»and daran, daß Humbert der Berater seiner Fsau gewesen ist. Ihre Verteidigung hat schon jetzt deutlich genug auf den Nachweis der Echt- hett deS Testaments verzichtet; alle Geschichten, die Therese noch Vorbringen will, haben nur mehr den Zweck, glauben zu machen, daß sie selbst mit diesem Testament möglicherweise ebenso hintergangen worden sei, wie ihre Gläubiger. Die Aussicht auf politische Enthüllungen ist geschwunden und die nationalistische Presse fühlt das selbst am besten.
In der gestrigen Verhandlung tritt als weiterer Zeuge der Polizeikommiffar Frace auf, der die Humberts von Madrid nach Paris geleitete. Therese Humbert fragt, ob sie nüht froh gewesen sei, nach Paris zurückzukehren, und hält, da der Zeuge nicht antwortet, eine längere Ansprache an die Geschworenen, worin fie versichert, daß zwei Geheimpolizisten sie seit der Flucht aus Paris verfolgten, daß die Regierung fie abfichtlich entwischen ließ und daß der französische Botschafter in Madrid fie wiederholt auf der Straße grüßte.
Der nächste Zeuge ist der Polizeipräfekt Läpine, dem Frau Therese eine Reihe Fragen stellt. LSpine bestreitet dieselben mit großem Nachdruck.
Die letzten Entlastungszeugen gebe« noch Auskunft über das Vorleben der Angeklagten, besonders FrädSricS, und die Zeugenliste ist erschöpft. Der Präsident weist die Geschworenen darauf hin, daß fie über das Vorliegen von einer Urkundenfälschung zu entscheiden haben und daß die Strafe, die darauf steht, 5 bis 20 Jahre Zwangsarbeit oder mindestens 2 Jahre Gefängnis bei mildernden Umständen beträgt. Frau Therese hält eine neue Ansprache, woraus hervorgeht, daß fie vielleicht schon morgen ihr »großes Geheimnis" enthüllen will. Darauf wird die Verhandlung für die Rede des Staatsanwalts aus morgen vertagt.
Die edlen Polen.
Zur Unterstützung der durch daS Hochwasser geschädigten deutschsprechenden Bevölkerung in Posen und Oberschlefien hat sich bekanntlich keine polnische Hand gerührt. Ist schon diese absichtliche Teilnahmlosigkeit elementaren Er- eigniffen gegenüber, welche die Gesamtheit der Bevölkerung angehen, bezeichnend genug, so kann man aus Aeußerungen der grobpolnischen Presse weiteren Aufschluß über die niedrige Gesinnung erhalten, welche das ganz und gar durch den Haß gegen deutsche Art und Kultur beherrschte Polentum anläßlich der gegenwärtigen Lage in den bedrängten Provinzen zur Schau trägt. Die ,Praca" schließt einen von Gehässigkeiten gegen die Maßnahmen der Etaatsregierung erfüllten Artikel mit der Mahnung: »Möge die oberschefische Bevölkerung die Regierungsgelder nehmen und dann scharenweise in das polnische Lager übergehen, dann wird fie seinerzeit auch noch mehr erlangen!" Damit ist erwiesen, daß fich das Polen- tum nicht nur geflissentlich den Pflichten gegen die Allgemeinheit entzieht, sondern auch fich nicht scheut, auS einem Unglück, daS die Gesamtheit der Bevölkerung betroffen und demgemäß eine allen Geschädigten in gleichem Maße ohne Unterschied ihrer politischen Stellung zugedachte Fürsorge der Regierung im Gefolge gehabt hat, für die Zwecke ihrer deutschfeindlichen Bestrebungen Kapital zu schlagen.
Deutsches Reich
Berlin, 18. August.
' “ Lus Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel wird gemeldet, daß der Kaiser am Montag noch verschiedene Audtenzen erteilte. Nachmittags unternahm die Kaiser- famüie einen AuSflug. — Am 6. September besucht der Kaiser Halle, um di« September-Mitte Men — nne Begegnung mit dem Zaren erfolgt nicht — und am 21. September findet die Enthüllung deS Kaiser Wilhelm-Denkmales in Gegenwart des Monarchen statt.
— Der Kronprinz reiste gestern abind von Potsdam nach Wilhelmshöhe ab.
nehmen, unmöglich macht. Doktor Brenzlaus Anstalt ist die letzte Station vor jenem Hause, in dem nur die von tiesster geistiger Nacht Umfangenen Aufnahme und Zuflucht finden. An Ihnen selbst liegt es, sich dieses düstere Schicksal —- das Sie, wenn Sie fich so weiter gehen lassen, unfehlbar über sich beraufbeschwören — zu cr- sparen. Nicht immc;. "ber oftmals vermag der Mensch sich sein Geschick selber zu zimmern. Sie find nicht so krank, um nicht durch etwas Selbstzucht, etwas Selbstüberwindung und etwas weniger Egoismus eine Wendung zum Bessern in Ihrem Befinden herbeiführen zu können. Dagegen zerreiben Sie sich vorsätzlich, indem Sie fich künstlich Asfekrionen ansuggerieren und sich mut- willig immer tiefer in Ihre krankhaften Ideen hineinarbeiten. Versuchen Sie jetzt ein wenig zu schlafen. Nach einer Stunde wird Fräulein Kiekamp nach Ihnen sehen."
. Doktor Buttler öffnete die Tür und ließ Hedwig an sich vorüber auf den Korridor treten, dann zog er die Tür hinter sich zu.
,, Mechanisch, wie jedes eigenen Willens beraubt, Artt Hedwig an der Seite des Arztes weiter, der Korridor niundete auf einen weiten Treppenplatz, der fern Licht durch sein hohes, tiefnischiges Spitzbogenfenster erhielt. Wie in geheimer Ueberein- stimmung blieben beide an diesem Fenster stehen. Ein Flügel stand offen. Der Wind wehte eine Anzahl gelber Herbstblättec hinein; auf dem bunten Weinlaub, das die Mauer und zum Teil auch das Dach des vorspringenden niedrigeren Anbaues umspann, spielten leuchtende Sonnen, funken. Auch über das düstere Schwarzgrün der hohen Edeltannen jenseits des Hofes breitete die herbstliche Nachmittagssonue einen müden, er- wärmeirden Goldglanz.
'(Fortsetzung folgt.)
— Don der preußischen Regierung werden für die Zeit vom 1. Juli 1903 bis Ende Juni 1904 Erhebungen darüber veranstaltet, welche Mehrkosten bei Versetzungen von Staatsbeamten entstehen würden, wenn die UmzogSkoste» nach in Aussicht genommenen Bestimmungen über eine anderweite Berechnung der Entfernungen erfolgt.
— Eine Verständigung in der Kanalfrage zwischen dem Lippe, und Emscher-Jntereflenten ist nach der »Rhein.-Westf. Zig." erfolgt. Cie schreibt: ,E8 hat eine Versammlung der beiden Gruppe« in Dortmund stattgefunden, in der beschloffen wurde, für jede Kanaldorlage der Regierung rinzutreten, welche Linie auch gewählt werden sollte." Aber erst muß nun die Kanaldorlage da sein.
— Me Stadt Berlin zählt zur Zeit etwa 1935 000 Einwohner, ohne Einrechnung der Vororte. Die zweite Million dürfte also im Lause von 1904 doll werden. Mit Anrechnung der Vororte ist die zweite Million längst überschritten.
— Der .Bert. Tagrbl." entnimmt einem amerikanischen Blatt, daß jetzt ein Vanderbilt bei feiner Heimkehr nach Amerika wegen ungenügend De- klarierung seiner 40 Koffer mit 8000 Dollars Strafe belegt ist. Ein netter Herr! Ob das der Vanderbilt an? Danzig war? Eigentlich wäre daS wohl unmöglich. Jedenfalls erscheint eine baldige Klarstellung erwünscht.
— lieber die Massenerkrankung von Kindern in Braunschweig, die die Waldspiele besucht hatte«, wird amtlich mitgeteüt, daß jetz von 496 Kindern 201 erkrankt find. Außerdem find noch 28 Typhus- erkrankungen bei Erwachsenen angemeldet worden. Gestorben sind bis jetzt 2 Kinder und 1 Erwachsener. Da in den letzten acht Tage« nur mich sehr wenig neue Fälle angemeldet worden find, ist anzunehmen, daß die Seuche im Erlöschen begriffe« ist. Nach amtlicher Untersuchung ist mit aller Wahrscheinlichkeit der Ursprung der Seuche auf eine in der zweiten Juliwoche vorgekommene Milchverunreinigung zurück- zusühren.
— Der .Nationalzeitung" zufolge ist Dr. Paul Rohrbach zum Reichskommisfar für daS Änfiedlungs- wesen in Deutsch-Südwestafrika ernannt worden.
— Die Kaufsumme der bei Krupp von der Türkei bestellten 192 Schnellfeuergeschütze und Munition be- trägt 790000 Pfund. Die Pforte leistete eine Anzahlung von 44000 und wird den Betrag im Laufe der Woche mit hunderttausend Pfund ergänzen. Die Geschütze muffen bis zum 1. Juli 1904 abgeliefert sein. Die ersten Batterien gelangen nach drei Monaten zur Ablieferung.
— Der bisherige preußische Kriegsminister hat fich am Montar von den Beamten feines bisherigen Ressorts verabschiedet. Nachdem der neue Minister von Einem seinem Vorgänger für das stets bewiesene Wohlwollen gedantt, überreichte er als Erinnerungszeichen ein in der Kgl. Porzellanmanufattur hergestellte kostbare Porzellanvase. Herr von Goßler dankte in herzlichen Worten und sagte hiernach allen Offizieren Lebewohl. Minister von Einem nahm dann die Begrüßung der Heeren des KriegsmimsterimnS entgegen.
— Fürst Herbert Bismarck empfing in Friedrichsruhe den Vorstand des deutschen Kriegs - Veteranen- Bundes und nahm den Ehrenvorfitz des VerbandeS mit DankeSworten an.
— Hundstagsgeschichten veröffentlicht der sozial, demokratische Berliner Vorwärts. Danach soll in dortigen Hofkreisen beabsichtigt fein, an der geplanten Seeresstraße Berlin—Döberitz (dem Uebungsplaß deS ardekorps, ein kaiserliches Familienschloß zu errichten, das der ganzen kaiserlichen Familie zum künstigen Aufenthalt diene und zwar in Politischen unruhißen Zeiten, wo es dann in kürzester Frist möglich Ware, Truppen aus Döberitz um die Insel herum zusammen- zuziehen. Außerdem wolle man noch den Jnselbezirk zusammen mit den Spandauer Staatswerkstätten und den Heerstraßen - Bezirk zu einem neuen Sozialdemokraten freien Reichstagswahlkreis zusammenlegen, und bestehe die Absicht, die Truppen der Garde nicht mehr direkt auszuheben, sondern aus den Elitemann- fchaften anderer Truppen auszuwählen. Der Vorwärts denkt auch: In den Hundstagen kommt eS ans ein paar Enten mehr oder weniger nicht an.
— Die deutsche Uebnngsflotte, die unter dem Oberbefehl des General - Jnspetteurs der Marine in Wilhelmshaven zu de« vier Wochen andauernden großen Seemanöver« zusammengetreten ist, ist ein äußerst stattliches Geschwader und wohl geeignet dem Ausland Respekt einzuflößen. Es umfaßt 46 Schiffe und Fahrzeuge mit 902 Geschützen und einer Besatzung von 11211 Mann. Wie bei den Land- manövern so find auch bei denen zur See die aufzustellenden Kräfte bedeutend gewachsen und damit die Unkosten, aber wenn diese Hebungen der Wirklichkeit möglichst entsprechen sollen, dann müssen auch die Machtmittel entsprechend sein.
— Von neuen Erörterungen über die im preußischen Abgeordnetenhause wiederholt abgelehnte Kanalvorlage wird gesprochen, als ob dieselbe spätestens in der ersten Session des diesen Herbst neu zu wählenden preußischen Abgeordnetenhauses eine große Rolle spielen könnte. Damit ist es aber nichts, vor der Hand ruht diele Angelegenheit völlig, die Aussichten auf Verwirklichung find bisher keine anderen, geschweige besseren geworden.
— Richt zu viel des Guten! Es besteht be» karmllich im Reichsamt des Innern die Absicht, auch die Arbeitszeit des Komtor - Personals, bei welchem eine Tätigkeit in ösfenttichen Verkaufsstellen nicht mit in Betracht kommt, gesetzlich zu regeln. Prinzipiell läßt fich ja dagegen nichts einwenden, aber es muß doch auch anerkennst werden, daß es gerade nicht empfehlenswert ist, Gesetze zu schaffen, wenn fie nicht erforderlich find. Und das trifft hier wohl zu. Die Komtor-Arbeit regelt sich von selbst nach den verschiedenen Branchen - Saisons, keinem vernünftigen Prinzipal liegt etwas daran, seine Herren länger an den Pulten sitzen zu lassen, als erforderlich ist.
Ausland.
Oefterreich-Nugaru. Die gestern Merck» bekanntgewordene Liste jener Parlamentarier, welche der König um ihre Meinung befragen wird, erregte großes Aufsehen, weil darin nicht nur sämtliche Gruppen der liberalen Partei, sondern auch der Präsident der klerikalen Volkspartei, Graf Johann Zichh, enthalten ist. Berufen werden: Graf Albin Csakh, Präsident des Magnatenhauses, Graf Albert Apponhi, Präsident des Abgeordnetenhauses, die früheren Ministerpräsidenten Graf Julius Szaparh, Alexander Wekerle, Baron Defider Banflh, Kolomann Szell, die Mgeordneten Stefan Tißza und Karl Hieronhmi, Graf Julius Dndrassh von der Aristokratengruppe, Emkrich Hodoffh von der Apponhi-Gruppe, Graf Alexander Karolhi von der Agrargruppe und Graf Johann Zichh von der Dolkspartei. Im liberalen Klub herrscht vollständige Unsicherheit, da die au8 der Provinzheimgekehrten Abgeordneten berichten, daß die Stimmung überall oppositionell sei.
— In Oesterreich - Ungarn wird am heutigen Dienstag der 74. Geburtstag des greisen Kaisers Fran^Iosephgefeiert. Seit den schwerenSchicksatz^-
schlägen innerhalb feinerFamilie hältfich derKaiser von geräuschvollen Festlichkeiten an diesem Tage fern, den er in diesem Jahre in recht gemischter Stimmung begehen wird. Die trüben ungarischen Verhältnisse beweisen nut zu sehr, daß alle die häufigen Mahnungen des Kaisers zur Einigkeit im Interesse der Gesamt-Monarchie vergeblich gewesen find, und in der österreichischen Reichshälfte steht's nicht besser. DaS find trübe Betrachtungen nach einer 54 jährigen Regierung, und es ist leider keine AuSficht auf wirkliche Besserung vorhanden.
Frankreich. Am Montag haben die GeneralratS (Provinzialrats-) Verhandlungen in ganz Frankreich begonnen. Zu besonderen Erklärungen ist eS nicht gekommen — Die Abnahme der Zahl der Passagiere auf der Unter- Grundbahn in Paris macht sich andauernd in empfindlichster Weise fühlbar. Der geringste Zwischenfall, selbst ein unvorhergesehener Ruck genügt, um unter den Fahrgästen eine Panik hervorzurufen. Am Montag Nachmittag sand in der Note-Dame-Kirche ein großer Trauer- gotteSdienst für die Opfer der Katastrophe statt, welchem Mitglieder der Regierung und der Kvmmunalbehörden beiwohnten.
E-tMle«. Hebei den jungen König find schon seit geraumer Zeit, namentlich von Paris aus, Meldungen verbreitet worden, daß et an der Schwindsucht leide, der bekanntlich auch sein Vater in frühen Jahren erlegen ist. In voriger Woche warm die Meldungen mit solcher Bestimmtheit von neuem aufgetaucht, erweitert durch den Zusatz, bet König wolle eine Heilanstalt aufsuchen, daß die Madrider Regierung doch dagegen ausgetreten ist. Sie will alle Zeitungen, die diese Erzählung wiedergeben, aufs strengste verfolgen lassen. Selbstverständlich wünscht ein jeder dem jungen König die beste Gesundheit, aber das in Abrede-Stellen jedes inneren Leidens durch das Ministerium ist noch kein Beweis, daß Alfonso XIII. völlig gesund ist. Bei seinem Vater war acht Tage vor seinem Tode in Miede gestellt worden, daß er überhaupt krank sei. Und hinterher mußte man doch zuaeben, daß er die Schwindsucht habe.
Rußland. Auch in Rußland haben, und zwar in der Gegend von Pskow, die großen Manöver deS Zarenreiches ihren Anfang genommen, der Kaiser Nikolaus hat fich mit seiner Gemahlin dorthin begeben. Sin außerordentlich umfangreicher UeberwachungSdienst ist organisiert worden. Dem großen Publikum ist der Zuttitt fast unmöglich gemacht worden.
Bulgarien. Der Kriegsminister beruft zu dreiwöchentlichen Hebungen 12 Reserveklaffen der beiden südbulgarifchen Divisionen ein, wodurch 80,000 bis 40,000 Mann unter die Fahnen kommen. Gestern Nacht ist ein Lastzug zwischen Amatowo und Karafuli (Linie Salonik- Uesküb) infolge Entfernung von Schienm entgleist. Mehrere Wagen wurden zertrümmett. Drei Bedienstete find tot.
Türkei. Die türkische Regierung scheint jetzt eingesehen zu haben, daß es so wie seither nicht weiteryehen kann. Der gestrige Kriegsrat in JildiS KioSk dauerte bis 1 Uhr morgens. Es wurde eine energische Aufnahme der Verfolgung der Insurgenten und die Niederwerfung des Aufstandes mtt allen militärischen Mitteln beschloffen. DaSTreiben der Insurgenten wird täglich schamloser. Sie haben nun beschloffen, an die Zerstörung der größeren Bahnobjekte zu gehen, besonders der längeren über den Wardar führenden Brücken, deren Reparatur nicht leicht durchzuführen wäre. Auf den orientalischen Bahnen stockt der Personenverkehr fast gänzlich. Höchstens zwei bis drei Paffagiere befinden sich in den täglich mit Europa verkehrenden Schnellzügen.
In dem Gefechte bei Perlepe wurden 200 Insurgenten getötet und 80 gefangen. In der Nähe von Monastir befinden sich 300 Insurgenten in einer bulgarischen Kirche. Dieselbe wurde von den türkischen Truppen eingeschloffen. Der Sultan verbot die Beschießung christlicher Kirchen und veranlaßte den Exarchen, die flüchtigen Bulgaren zum Derlaffen der Kirche aufzufordern. Ein entsetzliches Blutbad veranstalteten die Insurgenten in Jtschobina, in der Kasa Jsbiwitsche, wo 800 Muselmanen, Frauen und Kinder, massakriert wurden.
Balka«. Rußland hat seine Flotten- Demonstration nach den türkischen Gewässern begonnen. DaS Geschwader besteht auS vier Panzerschiffen, vier Torpedojägern, sechs Minenboten und stellt also eine imposante Seemacht dar. Hoffentlich bleibt eS bei bet friedlichen Demonstration und es tritt kein Anlaß ein, welcher zu ernsteren Schritten führte. Die Türkei hat jedenfalls das möglichste getan, für die Ermordung des rusfischen Konsuls in Monastir die größte Genugtuung zu geben; die Witwe des Tobten verweigett übrigens bisher die Annahme der gebotenen Entschädigungssumme von einer hüben Million, obwohl die eigene Regierung zur Annahme rät. Die Räubereien und Dynamitverbrechen in Mazedonien nehmen immer mehr überhand, während eS den türkischen Truppen nicht gelingen will, die einzelnen Rebellenbanden einzukreisen und damit unschädlich zu machen. Der bulgarische General Zontschew will an die Spitze der aufständischen Mazedonier treten und einen Aufruf zur allgemeinen Erhebung veranlaflen. Die Regierung in Sofia verwahtt sich in einem erneuten diplomatischen Rundschreiben dagegen, daß fie den Aufstand unterstütze, lediglich die Ungerechtigkeiten der türkischen Verwaltung seien Schuld. Selbstverständlich wird man in Sofia fich hüten, die eigenen Sünden einzugestehe^ die hinreichend erwiesßnsirch. — Jn Delgrab hat^dieBerufimg
des neuen, zu den Militär Verschwörern gehörenden Kriegsministers bei allen anständigen Leuten einen denkbar peinlichen Eindruck gemacht. Die an der Verschwörung nicht beteiligt gewesenen Offiziere protestier-n lebhaft, daß nun alles nach dem Willen der Königs- mörder, noch viel mehr als bisher gehen wird, ist selbstverständlich. Man befürchtet ernste Konflikte, und diese Befürchtung könnte fich bewahr-, heften, wenn eS zu den allgemeinen Kammes Neuwahlen geht. Die sehr starrköpfige radikale Partei der Skupschtina hat gar keine Last, diese' herrischen Offiziere als-die eigentliche Regierungi des Landes passieren zu lassen. Russische Blätter beginnen jetzt ebenfalls das Thema zu behandeln, ob Fürst Ferdinand von Bulgarien nach Sofia zurückkehren werde. Sie finden das zweifelhaft und lassen fich aus Sofia melden, daß die Heimkehr nicht gewünscht wird, die Bulgaren wollten von ihm nichts mehr wissen, seine Tage seien gezählt. Ob der Wunsch hier nicht des Gedankens Vater ist, bleibt natürlich abzuwarten. Gut steht eS mit ihm keinesfalls, so viel ist ersichtlich.
Kamerun. Die bisherigen Arbeiten der deutsch-englischen Kommission zur Festlegung der Grenze auf der Linie nach dem Tschadsee haben ergeben, daß die bisherige geographische- Länge von Pola eine ganz wesentliche Verschiebung erfahren muß. Auf der Lage von' Dola beruht aber die kartographische Darstellung großer Gebiete nvMich und südlich des Benu8 und auch der Verlauf der künftigen deutsch- englischen Grenze; daher war die zuverlässige Bestimmung der Lage jener Oerüichkeit die erste Aufgabe jener Kommission. Die Expeditionen unserer Schutztruppen - Offiziere haben für die deutschen Tschedseeländer eine Menge, sehr schöner und eingehender Aufnahmen ge-: liefert."
Marburg und Umgegend
Marburg, 18. August.
* Neubesetzung des Oberpräfidiums. ZeftungS-, Meldungen zufolge soll zum Nachfolger be8: Grafen Zedlitz-Trützschler der Unterstaatsfekretär im Ministerium des Innern, Wirkt. Geh. Ober- regierungsrat von Bischoffshgusen, der bekanntlich ein Geborener Hesse ist, ausersehen sein.
* Schulbeginn. Mit dem heutigen Tage hat der Unterricht in den hiesigen Schulen unb: Lehranstalten wieder feinen Anfang genommen.
* Fernsprechverkehr. Der Fernsprechverkehr mit den Orten Niederasphe, Wollmar, Heines (Bez. KaffÄ) und Nordeck ist heute eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt 20 Pfg.
* FerstreftrendnritnprLfunk. Die Herren Forstbefliffenen, welche die Forstreferendarien- Prüfung in diesem Herbste abzulegen beabsichtigen, haben die vorschriftsmäßige Meldung bis spätestens zum 12. September d. I. an den Aftnister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin einzureichen.
• Hessischer GeschichtSverei«. In der am 15. d. M. abgehaltenen Sitzung des hiesigen 8e« fchichtSvereins legte der Vorsitzende zunächst die JahreSrechnungen zur Prüfung vor. Die Vereinsmitglieder Bibliothekar Dr. Maurmann und Apotheker Strippe! Hellten die Richtigkeit der Rechnungen (1000 Mark für die Altertumssammlung auf dem hiesigen Schlöffe, 140 Mark für lokale Vereinszwecke) fest. Hierauf fand die satzungsmäßig bei Ablauf des jetzigen Geschäftsjahrs erforderliche Neuwahl des Vorstands statt. Die bisherig«! Mitglieder wurden wiedergewählt , nämlich der Archivdirektor, Geheime Archivrat Dr. Könnecke zum Vorsitzenden, Land-, aerichtsrat Gleim zu dessen Stellvertreter, der' königl. Bezirkskonservator Professor Dr. v o n D r a ch.! K Konservator der hiesigen Vereinssammlung, essor Dr. Schröder tn Göttingen und Professor Dr. Wenck zu Mitgliedern des Redakttons- ausschuffeS. Neu zugewählt wurde Professor Dr. Wiegand, um die Anzahl der hier wohnenden VorftandSmiteckieder wieder auf ihre bisherige Anzahl zu bringen; Prof. Dr. Wiegand übernahm daS Amt, bte im Sommer zu veranstaltenden Ausflüge nach geschichtlich und kunstgeschichtlich wichtigem Orten anzuordnen und zu leiten. Es folgte em, Vortrag des Professor Dr. von Dracki, der ein: Stück hessischer Kunstgeschichte aus dem letzlen Drittel ' des achtzehnten Jahrhunderts behandelte. Der Vortragende würdigte die Bedeutung der Stadt Kassel als Kunststadt in dieser Periode, wies auf ihre Sammlungen (die weltberühmte, damals noch nicht auSgeplün» bette Gemäldegallerie und das Museum Fridericianum) hin, und charakterisierte die Hauptkünstler jener Zeit. Dann besprach er von den Malern den Gallerieinspettor Johann Heinrich Tischbein den jünger», legte verschiedene von ihm veröffenllichte Werke vor, und beschäftigte fich dann eingehend mit einem vergessenen, aber hochinteressanten Künstler jener Zeit, dem 1798 verstorbenen früheren Polnischen Majore Müntz. Professor von Drach war in der Lage neues Material zu dessen Lebensgeschichte beizubringen. Hiernach hat Müntz jahrelange große Reisen fast durch ganz Europa gemacht, er war der meisten europäische« Sprachen mächtig. Sein Grabmal im Schlogparke zu Riede läßt auch feine Beziehungen zu den in Kunst und Litteratur damals maßgebenden hessischen Kreisen erkennen, deren Mitglieder, dem gesühl- vollen Zuge der Zeit entsprechend, in innigen Freundfchastskulte mit einander noch über, bas Grab hinaus verbunden waren. Ter Vortragende war in der Lage eine ganze Reihe von Handzeichnungen und Radierungen des Majors Müntz vorzulegen, die, in aller Herten Länder entstanden, den । Beweis eines tüchtigen Könnens ablegen. Noch nicht i bekannt ist es, daß Müntz der Entdecker einer neuen I Radierweise ist, die zum Teil auch Fischbein der' jüngere anwandte. Es würde sicher weitere kunsthistorische Kreise im höchsten Grade interessieren, wenn Herr Professor von Drach die in unserem Geschichtsvereine gemachten Mitteilungen weiter ausführen unb,< mit den erforderlichen Reproduktionen Müntzischer Zeichnungen und feiner technisch so eigenartigen Radierungen versehen, der Oeffentlichkeft übergeben wollte.
* Dir Haide blüht. Schön Erika, FloraS bescheidenes Töchterchen, prangt jetzt in ihre« zarten blaßroten Gewände, umschwärmt von' summenden Bienen, die nach ihrem honigsüßen, Kusse schmachten. Die blühenden Haidekraub