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Erstes Blatt

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sprach, war endlos.

Allzuviel Liebenswürdigkeit.

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stehenden Neuwahlen zur Volksvertretung aus dem Felde fragen können, um zu Einfluß und Macht und was im Orient damit un­verrückbar verbunden ist zu Geld zu kommen. Darum sind also Draga und Alexander erdolcht und erschossen, daß eS nach ihrem Tode nicht besser, sondern nur schlechter wird!

Als Peter I. den Thron bestieg, redeten die Königsmörder davon, sie wollten sich freiwillig der zu verhängenden Strafe stellen, einer wollte sich sogar als Opfer für seine mitschuldigen Kameraden erschießen, und jedenfalls wollten alle sich in völlige Stille zurückziehen. Und was ist tatsächlich geworden? Diese Banditen in Uniform wurden für besondere, ehrenvolle Missionen, wie jetzt für die Einholung der Kinder des Königs auserwählt, sie avancierten im Handumdrehen, und die russische Erklärung, daß eine Bestrafung der Blutmebschen erwartet werde, wurde lächelnd bei Seite gelegt. Damit nicht genug, opponieren diese Elemente heute schon gegen jede ihnen nicht genehme Ernennung und der König Peter zieht furchtsam die Dekrete zurück resp. läßt sie unausgeführt. Das heißt also, die Moral achten, den politischen Anstand wahren. Neulich in Wien haben die serbischen Offiziere ja schon durch unzweideutige Volks­kundgebungen zu verstehen bekommen, wie man außerhalb ihres Landes über sie denkt. Leider wird sie das nicht bessern, der Skandal in Belgrad wird so groß bleiben, wie er ist, resp. noch größer werden, wenn die Großmächte nicht ein ganz ernstes Wort sprechen. Ueber die Skandalgeschichten in Ostasien ist genug ge­schrieben; leider siehtS im christlichen Orient nicht besser aus, dafür find die Urheber der Ereignisse in Belgrad und die grauenvollen Bluttaten der macedonischen Aufständischen Zeuge. Die Letzteren, wie die Ersteren haben Ausreden, aber aus welchem Grunde gemordet wird, ist am Ende nicht so furchtbar wichtig, eS kommt auf den Mord an.

Die Verhältnisse im Orient find so ver­wickelt, daß wohl keine europäische Großmacht Lust hat, noch weiteren Zündstoff aufzuhäufen. Man läßt darum die Dinge in Serbien vor der Händ gehen, wie sie gehen wollen, denn die bisherigen Ermahnungen, die sich in ziemlich sanftem Stil halten, werden kaum nützen. Höchstens wird äußerlich etwas getan werden, und im Wesen bleibt alles beim Alten. Und hierin liegt eben die Gefahr. Im Juni wurde das Königspaarzum Besten des Vaterlandes" ermordet, heute ist mit einem inneren Zusammen­stoß zu rechnen, um den König Petervom Einfluß einer Verbrecher - Klique, bie seine Uniform trägt, zu befreien." ES wird niemand sagen wollen, daß es so leicht ist, von einem eben erst bestiegenen Königsthron wieder herunterzusteigen, aber daß der Platz angenehm ist, wenn solche Menschen, wie dieOffiziere vom 6. Regiment", als Paladine herumstehen, das kann erst recht nicht behauptet werden.

Politik einen Hang zum dekoratieren und eine Vorliebe für übergroße Liebenswürdigkeit im internationalen Verkehr. Sie fährt dann fort: Wie dieser Hang zu übertriebenen Liebens­würdigkeiten mit dem starken Selbstbewußtsein, das in der Vorliebe zum dekoratieren zum Ausdruck kommt, psyhologisch zu vereinen sei, bleibt ein Rätsel. Wir sind nicht geneigt, Kleinigkeiten aufzubauschen und Aeußerlichkeiten zu überschätzen. Immerhin hegen wir den leb­haften Wunsch, daß dieser Hang und jene Vor­liebe weniger in Erscheinung treten möchten. Das deutsche Volk hat in seinem guten Kerne kein Verständnis dafür, und im Auslande er­regen sie leicht Mißverständnisse. Wir halten es für eine unabweisbare Pflicht der nationalen Presse, gerade in diesem Punkt erste, freimütige Kritik immer wieder zu üben. Schweigt diese Kritik, dann nimmt ihre Stelle der scharfe, ätzende Sarkasmus ein, der nach und nach die Volksseele schädigen muß."

frei verfügen. Das alles war ihr nach den Jahren steter Abhängigkeit von anderer Leute Willkür und Launen neu und mutete sie beinahe fremd an. Es war ein ganz eigenes Gesiihl, stundenlang mit einem Buch oder einer Handarbeit aus dem Balkon oder im Garten sitzen oder im Park spa­zieren zu kömten, ohne durch die Befehle der Herrin oder die Rücksichtslosigkeiten und Unarten der kleinen Plagegeister jede Minute aufgescheucht und um den Genuß eines ruhigeit Augenblicks gebracht zu werden. Jir der freieren Atmosphäre, die sie hier umwebte, begann ihr unter der de­mütigenden Behandlung getretenes itnb geknicktes Selbstgefühl allmählig wieder zu erstarken: sie besann sich wieder auf sich selbst, die künstlich nnterdriickte Jugendlust regte sich wieder: ihre Augen blickten wieder klarer, glänzender als vor­dem in die Welt: die Luft am Leben, die in den verflossenen Jahren oft brach gelegen, war mit einem Male wieder da . . . Welt und Leben waren doch schön, trotz aller Mängel-----trotz

allen Leides.--

Tie Wermutstropfen der Sorgen versanken in der überwiegenden Süßigkeit, die die Schöpfung der für ihre Schönheit empfänglichen Seele bietet.

Etwa drei Wochen nach Hedwigs Antritt er­hielt Mrs. Brouver eine Depesche aus London, die sie schleunigst heimrief. Ihr Mann hatte einen schlagähnlichen Anfall gehabt und fein Zu­stand erforderte sofort ihre Heimkehr.

Wenige Stunden, nachdem sie die Depesche bekommen, reiste sie in Begleitung ihrer Kaunner- fran ab. Noch int letzten Augenblick legte sie Hed­wig dringend die Sorge für Frau Edith ans Herz; der Abschied von Mutter und Tochter fiel dagegen in Hedwigs Gegenwart merkwürdig kiihl 'und flüchtig aus.

"Adieu, Edith. Soll ich Vater grüßen?">

Umschau.

Die Kaiserin im Ueberschtoemmungs- gebiete.

Zum Besuch der Kaiserin im Posener Ueber- schwemmungsgebiet wird demB. Lok.-Anz." von dort berichtet: Die Kaiserin ist überaus herzlich begrüßt; sie unternahm eine fast zwei­stündige Rundfahrt durch die geschädigten Stadt­teile. Ihr besonderes Jntereffe nahmen die Damm-Unterspülungen an der Warthe in An­spruch. Die steinerne Wandung der Ufer ist losgelöst, Fahrdamm und Bürgersteig stehen unter Wasser. Es ist die Gegend der Arbeitshäuser. Die Arbeiterbevölkerung war zahlreich vertreten und begrüßte die Kaiserin begeistert. Im Ganzen sind die Schäden in Posen nicht so schlimm, wie in Schlesien. An der Warthe haben die Wohnungen besonders im Keller ge­litten und es macht sich daher im Arbeiter- Viertel ein starker Desinfektionsgeruch bemerk­bar. In dieser Stadtgegend sind auch schon Darm- und llnterleibs-Erkrankungen eingetreten, resp. zu befürchten. Völlig überraschend kam der Besuch des Eenossenschasts-Wohnhauses für Arbeiterfamilien in der Dammstraße. Die Kaiserin schritt hinein, besichtigte eine Wohnung genau und nahm dann vom Hofe aus die Ge­samtanlage in Augenschein. Es ist erstaunlich,

König Peter.

Wa8 jetzt aus Serbien mitgeteilt wird, ist geeignet, Kopfschütteln zu erregen, und den ; Patriotismus der Verschwörer gegen König Alexander und Draga, der von Belgrad ans wieder und immer wieder betont worden ist, gänzlich verflüchtigen zu machen. Die Offiziere schritten, wie sie sagten, zum Morde, weil sie dem Königspaare Uebermut, Herrschsucht, Be­vorzugung ihrer willfährigen Diener und der Verwandten Dragas zum Vorwurf machten. Aber was früher Alexander und seine Frau vollbrachten, das besorgen heute dieRetter deS Vaterlandes, und man kann nicht sagen, i daß ihr Uebermut, der schon eher Frechheit zu I nennen ist, der geringere wäre. Peter I hat j sich König von Gottes Gnaden genannt; aber I er ist entweder der Gefangene oder der Diener von Mördern. Man kann von seinem Verhalten gegenüber diesen Leuten, die sich als Herren deS Landes fühlen und darnach auftreten, nicht 'mehr von Nachsicht oder Duldung sprechen; es ist Furcht, wenn nicht schlimmeres. Der letzte Obrenowitsch ist ein Tyrann genannt worden; aber indem man in beseitigte, gab man dem Lande ein Dutzend Tyrannen, während ein Strohmann, Peter Karageorgewitsch, den Namen König führt. Daß dieser Zustand der Dinge genau dieselbe 1 Gefahr in sich birgt, die während der Regierung des ermordeten Königs bestand, ist heute schon von den benachbarten Großstaaten, von Oesterreich- Ungarn und Rußland, erkannt und es sind dem König Peter Ermahnungen übermittelt worden, dem Treiben der Militärverschwörer zu steuern ; tmb ihren Einfluß zu brechen! Aber es fragt sich nur noch, wie er das machen soll, ohne seines Thrones wieder verlustig zu gehen. Als Alexander noch lebte, beschwerten sich die Offiziere i über den Hochmut der Brüder Draga's; heute , klagen die an der Verschwörung unbeteiligt ; gebliebenen Offiziere über den grenzenlosen i Dünkel derVaterlandsbefreier", die keinen Einfluß neben den ihren gelten lassen wollen. Von Herausforderungen zum Duell wegen dieser Zwistigkeiten wird gesprochen, und cs sind ge- gewaltsame Zusammenstöße deswegen zu er­warten. Inzwischen diesen feindseligen Elementen steckt der König; sollen Ordnung und Disziplin wirklich wieder hergestellt werden, dann ist zu befürchten, daß es nicht ganz ohne ein neues . Blutvergießen abgehen wird. Dabei werden über die hochwichtige Frage der endlichett Ord- , nun8 der heillos zerrütteten Staatsfinanzen nur : Worte gemacht; bis in die Sitzungen des . Ministeriums hinein spielen die militärischen i Umtriebe, und die politischen Parteien grübeln ! nur darüber, tote sie einander bei den bcvor-

toie genau die Kaiserin die Bedürfnisse der kleinen Familien zu beurteilen versteht. Der Jubel über die entzückende Natürlichkeit der hohen Frau, die mit zahllosen Kindern Hände­drücke wechselte und viele Arbeiterfrauen

DaS Pariser Eisenbahn-Unglück.

Die Pariser lieben es so sehr, 'von allem Neuesten zuerst besucht zu sein. Aber jetzt ist ihnen ein wirklich modernes Ereignis von einer solchen grauenhaften Unheimlichkeit bescheert, daß einem fühlenden Menschen der Atem still­steht. Die neuerbaute elektrische Untergrund­bahn ist der Schauplatz einer durch Kurzschluß veranlaßten Eisenbahnkatastrophe gewesen, welche durch die hohe Zahl der Opfer, wie durch die Gräßlichkeit des ganzen Vorganges mehr, wie sensationell wirkt. Die Zahl der Toten be­trägt über hundert» gegen 90 Leichen sind ge­borgen. An dem großen Unglück find vor allem die Wagen schuld, die, derTgl. Rdsch.* zufolge, trotz aller Vorstellungen in der Presse, aus harzigem Tannenholz bestanden, das wie Zunder brannte, so daß im Augenblick alle Wagen in Flammen standen und den Tunnel mit undurchdringlichem Rauch erfüllten. Be­sondere Ausgänge aus der unterirdischen Eisen­bahn waren nicht vorhanden, so daß also diese hohe Zahl von Menschen hilflos umkam, ver­brannte und erstickte, während hundert Meter davon die Retter standen, aber nicht zur Unglücks- stätte gelangen konnten. Die Wölbung der Bahn mußte am Ende gesprengt werden, um Zutritt zu gewinnen. Die Verunglückten sahen fürchterlich auS, zum Teil waren sie rot ge­sotten vom heißen Dampf. Die Kleidung fiel in Fetzen vom Leibe. ES ist charakteristisch, daß man lange Zeit gar keine Ahnung hatte, daß noch Menschen in der Unglücksbahn fein könnten, bis ein Zufall darauf hinwies. Zu Dutzenden lagen die Leichen umher, die Insassen eines ganzen Wagens waren tot in denselben, im wirren Knäuel zusammengeballt. Der Kurzschluß betraf zunächst einen leeren Zug, aber die Flammen schlugen sofort meterhoch empor, der ganze enge Raum war ein-Feuer- meer. Und in dasselbe fuhr ein vollbesetzter, meist mit Arbeitern angefüllter Personettzug hinein. Man kann fich die Wirkung vorstellen, es war ein Sprung in einen Feuer-Ofen, aus dem nur eine besonders vom Glück begünstigte Minderzahl entrinnen konnte. Die Weisungen der Schaffner konnten nicht befolgt, wohl kaum verstanden werden, die Verzweifelten stießen sich gegenseitig ins Feuer zurück. Die Leichen sehen so fürchterlich entstellt aus, daß die Persönlich­keit der Meisten nicht festgestellt werden kann. Ihr Begräbnis soll auf Kosten der Stadt Paris erfolgen. Weiteren Meldungen entnehmen toit noch: Die Zahl der Toten beträgt über 110t vielleicht kommt noch eine Anzahl hinzu. Die Panik unter den Aermsten war fürchterlich. Alles kletterte unter Gebrüll und wütendem Gedränge, so heißt es in einem Telegramm auS den Wagen, kroch und tastete bis zu einer Station und kam, wenn es gelang, halb erstickt an den Ausgang. Aus den Treppenmündungen der Stationen stieg stundenlang dichter Qualm,

gebildet. Ediths fanatische Liebe zur Einsamkeit batte sich gänzlich verloren, nur ungern entbehrte sie Hedwigs Gesellschaft für kurze Zeit. Der an­regende Gedankenaustausch mit dem gleichaltrigen, liebenswürdigen Mädchen wirkte sichtlich belebend auf ihre schlaffen Nerven.

Die beiden machten jetzt öfters kleine Spazier­gänge im Parke ober größere Spazierfahrten in die Umgebung Nauheims: zuweilen, wenn auch seltener besuchten sie auch zusammen die Nach-

ntittagskoitzerte auf der Terasse.

An einem schönen Abend Ende August äußerte Edith den Wunsch, noch ein wenig in Den Park zu gehen, dessen Alleen und Rasenplätzen sich dem Hotel gegenüber ausdehnten. Hedwig stimmte bereitwillig zu. Arm in Arm wanderten beide d'.rrch die stillen Anlagen. Die Luft war warm unb weich und von hochsommerlichen Blumen- düsten durchzogen. Aus dein abendlichen Wolken­grün des Himmels blickte der Vollmond und streute tausend Silberflitter und weiße Lichtblüten über das dunkle Laub der Alleen und den schatten- bedeckteit Boden.

Das Gespräch der beiden Damen war durch eine Wendung auf zurückgegangene Verlobungen und unglücklichen Ehen, kurz auf die vielen Ent­täuschungen, welche einem jungen, hoffnungsfroh ins Leben schauenden Mädchen oft zu teil werden, gekommen. , , , . ,

Ohne daß es Hedwig eigentlich becwiichtigt«, entschlüpfte ihr eine Aeußernng über die (rnttaiu schmtg, die sie vor Jahren selber erlitten hatte. Edith forschte wieder, und da Hedwrg wußte, daß die junge Fran sich nicht eher zufrieden gab, bt# ihre Neugierde befriedigt war. erzählte sie ihr M kurzen Worten bie einfache Geschichte ihrer Veo lobung und deren Auflösung. ~ * 1

mit dem KreWlatt für die Kreise Marburg utt> Kirchhain.

SormLagsdeilage: Jllustrirtes Soimtagsviatt.

Zum Glück.

Roman von Margarete Böhme. :.

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Ich glaube, wir werden einander gut ver­stehen," setzte Fran Edith Stonefield hinzu,wer , selbst gelitten hat, versteht es, tote andere leiden. Doch nun will ich Sie nicht länger aufhalten. Sie werden Ihre Sachen auspacken wollen . . Nichten Sie sich überhaupt alles so ein, wie es Ihnen be­liebt."

Hedwigs neue Stellung war ganz anderer Art als wie diejenigen, welche sie bisher inne ge­habt hatte, so daß sie sich anfangs kaum in die veränderten Verhältiiisse hineinfinden tonnte. In einem Punkte hatten ihre früheren Stellungen ein* cnberjiuf ein Haar geglichen: in allen war ihre volle Tageszeit von der Herrschaft in Anspruch ge­nommen worden: faitnt daß sie in den späten Abendstunden sich selbst gehören durfte. Hier in Mrs. Stonefields Dienst dagegen war sie sich fast den ganzeit Tag allein überlassen. Mrs. Stonefield verschlief beit halben Tag, unb wenn sie wach war, ertrug sie doch nur für kurze Augen­blicke bie Nähe ber Gesellschafterin. Als Hedwig einmal zu Mrs. Brouver ihre Befürchtung aus- brückte. ihre Gesellschaft möchte Frau Edith un- fympathisch sein, beruhigte sie diese mit ber Ver- fidjerung. bas; der Hang zum Alleinsein ein be- sauberes Symptom von ihrer Tochter Krank­heit sei.

Hedwig speiste mit den Damen an einem Tisch unb wurde von ihnen überhaupt ganz als gleicki- ; berechtigt behandelt. Sie. hatte ihr eigenes : Zimmer und niemand machte ihr Vorschriften. : Die Stunden, welche sie sich Frau Edith toibmcit mußte, ausgenommen, konnte sie über ihre Zeit

DieDtsch. Tagesztg.", das Organ Bundes der Landwirte, findet in der deutschen

Selbstverständlich. Unb ich Wunsche ihm baldige Besserung."

Unb William hast Du mir etwas an ihn auszut ragen?"

,Michl, daß ich müßte . . .

Also nur Grüße . ; ."

Wie Du willst."

Adieu, Kind. Werde gesund . . ."

Reise gut, Maina . . ."

VI.

Auch wenn Hedwigs persönliche Teilnahme an der ihr annertrauten Kranken nicht so groß ge­wesen wäre, würde sie ihre Pflichten gewissenhaft bis auf» i-Tüpfelchen erfüllt haben, tatsächlich aber fühlte sie sich zu der schönen, leidenden, jungen Frau von Tag zu Tag mehr hingezogen. Denn leidend ivar Frau Edith, obgleich sie wieder und wieder versicherte, daß sie nicht krank sei; niochte dies Leiden nun körperlicher ober seelischer Natur fein.*

Hebwig neigte dazu, bas letztere anzunehmelt. Nach ihrer Ansicht hatte bie junge Fran irgend einen geheimen Kummer, der an ihr zehrte. Sie mußte irgend etwas Trauriges erlebt oder eine bittere Erfahrung gemacht haben, irgend ein Gram bedrückte ihre Seele unb legte einen bleier­nen Ring um ihre inneren Regungen, so daß ihre Empfindungen in einer müden Apathie, einem gleichgültigen Sichaehenlassen untergingen. _ Sie sprach nie über ihre Familienverhältnisse, ihren Gatten erwähnte sie niemals;atis manchen An­zeichen eittnahnt Hedwig, daß die Ehe der jungen Frau Feine glückliche sein konnte.

So versdllossen Frau Edith in Bezug auf ihre eignen Angelegenheiten war, so lebhaft interessirte sie sich für Hedwigs Vergangenheit. Von Mrs. Bronvers Abreise an hatte sich zwischen beiden ein freundschaftlich vertrauliches Verhältnis heran-

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk.,

-/» ner bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$(L Bestellgeld). "

Donnerstag, 13. August 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Kcch, Univcrsitäts-Buchdruckerei 88. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.