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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 21. August 1903,

mit -em Kmsblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage; Jllrrstrirtes Sonntagsblatt.

Der Dreibund

und Oesterreich-Ungarn.

Der Chef des großen Eeneralstabes der vsterreichi'ch-ungarischen Armee, Feldz-ugmeister Freiherr von Beck, hat am Geburtstage des Kaiser Franz Josepf in einem Trinkspruch ou: den 73 jährigen Kaiser ausgesprochen, daß der Kaiser mit schwerer Sorge in die Zukunft bUcke! Das ist kein gewöhnliches Wort an chrem solchen Tage, bei einer solchen Festlich­keit, aber e8 ist ein vollberechtigtes und wahres Wort. Die politische Lage der habsburgischen Monarchie erschien zeitweise wohl kritischer schon in früheren Tagen, aber eine solche graue, dauernde Zukunft ist ihr noch nicht am Horizont erschienen, wie sie heut aufzusteigen scheint. Kaiser Franz Josef geht ins 74. Lebersjahr, nach den vielen Erfahrungen seines reich ge­prüften Lebens erscheinen ihm Versöhnlichkeit und Güte eine Notwendigkeit, in dieser sucht er die einander wiederstrebenden Elemente zur Versöhnlichkeit untereinander zu bringen. Es gelingt ihm nicht, trotzdem seine Person in Oesterreich wie in Ungarn so ungemein volks­tümlich ist. Don Jahr zu Jahr ist der innere Hader schlimmer und schlimmer geworden, bis er nun seinen anscheinend unlösbaren Höhe­punkt erreichte. Und was soll dann werden unter einem Nachfolger, dem weite Kreise der Bevölkerung mehr wie gleichgiltig gegenüber­stehen? Der Kaiser würde auch mit anderen Augen in die Zukunft schauen, wenn sein einziger Sohn Kronprinz Nudolf, dieser elastische, kräftig-überlegene Geist, noch lebte, aber der gegenwärtige Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, der Gemahl der Gräfin Chotecki, ersetzt, so wenig auch gegen seine Person zu sagen ist, den verstorbenen Kronprinzen Rudolf auch nicht entfernt. Das ist eine schwere Sorge, die um die innere friedliche Gestaltung der österreich-ungarischen Verhältnisse nach dem fortwährenden Nationalitätenhader; die andere betrifft die österreichische Großmachtstellung, welche durch die Unmöglichkeit, wenigstens bis­her bestehende Unmöglichkeit, die neue Heeres- vorlage unter Dach und Fach zu bringen, be­droht wird. Oesterreich-Ungarn ist für die Position, die es heute in Europa einnimmt, le.^r stark genug, alle persönliche Tüchtigkeit würde in einer kritischen Periode nicht mehr genügen, wenn dann die Machtmittel vom rechten Umfang fehlen.

Der Dreibund ist unerschüttert, er wird un­erschüttert bleiben. Aber für die österreichisch­ungarischen Staatsmänner muß allmählich die Erkenntnis peinlich und immer peinlicher werden, daß das Kaiserreich an der Donau bei gleichen Achten doch nicht die gleichen Pflichten zu übernehmen vermag, denn es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß Oesterreich-Ungarn in

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lNachdruck verboten.)

Zum Glück.

Roman von Margarete Böhme.

(Fortsetzung und Schluß).

Hedwig schwieg Auch Edith antwortete nicht aber Hedwig betrachtete es schon als ein gutes Zeichen, daß sie sie nicht unterbrochen hatte >d 3°ris° "Umfahren, nachdenklich sinnend s'ch n-cderblickte. Wohl zehn Minuten lang lie so, dann seufzte sie schwer und be- flann au sprechen. Zum erstenmal gewährte sie §odwig rückhaltlos einen Einblick in ihr sonst so streng verschlossenes Seelenleben, indem sic ihr ein Stiick der Vergangenheit entrollte.

^r?brfS°n halbes Kind eine Menge 2, 5^ £ gehabt, aber mit dem den Erbinnen ?eben i?e,llh°aci«etnenn Mißtrauen hatte sie von oi tert knen Mitgiftjäger gc-

Sr<r!' la der Gedanke, daß sie nur ihres Feldes wegen geheiratet werde, war bei ihr all- ^cr/ß?tfe CU ^worden. William

aper hatte mit seiner bestechenden Ver- sonlichkeit einen so mächtigen Eindruck auf ihr bis dahin noch unberührtes Herz geinacht dasi ibre llewohntc Voreingenommenheit in diesem einen

Voll seliger Illusionen war sie in die Ebe ac- L^und dw ersten Monate schienen auch ihre ^^a-ar,nngcn ganz zu erfüllen. Da wurde sie eines Tages unfreiwillig, wie sie behauptete . srnes Gespräches ihres Mannes init ctn,em /einer intimsten Freunde. Die Herren unterhielten sich über den Wert der Lieb^esi «S" ""d die praktischen Vorzüge einer auf gegen- begründeten Verstandsehe

Edith verstand nicht alles, aber sie fing doch einige Satze auf und unter anderem hörte sie, daß ihr

seiner Waffenrüstung weit hinter anderen Groß­mächten zurück ist, viel weiter, als es bei feinen allerdings nicht zu günstigen Finanzverhältnissen bedingt ist. In der neuen Wehrvorlage wird eine Rekruten Vermehrung von rund 25 000 Mann verlangt; aber die skandaltolle Dtinder- heit des ungarischen Reichstages, die nun wegen dieses Gesetzentwurfes schon drei Ministerien zur Strecke gebracht hat, will sich auf gar nichts eintaffen, lediglich eine winzige Vermehrung der Landwehr, die keinerlei praktische Bedeutung hat, soll zugestanden werden. Die magyarischen Heißsporne, denen der alte Kriegsruhm ihrer Landsleute in der Erinnerung weiter lebt, ver­kennen die heutige Zeit total, die im militäri­schen Leben mit der rauhen Wirklichkeit rechnet. Und wenn zwanzigtausend ungarische Reiter in einer Schlacht den Sieg herbeiführten, so würden sie doch nicht ein zweites Mal zum gleichen Erfolge gelangen; die modernen Feuerwaffen würden den allermeisten von ihnen einen letzten Ritt bereitet haben. Da8 will man aber in Budapest nicht einsehen!

Selbstverständlich liegt es den anderen Mit­gliedern des Dreibundes, vornehmlich dem deut­schen Reiche, vollständig fern, auf die Wiener Regierung einen Druck auSzuüben, um den weiteren Ausbau des Heeres durchzusktzen. Ohne schweren Trubel in Ungarn würde das auch nicht möglich fein. Bismarck war vor vierzig Jahren in Preußen vor dieselbe Lage gestellt, wie sie heute an der Donau besteht. König Wilhelm I. hatte alles versucht, die neue Militärorganisation zu erlangen, es war um­sonst,^ und Bismarck als Ministerpräsident sah all fein Entgegenkommen scheitern. Ta ging er seinen eigenen Weg und er konnte das, weil er wußte, daß er doch mit einem einheitlich ge­schloffenen Volke rechnen dürfe. Das letztere aber ist's gerade, was da unten fehlt, eine Nationalität hackt auf die andere und alle zu­sammen auf die Deutsche. Und doch wird kein anderer Weg, als der, welchen Bismarck ging, übrig bleiben, wenn in Kaiser Franz Joseph's Staaten nicht jede Autorität versumpfen soll. Aber erst muß der österreichische Bismarck ge­funden sein, und das ist wohl das Schwerste.

Umschau.

Deutsche Arbeit. (

Einige neuere Erfolge deutscher Arbeit im Wettbewerb mit verwandten englischen Unter­nehmungen zeigen wieder einmal wie wertvoll es ist, daß die deutsche Industrie, vor allem die deutsche Ausfuhrindustrie aus ausländischen Märkten wettbewerbsfähig bleibt und aus diese Weise ihren Angestellten und Arbeitern dauernde Erwerbsgelegenheit gewährleistet. DieTimes" berichtet, daß bei einer Ausschreibung von Maschinen für elektrische Anlagen, an der sich 17 Firmen, unter ihnen 15 britische, beteiligten,

Mann sich, als Beweis für seine Anschauungen auf seine eigene Ehe,bei der auch die Vernunft ein gewichtiges Wort mitgesvrochen habe," beriet. Er erzählte dann, daß er beinahe auch so töricht gewesen sei, mit Hintansetzung aller Vernunftser- wägungen eine reine Liebesheirat zu machen. Glücklicherweise habe er sich noch rechtzeitig eines besieren besonnen . . .

Edith war wie aus den Wolken gefallen. Das Gehörte riß sie aus allen ihren Himmeln. Wie ein furchtbarer Schlag traf sie die Erkenntnis, daß ihr Mann nicht besser als die andern, ein so tief von ihr verachteter Mitgistjäger war, daß ibr Geld bei seiner Werbung eine Hauptrolle gespielt hatte.

Von der Stunde an ging ihr Glück in Scher- ben. Nie hatte sie auch nur andeutungsweise ettoa3 von dem Erlauschten gegen ihren Mann erwähnt, aoer sie glaubte ihn seitdem zu hassen und zu verachten.

Kein Mensch ist in meinen Augen erbärm­licher und verachtuugslverter als der Mann, der um des Geldes willen ein Mädchen heiratet," schloß Edith erregt,und daß ich meinen Mann nicht falsch beurteilte, beweist mir sein Verhalten gegen Sw. Hedwig. Auch Ihnen gegenüber hat er mchtswurdig gehandelt, als er Sie nach Ihres Vaters Tode, als Sie arm und verwaist in der Welt standen, verließ, Sie, die er liebte. Wie würde er es nur erst gemacht haben, wenn meine Eltern plötzlich ihr Vermögen verloren und ich keine Erbschaft gemacht hätte! Begreifen Sie nun, daß es mir unmöglich ist, mit diesem Manne in Frieden znsammenzuleben?"

Hedwig schüttelte den Kopf.Wenn Sie Ihren Mann je so geliebt hätten, wie ich zum Beispiel meinen Verlobten liebe, würden Sie ihm ver­ziehen haben," sagte sie sanft,die Liebe glaubt alles, duldet alles, verzeiht alles. Ihre Liebe wäre

eine deutsche Firma mit dem niedrigsten An» geböte die Lieferung erhalten habe. Der Ver­treter einet englischen Firma stellt allein in den Rechnungsanschlägen für die Stahlteile der Maschinen einen Unterschied von 5000 LrstS. zwischen den englischen und den kontinentalen Angeboten fest und hebt hervor, daß der nun­mehr abgeschloffene Vertrag bereits der dritte fei, der deutsche Industrielle im Wettbewerb mit verwandten englischen Unternehmungen zum Abschlüsse gebracht hätten. Dabei wird von dem GewährSmanne derTimes" unumwunden zugestanden, daß einerseits die allmählich, be­sonders durch den Terrorismus der Trabe- Unions in8 Ungemessene gestiegenen Arbeitslöhne in England einen erfolgreichen Wettbewerb der englischen Industrie mit dem Auslande aus­schließen müßten und andererseits die in Deutsch­land bestehenden wirtschaftlichen Verenigungen durch ihr billigeres Betriebssystem ein gut Teil zu der überlegenen Leistungsfähigkeit der deutschen Ausfuhrindustrie beigetragen hätten. Dieselbe Erfahrung hat die englische Industrie gegenüber dem amerikanischen Wettbewerb ge­macht. Es liegt daher im eigensten Interesse aller, deren wirtschaftliche Lage mit dem Wohl und Wehe der deutschen Industrie eng ver­bunden ist, die gegenwärtige Betriebsart und Praxis unserer Industrien, die einen erfolg­reichen Wettbewerb im Auslande gestattet und dadurch Tausenden von Arbeitern und ihren Angehörigen im Jnlnnde Beschäftigung giebt, dauernd zu erhalten.

Englische Flotten-Manöver.

Riesen-Manöver der englischen Flotte finden zur Zeit an der portugiesischen Küste statt. Die erste Ausgabe der vereinten Kriegsgeschwader unter dem Oberbefehl des Admiral Fischer be­stand darin, die Vereinigung zweier aus dem Norden und Süden kommenden feindlichen Flotten zu verhindern. Diese Ausgabe ist nicht erfüllt worden, da es den den Feind mar­kierenden Schiffen gelang, sich ungehindert in der Nähe der Insel Faya! (Azoren) zu ver­sammeln. Admiral Fischer hat daraufhin feine Regierung um eine weitere Verstärkung von 50 Kriegsschiffen ersucht. In der zweiten Ma­növeraufgabe fetzen die Engländer voraus, daß Gibraltar vom Feinde geschleift oder unbrauch­bar gemacht ist; als Ersatz für Gibraltar ist der Hafen von Lagos als Sammel- und Ver- proviantirungs-Punkt und gleichzeitig als Basis für eine neue Schlachtaussiellung der englischen Geschwader ausersehen. Der König von Por­tugal befindet sich bereits in Lagos und nimmt dort über schwär gliche Huldigungen entgegen. Manöver-Bummler sind massenhaft dort einge­troffen. Das Schauspiel ist hochinteressant, aber trotz des engen Bündnisses, das beide König­reiche vereint, macht es den Eindruck, als ob die portugiesische Gebiets - Oberhoheit etwas

dann mich größer geweseit, als Ihre Verachtung; Sie hätten versucht, sein Empfinden, seine Gesinn­ung zu einer idealeren Höhe emporzuheben. In unserer moderiwn Zeit denken Wohl die meisten Männer realistischer über die Wahl ihrer Frauen, als wir Mädchen immer anzuuehmen geneigt sind. Wir Frauen neigen eben immer dazu, alles, was unsere Herzensangelegenheiten anbelangt, mit dem Glorienschein des Idealen zu umkleiden. Wenn Sie es nun einmal versuchen wollten, Ihrem Gatten näher zu treten,--ich weiß, wie viel

ihm daran liegt, daß das Glück wieder bei Ihnen cinkehrt. Mein eigenes Glück würde erst ganz vollkommen sein, wenn ich wüßte, daß Sie ein­ander wiedergefunden hätten."

Wenn ich nicht mit meinen eigenen Ohren gehört hätte, ivas er zu Ihnen sprach," sagte Edith gedankenvoll.

Nun wohl, wenn Sie alles gehört haben, müßte Ihnen das ein Grund mehr sein, Ihres Mannes Handlungsweise gerecht zu beurteilen. Die Männer verfügen durchschnittlich über keine so große Geduld,wie wir Frauen sie eigentlich haben sollten. Sic gaben selbst zu, daß Sie Ihrem Gatten vorsätzlich das Leben verbitterten, nur da­mit er freiwillig auf ein Zusammenleben verzichten sollte. Müssen Sic bei ruhiger, vorurteilsloser Erwägung nicht zu dem Schlüsse kommen, daß Ihr Verhalten somst eigentlich darauf hinauszielte, den Gedanken an eine definitive Scheidung in ihm heranreifen zu lassen? Nachdem seine Versuche, eine Wendung zum Guten herbeizuführen, an Ihrer Hartnäckigkeit scheiterten, mußte er wohl oder übel jede Hoffnung auf eine Besserung seiner häuslichen Verhältnisse aufgeben. Verdenken Sie es ihm, daß ihm die Aussicht, fein ganzes Leben in der Oual einer unglücklichen Ehe aufreiben zu müssen, ebenso schrecklich war als Ihnen, daß er in dem brennenden Wunsch, sich noch ein Zipfel­chen Glück für den Rest seines Lebens zu retten.

schlecht dabei wegkäme. Verwunderlich ist das freilich nicht, denn die Engländer betrachten Portugal so als eine Art von britischer Provinz.

Die deutsche Spiritus-Ausfuhr zeigt, nachdem sie jahrelang von verhältnis­mäßig geringem Umfange gewesen ist, neuer» bingS eine bemerkenswerte Zunahme. Allerdings ist der Umfang, den dieser Zweig deS deutschen Exporthandels vor zwanzig Jahren inne halte, noch bei weitem nicht erreicht. Im Jahre 1882 wurden aus dem deutschen Zollgebiet 909 637 Doppelzentner Spiritus in Fässern ausgeführt; zehn Jahre später war die Ausfuhr, haupt­sächlich infolge deS Verlustes deS spanischen Marktes, auf 83336 Doppelzentner gesunken. Außer Spanien hatten inzwischen auch andere Länder, die früher bedeutende Abnehmer von deutschem Spiritus waren, ihre Bezüge aus Deutschland mehr und mehr eingestellt, so namentlich Frankreich, Italien, Oesterreich- Ungarn. Dafür ist in den letzten Jahren namentlich die Ausfuhr nach England etwas gewachsen, und es wurden neue Absatzmärkte, u. a. in der Türkei, gewonnen. Im Jahre 1897 hatte sich die Ausfuhr wieder auf 176605 Doppelzentner gehoben, 1902 stieg sie auf 313502 Doppelzentner, und eine weitere Zu­nahme ist im laufenden Jahre zu bemerken. Für das deutsche Brennereigewerbe wäre es von großer Bedeutung, wenn bei den bevor­stehenden Vertragsverhandlungen dem Absatz deutschen Alkohols nach dem Auslande neue Wege eröffnet werden könnten. Bei den Ver» tragsverhandlungen im Jahre 1891 ist dieS bedauerlicherweise unterlassen worden.

Graf Zedlitz-Trützschler.

Die Besetzung deS OberpräsidiumS der Provinz Schlesien durch den bisherigen Ober­präsidenten der Provinz Hessen-Nassau hat un­geteilten Beifall gefunden. Graf Zedlitz- Trützschler hat eine langjährige, ehrenvolle Laufbahn in höheren Verwaltungsämtern hinter sich; er hat besonders als Oberpräsident von Posen Gelegenheit gehabt, eine den in dieser Provinz der Lösung harrenden ernsten Aufgaben entsprechende Verwaltungstätigkeit zu entwickeln und vor allem fein Deutschtum zu betätigen. Seine Ernennung zum Oöerpräsideaten von Schlesien dürste somit ein Programm bedeuten. Graf Zedlitz-Trützschler war es, dem im Jahre 1886 vom Fürsten Bismarck die Leitung der Geschäfte der neu geschaffenen preußischen An­siedlungskommission anvertraut wurde; man darf daher annehmen, daß feine Amtsführung in den politischen Verhältnissen Oberschlesiens Wandel schaffen und einer Bewegung ein Ziel setzen wird, die in den letzten Jahren zum Schaden des Deutschtums mehr und mehr um sich gegriffen hat. Dabei wird ihm zu statten

irre an sich selber wurde--richten Sie nicht

so scharf, Edith wir sind alle Menschen . . .* Edith nickte unmerklich, erwiderte aber nichts.

Und da Hedwig cs für das beste hielt, sie jetzt allein zu lassen, damit sie den Inhalt der Unter­redung in sich verarbeiten könnte, ging sie leise hinaus.

Doktor Buttler hatte ferner keine Ursache, sich über Frau Edith als Patienttn zu beklagen. Seit jener Unterredung mit Hedwig war eine auf­fallende Wandlung mit ihr vorgegangen. So trotzig und launenhaft sie vordem gewesen, ebenso sauft und fügsam war sie jetzt. Zuweilen fiel sie wieder in ihre frühere Apathie; daun sprach sie nur das notwendigste und fuhr bei jeder Anrede verstört auf, aber dieser Zustand dauerte selten länger als ein paar Stunden. Umsonst aber wartete Hedwig auf das Zeichen einer zur Ver­söhnung mit ihrem Manne neigenden Regung bei der eigensinnigen Frau. 'Sie Hedwig hatte eigentlich bis zu ihrer Trauung in ihre Vaterstadt zurückkehren wollen, aber auf Ediths inständige Bitten, sie nicht zu verlassen, gab sie ihren Plan auf und blieb. Der Hochzeitstag nahte heran. Die Trauung sollte in aller Stille in der Kirche des nächsten Dorfes stattfinden, und das darauf­folgende kleine Diner in der Wohnung des neu«, vermählten Paares sich gleichfalls auf die aller«' nächsten Verwandten und Freunde beschränken. Von Hedwigs Seite war nur ihre mütterliche Freundin und Erzieherin, Frau Heliuger,. aus ihrem Stift gekommen, um der Hochzeit ihre- Lieblings beizuwvhnen. Der Gedanke an Hed­wigs Verlassenheit hatte immer wie ein ver­dunkelnder Schatten über dem im übrigen sorgen­losen Lebensabend der alten Fran gelegen; nun strahlte sie vor Freude über das Gluck ihreiS" Herzenskindes, das diesem so offenkundig aus bat Auaen und den verklärten Ziiaen leuchtete. Am