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M -em KreMlatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Mustrirtes Sonntagsdlatt.

M 228

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. <c$cl. Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 28. August 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Die Haupt-Gefahr bei Arbeiter-Ausständen.

Jeder Mensch hat daS Recht, auf die Ver- befferung seiner materiellen Lage hinzuarbeiten; daraus wird für ihn eine gebieterische Pflicht, wenn die Rücksichtnahme auf Frau und Kinder mitspricht. Aber in dem Bestreben, sich eine günstigere Stellung zu verschaffen, soll er auch das Recht anderer achten und die Besonnenheit nicht vergessen. Wie jeder Arbeitgeber bei einem neuen Unternehmen doppelt und dreifach kalkulieren und rechnen muß, wenn er seinen Verpflichtungen nachkommen und den Ruf eines soliden Geschäftsmannes wahren will, so muß auch ein Arbeitnehmer zwischen dem Wünschens­werten und zwischen dem Notwendigen unter­scheiden, vornehmlich in einer Zeit, die tausende zwingt, sich zu begnügen. ES gibt AuSstände, für welche ein gewisses, moralisches Recht un­zweifelhaft vorhanden ist, denn daS Unmögliche ist nicht möglich zu machen. Ein solcher Fall ist z. B. dagewesen bei Mehrforderungen Berliner Arbeiter, als die unerträgliche Steiger­ung der Wohnungs-Mieten durch die Häuser- Spekulation die Leute in eine Zwangslage brachte. Sie konnten nicht auskommen, ein Keil trieb den anderen. Es gibt auch andere Verhältnisse, die ein gewisses Streikrecht be­gründen können; es sei an den Ausstand der Berliner Straßenbahn-Angestellten erinnert, der von wirklicher allgemeiner Teilnahme des ganzen großen Publikums begleitet war, aber diesen stehen andere Vorkommnisse gegenüber, in welchen zum mindesten unbesonnen gerechnet wurde. Deshalb muß es einen unparteiischen Beobachter auch erfreuen, baß im rheinisch­westfälischen Grubenrevier trotz mancher leb­haften Agitation die kühle Ruhe beobachtet wird und das Bemühen, in allen streitigen Punkten eine Einigung herbeizuführen zwischen Gruben-Verwaltungen und Bergleuten unver» ändert bleibt.

Deutlicher und immer deutlichertritt eineHaupt- gesahr für Arbeiter-AuSstände in der Industrie hervor, die für die Zukunft lebhafte Besorgnisse eröffnet. Die Gefahr besteht darin, daß während der Zeit eines längeren Streiks die fremden Konkurrenten kommen, das Absatzgebiet der feiernden Etablissements erobern und behaupten, so daß nach glücklich beendetem Ausstand, wenn wieder gearbeitet werden soll, die Aufträge fehlen. Noch markanter wird die Gefahr bei dem Export nach dem Auslande. Versagt die bisherige Liferanten-Quelle, so wird dadurch die ausländische Konkurrenz wesentlich gefördert, und ist die erst einmal im Geschäft drin, dann ist es nicht so leicht, sie wieder herauszubringen. Wir sehen es in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, auch anderswo, wo von Jahr zu Jahr immer inehr Artikel, die bis dato eine lohnende deutsche Ausfuhr bildeten, dort drüben

6 (Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. Jobst.

(Fortsetzung.)

Seinen geachteten Namen?" wiederholte Lore mechanisch, ihr Kopf wandte sich dem Fragenden zu, man las es in ihren Augen, sie begriff Brauns Worte nicht.

Der Forstmeister erschrack.Sie weiß also doch von nichts!" durchfuhr es ihn.

Nein, sie wußte von nichts, und dem alten Braun, der von dem verstorbenen Freunde zum Vormunde itnd Testamentsvollstrecker ernannt war, blieb cs Vorbehalten, der jungen Seele den bitteren Schmerz zu bereiten.

Wir sprechen noch darüber, Lore," brach der Forstmeister hastig ab,fpäter, wenn wir unserem geliebten Toten die lebte Ehre ertviesen haben. Und laß Deinen alten Freund alles besorgen, inein gutes, liebes Kind, ich will Dir von nnn an Vater sein und Mutter und >vir weinen zusammen um ihn, den besten, edelsten Mann, der unseren Herzen ewig unvergeßlich sein wird."

Nun war er gegangen, um alle die traurigen Pflichten zu erfüllen, die ein Todesfall mit sich bringt. Lore ließ ihn sorgen, sie setzte sich still neben den ihr so plötzlich Entrissenen. Es war ihr alles wie ein schwerer Traum, eie mußte allein sein mit ihm, den sie so sehr geliebt, anders, wie er wollte, aber doch so innig und treu.

Welch lächelnder Friede lag auf dem schönen, vornehmen Gesichte.

Ich habe überwunden," sprach der tote Mund mit dem stillen Lächeln.Bis zuletzt habe ich Deiner gedacht," raunten die umherliegenden An- deitken auf deut Schreibtische. Und doch zog es

selbst hergestellt werden. Das ganz Billige, wobei blutwenig zu verdienen ist, läßt man liebenswürdig der deutschen Export-Industrie, drückt nebenbei die Preise bis zum äußersten, und steckt den Profit der besseren, freilich oft recht schablonenhaft hergestellten Geaenstände selbst ein. Kommt nun diesen Bestrebungen noch eine Unterbindung der deutschen Produktion für eine gewisse Zeit zur Hilfe, so können sich die Herrschaften erst recht die Hände reiben, jede fremde Uebereilung ist ihr Vorteil.

Wir erstreben stetige Handels-Verträge mit Recht, welche unserer Industrie regelmäßige Arbeit sichern; aber nicht weniger nötig ist, daß bei diesen Handelsverträgen die Möglich­keit eines genügenden Verdienstes offen ge­halten wird, und erst recht erforderlich ist, daß wir uns die eigenen Kreise nicht stören. Wir Deutschen gelten im allgemeinen als ruhige, mitunter sogar zu phlegmatische Leute, aber kommen wir auf Portemonnaiefragen, so gehl's mit dem Kopf durch die Wand I DaS ist heute so, wie vor Hunderten von Jahren, wo es auf den alten deutschen Reichstagen schon hieß: Von den Deutschen kann man alles verlangen, bloß kein Geld! Heute stehen wir aber in einer Zeit-Periode höchster kaufmännisch-industrieller Entwickelung, und da muß das ganze Arbeits­leben auch von kaufmännischer Schulung beein­flußt werden; nicht bloß die Arbeitgeber, auch die Arbeitnehmer müssen den Markt-Verhält­nissen Rücksicht tragen. Daß bei flottem Absatz jeder verdienen muß und soll, kann gar keinem Zweifel unterliegen, und daß daS auch bei uns geschieht, beweisen die Löhne während der guten Konjunktur. Aber während einer Zeit, wo der Absatz wieder in die Höhe will, diesem Zentner­gewichte anzulegen, damit er wieder nach unten purzelt, ist zum mindesten unpraktisch, so un­kaufmännisch, wie möglich. Damit wird der Verdienstschacht leicht mutwillig zugeschüttet.

Umschau.

Die Aufgaben des neuen ReichSschatz- sekretärs.

Der Wechsel im Reichsschatzamt beschäftigt die öffentliche Meinung und die Preffe, die den Niederschlag der letzteren darstellt, noch fort­gesetzt in lebhafter Weise. DaS Reich erhebt wie jede andere in fortschreitender Entwicklung befindliche Gemeinschaft naturgemäß mit jedem Jahre höhere Ansprücke. ES ist daher nur selbstverständlich, daß sich die Reichsregierung nach Mittel umsieht, die die erforderlich werden­den größeren Aufwendungen ermöglichen. Nun ist es natürlich leichter, die Ausgaben zu er­höhen, als die Einnahmen, wenn man es doch nicht verschmäht Schulden zu machen. DaS deutsche Reich ist mit seiner Anleihewirtschaft aber noch gerade auf dem Punkte angelangt, von dem es heißt, bis hierher und nicht weiter. Es

durch Lores Sinnen:Was Gott tut, das ist wohl getan," Wie viele Kämpfe und Schinerzen blieben ihrer Liebe erspart! Ueber seine Liebe hätte sie nicht wegschreiten können, seiner Werbung wäre sie nicht mit Undank begegnet, sie hätte sich opfern müssen und wäre die Seine geworden. Sie wußte es ja, an der Trennung von ihr hatte sich Röder verblutet.

Zärtlich strich sie über die wachsbleichen Hände, die Kälte durchschauerte sie und ließ sie zurück­fahren. Sie lehnte müde von allem Weinen den Kopf an die Lehne des Sessels und rief sich die Worte des Forstmeisters in ihr Gedächtnis zurück.

War sie nicht adopsiert?

Ja wie hieß sie denn, wenn sie sich nicht Eleo­nore von Röder nennen durfte?"

Mit stummer Frage ruhten ihre Augen auf dein Toten, der ihr keine Antwort zii geben ver­mochte. Eiii unheimliches Bangen stahl sich in ihr Herz. Hatte der Forstmeister nicht dasge­achtet" so betont oder kam es ihr nur so vor? Ihren Namen?! Ein seliges Lächeln zog schatten­haft über ihr liebliches Gesicht. Wie lange noch würde sie ihn tragen ihren Namen? .

Hans, mein lieber Hans!"

Erschrocken fiel ihr Blick auf den stillen Schläfer da vor ihr in den Kissen. Ein jeder Gedanke mußte doch ihm gehören und nicht dem anderii, cs war eine Kränkung für den Toten in diesein Augen­blicke. Wie war ihr das gekommen mitten in ihrem tiefen Leid? Ach ja, wegen des Namens. Wie gleichgiltig doch dies alles war, wie nichtig!

Die Tage vergingen für Lore in traurigem Einerlei. Der Forstmeister nahm die ganze Last der Geschäfte auf seine breiten Schultern, eifrig unterstützt von den getreuen Dienstboten, die ganz gebeugt waren in ihrem Leid um i .n Toten.

müssen unbedingt Anstalten getroffen werden, um die Ausgaben, deren Höhe nicht herabzusetzen ist, wieder in ein erträgliches und gesundes Verhältnis zu den Einnahmen zu stellen. Dieses Kunststück soll nun der neue Staatssekretär des Reichsschatzamts Freiherr von Stengel fertig bringen. Ob e8 ihm gelingen wird? Auf dem Wege der Reichsfinanzreform soll eS versucht werden. Dieser Weg ist aber mit neuen Steuer­projekten geflastert. Welcher Art diese Steuer­pläne auch sein mögen, behagen werden sie der Gesamtheit niemals. Mit den Steuern ist es wie mit den Krankheiten: auch die schönste ist nichts wert. Aber geschehen muß etwas, das steht außer Frage. DaS große Werk soll erst nach dem Abschluß der Handelsverträge in An­griff genommen werden, weil man zuvor fest­stellen muß, welcher Mehrgewinn dem Reiche durch daS Inkrafttreten des neuen Zolltarifs zufallen wird. Die etwaigen Ueberschüfle auS den Getreidezöllen sind nun aber zum Teil für eine Arbeiter-Reliktenversorgung in Aussicht genommen. Aus dem neuen Vertragstarif find große Ueberschüffe daher auch im günstigsten Falle nicht zu erwarten. Einer Erhöhung der Steuern zu Gunsten der Reichskaffe stehen gleichfalls gar wichtige Bedenken entgegen. Die Bilanzierung der Einnahmen und Ausgaben des Reiches wird daher aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Wege der indirekten Besteuerung angestrebt und herbeigeführt werden.. Bier und Tabak sind die beiden Gegenstände, die von dem Reichsschatzsekretär schärfer herangezogen werden dürften. Wir brauchen nicht oft zu sagen, daß wir für keines der beiden Steuerprojekte be­sondere Sympathien hegen. WaS im Reichs­interesse geboten ist, das muß eben geschehen.

Ein Vorschlag zur Verhütung von Eisenbahnunfällen.

Die schweren Eisenbahnunfälle der jüngsten Zeit haben wieder Beunruhigung in das Publi­kum getragen. Man fühlt sich nicht sicher und besteigt mit gemischten Gefühlen den Eisenbahn­zug. Besonders bei langen Nachtfahrten wird sich mancher Reisenden ein Gefühl der Unsicher­heit bemächtigen. Aengstlich wird man auf jedes Geräusch achten und wenn man .einge­nickt" ist und ein Ruck bei dem Passieren einer Kurve entsteht, verstört auffahren. Im allge­meinen ist die Angst aber übertrieben, denn die Betriebssicherheit auf den deutschen Bahnen ist größer als auf mancher ausländischen Eisen­bahn. Zur Beruhigung der Reisenden wird eS beitragen, daß der preußische Eisenbahn­minister die ihm unterstehenden Behörden auf die strengste Beobachtung der zur Verhütung von Bahnunfällen erlassenen Vorschriften soeben hingewiesen hat. DieBerl. Volksztg." bringt aus der Feder eines Ingenieurs einen Artikel, der sich mit der Verhinderung von Eisenbahnunfüllen beschäftigt.. Wir lassen die wichtigste Stelle daraus folgen: Statt der

Nun war die sterbliche Hülle der Erde gegeben und Lore kam Dom Friedhöfe zurück in das stille Haus. Ihre trostlose Vereinsamung fiel mit Zentnerlast über sie und sie sank auf den Sessel vor dem Schreibtische nieder, wo der Verstorbene zu sitzen pflegte. Ihr Kopf ruhte auf der Platte des Tisches und sie weinte und weinte, als ob ihr ganzes Sein sich auflösen sollte in wildem Schmerz.

So fand sie der Forstmeister.

Lore, meine arme Lore!"

Sie starrte ihn an mit den verweinten Augen und erhob sich erschreckt, denn hinter Braun war noch ein älterer Herr eingetreten, der ihr ein Fremder war.

Erlaube, daß ich Herrn von Röder vorstelle, der vor seiner Abreise noch einiges Geschäftliches erledigen möchte. Ich glaubte Dich auf Deinem Zimmer, liebes Kind, sonst würde ich nicht ohne vorherige Anmeldung hereingekommen sein."

Laß Dich nicht stören, ich werde gehen, Onkel Forstmeister.

Ich darf wohl darum bifteu, Fräulein von Nordmann zu ersuchen, hier zu bleiben," wandte sich der Fremde an den Forstmeister.

Wie kalt und geschäftsmäßig das klang! Lore zitterte plötzlich vor Schlväche und ihr Name also Nordmann hieß sie.

Hat es nicht Zeit bis morgen?" fragte Braun mit besorgtem Blick auf seinen ßiebling.

Ich bedauere nicht warten zu können, ich muß heute abends noch abreifen. Also, um gleich mit dem Hauptpunkt zu beginnen, bitte ich um Ein», sicht in ihre Vollmacht als Vormund dieser jungen Dame und als Testamentsvollstrecker."

Braun schloß den Schreibtisch auf, holte aus einem ihm wohlbekannten Fache alle Dokumente heraus und legte es vor Herrn von Röder, einem Vetter und Haupterben des Verstorbenen, auf den Tisch hin, vor dem sich jener niedergelassen hatte.

Knallpatronen sollte man einen drehbaren Hebel in der Mitte deS Gleise» anordnen und so mit dem Signal verbinden, daß er sich beim Halte- Signal in senkrechter, beim Freifahrt-Signal dagegen in wagerechter Lage befindet. Wenn dann der Hahn der Preßlustleitung vorn an der Maschine nach unten verlängert oder, durch ein Rohr ermittelt, dicht über den Schienen wiederholt wird, so daß er durch den vom Signal betätigten Hebel erfaßt und herum- gedreht werden kann, so wird auf diese Weise der ganze Zug plötzlich gebremst und zum Still­stand gebracht. Im Falle des Teltower Un­glücks hatte der Führer beim Halte-Signal durch die Glocke, die durch den Hebel zwischen den Schienen angeschlagen wird, ein Zeichen bekommen und Zeit gehabt, die Handbremse so­fort zu benutzen, durch daS Notsignal die Schaffner an die Wagenhandbremsen zu be­ordern und eventuell Gegendampf zu geben für den Fall, daß die Westinghouse-Bremse nicht funktionierte. Wenn die Anordnung nicht nur bei Signalen, sondern auch noch bei gefähr­lichen Weichen, Kreuzungen usw. getroffen würde, so hätten wir un8 über viele Eisenbahn­unfälle weniger zu beklagen, da durch daS Ueberfahren des Halte-Signals und durch falsche Weichenstellungen die meisten Unfälle schwerer Art im Eisenbahnbetriebe verursacht werden. Dabei hat die Vorrichtung die Vorzüge der Einfachheit und Billigkeit. Der kleine Umbau an der Maschine dürste 15 bi« 18 Mk., der am Signal 35 bis 40 Mk. an Selbstkosten nicht überschreiten.

Der 44. Genossenschaftstag der deutschen Erwerbs-u. Wirtschafts­genossenschaften.

Der 44. GenossenschaftStag deutscher Erwerb»- und Wirtschaftsgenossenschaften ist unter zahl­reicher Beteiligung der Mitglieder in Danzig eröffnet worden. Nach dem Bericht des Ver- bandSanwalteS Dr. Crüger-Charlottenburg sind infolge der vorjährigen Ereignisse 218 Kon­sumvereine au» dem Allgemeinen Verbände aus­getreten, während eS bei 130 noch unbestimmt sei, wie sie sich verhalten würden. 300 Kon­sumvereine sind dem Allgemeinen Verbände treu geblieben. Die Zahl der Genossenschaften ist von 21127 auf 22 512 gestiegen. Die wirt­schaftlichen Verhältnisse haben sich nach mancher Richtung hin bei den Genossenschaften bemerk­bar gemacht. So ist bei den Kreditgenossen­schaften Geldüberfluß zu verzeichnen infolge des schlechten Geschäftsganges bei den Konsum­vereinen, bei den Einzelmitgliedern vielfach ein Rückgang deS Warenumsatzes; besonders er­schwert wurde das Prinzip der Barzahlung.

Schlicht und einfach.

Betreffs der geplanten Aufhebung de» Jefuitengesehes war behauptet worden, der Kaiser habe mit dem Reichskanzler Grafen von

Bekümmert blickte der Forstmeister zu Lore hin, die sich still in einen Sessel sinken ließ und die verängstigten Augen immer auf den Mann ge­richtet hielt, der in ihren Augen ein unverschämter Eindringling war. Das mußte der Gutsherr von Patow sein, den ihr Pflegevater nie hatte leiden können.

Was hätte der Forstmeister darum gegeben, wenn er in jenem Schubfach ein Dokument neueren. Datums gefunden hätte, aber da war nichts. Sein Freund hatte seine Mahnung in den Wind geschlagen, er hatte, wie so viele vor ihm, nicht atz sein nahes Ende geglaubt. Nun wurde das Liebste, was er aus Erden gehabt, so bitter gekränkt, und eti vermochte aus seiner Gruft keine Hand anszu- strecken, um dem Kommenden zu wehren.

Ich finde hier eine Abschrift des Testaments, j worin Fräulein von Nordmann eine Summe von; achtzigtausend Mark nebst dem gesamten Mobilia?) vermacht ist."

Ein lebhafter Aerger bebte in Röders Stimme,; als er fortfuhr:

Auch sind eine Frau Hummel und etn Kut­scher Siegfried reich bedacht."

Die Höhe der ihr vermachten Summe machte auf Lore gar keinen Eindruck, aber sie empfand ei«: Gefühl reiner Freude, daß der treuen Leute nicht vergessen war. Sie sand plötzlich den Mut z« sprechen und fragte leise:

Und den Namen meines Pflegevaters darf «H nicht weiterführen?"

Nein." . , . ,

Röder fuhr erstaunt zu thr herum, er hatte ge­dacht, sie würde auch ferner eine schweigsame Zu­schauerin bleiben, sie, die er haßte, da sie ihn UM die Hälfte des Erbes brachte.

Ich weiß, daß mein verstorbener Freunds Oberst von Röder, die Absicht hatte, seinemMündH feinen Namen zu geben. Ja, er gab mir sogar taft