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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Bierteljährlichrr Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., bei allm Postämtern 2,25 Mk. <exct. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reetamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 18. August 1903.

Erscheint wöchentlich lieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Umversitäts-Buchdruckerki

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg

amtlichen Erhebungen über die Rentabilität der Landwirtschaft.

Die tatsächliche Erwerbs-Notlage der deutschen Landwirtschaft ist bei der Bezifferung der Schutz­zollsätze des neuen deutschen Zolltarifs durchaus ungenügend gewürdigt worden.

Dies gilt sowohl für die Bezifferung der Agrarzölle, als auch für die Bemessung der Iollschutzrelation zwischen Landwirtschaft und Industrie. Um so wichtiger erscheint nun eine richtigere Würdigung der Landwirtschaftlichen Erwerbsverhältnisse für den nun bevorstehenden zweiten Akt der definitiven Festlegung der Zölle in den neuen Handelsverträgen. Wir bringen daher nachstehend im Anschluß an die früher von uns wiederholt schon besprochenen Haupt­zahlen noch die detaillierten Angaben aus der amtlichen Enguöte, die seiner Zeit vom Reichs­amt des Innern über die Rentabilität typischer Landwirtschaftsbetriebe angestellt worden ist.

Es wurde bei der Veranstaltung dieser En­quete große Sorgfalt auf die Auswahl der ein­zelnen Wirtschaftsthpen gelegt. Sie mußten verschieden sein in ihren Größenverhältnissen, verschieden nach Lage und Klima, verschieden nach Bodenwerten und Wirtschaftssystemen; ganz besonders aber bedurften die verschiedenen Größen­klassen einer sorgfältigen Berücksichtigung. Im Ganzen sind 1525 Wirtschaften näher unter­sucht. Von diesen entfallen

38 auf Betriebe unter 5 ha,

291 , . 5-20 ,

498 . 2050 ,

344 , , 50-100,

354 , 100, und darüber,

1525

Der kleinste der ermittelten Betriebe besitzt 1 ha, der größte 3349 ha.

Der große Umfang der Erhebungen erhellt am Besten aus dem Umstande, daß der Ge- famtwerth der untersuchten Betriebe 301 456 974 Mk. beträgt. Diese Betriebe haben zusammen einen Geldreinertrag von 6 201599 Mk. er­bracht; daraus ergibt sich eine Durchschnitts­verzinsung von 2,1 Proz.

Im Einzelnen betrachtet, haben 754 Betriebe oder 49,4 Proz. aller untersuchten Wirt­schaften überhaupt keine Verzinsung des Grundkapitals ergeben. Bei einigen Wirt­schaften, die unter ganz besonders günstigen Um­ständen gearbeitet haben, steigt die Verzinsung bis zu 8 Proz. Die Fälle höherer Verznstmw gehören aber zu den seltenen; denn eine Ver­zinsung von mehr als 4 Proz. bis zu 8 Proz. haben nur 86 Betriebe gebracht.

. In geographischen Gruppen betrachtet, weist Schwarzburg - Rudolstadt die höchste Durch­schnittsverzinsung mit 3,6 Pro?, auf; dem folgen die Provinz Posen und Mecklenburg Schwerin mit je 3,3 Proz. Die niedrigsten Verzinsungen sind ermiltelt für den Re­

gierungsbezirk Wiesbaden mit 1,1 Proz., sür den Reg.-Bez. Kassel und die Provinz Westfalen mit je 1,3 Proz., für Bremen mit 1,4 Proz. und für die bairische Pfalz, Sachsen-Meiningen und Lothringen mit je 1,5 Proz. Tie durchschnittliche Verzinsung aller 1525 Betriebe erhebt sich, wie gesagt, nicht über 2,1 Proz.

Dabei ist zu beachten, daß die Erhebungen im Verhältnis zu der Gesamtheit aller deutschen Landwirtschaftsbetriebe noch ein zu günstiges Bild geben, weil selbstverständlich nur solche Wirtschaften untersucht werden konnten, in denen eine ganz geregelte Buchführung statt­findet; erfahrungsgemäß sind aber diese Betriebe zugleich diejenigen, die einer besonders fleißigen und tüchtigen Leitung unterliegen; im allge­meinen wird man sagen können, daß da, wo die Buchführung in Ordnung ist, der Leiter der Wirtschaft nicht nur ein tüchtiger Landmann, sondern, was sehr wichtig ist, zugleich ein tüchtiger Kaufmann ist.

Sehr wichtig für die Höhe der Verzinsung ist natürlich die Frage, wie hoch der Kapital­wert der untersuchten Betriebe angenommen ist: Im Durchschnitt aller 1525 Betriebe beträgt der Gesamtwert für 1 ha 1453 Mk. Der größte Gesamtwert kommt im Reg. - Bezirk Wiesbaden mit 4870 Mk. für 1 ha und der kleinste mit 780 Mk. im Reg.-Bez. Gumbinnen vor. Der Durchschnittssatz von 1453 Mk. für 1 ha kann hoch erscheinen; es ist aber zu be­denken, daß in diesem Gesamtwert nicht nur das eigentliche Grundkapital enthalten ist, sondern auch das in den Gebäuden und sonst im Betriebe steckende Kapital, ohne welches eben der Landwirtschaftsbetrieb nicht möglich ist. Von Interesse ist darum auch die Fest­stellung, daß von dem durchschnittlichen Gesamt­wert nur 55,5 Proz. auf das eigentliche Grund­kapital entfallen, während 28,4 Proz. in dem Wert der Gebäude und 16,1 Proz. in dem Betriebskapital enthalten sind.

Diese Feststellungen beweisen schlagend die völlige Haltlosigkeit der von der Schule Brentano- Conrad verbreiteten Lehrmeinung: diehohen Bodenpreise" bewirken dieKonkurrenzunfähig­keit" der deutschen Landwirtschaft. Man solle nur tüchtig an den Güterpreisenabschreiben", dann werde es auch der deutschen Landwirtschaft gutgehen.

Nach diesen vorliegenden amtlichen Fest­stellungen würde rund die Hälfte der angesetzten Eesamt-Gutswerte auf Gebäude und Inventar, die andere Hälfte auf den Wert des kultivierten und mit Saaten bestellten Ackers entfallen. Beide Hälften zusammen erbrachten, wie vorher dargelegt wurde, rund 2 Proz. Verzinsung. Es ergäbe sich also für jene erste Hälfte der bar verauslagt'-n Gebäude- und Betriebskapitalien eine Derzinsmn von rund 4 Proz. wenn man den Gesamterer;,g nur auf diesen baar veraus­lagten Kopitcltest anrechnet. Für den ge­

samten Bodenwert (einschließlich der ebenfalls baren Kultur- und Bestellungsansgaben) ver­bliebe demnach für sämtliche 1225 Landgüter im Durchschnitt Null. Mit anderen Worten: dieser Grund und Boden einschließlich der baaren Kultur- und Bestellungsausgaben müßte den deutschen Landwirten vom Vaterlande ge­schenkt werden, wenn sie unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen in die Lage kommen sollen, für das dann für die Bewirtschaftung von ihnen einzulegende Bau- und Betriebs­kapital denhöchst lukrativen" Z-nssatz von 4 Proz, herauswirtschaften zu können!

Solchen erweislich vorliegenden Wirtschafts­verhältnissen gegenüber erteilen Brentano-Conrad den (von Caprivi einst bekanntlich amtlich visierten) Rat:Kauft billiger, schreibt mehr ab!" -

....... »

Umschau.

Eine offiziöse Stimme über den Kronrat.

Auf den jüngsten Kronrat kommt jetzt die N. A. Z." zu sprechen und führt aus, daß die Besprechung des Monarchen mit seinen Rat­gebern den Folgen der ernsten Lage gegolten hat, die durch die jüngsten Elementar-Ereignisse für mehrere preußische Provinzen, "in erster Reihe für Schlesien geschaffen worden sind. Der große Umfang der Schädigungen legt es nahe, Maß­nahmen zu ergreifen, durch die der Wiederkehr ähnlicher Verheerungen, wenn möglich für immer, vorgebeugt werden soll. Diese Maß­nahmen sind es, die eine eingehende Beratung des Staatsministeriums veranlaßt haben; und bei der warmherzigen Teilnahme, die der Kaiser der notleidenden Bevölkerung in den vom Hoch­wasser betroffenen Gegenden entgegenbringt, bei dem lebhaften Interesse, das der Monarch für die Frage bekundet, durch welche Mittel solche Katastrophen für die Zukunft vermieden werden könnten, war es ein naheliegender Gedanke, die betreffende Sitzung des Staatsministeriums unter seiner persönlichen Teilnahme abzuhalten. Eben ist nun diese Sitzung vorbei und der prophezeite Ministerwechsel nicht eingetreten, da wird schon von neuem gemutmaßt, welche Exzellenz gehen könnte. So heißt e8, der Kultusminister Dr. Studt oder Landwirtschafts­minister von Podbielski solle Oberpräsident von Schlesien werden. Die Zukunft wird lehren, ob die Propheten recht haben.

Der neue Chef des Kriegs­ministeriums.

Mit fünfzig Jahren Kriegsminister, daS ist immerhin eine bewerkenswerte Tatsache für Deutschland,- wo kein Ministerium ernster ge­nommen wird, als das, welches der Militär- Verwaltung vorsteht. Das ist dem bisherigen Vertreter des preußischen Kriegsminiflers, Herrn

von Goßler, dem Generalleutnant von Einens der sich sowohl im Generalstabe, wie als Front- Offizier und zuletzt im Kriegsministerium so vorzüglich bewährte, daß er nunmehr selbst Minister wurde, beschert. Unter der Presse aller Parteien wird die Tüchtigkeit des neuen Ministers anerkannt, natürlich wird eS für seine nunmehrige verantwortungsvolle Tätigkeit darauf ankommen, wie er sich dem Reichstage, dem er in nächster Session die neue Militär- Vorlage zu unterbreiten haben wird, präsentiert. Die Aufgaben, welche des Ministers harren, find nicht leicht, aber auch der Reichstag hat an Erkenntnis im Laufe der Jahre gewonnen, was wir unserer nationalen Wehrkraft schuldig find. Dem scheidenden Kriegsminister v. Goßlar, der genau fieben Jahre im Amte war, die längste Zeit, die ein Kriegsminister unter Kaiser Wilhelm II. auf seinem Posten blieb, hat der oberste Kriegsherr seine vollste An­erkennung ausgesprochen. Als Aufgaben des neuen Kriegsministers nennt dieKöln. Ztg.": Unsere Heeresorganisation muß naturgemäß in steter Entwicklung bleiben, Stillstand wäre Rückgang. Zahlreiche Kräfte arbeiten an der dauernden Verbesserung und Ergänzung; denn nur wenn das Heer immer schlagfertig, ein Musterheer und ein Volksheer zugleich, gerüstet gegen alle Angriffe dasteht, kann es die Er­haltung des europäischen Friedens sicher ver­bürgen, den unsere nationale Arbeit braucht. In immer weitere Kreise unseres Volkes dringt die Ueberzeugung, daß die für unser Heer auf­gewendeten gewaltigen Opfer nicht vergeblich ausgegeben werden, daß sie sich hundertfältig verzinsen in der durch die unbedingte Friedens­zuversicht verbürgten Hebung und Förderung unserer wirtschaftlichen Tätigkeit, daß vor allem die AuSbildnug im Heer, die allen Wehr­fähigen zuteil wird, mit ihrer strengen Ge­wöhnung an Ordnung und Sauberkeit, an Disziplin und Ausdauer, an Ausnützung und Stählung der Körperkraft und an Schärfung rascher geistiger Auffassung, allen, die diese vortreffliche Schule durchgemacht haben, eine große Ueberlegenheit im wirtschaftlichen Wett­bewerb mit dem Auslands sichert. Immer neue Anforderungen treten an die Heeresverwaltung heran, die dringend Erfüllung heischen. Die Militärvorlage läuft in Jahresfrist ab, die Friedenspräsenzstärke muß aufs neue gesehl'ch geregelt werden. Die Einkommensverhältnisse der Unteroffiziere und der Oberstleutnants er­heischen eine Verbesserung, auch wird die Ver­mehrung der Kavallerie in wenigen Jahren dringlich werden; vor allen Dingen besteht der Reichstag auf einer Erhöhung der Militär­pensionen, und es wird ein besonderes diplo­matisches Geschick erfordern, über die Deckung der dadurch bedingten Mehrausgaben sich mit dem Reichstag zu verständigen. So stehen schwerwiegende und schwer zu lösende Aufgaben an der kriegSministerlichen Schwelle, die jetzt

1* Üllachdrnck verboten.)

Zum Glück.

Roman von Margarete Böhme.

i^ortsetzung.)

Spät abends waren sie am Ziele. Das Sa­natoriumMariental" lag im Herzen der Berge mitten in herrlichem Tannenwald. Am dunkel­blauen Nachthimmel stand der Vollmond und goß sein blankes Silberlicht über die weiße Fassade des zweistöckigen, reich mit Türmen, Erkern und Balkons geschmückten schloßartigen Gebäudes. Die Fenster waren schon alle dunkel, nur im Portal brannte noch eine Laterne. Tas große, stille, weiße, mondbeschienene Haus inmitten hundert­jähriger Tannen machte einen fast feierlich fried­lichen Eindruck.

Hedwig schlief in dieser Nacht fest, ruhig und traumlos.

Am andern Morgen erklärte Edith sich zu an­gegriffen, um aufstehen zu können, gegen zehn Ilhr begab Hedwig sich deshalb allein in das Sprechzimmer des leitenden Arztes, um ihm die nötigen Anhaltspunkte über Ediths Leiden zu geben.

Sie hatte den Namen des Sanitätsrats noch nicht gehört; timsomehr erstaunte sie, als sie in dem eleganten Arbeitszimmer des Arztes Doktor von Buttler geßenüberstand. An der $Betocgung in feinen Zügen und dem Aufleuchten seiner Augen sah sie, daß er auch sie sofort erkannte. Er hatte sich wenig verändert. In das tiefe Schwarz seines Vollbarts und das volle Haar mischten sich vereinzelte Silberfäden, als die einzigen Anzeichen der inzwischen verflossenen Jahre.

Fräulein Diekamp! das ist eine Ueberrasch- llng! Ich habe so oft an Sie gedacht und mich mit

der Frage beschäftigt, wo Sie geblieben wären," sagte er herzlich ihr beide Hände entgegenstreckend, hoffentlich kommen Sie nicht als'Patientin zu uns . . . Sie sehen, gottlob, nicht wie ein nerven­krankes, Wesen aus."

Nein, Gott sei Dank bin ich gesund." er­widerte Hedwig ernst,ich begleite Frau Berkholtz- Stoiiefield aus London, die, wie Ihnen wohl schon gemeldet, sich einige Zeit in Ihre Behandlung geben möchte."

"Berkholtz" Dem Arzt schwebt sicht­lich eine Frage auf den Lippen, die er unterdrückte, Hedwig erriet seine Gedanken.

Die Gemahlin meines Jugendfreundes Wil­helm Berkholtz," erklärte sie ruhig,vielleicht wissen Sie, daß wir unsere Verlobung ein Jahr nach dem Tode meines Vaters in gegenseitiger Ilebereinstimmung lösten."

Doktor von Buttler nickte. Er hatte davon gehört und wie alle unbefangen urteilenden Per­sonen, die das Brautpaar kannten, damals Berk- Holtz Handlungsweise dem verlassenen Mädchen gegenüber perfid gefunden. Daß Hedwig in selbstloser Liebe nun noch die Frau des Mannes, der so niedrig an ihr gehandelt, pflegte, verlieh ihr in seinen Augen eine besondere 'Größe, die ihn ergriff und rührte und alle sorgfältig einge- sachten Gefühle für das arme Mädchen zu neuem Leben erweckte.

Buttler gehörte zu jenen Männern, die nur einmal im Leben ihre Neigung einem weiblichen Wesen schenken, die, wenn ihre erste Liebe einen unglücklichen Verlauf genommen, niemals zum zweiten Male ihr Herz verschenken.

Es war dem Sanitätsrat oft nahe gelegt worden, sich schon in Anbetracht seiner Stellung zu verheiraten. Unzähligemale hatten sich ihm Gelegenheiten geboten, mit Erfolg um schöne, liebenswürdige Mädchen aus hochaiigesehenen

Familien zu werben, ohne daß er sich je entschließen konnte, Hedwigs Bild von einer andern aus sei­nem Herzen verdrängen zu lassen. Wohl war er nicht der Mann, der in nutzloser Sentimentalität einem unabänderlichen Geschick nachtrauert, sein Beruf hatte all' die Jahre hindurch seine ganze geistige und körperliche Kraft beansprucht, aber als er in dieser Stunde Hedwig wieder gegenüber- stand, empfand er intensiver als je zuvor, wie teuer sie ihm war, und ein warmes Dankgefühl für die Vorsehung, die sie hin zu ihm geführt und schenkte, durchströmte seine Seele. Nur mit hal­bem Ohr hörte er zu, wie Hedwig ihm Frau Ediths Leiden schilderte.

Wir werden sehen! Wir werden sehen!" ' sagte er mechanisch,vor allem muß ich mir die Dame erst einmal betrachten

Aus ihrem Zimmer angelangt, fand Hedwig, die Edith schlafend antraf, Zeit über das wunder­bare Wiedersehen nachzudenkeu. Sie hatte an Buttler immer mit warmer Dankbarkeit gedacht, und wie sie nun so allein in dem kleinen, ein­samen stillen Zimmer saß, zogen ihr plötzlich allerlei Vorstellungen durch den Sinn, wie sich alles gestaltet hätte, wenn sie dem Wunsche des Vaters nachgegeben und Buttlers Werbung an­genommen hätte. Wie war sie so töricht damals gewesen, als sie die paar Jahre Altersunterschied schon an sich für ein unüberwindliches Hindernis angesehen hatte. Die Schule des Lebens erst hatte sie geläutert und ihre Augen für die Werte und Unwerte der Menschen sehend gemacht. So ganz anders als früher erschien er heute, ein wehes Gefühl durchbebte ihr Herz, als sie dachte, daß sie damals in törichtem Unverstand vielleicht ihr wah­res Glück von sich gestoßen hatte um eine Attrappe, den echten Edelstein um eines Stückchen Glases willen verworjeg haste.

Je näher sie Doktor Buttler im Laufe der nächsten Woche keimen lernte, desto höher flieg ihre Wertschätzung für den berühmten Nervenarzt und mehr noch vielleicht für den schlichten, liebenswürdigen, vornehmen Menschen. Die Kran­ken vergötterten ihren Arzt; die Anstalt war unter Buttlers Leitung zu einer der angesehensten ihrer Art in Deutschland geworden und tveit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt.

So glänzende Resultate der Sanitätsrat durchschnittlich an allen Kranken, die sich seiner Be­handlung anvertrauten, erzielte, Ediths Zustand besserte sich während ihres Aufenthalts in der An­stalt nicht im geringsten, im Gegenteil schien sich ihr Leiden mehr und mehr zu verschärfen.

Im Umgang wurde sie immer unleidlicher, immer reizbarer und schwerer zu behandeln; sie quälte Hedwig aufs äußerste, und wenn diese nicht ihres Versprecheiis, daß sie sowohl Mrs. Bronvec als Ediths Gatten gegeben, eingedenk gewesen wäre, hätte sie am liebsten ihren undankbaren Posten als Gesellschafterin der hypernervösen Fran niedergelegt. Was sie zuvor nie empfunden hatte, das merkte sie jetzt: Edith verstand es, ihre Umgebung auf eine förmlich raffinierte Art und Weise zu peinigen. e

Ich begreife Nicht, wo Sie die Geduld her- nehmeir, den verrückten Launen dieser Frau stand zu halten," sagte Doktor Buttler eines Tages auf­gebracht,einige Wochen sehe ich mir die Geschichte noch an, bann schiebe ich die Dame ab. Da sie meinen Anordnungen konsequent zuwiderhandelt, weiß ich nicht, was ich hier länger mit ihr an- fangen soll. Ich kann es auch nicht ansehen, wre Sie von ihr gepeinigt werden. KeillL Stllllöe unebc ; tiu Ihrer Stelle in der Nähe der Frau . . /

(Fortsetzung folgt.)