Einzelbild herunterladen
 

i/

EN

Sonntagsbeilage: Jttuftrirtes Sonntagsblatt.

223

Vierteliährlicher Bezugspreis; bei der (Expedition 2 Mk., bei allen Postämtcm 2,25 Mk. <cjcL Bestellgeld).

JusertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder derm Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 22. August 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21, Telephon 55,

38. Jahrg.

er eai

Kronrat, Hochwasserschäden und Kanalvorlage.

LukanuS geht um", hallte e8 durch den Blätterwald, als die Berufung deS KronrateS bekannt wurde, und dieGesundheit" einiger Minister wurde alsstark erschüttert" bezeichnet. Inzwischen hat die Sitzung deS Kronrats statt- ^gesunden, eine vollehalbe Stunde" lang. DaS von mancher Seite erhoffte oder gefürchtete: Qnos ego ist nicht erfolgt. Die Minister mit Ausnahme deS Kriegsministers, deffen Rück­tritt schon seit langem feststand, erfreuen sich wieder der allerbesten Gesundheit. Hebet den Verlauf der Kronratssitzung teilte die offiziöse Nordd. Allg. Ztg." folgendes mit:

Es bestätigt sich jetzt, daß die gestrige Be­sprechung des Monarchen mit seinen Ratgebern in der Tat nur den Folgen der ernsten Lage gegolten hat, die durch die jüngsten Elementar- ereigniffe für mehrere preußische Provinzen, in erster Reihe für Schlesien, geschaffen worden find. Der große Umfang der Schädigungen legt eS nahe, Maßnahmen zu ergreifen, durch die der Wiederkehr ähnlicher Verheerungen, wenn möglich für immer, vorgebeugt werden soll. Diese Maßnahmen sind cs, die eine eingehende Beratung des Staatsministeriums veranlaßt haben; und bei der warmherzigen Teilnahme, die der Kaiser und König der notleidenden Bevölkerung in den vom Hochwasser betroffenen Provinzen entgegenbringt, bei dem lebhaften Interesse, das der Monarch für die Frage be­kundet, durch welche Mittel solche Katastrophen für die Zukunft vermieden werden können, war es ein naheliegender, sehr natürlicher Gedanke, die betreffende Sitzung des Staatsministeriums unter seiner persönlichen Teilnahme abzuhalten. Die Ergebniffe der gestrigen Beratung dürften in den dem Landtage der Monarchie zu unter­breitenden Vorlagen ihren Ausdruck finden."

Es bestätigt sich damit das vor der Sitzung des Kronrats umgelaufene Gerücht, daß sich dieser nur mit rein wafserbautechnischen nicht aber mit irgend welchen politischen Fragen be­schäftigen würde. Da trotz der bekannten Promptheit, mit der unsere Behörden zu arbeiten pflegen, kaum anzunehmen ist, daß in dieser halben Stunde oder auch nur in der kurzen, seit der Hochwasserkatastrophe verflossenen Zeit eine wirklicheingehende Beratung" und Er­ledigung wafferbautechnischer Fragen und Pro­jekte stattgefunden haben kann, so wird man vielleicht nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß nunmehr die sofortige Ausführung der 1897 aufgestellten umfassenden Regulierungsarbeiten beschlossen worden ist, die bisher mit der unbe­greiflichen Motivierung unterblieben war,daß sie einen so hohen Kostenaufwand erfordert hätten, daß die Verzinsung des Anlagekapitals und die Huterhaltungskosten den Betrag der

1 (Nachdruck verboten.)

Frau Lore.

Roman von I. Jobst.

I.

.Von allen den Mädchen so blink und so blank Gefällt mir am besten die Lore,

Von allen den Winkeln und Gäßchen der Stadt Gefällt mir's im Winkel am Tore.

Frisch und keck schwangen sich die Töne des Liedes auf den Flügeln des Morgenwindes em­por zu der hohen Baumkrone, die in leisem Rau­schen ihre Wipfel über der Oberförsterei Schwarz­bach und dem fröhlichen Sänger, Haus von Schier- siedt, neigte. Hans er war Forstreferendar und als solcher in der Oberförsterei beschäftigt schien selbst seine helle Freude an dem Gesänge zu haben. Frohsinn und Hebermut leuchteten aus den blitzenden braunen Augen. Großes Selbst­vertrauen, ja, auch ein starker Zug persönlicher Eitelkeit spiegelte sich in seiner ganzen Erscheinung wider, namentlich jetzt, als er, den Garten der Oberförsterei durchschreitend, auf die Landstraße hinaustrat und nun einer geräumigen Villa sich gegenüber befand, in deren Garten ein schönes Menschenkind scheinbar ganz vertieft in die Be­trachtung des reichen Rosenflors umherwandelte.

Erst der fröhliche Gruß des jungen Mannes ließ das junge Mädchen aufsehen, und in stummer Erwiderung neigte sich das reizende Köpfchen, dann blickte Eleonore von Röder heimlich dem jungen Manne nach, der, die Straße kreuzend, in den Tiefen des Waldes verschwand. Sinnend schritt sie der Villa zu und ging über die Veranda empor in das Innere des Hauses. Die Früh- stücksstunde nahte und mit ihr das Erscheinen des Onkels und Pflegevaters, Oberst von Röder, wel­chem die Villa gehörte. Er liebte es nicht, zu war­ten, und Lore zu dieser traulichen Kürzung

Hochwasserschäden, wie sie im Durchschnitt der Jahre vorgekommen wären, weit überstiegen hätten." ES unterliegt keinem Zweifel, daß die Regierung hierfür das weitgehenste Ent­gegenkommen bet der Majorität des preußischen Parlaments finden, daß sie damit gleichzeitig ihre Popularität und das in weiten Kreisen der Bevölkerung stark erschütterte Vertrauen wieder festigen würde. Wenn die Regierung eingesehen haben sollte, daß es jetzt nicht an der Zeit ist, wieder den Kampf der Geister in einer wirtschaftlichen Frage zu entfachen, deren Zweckmäßigkeit so stark umstritten wird, einen Kampf, der eine weitere Entfremdung zwischen der Regierung und den Parteigruppen herbei­zuführen droht, ohne die in Preußen ein Re­gieren auf die Dauer unmöglich ist, und wenn sie infolgedeffen auf die Einbringung der Kanal­vorlage für die nächste Zeit Abstand genommen haben sollte, so wäre daS nur mit Freuden zu begrüßen. Ein derartiger Entschluß würde die Autorität der Regierung keineswegs, wie von kanalfreundlicher Seite be­hauptet wird, schwächen, sondern im Gegenteil für sie vom allergrößtem und bestem Erfolge sein. Auch in der Politik ist eS rat­samer, einen einmal begangenen Fehler recht­zeitig einzugestehen und ihn wieder gut zu machen suchen, als hartnäckig auf seinem Stand­punkt zu verharren, auch wenn man die Hn- haltbarkeit desselben eingesehen hat. Geradezu unglaublich ist der Standpunkt, den dieKöln. Ztg." und mit ihr eine ganze Reihe liberaler Blätter einzunehmen für gut befindet. Sie schreibt:

Der Wunsch, recht bald eine Besserung der schlessischen Wasserverhältniffe herbeizuführen, ist sehr berechtigt, aber um so unberechtigter ist die Zumutung an die Regierung und die kanalfreundlichen Parteien, die große waffer- wirtschaftliche Vorlage zu zerstückeln und, nach­dem dem Osten fein Recht geworden ist, zu warten, wer nun auch dem Westen zu seinem Rechte verhelfen werde. Wir meinen vielmehr, daß gerade jetzt die Gelegenheit gekommen ist, den Ostelbiern rund heraus zu erklären, daß sie die dringend notwendige Regulierung der Flüffe Oberschlesiens und der übrigen Heber- schwemmungsgebiete nicht mehr beschleunigen können als durch eine grundsätzliche Aenderung ihrer Stellung zur ganzen Kanalvorlage."

Wenn also der rheinisch-westfälischen Eisen- und Kohlenindustrie- durch den Kanal keine billige Frachtgelegenheit geschaffen wird, auf daß ihre Dividenden gesteigert werden, sollen die Tausende fleißiger Existenzen in ben Heber- schwemmungsgebieten ruhig durch die wieber- kehrenden Hochwasser zu Grunbe gerichtet werben, sollen alljährlich Millionen an Werten teS Nationalvermögens vernichtet werben I Das ist ein Stanbpunkt wie er nur vom blindesten Haß bittiert sein kann.

hatte sich der stolze Name des jungen Mädchens bequemen müssen lag es ob, dem alten Herrn den Kaffee zu bereiten.

Das kurze, vielsagende Intermezzo, welches sich nun schon seit mehreren Tagen in der Morgen­stunde abspielte, batte heute einen Zeugen gehabt. Mcht den Oberst, beim dessen Schlafkammer lag nach hinten, dem Walde zu, und das wußte der junge Mann ganz genau, sonst hätte er wohl seine Huldigung nicht so laut und offenkundig darge­bracht. Aber im Erdgeschoß, dessen Fenster von wilden Rosen, Glyzinien, Waldreben ganz be­hangen waren, spähten ein paar freundliche Augen überrascht hinaus. Ein Frauenkopf bog sich vor, um sich nur nichts entgehen zu lassen, und bald darauf sah man durch die Seitentür die ältliche Frau selbst über den kleinen Hof eilen und in der Tür des Ttallgebäudes verschwinden, das, etwas seitlich gelegen,ben Besitz nach dem Walde zu ab­schloß. Sie fand, wie sie vermutete, den Kutscher Siegfried in seinem Reiche schon tätig und Platzte gleich mit ihrer Neuigkeit los:

"Eben ging der junge Schierstedi hier vorbei."

Weil er nicht vorbeifliegen kann, so muß er dünkt mich, gehen, Frau Hummel."

Ach was, wenn er ginge wie andere Leute, Siegfried. Aber wie der unser Fräulein ansingt und anguckt . . ."

Warum sollte er nicht, ich sehe sie auch lieber an als zum Beispiel . .

Mich altes Weib, wollt Ihr wohl sagen, Sieg­fried. Aber das kann ich Euch sagen, in meiner Jugend . . .

Da wäret Ihr der reine Engel. Ich will es glauben, Frau Hummel, wenn Ihr jetzt auch an­ders ausschaut."

Na. der schönste seid Ihr just auch nicht, Siegfried, und von den Seinen wollen wir gerade nicht reden."

Umschau.

Die Hundertjahrfeier Wismars ist glänzend verlaufen. Während derselben sandte der Großherzog von Mecklenburg an den Kaiser folgendes Telegramm:

Anläßlich der heutigen 109jährigen Gedenk­feier des Malmöer Vertrages und der in diesem Jahre erfolgten Aufhebung desselben bitte ich Ew. Majestät den Ausdruck unser aller auf­richtigen Freude entgegenzunehmen darüber, daß Stadt und Herrschaft Wismar durch ihre Wiedervereinigung mit Mecklenburg auch dem Deutschen Reiche als ein unzertrennliches Glied wieder eingereiht ist."

Der Kaiser erwiderte:

An der Gedenkfeier anläßlich der end­gültigen Wiedervereinigung der alten deutschen Stadt Wismar mit Mecklenburg und dem neu erstandenen deutschen Reiche, von der Dein freundliches Telegramm von heute redet, nehme ich warmen Anteil. Möge die Stadt immer fester Wurzel fasten im heimischen Boden, und zugleich Kraft schöpfen zum Blühen und Ge­deihen, zum Segen für die Bürger, für das Land Mecklenburg und für das gesamte deutsche Vaterland." _______

Der neue Kriegsminister und der Offizierersatz.

Zu den Aufgaben, welche der Erledigung durch den neuen Kriegsminister von Einem harren, wird allgemein die Einführung eines besteren Pensionsgesetzes gerechnet, womit auch der Reichstag prinzipiell einverstanden ist. Viele Zuschriften an Zeitung? - Redaktionen weisen darauf hin, baß bie Hnsicherheit bet Lausbahn unb bie schlechte Versorgung ber verabschiedeten Offiziere viele Eltern abhalten, ihre Söhne einen Beruf wählen zu lasten, ber einen großen Teil feiner Angehörigen im besten Mannesalter verabschiedet unb zwar mit geringer Pension und ohne ihnen eine Versorgung zu schaffen. So schreibt man berKöln. Ztg.":Nicht um Gelb allein hanbelt eS sich hierbei unb nicht allein um Erhöhung ber Pension, fonbern barum, baß denjenigen Offizieren, welche vor­zeitig unb bei voller geistiger unb körperlicher Arbeitskraft bas Heer zu verkästen genötigt sinb, nun Gelegenheit geboten wird, sei eS in ber Heeres - Verwaltung, sei es im Staats- oder Gemeindebienst mehr, als bieS bisher ber Fall war, Verwenbung zu finden. Seit Jahrzehnten hat die Militärverwaltung bie Heberzeugung gewonnen, baß ein tüchtiges Hnteroffizierkorps nur dann zu erhalten ist, wenn für bie Zivil­anstellung ber Unteroffiziere gesorgt wirb. Unb schon nach zwölfjähriger Militärbienstzeit können bie Unteroffiziere in bie Zivilverwaltung über­treten, in welcher' ben fähigeren Männern noch eine lohnende Zukunst in Aussicht steht. WaS

Das muß so sein, das versteht Ihr nicht: das krumme Beinwerk paßt sich für den alten Kaval-. leristeu. Doch nun kommt, der Kaffee ist wohl lange fertig."

In der besten Eintracht gingen die beiden Alten, die als Vertranenspersoiieu seit langen Jahren dem Hausstande des Obersten" Vorständen, den unteren Räumen der Villa zu, und Frau Hummel erzählte, als sie behaglich beim Kaffee saßen, ihre Beobachtungen und schloß mit ben Worten:

Das wäre ber erste, der Feuer gefangen hat, und wird nicht der letzte bleiben."

Aber Fräulein Lore ist doch eben aus der Pension zurück, knapp zehn Tage sind es," wagte Siegfried zu sagen.

Das macht nichts. SBp was hübsches ist, das haben die Mannsleute gleich weg. War bei mir früher auch nichts ander?, unb was mein Seliger Ivar."

Hm! hm!" räusperte sich bie Alte.

So, bas glaubt Ihr toieber nicht. Na, Ihr werbet wohl nicht bie Auswahl gehabt haben," zürnte Frau Hummel.

An allen Fingern hingen sie, Frau Hummel, an allen Fingern. Aber ich wollte keine. Mag mit Frauenzimmern nichts zu tun haben. Könnte jetzt noch jebe kriegen, jede. Zmn Beispiel die Rike ba briiben," der Kutscher blinzelte durch das Fen­ster nach 6er Oberförsterei hinüber, wo gerade in ber oberen Etage eine helle Fraueugestalt sichtbar wurde.

Was, bie Rike, bas junge Ding?"

Na, die Jugend läßt sich halten, die hat die Fünfundzwanzig sichtbar passiert."

Dem lockeren Vogel könnt' es passen, Frau Siegfried zu werden. Da mein' ich doch Ihr könnt' noch ganz andere kriegen!" Mit bunt eirotem Kopf sprang die noch behende rundliche Frau

für die Unteroffiziere längst für Recht erkannt ist, daS muß auch für bie Offiziere geschehen, benn eine ungemeine Härte ist es, bie Offiziere nach 2025jähriger Dienstzeit beruflos auf bie Straße zu werfen unb sie gezwungenem Müßig­gänge auszusetzen. Wirb hier nicht von Grund au8 Abhilfe erfolgen,, so werben in Zukunft eine Menge von geeigneten jungen Männern ber O fiziers-Laufbahn fernbleiben, bald wird sich zum Schaben beS inneren Wertes die Zu­sammensetzung deS Offizierskorps ändern, und es werben sich dieser Carriöre weist solche junge Männer widmen, deren Eltern mit großem Geldbeutel gesegnet sind." Ob der neue Kriegs­minister aber in der Lage fein wird, refor­mierend in die Penfionsverhältnisse der Offiziere einzugreifen, erscheint e8 mehr als fraglich.

Ein Notschrei aus Südafrika.

Den Notschrei eines Buren veröffentlicht die Staattzbürgerztg." nach ber ZeitschriftOnS Laub:" Es ist für uns Buren gänzlich unbe­greiflich, weshalb bie loyale Bevölkerung bie ihr abgenommenen Gewehre nicht wieber er­halten kann ober wenigstens einen Werterfatz bafür; an wem bie Schuld liegt, ist schwer zu sagen, aber die Mehrzahl ber Gewehre ist in Stücke geschlagen und hat noch niemanb dafür Bezahlung erhalten. Aber obendrein verweigern unsere Behörden die Erteilung von Erlaubnis« scheinen, um andere Gewehre und Munition zu kaufen. In meinem Bezirk spielen die Paviane jetzt die Herren. Sie bringen in bie Gärten und zerstören alles, was ihnen in ben Weg kommt. Die Eigentümer müssen tränenden Auges bem zusehen unb sinb ohnmächtig, etwas dagegen zu tun. In Johannesburg gehen die Engländer jetzt mit der Einführung von chine« fischen Grubenarbeitern vor. Im Oktober sollen 2000 Kulis eintreffen, denen im kommenden Jahr 5009 folgen sollen. Die Hauptsache ist den Briten dabei, die nichtenglischen Arbeiter zu entfernen.

Neue SiedelungSbedingungen für Südwestafrika.

DaS Gouvernement von Deutsch - Südwest- asrika beabsichtigt, die Erwerbung von Reichs­land neu zu regeln. Der Entwurf sieht nach der Deutsch - Südwestafrikanischen Zeitung fol­gende allgemeine Bestimmungen vor: Reichs- land soll freihändig verkauft, verpachtet oder in besonderen Fallen unentgeltlich abgegeben werden. Das Recht am Grund und Boden giebt feinen Anspruch auf unbeschränkte Be­nutzung des WafferS von auch nur periodisch lausenden Flüssen oder unterirdischen Waffer- reservoirs, bie sich über bie Grenzen mehrerer Grundstücke erstrecken. DaS Grundeigentum unterliegt Beschränkungen im öffentlichen In« tereffe. Für baS zu öffentlichen Anlagen von

Hummel sie mochte etwa 45 Jähre zählen1 vom Tische aus und lief hinaus.

Schmunzelnd blickte ihr Siegfried nach, mur­melnd:Was sie noch so flink auf den Beinen ist, aber auf den Leim kriecht sie noch allemal." Schwerfällig schritt er zum Herd und setzte sorg- sam den Kaffee warn:, man konnte nicht wissen, wann sie wieder kam. Bald nachher sah man ihn eifrig im Garten hantieren, stellte er doch Kutscher, Diener und Gärtner in einer Person vor.

Frau Hummel war indessen eilfertig die Trepp« emporgestiegen, die von den Wirtschaftsräumen zu. den im Hochparterre liegende» Wobnräumen führte, sie wollte unter irgend einem Vorwande nach Fräulein Lore sehen. Ein heftiges Klingeln, das durchs Haus schallte, ließ sie ihre Schritte be­schleunigen. Sie fand Oberst von Röder ungedul­dig in der Veranda auf und ab gehen.

Wo bleibt denn die Lore? Hat sich das Fräulein etwa verschlafen?" rief er ber Wirt­schafterin entgegen.

Werde gleich nachsehen, Herr Oberst," beeilte sich Frau Hummel zu sagen,aber das gnädige Fräulein waren vorhin ba."

Die Rede versagte ihr plötzlich denn es zog em jähes Leuchten über das schöne, vornehme Gesicht des alten Herrn, während er mit jugendlicher Be­weglichkeit an ihr vorübereilte, der Tür zu, auf bereit Schwelle Lore stand und mit bezauberndem Lächeln sagte:Nicht schelte», Onkelche», hier bttt ich ja." ,

Oberst von Roeder drückte einen Kus; auf bi« weiße Stirn, legte seinen Arm zärtlich um die schlanke Gestalt und führte sie zum Frühstückstisch. Frau Hummel ging hinaus, im Flur aber blieb sie plötzlich stehen, sah still vor sich hin, schüttelt« dann energisch ben Kopf:Er wird doch nicht. Sie blickte die festverschlossene Tür an, als ob fit unb sagte:Es wär' ber erste nicht."

(Fortsetzung folgt.)