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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Jtl 218
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Marburg
Sonntag, 16. August 1903.
Erscheint wöchentlich siebe» mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umbcrsitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
88. Jahrg.
Erstes Blatt.
Professoren-Politik.
Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Professoren forscht unausgesetzt in einsamer Studier- stnbe nach, auf welche Weise ntan das Wachstum der Sozialdemokratie am besteit verhindern könne. Dcrrhber hat natürlich fast jeder der gelehrten Derrön -seine besondere Ansicht; die meisten von ihnen aber erwarten von einem größeren Entgegenkommen an die Wünsche der Sozialdemokraten die beste Wirkung. Wir meinen aber, diese Politik, die nun schon seit einem Jahrzehnt int Gange ist, habe Fiasko gemacht. Jeder Schritt des Entgegenkommens der Regierung ist als ein Erfolg der sozialdemokratischen Partei aufgefaßt worden und hat demgemäß deren Ansehen erhöht und deren Anhängerschaft verniehrt.
Auch diejenigen Parteien, welche es sich zur Hauptaufgabe gemacht haben, der sozialdemokratischen Bewegung durch Entgegenkommen den Wind aus den Segelit zu nehmen, haben die schlechtesten Erfahrungen bei den letzten Wahlen gemacht. Die Naumaitnsche Grupe, die sich vorgenommen hatte, die Sozialdemokratie abzulösen und in eilte königlich sozialdemokratische Partei umzuformen, ist in Liquidation begriffen. Die Wadelstrümpfler, die in den „Genossen" die besten Stützen gegen die „Reaktion" erblickten und ihnen in jeder Weise — auch bei der Obstruktion — die Wege ebneten, sind im Aussterben. Die süddeutsche Demokratie, die sozialistenfreundlich bis auf die Knochen ist, hat volles Fiasko gemacht, und auch in dem Arbeiteranhange des Zentrums beginnt es, bedenklich auszuseheu.
Keinesfalls aber hat das vielfache Entgegenkommen an die sozialen Forderungen der Um- sturzpartei, deren Werbekraft gelähmt, sondern, wie die Tatsachen lehren, nur noch verstärkt. Mau konnte also darauf gespannt sein, in welcher Weise die Politischen Professoren den sozialdemokratischen Wahlsieg aufnehmen würden. Was jedoch von ihnen bis jetzt verlautet, kann zur Befriedigung wahrlich nicht gereichen. Sie suchen sich so weit wie möglich mit dem sozialdemokratischen Wachstum abzufinden und bleiben bei ihren alten Rezepten.
Der Philosophie-Professor v. Hartmann spielt den „Beschwichtignngsrat". Er meint, das Wachstum der sozialdemokratischen Partei brauche uns nicht zu erschrecken, da die Wahlen hauptsächlich anti-agrarische Demonstrations- und Kampfwahlen gewesen seien. Aber dann hätten doch nicht die übrigen antiagrarifchen Parteien so schmähliche Niederlagen erleiden können. Seine Hoffnung setzt von Hartmann auf die „Gruppe der Sozialistischen Monatshefte". Er rät tatsächlich, abzuwarten, bis mit Hilfe jener Gruppe", die bislang nur in der Phantasie besteht, die Flegeljahre der Sozialdemokratie vorbeigegangen seien und schreibt:
„In solcher Hoffnung auf künftige Entwicklung wollen wir auch mit den sozialdemokratischen Volksgenossen Geduld haben, auf wie harte Proben sie dieselbe auch stellen mögen. Tas schließt natürlich nicht aus, daß man dem Einfluß der
Ihr erster Kaffee.
, Humoreske.
„Tick—kack. tick—tack," sagte im tiefsten Baß der große Regulator au der Waud, und man konnte glauben, er sei ganz allein in dem großen, gemütlichen Wohnzimmer, denn man hörte weiter keinen Laut. Aber mau irrte, denn sah man sich genauer um, so hob sich hinter den blühenden Topfpflanzen, die in der tiefen Nische des Mittel- fensiers eine reizende Laube bildeten, alle paar Minuten ein blondes Köpfchen, das angelegentlich durch das Fenster sah und sich bann, nach einem raschen Blick auf die Mama, die in der einen ©rfe des Divans eingeschlummert war, leise seufzend wieder auf die Arbeit senkte.
Die beiden Damen waren Frau und Tochter des Baurats Burger, erstere hielt ihr alltägliches Mittagsschläfchen, während die Tochter heute in außergewöhnlicher Aufregung war; fein Wunder, denn Leutnant Arno war gestern aus dem Manöver zurückgekehrt und, o, sie wußte es nur zu genau, sein erster Besuch würde den Bewohnern der Villa Burger gelten.
Arno von Dollen war seit Jahren schon mehr Kmd als Gast int Hause, aber seit Melanies sechs- zebulem Geburtstag hielt er sich merkwürdig zurück, kam gewöhnlich nur auf kurze Zeit während der Besitchsstunden, oder wenn sich abends ei» größerer Kreis in dem qasttteien Haus Burger Zittammeugefunden batte.
Heute, daS hatte sich Lannie fest vorgenommen, wollte sie ihm das Fortgehen recht schwer machen. Sie halte es wohl bemerkt, wie sauer es ihm jedesmal wurde, besonders wenn sie ihn zum Bleiben antforderte und ihm dabei bittend in die Augen sah; ja, heute wollte und mußte sie ein
Partei auf das Volk möglichst entgegenzuwirken versucht, und das geschieht am wirksamsten dadurch, daß die Arbeiter jeden Ausstand verlieren, der von der Sozialdemokratie (also doch wohl auch von der sozialdemokratischen Gewerkschaft?) an- geraten, unterstützt oder auch nur genehmigt ist."
Wie das gemacht werden soll, verrät Herr von Hartmann nicht. War schon bis jetzt die Stellung der Arbeitgeber gegenüber der sozialdemokratischen Organisation eine sehr schwierige, so wird sie nach dem neuesten Wahlsiege, der den Größenwahn der „Genossen" nur gesteigert bat, noch viel schlimmer werden. Zahlreiche «euangezettelte Ausstände, Boykotts und Fälle von Terrorismus bestätigen das. Dabei verkennt der Gelehrte aber keineswegs die wirkliche Gefahr der Sozialdemokratie; er schreibt nämlich:
„Das schlimmste an der Partei ist ihre systematische Verhetzung des Volksgemüts und die Aufstachelung zur Widersetzlichkeit gegen jede Disziplin außer der des Parteiterrorismus selbst. In grundverlogenerWeise wird demVolk vorgespiegelt, als ob es ihm jetzt und hier schlechter ginge als jemals und irgendwo anders und durch Verdrehung aller Tatsachen ins Gegenteil Unzufrie- denheit erregt. Aber — so tröstet sich b't Verfasser — auch dieser Uebelstand ist bei der Gruppe der „Sozialistischen Monatshefte" schon sehr viel geringer (?) geworden. Die Bestrebungen auf Schiftung der Jndisziplin im Heere könnten gefährlich werden, wenn auch nur ein Drittel derer, die sozialdemokratische Stimmzettel abgeben „zielbewusste Genossen" wären. Da dies nicht der Fall ist, wird wohl (!) die militärische Disziplin so lange Vorhalten, bis die Sozialdemokratie verständiger wird."
Also abwarten und die weitere Entwicklung der Sozialdemokratie selbst anheimgeben! Die „Gruppe" der „Sozialistischen Monatshefte" hat aber auf die verlogene Agitation der ^ozialderno- fratie nicht die geringste mäßigende Wirkung ausgeübt. In den Kreisen, in denen „Revisionisten" gewählt wurden, ist genau so geheuchelt und geschwindelt worden, wie von allen anderen,„<3e= uofsen". Während aber Professor v. Hartmann die systematische Verhetzung und Lüge der sozialdemokratischen Agitation wenigstens einigermaßen würdigt, schreibt der Geschichtsprofessor Hans Delbrück:
„Es ist ja eine Albernheit, zu meinen, daß 'durch bloße demagogische Agitation eine Partei von drei Millionen Wählern zu stände gebracht wird, die in anderen verwandten Killturstaaten. z. B. England, nicht existiert. Es müssen große, überaus drückende Beschwerden vorhanden sein: wo sind sie?"
Wenn die Sozialdemokratie nicht in der ihr eigenen Weife agitierte, würde sie schwerlich auch nut die Hälfte der Stimmen, der sie sich nun rühmt, erworben haben. Nur durch systematisches Scküren der Unzufriedenheit, durchVersprechungen und erfundene oder übertriebene Beschwerden hat die Sozialdemokratie solche Erfolge erringen können. Dabei hilft ihr allerdings unser geheimes Wahlrecht. In England ist das Wahlrecht ein für das „Proletariat" ganz erheblich ungünstigeres, als bei uns; wäre das nicht der Fall, so würde auch dort die Sozialdemokratie schon mehr Boden gefunden haben als bisher.
mal ihre Macht erproben. Darum schaute sie auch jetzt so sehnsüchtig nach ihm aus — gewiß nur deshalb , denn was lag ihr sonst an Arno? Nichts!
Da, im Vorzimmer klirrten Sporen, leise zwar, doch Lannies Ohr war für diesen Klang besonders geschärft, und rosige Glut färbte ihr Antlitz höher, als gleich darauf nach kurzem Klopfen der Freund eintrat. Befangen und doch glückstrahlend ging sie ihm entgegen.
„Arno, wie freue ich mich, daß Sie wieder hier sind, ach, es war schrecklich langweilig bei uns ohne Sie."
„So hätten Sie mich wirklich ein klein wenig entbehrt?" fragte Arno von Dosten in verschleiertem Tone und haschte dabei nach der anderen Hand Lannies.
Ein Weilchen standen sie so, hochklopfenden Herzens, Auge in Auge einander gegenüber. Lannies Verlegenheit flieg mehr und mehr. Sie deutete, da er ihre Hände noch gefangen hielt, mit dem Kovf nach dem Divan; jetzt erst bemerkte Arno die Mutter, und ein blitzartiges Leuchten flammte in feinen Augen auf. *
„Mama schläft!" flüsterte er, tiefer neigte sich sein dunkler Kopf, dem frischen Mädchenantlitz näher und näher.
„A—" Arno wollte sie rufen, aber da war das schreckliche schon geschehen, er hatte sie geküßt.
Die Mutter fuhr erschrocken aus dem Schlaf auf, sie hatte Lannies Ausruf gehört. Als sie aber die Augen aufschlug, sah sie ihr Kind in dec Fensternische zwischen den Blumen stehen, und an der Tür — Arno; er mußte eben erst eingetreten fein. Freudig bewegt streckte Frau Burger dem Jüngling die Hand entgegen.
Professor Delbrück kann bei seiner Suche nach überaus drückenden Beschwerden solche natürlich in der Steuerlast ufto. nicht finden, er betont vielmehr die gegenüber dem Auslande günstigere Lage der Arbeiterschaft. Dagegen meint er, die Strafjustiz trage die Schuld an dem Wachstum der Sozialdemokratie. Das Märtyrerverzeichnis des „Vorwärts" hat es ihm angetan. Er schreibt:
Das Söbtauer Urteil, das Breslauer Urteil, das Magdeburger Urteil, das Gnesener Urteil, das Flensburger Urteil — es vergeht keine Woche, wo die sozialdemokratische Presse nicht ihren Lesern ein solches Urteil vorführt und in ihrem Sinne kommentiert. Alle Arbeit gegen die Sozialdemokratie, strenge Unterdrückung der Wohltat, soziale Gesetzgebung und Belehrung, Vaterlandsliebe und Religion, alles wird keine Wirkung haben, so lange nicht ein anderer Geist in unsere Strafkammern eingezogen ist." Hier liegt nach Herrn Delbrück „der eigentliche Knotenpunkt unserer politischen Verwickelung", und er will diesen Knoten lösen, indem ein „gescheiter, vorsichtiger Jurist" als Justizminister angestellt wird, der die einzelnen Fälle der „Klassenjustiz" nachprüfen und die Gerichte auf die Gefahr dieser Verirrung aufmerksam machen soll.
Aus allen derartigen Vorschlägen spricht die Angst vor der Sozialdemokratie. Nur nicht zu derb anfassen! Nur dem „Vorwärts" keinen Grund zur Beschwerde geben! Das ist die Hauptsache. Gewalttätige oder meineidige „Genossen" sollen zart anqefatzt werden, weil das Urteil in sozialdemokratischem Sinne kommentiert wird! Also möglichst Straffreiheit für sozialdemokratische Gewalttaten, für sozialdemokratische Vergehen überhaupt! Aber gerade das wäre Klassenjustiz, und gerade dadurch würde den „Genossen" ein neuer Ansporn gegeben, die Bourgeois zu terrorisieren und zu brutalisieren. Das wäre der Anfang der Kapitulation vor der roten Fahne.
Umschau.
Polizei und städtisches Wasserwerk.
Einen interessanten Verwaltungsstreit zwischen Magistrat und Polizeipräsidium in Berlin teilt der soeben erschienene 5. Band dcs „Berliner Gemeinderechts" zu Nutz und Frommen derjenigen Grundstückseigentümer mit, die gern mit ihren Wasierabgaben im Rückstände bleiben. Die Geschäftsordnung für Entnahme von Wasser aus den städtischen Wafferwerken schreibt vor, daß der Magistrat bei Nichtzahlung der vertraglich festgesetzten Abgaben die Zuleitung von dem Grundstück des säumigen Hauswirts absperren lassen kann. Von dieser Befugnis wollten die Wasserwerke einmal Gebrauch machen, ihre Arbeiter wurden aber durch Schutzleute an der Absperrung deS Masters gehindert. Nach langen Verhandlungen mit dem Polizeipräsidium erhob der Magistrat Klage gegen dessen Verfügung. Der erste Richter nahm an, daß die Wasserwerke Privateigentum der Stadt, die Geschäftsordnung also ein Privatvertrag sei. Wohl könne die Polizei in Privatrechte eingreifen und jemand zwingen, ihm gehöriges Wasser einem dritten zu überlassen, z. B. in Fällen
dringenderGefahr(beiFeuerSbrünstenusw.);dahiv gehöre aber nicht der durch den Eigentümer verschuldete Wassermangel in dem fraglichen Wohn» Hause. Wenn es sich um eine sanitätspolizeiliche Maßnahme handele, so ständen der Be» Hörde mannigfache RechtSbefugniffe zu: sie könne das Haus räumen lassen oder den Wirt zur Beschaffung von Wasser anhalten; gebe eS doch in Berlin auch bewohnte Häuser, die nicht an die städtische Wasserleitung angeschlossen seien. Die Polizei habe aber in keiner Weise auf den säumigen Hauswirt eingewirkt, ja, nicht einmal den Gebrauch des Klosetts untersagt. Danach sei die Polizeiverfügung ungültig. In der Berufungsinstanz machte der Polieipräfident geltend, daß die Wasserwerke eine öffentliche Kommunalanstalt darstellten', welche die Zahlung der Abgaben auf dem Wege der gewöhnlichen administrative« Exekution erzwingen könne, nicht aber durch Schließung der Zuleitung, die in ordnungs», sanitäts- und ficherheitspolizeilicher Beziehung unhaltbare Zustände schaffen würde. Die polizeiliche Räumung deS Hauses würde den Magistrat selbst in Verlegenheit bringen, da er unter Umständen für Obdach sorgen müffe, wozu er, wenn es sich vielleicht um Tausende von Menschen handele, schwerlich imstande sein dürfte. Der Magistrat entgegnete: wenn Uebelstände aus dem Entziehen des Wassers entständen, so trüge dann die Polizei die Schuld; früher habe regelmäßig die Drohung mit dem Absperren der Leitung auSgereicht, um die Zahlung der Wasserbeitläge zu erlangen, jetzt, wo das Verfahren der Polizei bei den säumigen Hauswirten bekannt geworden sei, häuften sich die Fälle, in denen nicht gezahlt werde, derart, daß sie in der kurzen Zeit eines halben Jahres schon auf 200 gestiegen seien. Die Polizei könne den Hauswirt zur Zahlung zwangsweise anhalten. Das Oberverwaltungsgericht gab dem Magistrat recht und führte u. a. aus: Die Wasserwerke sind nicht öffentliche Kommunal» anstalten in dem Sinne, daß sie im öffentlichen Interesse zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, also zu polizeilichen Zwecken, von der Gemeinde hergestellt wurden, denn die Versorgung der Einwohner der Stadt mit Wasser zum Privatgebrauch ist keine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinden, kein Teil der Polizeilast; der polizeilichen Aufsicht und Einwirkung unterstehen diese Werke nicht, die Polizei kann daher die Stadt auch nicht zwingen, unter Verzicht auf ihre Privatrechte Wasser ohne Bezahlung zu verabfolgen.
Lässige Unterhaltungspflichtige sind für die großstädtischen Armenbehörden eine ständige Quelle unerquicklicher Prozesse. Die Stadt Charlottenburg hat im Jahre 1902 in 273 Fällen auf Grund deS § 361.10 deS R.- Str.-G. Unterstützungöpflichtige zur Erfüllung ihrer Pflichten aufgefordert. In 110 Fällen erfolgte schlechtweg Ablehnung, während 162
„Verzeihen Sie, Strno, daß sie mich schlafend trafen, wenn man alt wird, braucht man Ruhe; seien Sie herzlichst willkommen!"
Mit ein paar Schritten war er bei ihr, und während er sich tief über die Hand der Mutter bückte, flog ein flehender Blick zu dem jungen schlanken Mädchen hinüber
Erstaunt betrachtete Fran Burger die halb feindselige, halb verschüchterte Haltung ihres Kindes.
„Lannie ,Arno, habt Ihr Euch denn schon begrübt?"
„O gewiß, sehr!" tönte es grollend aus der Nische.
„Sehr!" echote mit verschmitztem Lächeln Arno.
„Sie bleiben doch gewiß heute länger bei uns Arno, denn wir wollen viel von Ihnen hören; wie geht es vor allem Ihrer Mutter und Tante Latte?"
„Ach, das hätte ich ja beinahe vergessen, sie kommen gleich nach, ich wurde nur als Avantgarde vorausgeschickt, um die andern anzumelden."
„Na, da sieht man ja wieder einmal deutlich, wie man sich auf seine Kinder verlassen kann," sagte lächelnd Frau Burger. „Aber da fällt mir eben ein, Lannie, ich habe die beiden Mädchen auf die Bleiche geschickt, und Heinrich kann doch nicht gut den Kaffee kochen, willst Tu es übernehmen?"
„Natürlich, von Herzen gern, liebe Mama; übrigens, da kommt schon Tante Dosten, Tante Lotte und Kousin Fritz, das ist hübsch, er war sehr lange nickt mehr bei uns."
Arnos Brauen rückten näher zusammen.
„Sie scheinen ihn sehr entbehrt zu haben, Fräulein Melanie. Das dürfen Sie diesem angenehmen Schwerenöter nur wissen lassen, dann
wird er dem liebet gewiß mit tausend Freude« abhelfen."
„Sollte mich ungemein freuen, denn ich habe ihn stets äußerst liebenswürdig gefunden, und ziehe deshalb seine Gesellschaft mancher anderen vor."
Arno wurde um eine Schattierung blasser, antwortete aber jetzt in spöttischem Ton: „Sieh, sieh, das sind ja sehr interessante, und mir ganj neue Offenbarungen!"
Frau Burger folgte dieser sich so zuspitzenden Unterhaltung mit wachsendem Erstaunen, jetzt konnte sie nicht mehr an sich halten, miszurufen: „Ja, Kinder, was ist denn auf einmal für em böser Geist in Euch gefahren, Ihr fetb ja tote Hund und Katze zusammen; und Dich, Sonnte, verstehe ich schon ganz und gar nicht mehr, dte ganze Woche zählte sie schon die Tage, wann Arno kommen würde —"
„Mama!" ruft Lannie ganz entsetzt.
„Ja, oder hast Du vielleicht nicht?"
Glutüberhaucht senkte sich Lannies Köpfchen wieder. Die Mutter fuhr unbeirrt fort: „Und nun ist er da, bist Du so abstoßend wie nur möglich; was Du ferner von Vetter Fritz sagst, kommt mir wie die reine Komödie vor, denn letzte Woche nanntest Tu ihn in meinem Beisein einen faden Komplimentenschneider, wie reimt sich das mit T einer heutigen Rede?"
Arnos Augen erhielten während Fran Burgers Erguß wieder den alten Glanz, jetzt eilte et den Neuankommenden mit fröhlichenk Gruß entgegen, während Lannie unbemerkt durch die zwei« Tür verschwand, um in der Küche die Vorbereitungen zum Nachmittagskaffe Zu treffen.
Draußen sank sie aufstöhnend auf den Küchen- stnhl, schlug die Hände vor das Gesicht, und