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Marburg

Sonnabend, 18. Juli 1903.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckerei 38. Jahrg Marburg, Markt 21. Telephon 55. n

Vom Segen des Börseuterminhandels.

ES ist der Börsenpresse überaus peinlich, daß der Börsenterminhandel seine Existenz zuweilen in so krasser Weise kundgibt, die auch dem aus Unkenntnis wohlwollenden Beurteiler dieser Handelsform die Augen öffnen und ihm den .Segen" der modernen Börseneinrichtungen be­greiflich machen muß.

Einer der je beobachteten wildesten Börsen- Mmpse tobt seit Wochen auf dem Terminmarkt Baumwolle. Die Baumwollläger alter Ernten waren seit Monaten zwar nicht unzu­reichend für den normalen Verbrauch bis zur neuen Ernte, wohl aber etwas knapper, als gemeinhin in den letzten Jahren. Darauf stützte Mr. Brown» ein Spielmatador der New-Parker Börse, seinen Plan eines Fischzuges in die Taschen argloser Blankoverkäufer. Mr. Brown nahm selber und durch seine Hintermänner seit Monaten ganz im Stillen alle Leerverkäufe auf, die an den Terminmarkt gelangten. In der gefügigen Preffe wurden zugleich im Wider­spruch zur tatsächlichen Lage stehende Nachrichten verbreitet, die dazu dienten, das außenstehende Spielerpublikum zu möglichst zahlreichen Leer­verkäufen zu verleiten. Da hieß eS immer nur: Der Beschäftigungsgrad der Textilindustrie aller Industrieländer sei so trostlos, daß die an sich zwar relativ knappen Vorräte dennoch reichlich erscheinen im Verhältnis zu dem finkenden Bedarf. Die überaus glänzend sich anlassende neue Ernte werde daher zuletzt doch noch auf große, unver­brauchte alte Läger stoßen, und so weiter und so weiter. Alle diese wissentlichen Irreführungen, die von den Machern sehr geschickt lanciert wurden, zogen große Kreise in daS Spiel der Leerverkäufer hinein, und als Mr. Brown genug Schlußzettel im Sack zu haben glaubte, änderte sich mit einem Schlage die Berichterstattung über den Baumwollmarkt.

Der erste Stichtag rückte heran, Mr. Brown hatte unter der Hand längst soviel Kaffaware, als nur irgend erhältlich war, aus dem Markte genommen undeingesperrt". Die gutgläubigen Leerverkäufer, die nach der normalen Spielregel ihrer Verpflichtungen durch Zahlung einer soliden Differenz sich entledigen zu können glaubten, erhielten plötzlich die ganzprogrammwidrige" Aufforderung, effektive Ware zu geben. Die von den Haussiers inspirierte Preffe brachte nun die trostlosesten Berichte über dis unerhörte Knappheit der Läger, den wider Erwarten stark gestiegenen Bedarf der Spinner und über die beispiellose Verspätung wie über den voraus­sichtlich höchst schlechten Ausfall der neuen Ernte. Die Liquidationskurse stiegen nun sprunghaft; Mr. Brown aber bestand kaltblütigauf seinem Schein". Baumwolle verlangte er, nicht Geld. Die in die Enge getriebenen Baissiers durch­stöberten in ihrer Angst und Verzweiflung die Baumwollläger der Welt nachgreifbarer Ware".

89 Nachdruck verboten.)

Gefesselt.

, Roman von Jennh Hirsch.

Dortsehung.)

Ah Sie kennen ihn also?" fiel der Amtsrichter ein.

Annie bemerkte jetzt, daß sie in ihrem Schreck zu viel gesagt hatte.Ich kenne ihn nicht, o nein, ich meinte nur, ich dachte nur"

Wa8 meinten, was dachten Sie?" fiel der Zögernden der Amtsrichter in die Rede, und fügte, da sie schwieg, hinzu:Daß der Affeffor von Hildach doch nicht so unritterlich sein und es zulaflen könne, daß eine Frau fich für ihn opferte. Sie hatten recht. Er war soeben hier und hat sein Bekenntnis abgelegt."

Glauben Sie ihm nicht! Er hat das nur ßetan, um mich zu rettens" rief Annie, in einen in der Nähe stehenden Stuhl finkend, denn sie vermochte fich nicht mehr auftecht zu erhalten.Wie sollte er dazu gekommen sein? Er wußte ja nicht"

Sprechen Sie lieber keine Unwahrheiten, Sie scheinen darin nicht sehr geübt und ver­schlimmern dadurch nur die Sache," sagte der Amtsrichter in mildem Ton, denn das schöne unglückliche Wesen flößte ihm eine lebhafte Teilnahme ein.Ich weiß von dem Affeffor, daß er durch Sie von der Zusammenkunft unterrichtet worden ist, und daß er Sie auch darauf aufmerksam gemacht, daß die Giltigkeit Ihrer Ehe anfechtbar sei. Sie verschwiegen mir das, damit HildachS Name ganz aus dem Spiel bleibe. Ist eS nicht so?"

Sie senkte daS Haupt.

Alles, was bet kluge Brown nicht vorher schongegriffen" und beiseite gebracht hatte, wurde nun aufgelesen. AuS den europäischen Lägern ja auS den Berliner Spinnereien wurde die vor Monaten die zum Berliner Verbrauch erworbene Baumwolle nun wieder nach Amerika zurückverkauft. Viele Spinnereien zogen eS vor, den Betrieb still zu legen und den ihnen für ihre alten Baumwollvorräte gebotenen Gewinn einzukasfieren. Andere Spinnereien, die über ausreichende Betriebsvorräte nicht verfügten, mußten zwangsweise still stehen, weil die Kaffa­ware in wenig Wochen zu einem für die Ver­arbeitung unmöglichen Preise hinaufgeschnellt war. So schloffen allein in Fall River (Massa- chusetts) in der letzten Juniwoche elfFabriken ausMangel an Roh material den Bet rieb und entließen 8000 Arbeiter. Im ganzen wurden in wenigen Wochen teils wegen vorteil­hafterer Verwertung der Rohläger, teils durch Zwang wegen Einsperrung des Rohstoffes, über 50000 Arbeiter brotlos. So äußert fich derSegen" desvorausschauend für die Bedürfnisse sorgenden" Terminhandels auf die produktive Arbeit! Die Fabriken stehen, nicht weil eS überhaupt nicht mehr genug Baumwolle in der Welt gibt, sondern weil Herr Brown und seine Konsorten daS ihnen abgelieferte Rohmaterial aus dem freien Markt herauszunehmen und einzusperren belieben, um die Eeldkästen der noch immer im Lieferungs­rückstande befindlichen Gegenkontrahenten bi» auf den letzten Dollar auszuräumen.

Und derSegen" diesesvorausschauenden Handelgenies" für die Baumwollproduzenten? Nun: die neue Ernte steht vor der Tür. So­bald der letzte RegulierungStag vorüber, das Vermögen der unglücklichen Leerverkäufer ein­geheimst sein wird, dann wird man hören, daß Master Brown fich längstgedreht" hat. Für die nächsten Termine liegt er schon lange (eben­falls wieder im Stillen) ä la baisse. Wenn die neue Ware an den Markt kommt, öffnet er die Schleusen seiner Läger, läßt die eingesperrte alte Ware zur neuen Erntelieferung hinzu und so wird dann demBaumwollpflanzer der Preis seines Rohstoffe» ebenso künstlich herabgedrückt, wie erwenige Wochen vorher dem V erbraucher in die Höhe getrieben worden war!

Was alles freilich die deutschen Herren Cohn-Göttingen, Conrad-Halle usw. nicht ab­halten wird, in die nächsten Auflagen ihrer Börsenlehrbücher unentwegt den Lehrsatz wieder auszunehmen: Der Terminhandel ist diefeinste Blüte" an der so wunderbar organisierten modernen Handelstechnik. Der Terminhandel ist der subtilste Preisregulator. Er allein be­wirkt, zu gleichmäßigem Nutzen der Erzeuger wie der Verbraucher, daß sonst preisdrückende Vorräte rechtzeitig von der Spekulationaus­genommen" und bis zum Tage des Verbrauchs

Er begleitete Sie zu der Zusammenkunft, und als Ihr Gatte zornig ward, sich an Ihnen vergriff und Sie mit dem Dolche bedrohte, stürzte er hervor, entriß ihm denselben und stieß ihn nieder."

Annie Wilson blickte den Sprechenden mit weit aufgeriffenen Augen an.

Hat er Ihnen das erzählt?" fragte sie.

Ja!" sagte der Amtsrichter, vor sich nieder­blickend, schaute aber verwundert auf, denn die Wirkung dieses Wortes war eine ganz andere, als er erwartet. Annie war aufgesprungen, in ihre zusammengesunkene Gestalt war Leben gekommen.

Das ist nicht wahr!" rief sie,und wenn er daS gesagt hat, so hat erS nicht getan!"

Ihre Brust hob sich, als wäre ihr eine große Last von der Seele genommen.

WaS heißt das? Was bedeuten diese Widersprüche?" fragte der Amtsrichter.

Einige Sekunden blickte sie sinnend vor sich hin, dann sagte sie:Ich will die Wahrheit gestehen: ich habe den Marquis nicht ermordet."

DaS ist mir nichts NeueS; Sie sehen ein, daß eS töricht war, Ernst von HildachS Tat auf fich nehmen zu wollen."

Er hat fie auch nicht begangen; jetzt weiß ich es."

Der Amtsrichter schüttelte den Kopf.

Ich glaubte, ich fürchtete eS zuerst. Doch laffen Sie mich Ihnen alles berichten. Ich hatte Herrn von Hildach zum Vertrauten meine» Unglücks gemacht; er bot mir an, statt meiner zu der Zusammenkunft zu gehen und e» dem Marquis zu sagen, daß die Ehe mit mir vor dem Gesetze gar nicht giltig sei. Ich gab e»

inpreishaltender Weise" aufbewahrt werden. Und er wiederum bewirkt durch spekulative Vorverkäufe, daß ein augenblicklicher Waren­mangel weniger zur Preismacherei ausgenutzt werden kann.

In der realen Handelswelt find aber die Dinge genau umgekehrt. Nicht abschwächend wirkt der Terminhandel auf die jeweilige Tendenz, sondern in jedem Falle verstärkend. Einer Haussepartei steht naturgemäß stets eine Baiffepartei gegenüber, den Käufern stets die entsprechende Menge Leerverkäufer. Ergiebt nun die tatsächliche Lage deS Marktes, daß die Haussiers Recht haben, dann müßten diese komplette Narren sein, wenn fie auS dem ent­werten Spiel nicht den höchstmöglichen Gewinn zu ziehen suchen würden. DieS geschieht, wie wir hier am Falle Brown aus den Tatsachen demonstrierten, dadurch, daß sie die schon vor­handene Knappheit angreifbarer Ware" künstlich bis zum absoluten Mangel steigern, indem sie daS Wenige, was noch vorhanden, aufraffen und einsperren.

Ist aber umgekehrt die natürliche Situation zum Stichtage den.Baissiers günstig, dann sind natürlich auch diese nicht faul, um ihre Schäf­chen ebenfalls bis aufs Blut zu scheeren. Zu den aus natürlichen Gründen schon reichlichen Lägern schleppen fie von auswärts noch so viel Ware heran, als sie irgend ergattern können und mieten unter der Hand die sonst frei ver­fügbaren Speicherräume de8 Börsenplatzes. Kommt dann der Liquidationstermin, so handeln sie ebensoprogrammwidrig", wie vordem die Haussiers. Während diese plötzlich Ware statt Geld verlangten, so bestehen nun, auch die Baissiers plötzlichauf ihrem Schein". Sie verlangen die Abnahme der Ware; die Käufer aber wiffen nicht, wohin damit, denn die Speicher sind ihnen von jenen unter der Hand längst weggemistet worden, ihre eigenen Maga­zine aber gehen in der Regel über den Umfang ihres Schlußschein-Portefeuilles nicht hinaus. Auch ihrGeschäftskapital" langt allenfalls zur Zahlung der Differenzen, nicht aber zur Ab­nahme und Bezahlung des ganzen Wertes der Ware. So suchen sie in ihrer Angst ihren Abnahmeschein durch immer tiefere Preisnach­lässe weiterzuschieben, der Preis fällt von Tag zu Tag, je näher der Liquidatior.Ltermin rückt. Und wem doch die Schiebung bis dahin noch nicht geglückt ist, der wird am Stichtage un­barmherzig exekutiert. Der Baissier verkauft daS nicht abgenommene Quantum auf Rechnung des nicht abnahmefähigen Käuferszu jedem Preise" und so fintt der Preis auf den tiefsten Punkt und die siegreich gebliebene Baisse sackt nun erst die ergaunerten Differ­enzen ein.

So sieht bei nüchterner Betrachtung nach allen bisherigen Erfahrungen der Terminhandel au». Und er kann auch künftig niemals anders

nicht zu, denn ich fürchtete einen Zusammen­stoß zwischen beiden. Ich traf dann mit dem Marquis zusammen; er verlangte, daß ich ihm schon am nächsten Tage folgen solle, ich aber sagte ihm, das würde ich nimmermehr tun, ich sei gar nicht seine rechtmäßige Frau, daS Gesetz würde mich gegen ihn schützen. Er geriet in einen furchtbaren Zorn, schwur demjenigen Rache, der mir daS gesagt, und drohte, wenn ich nicht sogleich mit ihm ginge, wolle er am anderen Morgen kommen und Frau von Hildach und ihrer Nichte meine Vergangenheit offenbaren. Da sagte ich ihm, er möge sein Schlimmstes tun, lieber ginge ich in den Tod, als mit ihm, riß mich los und rannte halb besinnungslos nach der Villa zurück. Der Gedanke kam mir, ob es nicht bester sei, gar nicht in daS Hau» zu gehen, ob ich nicht meinem zu Grunde ge­richteten Leben durch einen Sprung in den See ein Ende machen sollte, und ich wandte mich dem Wasser zu. Da glaubte ich aber Schritte hinter mir zu vernehmen und dachte, daß Herr von Hildach mir vielleicht doch gefolgt wäre. Dann würde er mir aber auch weiter nach­gehen und mich an der Ausübung meines ver­zweifelten Vorhaben» hindern. Ich beschloß, e» auf eine gelegenen Zeit zu verschieben. Ich ging in» Hau», eilte aus mein Zimmer, schloß mich ein und verbrachte eine entsetzliche Nacht. Die Hoffnung spiegelte mir vor, daß der Mar­quis jetzt, wo seine Macht gebrochen war, mir nicht wieder in den Weg kommen werde, daß ich für immer von ihm befreit sei; die Furcht zeigte mir ihn, wie er vor mich hintrat und mir die beschämendsten Dinge in» Gesicht schleuderte, die ich nicht zu widerlegen ver-

aussehen, durch keineReform" Verbeffert werden. Diese Wesenszüge find mit dem Leer- Geschäft untrennbar verbunden. Dieses Leer- Geschäft fügt zu vorhandenen reichlichen Vor­räten unbegrenzte Angebote, es steigert dm Bedarf bei knappen Vorräten durch unbegrenzte Nachfrage. So wirkt eS in jedem Falle ver­schärfend, niemals aber abschwächend und auS- gleichend auf die natürlichen Faktoren de» Marktes und auf dessen jeweilige Tendenz.

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Umschau.

Vom Pommernbankprozeß.

Im Berliner Pommernbankprozeß, der nun zu Ende geht, beantragte der Staatsanwalt am Donnerstag gegen den früheren ersten Direktor Schultz sechs Jahre Gefängnis und 45000 Mk. Geldstrafe, gegen Nomeick fünf Jahre Gefängnis und 30 000 Mk. Geldstrafe. In seiner Anklage­rede sagte der Staatsanwalt u. a., die lange Dauer de» Prozesses finde ihre Erklärung in dem hartnäckigen Bestreben der Angeklagten, den Tatbestand zu verdunkeln. Die Angeklagten hätten Schiebungen unternommen, als die Bank zahlungsunfähig war, statt die Aktionäre auf­zuklären. Schultz sei der Hauptschuldige und hätte seinen Lehrmeister Sanden noch übertroffen. Die Angeklagten hätten sich auch an die Preffe herangedrängt. Leider verschwiegen sie die Namen. Wenn die Arbeiten und die Honorare, die zweifellos an Journalisten gezahlt wurden, ehrlich waren, so bestünde Pflicht zur Namen- neunung. Die Untreue und Vermögens- schädigung sei als erwiesen anzusehen, ebenso der Betrug, sowie die Bilanz » Fälschung und Verschleierung. Der schlimmste Fall von Un­treue bestehe in der Pfandbriefausgabe ohne ausreichende Deckung. Schultz habe sicherlich Geld beiseite gebracht; er habe noch zuletzt über 400 000 Mk. abgehoben. Seine Frau ver­weigere die Ableistung des Offenbarungseides. In diesen Tagen sprechen die Verteidiger.

Papst Leo XIII.

Dr. Lapponi wich während des gestrigen Donnerstag» nicht mehr vom Krankenlager des Papstes, deffen sichtlich schwindende Kräfte die Gefahr einer plötzlichen Katastrophe mit jeder Stunde näher rückten. Die FlMi.fleit inner­halb der Brusthöhle, deren operative Entfern­ung der Kräftezustand des Papstes nicht mehr gestattete, droht Eiterungen hervorzurufen. Die Atmung wurde beängstigend kurz und schnell, die Erstickungsgefahv wuchs mit jedem Augenblicke. Was die Zeitungen über bewußt« Aussprüche deS Papstes in den letzten Tagen der Leidenszeit berichteten, ist alles r-me Aus­nahme erfunden. Es steht fest, b<v- klares Bewußtsein nicht wiedergekehrt ist, Papst vielmehr seit Montag in einem tu-iäubungs- ähnlichen Halbschlummer gelegen hat.

mochte, so unschuldig ich daran auch war. Wie eS aber auch kommen mochte, und obwohl ich nicht wußte, wohin ich meine Sänute tirUen sollte, beschloß ich doch, am nächsten Tage bas Hildach'sche Haus zu verlassen."

Warum entdeckten Sie sich nicht Ihrer Freundin?" unterbrach der Amtsrichter di- Erzählung.

Sie hatte während deS Abends ein paar­mal an meine Tür gepocht, ich hatte es aber nicht über mich gebracht, ihr zu öffnen; ich schauderte davor, fie einen Blick in die Tiefe meines Elends tun zu lassen. Als ich dann mit mir im Reinen war, daß ich am nächsten Tage abreisen wollte, war es zu spät, das ganze Haus war zur Ruhe gegangen und Frau von Hildach hatte eS schon ein paarmal mißfällig bemerkt, daß wir miteinander länger aufge­blieben waren," erwiderte Annie.

Der Amtsrichter schüttelte den Kopf, die Erklärung schien ihm ungenügend.Weiter,* sagte er.

Am Morgen war ich nach einer qualvoll verbrachten Nacht in einen kurzen Schlummer gesunken," fuhr Annie fort,so kam eS, daß Elisabeth, die mich nicht hatte stören wollen, vor mir zur Morgenandacht und zum Frühstück hinunter gegangen war. Während ich auf den Augenblick wartete, wo ich fie allein sprechen könnte, um ihr meinen Entschluß, noch heute abreisen zu wollen, zuerst mitzuteilen, kam die Nachricht, daß man einen Mann ermordet im Neuen Garten gefunden hatte. * Ich wußte so­gleich, daß eS der Marquis sei."

Wie so?"

(Fortsetzung folgt.)