mit dem Kreisdlatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage; Mlustrirtes SonnLagsVlatt.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Truck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdnlckeroi 38. Jahrg. Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Vierteljährlicher Bezugspreis- bei der Expedition 2 Mk., > ->/-» 6X4 4 der allen Postämtem 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld). y
'vl=. fav*. Insertion-gebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Mittwoch, 12. August 1903.
Die Fideikommisse in Preußen int Jahre 1901.
- Nach der neuesten Feststellung des Zu- und «Abganges sowie des Bestandes an Fideikomissen l'toor in Preußen am Jahresschlüsse 1901, wie !die „Etat. Korr." mitteilt, eine Fideikommiß- ifläche von 2192 445,4 ha oder 6,29 v. H. des jGesamtumfanges des Staates, darunter ein Maldbrstauh von 1005 949,7 ha, d. i. 2,89 ,t>. H. der Staatsfläche, 12,16 v. H. der ganzen Waldfläche im Staate und 45,88 v. H. der Eesamtfideikommißfläche, vorhanden, während Per Grundsteuerreinertrag der Fideikommisse .'26887 940,94 Mk. = 6,01 v. H. desjenigen [ber gesamten Staatsfläche, ausmachte. Bon ;6nbe 1895 (dem ersten Erhebungsjahre) bis idahin 1901 nahm die Fideikommißfläche überhaupt um 90420,5 ha oder 4,30 v. H., die iFideikommißwaldflüche um 33 691,0 ha, b. i. 3,47 v. H., und der Grundsteuerreinertrag der gesamten Fideikommißfläche um 1 231831,51 Mk. — 4,80 v. H. zu. Insbesondere der Bestand am Jahresschlüße 1900 erhielt im Berichtsjahre einen Zuwachs von insgesamt 15 226,8 ha oder 0,70 v. H. an Fideikommißfläche, von 5959,5 ha, d. i. 0,60 v. H., an Fideikommißwaldfläche und von 211595,46 Mk. — 0,79 v. H. an Erund- steuerreinertrag. Im Jahresdurchschnitt 1895 bis 1901 betrug die Zunahme bei der Fideikommißfläche überhaupt ebenfalls 0,70 v. H., bei den Fideikommißwaldungen dagegen mit 0,57 v. H. und beim Grundsteuerreinertrage mit 0,78 v. H. etwas weniger als im Jahre 1901. Nähme man nun an, daß die sidei- kommiffarisch gebundene Fläche sich fernerhin in demselben Verhältnisse wie in dem Zeiträume !von Ende 1895 bis dahin 1901, also durch- ! schnittlich jährlich um 0,70 aufs Hundert, ver- z größer! und anderseits die im Jahre 1899 fest- gestellte Gesamtfläche des Staates sich nicht loder wenigstens nicht wesentlich verändert, so i würde der Anteil der Fideikommiß- an der Staatsfläche — vom Jahre 1901 ab gerechnet i— von 6,29 Hundertteilen.
auf 7 Hundertteile in eiwa 15'/, Jahren .8 . , , 34'/, ,
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steigen. Eine Ueberhandnabme des Fideikommiß- besitze? ist demnach, wenn nicht erheblich abweichende Verhältnisse eintreten sollten, für den Gesamtstaat in den nächsten Jahrzehnten nicht zu erwarten. Vergleicht man Fläche und Grundsteuerreinertrag der Fideikommiffe mit der Gesamtfläche und dem zugehörigen Grundsteuerreinertrage der entsprechenden Landesteile unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Waidfläche, so cnifielen Ende 1901
auf die Fideikommisse Hundertleile
auf die Waldfläche der Fideikommisse
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in der Provinz:
' Ostpreußen
3,52
4,50
1,07
6,15
30,40
Westpreußen
3,65
3,05
1,58
7,27
43,32
Berlin
——
—
—.
—
Brandenburg
7,91
6,94
3,99
11,95
50,48
Pommern
7,27
10,18
1,92
9,35
26,45
Posen
6,32
5,97
2,68
13,54
42,34
Schlesien
14,59
9,66
8,18
28,37
56,04
Sachsen
4,87
4,42
2,01
9,47
41,23
Schleswig-Hol
stein
7,55
9,30
1,40
21,03
18,52
Hannover
2,00
2,96
0,84
4,92
42,33
Westfalen
7,63
7,21
4,38
15,65
57,45
Hessen-Nassau
4,77
4,64
3,00
7,55
62,86
Rheinland
2,69
2,82
1,55
5,01
57,73
Hohenzollern
16,50
12,87
12,83
37,20
77,74
im Staate
6,29
6,01
2,89
12,16
45,88
Hierbei tritt namentlich die Ausdehnung des FideikommißbesitzeS in Schlesien und Hohen- zollern, wo der Anteil der Fideikommiß- an der Gesamtfläche mehr als doppelt (in den Negierungsbezirken Oppeln mit 19,66 und Stralsund mit 20,70 v. H. sogar mehr als dreimal) so groß wie im Staatsdurchschnitte ist, sowie -die Bedeutung der Fideikommisse für die Erhaltung eines größeren Waldbestandes hervor. Während die gesamten Waldungen im Staate nur 23,72 v. H. — also kaum ein Viertel — seiner Fläche ausmachen, gehen mit Ausnahme von Schleswig-Holstein die Fideikommißforsten in allen Provinzen über diesen Durchschnitt — größtenteils sehr erheblich — hinaus.
In 12 Fällen wurden im Berichtsjahre neue Fideikommiffe gegründet und in 46 Fällen iültere erweitert, woraus sich ein Gesamtzugang von 22739,8 ha. darunter 11901,5 ha Wald.
mit 262 961,55 Mk. Grundsteuerreinertrag ergab, dem ein durch eine Fideikommißauslösung (im Negierungsbezirk Potsdam) sowie durch Verkleinerung von 54 Fideikommissen herbeigeführter Abgang von insgesamt 7513,0 ha, davon 5942,0 ha Wald, mit 51369,09 Mk. Grundsteuerreinertrag gegenüberstand. Die Gesamtzahl der Fideikommiffe bezifferte sich am Ende des Berichtsjahres auf 1133.
Umschau.
Der Kronrat in Berlin.
Es war behauptet, daß in dem in dieser Woche nach der Heimkehr des Kaisers aus Norwegen in Berlin stattfindenden Kronrat auch die Neubesetzung des preußischen Ministeriums des Innern, da der gegenwärtige Minister Freiherr von Hammerstein zurücktreten wolle, erledigt werden sollte. Die Richtigkeit dieser Meldung wird indessen in Abrede gestellt und gesagt, daß der allerdings zu erwartende Wechsel im Ministerium erst nach den Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause verwirklicht werden solle. Daß diese Wahlen ihren Schatten vorauSwerfen, ist selbstverständlich; die Sozialdemokraten wollen sich diesmal im großen Maßstabe an den Wahlen beteiligen, und wenn sie bei dem herrschenden Dreiklassen-Wahlshstem auch kaum große Erfolge erzielen werden, so kann nach der preußischen Negierung diese einsetzende neue sozialistische Agitation nicht gleich- giltig sein.
Die „Tgl. Ndsch." schreibt dazu im selben Sinne: „Abgesehen von den Wassernöten ist es doch naheliegend genug, daß der Kaiserin diesem Moment, wo der Beginn neuer Gesetzgebungs- Perioden im Reichstage, wie im preußischen Landtage bevorsteht, das Bedürfnis hat, sich mit seinen verantwortlichen Ministern über die Richtlinien für die Politik zu verständigen, die man in Zukunft einzuhalten gedenkt: Eben, weil das nur selbstverständlich ist, sollte es aber auch nicht in Abrede gestellt werden.
Die Kaiserin im Ueberschwemmungs- gebiete.
Die Kaiserin Auguste Viktoria besuchte am Montag die vorn Hochwasser schwer heimgesuchten oberschlesischen Kreise Neustadt und Neiße und ließ den Landwirten namhafte Beiträge zur geeigneten Verteilung zurück. Nachmittags traf die Kaiserin in Breslau ein und begab sich sofort nach dem Schlosse, wo unter dem Borsitz des Herzogs von Ratibor eine Sitzung zur Berichterstattung über die Tätigkeit der Vaterländischen Frauen-Vereine zur Wassernot stattfand. Die Kaiserin übernachtet in Breslauer Schloß und trifft am heutigen Dienstag Mittag in Posen ein, die dortigen Hochwasserschäden in Augenschein zu nehmen. Der Landwirtschaftsminister von PodbielSki hat von Marienwerder aus mit dem Regierungs- Präsidenten von Jagow eine Besichtigungs- Reise durch die Weichsel-Niederung angetreten. Auch der Kaiser besucht später das Gebiet. Von der Reise der Kaiserin wird dem „Berl. Lok. Anz." nach berichtet: Tie Kaiserin sprach überall mit verschiedenen Hauptgeschädigten, stets Trostspendend und mit ernstem Verständnis auf die persönlichen Sorgen des einzelnen eingehend; auch die sofortige Ueberweisung von Baarmitteln ordnete sie an. . . . In Arnols- dorf hat der Goldbach besonders schreckliche Katastrophen herbeigeführt. Die Häuser und Wirtschaftsgebäude tragen Spuren ernster Gefahr. Das am Ufer des Baches gelegene Gotteshaus ist völlig verloren, feine Ruinen drohen bereits einzustürzen. Die Kaiserin betrachtete das Werk der Zerstörung voll Mitleid, vertröstete aber den jungen Geistlichen, der, wie sie sagte, einen so traurigen Anfang in feiner Amtsführung gehabt habe, auf bessere Zeiten. Die Kaiserin wurde lebhaft begrüßt.
Die neuen Wirren auf dem Balkan.
Die Aufstandsbewegung in Mazedonien, welche nach dem Beginn der dortigen Ernte- Arbeiten in der Vorwoche von neuem begann, wird von Tag zu Tag ernster. Der Zulauf der Bevölkerung zu den Insurgenten - Banbm ist stark, und für die von diesen rücksichtslosen Scharen auSgefibte Schreckensherrschaft ist e8 egal, ob der Zulauf freiwillig oder gezwungen erfolgt. Die Rebellen gegen da8 Regiment des SuItanS bedrohen jeden mit dem Tode, der auf Seiten der Türken steht, sie plündern und
brennen die Ortschaften aus, deren Bewohner sich weigern, mit den Aufrührern gemeinsame Sache zu machen. Die Schienen sind vielfach auf gerissen, die Telegraphendrüht; zerstört, und zwischen den Insurgenten und der muhamedani- scheu Bevölkerung ist es zu mehrfachen blutigen Zusammenstößen gekommen. Der Hauptherd der Bewegung sind die Gegenden von Monastir und Ochrida, wo die Macht der Empörer so stark erscheint, daß mit Ausnahme der größeren Städte die türkische Bewegung lahmgelegt fein dürfte. Die Türken haben wieder eine Anzahl von Bataillonen mobil gemacht, um sie nach den besonders bedrohten Punkten zu werfen, aber es sieht gerade so aus, als ob der türkischen Heeres - Verwaltung die Hauptsache zur schleunigsten Erledigung ihrer Befehle fehlte, das Geld. — In dem gebirgsreichen Lande mit feinen schwierigen Verkehrs-Verhältnissen haben die kämpfenden Bewohner einen guten Verbündeten in der Eigentümlichkeit ihres Landes, während die Türken ihre Truppen weit verzetteln und daher schwächen müssen. Die Regierung in Konstantinopel hat sich beschwerde- führend an die Mächte gewendet, denn ohne geheime Unterstützung von Bulgarien au3 könnte der Aufstand gar nicht so emporflackern, aber wa8 werden diese Vorstellungen helfen? Nur dem Zwang fügen sich die aufgeregten Gemüter, Ermahnungen von Seiten der Großmächte machen keinen besonderen Eindruck mehr.
Noch kann die Sicherung der Ordnung, die Vermeidung eines größeren Zusammenstoßes gelingen, aber gar zu lange darf daS Abwarten nicht mehr dauern. Kann die Türkei nicht dem alten Wort: „Wer nicht hören will, muß fühlen!" zu seinem Recht verhelfen, kommt die Katastrophe unabweisbar. Zudem zieht nun, nach der Ermordung eines zweiten russischen Konsuls in Macedonien, auch die Petersburger Regierung andere Seiten auf. Der russische Botschafter in Petersburg hat zwar die türkischen Entschuldigungen angenommen, es ist aber auch zugleich vom Minister des Auswärtigen Grafen Lambesdorff erklärt, die Türkei müffe dafür sorgen, daß endlich die Ordnung in Maeedonien wiederkehrt. Könne sie das nicht, werde sich Rußland an die europäischen Mächte wenden, mit diesen zu beraten, was geschehen soll. Das heißt mit anderen Worten: Die Türkei wird Macedonien verlieren. Der Mörder des Konsuls ist ein türkischer Polizist, der den Beamten nicht gegrüßt hatte und darum zur Rede gestellt war. — Wie weiter gemeldet wird, hat das macedonische Revolutions-Komitee jetzt seine Forderungen den Konsuln der Großmächte in Sofia überreichen lassen. Es verlangt: Ernennung eines christlichen Gouverneurs für Macedonien durch die Mächte. Derselbe soll niemals in türkischen Diensten gestanden haben und unabhängig in der Ausübung seinesAmtes sein. Die Kontrolle über seine Amtsführung soll von den Mächten geübt werden. Das Komitee erklärt ferner, die Aufständischen würden unter keinen Umständen die Waffen niederlegen, sondern weiterkämpfen, bis sie die Unabhängigkeit Macedoniens erreicht hätten, die bann selbstredend den Anfang vom Ende der türkischen Herrschaft in Europa bedeuten würde.
(Betreibe, Mehl- und Brotpreis vor und nach ben Handelsverträgen.
In ben soeben erschienenen Württembergischen Jahrbüchern findet sich in der Statistik der landwirtschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrages im Jähre 1901 folgende interessante Ausstellung über die Preisbewegung von Brotgetreide, Mehl und Weißbrot vor und nach den Handelsverträgen. Es betrug danach der Durchschnittspreis:
Durch- Brotschnitt getreibe
(Kernen) der Jahre 1 Dz. 1886-1991 M. 20,12 1892-1901 . 17,57
Mehl Nr. 1
im Groß- im Klein- Weiß- verkauf verkauf brot
1 Dz.
M. 31,29 , 27,99
1 Klg.
M.-.38 . —.36
1 Klg.
M. —,27 , -.27
, Hierzu bemerkt die vom Königlichen Statistischen Landesamt herausgegebene Schrift:
»Hiernach war in den zwei Perioden vor und nach dem Inkrafttreten der Handelsverträge die Preisentwickelung folgende:
1892—1901 ist gegen 1886—1891 niedriger
der Preis von Kernen-Weizen (auf den Fruchtmärkten) um 12,7-/.
der Preis von Mehl Nr. 1 (im Großverk.) , 10,5-fc
, , , , , 1 (im Kleinverk.) , 5,3-/,
, , , Weißbrot (im Kleinverk.) , 0,0»fe
Die Ermäßigung des Eingangszolls von der ersten Periode 1886—1891 (5 M. Zoll für 1
Dz. Weizen) auf die zweite Periode 1892 bis 1901 (M. 3,50 Zoll für 1 Tz. Weizen) beträgt bei 1,5 M. für 1 Dz. im ganzen 7,45 Proz. des Durchschnittspreises von Kernen in den 1886—1891. Im Zusammenhalt hiermit läßt sich aus der Preisentwickelung folgendes entnehmen :
1) Der für den Landwirt entscheidende Preisrückgang des Kernen auf den Fruchtschrannen ist mit 12,7 Proz. nahezu doppelt so groß al8 die Zollermäßigung mit 7,45 Proz.
2) Während das Brotgetreide einen Rückgang von 12,7 Proz., der Preis des MehleS im Großverkauf einen Rückgang von 10,3 Proz., im Kleinverkauf von 5,3 Proz. auftoeift, hat der Preis des BroteS feinen Stand vor dem Inkrafttreten der Handelsverträge unverändert beibehalten. _______
Nachklänge zur Papstkrönung.
Die Krönung Papst PiuS X. ist im PeterS- dom zu Nom in glänzender Weife nach dem ein für alle Male ausgestellten Programm- Ceremoniell verlaufen, und damit hat die eigentliche Negierungszeit deS neuen Oberhauptes bet katholischen Kirche begonnen. Ernstliche Zwischenfälle haben sich bei ber lange anbauerrben Feierlichkeit nicht ergeben, immerhin haben bie Hitze und bas Gedränge der Tausende viele Schaulustige hart mitgenommen. Der Papst selbst ist etwas mitgenommen gewesen, hat sich aber bald wieder erholt und befindet sich heute vollständig wohl. Die Begeisterung ber herbei- geströmten Volksmenge war eine hochlodernde, bie Szenen voll brausendem Enthusiasmus zeigten, welche Macht der Papst auch heute noch in Rom ist, wenn auch bie italienischen Politiker das bestreiten wollen. Dazu kommt, baß die Persönlichkeit bes einstigen Kardinal Sorte in ber Bevölkerung so außerordentlich populär ist. Den Italienern, von welchen bie Meisten keine Seite spinnen, ist es eine Herzens-Empfinbung, baß wirklich ein Papst aus bem breiten Volke ben Thron ber Apostelfürsten bestiegen hat. Von ber Polizei waren mehrfach Demonstrationen erwartet und zur Abwehr derselben weitgehende Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Es blieb aber alles still. Auch daS ist für bie Popularität, bie ber neue Papst bereits in bem unruhigen Rom genießt, bezeichnenb. Der Kar- binal Kopp hatte während ber Krönung am Sonntag einen Ohnmachtsanfall, erholte sich aber bald toieber. Die Ursache bes Unwohlseins war bie große Hitze. Papst Pins empfiz am Montag eine größere Anzahl von Personen. Auf seine für Donnerstag erwartete offizielle. Ansprache ist man allgemein gespannt. Wahrscheinlich wird sich der Papst aber ganz auf religiöse Dinge beschränken.
Deutsches Reich
Berlin, 11. August.
— Tie Kaiserhacht Hohenzollern hat am Montag mit ihren Begleitschiffen von Odde in Norwegen aus die Heimfahrt nach Swinemünde angetreten. Von da begiebt sich der Monarch, wie bekannt, direkt nach Berlin.
— Am Kaisermanöver, das in Sachsen das 4. und 12. Armeekorps abhalten wird, wird auch die ganze Automobil-Abteilung der Eisenbahnbrigade teilnehmen. Es rverden 22 Fahrzeuge der Beförderung von Meldungen und Personen dienen.
— Handelsminister Möller und Arbeitsminister Budde find nach Berlin zurückgekehrt. Reichsbank- präsident Koch hat Berlin mit Urlaub verlassen.
— Der Vorsitzende der Sonderkommisston des deutschen Handelstages, betreffend Abgrenzung des Handwerks, beabfichtigt, die Kommission zu einer neuen Sitzung nicht vor dem Spätherbst einzuberufen.
— In Berlin gab es bisher kein amerikanischer Botschasterpalais, da die Negierung der Vereinigten Staaten ihren Gesandten und Botschaftern k.'ine Amtswohnung stellte. Nunmehr beabsichtigt sie aber, der .Rh.-W. Zig." zufolge, von diesem Gebrauch ab- zuwcichen und in Berlin ein Palais zu errichten. Hebet den Platz ist bisher noch keine Bestimmung getroffen. . ._
— Nach einem vom preußischen Fmanzmimfler den Steuerbehörden zugestelltenReichsgerichtserkenntUts ist der Leibrentenstempel erforderlich, wenn in einem Auseinanderfetzungsvertrage zwischen den in Ehescheidung lebenden Ehegatten der Ehestau für den Fall rechtskräftig erfolgter Scheidung ohne Rückstcht auf die Erledigung der Schuldstage eine lebenslängliche Rente ausgesetzt wird.
— Der Präsident Roosevelt und der deutsche Stob schafter Speck von Sternburg, der ihn besuchte, hatte» bekanntlich während deS Beisammenseins auch em Wettschießen veranstaltet. Ber der Entfernung von 100 ftards hatten beide, nach dem .Berl. Tgbl. , otc gleiche Zahl von Punkten, bei 200 Aards hatte Roo«» velt 7 Treffer mehr, aber auf 400 Il»rd8 überhoug der Botschafter den Präsidenten um 9 Puntte. - Was werden die Herren Diplomaten noch alles lern« müssen.