstweilen hätten diese noch gar nicht begonnen; es sei möglich, daß erst noch weitere vorbereitende Erörterungen, vielleicht in Berlin, gepflogen werden.
Soweit das offiziöse Blatt. Die Regierung hat allerdings nicht nur „die Schwierigkeiten des neuen Vertragsschlusses nicht verschleiert und keine Neigung gezeigt .Ergebnisse zu forcieren", sondern im Gegenteil die Schwierigkeiten viel größer dargestellt, als sie in Wirklichkeit in Anbetracht des außerordentlichen Interesses Rußlands am Zustandekonlmen von Handelsverträgen sind, und absolut keine Neigung gezeigt, die Beseitigung
' (Nachdruck verboten.)
Frau Lore. -
Roman von I. Iobst. ■ <
(Fortsetzung.)
„Es tut mir leid, daß ich in Unkenntnis der Sachlage so schroff war, aber ich nehme nichts zurück, die Tochter eines Zuchthäuslers soll nicht Trägerin unseres Namens sein."
„Ich kann Ihrer Härte nicht wehren," ant- wortete Braun steif, „aber ich muß im Namen meines Mündels mein tiefes Bedauern aus- sprechen, daß sie durch ihre Weigerung gezwungen wird, unschuldig das Brandmal zu tragen, das sich für die böse, skandalsüchtige Welt an den Namen ihres Vaters heftet. Und nun darf ich wohl bitten, die Geschäfte zu erledigen."
Ein feines Not stieg in das Gesicht des Zurechtgewiesenen, doch erwiderte er nichts. Er las die vorgelegten Schriftstücke durch, nannte den Rechtsgnwalt, dem er Vollmacht zur Regelung der Erbschaft gegeben, und bat, Fräulein von Nord- mann mitzuteilen, daß sie so lange in der Villa mohnen könne, bis der Verkauf, den er beantragen würde, abgeschlossen sei. Mit einigen förmlichen Worten schied Herr von Roeder. Aufatmend sah der Forstmeister ihn verschwinden und schritt dann schweren Herzens hinüber in das freundliche Mädchenstübchen, das früher nur Frohsinn und Uebermut beherbergte, und in welchem er nun Lore seiner wartend fand. War das noch Lore, bas fröhliche, arglose Kind? In Schmerz verfeinert waren die Züge ihres lieblichen Antlitzes and rauh lang die Stinnne, die ihn fragte: „Was ihat mein Vater?"
Brann wollte ausweichend antworten, sie vorbereiten. aber mit harter Stimme fragte sie wie-
dieser Schwierigkeiten durch die ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu forcieren, indem sie den bestehenden Handelsvertrag mit Rußland kündigt. Dies ist die einzige Möglichkeit, um Rußland zu Konzessionen und zum Abschluß eines neuen, für uns überhaupt acceptablen Vertrages zu zwingen, in welchem die Interessen der deutschen Produk- tion, vor allem der deutschen Landwirtschaft, besser gewahrt werden sollen als bisher. Die Russen müßten denn gerade bei der neudeutschen Handelsdiplomatie in die Schule gegangen sein, wenn sie sich freiwillig dazu entschließen sollten, in einem neuen Vertrage größere Konzessionen als bisher zu machen, tvährend sie einfach durch Verweigerung jeden Entgegenkommens den alten für Rußland unter allen Umständen günstigeren Vertrag in Kraft lassen können. Rußland würde ja durch ein derartiges Verhalten nichts riskieren. Hat denn Deutschland jemals in wirtschaftspolitschen Fragen wirklich Ernst gemacht? Das Beispiel mit Amerika und Groß- britannien beweist doch den Russen zur Genüge, daß wir durch keine wirtschaftspolittsche Maßnahme des Auslandes, durch absolut nichts aus unser „olympischen" Ruhe zu bringen, zu irgend welchen Retorsionsmaßregeln zu veranlassen sind.
Umschau.
Die nächsten Aufgaben des neuen Reich sschatzsekretars.
Der neue Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Freiherr v. Stengel, hat sich zu einem Vertreter der „Münchener N. N." über sein Programm ausgesprochen. So unverbindlich seine Auslassungen auch in jedem Betracht gewesen sind, so erscheint ihre Mitteilung dennoch geboten. Die Frage der Reichsfinanzreform faßt dec neue Staatssekretär so nüchtern wie möglich auf und stellt sich damit in einen bemerkenswerten Gegensatz zu einem Teil der Presse. Mau müsse schon sehr zufrieden sein, so meinte Freiherr v. Stengel, wenn es gelänge, ein Einverständnis unter den gesetzgebenden Faktoren über die Beseitigung der schlimmsten Uebel- ftank' herbeizuführen, die im Laufe der Jahre hervorgetreten seien, und wenn es gelänge, die verwickelten finanziellen Beziehungen zwischen Reich und Einzelstaaten klarer zu gestalten und im Reichshaushalt die erwünschte größere Stettgkeit herbeizuführen. Auch müßte "bald ein Anfang mit der planmäßigen Schuldentilgung gemacht werden. Zunächst aber bedürfe es der Sanierung des Reichsinvalidenfonds, der im Augenblick sehr im Argen liege. Von der Eröffnung neuer dauernder Steuerquellen im Reiche, er wisse nicht, nicht, wie der Reichskanzler darüber denke, lasse sich schwer, etwas sagen, bevor nicht feststehe, welche Mehrüberschüsse der neue Zolltarif bringen werde und wie weit mit ihm die künftigen Handelsverträge die wirtschaftlichen Verhältnisse beeinflußen würden. — Der neue Staatssekretär bestätigt also, daß von der Inangriffnahme einer Reichsfinanzreform vor der Erledigung der Handelsvertragsfrage keine Rede sein könne. Dagegen erscheint ihm der Stand des Reichsinvalidenfonds soforttger Aufbesserung bedürftig. Der im Jahre 1873 mit 561 Millionen Mark gegründete ReichS- invalidenfonds ist nach den Erklärungen unserer
der: „Um Christt Barmherzigkeit willen, quäle mich nicht länger; was that mein Vater?"
Da zog Braun sie in seine Arme und ließ sich neben ihr nieder auf das zierliche Sofa, ihre Hand hielt er fest in der seinen und dann begann er: „Die Stiefschwester Deines Pflegevaters war Deine Mutter. Sie heiratete in jungen Jahren einen Herrn von Nordmann, der das Gut Steinbrück besaß. Widrige Ereignisse, Unglück mancherlei Art minderten den Wohlstand, und eines Tages ging das Haus mitsamt dem ganzen Hof in Flammen auf. Auch mehrere Menschenleben waren zu beklagen. Schwere Verdachtsgründe belasteten Herrn von Nordmann so sehr, daß zur Anklage geschritten wurde, und das Gesetz erkannte ihn trotz seines Leugnens für schuldig. Seine Sache wurde verschlimmert durch den Bankerott, der sich gleich hernach herausstellte. Am Tage vor dem Brande hatte er noch bedeutende Gelder erhoben, um seine dringendsten Gläubiger zu befriedigen : diese Gelder sollten nach seiner Angabe mit verbrannt oder vom Brandsüfter gestohlen sein. Seine Ausgaben lauteten so verschwommen, daß das Gericht annahm, er habe die Summe irgendwo in Sicherheit gebracht. Dein Vater wurde zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilt."
Lore saß wie versteinert. Sie hatte an Schlimmes geglaubt, aber solch ein Ende hatte sie nicht vorausgesehen. Nach langer Zeit sagte sie leise: „Aber er hat die Tat geleugnet?" sie konnte von dein Manne nicht als ihrem Vater sprechen.
„Er ist seiner Schuld überführt worden, die Sache lag klar."
Wieder schwieg Lore lange Zett und Braun störte sie nicht.
„Glaubst Du, daß ich die Tat meines Vaters mitbüßen muß vor der Welt?"
„Ich weiß es nicht, Lore. Die Menschen find ja schlecht, aber was mich betrifft, mein Herzens
Regierungsvertreter in der Tat bei weitem nicht ausreichend, um die Pensionen der Invaliden bis zum Tode des letzten derselben zu decken. Infolge des Gesetzes über die Kriegs- und Verstümmelungszulagen sowie die Witwen- und Erziehungs- beihülfen der Relikten sind den Fonds noch ganz besondere Lasten auferlegt worden, so daß wiederholt erhebliche Zuschüsse geleistet werden mußten. Mit dem Gedanken einer Wehrsteuer scheint man sich in den leitenden Kreisen nicht befreunden zu können, auch der neue Staatssekretär des Reichsschatzamts scheint davon nichts wissen zu wollen. Eine Sanierung des Reichs- invalidenfonds erscheint daher im hohen Maße geboten. Möglicherweise befaßt sich mit dieser Frage bereits die Konferenz der Finanzminister mehrerer Einzelstaaten, die Ende September oder Anfang Oktober in Berlin zusammentreten wird. Die Konferenz würde trotzdem noch Gelegenhett finden, die Frage der Balanzierung des Reichshaushalts einer gründlichen Erörterung zu unterziehen. Denn auch diese Frage bedarf schleunig- stec Regelung. Während dec Reichshaushalt noch im Jahre 1897 mit einem Ueberschuß von 25 Millionen und den beiden folgenden mit einem solchen von 31 und 33 Millionen Mark abschloß, während gelegentlich der jüngsten Flottenvorlage im Reichstage im Jahre 1900 der damalige Schatz- sekretär v. Thielmann noch das Anerbieten neuer Steuern mit dem Bemerken ablehnte, so heidenmäßig viel Geld zu haben, daß er garnicht wiße, was er damit anfangen solle, schloß das Jahr 1901 bereits mit einem Minus von 48 Millionen gegen den Voranschlag. In derselben Zett stteg der Anleihebedarf des Reiches von 40 auf 203 Millionen Mark. Stettgkeit und Klarheit im Reichshaushaltetat hcrbeizuführen, ist daher sicherlich eine der vornehmsten Aufgaben des neuen SchatzsekretärS, die von diesem auch unverzüglich in Angriff genommen wird.
Der Kriegsminister wider die Selbstmorde in der Armee.
Einen Erlaß des Kriegsministers v. Einem wider die zunehmende Häufigkeit der Selbstmorde im Heere, der an die Militärbehörden gerichtet ist, kann die „Volksztg." veröffentlichen. ES heißt in diesem von den humansten Gesinnungen durchwehten Erlaß u. a.: Dieselben Ursachen, die in allen Gesellschaftsklaffen eine Steigerung der Selbstmorde bewirken, wirken auch im Heere. Da aber hier die unglückliche Neigung zum Selbstmorde noch gesteigert werden kann durch die jähe Aenderung in der Lebensweise und in der ganzen Umgebung, sowie durch die schmerzliche Trennung von der Heimat, der Familie und den Freunden, so ist es dringend notwendig, daß alle, Offiziere und Unteroffiziere, denen die Ausbildung der Soldaten anvertraut ist, mit ganz besonderer Sorgfalt darüber wachen, die Stimmung ihrer Schutzbefohlenen gut und normal zu erhalten, indem sie sich ihrer annehmen, sich andauernd um sie bekümmern, ihre Bedürfnisse kennen lernen und für ihre körperliche und geistige Gesundheit Sorge tragen. Der Vorgesetzte hat sich auf diese Art die Liebe seiner Untergebenen zu sichern und wird darum
find. Du bleibst mir dieselbe und meiner Schwester auch. Was sollen wir uns denn noch um das Gerede der andern kümmern?"
„Vielleicht erfahren sie auch nichts," meinte sie schüchtern. Ach sie dachte nur an den einen, den sie liebte und dec ihre Hand vom Onkel hatte erbitten wollen. Wäre er doch bei ihr, eine wilde Sehnsucht faßte sie, sich an einem Herzen auszuweinen.
„Ich möchte jetzt gern allein sein, Onkel Forstmeister, Du nimmst mir die Bitte nicht übel?"
„Nein Lore, was Du willst, soll geschehen."
„Ich danke Dir. Sage bitte auch der guten Hummel, sie solle mich nicht stören. Ich will versuchen etwas zu schlafen."
Braun sah sie an und dachte, nach Schlafen sieht das Kind nicht aus, aber zu helfen vermochte er nicht und so ging er still hinaus.
Lore schloß die Tür hinter ihm zu. Ihre arme Seele schrie qualvoll auf und flehte zu Gott um Hilfe und Erbarmen in ihrer Not, bis dec müde Körper endlich Ruhe fand im tiefen Schlaf dec Erschöpfung.
In dec Oberförsterei wurde Braun schon sehnlich erwartet. Assessor von Schulz und Herr von Schierstedt saßen bei Fräulein Braun und forschten so unbefangen wie möglich nach näheren Details des plötzlichen Todesfalles. Mit Befriedigung empfingen sie den Forstmeister und es bedurfte gar keiner Frage ihrerseits, er begann sofort zu erzählen. Um sich Gewißheit zu verschaffen, welchen Eindruck dec Namenswechsel hervorbringen würde, antwortete auf eine Frage des Assessors nach Lore: „Fräulein von Nordmann ist sehr angegriffen, sie hing mit kindlicher Liebe an ihrem Pflegevater."
„Nordmann?" fragte Schulz befremdet. »Ich dachte, der alte Herr hätte sie adoptiert?".....
auch die Disziplinarstrafen verhüten können; denn die den ersten leichten Disziplinarmaß- nahmen folgenden Strafen find bedenklich, toett sie geeignet sind, ehrgeizige und leicht erregbar^ Charaktere au8 dem Gleichgewicht zu werfen. DaS Kriegsministerium befiehlt daher, eifrig darüber zu wachen, daß alle Vorgesetzten de» Soldaten gegenüber mit aufrichtigem Wohlwollen vorgehen; ohne Schwäche, aber noch mehr ohne übertriebene Strenge und ohne jemals jene väterlichen Gefühle der Fürsorge und die Umgangsformen des gebildeten Mannes zu verlieren, zu denen jeder Vorgesetzte im Verkehr mit den Untergebenen verpflichtet ist. Die Kenntnis deS Naturells und des Charakters des Soldaten ist vor allem notwendig, um gegebenenfalls dem Untergebenen raten und helfen zu können und stets jene Rücksicht walten zu lassen, die durch besondere Verhältnisse geboten sein kann. Namentlich find eS schwächliche, weichliche und anormale Individuen» die zum Selbstmord neigen, darum ist eS eine strenge Pflicht, sich solcher Personen besonders anzunehmen und ihren Anlagen gewissenhaft Rechnung zu tragen. _____
Eine französische Artigkeit gegen Deutschland.
Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt amtlich mit: Der Berliner sranzöfische Botschafter hat dem Auswärtigen Amte im Namen des Präsidenten der französischen Republik als Beitrag zur Linderung der Not in den vom Hochwasser heimgesuchten Bezirken Schlesiens die Summe von 5000 FrcS. übergeben. — Kaiser Wilhelm hat der französischen Regierung wiederholt bei schweren Katastrophen, durch welche französische Staatsbürger um Hab und Gut gebracht wurden, Zuwendungen überwiesen und noch dazu weit höhere Summen als die gegenwärtig vom Präsidenten Loubet übermittelte. So z. B. bei den Verheerungen, die der Mont Pelee auf Martinique anrichtete, bei dem furchtbaren Dampferunglück in der Nähe von Marseille usw. ES ist deshalb nach unserer Meinung kein Anlaß da, über das Geschenk deS französischen Präsidenten in Ekstase zu geraten oder daraus weitgehende phantastische Schlüsse und Folgerungen zu ziehen, wie das von mancher Seite bereits mit Darangabe der nationalen Würde geschieht. Es wäre eine beispiellose Unhöflichkeit gewesen, wenn Loubet die Gelegenheit unbenutzt hätte verstreichen lassen, ohne sich für das wiederholte Entgegenkommen des deutschen Oberhauptes zu revanchieren. Spät genug ist es ja geschehen, um darüber keinen Zweifel mehr zu gestatten, daß es sich hier um einen durch die internationalen Gebräuche und Beziehungen unbedingt gebotenen Höflichkeitsakt handelt und um weiter nichts. Gleichwohl aber verdient die Tat des Präsidenten schon im Interesse der durch das Hochwasser geschädigten Schlesier Anerkennung. Vermag sie auch die frostigen Be-
„Wollte er auch, aber der Tod hat seine Absicht vereitelt."
„Sie ist doch eine Verwandte von ihm?" erkundigte sich der Assessor voller Interesse.
„Sie ist das Kind seiner verstorbenen Stiefschwester, die mit einem Gutsbesitzer namens von Nordmann verheiratet war."
„Doch nicht Nordmann-Steinbrück?" rief der junge Schierstedt, sich in das Gespräch einmischend, mit solchem Enfietzen, daß alles zu ihm hinsah.
„Sie sagen es," sagte Braun tief bekümmert, denn er sah, daß seine schlimmste Befürchtung übertroffen wurde.
„Das ist ja entsetzlich, der Vater war ja unsee Gutsnachbar!" stteß Schierstedt hervor. Er sah so bleich aus, so verstört, daß die beiden Herren ihn betroffen anblickten. Hans fühlte, er mußte sich zusammen nehmen, wollte er nicht zum Verräter werden an der heimlichen Leidenschaft, die er für Lore fühlte. Lores Vater Brandstifter, Zuchthäusler! Ein Grauen überlies ihn, eine Verbindung mit der Geliebten wurde zur Unmöglichkeit. Er hörte noch eine Weile zu, wie der Forstmeister, so kurz und schonend wie möglich, seiner Schwester und dem Assessor die gewünschte Aufklärung gab, wußte er doch, daß Lore neben ihm keine treueren Freunde als diese beiden besaß.
Unter irgend einem ungeschickten Vorwand empfahl sich Schierstedt. Forstmeister Braun sah ihm schweigend nach, dann wendete er sich zu der Schwester und sagte: „Da geht der erste vo» denen, die an dem armen, unschuldigen Kinde freveln."
„Darf ich fragen, was Sie damit meinen?“ fragte Schulz erstaunt.
„Herr von Schierstedt bewarb sich doch, wi« Sie gewiß auch bemerkt haben, eifrigst um die Gunst des Fräuleins Lore und jetzt ergreift et offenkundig die Flucht." (Fortsetzung folgt). >