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Marburg

Donnerstag, 6. August 1903,

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei 38. Jahrg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Papst Pius X.

Am vierten Tage und bei der siebenten Ab­stimmung des Konklaves ist die Papstwahl nun endlich vollzogen worden. Die Wahl darf, wie wir vorweg betonen wollen, als eine außer­ordentlich glückliche bezeichnet werden. Der bisherige Kardinal Giuseppe Sarto bietet nicht rmr die Gewähr, Frieden mit allen Regierungen des Auslandes zu halten, sondern ist auch aus dem ganzm heiligen Kollegium die einzige Persönlichkeit, von der man eiue freundlichere Gestaltung der Beziehungen zwischen Vatikan nnd Quirinal erwarten darf.

Giuseppe Sarto ist im Jahre 1835 am 2. Juni geboren worden, war also am Tage seiner Wahl 68 Jahre, 2 Monate und 2 Tage alt, im Jahre 1884 wurde er Bischof von Mantua, am 12. Juni 1893 wurde er zum Kardinal kreiert und zum Patriarchen von Venedig ernannt. Sarto wurde von vornherein zu den aussichtsvollen Papabili und zwar zu denen der gemäßigten Richtung gezählt. Mit Capecelatro, dem Erzbischof von Capua, dem Karmelitaner Gotti und dem Präfekten der Kongregationen Serafino Vannutelli stand er den Intransigenten gegenüber, als deren aus- fichtsvollste Vertreter Oreglia, Rampolla, Ferrari und Svampa genannt wurden. Der neu erwählte Papst, welcher den Namen Pius X. führen wird, ist in seinem Charakter und in seinen Anschauungen dem Capuaner Capecelai'o am meisten verwandt. Er ist wie dieser gelehu und ein Freund moderner Ideen. Er ist auch ein sehr kluger Mann; das hat er dadurch am besten bewiesen, daß er mit seinen Gedanken zurückzuhalten verstand und es nach Möglichkeit vermied, sich auf irgend ein Programm festzu- legeu. Gleich seinem Gefinnungsgenofien Capece­latro legt auch der neu erwählte Papst auf das Temporale, d. h. die weltliche Macht des päpst­lichen Stuhles nur geringen Wert, er wird für deren Wiederherstellung, wenn anders er sich nicht zu neuen Anschauungen bekehrt, keines­wegs die Bemühungen auswenden, wie seine beiden unmittelbaren Vorgänger, er ist erfüllt von dem Gedanken, daß die Kirche nur eine Herrschaft über die Seelen auszuüben hat und aus diesem Grunde der weltlichen Macht durch­aus entraten kann. Bleibt Giuseppe Sarto als Papst derselbe, der er als Kardinul gewesen, dann wird vor allen Dingen die Frage einer Aussöhnung zwischen dem Vatikan und dem italienischen Staate aktuell. Von seiner ver­söhnlichen Gesinnung gegen das Haus Savoyen hat der Kardinal Sarto einmal eine so denk­würdige Probe gegeben, daß sie als Charak­teristikum für den neuen Papst gelten und daher nicht verschwiegen werden kann.

Es war im Herbst des Jahres 1898, als das deutsche Kaiserpaar seine Palästinareise antrat. Die hohen Herrschaften hatten.sich auf

7 Machdruck verboten.)

Zum Glück.

Roman von Margarete Böhme.

«Fortsetzung.)

Während die Dame sorgenvoll erwog, was die nächste Zukunft bringen werde, fiel cs ihr ein, daß mau sich in erster Linie an die wohlhabenden Ver­wandten des verstorbenen Herrn Viekamp wenden könnte. Frau Helinger wusste, wie sehr dieser stets von Seiten seiner Familie in Anspruch ge­nommen war, und es schien ihr eigentlich selbst- verständlich, daß diese aus Erkenntlichkeit für die vielen Wohltaten, die ihnen derzeit voit Viekamp ,zngewandt wurden, sei es nun in Form von baren Unterstühungen und Darlehen oder Ge­schenken, die verwaiste Nichte eine Zestlang auf« nehmen würden.

Ohne Hedwig ellvas zu sagen, begab sie sich eines Tages zu den ihr bekannten Familien und brachte ihr Anliegen vor. Aber merkwürdig! Jede hatte einen anderen Grund, um das Ersuchen der Dame abzuichlagen. Hier war die Hausfrau leidend, da beabsichtigte man demnächst eine große Reise, dort hattet: sich einige Tage vorher ein Paar auswärtige Bekannte zu längerem Besuch ange-, -sagt, diesen mangelte es an Platz, bei jenen war der Hausherr nervös und vertrug keine fremden Gesichter, kurz, jeder brachte eilten mehr oder minder fadenscheinigen Vorwand zu Tage, um seine Abneigung, dem jungen Mädchen für einige Zeit die verlorene Heimat zu ersetzen, zu mas­kieren. Einige iocttige warenaufrichtig" genug, um kurz heraus zu erklären, daß sie die Tochter des Bankerotteurs Viekamp überhaupt nicht mehr als Verwandte kennen wollten . . . Es fei ja bei­nahe vorauszusehen gewesen . . . Mit fünfund- vierzig Jahren und solchem Körper zu heiraten, das sei ja beinahe Frevel, so etwas räche sich früher oder ivüter immer . . .

der Eisenbahn nach Venedig begeben, um dort an Bord zu gehen nnd die Reise in8 gelobte Land zu Schiff fortzusetzen. Der ritterliche Köniz Humbert ließ e8 sich nicht nehmen, den befreundeten und verbündeten Kaiser in Venedig zu begrüßen. Im Vatikan kannte man den Patriarchen von Venedig, den Kardinal Sarto, genügend, um in Sorge darüber zu geraten, dieser könnte es bei der Anwesenheit des Königs an der nötigen Reserve fehlen lassen, die in solchen Fällen z. B. von den Kardinälen Ferrari und Svampa so meisterhaft beobachtet wurde, daß daraus stets eine direkte Beleidigung gegen das Königshaus floß. Also man hegte Besorg- niffe im Vatikan, und der damals schon all­mächtige Kardinalstaatssekretär Rampolla, der mit der Wahl Sartos übrigens in der Ver­senkung verschwindet, erließ sofort die strengsten Weisungen an den Patriarchen, daß dieser von der Anwesenheit des Königs in Venedig keinerlei Notiz zu nehmen habe. Giuseppe Sarto, der heutige Papst, schenkte der telegraphischen Weisung jedoch nicht die geringste Beachtung, ließ seinen Besuch beim Könige Humbert anmelden und begrüßte diesen gerade in recht ostentativer Weise. In Rom natürlich Entrüstung; den Patriarchen von Venedig aber beruhigte daS Bewußtsein, seine Pflicht getan zu haben und gleichzeitig dem Zuge seines Herzens gefolgt zu sein

In seinem Sprengel bewies sich der Kardinal und Patriarch jederzeit als der freundwilligste Berater und Helfer, alles hoffärtige und dünkel­hafte Wesen war ihm fremd, von geistlichem Hochmut war nie eine Spur an ihm wahrzu­nehmen. Ein schlichter und bescheidener Mann, der auch dem Geringsten jeder Zeit zugänglich war, so lebte der Kardinal in Venedig, von dessen Bevölkerung er geradezu vergöttert wurde. Mittelalterliche Vorurteile liegen ihm fern, da­gegen erfüllen moderne Gedanken den Sinn des Mannes, den das Konklave nun als den Würdigsten auf den Stuhl Petri erhoben hat. Mit seiner Wahl hat sich schließlich auch das gesamte Kardinalskollegium ein ehrendes Zeugnis ausgestellt, indem doch zum mindesten 42 von feinen 62 Mitgliedern demjenigen Kandidaten ihre Stimme gaben, den auch die Nichtkatholiken als den berufenen Papst anerkennen, der die Gewalt der Schlüffe! nicht mißbrauchen, sondern sie zum Segen der katholischen Kirche und zum Heile der ganzen Welt ausüben wird. Aus der Wahl Sartos geht auch hervor, daß der fran­zösische Einfluß im Konklave kein maßgebender mehr ist, eher kann man annehmen, daß die Ansichten der deutschen und österreichischen Kardinäle ins Gewicht fielen. Die deutsche Reichsregierung ist begreiflicherweise von dem Ausfall der Papstwahl durchaus befriedigt, bietet er ihr doch die Gewähr, daß die bereits unter Leo XIII. angeknüpften freundschaftlichen und friedlichen Beziehungen unter dem neuen

Niedergeschlagen, tief verstimmt und enttäuscht, langte Iran Helinger van ihrer Visitenrnndtour wieder zu Hause an. Hedwig beinerkte die Vcr- sliinmnng ihrer mütterlichen Freundin nnd kom­binierte richtig den Zusammenhang.

Bist Du mich nicht los geworden, Tantchen?" fragte sie, und zum erstenmal seit Wochen zog ein leiscS, fast schalkhaftes Lächeln um ihren feinen Mund,die Bittgänge hättest Du Dir ersparen können. . ."

Aber das ist ja zum schreien! Diese Men­schen, die fast täglich die Gastfreundschaft unseres Hauses genossen haben, die immer und stets bei Deinem Vater eine offene Hand fanden, die heben jetzt nein, ich kann solche Gemeinheit nicht fassen," rief die Dante grollend,ich bin außer mir, da hört einfach alles auf . . .

Hedwig zuckte die Achseln.Das alte Lied. Im Glück sind der Freunde genug da, aber int Unglück kann man sie mit der Laterne suchen. Gottlob brattche ich sie nicht. Es hat sich bereits ein Unterkommen für mich gefunden.--"

Und nun erzählte sie, daß sie vor acht 'Tagen in einer Zeitschrift eine Annonce gefunden hatte, in der jemand ein freundliches, gebildetes, junges Mädchen zur Stütze int Haushalt und zur Beauf­sichtigung dreier Kinder int Alter von sechs, neun und elf Jahren suchte. Heimlich hatte sie unter der bezeichneten Chiffre ihre Offerte eingeschickt, ohne sonderliche Hoffnung Berücksichtigung zu finden. Eben war nun die Antwort eingetroffen, daß man, wenn sie mit dem gebotenen Gehalt von zwanzig Mark monatlich zufrieden sei, nicht abgeneigt ivar, sie zu engagieren. Die Familie wolmte in Friedenau bei Berlin, der Matta tvar Oberlehrer und Witwer, feine alte Mutter führte ihm den Haushalr, doch war sie wie der Ober­lehrer schriebden mannigfachen Anforderungen, die Kinder und Hauswesen an sie stellten, nicht

Papste noch wachsen werden. Und nicht nur für Deutschland allein, sondern auch für den Dreibund darf die Wahl SartoS zum Papste als glücklich bezeichnet werden, da sie, wie man erwarten darf, dem Kaiser Franz Joseph die willkommene Gelegenheit bieten wird, dem Enkel desUsurpators" im Quirinal der Roma intangibile seinen Besuch abzustatten, ohne den Zorn des heiligen Stuhles auf sich zu lenken. Die Wahl SartoS ist daher im Interesse des Dreibundes ganz besonders zu begrüßen. Wir betonen dabei aber noch einmal, daß für alle- dieser Erwartungen und Hoffnungen Voraus setzung ist, daß der Papst Pius X. derselbe bleibt, der der Kardinal Giuseppe Sarto ge­wesen ist.

Umschau.

Die Hilfsaktion für die Hochwasser­schäden.

nt Unsere KaisMn hat den Entschluß gefaßt, die Ueberschwemmungsgebiete in Posen und Schlesien zu besuchen, um sich persönlich ein Urteil über den durch das Wasser angerichteten Schaden zu bilden. Sie trifft am 10. August in Breslau ein und bereist das Ueberschwemm- ungSgebiet, besonders die Kreise Neustadt und Neiße. In Breslau hält sie eine Sitzung des Zentralhilfskomitees ab. Nach Schlesien wird sie dann Posen besuchen. Der.Reichsanzeiger" kündigt die Reise der hohen Dame tote folgt an: Die Kaiserin wird Kabinen am 9. August abends verlassen und sich, den eigenen wie den Wünschen des Kaisers entsprechend, zunächst nach Schlesien und Posen begeben, um der durch die Elementarereigniffe heimgesuchten Bevölkerung Teilnahme zu beweisen, sowie die Anerkennung für die in den Tagen der Gefahr geleistete Hilfe kundzugeben. Es ist der aus­drückliche Wunsch Ihrer Majestät, daß bei diesem Anlaß jeder festliche Empfang unter­bleiben soll, auch werden Ihre Majestät es sich versagen, Blumenspenden entgegenzunehmen. Am 12. beabsichtigt die Kaiserin zur Rückkehr des Kaisers im Neuen Palais bei Potsdam einzutreffen. Später gedenken beide Majestäten in Wilhelmshöhe Aufenthalt zu nehmen. Nach den Mitteilungen des Oberpräfidenten Delbrück, der soeben in Berkin verweilte, sind in der Provinz Westpreußen durch das Hoch- toaffer der Weichsel nennenswerte Schäden an Deichen und an Gebäuden nicht herbeigeführt worden, ebenfir find keine Verluste an Vieh entstanden. Dagegen sind einzelne an der Weichsel gelegene Niederungsgebiete in ihrer Ernte schwer geschädigt worden. Der Ober- Präsident erbat für die erste Hilfeleistung 50 000 Mark. Diese Summe wurde ihm vor­behaltlich der nachträglichen Zustimmung deS Landtags zur Verfügung gestellt.

mehr ganz gewachsen; eine jüngere weibliche Kraft sei dringend erforderlich.

Natürlich ist meine zussimmendc Antwort bereits ttntertoeg^" schloß Hedwig,ich bin so froh, daß sich adR so leicht regelt ttnd ich wenig­stens der Sorge für meine nächste Zukunft über­hoben bin. Ich habe wirklich Glück. Wie viele Mädchen müssen sich erst lange bemühen, ehe sie solche Stellung finden."

Fran Helinger schüttelte den Kopf. Nach ihrem Sinn war die Sache nicht. Sic konnte sich ihren verwöhnten, itt Reichtum und Luxus er- wacksenen Liebling schlecht in der wenig beneidens­werten Stellung einerStütze" in einem, klein­bürgerlichen Haushalte denken; aber wie die Sachen standen, mußte diese Wendung tatsächlich noch als eine glückliche Fügung der Vorsehung betrachten werden.

Schon in dec nächsten Woche wollte Hedwig ihre Stellung antreten. Drei Tage vor ihrer Ab­reise machte Doktor von Buttler ihr einen Besuch.

Etwas überrascht blickte sie auf die Karte, die das Mädchen ihr brachte . . . Von allen übrigen Bekannten hatte sich seit den obligaten Kondolenz- Visiten niemand mehr blicken lassen; als sic den Namen des Arztes auf dem weißen Karton l's, entsann sie sich plötzlich, daß er an demselben Tage, an dem sie sich mit Willi verlobte, beim Vater um sie angehalten hatte.

Doktor Büttler war ihr niemals besonder- auf* gefallen. Er hatte sie in Gesellschaften einigemal zu Tisch geführt, und sie hatte bei solchen Gelegen­heiten immer gesiinden, daß es sich gut mit ihm plaudern ließ, aber ein weiteres Interesse hatte er ihr nie abgerungen.

Erst heute, als sie ihm gegenübbcrstand, fiel es ihr auf, wie viel Freundlichkeit und Herzensgute fein ganzes Wesen atmete, tote sympathisch seine Persönlichkeit wirkte. ' -

lieber den Sonntagsschulunterricht in Bayern.

Das Königreich Bayern hat eine nur fieben- jährige Volksschulpflicht. Sie wird ergänzt durch dreijährigen Besuch der Sonntagsschule. Allgemein klagt man über die mangelhaften Leistungen der letzteren. Es wird deshalb als ein Fortschritt empfunden, daß eine Verordnung vom 4. Jfiini d. I. den Gemeinden das Recht eintäumt, den SonntagSschulunterricht auf Werk­tage zu verlegen. Wertvoll ist auch die Be­stimmung, daß der Besuch einer Fortbildungs­schule an Stelle der Sonntagsschule allen sonntagS- schulpflichtigen Schülern oder Schülerinnen durch Beschluß der Gemeindeverwaltung zur Pflicht gemacht werden kann. Gleichzeitig sucht da» Ministerium die Bestrebungen zur freiwilligen Einführung des achten Schuljahres in der Volks­schule zu fördern um nach und nach die in Deutschland einzig dastehende fiebenjährige Volks­schulpflicht Bayerns zu beseitigen. Nicht ohne Einfluß auf die sittliche Führung der jungen Leute vermag die Bestimmung zu sein, welche auch diejenigen Schüler, die vom Besuche der FortbildungS- oder Sonntagsschule befreit find, bis zum Ende der zehnjährigen Schulpflicht der Schulzucht' unterwirft.

Von der Papstwahl.

Als die Zählung der Stimmen bei dem gestern Dienstag gegen 11 Uhr vorv.ittags er­folgten 7. Wahlgange die Vereinigung einer Zweidrittelmehrheit auf den Kardinal Giuseppe Sarto ergab, ordnete der Dekan deS KardinalS- KollegiumS sofort alle Zeremonien an, um den neuen Papst in feine Würden einzufetzen. Die Häupter der drei Kardinalordnungen traten vor den neu Erwählten und fragten ihn in lateini­scher Sprache, nimmst Du die Wahl zum Pon­tifex MaximuS an? Der Erwählte antwortete: Ich bin so hoher Würde unwert; da es aber Gott gefallen hat, die Stimmen deS heiligen Kollegiums auf mich zu lenken, beuge ich mich seinem Willen, auf seine Hilfe vertrauend. Wie willst Du genannt werden, fragte darauf der Dekan.Pius X.' lautete die Antwort. Dar­auf wurden die Baldachine von den Sitzen sämtlicher Kardinäle, mit alleiniger Ausnahme deS Erwählten, entfernt. Alle Kardinäle knieten vor dem neuen Papste nieder, der sie zum ersten Male segnete. Nachdem ein Protokoll über den Wahlakt ausgenommen worden war, vertauschte der Papst in der kleinen Sakristei der Sixtini­schen Kapelle das Kardinalskleid mit den weißen päpstlichen Gewändern, ließ sich in die Kapelle zurückgekehrt in die auf der Marstaffel stehende Sedia geototoria nieder und empfing hier die erste Adoration, der noch zwei andere folgen, die Huldigung des Kardinalskollegiums. Jeder Kardinal kniete nun einzeln vor dem Papste nieder, küßte ihm Fuß und Hand, erhob sich

Von Bütklec kaut, um den Damen für etwaige Fälle, wenn ihnen ein Beistand erwünscht sein möchte, feine Hilfe anzubieten. Er wäre gern schon gleich nach Herrn Viekamps Tod gekommen,, da er aber angenommen batte, daß Herr Berkholtz anwesend sei, unb die Angelegenheit der Damen ordne, hatte er sich zurückgehalten. Wenn er aber noch irgendwie nützen könnte, würde es ihm eine Freude sein, wenn sie ihm ihr Vertrauen schenkte.

Je länger Doktor Büttler sprach, desto ^sym­pathischer wurde er Hedwig. Sie hatte plötzlich das Gefühl, in ihrer Verlassenheit einen aufrich­tigen, selbstlosen Fvtmnd gefunden zu haben, und das Ivar fo wohltuend und nach ihrer bisherigen Erfahrung fo überraschend, daß ihr vor Rührung Mtd Dankbarkeit Tränen in die Augen traten.

Bewegt dankte sie dem Arzte. Und seltsam: G? war ihr plötzlich, als sei dieser Mann, den sie bisher nur flüchtg gekannt, ihr mit rinnt Male nahe gerückt, tote ein Verwandter, rin brüderlicher Nreund. vor dem ihre Seele wie ein offenes Buch lag Mit rückhaltloser Offenheit teilte sie ihm ihre Pläne für die nächste Zukunft mit.

Lektor Büttler konnte nur schlecht sein @r- staunen verhehlen. Er hatte vorausgesetzt, daß Hedwig sich demnächst verheiraten werde, und ob-, gleich er taktvoll jede Bemerkung unterdrückte,, fiihlte doch, wie ihn der Umstand, daß sie in An-, betracht der Verhältnisse die Hochzeit nicht be­schleunigte, befremdete.

Hoffentlich finbett Sie Ihre Erwartungen erfüllt, gnädiges Fräulrill," sagte er beklommen/ wenn das aber nicht der Fall fein sollte, dann nicht wahr erinnern Sie sich daran, daß c8 außer Ihrem Verlobten, der räumlich ja so weck von Ihnen entfernt ist, noch einen Menschen tW dec Welt gibt, der Ihnen treu ergeben ist ... «

(Fortsetzung folgt.)'