mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jttuftrirtes Sonntagsblatt.
Jtl 225
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Marburg
Dienstag, 25. August 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Verlag« Joh. Ang. Koch, Uniperfitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
38. Jahrg.
Wer trägt den Zoll?
- Als Material zur Beantwortung dieser Frage war kürzlich mitgeteilt worden, daß die in Frank- eich beschlossene Erhöhung des Eingangszolles nf Schafe von einem Fachblatte der österreichi
schen Viehhändler mit der Bemerkung begleitet worden war: „Um diese Zollerhöhung auszugleichen, müssen in Ungarn die Schafe um 7 bis 8 Heller per Kilogramm lebenden Gewichts zurückgehen."
Die Redaktion der „Mitteilungen des Handcls- vertragsvereins" hatte daraufhin so viel Geist, als ihr möglich ist, aufgewendet, um zu beweisen, daß jedenfalls nicht ungarische Schafe um 7 bis 8 HMw zurückgehcn könnten, sondern höchstens die Preise der ungarischen Schafe. Damit hatten die Gelehrten des Handelsvertragsvereins dem Redakteur jenes Viehhändlersblattcs gegenüber Recht, und das machte sie so stolz, daß sie ou5 dem ganzen Vorgang noch weitere Schlüsse zogen, für deren Beweiskraft aber ihr Geist nicht ganz zulangte. Sie behaupteten iveiter: Wenn auch nach jener Viehhändlermeinung die ungarischen Schaf- Preise, um den französischen Zoll auszugleichen, zurückgehen müßten, so folge daraus noch nicht notwendig, daß sie tatsächlich zurückgehen werden. Und deshalb sei cs unzulässig gewesen, daß die deutsche agrarische Presse den ganzen Vorgang als BeurteilnngSmaterial für die Frage verwertete: Wer trägt den Zoll?
Da es Geheimnis der Gelebricn des Handelsvertragsvereins blieb, warum diese Bezugnahme unzuläßig sein sollte, so ließ die agrarische Presse sich nicht abhalteu, jenes Argument weiter zu be- nützen. Besonders geschah dies auch in der Deutschen Agrarlorrespondenz — und dies hat nun dic^ Herren vom Handelsvertragsvcrein empört. Sie bezichtigen diese eines unerlaubt hohen Grades geistiger Armut und verlangen sehr eindringlich, daß man sich mit ihrer Widerlegung gefälligst beschäftige, ehe man die ungarischen Schaf- Preise noch weiter als BeweiSnusicrial für die Zollfrage benütze.
Wir wollen den Handelsvertragsgelehrten den Gefallen tun, sonst kommen sie anscheinend nicht zur Ruhe. Ihre Schlußkette hatte gelautet:
„Im sächsischen Wahlkreise des Herrn Dr. Oertel hatte nach dem Ausgang der Hauptwahl auch die^liberalc Presse gesagt: „Wenn Dr. Oertel in der Stichwahl siegen soll, dann müßten sijpit- liche Liberalen siir ihn ihre Stimmen abgebcn". Die Tatsachen haben dann aber gezeigt, daß die Liberalen nicht für Dr. Oertel eingetreten sind. Warum soll man also österreichische Schafe grammatikalisch anders behandeln?"
Warum man sie anders behandeln soll? Sehr einfach, werte Herren. Voraussetzung beim Schaf- handel war: „wenn der französische Zoll ausge- glichen werden soll" — dann „müßten die ungarischen Schafpreisc sinken".
Voraussehung bei Dr. Oertcls Stichwahl war: „w e n n er siegen solle" — dann „müßten die Liberalen für ihn stimmen". Letzteres ist nicht geschehen, also ist er nicht wiedergcwählt. Und wenn die ungarischen Schafpreisc nicht sinken: dann wird der französische Zoll nicht ausgeglichen. Was aber ist die Folge, „wenn dieser Zoll nicht ausgeglichen wird?" Offenbar: daß dann ungarische Schafe nicht mehr nach Frankreich importiert werden können!" —
3 (Nachdruck verboten.)
FrauLore.
Roman von I. I o b st.
tFortsetzung.)
"^blß die Lore jetzt was von der unseligen Geschichte?
„Das braucht sie noch nickst zu wissen," brauste der Oberst auf, „erfährt es, weiß Gott, noch früh genug! Sie ist mein Pflegekind und damit basta!"
„Was Du heute nur hast, Röder? Ich frage doch nur. weil ich Interesse an dem Kinde nehme und auch Dein Zorn soll mich nicht davon abhalten, das zu sagen, was ich mir schon lange vorgenom- mcn habe. Hast Du Lore adoptiert?"
„Wozu?"
. „Wozu? — Uni dem armen Ding Deinen ehrlichen Namen zu geben. Als Du das Kind Deiner Schwester nach deren Tod zu Dir nahmst, machte das Alter Deiner Frau eine Adoption unmöglich, ^hr habt, wie Du mir später erzähltest, die Zukunft des Kindes sichergestellt, indem Ihr ihr testamentarisch eine Summe Geldes vermacht habt."
„Wir mußten doch zuerst sehen, wie das Kind etnschlug," warf der Oberst ein.
„Gewiß. Aber jetzt — jetzt kannst Du es doch nachholen. Sieh' mal, alter Freund, wenn nun das Kind einen braven ehrenwerten Mann kennen lernt und hinterher erfährt er, daß da irgendwo noch solch ein Lump von einem Vater lebt, der plötzlich in seinem Gesichtskreis auftaucht und dessen Namen Lore trägt. Na, der Skandal wäre da und kann schon früher ausbrechen, wenn durch ein Ungefähr der wirkliche Name Lores bekannt wird. Tie Geschichte Nordmann-Steinbrück war
Die Gelehrten des Handelsvertragsvercins machten die bisher durch nichts erwiesene Voraussetzung: die Schafpreisc in Frankreich würden um den Zollbetrag steigen, dadurch „würde der Zoll ausgeglichen" und es würden daher die ungarischen Schafe auch ohne Preissenkung noch einsuhrfähig in Frankreich bleiben. Sonach seien die Folgen der französischen Zollauflage ein Beweis für die vom Handelsverein stets behauptete konsumverteuernde Wirkung der Zölle!
Da diese Voraussetzung bisher nicht einge- troffen ist, so bleibt für die agrarische Presse vollkommen das gute Recht bestehen, den ganzen Vorgang in ihrem Sinne als Material für die Beantwortung der Frage zu benutzen: „Wer trägt den Zoll?" und zwar im Sinne der Antwort:
1. Eine konsumverteuernde Wirkung der Zollerhöhung ist bisher nicht ersichtlich, also trägt vorläufig nicht dep französische Fleischesser den Zoll, sondern der Zoll bewirkt lediglich eine Erleichterung des heimischen Absatzes für französische Schafe.
2. Für die ungarischen Schafmäster und Viehhändler entsteht entweder der Zwang: die Exportpreise um 7—8 Heller zu senken, oder auf den Export zu verzichten.
Also der Ausländer trägt die Wirkungen des Zolles, entweder direkt durch Preissenkung — oder indirekt durch Verlust seines bisherigen Absatzgebietes.
Wir bitten also die Gelehrten des Handelsver- tragsvereins, cs uns nicht mehr Übel nehmen zu wollen, wenn wir auch fürder noch jenen Vorgang als Material zur Beurteilung der Zollwirkungen heranziehen. Und eine Frage wolle man uns noch gestatten: Warum wehrt sich wohl — wenn nicht der ausländische Exporteur, sondern der inländische Konsument unter allen Umständen durch den Zoll beschwert wird — warum wehrt sich dann das Ausland so gegen deutsche Agrarzollcr- höhungen und die deutsche Industrie so gegen aus- ländische Jndustriezöllc? — Offenbar doch nur, — weil unter bestimmten llinftäiiden eben nicht der Konsument, sondern der Exporteur den Zoll tragen muß. Von einem „Axiom" kann unter keinen Umständen die Rede fein!
Umschau.
Der Nachfolger des Freiherrn von Thielmann.
Der von uns bereits früher als bevorstehend erwähnte Rücktritt des Reichsschahsckretärs von Thielmann ist Tatsache geworden, nachdem er diesem schwierigen Amte sechs Jahre hindurch vorgestanden hat. An feine Stelle tritt der bayerische Staatsrat Freiherr von Stengel, der langjährige Bevollmächtigte Bayerns im Bundesrat. Das bedeutet nicht bloß eine gewisse Garantie für äußerste Sparsamkeit im Reiche, die Sparsamkeit ist Grundprinzip der bayerischen Finanzstaatsmänner, es bedeutet, auch ein prinzipielles Entgegenkommen gegen die einzelstaatlichen Wünsche aus Herbeiführung , einer Reichs - Finanz - Reform. Trotz alledem ist keinen Augenblick zu bergeff en, daß der Posten ein dorniger ist, und man kann nur, gerade herausgesagt, dem künftigen Leiter des Reichsschatz - Amtes — er ist ein geborener
damals, es sind ja wobl zehn Jahre her, in aller Leute Mund. Gut, das es keiner wußte, iver das kleine Mädchen ivar, daL Du bald nachher zu Dir nahmst."
„Nur Dir vertraute ich es an. Du hast bisher geschwiegen und wirft auch weiter schweigen."
„Gewiß; hab's auch der Schwester damals nicht anvertraut, denn Weiber können nicht schweigen. Aber ich rate Dir zu Lores Besten, wenn ich Dich bitte, das Kind zu adoptieren. Damit erfüllst Du nur das, was jetzt schon alle Welt glaubt. Dem elenden Vater wird damit auch jedes Anrecht genommen."
„Das hat er schon verwirkt. Ich bin alleiniger Vormund der Sore. Das Recht des Vaters ist vor dem Gesetz ungültig.
„Gut, aber es bleibt der Name." fuhr der Forstmeister hartnäckig fort.
Der Oberst schwieg.
„Ich meine cs gut mit Euch beiden," drängte Braun, Versprich mir, daß Du meine Worte ermäßen willst, alter Freund, Du wirst sehen, wie recht —"
Lautes Lachen, sich nähernde Schritte deuteten auf das Kommen der Hausgenossen, es drohte, dem ernsten Gespräch ein jähes Ende zu machen. Schon flog die schlanke, lichte Gestalt Lores allen :oran und stand auf der lichtumslossenen Schwelle der offenen Tür.
Wie gebannt blickte Oberst von Röder auf das süße Geschöpf, das ihn mit den Augen suchte. Sich von seinem Platze erhebend, drückte er heftig des Freundes Hand und sagte leise:
„Sie wird meinen Namen tragen."
Und Braun erwiderte den Druck; es fiel ihm ein Alp von der Seele. Wie sollte er ahnen, was der Oberst damit sagen wollte! Nicht der leiseste Verdacht stikg in ihm auf. catch dann nicht, als er
Pfälzer, wünschen, daß er von der bajuvarischen Ellenbogen - Kraft Gebrauch macht, um sich in Berlin unter den Räten des Kaisers die erwünschte Position zu sichern. Ein Bayer in der Reichsregierung schadet nichts! Bismarck würde sogar sagen: Wenn es bloß noch mal so viel wären! — Freiherr von Stengel ist in der Prcsie, namentlich in der süddeutschen, sehr sympathisch begrüßt worden. Allgemein wird ihm hohe Sachkenntnis und Verständnis für finanzielle Angelegenheiten nachgerühmt. Hermann Freiherr von Stengel ist am 19. Juli 1837 geboren, also bereits über 66 Jahre alt. Seit mehr als 40 Jahren steht er im bayerischen Staatsdienst, und seit fast 20 Jahren ist er stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat für Bayern und zugleich für das Herzogtum Sachsen-Meiningen. In den 70er Jahren wurde er als Rechnungsrat in das bayerische Finanzministerium einberufen und ist seitdem ununterbrochen in diesem tätig gewesen. 1879 wurde er zum Oberrechnungsrat und 1882 zum Ministerialrat befördert; 1884 wurde er stellvertretender BundeSratsb.evollmächtigter und gleichzeitig Mitglied der Verwaltung des Reichs- Jnvalidenfonds und des Reichsbank-Kuratoriums. Seit 1895 ist er Ministerialdirektor im bayerischen Finanzministerium und seit 1898 Staatsrat der Krone Bayern. Heber seine Anschauungen wegen der Reichsfinanz-Reform, die zu vertreten wohl seine Hauptaufgabe fein wird, hat er selbst einmal im Reichstage folgendes gesagt: „Diese Frage wird in Bälde ihrer Lösung entgegengeführt werden müssen, denn die Verhältniffe drängen zu sehr nach dieser Richtung. Man darf wohl auch vertrauen, die vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden; wo ein fester Wille ist, da findet sich bekanntlich schließlich auch ein Weg. ... Im Zusammenhang mit einer organischen Reichsfinanz - Reform würde ja wohl auch dem Wunsche nach einer planmäßigen Tilgung der Reichsschulden, sowie der Frage näher getreten werden können, ob nicht auch etwaige Heberschüsse in der eigenen Wirtschaft des Reiches hierzu Verwendung finden können. Zunächst aber müssen wir solche Heber« schüfse auch wirklich haben; gegenwärtig aber haben wir keine Heberschüsse, sondern wir stecken in einem Defizit, und die Kunst, mit einem Defizit Schulden zu tilgen, ist bis heute noch nicht erfunden."
Außenhandel des deutschen Zollgebiets in den Monaten Januar bis Juli 1903.
Nach dem soeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt herausgegebenen Juliheft der monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel beträgt in den sieben Monaten Januar bi§ Juli d. Js.:
1. Die Einfuhr in Tonnen zu 1000 kg; 26084 230 gegen 23869 231 und 25119 078 in den beiden Vorjahren, daher mehr 2 214 999 und 965152. Edelmetalleinfuhr 701 gegen 685
Lore sich zärtlich an die Schulter des Onkels lehnen sah und dieser einen Augenblick die zarte Gestalt fest an sich preßte. Bemerkte er doch nicht das heiße Aufleuchten der dunklen, blitzenden Augen, die in seltsam jugendlichem Gegensatz standen zn dem weißen, vollen Haar.
Fräulein Ursula Braun, die ältere Schwester und stellvertretende Hausfrau des verwitweten Forstmeisters und Referendars von Schierstedt einten sich jetzt auch dem Kreise, der noch eine Weile in munterem Plaudern zusammenblieb, ehe die Mitternachtsstunde die Fanfare zum Aufbruch blies.
Als Lore dem Onkel gute Nacht tvünschte, hielt er sie ein klein wenig länger im Arm, ihr tief in die schönen braunen Augen sehend, dann drückte et ihr zum erstenmal einen innigen Kuß auf den süßen Mund. Die Lippen eines Kindes hatte er berührt, doch der seltsame Ausdruck, der jäh in den sinnenden, träumenden Blick Lores trat, als sie sich in ihr Zimmer zurückzog, verriet das !vach- sende Weib.
Langsam schritt sie zum Fenster, um es zu schließen. Dämmernde Sommernacht lag über den Wäldern. Fragend suchten Lores Äugen das Heer der blitzenden Sterne, die da funkelten und winkten. Doch gaben sie keine Antwort auf den langen Seufzer, der aus einem langsam zur Erkenntnis erwachenden Mädchenherzen einpor- ftieg. Die erhabene Größe des unendlichen Firmaments legte sich mit erdrückendem Schweigen auf die junge Seele, deren Flügel sich regten.
Was wollte der Onkel von ihr? Was Schierstedt?"
War es bei beiden dasselbe? Auch die Augen des jungen Mannes hatten sie heute Abend mit demselben Ausdruck gesucht, wie soeben die des Pflegevaters. Schierstedts Stimme hatte in iebn-
unb 721. 31 von 43 Zolltarifnummern zeige» gegen das Vorjahr eine erhöhte Einfuhr, am meisten: Erden, Erze rc. (+ 784 351), Holtz (4- 492 221), Kohlen (4 398099), Getreide und andere Landbauerzeugniffe (4 288813X Abfälle (4- 162470), Erdöl (46 105), Steine (42330), Baumwolle rc. (35341, wovon 30006 auf Rohbaumwolle treffen). Stärkere Ausfälle zeigen Material- rc. Waren (— 56 678) wegen geringerer Rind- und Schweinefleisch-, Rosinen-, Herings-, Reis-, Thee-, und Salzeinfuhr trotz erhöhter Butter-, Apfelsinen-, rc. Korinthen-, Kaffee, und Weizenmehlzufuhr, ferner Drogerie-, Apotheker-, Farbewaren (— 28 573) wegen verminderter Ammoniak, Graukalk-, Quebracho- holz, Chilesalpeter-, Schwefelsäure-, SuperphoS- phat-, Harzöleinfuhr trotz Zunahme der Einfuhr von Calciumcarbid, Blauholz, Gelbholz, Que« brachoholz und anderen Gerbstoffauszügen sowie Flachs, Hanf rc. mit einem Ausfall von 26 404 Tonnen, den trotz vermehrten Flachs-, Hanf-, Bambayhanfeinfuhr der Rückgang der Juteeinfuhr um 37 474 Tonnen verursachte.
2. Die Ausfuhr in Tonnen zu 1000 kg; 21522 581 gegen 18 895433 und 17 863087 in den beiden Vorjahren, daher mehr 2 627148 und 3 659494. Edelmetallausfuhr: 233 gegen 248 und 230. 33 von 43 Zolltarifnummern zeigen gegen das Vorjahr eine verstärkte Ausfuhr, am meisten: Kohlen (4- 1559819), di« mehr als die Hälfte der gesamten Ausfuhr erreichten, Erden, Erze rc. (4" 590455), Eisen (4 327 930), Drogerie-, Apotheker- und Farbewaren (4- 60 480). Getreide rc. (4- 46 576)j Tonwaren (-|- 31383). Von besonderer Erheblichkeit ist nur der Ausfall bet Material- rc. Waren (— 56338), der trotz zunehmender Roggenmehl-, Reis-, Salz-, Melasseausfuhr durch den Rückgang der Kartoffelmehl- und Rohzuckeraussuhr sowie der Ausfuhr von Zucker der Zuschußklasse c veranlaßt ist. Die in den Freihafen Hamburg ausgeführten Zuckermengeff sind bedeutender als im Vorjahr, namentlich die Rohzuckermengen.
Tierzuchtinspektoren.
An der landwirtschaftlichen Hochschule uni an der tierärztlichen Hochschule in Berlin ist, wie bereits früher an der landwirtschaftlichen Akademie in Bonn - Poppelsdorf, eine Prüfung für Tierzuchtinspektoren zur Einführung gelangt. Diese Prüfungen sind dazu bestimmt, jungt Leute, welche Neigung und Anlage für tier- züchterische Tätigkeit zu besitzen glauben, anzu- regen, eingehendere Studien auf diesem Gebiet« zu treiben. Zugleich soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, einen Nachweis erfolgreicher wissenschaftlicher Vertiefungin die tierzüchterischen Spezialwissenschaften durch baS Bestehen einet Prüfung zu führen. Die Prüfungen sollen in« dessen lediglich den Zweck haben, festzustellen, daß der Prüfling mit den für den Beruf eines Tierzuchtinspektors erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen sich vertraut gemacht hat.
suchtsvollcn Tönen zu ihr gesprochen und sein« Hand hatte die ihre gepreßt in leidenschaftliche« Empfindung.
Wie schwül die Nacht war, dazu das Rausche» und Flimmern da draußen. Es verwirrte dir klaren Gedanken und legte sich herzbeklemmend auf die junge, unschuldige Brust, jetzt, wo Lore bef dem einzigen, dem sie mit unendlicher Liebe und dankbarem Herzen vertraute, rätselhafte Wand, hingen entgegentraten.
Lächelnd und funkelnd blickte am nächsten Morgen taugefeuchtctc Erde gegen den Himmel empor. Köstliche Morgenfrische entströmte mit berauschendem Atem den grünen Waldesweiten. Zu leisem Orgelklang wuchs er mitunter an, bie hellen Vogelstimmcn begleitend, die ihm, dem Schöpfer aller Dinge, den Lobgesang anftimmten. Wie sollte da ein junges Menschenherz nicht mit- jubeln und klingen!
Verweht waren die Hirngespinnste, vergessen, was da? Gemüt gestern bewegte und erschrecktet leichten Schrittes eilte Lore zu ihren Lieblingen herunter, den blühenden Rosen, den sich zart entfaltenden Knospen, deren schönste eine sie selbst war.
„Guten Morgen, Fräulein Lore!"
Fran Hummel war es, die als erste dem verwöhnten Liebling den Moqiengruß bot und nu» eiligst zu ihr in den Garten kam. Wollte sie doch zu gern den Ausdruck des jungen Gesichtes beobachten, im Falle der kecke Jägersmann auch heut« seine Huldigung darbringen würde. Und richtig fröhliches Pfeifen erklang, der schöne Jagdhmm des Forstmeisters erschien mit Dackel, seinem fntmmbeinigen Begleiter, auf der Landstraße, uni gleich darauf folgte Schierstedt.
(Fortsetzung folgt)