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Marburg

Freitag, 14. August 1903.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonniagsbe!lager Mustrirtes Sonntagsblatt.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck unb Verlag- Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerek 38*

Marburg, Markt 21. Telephon 55. 1

Freie Eisenbahnfahrt für beurlaubte Soldaten.

Der evangelische Arbeiterverein in Barmen hat nach einer durch die Presse gehenden Mit­teilung kürzlich beschlossen, an die christlich- sozialen Reichstagsabgeordneten eine Eingabe zu richten, in der sie gebeten werden, für die Gewährung freier Eisenbahnfahrt an alle in bie Heimat beurlaubten Soldaten bis zum Feld­webel aufwärts einzutreten. ES soll in der Eingabe hervorgehoben werden, daß eine solche Maßregel doch als Ehrenpflicht des Staates erscheine, weil dieser die Dienstpflicht festsetze und die jungen Staatsbürger zwinge, derselben oft in großer Entfernung von der Heimat (leider!) zu genügen. Die Kosten der Urlaubs­reisen könnten von sonst unbemittelten Soldaten unmöglich aus eignen Ersparnissen bestritten werden, sie blieben deshalb auf die Opferwillig­keit ihrer vielfach doch auch unbemittelten An­gehörigen angewiesen, wenn sie nicht überhaupt auf Heimaturlaub während der Dienstzeit ver­zichten wollten.

Es will uns sehr zweifelhaft erscheinen, ob die Bewilligung freier Eisenbahnfahrt für Heimaturlauber aus dem Soldater.stande als zur Kompetenz des deutschen Reichstages gehörig anzusehen ist, da sich die Eisenbahnen im all­gemeinen doch im Besitz der Einzelstaaten be­finden. An sich ist das Verlangen des evange­lischen Arbeitervereins in Barmen aber ein durchaus gut begründetes.

Es wird heute mit Recht auf dem Lande darüber geklagt, daß die jungen Männer durch die Militärdienstzeit ihrer Heimat, ihrem Be­rufe, ihrer Familie entfremdet würden. Zu den kirchlichen Festtagen besonders wird ja auch deshalb unfern braven Soldaten von den Militärbehörden auf besondere Anweisung des allerhöchsten Kriegsherrn in liberalster Weise Heimaturlaub erteilt; durch die Reisekosten aber wird nicht nur den Arbeiter-, sondern auch den Bauern- und Handwerkersöhnen der Besuch der oft weit entfernten Heimat ganz ungemein erschwert. Gerade diese letztgenannten Berufs­stände haben dadurch, daß sie ihre Söhne zum Militärdienst hin geben müssen, an und für sich schon besonders schwere Opfer zu bringen. Nicht nur, daß der Bauer, Handwerker oder Kleingewerbetreibende die Hilfe des erwachsenen Sohnes oft sehr schmerzlich während der Militär­dienstjahre entbehrt, wieviele sauer verdiente Markstücke müssen aus diesen Kreisen dem seinem Könige und dem Baterlande Dienenden in dieser Zeit noch zugeschickt werden. Unter diesen Umständen erscheint es wirklich eigentlich im höchsten Maße unbillig von den in be­schränkter Erwerbslage befindlichen Eltern auch noch die Bezahlung der alljährlichen Urlaubs­reise des Sohnes nach der Heimat zu verlangen.

1t (Nachdruck verboten.)

Zum Glück.

Roman von Margarete Böhme.

lFortfehung.)

Tie Unterhaltung verstummte. Jede hing ihren eigenen Gedanken nach. In Hedwig hatte die Er- wähnung der Vergangenheit wieder alle Ereignisse derselben lebendig gemacht. Die Zeit hatte allen Wunden, die das Schicksal ihr geschlagen, Teilung und Linderung gebracht. Am schmerzlichsten war ihr der Umstand, daß Willi seit jenem Rbschieds- 6riefe nie nach ihr gefragt hatte. Ob er ahnte, wie schwer die Enttäuschung sie damals getroffen hatte? Ob er die ehemalige Gespielin und Jugend­freundin, der er indirekt seine Lebensstellung, seinen ganzen Werdegang verdankte, wirklich ganz vergessen hatte? Alle diese Fragen beschäftigten Hedwig, während sie ftumni neben der schweigen­den Frau herschritt.

Zu Hause angclangt, fand Edith zwei Briefe au» London vor. Sie hatte den ersten kaum er­brochen und die eine Seite gelesen, als sie jäh er­blassend das Blakt fallen ließ und mit einem tiefen Seufzer in den Sessel zurücksank. Auf Hedwigs besorgte Fragen antwortete sie nur mit einem Kopfschütkeln. Nach einer Weile erhob sie sich, las den Brief int Stehen zu Ende und ver­schloß ihn dann in eine Kassette.

Auf Ediths Wunsch schlief .Hedwig, seit Mrs. Brouver fort war, mit ihr in einem Zirmner. Hedwig lag in dieser Nacht lange wach, bevor sie einschlief, und so entging ihr nicht, wie sich die junge Frau unruhig im Bette hin und her warf, wie fieberhaft ihre Atemzüge flogen und daß von Zeit zu Zeit ein seltsam schwirrender Ton wie ein anhaltendes Schluchzen aus den Kissen des an­deren Bettes emporstieg.

Wenn die Negierungen nicht von selber auf die Anregung des Barmer evangelischen Arbeiter­vereins zu dieser Angelegenheit eingehen sollten, so wäre eS eine durchaus dankenswerte Aufgabe für die Volksvertreter der Einzelstaaten (be­sonders derjenigen des größten Bundesstaates Preußen) ihre Landesregierungen dringend zur Erfüllung der billigen Forderung Gewährung freier Eisenbahnfahrt für die nach der Heimat beurlaubten Soldaten anzuhalten.

Umschau.

Der Kronrat zu Berlin.

Unser Kaiser ist von seiner Nordlandreise in die Heimat zurückgekehrt und schickt sich sofort an, mit kräftiger Hand die am Boden schleppenden Zügel der preußisch-deutschen Regierungskunst zu ergreifen. Heute bereits findet in Berlin unter dem Präsidium des Monarchen der viel besagte Kronrat statt, bei dem eS an eingehenden Erörterungen nicht fehlen wird. Verschiedene Zeitungen geben sich noch immer besondere Mühe darzutuen, es werde in dieser Sitzung nur über die Unter­stützung der Ueberschwemmten Gebiete resp. über Maßnahmen zur künftigen Verhinderung solcher Natur-Ereignifle beschlossen werden. Das mag ganz genau stimmen, erschöpft aber die Sache nicht. Wenn der Monarch mit den ver­antwortlichen Ministern wegen der allgemeinen Politik, wegen prinzipieller Fragen bei den schwebenden und bevorstehenden Handelsver­trags-Verhandlungen konferiert, so werden darüber keine - bestimmten Beschlüsse gefaßt, weil eben es sich um Dinge handelt, die erst in der Zukunft spruchreif und allgemein be­kannt werden können, wohl aber wird eine Uebereinstimmung erzielt, und wir meinen, diese wird sich nicht allein bald praktisch äußern, sie muß eS auch tuen, wenn wir bei den Ver­trags-Verhandlungen gut abschließen sollen. Die große Vertrauensseligkeit auf ein wirkliches Entgegenkommen des Auslandes ist eine rein platonische Sache. Stehen wir nicht fest in den eigenen Stiefel, das heißt in kräftiger Ver­tretung unserer eigenen wahlberechtigten und unentbehrlichen Interessen, so erzielen wir nichts. Und was nützten uns die Handelsverträge, bei denen wir am Ende den wirklichen Nutzen in ein Weinglas legen und mit einem Lindenblatt zudecken könnten? Wie unbedingt erforderlich eine feste Stellungnahme der Negierung, die eine energische Vertretung deutscher Jnteresien bezweckt, nötig ist, beweist z. B. nachstehende Auslassung der freisinnigenKönigsb. Hartungschen 3tg.: Die Russen sind so schreibt das Blatt recht geschickte Unterhändler, und unsere deutschen Kommissare werden ein sehr großes Maß von Vorsicht und etwas Gewöhnung an den durch die Jahrhunderte langen engen Beziehungen zu asiatischen Völkern etwas von den westeuropäischen

Sind Sie krank, Edith," fragte sie einmal leise hinüber auf den besonderen Wunsch der jungen Frau nannten sie einander beim Vor­namendarf ich Ihnen etwas reichen?"

Als keine Antwort erfolgte, schwieg sie. Aber eine lange Weile später rief Edith ihren Namen.

Hedwig! Schlafen Sie?"

Nein, Edith."

Wir wollen abreisen. Ich mag hier nicht mehr sein, und die Bäder bekommen mir nicht. Morgen wollen wir packen--

Und wohin denn."

Das weis; ich selber noch nicht .... Irgend­wohin . . . hinein ins Blaue . . ."

Zeitiger als sonst war Edith am nächsten Morgen wach und gegen ihre Gewohnheit sie pflegte ihr erstes Frühstück im Bette einzunehmen verlangte sie mit Hedwig zusammen auf dem Balkon zu frühstückeit.

Hedwig hatte angenommen, daß Ediths in der Nacht geäußerte Neisegedanken nur einer flüch­tigen Laune entsprungen waren, und sie am Mor- gen dieselben wieder vergessen haben würde. Zu ihrem Erstaunen entwickelte die junge Frau aber bereits bestimmte Reisepläne. Schon am andern Tage wollte sie fort, zuerst nach Thüringen, später über Dresden nach Böhmen und dann nach dem Salzkammergut und der Schweiz.

Hedtoig äußerte natürlich mit keiner Silbe ihre Verwunderung, sondern stimmte allenVorschlogen ihrer jungen Herrin bedingungslos zu. Als diese bald danach zum Baden ging, machte sie sich daran, die vielen Sachen und Toiletten für die Verpackung zu ordnen und zurechtzulegen.

Nach dem Baden schlief Edith mehrere Stun­den. Hedwig packte währenddessen. Der Salon glich momentan einem Trödlerladen, alle Tische, Stühle und Sessel waren mit Kleidern und son­stigen Gardcrobestücken belegt, die Hedwig der

Begriffen abweichenden diplomatischen Verkehr mitbringen oder sich aneignen müssen, wollen sie mit Ehren in diesem Kampf der Geister bestehen. Handelsverträge sind schließlich einem großen Handelsgeschäft vergleichbar, bei dem die Kontrahenten zwei Nationen sind. Zwischen Völkern ist der Handel der beste, bei dem keiner benachteiligt wird, sondern bei dem beide sich zwar Konzessionen machen, aber doch nur in einem Umfange, daß beide ihre Rechnung dabei finden und daß beiden an der Aufrechterhaltung eines solchen freundnachbarlichen Handelsverhält- niffeS auch dauernd gelegen ist. Immerhin lohnt es, die deutschen Unterhändler an jene Legende zu erinnern, wonach nach Abschluß der letzten Handelsverträge die russischen Agenten gesagt haben sollen, die Deutschen seien zu dumm gewesen, sie hätten viel mehr bekommen können, wenn sie eS richtig angestellt hätten." Daß die russischen Agenten sich in diesem Sinne ausgesprochen haben, soll übrigens keine Legende, sondern Wahrheit sein. Diesen letzten Zusatz macht derHann. Courier", also ebenfalls ein linksliberales Blatt. Beide Zeitungen aber find gewiß völlig unverfängliche Zeugen dafür, daß wir Deutsche s. Zt. unter Caprivi gehörig über den Löffel barbiert worden sind. Caveant, consnlesl Dem heutigen Kronrat in Berlin werden sämtliche Minister mit Ausnahme der Herren von Hammerstein (Inneres) und Schönstedt (Justiz) beiwohnen. Es sind das die beiden Excellenzen, deren Rück­tritt schon seit längerer Zeit angekündigt wurde.

Exzellenz von Levetzow.

Der frühere Reichstagspräsident Exzellenz van Levetzow ist auf seinem Gute Gussow bei Königsberg in der Neumark, 75 Jahre alt, ge­storben. Levetzow ist bekannt als durchaus kon­servativer, aber ebenso gerader und charakter­fester Mann. Trat er doch während seiner Präsidentschaft im Reichstage mit solcher Ent­schiedenheit für die Parlamentsrechte ein, daß ihm bei einer Wiederwahl sogar die Sozial­demokraten ihee Stimme geben. Das Tischtuch wurde aber im März 1895 zerschnitten, als er beantragte, dem Fürsten Bismarck zu seinem 70. Geburtstage im Namen des Reichstags zu gratulieren. Die damalige Neichstagsmehrheit lehnte, wie bekannt, diesen Antrag ab, worauf Herr von Levetzow sein Amt niederlegte. Er hat aber auch nachher sich großen Ansehens im deutschen Parlament erfreut und bei den letzten Zoll-Debatten noch den Standpunkt der kon­servativen Partei in ruhiger, aber entschiedener Form vertreten. Herr von Levetzow nahm am Kriege 1866 teil, wurde ein Jahr später Land­rat seines heimatlichen Kreises, 1876 Landes- direktor der Provinz Brandenburg. Mitglied war er 1867 1871, 18771884, und von 1887 ab. 1881-1884 und 1887-1895 war er Präsident.

Reihe nach in zwei großen offenen Rohrplatten­koffern unterbrachte.

In ihrer eifrigen Beschäftigung batte sie es "überhört, daß wiederholt an die Tür geklopft wurde. Erst als diese aufging und jemand ein­trat, blickte sie überrascht auf.

Ein Herr in Reisekleidern stand auf der Schwelle. Er wandte Hedwig mit einer Seiten« wendtmg das Gesicht zu uud öffnete den Mund, nnt etwas zu sagen, verstummte aber jäh und ver­harrte sekundenlang in fassungslosem Erstaunen. Auch Hedwig vermochte vor Schreck und Bestürz­ung momentan keine Silbe zu sprechen. Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen, aber die sichtliche Verwirrung des Mannes überzeugte sie, daß sie sich nicht irrte . . .

Hedwig! Alle Götter! Welche Ileberrasch- ung. Sie hier wiederzufinden!" rief Willi Berk- holtz, sich gewaltsam zusammen nehmend . . . . "Verzeihen Sie mir, daß ich hier so saus sacou hereinplatze. Der Dummkopf von Kellner hat mir ohne Zweifel eine falsche Zimmernmnmer ange­geben . . . Doch gleichviel, ich danke dem Zufall, der mich zn Ihnen führte. Wenn Sie wüßten, wie oft ich in den verflossenen Jahren an Sie ge­dacht habe und wie sehnsüchtig ich eine Begegnung mit Ihnen herbeiwünschte, werden Sie meine Ueberraschimg, daß sich meine Wünsche so plötzlich erfüllten, begreifen. Liebe, liebe Hedwig, sagen Sie mir, daß Sie mir nicht zürnen."

Mit ein paar rascheuSchritten war er auf sie zugetreten und ergriff ihre beiden Hände; seine Stimme zitterte vor Bewegung und Rührung. Hedwig war im Augenblick nicht imstande, auch nur einen Laut hervorzubringen, so sehr lewegte sie die Plötzlichkeit dieses Wiedersehens gerade in dem Moment, wo sie lebhaft desjenigen, der vor ihr stattd, gedacht hatte.

Die Pariser Brandkatastrophe.

Bezeichnend für die Solidität der ganzen Untergrundbahnanlage ist auch, daß schon wieder auf einem Zuge bereits ein neuer Kurzschluß vorgekommen ist. Er hat keinen Schaden an­gerichtet, aber damit ist nicht gesagt, daß nicht- hätte geschehen können. Natürlich trägt bei diesen Vorkommnissen der Zufall immer die Hauptschuld, aber gerade deswegen besteht die doppelte Pflicht zur Aufmerksamkeit. Wir ent­nehmen einem Bericht derVoss. Ztg." noch das Folgende: Alle Toden sind erstickt. 75 Leichen wurden an einer einzigen Stelle in einem gräßlichen Haufen gefunden. Die Un­glücklichen waren, als sie den Zug verließen, den Bahnsteig entlang nach der Ausgangstreppe gelaufen. Da ihnen aber von dort aus dem Tunnel der dicke Oualm der in einiger Ent­fernung auf der Strecke brennenden Züge ent­gegenschlug machten sie in ihrer Verwirrung kehrt und liefen an- andere Ende des Bahn­steiges, der an der vorspringenden Wand der Station endet. An diesem Vorsprung staute sich die Menge und dort fanden alle ihren Tod. Die wenigen Reifenden, die nicht umkehrten, sondern trotz de- Rauches zur Treppe weiter­liefen, gelangten entweder ohne Hilfe ins Freie oder fielen auf der Treppe zusammen, wurden aber von den bis zu ihnen gelangenden Feuer­leuten gerettet. Der Zug enthielt fast 350 Reisende. Alle hätten sich retten können, bevor der Rauch in die Station einströmte, aber sie wollten den Zug nicht verlassen, bevor ihnen der Schaffner nicht das Fahrgeld zurückerstattet hätte. Sie bedrohten ihn und ließen erst von ihm ab, als alles dunkel geworden war, und er ihnen im Schutze der Finsternis entrinnen konnte, um sich selbst zu retten. Man kann sagen, daß über 60 Menschen das Opfer von drei Sous (12 Pfennigen) geworden sind. Nach anderen Berichten machte das auf den Stationen den Zügen zuströmende Publikum trotz der Mitteilung des Unglücks, an das es nicht glaubte, die Treppenaufgänge nicht frei, sondern drängte nach unten und verhinderte so die der Brandkatastrophe Entronnenen am Verlassen des Tunnels, in dem sie dann erstickten.

Die Leichen find teils in der Morgue, teils in der Präfektur ausgestellt. Eine nach Taufenden zählende Menge umdrängte sie und suchte die Angehörigen zu erkennen, wobei sich herzzerreißende Auftritte abspielten, wenn dies endlich gelang. Die Tobten sind fast aus­schließlich von der Arbeit heimkehrende Ar­beiter. Man sieht auch aus dieser Dar­stellung, daß es mit den Ermahnungen nicht getan ist, daß alle Geistesgegenwart am Ende doch nichts nützt, daß eS lediglich darauf an­kommt, vorzubeugen. Und dies kann nun durch die sorgfältigste Arbeit, durch Jnbetrachtziehen auch der unmözlichst scheinenden Möglichkeiten bewirkt werden. DaS kostet viel Geld, dem

Ich freite mich auch. Sie wiederzusehen," sagte sie nach einer Weile mit mühsam erkämpfter Fassung.

Ich habe gar nichts wieder von Ihnen ge­hört. Meine Mutter wußte nicht, wo Sie waren. Es ist Ihnen gut ergangen inzwischen? Sie sind hier nicht allein? Sie sind verheiratet?"

Nein, Herr Berkholtz. Ich bin hier als Ge­sellschafterin einer englischen Dame. Wenn Sie Mrs. Stonefield zu sprechen wünschten, hat der Kellner Sie richtig geführt . . .

Sie brach unwillkürlich ab, als sie den ver­störten, entsetzten Ausdruck seines Gesichts wahr­nahm.

Welche seltsame unbegreifliche Fügung," mur­melte er,meine Schwiegermutter sagte mir, daß sie eine deutsche Dame für Edith engagiert habe. Aber ich konnte unmöglich ahnen. Sie als die Ge- sellfchafterin meiner Frau hier zu finden, Hedwig."-

Ihrer Frau?" wiederholte Hedwig kopf­schüttelnd.

Ja, ja. Sie begreifen natürlich den Zu­sammenhang nicht, weil meine Fran nicht meinen Namen zu führen beliebt. Sie Arme! ich kann mir vorstellen, was Sie von dieser Frau zu leiden haben."

Ich verstehe Sie immer noch nicht," sagte Hedwig kalt.Mrs. Edith Stonefield?"

Ist meine Gattin. Leider ---wenn ich

an Ihnen sündigte, so bin ich durch diese Heirat tausendmal gestraft; es ist ein Jammer, ein Un­glück ohne Maßen um eine solche Ehe . . . Sie hat niemals meinen Namen erwähnt?"

Niemals . . . Sie sähen mich sonst nicht so überrascht."

Willi Berkholtz warf sich aufstöhnend in einen Sessel. Die rechte Hand vor die Augen pressend, erzählte er ihr in kurzen, abgerissenen Sätzen die Geschichte seiner Heirat.