mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Krrchyuiu.
Sonntagsbeilage; Jllustrirtes Sonntagsblatt.
JK. 221
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld).
Jnserttonsgebührr die gespaltene Zelle oder deren Raum 1V Pfg.
Reclanicn: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Donnerstag, 20. August 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Zoh. Slug. Koch, Unibersitäts-Buchbruckerel 38. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Die Friedenskonferenz in Wien.
Demnächst werden wieder Volksvertreter auS allen Kulturstaaten znsammentreten, um in der alljährlichen sogenannten interparlamentarischen Friedenskonferenz zu erörtern, wie die Kriege am besten aus der Welt geschafft, und die schwebenden Streitigkeiten durch Schiedsgerichtsspruch erledigt werden können. Die Herren haben in früheren Jahren bereits in London, Paris, Rom getagt, sic vereinen sich nun an der Donau. Ein auf der lebten Versammlung geinachter Vorschlag. Berlin oder eine andere deutsche Stadt für das laufende Jahr als Tagungsort festzusehen, sand keine Zustimmung, weil ein Teil der Franzosen noch von einer elsaß-lothringischen Frage sprach, die doch überhaupt nicht existiert. Im Friedens-Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich zu Frankfurt am Main vom 10. Mai 1871 ist Elsaß-Lothringen zum deutschen Reichsland bestimmt worden, und damit wurde der Rechtsbodeu geschaffen, an welchem nicht mehr zu rütteln ist. Französische Teilnehmer, überhaupt Besucher der Friedenskonferenz, die von einer elsaß-lothringischen Frage heute noch sprechen, meinen cs also nicht ehrlich mit der ganzen Idee, denn sie wollen nur das einem Schiedsspruch unterstellen, was ihnen gerade beliebt. Ebensogut könnte man heute noch von einer Nizza-Savoyen-Frage sprechen, denn 1859 ist das bis dahin italienische Nizza und Savoyen an Frankreich abgetreten. Oder aus neuerer Zeit könnte die Giltigkeit des Kuba- Friedensschlusses, die Annektion der Bnren-Repu- blikeu, oder aus allerueueiten Tagen die Besitz- ergreifung der chinesischen Mandschurei durch Rußland als zweifelhaft giltig hingcstellt werden. Die Erörterungen dieser Friedenskonferenz entbehren also bei einer Anzahl ihrer Teilnehmer der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, und das raubt ihnen von vorhcrein den Wert trnd da§ Recht auf ernste Würdigung, tvelchcs sonst jedes Idealen Zielen dienende Unternehmen beanspruchen kann.
In den Beratungen dieser Art, an welchen auch niehrfach deutsche Parlamentarier teilgenommen haben, haben überhaupt Franzosen nieist die erste Geige gespielt und ihnen haben sich be- reitwillig andere Elemente angcschlasscn, die aus irgend einem Grunde auf Deutschland nicht gut zu sprechen sind, nanicntlich Engläitder. Aber auch andere Persönlichkeiten, die als Rufer im Streit auf dieser Konferenz bekannt sind, haben sich überaus vorurtcilsvoll über Deutschland ausgesprochen, obwohl sie uns weit besser kennen sollten und wissen müßten, daß ihre Angaben nicht zutreffend sind. Das alte, ödc Gerede, daß es Deutschland sei, welches durch feine starke Waffen- rüstung immer und ewig den Frieden bedrohe, wird stets von neuem aufgctischt, obwohl doch die Tatsachen sprechen und beweisen, daß das nillit stiimnt. Daß Frankreich und besonders Rußland ganz andere militärische Anstrengungen machen, wie Deutschland, ist allgemein bekannt: in unserem östlichen Grenzgebiet müßte es z. B. ganz anders
19 lNachbruck verboten.)
Zum Glück.
Roman von Margarete Böhme.
lFortsetzung.)
Hedwig aber sah nichts von der unvergleichlichen Schönheit dieser stillen, sonnigen Szenerie vor ihren Augen: ihre bis dahin mühsam be- hauptete Haltung brach jählings zusammen. Zu viel war in dieser lebten Viertelstunde auf sie ein- gestürmt: beide Hände vor das Gesicht legend, brach sic in eilt bitterliches Schluchzen aus.
Ter Sanitätsrat ließ sie gewähren: unver- wandt blickte er sinnend hinatts in die malerische Pracht des Herbsttages, erst als das Mädchen neben ihin ruhiger wurde, wandte er sich ihr zu und uahni ihre Hände mit sanfter Gewalt in die seinen.
„Sie sollen nicht länger in dieser unerträglichen Stellung bleiben." sagte er leise, „ich —---
nun. Sie wissen ja, daß ich einst um Sie warb, Hedwig. Sie lehnten meinen Antrag ab, und mit Recht, denn ich hatte gewiß nicht den rechten Weg gewählt, um mir Ihre Zuneigung zu erwerben. Anstatt Ihren Vater zuerst aufzusuchen, hätte ich bestrebt sein niüssen, mir vorher Ihre Liebe zu erringen, mich Ihnen näher zu bringen . . . aber ich liebte Sie eben so sehr, daß ich meinte, eine solche starke Nergmig müsse hypnotisierend wirken rind ohne weiteres Gegenneigung erwecken. Ich war bis jetzt immer der Ansicht, daß ein Mann sich seiner Würde vergibt, wenn er an einer Stelle, wo man ihn einmal verschmäht, zum zweitenmale wirbt, aber seit dem Augenblicke, wo Sie mir wieder gegenübertraten, weiß ich, daß wahre Liebe nicht von so kleinlichen Gesichtspunkten ausgeht. Wenn meine Neigung zu Ihnen überhaupt noch^ einer Steigerung fähig war, so möchte ich behaup- fat, daß Sie mir heute noch teurer sind als damals Uw — fiche. liebe Hedwia — darf ick hoffen.
aussehen, wenn wir nur Halbwegs die gewaltige Truppen-Aufbietung erreichen ivollten, die Rußland uns gegenüberstellt. Die Antipathie und der Neid wider Deutschland sind international, und so finden sich auf diesen Tagungen zugunsten des Friedens mit Wonne jene Persönlichkeiten zu einer Kritik über Deutschland zusammen, die nach allcnt anderen eher aussieht, wie nach Frieden und versöhnlicher Freundschaft. Es ist erfreulich gewesen, daß beim letzten Kongresse, als wieder einmal von der togenannten, nicht existierenden clfaß-lothringischcu Frage gesprochen wurde, die deutschen Teilnehmer unter Protest das Lokal verließen.
Aber selbst wenn man von dieser Ungerechtigkeit Deutschland gegenüber absieht, so kommen doch die Debatten und Beschlüsse über den Charakter der grauen Theorie nicht hinaus. Wie wir alle wissen, liegt ja heute genug Stoff vor für solche schiedsrichterlichen Entscheidungen, viel Blut hätte im Laufe des letzten Jahrzehnts gespart werden können, denn an Kriegen, deren Verhinderung keine Unmöglichkeit war, hat es nicht gefehlt, der Kubakrieg, der griechisch-türkische Krieg, der Buren-Krieg waren alle drei entschieden nicht notwendig, aber es ist das eigentüniliche, daß gerade die Staaten, deren Angehörige am lautesten für den Friedens-Gedanken sind, für sich ein solches Schiedsgericht nicht anerkennen wollen. England wies alle Vermittclungsvorfchläge wegen des Burenstreites kurzer Haud ab, iu Frankreich darf cs kein Ministerium wagen, zu sagen: Elsaß- Lothringen gehört wirklich Deutschland, und die Amerikaner, die dem alten Europa so gern Er- niahnungen zurufen, nehmen nur zu gern, was sie irgendwie bekommen können Wenn der Friedensgedanke ein so siegreicher wäre, hätte Rußland nie , die Mandschurei okkupieren dürfen, und die Mächte hätten erst recht nicht zusehcu können, wie der mazedonische Aufstand gegen die Türkei in den benachbarten Kleinstaaten die Wurzeln seiner Kraft hat. Würde von Bulgarien stets genau ausgepaßt, dieser Ausstand wäre lediglich ein schwaches Aufflammcn geblieben. Tie Anregung des Zaren für Haag blieb ein schöner Gedanke, und die russische Regierung war die erste, die sich nicht darum bekümmerte; noch weniger kommt bei diesen Friedens-Konferenzen heraus. Darum sollten die Teilnehmer es möglichst vermeiden, sich wie die Pfauen zu spreizen, in ihrer Eitelkeit sich anzustellen, als vollbrächten sie ein Weltwerk. Viel, viel besser wäre es, sie zeigten mehr Wahrheit und gerechte Würdigung für alle Nationen, namentlich die deutsche.
Umschau.
Der neue Oberpräsident von Hessen-Nassau.
An Stelle des zum Oberpräfidentrn von Schlesien ernannten Oberpräsidenten Grafen Zedlitz-Trützfchler in Kassel ist der bisherige NegierungS-Präsident v. Windheim in Frankfurt a. O. zum Oberpräfidenten in Kassel ernannt. Herr v. Windheim war bis vor etwa Jahresfrist Polizeipräsident von Berlin, wo er
daß auch Sie dem alternden Manne mit den grauen Haaren ein wenig gut sind--Wollen
Sie die Meine werden — —"
Er führte ihre Hand an die Lippen und sah ihr mit einem tiefen fragenden Ausdruck in die Augen. Und Hedwig--vor Verwirrung und
Ueberraschung war ihr die Zunge momentan wie festgebannt, aber bei alledeiu zitterte ein unnennbar süßes, seliges Glücksempsiuden durch ihr Herz, eine Antwort aus die bedeutungsvolle Frage -vermochte sic nicht zu geben. Sie schmiegte sich nur fest in den sic umschlingenden Arm und schloß die Augen, und Plötzlich wußte sie es, daß dieser Manu der eine, einzige war, dem ihr ganzes Herz gehörte, und daß es eine freundliche Vorsehung gewesen, die ihr dieses große, große Glück aufgehoben und sic durch ein Labyrinth dunkler Wege zu diesem Ziele führte . . .
VIII.
Als Hedwig eine Stunde später wieder in Ediths Zimmer trat, fand sie die Kranke aufrecht auf dem Divau sitzend und aitscheineud viel ruhiger. Bei Hedwigs Eintritt zuckte sie zusammen und blickte flüchtig auf.
„Ich muß Sie wohl um Verzeihung bitten für den ungerechten Verdacht," sagte sie mit klang- loser, monotoner Stimme, „ich dachte, ich meinte — hm — und da Sic zugebcn müssen, daß meine übrigen Kombinationen bezüglich Ihres Verhält- nisses zu meinen Manne — zu Berkholtz . . ."
„Ich verzeihe Ihnen gern, obgleich es mich schmerzt, daß ein einfaches Mißverständnis ein so schreckliches Mißtrauen in Ihnen heranzichen konnte, Frau Edith," erwiderte Hedwig ernst, aber mit einer Herzlichkeit, die auf die junge Frau sichtlich Eindruck machte. Hedwig hatte die Kränk- ung. die Edith ihr angetan, in Wahrheit vergessen, ihr jimgeS, reiches Glück löschte jede bittere Empfindung aus und breitete auch über die ewig nörgelnde, verbitterte und unzufriedene Kranke einen verkliiMchM rmb versöhnenden Schilluner. Sie
so populär war, wie eS ein Polizei-Präsident an der Spree nur sein kann.
liebet unseren neuen Oberpräsidenten schreibt die »Freis. Ztg.": .Herr v. Windheim hat sein , Amt in Frankfurt a. O. als Nachfolger eines Puttkamer nur wenige Monate inne gehabt. Er ist ein Studienfreund deS Kaisers. Der Scchsundvierzigjährige hat schon einmal eine Abberufung erlebt aus einem Amt, in dem er kaum warm geworden war. Im April 1895 wurde er als Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern zum Polizeipräsidenten in Stettin befördert, aber schon zwei Monate später, nach dem Tode des Polizeipräsidenten Frhrn. von Richthofen, zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt. Politisch gehört Herr v. Windheim zu den Konservativen.
Die amtlichen Erhebungen über die Rentabilität der Landwirtschaft.
Von allen landwirtschaftlichen Einnahmen entfällt der Hauptteil 1) auf Vieh und Vieh- produkte und 2) aus Getreide, und nur ein verhältnismäßig kleiner Rest auf sonstige Nebenerzeugnisse verschiedener Art. Um hierüber zu bestimmten Zahlen zu gelangen, haben sich die Ermittelungen auch auf diesen Punkt erstreckt. Das durchschnittliche Gesamtergebnis ist, daß von 1000 Mk. Einnahmen 40,6 Proz. auf Vieh und Viehprodulte entfallen, 26,4 Proz. auf Getreide und 33 Proz. auf alle sonstigen Erzeugnisse, unter denen die Zuckerrübe besonders in Betracht kommt. Sehr verschieden gestaltet sich in den einzelnen Landesteilen der Anteil, den das Getreide oder das Vieh an den Gesamteinnahmen hat. Den höchsten Prozentsatz für Getreide erreichen Sachsen-Altenburg (38 Proz.), Mccklenburg-Strelitz (34,4 Proz.), ferner Kassel, Posen, Prcvinz Sachsen, Lübeck, Königsberg (alle auch über 30 Proz.); der geringste Satz findet sich in Bremen (6,7 Proz.), Bayern rechts des Rheins (15,5 Proz.), Hamburg. Württemberg (beide noch unter 20 Proz.).
Dagegen bildet die Viehzucht die wichtigste Einnahmequelle in Reuß jüng. Linie (61,5 Prvz), Schleswig-Holstein (64,3 Proz.), Oldenburg (65,5 Proz.), Hannover, Königsberg. Reuß. alt. Linie, Württemberg (alle noch über 55 Proz.) während die geri>,sten Einnohmen au8 der Viehzucht in Rudolstadt (27,1 Proz.). Posen (30,1 Proz.), Pommern. Schlesien, und Provinz Sachsen erzielt werden.
Unter den Nebenerzeugnissen ist die Zuckerrübe am stärksten beteiligt in Schwarzburg- Nudolstadt (39,6 Proz.), Anhalt, Braunschweig, Lippe, Provinz Sachsen, Mecklenburg Schwerin (alle noch über 31 Proz.).
Von besonderem Interesse ist der Umfang, in dem auch die kleineren Wirtschaften am Verkauf von Getreide beteiligt sind. Der Getreide- verkauf für die Durchschnittswirtschaft von
sah in Edith wieder einmal nut die bedauernswerte. leidende Frau, deren krankes Gemüt Schonung und Mitleid erforderte, und der man nicht zürnen und grollen durste.
„Ich bin so glücklich," sagte sie. ihren Gedanken unbewußt Worte leihend, "soeben habe ich mich mit Doktor von Buttler verlobt. Soweit ich Sie kenne, werden Sie sich über mein Glück freuen. . . . Heute über fünf Wochen wollen wir rms in aller Stille trauen lassen."
Die Wirkung ihrer Mitteilung war eine über- raschen de. Ein grenzenloses Erstaunen malte sich auf Ediths schmalem, tveißem Gesichtchen; ungläubig starrteu ihre großen dunklen Augen in die heißen, strahlenden Züge des Mädchens.
„Ich will Ihnen jetzt alles erzählen, damit nickt der Schatten eines Mißtrauens in Ihrer Seele hängen bleibt," fuhr Hedwig fort, indem sie die weiße, zuckende Hand der jungen Frau ergriff. „Wohl hatten Sie recht, mir zu zürnen, weil ich nickst ganz offen gegen Sie war, aber glauben Sie mir, daß mir dies Verheimlichen völlig harmloser Tatsachen schwer genug gefallen ist und daß Ihr Gatte es gut mit Ihnen meinte, als er mich aus Rücksicht auf Ihre leichte Erregbarkeit über die Vergangenheit zu schweigen bat. Wollen Sie mich jetzt anhören?"
Edith nickte. Und Hedwig begann. Alles was sie Edith schon früher erzählte, wiederholte sie mit schlichten Worten. Von ihren und Willis Kinderjahren erzählte sic, wie unzertrennliche Spielgefährten sie stets gewesen waren und wie sie sich in unbegreiflicher Täuschung ihrer Gefühle später verlobt hatten. Mit feinem Takt überging sie alles, was geeignet war, Willis Charakter in ein wenig freundliches Licht zu rücken; von ihrer letzten Unterredung gab sie als wesentlichsten Teil nur Willis Versprechen, fortan mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln um die Liebe feiner Frau zu werben, wieder.
3,52 ha ersieht eine Einnahme, die mit 9,2 Prozent an dem GefamterlöS beteiligt ist.
Bei etwas größeren Wirtschaften (von 5 bis 20 ha; — DurchfchnittSgröße 12,65 ha) verkaufen 7 Proz. gar kein Getreide. Diese aber doch eingerechnet, ergiebt der Getreideverkanf in dieser Gruppe schon 19,6 Proz. der Gefamt- einnahme, während für alle Größenklassen zusammengenommen und im Durchschnitt deS gesamten Erhebungsgebietes der Durchschnittsprozentsatz überhaupt nur bis auf 26,4 Proz. steigt. Wenn daher auch daS Interesse der großen Wirtschaften am Getreideverkauf verhältnismäßig größer ist, als das der kleineren und der ganz kleinen Wirtschaften, so kann doch von einer eigentlichen Gegensätzlichkeit der Interessen zwischen dem Großgrundbesitz einerseits und den mittleren und kleinen Wirtschaften andererseits nicht die Rede fein.
Deutsches Reich
Berlin, 19. August.
- Die Wahlen $*m Abgeordnetenhanfe finde«, wie die „Nene politische Korrespondenz" an- kündige« z« könne» qlanbl, a» S. «nd 16. Nod^ an zwei Montage«, statt.
— Unser Kaiser wird, wie die .Post' hört, Schloß Wilhelmshöhe schon wieder vorübergehend verlasse« und sich nach dem Truppenübungs-Platz Alten-Grabow begeben, wo vom 20.—22. August große Kavallerie» Hebungen vor dem Monarchen statlfinden. Die Trom» peterkorvs der dort befindlichen 10 Kavallerie-Regimenter werden dem Monarchen eine Serenade darbringen. Dirigent ist der Stabstrompeter Bramme von den Salzwedeler Ulanen. Am 24. August trifft der Kaiser zur Truppenschau in Mainz ein.
— In Sachen des verurteilten Prinzen ProSPer Arenberg hatte bekanntlich der Direktor des Gerichts- Eefängnisies in Hannover beantragt, die Straf- Vollstreckung zu unterbrechen, weil bei dem Prinzen geistige Störungen beobachtet seien. Das Ergebms der hierauf angeordneten Ermittelungen ist nach der .Nat.-Ztg.' derart ausgefallen, daß der Reichskanzler als Chef des Oberkommandos der Schutztruppe, seine Zustimmung auf Unterbrechung der Strafvollstreckung versagt hat. Prinz Arenberg wird mit Rücksicht auf die bekannten Vorgänge in Hannover, wo ihm ungebührliche Freiheiten eingeräumt wurden, in ei« anderes Gefängnis überführt und hat dort seine Strafe weiter zu verbüßen.
— Ter .Deutsche Reichsanzeiger' schreibt: Die Sammlungen des Reichskomitee's zu Gunsten der durch Hochwasser Geschädigten in den östlichen Provinzen, vor allem in Schlesien, haben einen gute« Anfang genommen, aber es fehlt noch viel, um der Not begegnen zu können, Bis jetzt hat zu neu« zehntel« Schlesien selbst die Gaben aufgebracht, und es ist daher hohe Zeit, daß die Privatwohltätigkeit auch außerhalb der geschädigten Provinzen sich krältig regt, um den Unglücklichen, die ihr Hab und Gut verwüstet sehen, wieder die Möglichkeit und den Mut zu neuem Anfang zu geben.
— Die Prinzessin Rupprecht von Bayern, die Gemahlin des künftigen Thronfolgers, die auf der mit ihrem Gatten unternommenen und jüngst beendete« Weltreise an Blinddarmentzündung erkrankte, ist am Dienstag in München operiert. Die Operation verlief glatt.
---------------- . ' ~
Edith schüttelte den Kopf..
„Etwas verschweigen Sie mir, Hedwig. Mei» Mann sagte Ihnen, daß er Sie noch immer liebe, er sprach von einer Scheidung und einer Ver- einigung mit Ihnen — Ihre Antwort habe ich nicht verstanden."
Hedwig antwortete nicht gleich.
„Ich glaube, ich habe Ihnen durch meine offene Aussprache bewiesen, daß ich niemals etwas tat, waS mich Ihres Vertrauens unwert machte," sagte sie nach einer Weile ernst, „nun wohl, so werden Sie mir hoffentlich auch nicht ein aufrichtiges Wort verübeln. Ich weiß von den internen Angelegenheiten Ihres Hauses nichts, als was mir die flüchtigen Andeutungen Ihres Gatten verrieten, aber nach allem, was ich beobachtete, scheint es mir fast, als ob Sie auch ein wenig mehr an Ihrem Glücke arbeiten könnten, als dies von Ihrer Seite geschieht. Glauben Sie mir, liebe Frau Edith, auch die beste Ehe muß eine große Summe von Duldsamkeit, Langmut und Selbstverleugnung umschließen, und wenn Sie Ihren Mann lieben — und weshalb sonst sollte« Sie ihn denn geheiratet haben — versuchen Sie es einmal, sich selbst zu überwinden und durch Freundlichkeit und Güte und Selbstüberwindung Ihr Zusammenleben in bessere Bahnen zu lenke«. Ich weiß, daß es kühn von mir ist. Ihnen unaufgefordert Ratschläge zu geben, aber ich habe Sie lieb gewonnen, und ich möchte Sie und meinen Jugendfreund gern ebenso glücklich sehen, als ich es selber bin. Ihr Mann sagte mir doch, daß et Sie liebte, als er Sie heiratete — verzeihen Sre ihm deshalb seine Reizbarkeit, seine zeitweilige nervöse Zerfahrenheit, die das aufreibende geschäftt liche Leben und mancher andere Umstand mit sich bringen mögen, er ist ja nicht böse, und ich bin überzeugt, daß Sie einen hingehenden und zärtlichen Gatten in ihm finden, wenn Sie sich gegenseitig nur erst recht verstehen."
(Fortsetzung folgt.)