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mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Allnstrirtes Sonntagsblatt.
M 224
Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (t$cl Bestellgeld).
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Marburg
Sonntag, 23. August 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck tmb Verlag» Joh. Slug. Koch, UmversitätS-Buchdmckerä Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Zweites Blatt.
Der kranke Mann.
WaS will im Orient werden? Wird die ganze Orient- Frage wieder aufgerollt, soll über die Zukunft deS „kranken Mannes", der nicht leben nnd nicht sterben kann, endgiltig ent- schieden werden? Und wenn, wie hier, daS Spiel um Provinzen beginnt, ist es nicht leicht möglich, daß daraus ein Spiel um Kronen wird? Jedenfalls find die in den letzten Tagen wieder aufgetauchten optimistischen Anschauungen keineswegs stichhaltig, die Dinge stehen weit ernster, als je seit dem großen russisch-türkischen Kriege, und wenn eS auch nicht zum Kriege kommen muß, so kann doch niemand sagen, ob nicht ein Zwischenfall austaucht, der alles in8 Nollen bringt. Die Hauptsache ist, daß eS sich heute nicht allein um die Türkei und Mazedonien handelt, daß nicht nur Bulgarien und Serbien gern ein Stück von dem mazedonischen Braten gewinnen möchten, sondern daß neben Rußland sich auch England und Frankreich einstellen und mit eifersüchtigen Augen einander beobachten. Was der Sultan inmitten dieses allgemeinen Trubels Anfängen soll, ist schwer zu sagen; viele Hunde sind des Hasen Tod. Auf dem Wege der diplomatischen Verhandlungen kann eS sehr wohl zu einem allgemeinen Kriegsbrände und dahin kommen, daß die Türkei nicht blos Mazedonien, sondern auch ihren ganzen europäischen Besitz verliert. 170000 Mann stehen, nach den offiziellen türkischen Angaben, in Mazedonien unter Waffen. Dieser stattlichen Armee will cS nicht gelingen, do8 Feuer beS Aufstandes zu verlöschen; das ist bedenklich, wenn auch anzuerkennen ist, daß in diesem Volkskriege die türkischen Truppen mit allen denkbaren und undenkbaren Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Es kann so nicht mehr lange weitergehen, und daß der Anfang vom Ende nahe ist, das beweist das Vorgehen der erwähnten Großmächte.
Das russische Kriegsgeschwader ist in Jniada am Schwarzen Meere vor Anker gegangen, einem Orte, von wo es Konstantinopel ebenso gut wie Burgas, den wichtigsten bulgarischen Hafen, bedrohen kann. WaS will Rußland? DaS weiß niemand. Und weil eS die anderen Mächte nicht wissen, sehen sie sich bei Zeiten vor. Frankreich und England schicken Kriegsflotten nach Saloniki, dem mazedonischen Hafen, in welchem sich vor einigen Monaten die grauenvollen Dynamit-Attentate der bulgarischmazedonischen Aufrührer abspielten. Frankreich wird selbstverständlich Rußlands Pläne nicht kreuzen, aber England, das Rußland in Ostasien bereits zu seinem geheimen Ingrimm allmächtig werden sah, hat keine Lust, seinen bisher be-
2 (Nachdruck verboten.)
Frau Lore.
Roman von I. I o b st.
(Fortsetzung.)
WaS sie mit diesen, im Tone düsterer Wsis- sagung gesprochenen Worten sagen wollte, blieb vorderhand ihr Geheimnis, denn auch gegen ihren Vertrauten, den Kutscher Siegfried, ließ sie vor- erst nichts von ihren Gedanken verlauten, sondern begab sich in ihr unterirdisches Reich und han- fierte dort mit Töpfen und Schüsseln herum, als sollten anstatt der vier Hausbewohner noch ungezählte andere mit den Erzeugnissen ihrer Kochkunst versorgt werden. Dabei ließ sie aber das Fenster nicht aus den Augen, das den ganzen Vorgarten und die Straße beherrschte, doch außer dem arbeitenden Siegfried war niemand zu erblicken, auch nach einer Stunde nicht.
Frau Hummel wurde es sichtlich schwül am heißen Herd und sie schien Abkühlung am offenen Fenster zu suchen, man sah sie wenigstens den Oberkörper weit herausbeugen. Ein unbefangener Zuschauer mußte annehmcn, sie horchte gespannt hinaus und er würde damit richtig ge- raten haben, denn Frau Hummel sagte befriedigt vor sich hin: Er sitzt wahrhaftig noch in der Veranda. Hm, hm! Das ist das erstemal, seit ich hier im Hause bin, daß er nicht gleich nach dem Frühstück seinen Morgenspaziergang macht," — ein fröhliches, übermütiges Mädchenlachen schallte zu ihr hin — „wie sie lachen kann, die Lore! Das hat sie in der feinen Pension nicht gelernt. Und schön ist sie geworden in den zwei Jahren! Das wird noch ivaS gebeir mit den Mannsleuten, mit den jungen und mit den alten — ja, ja, auch mit den alten. Weitn so 'n Alter Feuer sängt — Gott behüt' uns in Gnaden.".
sessenen maßgebenden Einfluß im Mittelmeer zu verlieren. Und dieser hängt doch an einem seidenen Faden I Wenn Rußland eS durchsetzt — und das kostet Rußland heute nur ein Augen- blinzen —, daß die bisher bestandene Sperre der Straße von Konstantinopel für Kriegsschiffe aushört, dann können seine und die französischen Kriegsschiffe, die ja jedem Winke aus Petersburg folgen, hier bequem Zusammenwirken und dem englischen Einfluß das Gegengewicht halten. Will das Rußland? Will eS etwas anderes? Die russische Regierung liebt eS nicht, voreilig ihre Karten aufzudecken, wie es sich vor kurzem erst wieder in der Mandschurei gezeigt hat. Die Forderungen, welche es für Mazedonien an die Türkei richtet und gegen die im allgemeinen nichts einzuwenden ist, sind Nebensache; WaS man in Petersburg für Rußlands Welt- stellung erstrebt, darauf kommt es an. Der Zar regte s. Z. bekanntlich die Haager Friedens- Konferenz, daS politische System der Uneigennützigkeit, an. Seine Diplomatie hat aber genau im entgegengesetzten Sinne gehandelt, und man kann nicht gerade sagen, daß ihr Verfahren dem Zarenreiche schlecht bekommen ist. Sie wird auch jetzt nicht stoppen, wo es mit Volldampf vorausgeht.
Bulgarien und auch Serbien tuen bisher sehr scheinheilig, sie wollen angeblich nicht das mindeste gegen den Sultan im Schilde führen. Sie haben zwar fast alle Reserven unter Waffen gerufen, aber diese Maßnayme betrifft, wie es heißt, nur die regelmäßigen Sommer- Uebungen. Griechenland ist sogar noch edelmütiger; von Athen aus beschwört man im „Namen der Menschlichkeit" die Türkei, dem blutigen Treiben der mazedonischen Ausständischen ein Ende zu machen. Aber diese Haltung schließt keineswegs aus, daß sie alle drei zugreifen, sobald ihnen der geeignete Moment gekommen erscheint. Die Griechen haben jämmerlich gegen die Türken gefochten und furchtbare Prügel bekommen, den Serben erging es nicht bester, die Bulgaren haben sich mit den Moslem noch nicht versucht. Wahrschein-' lich würde ihnen allen die genügende Portion ungebrannter Asche zu teil werden, aber es würden Phorrussiege fein, welche die Türkei erfechten würde. Doch das sind vorläufig alles nur Kombinationen. Denn niemand weiß, ob der Arzt, in dessen Händen die Macht über Leben und Tod des kranken Mannes heute liegt, ob der „weiße Zar" die Zeit für den Aderlaß gekommen hält, denn ohne ihn wird sich aus dem Balkan nichts ändern.
Umschau.
Kaiser Wilhelm und sein Oheim.
Schon vor mehreren Wochen war die Rede davon, daß es zwischen der deutschen und der englischen Regierung nicht mehr so recht stimmen
Die Wirtschafterin legte die Hände wie in einem kurzen Stoßgebet ineinander, fuhr aber bann rasch vom Fenster zurück, da sie sich nähernde Stimmen hörte. Oberst von Roeder hatte die Veranda verlassen und stand bei Siegfried ur.ten im Garten, ihm einige Befehle gebend.
„Kommst Du mit, Lore, oder willst Du zur Stadt. Deine Freundin auffuchen? Hast doch wohl jetzt recht Sehnsucht nach Deinen Schulkameradinnen, die Du volle zwei Jahre nicht sahst?"
Lachend kam Lore die Treppe herunterge- sprungen, begleitet von der großen, stahlfarbenen Dogge Pluto: der Helle Sommerhut schmückte schon das grause, dunkle Haar. Knixend verbeugte sie f’* in ihrem Hellen Sommerkleide vor dem Onkel: „Wenn der Herr Oberst gestatten, daß wir ihn begleiten dürfen, würden wir uns sehr freuen. Nicht toabr, Pluto, mein Hund?"
„Du Here," Röder kniff der Schelmin in die Backen, „aber was werden die jungen Damen sagen?"
„Laß sie doch, Onkel, ich brauche sie nicht. Wenn ich Dich habe und Pluto und dies Haus, den Garten, die Rosen und den Wald." — die junge Brust atmete tief auf — „ach! Onkel, wie habe ich mich nach dem allen gesehnt während der langen zwei Jahre!"
Gerührt sahen die blitzenden Augen auf das junge Mädchen hin das da vor itjucn stand im Reize der taufrischen Jugend und Schönheit. Ein leiser Seufzer hob die Brust Röders, doch sagte er etwas spöttisch: „Noch ist Dir der alte Onkel genug, Lore. Der Löwe hat noch nicht Blut geleckt. Wenn aber erst die jungen Herren kommen, besonders die im grünen Rock — na, sie passen ja auch extra gut zu Deinem lieben Walde."
Eine fliegende Röte bedeckte einen Augenblick das offene liebliche Kindergesicht Lores, dann aber
wolle, übrigens gerade kein außerordentliches Wunder, wenn man sich der Zoll- und anderen Unfreundlichkeiten des Herrn Chamberlain erinnert, und jetzt wird diese Angabe mit dem weiteren Zusatze wiederholt, daß auch die bisherigen recht freundschaftlichen Beziehungen zwischen König Eduard und dem deutschen Kaiser, seinem Neffen, andere geworden seien. Man will das daraus schließen, daß der König in diesem Jahre Marienbad statt, wie sonst, Homburg v. b. Höhe ausgesucht hat, und betont, der König sei nur deshalb dorthin gegangen, um eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser zu vermeiden. ES hat allerdings den Anschein, als sei zwischen den beiden Monarchen eine kleine Verstimmung eingetreten, die aber durchaus etwa nicht tragisch zu nehmen ist. Ganz im Gegenteil erhoffen wir für Deutschland nur Vorteile von einer möglichst reservierten Haltung gegen England, die bett dortigen Staatsmännern jegliche Illusion darüber nimmt, daß die Zeit der Pflege der englischen Freundschaft auf Kosten deutscher Interessen ein für allemal vorbei ist. Merkt die britische Negierung, daß uns an ihrer egoistischen Freundschaft nichts gelegen ist, so wird sie uns ganz von selbst wieder kommen und zwar nicht mit leeren Händen. Und diesen Zeitpunkt gilt eS heute mit ruhiger Ge- lastenheit abzuwarten. Mit dieser unserer Anschauung stimmt auch die Ansicht unstreS Korrespondenten überein, der sich zu den obigen Ausführungen wie folgt äußert: Wohl möglich ifi. rs, daß eine erneute Begegnung des Königs und des Kaisers so lange nicht für erwünscht angesehen wird, als die Handelsvertrags-Angelegenheiten zwischen beiden Staaten nicht in der Hauptsache geregelt sind. Denn es ist fest vorauszusehrn, daß die englischen Zeitungen sofort, wenn Kaiser Wilhelm bei dem Könige gewesen wäre, behaupten würden, der deutsche Kaiser stünde in diesen Zollstreitigkeiten auf einem anderen Standpunkt, als seine Regierung und gäbe England Recht. Und solchen Schreibereien beugt man lieber vor.
Eine gerechte Strafe.
Ein besonders schweres Vergehen gegen die Gewerbeordnung wurde vor der ersten Strafkammer des Berliner Landgerichts I gegen den Former Emil Meier verhandelt. Der Angeklagte gehörte zu den Formern, die in diesem Frühjahr in der Hartungschen Fabrik die Arbeit niederlegten, um bestere Lohnbedingungen zu erzielen. Unter denen, die sich an den Ausstand nicht beteiligten, befand sich der Arbeiter Eugen Schendel. An diesen wandte der Angeklagte sich mit der Drohung, „daß ihm die Knochen im Leibe zerschlagen würden," wenn er die Arbeit nicht niederlege. Schendel legte der Drohung kein Gewicht bei, sondern arbeitete weiter. Als er an einem Aprilabend die Fabrik
blickten die klugen, braunen Augen den Onkel mit Wanner Liebe an: „Du bist der schönste von allen und die jungen Herren können sich sämtlich vor Dir verstecken."
Gin kurzes, aber doch befriedigtes „Na, na!" verklang unter dem martialischen Schnurrbart Röders, er fchlug bett Weg zum Walde ein, begleitet von Sore. Pluto sprang erst in großen Sätzen hin und wieder, um feiner Freiheit Ausdruck zu geben, doch ging er bald mit großen Schritten neben dem Paare her, wie es sich für einen gesitteten, wohlerzogenen Hund paßt. Von den Küchenräumen aber folgten den Spaziergängern ein paar ernste, gute Frauenaugen, und Fran Hummel, die die ganze Unterredung gehört hatte, dachte kopfschüttelnd:
Als ob sie es g’rab’ darauf anlegte, ihm den Kopf zu verdrehen! Onkel hier und Onkel da, aber im Umdrohen wird ein anderer daraus und der Liebste steht vor ihr. Da wird sie schöne Augen machen! Ob ich sie warne? Nein, beileibe nicht, das macht die Sache noch schlimmer. Werde aber Obacht geben und so ganz vorsichtig bei ihr auf den Busch klopfen, was sie zu dem jungen Schierstedt meint. Das kann ich. Dem Siegfried sag' ich nichts. Der würd' mich schön au?« lachen und noch obendrein suchsteufelwild werden. Der glaubt doch so was von feinem Herrn nicht ---nein —nein —. Aber ich trau’ den Augen nicht, die alte Hummel kennt sich aus in solchen Diimmheiten bei den Mannsleuten, feinem ist zu trauen, keinem, und das arme Kind hat nur mich zu feiner Beratung. Keine leibliche Mutter mehr und die Frau Oberst schon fünf Jahre tot. Das Fräulein Forstmeister da drüben rechnet für gar nichts. Sieht immer in den Himmel und singt und spielt, derweil die Rike in der Wirtschaft alles verlottert. Wenn nicht der Herr Forstmeister ein Einsehen hätte und manchmal dazwischen führe mit einem Hui ginge alles aus den Fugen. Und so'n
verließ, wurde er in der Prenzlauer Allee vo« drei Männern aus dem Hinterhalte überfallen, zu Boden geworfen und durch Faustschläge und Fußtritte furchtbar zugerichtet. Aus einer rohen Aeußerung, die einer der Angreifer tat, als Schendel am Boden lag, erkannte dieser die Stimme deS Angeklagten, der seine Drohung wahrgemacht hatte. Der Angeklagte legte sich im Termin aufs Leugnen, wurde aber durch die Beweisaufnahme überführt. Der Staatsanwalt beantragte drei Wochen Gefängnis, der Gerichtshof erkannte aber auf eine Gefängnisstrafe von drei Monaten.
Herr Bowen, der venezolanische Anwalt.
Den 30. August beginnen im Haag vor den von den Zaren bestimmten Schiedsrichtern, wie bekannt die Verhandlungen wegen der von der südamerikanischen Republik Venezuela an Deutschland, England und die übrigen Staaten zu leistenden Entschädigungen. Der famose Mr. Bowen sagte kürzlich auf der Durchreise durch Berlin, er vertrete auch im Haag neben den Vereinigten Staaten wieder den Präsidenten Castro von Venuzuela. „Ich nehme mich", so bemerkte er dem Vertreter des „Berliner Lokal» anz." gegenüber des Schwachen gegen die Starken an." Präsident Castro ein „Schwacher"! Ein „Spitzbube" wäre wohl die richtige Bezeichnung. Weiter bestritt Bowen die letzthin gemeldete neue Verhaftung von Ausländern in Venezuela und meinte, es werde sich um eine kleine, inzwischen geordnete Streitsache handeln. Endlich feierte er noch den neuen deutschen Botschafter Baron Speck von Sternburg in Washington als einen überaus gewiegten Diplomaten und meinte, er könnte nicht begreifen, daß man in Deutschland ihn so ost kritisiere. Herr Bowen braucht nur deutsche Zeitungen genau zu lesen, dann wird er'S wissen. Fürst Bismarck würde auch manches gesagt haben, wenn er noch lebte. Der hatte über Botschafter und Gesandten bekanntlich seine eigenen, ganz bestimmten Ansichten.
Die Folgen des südafrikanischen Krieges.
Ein ernstes Bild von der Lage in den ehemaligen Burenstaaten entwarfen die Londoner „Daily News": „Don Tag zu Tag stelle es sich mehr und mehr heraus, daß Not und Elend in allen Teilen der neuen Kolonien zunehmen, und die Negierung der Kapkolonie sei nicht in der Lage gewesen, das Gegenteil von dem zu beweisen, was Merriman behauptet habe. Di« natürlichen Folgen eines solchen Krieges machten sich in Gestalt einer furchtbaren Hungersnot bemerkbar und ein großer Teil der Burenbevölkerung sei vollkommen verzweifelt. Johannesburg selbst befinde sich in einer noch
untüchtige?, leichtfertiges Ding will Frau Siegfried werden--"
Frau Hummels Gedankengcing wurde jäh itnterbrodjen, denn der Gegenstand ihrer letzten Betrachtung tänzelte soeben zu ihrem Aerger iitt frisch gestärkten Waschkleide und blendend weißer Schürze über die Straße her und nahm den Weg durch den Vorgarten zur hinteren Haustüre, nicht ohne einen zündenden Blick auf Siegfried zu werfen, der dem hübschen Ding mit einem wohlgefälligen Schmunzeln nachsah. Schmuck war die Rike, das sahen selbst die mißgünstigen Augen ihrer Feinde.
Rike hätte gern mit dem alten Freund ein paar Schelmenworte gewechselt, aber sie hatte nur z» gut das rote Gesicht der Frau Hummel im Küchendepartement entdeckt, und wenn sie diese auch heimlich „alter Drache" titulierte, so hatte sie b:dj den gehörigen Respekt vor ihr, denn Frau Hummel nahm in ihrer ganzen Bekanntschaft eine sehr geachtete Stellung ein, dank ihrer anerkannten Tätigkeit und Pflichttreue, so eine Art Vertrauensstellung, die der Oberst ihr, der langjährigen Dienerin, nach dem Tode seiner Frau einräumte — hatte Lore sie doch früher Tante Hummel genannt. So stand die schlanke Rike jetzt hübsch bescheiden vor der rundlichen Wirtschafterin und bestellte ganz korrekt: „Herr Forstmeister und Fräulein Braun bäten um die Ehre, Herrn Oberst von Röder und das gnädige Fräulein heute um 7 Uhr zum Tee erwarten zu dürfen,"
Fran Hummel nahm die Bestellung so würde- voll entgegen, als ob nicht ein stets gastfreund- schastliches Hin und Her zwischen Villa und Oberförsterei bestände, nnd erwiderte, sie bebaute, die Einladung nicht gleich ausrichten zu können, würde aber sofort nach Heimkehr der Herrschaften Bescheid hinübersenden.
Dann begleitete sie Rike bis an das Garten« tor, damit das fürwitziae Dina nicht noch mit