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mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsveilager Jllustrirtes Lorrntags-latt.

(9la<6brud verboten.)

Ein Pslasterlied

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saß hinten auf.

(Fortsetzung folgt.)

zösischer Justizminister gewesen war, aber in der Hauptsache doch nur, weil sie für fabelhaft reich galten. Es ist eine Tatsache, daß bei den Hum­berts eine große Zahl von hochgestellten Persön­lichkeiten verkehrte, daß Stellenjäger um ihre Pro­tektion baten, und mancher Herr würde wahr­scheinlich wenig erbaut gewesen sein, wenn seine ehrfurchtsvollen Dankesbezeugungen an die Huld- volle Gönnerin Therese der Oeffentlichkeit über­geben worden wären. Das ist eben das Charak­teristische bei der heutigen französischen Republik, daß der Tanz um das goldene Kalb eine Ausdeh­nung gewonnen hat und behält, wie sie selbst unter Napoleon III. nicht größer war. Seitdem aus dem Haushalt des Präsidenten Gr6vy die Tatsache fest­gestellt wurde, daß sein Schwiegersohn Wilson die Rechnungen der Lieferanten mit Orden bezahlte, hat man sich selbst in Paris daran gewöhnt, über nichts mehr zu staunen. Aber cs bleibt doch er­staunlich, wie so dreiste Schwindler, wie die Hum­berts es waren, lange Zeit eine so glänzende Rolle spielten konnten.

Es ist Vorauszusehen, daß die Angelegenheit mit dem Urteilsspruche noch nicht ganz erledigt ist, in irgend einer Form wird schon noch ein Nach­spiel kommen, das vielleicht keine grßen Züge, aber um so mehr bissige Seitenhiebe und scharfe Nadelstiche für manche Persönlichkeit aufweisen wird. Labori glaubt noch nicht genug für seinen Advokatenruhm getan zu haben, und er wird das, möglichste aufbieten, daß künftig wenigstens noch der Schimmer einer Sensation erweckt wird. Wir haben uns in Deutschland über die Dreistigkeit und Gewissenlosigkeit eines Trebcr-Schmidt und Genossen gewundert; aber gegen die Humberts ge­rechnet. waren sie die reinen Waisenknaben. Man fragt sich: Wie muß der Boden beschaffen sein, auf welchem solche Sumpfpflanzen so üppig gedeihen konnten?

Nach den Moorwicsen, Herr Assessor." Ei, ei, so förmlich, mein lieber Herr Referen­dar," lachte Forstassessor von Schulz.

Schierstedt stimmte fröhlich, wenn auch etwas gezwungen, mit ein. Was hatte er nur, daß das Zusammentreffen mit dem allgemein beliebten älteren Kollegen ihn so aus dem Geleise brachte? Wunderlich genug, aber als er nach Austausch einiger Worte seinen eigenen Weg wieder weiter­ging, führten seine Gedanken Lore stets mit dem Assessor zusammen.

Schulz war ein besonderer Günstling des Forst­meisters Braun und als socher ein gern gesehener Gast in der Obcrförsterei Schwarzbach; auch Oberst von Röder wollte ihm wohl. Eine kurze Reise hatte den Assessor fern gehalten, sonst Ware er sicher Wohl schon mit t em jungen Mädchen zu­sammengetroffen, welches ihm ganz unbekannt war, da Schulz erst seit einem Jahre in der Ge­gend war. Schierstedt kannte den Zauber, den die liebenswürdige und doch so männliche Erschei­nung des Forstassessors auf weibliche Herzen aus- iibte.

Lore, der Gegenstand all dieser Wünsche und Befürchtungen, saß indessen ahnungslos neben ihrem Pflegevater in dem kleinen Wagen, der sie nach der Stadt bringen sollte. Mit lieblicher Be­fangenheit war das reizende Kind ihm am Morgen begegnet, doch als der Oberst sie ganz unbefangen begrüßte er hatte am Vorabende wohl gement daß seine unbefangene Zärtlichkeit Lore erschreckt hatte und beschlossen, die Sache behutsam anM- fassen atmete sie erleichtert auf und verlachte sich heimlich ihrer dummen Befürchtungen wegen. Fröhlich plaudernd nahm sie den Platz neben Röder ein, der selbst die Zügel fiihrte, Stegfne»

ob er im Stande fein wird, die Interessen feines engeren Vaterlandes den höheren Gesichts­punkten auch nötigenfalls zum Opfer zu bringen."

Lassen diese beiden Preßstimmen bereits erkennen, daß das Vertrauen der Konser­vativen und Nationalliberalen zu Herrn von Stengel nur bedingt ist, so kann man von dem männlichen Freisinn getrost annehmen, daß er dem Staatssekretär offenes Mißtrauen entgegenbringt. Eugen Richter beschäftigt sich in seiner menschenfreundlichen Art mit ihm und schreibt ihm zur Erbauung u. a. folgende Zeilen ins Album:

Frhr. v. Stengel ist feit 20 Jahren bei ReichStagSverhandlungen, im Bundesrat, Plenum des Reichstages und in Kommissionen anwesend gewesen. Er weiß also Bescheid auch auf den Hintertreppen und in den verdeckten Winkeln deS Etats. Aber er ist kein Minister, der durch die Art seines persönlichen Auftretens das Ge­wicht seiner Stellung zu, verstärken vermag. Ein Finanzminister muß im persönlichen Ver­kehr noch um einige Grade liebenswürdiger fein, als ein anderer Minister. Frhr. v. Stengel aber hat in der Art seines Auftretens etwas Schroffes, Steifes, Bureaukratisches, waS ihn keiner Partei sympathisch macht. In larmoy­anter Tonart sind seine Ausführungen gehalten, mit ihm zu verhandeln, muß schwerer, sein, als mit irgend einem seiner Vorgänger im Amte. Auch ein Finanzminister muß selbst, in einem streng konservativen Ministerium gewisse liberale Allüren haben. Dem Fphrn. v. Stengel wird nichts dergleichen nachgesagt, er macht überall den Eindruck eines starren Absolutisten, der da8 Vaterland gefährdet erachtet durch jede Zu­wendung an den Konstitutionalismus. Frhr. v. Stengel kopiert Herrn v. Miquel, aber ihm fehlt die Gewandtheit jenes verschlagenen Ministers."

DieFreis. Ztg." fügt an anderer Stelle hinzu, Frhr. v. Stengel sei berufen als Minister für neue Steuern. Je klarer dieses Programm hervortrete, um so schwerer werde es der im Reichstage ausschlaggebenden Zentrumspartci werden, sich auf solche in beträchtlichem. Um­fange einzulaffen. DieFreis. Ztg." nimmt an, daß es zur Reichstagsauflösung kommen werde, wenn die Pläne des neuen Kriegs­ministers und des Marinekabinetts scheitern.

DieKaiserinsel'

Die erfolgte Verhaftung des verantwortlichen Redakteurs des Berliner sozialdemokratischen BlatteSVorwärts" spricht dafür, daß eS der Regierung bitterernst ist mit der Absicht, vor Gericht feststellen zu lassen, von welcher Seite die seltsame Geschichte über dieKaiserinsel" ausgegangen ist. Es ist eigenartig, daß so häufig derartige Erzählungen, welche angebliche Pläne, Gedanken oder Aeußerungen unseres Kaisers zum Mittelpunkt haben, verbreitet

Roman von I. Jobst.

IFmcksetzung.I

Lustig flog der Gruß hinüber zu dem jungen Mädchen, indessen der Fuß im Weiterschreiten einen Augenblick anhielt, doch schine Hans jetzt die würdige Respektsperson zu entdecken, die so dicht neben Lore stand, als gehöre ihr der Platz von Rechts wegen. So begnügte sich Schierstedt damit, heimlich festzustellen, daß eine dunkle Röte über Lores Gesichts flog, als sie seinen Gruß erwiderte. Noch einmal so stolz trug er seinen hübschen Kopf, während er federnden Schrittes im Walde ver­schwand.

Die ist mir sicher," zog es durch Schierstedts Gedanken nichts würde seiner Siegeslaufbahn Einhalt tun.

Trunken vor Glück und Leidenschaft flogen seine Blicke waldeinwärts und seine Arme hoben sich, als wollte er die Geliebte umfangen. Wie schön sie war, wie unschuldig und rein, einer schlanken Lilie gleich. ,

Jetzt konnte Hans die Begeisterung seines gut­mütigen launigen Cbefs begreifen, jetzt, wo er Lore kannte. Auch Fräulein Braun verhätschelte ihren Liebling und das junge Mädchen vergalt es ihr mit unendlicher Geduld, indem sie auf die vielfachen Schrullen des ältlichen Fräuleins liebe­voll einging. Alles war ihr zugetan und darum galt es, so rasch wie möglich der Begünstigte zu werden Wer konnte wissen, wann und wo ein zweiter Bewerber auftaucheu würde? Die Stadt war nahe ,der Bekanntenkreis groß, und Schier­stedt, der erst seit kurzem hier war, kannte die Fäden nicht, die Lore mit den Freunden der Kind­heit verbanden.

werden, und man kann über die Absicht, ht welcher die Verbreitung erfolgt, nicht wohl im Unklaren fein. Solche Geschichten finden sich noch viel häufiger in fremden Zeitungen, namentlich in englischen und amerikanischen, und man muß die Unverdrossenheit beinahe be­wundern, mit welcher das tollste Zeug immer von neuem aufgetischt und breit ge­treten wird. DaS Treiben ist kleinlich,, um so mehr, als unschwer zu erkennen ist wie diese Nachrichten entweder jeder Spur von Greif­barem entbehren, oder in der ärgsten Weise entstellt sind, die Tatsache zu einem Zerrbild gemacht ist. Die Geschichte von der Kaiser­burg auf der Havelinsel Pichelswerder entspricht, ganz abgesehen von anderem, dem Charakter des Monarchen so wenig, wie nur irgendmög» lich, denn daß Kaiser Wilhelm II hohen persön­lichen Mut hat, weiß jeder. ES ist ja wohl möglich, daß der Redakteur deSVorwärts" die Sache für ziemlich zutreffend in einzelnen Punkten gehalten hat; um so eher wird er sagen können, wer hinter der ganzen tollen Geschichte steckt.

Einnahmen auS Zöllen und Ver­brauchssteuern.

Die Jsteinnahme an Zöllen und Verbrauchs­steuern hat während des ersten Drittels deS laufenden Etatsjahres 264,9 Millionen Mark oder 13,2 Millionen Mk. mehr als im gleichen Zeiträume des Vorjahres betragen. Von dem Mehr entfallen 7,9 Millionen auf die Zölle, 11,5 Millionen auf die Zuckersteuer, 0,7 Mill, auf die Salzsteuer, 1,8 Millionen Mk. auf die Branntweinverbrauchsabgabe, 0,8 Millionen auf die Brennsteuer, die bekanntlich nur einen durch­laufenden Posten bildet. Dagegen weist die Maischbottichsteuer ein Minus von 8,2 Mill. Mark auf, bei den übrigen Verbrauchssteuern waren kleinere Weniger zu verzeichnen. Man ersieht, daß das Mehr gegenüber dem gleichen Zeiträume des Vorjahres in der Hauptsache auf die Zuckersteuer zurückzuführen ist, man wird aber gut tun, nicht auf eine andauernde ebenso günstige Einwirkung dieser Steuer auf daS Gesamt-Einnahmeergebnis der Verbrauchssteuern zu rechnen, da mit dem 1. September d. IS. der geringere Zuckersteuersatz in Kraft treten wird. .

Was die übrigen Einnahmen betrifft, über die Ausweise für das erste Jahresdrittel vor­liegen, so haben die Reichsstempelabgaben, die vom Reiche an die Einzelstaaten überwiesen werden, insgesamt ein Weniger von 7,7 Millionen Mark erbracht. Von denselben entfallen 6,8 Millionen auf die Börsen- und 0,9 Millionen Mark auf die Loosesteuer. Die tatsächliche Einnahme be­lief sich bei der Börsensteuer auf 8,9, bei der Loosesteuer aus 9,8 und beim Schiffsfrachtur­kundenstempel auf 0,3 Millionen, zusammen auf 19 Millionen Mark. Bedenkt man, daß diese

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 3JIL, bei allen Postämtern 2,25 Mk. <exci. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: dir gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch, 26. August 1903.

Aus Paris.

Die Humberts sind verurteilt; für einen Hundert-Millionen-Schwindcl sind 5 Jahre Ein- -sperrung gerade nicht viel, aber an der Seine scheint man schon zufrieden zu fein, daß überhaupt eine Verurteilung erfolgte, und daß der Republik die Blamage erspart blieb, folche abgefeimte Hal­lunken vom Volksgerichtdem Schwurgericht freigesprochen zu sehen. Die Enthüllung, welche die Hauptaugeklagte Therese Humbert unmittel­bar vor der Beratung der Geschworenen machte, war nicht ungeschickt. Sie stellte den seit siebzehn Jahren verstorbenen Regnier, der im September 1870 im Auftrage der Kaiserin Eugenie den in Metz eingeschlossenen Bazaine aufjuchte, um über den Sturz der eben erst gegründeten Republik und die Widerherstellung des nach Sedan zusammenge­brochenen Kaiserreiches mit Bazaine zu verhan­deln, als den Geldgeber Crawford hin, und da Regnier 1874 wegen Hochverrats und Spionage in contumaciam verurteilt ist, so hätte dieser Ap­pell an den Chauvinismus der Geschworenen wohl Erfolg haben können, wenn Therese Humbert nicht durch ihre früheren Phantastereien ihre eigene Glaubwürdigkeit völlig ruiniert hätte. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß weder Regnier, noch sonst jemand etwas mit den den Humberts versprochenen oder angeblich gehörigen Millionen zu tun hatte, daß also diese Millionen, auf Grund Kredit zu erschwindeln gewußt hatten, überhaupt nicht vorhanden waren. Neber diese Betrügereien ist das Urteil gesprochen, es fragt sich nur, ob die Humberts wirklich imstande gewesen sind, einen neuen Skandal nach Art des Panama-Unfuges herbeizuführen. Die Pariser ZeituAgen bestreiten es hinterher, aber am Ende ist doch mancher re­publikanischen Große ein Stein voin Herzen ge­fallen.

In diesem gangen Humbert-Prozeß, der drei Wochen gedauert hat, ist das interessanteste Mo­ment die Behauptung des Verteidigers, des Rechtsanwalts Labori, daß au§ den Akten gegen die Humberts sehr kompromittierende Schriftstücke verschwunden seien, bevor die Akten dem Unter­suchungsrichter zugegangen sind. Die Stelle, an welcher die Entfernung vorgegangen fein soll, ist nach Laboris Behauptungen, das französische Justizministerium gewesen. Ist daS wahr, resp. ist das unmöglich? Mau muß zugestehen, daß ein Beweis dafür, daß Labori Unrecht hat, nicht er­bracht ist; und daß an der Seine Vieles Passieren kann, beweisen die Vorgänge während der Pa­namageschichte, wo die französischen Geheimpoli­zisten sorgsam den Mann entwischen ließen, der am besten die Namen derjenigen Abgeordneten und sonstigen einflußreichen Personen hätte nennen können, die nur zu bereit gewesen waren, für Geld die der Panama-Kompagnie drohenden Ver­legenheiten aus dem Wege zu schaffen. Es ist also recht gut möglich, daß Labori Recht hat. Papiere, welche andere einer strafbaren Handlung beschul­digten, sind hier kaum in Frage gekommen, wohl aber hätten sie gewisse Leute der Lächerlichkeit überliefert, und der republikanischen Geradheit und Tugend einen Stoß versetzt.

Es muß daran gedacht werden, welche Rolle die Humberts in Paris gespielt, zum Teil, weil der Schwiegervater Theresens eine Zeit lang sran-

Jn der Oberförsterei war bisher nichts der­gleichen laut geworden, aber der junge Mann kannte die Welt und besonders fein Geschlecht. Nur einmal brauchte Fräulein von Röder aus ihrer Zurückgezogenheit heraustreten und sie würde zur Königin ihres Kreises werden, zudem sie allgemein als Erbin und Adoptivtochter des vermögenden Pflegevaters angesehen wurde.

Vorsichtig hatte er gestern beim Mittags- ti'ch bei seinen Kollegen angeklopft, aber niemand kannte das junge Mädchen, welches fo lange von Hause fort war. Seine Fragen hatten jedoch schon deren Neugierde geweckt, das schöne Wild würde bald ausgespürt werden. In seinen Gedanken ließ er die Reihe seiner Freunde an sich vorüber­gehen. War einer da, der sein begünstigter Neben­buhler werden könnte? Kopfschüttelnd beantwor­tete er die Frage sich selbst. Nein, da war keiner, der sich mit ihm messen könnte, keiner. Und wenn auch er, Hans von Schierstedt, war sich seiner Vorzüge so sehr betoiißt, er wollte und mußte siegen.

Uebermiitig entfuhr seinen Lippen in hellem Pfeifen eine Jägerfanfare, leuchtenden Auges flog fein Blick die schmale Schneise hinauf, die in luf­tigem Auf und Nieder fchnurgerade durch das Waldesinnere verlief. Tyras, der Hühnerhund, war etwas voraus, doch nun stand er still und schnupperte in die Luft. Er witterte wohl den Kameraden, der auf dem ansteigenden Wege sicht­bar wurde und seinerseits stand wie eine Mauer.

Nun, Hektor, mein Hund, was gibt's?" er­tönte eine klangvolle Stimme, deren Träger noch nicht sichtbar war.

Schierstedt fuhr zusammen. Daß er den ver­gessen konnte! Eine mächtige Gestalt wurde sicht­bar, die kleidsame grüne Uniform verriet den Forstmann, blitzende blaue Augen spähten nach ihm aus, bis der Ruf zu ihm erklang:Sieh da, Schierstedt, wo foll's denn hin, Kamerad?"

Umschau.

Preßstirnrnetr zum Wechsel im Reichs- schätz amte.

Auf die erste, überraschende Nachricht von der Ernennung des Frhrn. von Stengel zum Reichsschatzsekretär hin hatte die führende deutsche Presse durchgängig einem Gefühle der Befriedigung über diese Wahl Ausdruck gegeben. Seither ist die Stimmung etwas abgeflaut und man beginnt jetzt tüchtig Waffer unter den Wein zu mischen. So schreibt dieKreuz- Zeitung" : . . .Was nun die Beseitigung der Schwierigkeiten betrifft, so wird sich auch der neue Herr" im Reichsschatzamte gesagt sein lasten müssen, daß es das beste Mittel, Vor­lagen erfolgreich vorzubereiten, ist, wenn die Negierung mit den in Betracht kommenden Parteien vorher Fühlung nimmt und nicht erst, wie das in den letzten Jahren üblich geworden ist, aufgrund fertiger Entwürfe Vereinbarungen zu treffen sucht."

DieNat.-Ztg." läßt sich über denneuen Mann" aus München u. a. berichten:Man kennt Herrn v. Stengel als einen sehr guten bayerischen Patrioten; die Zukunft muß lehren,

Erscheint wöchentlich sieben mal. i

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UniversitatS-Buchdruckerei 38, Jühlg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Der Rammler rammelt, daß eS kracht.

Was wird denn neues hier gemacht?

Aus allen Fenstern recken dicht

Die Hälse sich und jeder spricht:

Sieh nut, wie fein das wird, und merk: Das ist des Bürgermeisters Werk.

Faulheit war nie fein Laster?

Und was er faßt, das faßt er. '.

Mit Hülfe des Kataster Giebt er uns neues Pflaster.

Sein Ruhm war stets schon groß; jedoch Vor dieser Tat verblaßt er.

Bisher stieß man den Fuß sich wund;

Wundpflaster nannten wir's mit Grund: Als ging es über Stock und Stein. Man fiel in Fallgruben hinein.

Bald war's ein Ruck, bald war's ein Sturz, Man trat vorbei, man trat zu kurz. Und nichts war mir verhaßter.

Vorbei ist das Desaster.

Jetzt Stein zu Steine paßt er,

Und blank, wie Alabaster,

Und glatt gebahnt, als wär's Parkett, So ist das neue Pflaster.

Die Stiefel, die von Nägeln starr'n. Vertausch' ich jetzt mit weichen Schlarr'n. gcht kann ich doch nach Mädeln spähn hn' einen Fehltritt zu begehn.

Der das gemacht hat. ist ein Mann, Der reicht an Salon selbst heran, Ja, selbst an Zoroaster!

Der Bürger, geht zu Gast er

Und kehrt nachts heim zur Rast er, Raucht selig feinen Knaster

Und brummt: Jetzt find wir Großstadt bald.

Das macht das neue Pflaster.

B. Rh.