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Marburg und Umgegend

Marburg, 26. August.

§ Naser Kaiser passiert heute nachmittag gegen 5 Uhr mittelst SonderzugeS auf der Rück­reise von Mainz und Homburg nach WilhelmS- höhe die hiesige Station.

* Som Kaisermanöver. Während der dies­jährigen Kaisermanöver wird, nach der »Neuen politischen Korrespondenz", die Kavallerie- Division A beim 4. und 11. Armeekorps vom Generalmajor Frhr. v. Langermann und Erlen- karnp, Inspekteur der I. Kavallerie-Inspektion, die Kavallerie-Division B beim 12. und 19. (Kgl. Sächsischen) Korps vom Generalmajor Frhr. v' Milkau, Kommandeur der 23. Kavallerie-Brigade, geführt werden. 'Die Führung der aus je 2 Armeekorps gebildeten Armeeabteilungen werden voraussichtlich die ältesten der beteiligten kommandierenden Gene­rale übernehmen. Dies sind für das 4. und 11. Armeekorps General der Infanterie v. Wittich, für das 12. und 19. Korps General ter Infanterie v. Treitschke.

* Städtisches. Morgen, Donnerstag nach- mettag, findet im Rathause eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung statt.

* Städtische Baute«. Die Bauleitung für den Neubau einer 24klasfigen Volksschule im Nordviertel wurde Herrn Stadtbauamtsasfistent Kühn übertragen, diejenige für die Neubauten des Garnisonverwaltungsgebäudes und Feldfahr- »eugschuppens Herrn Stadtbauamtsasfistent Haedke. Mit den Ausführungen soll im nächsten Frühjahr begonnen werden, nachdem die Vor­arbeiten im kommenden Winter bewirkt worden find.

8 Schwurgericht. Die nächste Schwurgerichts­periode beginnt am 21. September. Den Vorsitz führt Herr Landgerichtsrat Klingenbiel.

* Haudwerttkammer. Die Jnstalateure unseres Kammerbezirks werden hiermit darauf aufmerk­sam gemacht, daß die freie Vereinigung Deutscher Installateure vom 3. bis 7. Oktober d. I. ihre V. Wanderausstellung in Hannover abhalten wird. Die Beschickung dieser Ausstellung kann pur bestens empfohlen werden. Autzstellungs- tedingungen, Plan und Antragsformulare können tei dem Leiter der Ausstellung Herrn L. Henking, Stuttgart, KriegSbergstraße 42, franko bezogen werden. Eventuelle Anmeldungen find bis längstens 19. September bei dem vorgenannten tinzureichen.

* Abschieds Feier. Auch der zweite dies- tährige Ferienkursus hat nunmehr mit dem heutigen Tage sein Ende erreicht. AuS diesem Anlaß fand gestern abend im kleinen Saale tes Museums eine zahlreich besuchte Abschieds- feier statt, die mit einer gemeinsamen Tafel begann. Die Reihe der Toaste eröffnete Se. Exzellenz Herr Generalleutnant Kleinhans, der w herzlichen Worten deö Aufenthaltes der Ferienkurfisten in Marburg gedachte. Herr Professor Schlapp - Edinburg dankte für die freundliche Aufnahme im schünen Marburg und der Direktor einer höheren Lehranstalt aus Frankreich, Herr Zünd-Burguet wies auf die lehrreichen Vorträge hin, die während des FerienkursuS gehalten worden seien. Später kostete Herr Professor Elster von hier auf die Damen, während andere Ferienkursteilnehmer «8 England, Schweden, Italien usw. in ihrer Sprache ebenfalls kurze Ansprachen hielten.

kündige Erklärung über feine Stellungnahme gegenüber der mazedonischen Bewegung ge­ordert. Die Ablehnung einer bezüglichen Er­klärung sollte die Thronentsetzung im Gefolge haben.

Bom Balkan. Die Bandenkämpfe selbst «ehmen in bedenklicher Weise an Umfang und Heftigkeit zu. Nach einer Darstellung aus Adrianopel wird die Lage mit jedem Tage ernster, fcte Aufständischen versuchten sogar ein Fort zu überrumpeln. In den Vorstädten Adrianipels wird gekämpft. Nachdem der Zwischenfall wegen bet Ermordung des russischen Konsuls Rostkowski zwischen Petersburg und der Pforte gütlich beige- fegt ist, wird sich die Türkei in ihren Maßnahmen wieder freier fühlen. Man sollte ihr auch ge­statten, mit rücksichtsloser Energie gegen die Un­ruhestifter einzuschreiten. Wird es der Pforte nicht ermöglicht, ein blutiges Exempel zu statuieren, jo wird auf dem Balkan keine Ruhe und kein Frieden. Daß es der Pforte nicht an Macht­mitteln fehlt, der Krakehler Herr zu werden und die mazedonische Gefahr zu beschwören, unterliegt keinem Zweifel. Dafür bürgt auch die Tatsache, bah der türkische Ministerrat einen Antrag seines Kriegsministers, die Bataillone aus Kleinasien einzustellen, ablehnte mit der Begründung, die Mannschaften wären dort unabkömmlich, da fte zu den Erntearbeiten gebraucht würden. Ueber »en Anstand im Vilajet Adrianopel wird gemel­det: Die Revolutionäre überfielen am 18. August das Dorf Derekoej, zerstörten die Kaserne und das Postamt und machten mehrere Soldaten und Gendarmen nieder. Gestern überfielen sie das Dorf Hamsibegli bei Adrianopel, steckten 200 Hau- fer in Brand und sprengten das Wachthaus mit 250 Baschibozuks in die Luft. Im Dorfe Ker- dankvej (Bezirk Kirk-Kilisse) bemächtigten sich nach dem Abdampfen des russischen Geschwaders die Revolutionäre des Leuchtturmes von Jniade. Die türkische Landbevölkerung flüchtete gegen Adria­nopel und Konstantinopel. Die Sofioter Maze­donier wollen an die europäischen Höfe eine De­putation unter Führung des Warnaer Metropo­litan Simeon, senden.In Sofia tagt morgen eine mazedonische Volksversammlung.

Japan. Die russische Behörde beschlag­nahmte in Kamtschatka japanische Schiffe, die Fische aufkauften, wegen ungesetzlichen Handels. 28 Offiziere wurden zurückgehalten und 278 Mann Besatzung in die Heimat zurückgeschafft.

Auch der poetische Abfchiedsgruß einer Schuk- vorsteherin aus St. Johann fand beifällige Auf­nahme. Ten Schluß der Feier bildete ein fröhliches Tanzkränzchen, das die Teilnehmer noch lange zusammen hielt.

* Marrnnachrichte«. Aus Kastel wird aus­wärtigen Blättern gemeldet: Ein furcht­bares Unwetter mit Hagelschlag Ge­wittersturm und großen Wastermasten ging gestern über Südkurhesten nieder. Hiobs­post en lausen ein auS Marburg, Gersfeld, Tann, Bischofsheim, der Rhöngegend und aus Hanau. Strichweise ist die Ernte, an ein­zelnen Orten die Obstanlagen total vernichtet. Ganz so schlimm war es Gott sei dank bei uns nun doch nicht, wie eS das Sensationsbedürfnis des Kasseler Lls.-ReporterS schildert.

§ Große« Schade« erlitt ein hiesiger Ein­wohner dieser Tage dadurch, daß besten Hund in den Schweinestall geriet und zwei Schweine totbiß. Der Hund war trotz aller Schläge nicht auS dem Stall, in den er beim Füttern mit hineingeschlüpft war, herauszubringen. Der Besitzer hat das bissige Tier sofort erschosten.

* 8«r Wirpnng. In verschiedenen Städten erschien in den Läden ein anständig gekleideter Mann mit einer sog. Kasfierertasche, die er umhängen hatte. Nachdem er einen Einkauf gemacht, fragte er, ob der Geschäftsbesitzer ihm nicht etwas Silbergeld abnehmen wolle. Ge­wöhnlich find die Geschäftsleute dazu bereit. Der angebliche Kassierer zählt nun für zwanzig oder mehr Mark 50-Pfennigstücke und 1-Mark- stücke aus, wofür er Gold erhält. Mit vielem Dank entfernt sich der Mensch und hinterher merken erst die Leute, daß unter dem Silber­geld eine größere Anzahl falscher Stücke find. Der Fremde spricht den thüringischen Dialekt. In Rücksicht darauf, daß der Mensch auch hier austauchen kann, seien die Geschäftsleute hier­mit vor dem Gauner gewarnt.

8 Banner-Weiht. Der Bezirks-Verein Marburg des deutschen Kellner-BundeS begeht gegenwärtig das Fest seiner Bannerweihe. Gestern abend fand bereits in der »Alten Post" ein Festkommers statt, der einen schönen Verlauf nahm. Die Bannerweihe findet heute abend im Restaurant Seebode statt. Hieran schließt sich ein Ball. Morgen vormittag vereinigen sich die Teilnehmer zu einem Frühschoppen aus Bopp's Terraste und nachmittags zu einem Gartenfest auf Hansenhaus links.

* 8«r Obsternte. ImKreisblatt" macht daS König!. Landratsamt wiederholt folgendes bekannt: Durch das vorzeitige Anberaumen der Obstverkaufstermine, welche im vergangenen Jahre schon Ende August vorgenommen worden find, wird dem Obstbau großer Schaden zuge­fügt. Den frühen Verkaufsterminen folgt nämlich ein vorzeitiges Abernten der Früchte auf dem Fuße und infolge des gewaltsamen Entfernens der noch unreifen Früchte werden die für daS nächste Jahr schon vollständig aus­gebildeten Fruchtknospen, welche sich in aller­nächster Nähe der Früchte befinden, mit abge- riffen; hierdurch wird aber ein guter Teil der Ernte für das nächste Jahr zerstört., Auch wird infolge des zu frühen Aberntens viel unreifes Obst in den Handel gebracht. Ferner ist be­obachtet worden, daß für daS Obst in den Terminen vom 15. bis 20. September viel bessere Preise bezahlt wurden, wie in den 14 Tagen früher abgehaltenen Terminen. Die Herren Bürgermeister wollen daher Sorge tragen, daß die Verkaufstermine für da« Gemeindeobst nicht vor dem 15. September statt­finden.

8 Das städtische Obst wird am 30. August und 1. September versteigert.

§ Strafkammer. (Ferienfitzrmg). Im weiteren Verfolg der gestrigen Sitzung hatte sich der schon vielfach vorbestrafte Schmied Adam Schmidt aus Josbach, geboren im Jahre 1860, zu verantworten. Schmidt besuchte in zudringlicher Weise am 8. Juni den Schuhmacher Barthel in Leidenhofen. Hier be­nutzte er eine günstige Gelegenheit und entwendete Schuhe, eine Kleiderbürste und sonstige Sachen. Am 11. Juni stahl er einem Knecht namens Stey in Schönbach eine Hose und ein Portemonnaie und am 15. Juli einem Pferdehändler in Kirä hain eine Kar­tätsche. Schmidt wurde zu 1 7 '< und 9 Monaten Zuchthaus und 2 Jahren Eh' ult verurteilt Die Dienstmagd Anna Kath. )t aus Neukirchen, eine schon vielbestrafte Person, entwendete ihrer Herr­schaft mehrere Tücher und verkaufte sie der Händlerin Meherson. Während nun die erstere wegen Diebstahl unter Anklage stand, hatte sich die letztere wegen Hehlerei zu verantworten. Das Gericht verurteilte die Gerhardt zu 4 Monaten und die Meyerson zu 1 Woche Gefängnis. Wegen Betrugs war ein bis jetzt noch unbescholtener alter Gasthofbefiher zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Ihm wurde zur Last gelegt, im Jahre 1902 gelegentlich des Ver­kaufs feiner Wirtschaft seinen Nachfolger um die Summe von 68 Mk. betrogen zu haben. Das Gericht war der Ansicht, daß der Angeklagte doch rechtswidrig gehandelt habe und erkannte auf Verwerfung der Berufung.

T Wermertshausen, 25. Aua. Zuverlässigem Vernehmen nach wird die neue Bahnstrecke von Lau­bach nach Mücke, welche bekanntlich schon am 1 August d. Js. in Betrieb genommen werden sollte, nunmehr bestimmt am 1. Oktober l. Js. in Betrieb gesetzt. Für das Städtchen Laubach wird dies ein sehr bedeutungs­voller Tag werden, wird doch damit der bisherige Sackbahnhof die Bahn endete bislang in Lau­bach vom 1. Oktober ab Durchgangsbahnhof und hat alsdann Laubach Bahnverbindung nach Norden und nach Süden. Wie auf der Linie Hungen- Laubach werden auch auf der neuen Strecke Laubach- Mücke voraussichtlich täglich 5 Züge in jeder Richtung verkehren.

n. Lohra, 25. Aug. Nachdem unser Schulneubau anfangs dieses Monats durch einen Kommisiar der Königl. Regierung zu Kaffel in Begleitung des Herrn Bauinspektors Heppenstiel zu Marburg einer ein- gehenden Besichtigung unterzogen wurde, ist die end- giltiae Schlußabnahme des gesamten Baues auf den 15. September festgesetzt worden. Die offizielle Ein­

weihung des neuen Schulgebäudes soll an demselben Tage stattfinden, wogegen der Unterricht in den neuen Räumen erst nach den Herbstferien beginnen dürfte.

CI Oberrosphe, 26. Aug. Zu dem gestern er­wähnten Einstürze des Schulbaus-Neubaues wird uns von beteiligter Seite noch mitgeteilt, daß das Gebäude nur zum Teil im Rohbau fertig war les war das Erdgeschoß ganz und der erste Stock etwa bis zur Hälfte aufgeführt.) Es ist nur der nordwestliche Giebel und Teile der daranstoßenden Längswände eingestürzt. Die Ursache dieses Schadens ist aller­dings in den starken Niederschlägen der letzten Zeit, namentlich aber des am Sonntagabend nieder­gegangenen schweren Gewitterregens zu suchen. Die Untersuchung dieses Vorfalles fand gestern durch Herrn Regierungs- und Baurat Heckhoff aus Cassel und Herrn Kreisbauinspektor Hippenstiel von Marburg statt. Das amtliche Protokoll kann jedenfalls im Zweifelfalle auf Königl. Landratsamte eingesehen werden

= Neustadt, 26. August. Gestern abend gegen IO1/- Uhr wurde die Bürgerschast durch Feueralarm erschreckt. Man glaubte, ein außerhalb der Stadt telegenes Wohnhaus brenne. Schnell war die Pflicht- euerwehr zur Hand, die glücklicherweise nicht einzu- ireifen brauchte, da es sich herausstellte, daß ein im og. .Hainseld" stehender Strohhaufen brannte. Die Flammen schlugen hoch auf, sodaß die Dächer der Häuser hell erleuchtet und die Uhr am Kirchturme weithin sichtbar war. Der Eigentümer des ver­brannten Strohhaufens, Herr Vomschloß, hatte gestern das Stroh erst angefahren. Man nimmt an, daß Brandstiftung die Urfache sei,

Hessen-Nassau und Nachbargebiete

Kassel, 25. August. Ihre Majestät die Kai­serin, Prinz Eitel Friedrich, der Herzog von Koburg-Gotha unternahmen heute morgen mit Ge­folge den gewohnten Spazierritt durch die Rasen­allee nach dem Herkules und kehrten in Wagen zurück. Soweit bestimmt, werden Ihre Maje­stäten der Kaiser und die Kaiserin Freitag Abend nach dem Festmahl in Kassel nach Potsdam ab- reisen. Die Musikkapellen der Infanterie- Regimenter Nr. 71 und 83, welche während der kaiserlichen Festtafeln im hiesigen Residenzschlosse am Donnerstag den 27. und Freitag den 28. August, abends 7 Uhr, die Tafelmusik ausführen, sind bereits heute nachmittag mit dem Thüringer Personenzuge aus dem Manöver hier ange­kommen.

Kastel, 25. Aug. Zur gestrigen Mittags­tafel bei der Kaiserin war u. a. Oberpräfident Graf Zedlitz-Trützschler mit Gemahlin geladen.

Kastel, 26. August. Die Rückkehr Seiner Majestät des Kaisers von Homburg wird heute abend gegen 71/, Uhr erfolgen. Ihre Majestät die Kaiserin unternahm gestern nachmittag mit der Prinzessin Viktoria Luise eine Spazierfahrt durch die Tulpenallee am Lindenberg entlang und dem neuen Wafferfall zurück nach dem Schlöffe, wobei die Prinzessin selbst daS kleine Schimmelgespann lenkte. Oberhalb deö Ge­wächshauses wurde Ihrer Majestät der Kaiserin wieder ein Bittgesuch von einer auswärtigen Dame überreicht.

m. 2e«»orf, 25. Aug. Herr Lehrer Möller dahier bezog mit den entsprechenden Feierlichkeiten das neue Schulhaus.

Schmallenberg, 25. August. Einen riesigen Aufschwung hat der Beerenhandel genommen. Es ist keine Seltenheit, daß man täglich aus den Sta­tionen der Nebenbahn FredeburgAltenhunden hunderte von Körben mit Waldbeeren und jetzt auch Preißelbeeren verladen sieht. Die Him­beeren werden in großen Fässern versandt. Manche Familie sichert sich alljährlich durch Beerensuchen ein erkleckliches Sümmchen.

Mühlhausen, 24. August. Ein Opfer seines Berufes geworden ist der im 49. Lebensjahre stehende Dr. med. Schloß dahier. Er hafte sich, demMühlh. Anzeiger" zufolge, bei einer Ope­ration eine Mutvergiftung zugegogen, deren Folgen er nach vierzehntägigem Krankenlager gestern abend erlegen ist.

Fulda, 26. Aug. Eine große Feuersbrunst entstand heute nacht. Eine bewohnte Scheuer deS Fabrikanten Kind, Stallungen und Scheuern des Spediteurs Feuerstein, Kontor und Magazin der Norddeutschen Wollkämmerei find gänzlich abgebrannt. Der Schaden beträgt, laut »Kaff. Tagebl.", etwa 500000 Mk.

Hana«, 25. Aug. Ein Soldat des hiesigen Infanterie-Regiments, der Musketier Friedrich Michel, war am Sonntag nach Niederrad be­urlaubt, woselbst er zu später Stunde in einer Wirtschaft einkehrte und warmes Effen verlangte. Als ihm bekundet wurde, daß er das Verlangte nicht mehr haben könne, verlies er unter Schimpfen daS Lokal. Zwei am Bierschalter stehende Einwohner aus Niederrad, Vater und Sohn, scheinen die Schimpsworte auf sich be­zogen zu haben und gingen dem Soldaten nach. Bald kam e8 zum Zusammenstoß, wobei der Soldat daS Seitengewehr zog und den Beiden nicht ungefährliche Wunden beibrachte.

Herborn, 24. Aug. (Marktbericht.) Auf dem gestern abgehaltenen 9. diesjährigen Marti waren aufgetrieben 554 Stück Rindvieh und 648 Schweine. Es wurden bezahlt für Fettvieh und zwar Ochsen 1. Qual. 72 bis 74 M, 2. Qual. 68 bis 70 dt, Kühe und Rinder 1. Qual. 65 bis 67 dl, 2. Qual. 55 bis 60 dl. Aus dem Schweine­markt kosteten Ferkel 30 bis 45 dl, Läufer 50 bis 80 dl und Einlegschweine 100 bis 130 dl. Der nächste Markt findet am 28. September statt.

Eisenach, 25. August. Der Großherzog und die Großherzogin von Sachsen-Weimar hielten heute nachmittag unter Glockengeläute ihren feierlichen Einzg in die Stadt Eisenach.

Hochschulnachrichten.

Der Honorarproseffor der Botanik an der Heidelberger Universität, Dr. Eugen Askenash, ist, 58 Jahre alt, gestern in Sulden in Tirol gestorben. Er war von Gebuft Rüste und feit 1872 hier im Lehramt tätig.

Für die Nebcrschwemmte« in Schlefie« gingen ferner bei uns ein: Ungenannt 1 Mk., H.Th., Betziesdorf 4 Mk.

Weitere Gaben nimmt entgegen die Expedition der »Oberheff. Zta/.

Eingesandt.

Sät bfe unter tiefer Rubrik veröffentlichte» Artikel übernimmt die Äebettiin mir die »reßgeletzli-be 4<er»ttoortnnfl, nicht «*er die eee Publikum geaenüber.

Die gestrige Notiz »Automobilgeseh" beft. darf nicht unbeanwortet bleiben, sollte dadurch nicht ei« falsches Bild entstehen. Als f. Z. die ersten Eisen­bahnen gebaut wurden, wurde auch verlangt rings­um Bretterwand zu errichten, da das Erscheinen eine! Zuges der »Gesundheit schädlich wäre". Und wie er« gmg es anderen Erfindungen sowie vor nicht ganz 10. Jahren dem Fahrrad? Die deutsche Regierung wird sich wohl hüten, einer jungen und aufblühenden Industrie, welche lOOtaufenbe von Arbeitern be- schästigt, durch ein fcharfes Gesetz den Garaus zu machen. Ein Autler.

(Bem. d. Red.: Das will die Regierung selbst­redend nicht tun, sondern es soll wacker weiter ge­autelt werden. Nur will man Fürsorge treffen, daß dies nicht auf Kosten der Gesundheit anderer Leut« geschieht.)

Neueste TeLeMKMm-

Berlin, 26. August. DerLokalanzeiger" berichtet aus Budapest: Bei dem Brande des Goldberg'schen Warenhauses sind auch 8 Mit­glieder der Feuerwehr mehr oder minder schwer verletzt.

DieMorgenpost" berichtet aus Rom: Jtalie" meldet, die Polizeipräfektur ergreife schon jetzt Vorsichtsmaßregeln für die Ankunft des Zaren in Rom. Die Personalien der Hausbewohner und Ladenbesitzer der von dem Kaiser zu passieren­den Straßen werden geprüft. Die Polizei stellt eine Liste aller verdächtigen Personen auf.

Durch die jüngsten Eisenbahnunfälle ver­anlaßt, weist der Eisenbahnminister in einer Ver­fügung an die Direktionen darauf hin, daß die S'"ngften Unfälle meist durch Außerachtlassung he­mmtet Vorschriften oder durch Unaufmerksam­keit veranlaßt sind. Er beauftragt die Direktions« Präsidenten den Beamten genaueste Beachtung der Vorschriften einzuschärfen, sowie unausgesetzt und eingehend die pünktliche Ausführung der Vor­schriften zu überwachen.

Die Voss. Ztg." meldet: Anläßlich deS Bu­dapester Warenhausbrandes entsandte derVerbaad deutscher Waren- und Kaufhäuser einen Verfteter dorthin, um einen zutreffenden Bericht über Ent­stehung und Verbreitung deS Feuers zu ent­werfen.

Budapest, 26. August. Durch den starken Wind ist der bisher von Feuer verschont ge­bliebene 1. Stock des Warenhauses von Gold­berger in Brand geraten. Die Feuerwehr be­kämpft denselben von den Leitern auS. Leichen find bis jetzt noch nicht gefunden.

Paris, 26. August. Der Bischof Lurinaz in Narch richtete an den Präsidenten deS Departements Meurthe-et-Moselle ein Schreiben, in dem er sagt, daß die französische Regierung kein Recht habe, den Bischöfen die Wahl ihrer Priester zu verbieten. Er kündigt an, er werde sich an den Staatsrat wenden und beklagt, daß das Gesetz nicht gestatte, den Präsidenten vor Gericht zu laden.

Paris, 26. August. Therese und Fredcric Humbert unterzeichneten gestern Abend die Be­rufung, Emil und Romain Daurignac unterzeich­neten nicht.

Kopenhagen, 25. Aug. Der Direktor von bet forende Dampfskibffelkabet legte, wie der Hafenarbeiterverband mitteilt, denHafenarbeitern der Gesellschaft einen ähnliche«, daS Verbot der Mitgliedschaft deS Hafenarbeiterverbandes 'ent­haltenden Kontrakt vor, wie ihn die Arbeiter seiner Zeit nach dem mißglückten AuSstande unterschreiben mußten. Der Grund hierfür ist, daß der Direktor erfahren hat, die Arbeiter be­absichtigen wieder in den Hafenarbeiterverband einzutreten, da die Gesellschaft ihrer Meinung nach den Kontrakt nicht gehalten hat. Die neuen Kontrakte wurden heute auf zwei Dampfern den Arbeiten vorgelegt, welche die Unterschrift verweigerten. Die Arbeit wird mit 40 Mann fortgesetzt. Die Gesellschaft ließ die im Hafen anwesenden, bei den Schiffen nicht beschäftigten Arbeiter durch die Polizei vom Platze weisen.

Kapstadt, 25. August. Im Parlament bracht« Burton den Antrag ein, einen obersten Gerichts-. Hof einzusetzen zur Prüfung ber unter dem Stand- recht abgegebenen Urteile und einen Appellations­hof, der sich mit abgelehnten und unvollständig erfüllten Entschädigungs-Ansprüchen zu befassen haben werde. Premierminister Sprigg erwiderte, der Antrag sei unausführbar. Die bestehenden Kommissionen hätten 60 000 Ansprüche geprüft und hätten noch 25 000 zu erledigen. Die Re­gierung trete dem Antrag entschieden entgegen. Er beantrage, Absetzung des Antrages Burtons von der Tagesordnung. Der Antrag des Pre­mierministers wird abgelehnt, Burtons Antrag mit 82 gegen 22 Stimmen angenommen. Darauf vertagte sich das Haus.

Marktberichte.

Kassel, 24. Aug. (Viehmarktsbericht) Schlacht­vieh. Es kosten die 50 kr Schlachtgewicht von Ochsen I. Qualität 72-74 Mk., II. Qualität 69-71 Mk., III. Qualität 6668 Mk., Bullen I. Qualität 66 biS 68 Mk., II. Qualität 64-65 Mk , Kühe I. Qualität 68-70 Mk., n. Qualität 65-67 Mk , IN. Qualität 62-64 Mk, Schweine I. Qual. 58-60 Mk., II. Qual. 53-55 Mk., IIL Qualität 50-53 Mk., Kälber da« 'h k? Fleischgewicht 65-70 Pf . Hammel 65-70 Pf. Austrieb: 30 Ochsen, 8 Bullen, 56 Kühe, 21 Rinder, 167 Schweine, 32 Kälber und o Hammel.

Geschäftliche Mitteilungen.

Der Firma Ph. Maysafth & Co in Frankfurt a. M. wurde auf der unter dem Protektorate des Köniws der Belgier stehenden Ausstellung in Brügge di« höchste Ausreichung Grand Prix und 2 golden« Medaillen zuteil.

Rotationsdruck.

Verantwortlich für die Redaktion: Frhr, v. Wangenheim in Marburg.