Segen abend hatten Mazzoni und Rossoni eine Besprechung. Sie begaben sich gegen g Uhr nach dem Vatikan, um mit Lapponi dem Papste einen Besuch abzustatten. Beim Eintreffen der Aer^e schlief der Papst indessen, und man ließ ite ruhen. Die beabsichtigte Untersuchung wurde vorläufig auf 8 Uhr abends verschoben. Dann wird noch ein besonderer KrankheitSbericht veröffentlicht werden. — Um 7 Uhr abend- wurde das ständige Bulletin »ervff«Üicht, welche» folgenden Wortlaut hat:
„Der Zustand deS Papste« ist gegen da« Befinden von heute morgen unveränd eit. Während de« Tage« ruhte der Papst mehrere Stunden. Pul« 88, Atmung 80, Temperatur 36,6.
Mazzoni, Lapponi.'
In Rom war gestern da« Gerücht verbreitet, der Papst fei bereit« verschieden. Der Tod werde nur noch, wie da« auch beim Ableben Piu« DC geschehen, geheim gehalten. Römische Journalisten versuchten mit den ausgesuchtesten Kunstgriffen, Genaue« zu erfahren. Unter Fälschung der Nam« von Diplomaten, Prälat« und Hofbeamten wurde «ach einer Meldung der .Soff. Ztg.' au d« Vatikan telephoniert, um eine Bestätigung te» vermuteten Ableben« deS Papstes zu erhalt«. Man bewachte auch dir Wohnung« der Kardinäle und setzte bei mehrer« die Klingeln in heftige Bewegung, um herauszu- bekommes, ob die Eminenz« daheim feien. — Um 9 Uhr abends versammelten fich die Aerzte wiederum, um zu prüf«, ob eine neue Operation nötig fei. Sie suterließe« jedoch weg« der Schwäche des Papstes die Punktierung.
Man kann bei dreser Nachricht zwischen dm Zeilen lesen, daß ei» timet Brusksellstich zur Entfernung der in der Brusthöhle angesammeltm Müssigkeit unbedingt nötig war und nur deshalb unterlass« wurde, weil der Kranke die Operation uicht mehr hätte übersteh« können. Die Kttastrapte steht demnach unmittelbar bevor. — Kardinal Row Polla hat di« Hoffnung mit Hilfe der franzöfischen Kardinäle Papst zu werden, noch nicht aufgegeb«. Er sucht jetzt für seine Person auch dadurch Stimmung zu machen, daß er angebliche BertraumSkund» gedungen deS Papste« Leo« XIEL zu seiner Person, die ihm »och vom Sterbebette de» heiligen Vaters erteilt Word« feien, durch die chm nahe stehenden Blätter verbreit« läßt. Zu den aussichtslos« Pobabili wird Rampolla übrigens neuerding» nicht mehr gerechnet. — Für das Konklave ist daS Wesentliche vorbereitet. Jedem der 64 Kardinäle werden 8 Gemächer und ein Vorzimmer zur Verfügung gestellt. In Zellen, wie «S früher war, hab« die Kardinäle nicht zu wählen.
.Popolo Romano' erörterte bie Umstände, »ater denen da» Konklave zusammen tritt. Niemals habe der heilige Stuhl seine geistlute Rechte so ungeschmälert behaupten können, wie jetzt. Italien hab« durch die Besetzung Rom» brät heiligen Stuhle eine wahre internationale Stellung gegeben und alle Vorbehalte «ab Vorrechte der Mächte gegen dessen politische Bestrebung« überflüssig gemacht. — Der eventuelle Verkehr de« Konklave und der im Konklave eingeschlossenen provisorisch« Regierung der Kirähe mit den Mächten wird butd) Vermittlung de» außerhalb de» Konklave residierend« Lonfistorialsekretär» gescheh«.
Der glücklich« Erb«.
Der.Vorwärts' veröffentlicht zur Bebtt- sch« Erbschaftssache folgenb« Erklärung: Obgleich die Angelegenheit fich noch im Stadium gerichtlicher Entscheidung« befindet, ist Genosse Bebel schon jetzt ia der wenig beneidenswerten Lage, mit einet solch« Füll« ton Bittgesuch« bedacht zu werd«, daß der« Erfüllung ein« erheblichen Teil der in Frag« stehend« Summe beanspruch« würde. Natürlich ist Gerwffe Bebel nicht in der Lage, all« dies« Antragstellern p» antworten, geschwrnge ihn« Versprechung« zu mach«.
Deutsches Reich
Berit«, 17. Juli.
— Don der NorGandSsahrt bei Kaiser» wird berichtet, daß die .Hoheazollvm' am DmmerStag in Molde emtraf. DaS Wetter war dort noch kühl und regnerisch.
— Au Wechselstempelsteller wurden vom L April N6 80. Juni im Reich« 8,02 Mill Mk. oder 85775,50 Mark mehr.
— Der -Reichsanzeiger' bringt eine Nachweisung Ser die ans den größeren deutschen Eisenbahnen — «-schließlich der bayerischen — während der Dauer M WiuterfahrplanS bei den fahrplanmäßigen Zügen mit Personenbeförderung vorgekommenen Ber- wätungen. Ihre Zahl beträgt bei geleisteten 142,9 Millionen Zugkilometrrn 15815 oder 2118 mehr, tenmterWlö durch Abwatt« verspäteter Anschlußzüge.
— SS wird eine internationale Zusammenkunft vorbereitet, auf der Maßnahmen zur Bekämpfung des Mädchenhandel« eröttett werden sollen. Der Leiter M deutschen Komitee» hat sich über den Mädchenhandel in den Häfen des MittelmeereS unterrichtet und macht verschieden« Lorfchläge zur Bekämpfung, wenn der Handel mit deutschen Mädchen in dies« Häfen auch nicht bedeutend ist.
— Aus dem Ruhrkohlenmarkt ist nach der »Köln. Ztg. andauernd ein flotter Geschäftsgang in allen Sotten wahrzunebmrm. Die Magazine find säst ohne Vorräte, die Schleuderverkäufe haben nachgelassen. Beigl« und Holland bezieh« regelmäßig vchebliche Kohlrnmengen.
— WaS geschieht ntit Kanada — überschreibt die Deutsche Tages,tg. «neu Lettartikel, in dem fie aus- stchrt, diese Frage dürfte man wohl am zutreffendste »ui dem kürzeren Wörtchen .nichts' beantworten, BlerdingS nur unter der Voraussetzung, daß der Reichstag uicht rin kräftiges Wöttlein in die vor- fichtige und «ehr als konziliante Haltung der deut» öen Reichsregierung darin redet. Daß gegen Kanada «ue Strafzölle zur Anwendung gelangen sollen, das M ein außerordentlich betrübendes Anzeichen für die stwsfaffung, bie man in unfern maßgebenden Kreisen *ber eine angemessen« Bertretnng unserer Interessen
Auslands gegenüber hegt.
— Wie bie .Franks. Ztg.' meldet, ist Leutnant v. Salzmann von der ostafiattschen Besatznnasbrigade, der am 2. Januar d. Js. von Tientsin aufgebröchen und quer durch China und die Pamirgruppe «ach Turkestan geritten ist, heute wohlbrhatten in Kon- stantinoptt eingetroffen. — Dasselbe Blatt berichtet, daß aus der Insel SamoS archäologische Funde von großer Bedeutung gemacht worden find. Der Ab- teilungSdirektor deS Berliner Museums in Konstantinopel, Dr. Wiegand, habe fich sosott dotthin begeben.
— Ein internationaler Baumwostttng sollte in der Bildung begriffen sein. Wie jetzt der.Dosi. Ztg. von gut unterrichteter Seite mitgeteift wtrd, beruht diese Mttteilung auf Erfindung. Wahrscheinlich hat man es hier mit einem neuen Börsenmanöver der amerikanischen Banmwollst»ekulanten zu tun. Mr verweisen dabei aus unseren heutig« Leitartikel.
— In Bayern wird vittfach Über Futter- und Setteide-Mißwachk geklagt. Die Regier»«» ordnet« Erhebungen an und wird Etreuabgabe auS Staats- forst« veranlassen.
— Die Löwenplage in Deutsch-Ostasttka hält an. Rach der .DtftteOstafr. Ztg.' wurden jüngst bei DareSsalam in einer Nacht zwei schwarze Träger geholt. Bon Kurafini wurden Raubtierfallen erbeten, da dott in einer Woche nicht weniger alS 15 Marschen von Löwen gefreffen waren. Das Matt meint, die Echutztruppe müßte gegen die Räuber anfgebvten werden.
— Die Einnahmen der preußischen Staats bahn« steig« seit einiger Zeit stetm und ziemlich bedeutend. Im Juni betrug das Mehr 7,17 Mill. Mk., davon 3,63 Mill, im Personenverkehr. Da» erste Biertel des laufenden Rechnungsjahre« ergab eine Erhöhung um 17,98 Mill. Mk., wovon SM Mill, aus dem Güterverkehr stoffen.
— In einer Erklärung an der Spitze der.Staren Zeit' erklärt Bebel zu der durch Ed. Bernstein angeschnittenen Frage des Bizepräfidiums im Reichstage, daß er bei Abfassung seines Artikels über das Fazit der Wahlen den Artrkel Bernsteins noch nicht gelärmt habe, der die Besetzung einer Bizepräfidenteustelle durch seine Patt« fordere. .Wären mir', so schreibt Bebel, Bernstein» Auslaffung« bekannt gewesen, so hätte ich dagegen aus« schärfste Stellung genommen.' Und wetter sagt er: .Es fehlte gerade noch, daß fich die Partei ihren großartigen Sieg vom 16. Juni durch Betrachtungen verekeln ließe, wie fie Genosse Bernstein zum Jubel unserer Gegner zum besten gibt. Sollte hier oder dott in der Partei ein Zweifel bestehen, was die Wahl vom 16. Juni zu bedeuten hat, dann empfiehlt eS sich, daß der Patteitag zu Dresden klipp und klar seine Meinung darüber äußert. Unsere Vertreter haben Bessere« zu tun, alS über die Niederlage des bürgetticheuAberallSmuS larmoyauteBetrachttma« anzustellen und um die Gunst der bürgettich« Partei« zu buhlen.'
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Ausland.
Stufte*. Wie auS Mailand telegrafiert wird, erlitt da« italienische KüniaSpaar am Donnerstag im Park von Raccooigi tn Piemont ein« Automobünnfall. Der König blieb un- versehtt, bie Königin dagegen erlitt eine Knöchtt- verreukung. Der Fahrer wurde erheblich verletzt.
— In Rom wurde gestern plötzlich em Ministerrat gufamtnengetootfen. Ursache dazu soll der .VolkSztg.' zufolge der Umstand ge- wesen fein, daß der Kammerlengo Oreglia für feine Person b« Schutz deS italienischen Starttes an gerufen habe. Oreglia soll fich darüber beklag«, daß er durch Rampolla in bet Ausübung feiner Rechte und Pflichten beschränkt werde.
SeglattX, Im Unterhaus« erklärte bei der Besprechung de« HeereSetats Kriegsminister Brvdrick, e» empfehle sich, eine btträchttiche Streitmacht in Südafrika für b« Dienst in In di« bereit zu halt« für b« Fall eine» plötzlich« Ereignisses. Die Regierung habe daher dorgeschlagen, 25 (XX) Manu in Südafrika zu behalten. Die indische Regierung werde aufgefordert werde«, ein« Teil der MehrauL- gaben zu übernehm«.
— Bezüglich des SornalilaudeS fühtte der KriegSmimster auS, e» fei nicht beabsichtigt, irgend eine große Expedition zu unternehm«. Die Regierung glaube, daß bte vermehrte indische Streitmacht in der Lage sein werde, ein« entscheid«den Schlag gegen b« Mullah zu führen. Dieser habe in seiner n«m Stellung im Rotten test SomalilandeS feit feinet Niederlage durch die Abessinier kein« Angriff auf ein« der englischen Posten unternommen. — Dor bet englischen Politik kommt man auS bet Hochachtung nicht heraus. Sie hat stet» einen guten Freund zur Hand, der ihr auS der Patsche Hilst und fich ntit den Feinten John BullS herumhaut, während dieser großmütig etwaige Erfolge für fich selbst au»* nutzt.
— Aus London wird die bet Bestätigung bedürftige Meldung terbreitet, Schiffe der nordamerikamschen Flotte hätten von 20 Keinen Inseln an der Küste von Bornea Lefitz ergriff« und daselbst bie amerikanische Flagge gehißt. — Der Kampf gegen die Ehamberlainschen Zollpläne ruht nicht. 650 Bürget der Londoner City, darunter 19 Mitglieder des Parlaments, der Gouverneur bet Bank von England, n«n andere Bankdirektoren und 500 Kaufleute ersuchten den Lordmajot, ihnen die Guildhall zwecks Abhaltung einer Protestkundgebung gegen die Aendernng der britisch« Zollpolitik zu überlassen. Der amerikanische Millionär Carnegie erHätte, Differentialzölle zwischen Kanada und Amerika würden nicht dazu dien«, die Eintracht zwischen England und ben Bereinigten Staaten zu erhöhen.
Berei*. Staate* vo« Nordamerika. Nachdem daL Marinedepartement während eines ganzen Jahres Versuche mit sämtlichen Systemen drahtloser Telegraphie gemacht hat, ausgenommen das Marconische, hat das Departement jetzt, da es mit Marconi ein Einvernehmen nicht erzielen konnte, das Slabh-Arcosche System angenommen. 20 Apparate mit Zubehör find bereits auS Deutschland eingetroffen.
Deutsche Kolonie*. Die WirtschastS- pläne der Gemeindeverbände in Deutsch-Ost- asrika für 1908 werten im .Amü. Anz. für Dtsch.-Ostafr.' veröffentlicht. Sie schließ« in Einnahmen und Ausgaben mit über 482 000 M.
Marburg und Umgegend
Marburg, 16. Juli.
♦ «rotze Ferien! Weichet himmlische Wohllaut diesem Wort entströmt! Die Alten geteilt« glückselig bet Zett, da fie selbst noch auf der Schickbank schwitzt« und mit Frenden- geheul nach bet letzt« Stunde heimwärts eilten, ihre Bücher verpackten, daß fie auch kein Dieb entdecken konnte, und sich der vollen Ferienlust ergab«. Und die glückliche Jug«d vo« heute schwelgt in einem Meer von Wonne. Sie zählte, wie eS der gewissenhafteste Statistiker nicht besser vermöchte, jed« Tag und jede Stunde, die fie noch vom Ferienanfange trennte, um bann einmal auSzutobm nach Herzenslust. Möchten nnr überall die Her« Elte« diesem Freiheitsdrang, diesem jugendlich« Ungestüm bie rechten Bahnen weisen I In Motebäde« unb faShionablen Kurorten, auf kiesbestreut« Promenaden und an bet Zahle d'hüte können fich bet Fetiendrang und Jugendsturm nicht anStobeu, und da die Schrank« bet dott auf- gerichteten Weltordnung unverrückbar find, so verkümmett dott die Ferienlust in marionetten- hastem Wes« oder in bet entsetzlichen Blasiertheit, dieser Todfeindin aller Kindlichkeit und Jugendfreute. Was unserer Schuljugend au» den Städten, von den Großstädten garnicht erst zu reden, bie Fünfwochenferien in erster Linie bring« soll«, das ist körperliche Arbett in freiet Natur. Wer eß irgend hab« kann, ter verlebe seine Ferien auf einem Landgut, einerlei ob dieses ein großes Rittergut ober eine kleine Bauernbefitzung ist. Zu ten Ferien giebt es auf dem Lande hier und da zu tun. Ein tüchtiger Junge von 13 oder 14 Iahten kann selbst einem entfernten Verwandt« sein« Ferienbesuch anmelden, er wird willkommen sein. In ter Erntezeit verdient fich solch ein Bürschchen, wenn es nur will, bei jedem Landwirt seinen Unterhalt. Wir setzen hier den schlimmsten Fall und rechnen auch daun noch mit einer rechten Ferienerholung. In der Mehrzahl ter Fälle ist die Erntehilfe städtischer Schüler natürlich nur eine gelegentliche. Was Schöneres aber giebt es wirklich nicht, als mtt dem Heu- oder Roggenwag« hinauszufahren aufs Feld, die Pferde von Mandel zu Mandel zu leit« oder beim Aufladen des ErntesegenS selbst hilfreiche Hand mit anzulegen. Zurück zur Scheune und wieder aufs Feld, und diese fröhliche, luftige Tätigkeit, nur durch die Mahlzeiten unterbrochen, fottgesetzt, bis die Glocke Feierabend läutet. In den Gärten unb in den Alleen verlangen bie unter ihrer Last fich neigenden Kirschbäume nach flinken Händen und flotten Kletterern. In den dumpfen Städten ergeht solche Aufforderung an niemanden, umso größer ist die Lust, ihr aus dem Laute entsprechen zu können. Da lernt man die Schönheit des Landlebens erkennen trab Heben, und dieses Verhältnis bleibt ein dauerndes gut Lebenszeit. Der nahe See labet zum Bäte, die Haite bietet ihre Beer« und
ab. Die Haupteinnahmeposten bilden bie Anteile am der Häuser- und Hüttensteuer, die HauptauSgabepost« die Aufwendungen für öffentliche Berkehrseinrichtungen (Straßen, Brücken, Brunn«, Beleuchtung, Reinigung). Auch für die HandelSkultur unb für Schul- und WohlfahttSzwecke find erhebliche Summ« eingestellt. — Im Hiutettante von Kamerun, am Jschadfee, ist mit ten GrenzvermeffusgSattbeiten begönnen Worten. Das Verhältnis zu ter englisch« Kommission wird baS denkbar beste genannt.
Saite«. Eine Meldung ter .Agence Telsgr. Bulgare' besagt: Die Pforte zeigte der bul» garisch« Regierung au, baß sie zur Vepbefferung ter Beziehung« zwischen ter Türkei undBulgarien beschloss« habe, einige gegen daS Bandenunwesen getroff«e Maßnahmen aufzugeben die in Hast befindlichen verdächtigen Bulgaren in Frei- hett zu setz« unb ein« Teil an der Grenze befindlichen Truppen zurückzuziehen, bie Jlave- bcttaillone zu verabschieden, die Wiedereröffnung der geschloffen« Kirchen und Schulen zu ge- statten und einige Wünsche Bulgariens, betreffend die Kirche und Schule, zu erfüllen. Die bulgarische Regierung gab gleichfalls die Erklärung ab, daß e» stets ihr Wunsch war, in freundschaftlich« Beziehungen zur türkisch« Regierung zu stehen. Die militärische Maßnahm« ter bulgarisch« Regierung wurden aufgehoben. — Vorgestern fand bei Eapari in der Nähe von Monastir wieder ein Zusammenstoß zwischen türkischen Trupp« und einer ans 30 Köpf« bestehenden bulgarisch« Bande statt. Letzte« verlor« 12 Tote; die Trupp« batten 4 Tote und Verwundete.
«hi*». Die Mandschnreisrage ist in befriedigender Weise beigelegt worden durch bie von der chinesisch« Regierung gegetene Zusicherung, die Mandschurei sei in nächster Zett dem Welthandel zu öffnen, unb durch die Erklärung meh«r Häfen zu Vettragshäfen. Die rusfische Regierung hat den Vereinigten Staaten offiziell erklätt, daß fie fich in dieser Freigabe in deiner Weise widersetzen werte. Welche Häf« freigegeben werten sollen, ist noch nicht angegeben, doch verlautet, eS sollen dies Mukden und Talung-Ka« fein! Obgleich China kein« Zett- pnnkt für die Eröffnung der VertragShäfen der Mandschurei angiebt, glaubt man, die Eröffnung werde bald nach Räumung ter Mandschurei durch bie Rufs« im September erfolgen. — Nun, wenn man bie Oeffnung ter Häfen erst nach bet Räumung der Mandschurei durch die Ruff« erwartet, so bürste noch mancher September in'» Land gehen, ehe ein nicht russisches Schiff dott Hantel treiben darf.
Blumen, der alte Onkel nimmt dm jugendlichen Neffen wohl auch einmal mit zur 3agb. All diese Herrlichkeit« fiten auf Körper, Geist und Herz einen Einfluß auS, wie er wohltätiger unb heilsamer garnicht gedacht werden kann. Wer feine Feri« recht genieß« will, ter gehe aufs Land!
* EinodSZeftr« Konzert. Im Museum wird am 31. Juli Julins EinöbShofer, ter Meister ter mobetnen Poss«- und Operettenmufik, aus einer biesjährigen großen Konzert-Tournee einen Einzug halt«. Die Einödshoser-Kapelle etzt fich auS 40 erstklassigen Musikern zusammen, unter den« fich hervorragende Solisten befinden. Eie ist kein Streichorchester im landläufigen Sinne, sondern bildet eine Spezialität mit ihrem Leiter an der Spitze, ter es fich zur Äufgate gemacht hat, seine .Poprckär« Konzerte' geradezu Aasstsch auSjufeiten. Wer ihn von feinen Konzerten noch nicht kennt, ter kennt wohl sicher fein ,Fatamorgana-Lied', fein« .Berliner Frauen-Walzer' (Loblied der Ser« linertn} und daS Couplet: »Hab'« Sie nicht ten klein« Lohn gesehen?' — Nach dem Rus, ter dem beliebten Komponisten und Dirigenten vorangeht, bars seinem Erscheineu in unserer Stadt mit Interesse entgegengefeh« werden.
* Lttbwehrknte und Reservist« (Offiziere und Mannschaften) sei« au» Anlaß ter gegenwärtig stattfindenden Hebung« daran erinnert, daß sie für die Monate, in dm« sie zur Hebung bei der Truppe eiugejog« find, keine Steuern zu zahlen hab«. Wenn nur noch ein einziger llebungStag auf ten Monat entfällt, so ist ter ganze Monat steuerfrei. Da ohne besonderen Antrag eine Steuerfreiheit nicht erfolgt, so müssen bie Reservisten eine Meldung unter Vorlegung ober Einsendung des MilitärpaffeS bei bet Gemeindebehörde ihres OrteS anbringen.
* Senzersahtt. Bei günstiger Witterung wird am kommenden Sonntag der Gesangverein »Liedekranz' eine Sängerfahrt nach dem Gleiberg unternehmen.
8 Geflügelzucht Verein Marburg. Am Sonnabend, 18. d8. Mts. abends 9 Uhr, findet bei Gastwirt Kranz in Cölbe eine Versammlung des Geflügelzucht - Verein« statt. Nähere» im Inseratenteil.
* Eisenbahnwesen. Der preußische Eisenbahn- minifter hat für die Streckenkenntnis des Lokomotivführer und Zugführer im Schnellzugdieust neue wichtige Bestimmung« getroffen. Danach hat der Lokomotivführer auf ihm unbekannt« Streck« die erforderliche Streckenkennttiis zu erwerben, daß er als .dritter Mann' auf der Lokomotive Belehrungsfahrt« bei Tage und bei Nacht in jeder Richtung auöführt. Kein Lokomotivführer darf fortan zur Beförderung von Züg« (einschließlich einzelfahrender Lokomotiven) auf einer Strafe zugelassen werden, auf der er nicht mindestens je zwei, und fall» es fich um bie Vorbereitung für Personenzüge aus Hauptbahnen oder für Schnellzüge handelt, mindesten» je drei LelehrungSfahtt« bei Tage unb bei Nacht in jeder Richtung auLgefühtt und außerdem daß er bie Strecke kenne und imstande fei, auf ihr bie Zugfahrten mit voller Sicherheit durchzuführen.
* Turnerisches. Im Hinblick auf das im Jahre 1905 zu Indianapolis im Staat Indiana abzuhaltende 29. Turnfest des Nordamerikanisch« TurneräundeL hat ter BundeSott folgende Preise auSgeschriräen: Drei Preise von 1260 ML, 840 SÖlt, hegte. 320 Mk. für deutsche Festspiele, die fich zur Aufführung bet amerikanischen Turnfest« eign«; ein« Preis von 210 ML für da» beste, als Text zu einem Turnfestlieb geeignete deutsche Gedicht; und drei Preise vo« 420 Mk, 815 Mk., bezw. 210 Mk. für frei- finnige Jugenderzählungen in deutscher Sprache Zur Preisbewerbung werd« Männer und Frau« aller Länder zugetaffen. ®n Zirkular, welches die näher« Bestimmung« enthält unb fiter big gestellten Anforderungen Aufschluß gibt, lau» vom Schriftwatt des Bundesvororts, Herr» Theodor Stempel, Box 166, Indianapolis, Indiana, United States of Amerika, kostenfrei bezog« werd«.
* Wagengtßellmltz bet Steatödayu. Aus dem westfälischen Kohlenrevier wird gemeldet: Die Kgl. Eisenbahn-Direktion Effen erläßt eine Bekanntmachung, in der fie darauf hinweist, daß für den stimmenden Herbst nach Hinzutritt de» Versandes von Zuckerrüben und sonstigen lonte wirtschaftlich« Erzeugnissen voraussichtlich zeitweise außerordenttich hohe Anforderung« an ben Staatsbahn - Wagenpark gefteflt werden, nadjbem die Wagengestellung im laufend« Jahre für Kohlen und Koks wagen bereit» die höchsten bis jetzt erreicht« Ziffern aufwie». Die Eisenbahnverwaltung ersucht deshalb schon jetzt, den Hausbedarf von Kohl« für ben Winter schon jetzt zu beziehen und nicht auf Oktober unb November zu verschieben. Ebenso wird barauf aufmerksam gemacht, daß bei Bezügen in Wagenladung« auf die volle Ausnutzung des Ladegewichte, sowie auf schleunige Be- und Entladung der Wagen Bedacht genommen wird, damit tunlichst lange von einer allgemeinen Verkürzung der Ladesrist abgesehen werden könne.
§ Ei« kleiner Brand, ter alsbald bemerkt wurde unb gelöscht werd« konnte, entstand gestern in einem Hause der Nikolaistraße. 68 entstand einiger Schaden.
* Kirschendiebe. Zwei Kellner hiefiger Stadt benutzt« den gestern arbeitefreien Tag, um die Kirschenallee an der Großseelheimer Straße z» plündern unb um es recht bequem zu Habers rissen sie einen Ast von einem Baume ad. Heute wurde jedem ein Strafmandat Üb« 10 Mark zugestellt