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Erstes Blatt

eigentümlich zuftehe.

labt Marburg aber

anlage betrugen von 18801883 153,000 Mark Ein Prozeß wegen der Marbacher Quelle zwischen der Stadt Marburg und der Gemeinde Marbach ivtirbc im Dezember 1881 durch einen Vergleich beendet. Nach diesem verpflichtete sich die Stadt, der Gemeinde Marbach aus ihrem Brunnenhaus in der Marbach ein 3 Zentimeter weites Leitungsrohr zu legen und in einen von ihr zu erbauenden Behälter einzuführen und jeden Tag 30 Kubiknieter Wasser zu liefern. Von ge­nanntem Behälter geht ein weiteres Rohr in ein 80 Kubikmeter haltendes Wasserreservoir zu dem mit Drnckhähuen versehenen Brunnen und den Feuerhähnen. Diese Anlagen kosteten die Stadt 7950 Mark und eine Entschädigung von 1700 Mark an die Gcineinde Marbach. Bis zum Jahr 1888 funktionierte die Wasserleitung sehr gut, insbesondere war für die Stadt eine gute Ein­nahmequelle durch die Hausanschlüsse geschaffen N'orden. Leider hatte man um diese Zeit einen Mißgriff begangen, indem, man zu Gunsten eines Baubeflissenen die Leitung am Renthof verlegte, was zur Folge hatte, daß ein fühlbarer! Wassermangel eintrat, sodaß am 12. Mai bet Stadttat folgende Bekanntmachung erließ:Der Wasserverbrauch aus bet- städtischen Wasserleitung hat in dec letzten Zeit so zugenommen, trotzdem das Hochreservoir allabendlich um 10 Uhr ge­schlossen und erst morgens um 6 Uhr wieder ge­öffnet wird, wird der Tagesverbrauch durch den nächtlichen Zulauf nicht ausgeglichen. Der Ge­samtinhalt der Wasserreservoirs umfaßt 600 Kubikmeter, die bei normalen Verhältnissen in den Reservoirs enthalten waren, tvährend sie nur morgens früh 300 Kubikmeter enthalten haben. Wir müssen die Einwohner Marburgs ersuchen,/ im Wasserverbrauch eine größere Sparsamkeit ein-

PartikularismuS an der Universität Heidelberg.

Siebzehn Jahre nach dem 560 jährigen Jubiläum ihrer Gründung feiert in diesen Tagen die Heidelberger Universität das hundert» jährige Fest ihrer Erneuerung. DerTägl. Rundschau" wird dazu geschrieben: Auf An­regung des Rektors der Berliner Universität hatte sich ein Stubentausschuß, bestehend aus drei farbentragenden Verbindungen und drei schwarzen Körperschaften, gebildet, der die Berliner Studentenschaft in Heidelberg ver­treten sollte. Er erhielt aber die Mitteilung, man muffe in Heidelberg auf einen amtlichen

Große Segelschiffe unter deutscher Flagge.

Die Zahl der deutschen Ozeansegelschiffe, die mehr als 1000 Tons brutto messen, ist gegen das Vorjahr um 11 zurückgegangen. Diese kleine Abnahme ist wohl aber nur als eine vorübergehende Schwankung aufzusassen, die in günstigeren Jahren leicht wieder ausgeglichen werden dürfte. Auch im letzten Jahre find neue und größere Segelschiffe gebaut worden; denn obgleich sie nicht so schnell wie die Dampfer sind, es viel schwerer ist, ihre Fahrt zu regieren und deren Dauer abzumessen, rentieren sie sich dennoch, weil sie billiger find besonders wenn die Kohlen teuer werden und lange Reisen ge­macht werden sollen, wie nach der Westküste Amerikas. Am 1. April 1903 wurden 225 große Segelschiffe von 1000 Registertons und darüber in der deutschen Handelsflotte gezählt. Die meisten sind in Hamburg beheimatet, fast die Hälfte, darunter auch die allergrößten. Obenan die beiden Segler der Firma F. Laeisz von 5081 bezw. 4026 Registertons brutto, das fünfmastige Vollschiff Preußen, der größte Segler

der Welt, und der fünfmastige Segler Potost. An dritter Stelle steht der Biermaster Alster­damm der A.-G. Alster, auch ein Hamburger von 3537 Registertons. Dann kommt der neue Diermaster Urania, der 3265 Reg. - Tons groß ist und der Hamburger Firma B. Wencke Söhne gehört. An fünfter Stelle schiebt sich das erste Bremer Schiff ein, der Viermaster Herzogin Ceeilie, bekanntlich das eine der beiden Schul­schiffe des Norddeutschen Lloyd. Die nächsten sieben Segelschiffe tragen wieder Hamburger Flagge; es find daS die Viermaster Alster­berg, Henriette, Persimmon, Pitlochrh, Alster, Edmund und Thekla, die sich unter die Reedereien A.-G. Alster, H. H. Schmidt, LaeiSz, Siemers & Co. verteilen und 32393076 Tons messen. Jetzt erst kommt das größte Bremer Fracht-Segelschiff mit 3054 Tons, der Paul Rickmers der Reederei- und Schiffbau-Akt.-Ges. Rickmers Reismühlen. Mit zwei Hamburger und einem Bremer Viermaster, die sich weiter­hin anschließen, endet die stattliche Reihe der 16 größten deutschen Segelschiffe über 3000 Reg.- Tons brutto. Im vorigen Jahre zählten erst 13 Schiffe zu dieser Gruppe, ein Zeichen, wie auch im Segelschiffbau die Tendenz nach Ver­größerung der einzelnen Schiffstonnage vor­handen ist. Zwischen 2000 und 3000 Tons gibt es 19 Hamburger und 27 Bremer Segel­schiffe; darunter das Schulschiff Herzogin Sophie Charlotte. Die Zahl dieser Segelschiffe hat geaen das Vorjahr keine Veränderung erfahren. In die folgende Gruppe der großen Segelschiffe zwischen 1000 und 2000 Tons gehören 163 Fahrzeuge; die mächtigsten davon wiederum find im Besitz von Hamburger und Bremer Reedereien. Das größte deutsche Segelschiff, das keinem Hamburger oder Bremer Reeder gehört, ist die Hassia von Joh. A. Brunken aus Genua; sie hält 1818 Tons. Nachher kommen auch einige Segelschiffe aus Geestemünde (größtes die Philadelphia mit 1805 Tons), Bremerhaven (Segler Heinrich 1544 Tons), Brake (Ocean 1488 Tons), Elsfleth (Anna mit 1467 Tons), Wolthusen (Zion 1366 Tons), Rostock (Frieda Mahn 1352 Tons), Emden (Nil Desperandum 1165 Tons netto), Barth, Oporto und Lissabon zu den zahlreichen Hamburger und Bremer Schiffen zwischen 1000 und 2000 Tons.

Schutzzoll und Freihandel.

In England bat die im Mai b. I. eingeleitete Propaganda zu Gunsten der Rückkehr zum Schutz­zollsystem bereits soweit um sich gegriffen, daß fich der weitere Verlauf dieser Bewegung und ihr -Ergebnis mit einiger Wahrscheinlichkeit übersehen läßt. Zwar haben sich in zahlreichen Gegenden des Landes und zwar sowohl in industriellen, wie auch in vorwiegend landwirtschaftlichen Gegenden Vereinigungen zum Schutze des Freihandelsystems gebildet, und sehr energische Kundgebungen gegen die Reformpolitik des Kolonialsekretärs sind zu Tage getreten. Aber auch auf dec anderen Seite fehlt es nicht an Riihrigkeit und Energie: teils ohne, teils mit Einverständnis und Unterstützung des Kolonialsekretärs haben sich hervorragende Politiker, Parlamentarier undVertreter wirtschaft­licher Gruppen zusammengeschlossen, um durch Wort und Schrift die Ideen des Herrn Cham­berlain populär zu machen. . Welche Partei schließ­lich den Sieg behalten wird, kann kaum noch zweifelhaft sein, da einerseits der Urheber des Schutzzollprogramms selbst in die Bewegung ein­greifen wird und anderseits ein noch gewichtigeres Moment für eine Abänderung der Handelspolitik mitspricht, der ausländische Wettbewerb, dec sich für Englands Ausfuhr und Gesamthandel immer empfindlicher fühlbar macht.

Ist somit das Ergebnis der Beivegung. die Eilgland gegenwärtig von einem Ende bis zum andern erregt, einigermaßen sicher, so drängt sich die Frage auf, welches die Wirkung der projek­tierten Maßnahmen für England selbst und für das Ausland, speziell das deutsche Reich, sein wird, ES ist klar, daß Chamberlain mit seiner Agitation für den Schutzzoll und die Gewährung von Vor­zugszöllen an die britischen Kolonien nicht allein das Ziel eines engeren politischen Zusammen­schlusses des Mritteclandes an die Gliedstaaten verfolgt, sondern auch eine Besserung der eng­lischen Handelsbeziehungen und des gesamten eng- lischen Wirtschaftsleben int Auge hat. Ob diese Hoffnung sich verwirklichen wird, läßt sich kaum Vorhersagen, denn der Handelsverkehr Englands mit arten Ländern der Erde ist so bedeutend, so sehr dem Handel aller übrigen Staaten überlegen, baß eine einschneidende Aendenmg der Grundlage dieses Verkehrs zweifellos auch fehr bedeutende Verschiebungen auf dem. Weltmärkte und im iiu ternationalen Verkehr nach sich ziehen muß. Eng­land hat sich beim Freihandel wohlgefühlt uitd ist mit seiner Hilfe zu einer in keinem früheren Sta- dium seiner Geschichte eceichteit Höhe der Entivick- Initg gelangt. Das Spiel, das der mächtigste Mann im Balfoncschen Kabinett begonnen hat, erscheint deshalb recht gewagt, indessen läßt sich im Augenblick auch nicht mit annähernder Wahr- scheinlichkeit sagen, welcher Entwicklung unb Leistungsfähigkeit die britischen Kolonien vielleicht schott in wenigen Jahrzehnten fähig fein werden und welche Veränderungen gleichfalls nach Ab­lauf Weniger Jahre, in Mittel- unb Ostasien, Ivo sich offenbar eine Auseinandersetzung zwischen den interessierten Mächten vorbereitet, eingetreten sein

Marburg

Sonntag, 9. August 1903.

mögen. Jedenfalls ist es sehr verständlich, daß die britische Regierung mit allen Mitteln dahin strebt, die Kolonien so eng wie nur irgend mög­lich an das Mutterland zu ketten, denn das Bei­spiel Südafrikas, vor allem das rasche Aufblühen der Minenindustrie zeigt, welche enormen Werte hier verborgen liegen, und England hat alle Ur­sache, daran zu denken, wie es die Lasten für die Verteidigung des ungeheuren Reiches, die nachge­rade unerschwinglich werden, mehr und mehr auf die Kolonien abwälzt.

In welcher Weise aber Wirb bas Ausland, speziell das deutsche Reich, betroffen werden, wenn die projektierte Aenderung dec britischen Handels­politik zur Tatsache wird? Zweifellos ist der eng­lische Freihandel der Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens nicht zum Nachteil gewesen. Mau Würde indessen zu Weit gehen. Wollte man an- nehmeu, daß eine heftige Erschütterung des deut­schen Erwerbslebens zu erwarten steht für den Fall, daß England zu Schutzzöllen übergeht. Un­angenehme Rückwirkungen für Deutschland wer­den allerdings nicht anöbleibeu, zumal Englanb mehr als irgend-ein anderer Staat au der deut­schen Ausfuhr beteiligt ist. Indessen wird sich eine etwa eintrelende rückläufige Bewegung doch nur sehr allmählich vollziehen können, denn ge­rade die Produkte, Welche die deutsche Ausfuhr liefert, Werden der Mehrzahlnach von den Kolo­nien an das Mutterland sobald nicht oder Wenig­stens nicht in ausreichendem Maße abgegeben werden können. Empfindlicher würden zweifel­los die Vereinigten Staaten von Nordamerika betroffen werben, aus denen England gegenwärtig den größten Teil feines Getreide- und Fleisch­verbrauches bezieht.

Andererseits aber wirb nach Einführung eines wenn auch nur mäßigen Schutzzolles für England möglicherweise bie Zollfreiheit für Roh­materialien aufhöcen unb babttrcl) die englische Ausfuhrindustrie in eine den fremdländischen Industrien verwandte Lage gebracht werden. Die Voraussetzungen der indnstri rtfen Fabrikation und Ausfuhr werden infolgedessen mehr oder weniger dieselben sein, der englischen Ausfuhr industrieller Erzeugnisse also bett Wettbewerb auf ausländische Märkten erschweren. Schließlich hängt viel ba- Uon ab, ob unb in welcher Weise dec durchgehende Güterverkehr Englands von der Einführung des Schutzzolles betroffen werden Würde. Die großen Vorteile, die auf diesem Gebiete der Freihandel ermöglicht, werden fick) schwerlich aufrecht erhalten lassen, Wenn auch dieser Verkehr der neuen Be­steuerung unterworfen wirb. Es ist _ also fein Grund zu allzu ernstlicher Beunruhigung vorhanden; man Wird abwarten können, Wie sich die Dinge gestalten. Indessen schon mit Rück­sicht darauf, daß eine Abnahme der deutsch-eng­lischen Handelsbeziehungen eintreten kann, er­scheint c? rötlich, bei Zeiten diese Möglichkeit ins Auge zu fassen und zur Erschließung neuer Ab­satzgebiete bezW. zur Erweiterung der bestehenden Handelsbeziehungen geeignete Vorkehrungen zu treffen mtb vor allen Dingen die Kräftigung des inneren Marktes, der heute schon Vierfnnstel aller Jndnstrieerzengnisse Deutschlands aufnimmt, durch Förderung der Landwirtschaft, durch He­bung des Bauern- unb Handwerkerstandes ener­gisch in Angriff zu nehmen.

gehalten, daß die Grabenmeister von dem Vorort Weidenhausen 8 Säume, deren Wert 63 Reichs- taler betrage, abgehauen haben, sie hätten sich in die Gerechtsame des Rats und Bürgermeisters hierdurch Eingriffe erlaubt, welche harter Strafe bedürften. Gegen diesen Beschluß erhoben die Weidenhäuser Klage, wurden aber damit abge- Wiefen mit der Begründung, daß sie nnrHolz zum Gebrauch des Lohmühlendammes zu repariren sich nehmen dürften, lis anderes bewiesen. Die Be­klagten behaupteten nun in einer Gegenschrift vom 17. Oktober 1766, das; sie sich wundern müßten, wie die Stadt dazu käme, daß sie Wegen der abgehauenen Bäume in Strafe genommen Werden sollten, da doch der ganze Platzin d u

Erlen" genannt dec Weidenhäuser Bürgerschaft

mit dem KreiMatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage; Zttnftrirtes Tonntagsblatt.

Umschau.

Das Ende eines freihändlerischen Dogmas.

Vor einigen Monaten wurde berichtet, der Direktor der chemischen Abteilung im land­wirtschaftlichen Ministerium in Washington, Dr. Wiley, habe aus Angestellten des Ministeriums eine Brüderschaft gegründet, deren zwölf Mitglieder sich verpflichteten, in einem bundesstaatlichen Kosthaus zu wohnen und dort nur zu essen, was ihnen vorgesetzt werde, vor allem Borax und Borsäure. Jetzt bat Dr. Wiley nach derKöln. Ztg." in einem Vortrag vor der Nationalvereinigung der staatlichen Nahrungsrnittelkommisfion zwei Tat­sachen bekanntgegeben, die bereits _ erwiesen seien: einmal werde das Körpergewicht durch den Gebrauch von Borax herabgesetzt und stelle sich nicht alsbald wieder her, wenn die Zu­führung von Borax aufhöre ; zweitens ver­mindere sich die Menge des Stickstoffs in einem Körper, der Borax aufnehme, und sie lasse sich ebenfalls nach Beendigung des Versuchs nicht wiederherstellen. Dr. Wiley ist der Ansicht, daß für die meisten Nahrungsmittel die ein­fache Sterilisierung ein genügendes Sicherheits­mittel ist; wo aber Chemikalien verwandt werden müssen, da solle auch dies angegeben und dem Verbraucher bekannt gemacht werden. Dieses Ergebnis bedeutet das Ende der freihänd­lerischen Lehre von der völligen Unschädlichkeit der Boraxpräparate für den Menschen und eine unsterbliche Blamage für alle die Manchester- Professoren, die in den letzten Jahren dieseUnschädlichkeit" des Borax wissenschaft­lich in zahlreichen Arbeitenbewiesen" haben!

weiter nichts zu suchen habe, als daß man ihrdas benötigte Erlenholz zu den Bruunenröhceu" z.r- foinmen lasse. Im Jahre 1776 am 22. Februar flogen Bürgermeister unb Rat gegen* *bie Graben­herren, weil sie Erlen und Eichenbäume, ohne den Rat zu fragen, umgehanen haben. Zu ihrer Ver­teidigung gaben die Beklagten an, baß es ihnen der vecstorbeneBürgermeister Wachs erlaubt habe. Die abgebauenen Bäume würben konfisziert und der Stadtbaumeister erhielt beit Auftrag, die brauchbaren Erlenzu Brunnenröhren zu ver­wenden". Die Missetäter mußten an den abge- bauenen Stellen neue Bäume pflanzen. Neben den Röhren aus Erlenholz Würben auch bleierne unb tönerne Röhren verwandt, letztereUln- rohreu" genannt, verfertigten bie Töpfer in Drei- Hausen. Die Holzröhren bohrte der Stabtzimmer- mann im Stadthof , dec am Grün lag, unb im Bohrhaus auf ber Hofstadt, bem Nebenban bes Pfeil'schen Hauses. Im Jahre 1796 war bas

Bohrhaus" nicht mehr in städtischem Besitz. Nach einer Bekanntmachung in denMarburger An­zeigen" heißt es: Dem hiesigen Bürger Johannes Schlingloff habe ich sein Haus, genannt dec Schwarzenfels oder Weinkeller mit dem daran-

liegendenBohrhans" abgekcmft, wer etwas zu zu fordern hat, mag sich binnen 6 Wochen melden.

Friedrich Wilhelm Kahrel aus Herborn."

Im Jahre 1798 wurde daS dem Kandidaten Kahrel gehörige an der Hofstadt und Untergaffe ge­legene Haus, genannt der Weinkeller, mit dem daneben gelegenen Bohrhaus für 2270 Gulden verkauft, wahrscheinlich an den Buchdrucker Bayr- hoffer, der das frühere Bohrhaus zur Druckerei herrichtete. Die Instandhaltung dec Wasserleitung kostete die Stadt jährlich einen großen Teil ihrer Einnahmen. Im Jahr 1840 ließ die Stadt ein neues Brunnenhaus über der Marbacher Quelle errichten und 1879 wurden zwei neue 77 Zenti­meter Weite eiserne Röhrenstränge von der Mar­bach nach dec Stadt gelegt. Der alte Weg unter­halb der Sternwarte durch den Quentinschen Garten, welch letzterer einen Abzweig hatte, der zur Wasserentnahme berechtigte, würde verlassen und die Rohren in die Renthofstraße gefegt. Um diese Zeit hatte die Gemeinde Marburg abermals einen Prozeß mit der Gemeinde Marbach. 1880 wurde eine neue Röhreuleitung in die Stadt ge­legt unb die beiden Wasserreservoirs unter der Renthofstraße wurden erbaut. Jni Dezember 1881 konnte das erste Wassek eingelassen werden. Die sämtlichen laufenden Brunnen wurden mit Truckständer eingerichtet und 18 neue Brunnen wurden ausgestellt. Die beiden Wasserreservoirs sind je 60 Meter lang, 3 Meter breit unb 1,60 Meter hoch. Sie fassen 260300 Kubikmeter Wasser. Die Gesamtkosten ber Wafferleitungs-

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei Der Expedition 2 Alk.» bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Big.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 38. Jahrg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburger Wasserleitungen und Brunnen.

Die Anlage dec Wajserleitnng au5 Marbach ist schon sehr alt und fällt Wahrscheinlich mit dec Erhebung Marburgs zu einer Stadt zusammen, wo die Quelle vom Landesherrn dieser geschenkt wurde. Daß sie nicht durch Kauf von der Ge­meinde an Marburg gekommen, geht aus fol­gendem Streit beider Gemeinden hervor, den diese i 521 um des Borns halber hatten. In einer hier­über ausgestellten Urkunde heißt es:Die Stadt Marburg ist Eigentümerin ber Quelle und hat nur aus nachbarlicher Gunst ber Gemeinde Mor­bachreines Wasser zu ihrer Notdurft aus ihrer Leitung" gegeben. Marbach erkennt sogar diese W> bllat ar. und versprichtBrunnen und Röhren zu beschützen und beschirmen". Schon im Jahre 1452 bei den beginnenden Stadtbalirechnungen wird der Marbacher Leitung gedacht, als man einen besonderen Brunnenmeister anslellte,dec die Quelle unb die Brunnen zu überwachen hatte. Winkelmann schreibt in feiner Chronik: 1552 gibt es in Marburg 10 gemeine (öffentliche) Spring­brunnen, welche ihr Wasser aus dem klaren Brun-! neu in der Marbach durch 1400 Kanäle (Roh­ren), jede 7 Werkschutz lang, erhalten." Die Brunnenröhren Waren bis über die Hälfte des 18. Jahrhunderts hinaus von Holz hergestelll» Das Holz zil diesen Brunnenrohreii lieferten die ßrienbeftänbe des Erlengcabens bei Weidenhausen und im Affoller. Noch nm das Jahr 1766 muff man von den Erlen Brunnenröhren gebohrt haben. Nach einer Urkunde im Königlichen Ar­chiv wurden die Altmeister Dietrich Boß und Georg Dem sowie dec Pumpmeistec Sauer als De- Mutierte auf das Rathaus geladen unb ihnen vor­