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mit dem Kteisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch. 15. Juli 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UmvcrsitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Wird das Gas durch die Elektrizität verdrängt?
Die „Deutsche Export-Revue" schreibt hierüber in einem interessanten Aufsatz über „Ein modern eingerichtetes Gaswerk":
Die Herstellung von Leuchtgas aus Steinkohlen und dessen Verteilung durch Rohrleitungen in Städten zum Zwecke der Beleuchtung ist zwar eine englische Erfindung, aber das Leuchtgas ist heute Gemeingut der ganzen zivilisierten Menschheit geworden, und obwohl ihm, besonders in Deutschland, in der Elektrizität ein gewaltiger Konkurrent erwachsen ist, obwohl der Glaube des Publikums das Gas schon oft für verdrängt erklärte, steht heute die Gasindustrie mächtiger und gesünder auf ihrem Platze denn je. Der Gasverbrauch ist in Deutschland in den letzten Jahren ganz gewaltig gestiegen, und es ist zu konstatieren, daß sich nicht nur die bestehenden Gaswerke großer Städte immer mehr erweitern, sondern auch in kleineren Orten fortwährend neue Gaswerke entstehen. Während jede größere Stadt in Deutschland selbstverständlich ihr Gaswerk besitzt, werden nunmehr auch in kleineren Orten selbst mit 2000 bis 3000 Einwohnern Gasanstalten gebaut. Die Gaswerke liefern nicht nur für die Städte und die Bewohner eine billige Beleuchtung, sondern auch eine billige Kraftquelle und im Gas sowohl als im Koks ein äußerst vorteilhaftes Heizmaterial. Dazu kommt, daß fast alle Gaswerke eine erfreuliche Rentabilität aufweifen, welche meist mit dem Wachstum der Orte und des Gasverbrauchs erheblich zunimmt. Wie sehr das Gas zum Mctorenbetriebe geeignet ist, geht aus der zunehmenden Verwendung von Gasmotoren her- hervor. Wenn auch Elektromotor in vielen Fällen Vorzüge vor dem Gasmotor besitzt, so konnte er doch die rapide Entwicklung der Gasmotoren nicht beeinträchtigen. Freilich wird zum Betrieb der Gasmotoren auch vielfach Gas benicht, welche» nicht in den Lsuchtgaszentren der Städte hergestellt wird, wie z. B. Hochofengas u. f. w.; aber derartige Anlagen stehen keineswegs der weiteren Entwicklnng der Leucht- gaSzentren in den Städten hindernd im Wege, im Gegenteil beweisen sie nur, daß die Verwendung von gasförmigen Brennstoffen eine immer allgemeinere wird, und daß das Gas in Zukunft mit den festen und flüssigen Brennmaterialien immer mehr in Wettbewerb treten wird, besonders wenn es — wie dies beim Leuchtgas der Fall ist — gleichzeitig zu Licht-, Kraft- und Heizzwecken verwendet werden kann.
Das Kochen mit Gas hat im Laufe des letzten Jahrzehntes auch in Deutschland einen ungeahnten Aufschwung genommen, und heute schon ist in einigen deutschen Städten der Gasverbrauch der Privaten zu Heiz- und Kochzwecken größer als derjenige für Beleuchtung. Es gibt eine große Anzahl von Familien, welche mit
$6 - (Nachdruck verboten.)
Gefesselt.
Roman von Jenny Hirsch.
(Fortsetzung.)
„Es muß wohl so gewesen sein."
„Ueberlegen Sie gar nicht, wie unwahrscheinlich das ist."
„Wir haben das Kapitel von den Unwahrscheinlichkeiten bereits erörtert," versetzte Ernst achselzuckend.
„Es ist kein Raubmord verübt."
„Einem Abenteurer, wie der Marquis war, mag leicht jemand auflauern," warf Ernst hin.
„Der große Unbekannte," versetzte der Amtsrichter spöttisch, „ich halte die junge Dame doch nicht für so phantastisch, daß sie sich für einen solchen opfern möchte. — Sie haben vorhin angedeutet, sie könne sich im Zustande der Unzurechnungsfähigkeit selbst beschuldigt haben," fuhr er fort, da Ernst die letztere Bemerkung unbeantwortet ließ, „sie hat im Gegenteil Beweise
v.l,oCftQiibtgen geistigen Gesundheit gegeben; freilich hat sie durch ein eigenartiges Verhängnis gerade das herbeigeführt, was sie verhindern wollte. Sie haben mir erzählt, Annie Wilson hätte sie gestern vormittag mit ihren Lebensschicksalen bekannt gemacht und Ihnen gesagt, der Marquis, ihr Gatte, habe sie zu einer Unterredung in den Neuen Garten bestellt — die junge Frau dagegen hat hoch und teuer versichert, sie habe mit niemand darüber gesprochen, kein Mensch habe gewußt, daß sie zu der Zusammenkunft gegangen sei. Sie berichteten mir,
Rücksicht auf die Wohnungsverhältnisse und Lebensgewohnheiten das Gas in der Küche nicht mehr entbehren können. Hierauf wird schon bei Erbauung neuer Häuser fast ausnahmslos Rücksicht genommen, so daß wohl jedes neuerbaute Haus in allen Zimmern oder doch wenigstens in der Küche mit Gasrohrleitung versehen wird. Vielfach dient das Gas außerdem auch zur Erwärmung tion, Bade- und Waschwasser, von Bügeleisen, sowie zu mancherlei sonstigen Zwecken. Die Entwickelung derjenigen Industrie, welche sich mit Fabrikation von Kochapparaten, Heizöfen und Heizkaminen, Badeöfen u. s. w. befaßt, ist deshalb gerade in Deutschland eine sehr lebhafte. Besonderer Wert wird auf eine künstlerisch geschmackvolle Ausführung der Apparate gelegt. So hat man namentlich den Gas- cheminees eine sorgfältige Anpassung an die Anforderung , des modernen Stils unserer Wohnungseinrichtungen zu teil werden lassen.
Nicht unbedeutend und in manchen Industriestädten sogar überwiegend ist auch die Verwendung des Gases zu industriellen Zwecken, wie z. B. zum Löten, Schweißen und Glühen, zum Erwärmen Hutformen, zum Sengen von Geweben u. dergl.
Trotz der wachsenden Bedeutung dieser Verwendungsgebiete liegt aber der Schwerpunkt des Gasverbrauches heute noch auf dem Beleuchtungsgebiete. Dank den riesigen Fortschritten, welche die Erfindung des Gasglühlichtes durch Dr. Auer von Welsbach gebracht hat, erfreut sich die Gas- glühlichtbeleuchtung der allgemeinen Beliebtheit, und mit Recht, denn das Easglühlicht ist zurzeit nicht nur eines der hellsten, sondern auch der billigsten Beleuchtungsmittel. Vergeblich waren bisher die Anstrengungen der Elektrotechniker daraus gerichtet, eine wirtschaftlich günstige Lichtquelle zu schaffen. Zwar besitzen die Nernst- und Osnium-Lampe einen annähernd doppelt so günstigen Effekt als das gewöhnliche elektrische Glühlicht. Auf gleiche Leuchtkraft bezogen, ist das Elühlicht aber immer noch etwa dreimal so billig als diese. Die weiteren Verbesserungen des Auerschen Gasglühlichts haben nicht nur zu besseren und in ihrer Leuchtkraft beständigeren Glühkörpern, sondern auch zu den Lampen geführt, welche durch hohe Zugschornsteine (Lncas- Lampe) oder durch Preßgas (Millenium-Licht) einen neuen Fortschritt in der Oekonomie der Gasglühlichtbeleuchtung gebracht haben. Während man früher im Schnittbrenner aus 100 1 Gas eine Leuchtkraft von ca. 10 Kerzen gewann, ergeben die neuesten Glühlichtbrenncr aus 100 1 Gas durchschnittlich 80 Kerzen Helligkeit. Hand in Hand mit diesen Fortschritten ging auch diejenige Industrie, welche sich mit der Herstellung von Brennern, Lampen, Glühkörpern, Laternen, sowie auch insbesondere mit den für das Glühlicht besonders erforderlich gewordenen widerstandsfähigen Glaszylindern befaßt. In letzterer Beziehung braucht nur die Firma Schott u.. Genossen in Jena genannt zu werden, während
Sie hätten Annie Wilson darüber aufgeklärt, daß dir Giltigkeit ihrer Ehe anfechtbar sei; die Dame aber hat, als ich sie darum befragte, mit ganz besonderer Dringlichkeit beteuert, sie habe das nicht gewußt und von niemand gehört. Es lag ihr also daran, alles zu vermeiden, waZ möglicher Weise dazu führen konnte, daß Ihr Name in der Angelegenheit genannt werde."
„Sie wissen die Dinge so geschickt zu gruppieren, daß ich beinahe selbst an meine Schuld glauben könnte," sagte Ernst ironisch lächelnd; „gestatten Sie mir nun eine Gegenfrage: wenn ich die Tat begangen hätte und sie leugnen wollte, würde ich dann zu Ihnen gekommen sein und so viel zugegeben haben, wie ich getan?"
„Sie sind doch nicht ein Mensch, der das Weib, welches ihn liebt, sich für ihn opfern läßt!" fuhr der Amtsrichter heraus, und es erfaßte ihn ein Grimm gegen den Mann, der sich krümmte und wand, um nur den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, während das schöne exaltierte, aber edle Wesen mit einer wahren Begier das Märtyrertum für ihn auf sich genommen hatte. „Spät genug find Sie allerdings gekommen," fügte er hinzu, und jetzt klang sein Ton verächtlich.
„Spät? Ich kam, sobald ich von ihrer Verhaftung erfuhr."
„Sie hätten gar nicht fortgehen dürfen; der Eifer für die Erfüllung Ihrer Amtsgeschäfte macht Sie ebenfalls verdächtig. Wie konnten Sie am heutigen Morgen die Mutter, die Geliebte verlassen? Ein unbefangener Mann hätte das nicht getan."
sich auf dem erstgenannten Gebiete in Berlin eine ausgedehnte Industrie entwickelt hat.
Infolge der allseitigen Fortschritte in der Verwendung sowohl wie in der Herstellung deS Steinkohlengases ist die anfangs in Deutschland nur langsam sich entwickelnde Gostechnik in den letzten zwanzig Jahren sprungweise vorwärts gekommen. So hat z. B. die auf dem Gebiete des Neubaues kleinerer Gasanstalten besonders rührige Firma E. Franke in Bremen in dem letzten Jahre allein 24 neue Gaswerke gebaut oder in Auftrag erhalten, während die Gesamtzahl der im Jahre 1902 erbauten Gaswerke in Deutschland allein annähernd 80 betrug. Aus diesen Angaben, sowie aus dem Umstande, daß gleichzeitig auch auf dem Felde der Acetylengasbeleuchtung, des Luftgases u. a. emsig gearbeitet wird, ist zu erkennen, daß die Gasbeleuchtung in immer weitere Kreise dringt und daß nicht nur von einer Verdrängung derselben keine Rede sein kann, sondern daß im Gegenteil die Gasindustrie sich in einem Stadium erfreulichster Entwicklung befindet.
Umschau.
Vom Papst Leo XIII.
Die gerühmten und jedenfalls nicht schlechten Aerzte des Papstes Mazzoni und Lapponi werden in der Oeffentlichkeit jetzt heftig angegriffen. Wie weit die Angriffe begründet sind, läßt sich schwer feststellen, da die Mehrzahl der Nachrichten, die sich auf die Krankheit des Papstes hinz'ehen, ungenau oder gänzlich erfunden sind. Die Besserung im Befinden des Papstes ist seit gestern einer allgemeinen Depression gewichen. Beim Papst ist ein völliger Kräfteverfall eingetreten und der heilige Vater in eine lange und tiefe Ohnmacht gefallen. Herz und Nieren funktionieren nicht mehr richtig. Das schwere Leiden kann der geschwächte Körper vielleicht noch einige Tage, aber unter keinen Umständen noch lange ertragen. Recht bedenklich klingt auch die Meldung, daß dem Papste größere Mengen von Nährserum unter die Haut gespritzt worden seien. Es kann sich da recht nur um die Injektion einer sogar physiologischen Kochsalzlösung handeln, die den eingelreten Blutmangel abhelfen soll.
Im Lauf des gestrigen Tages wurden die aus dem Vatikan kommenden Meldungen und Gerüchte von Stunde zu Stunde ernster. Um 6.35 abends heißt es, die Schwäche des Papstes sei so groß, daß die Katastrophe bevorstehe. Wenig später wird das Gerücht kolportiert, Professor Rossini weigere sich, nochmals zur Konsultation in den Vatikan zu gehen, weil Rampolla alle Bulletins nach seiner Manier ummodele. — Die Verzögerung des Abendbulletins erzeugte neue Gerüchte. Es soll ein Herzschlag bevorstehen, sowie Urämie. Rampolla ist erbittert, daß andere Kardinäle
Ernst senkte den Kopf; so hatte denn seine Vorsicht gerade die entgegengesetzte Wirkung gehabt. Nach einigem Ueberlegen sagte er: „Ich will Ihnen ein Zugeständnis machen Herr Amtsrichter."
„Endlich," murmelte dieser.
„Ich glaube allerdings, Annie Wilson ist von der Besorgnis erfüllt, ich sei, wie es sich auch in der Tat verhielt, trotz ihres Verbotes in der Nähe des Ortes der Zusammenkunft gewesen, nach ihrem Fortgehen mit dem Marquis in Streit geraten und habe ihn niedergestochen. In ihrem Edelmut will sie die Tat auf sich nehmen, ohne daran zu denken, daß ich nimmermehr dazu schweigen würde."
„Sie tun es doch."
„Ich sage, wie sich die Dinge verhalten."
„Sehr bedingungsweise," versetzte der Amtsrichter achselzuckend, „ich kann Sie nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen; Sie tragen übrigens noch einen stummen Ankläger mit sich herum."
„Ich?" Der Assessor suchte mit den Blicken an seiner Kleidung herum.
„Sie tragen recht moderne, elegant gearbeitete Stiefel," sagte der Amtsrichter, „hatten Sie dieselben auch an, als Sie gestern abend im Neuen Garten waren?"
„Gewiß, ich trug sie gestern abend," erwiderte Ernst mit spöttischem Achselzucken; „was weiter?"
„Man hat den Abdruck eines so gearbeiteten Stiefels am Tatort gefunden."
„Und nach dem bloßen Augenschein wollen Sie beurteilen, daß dieser Abdruck gerade mit meinem Fuße übereinstimme?"
darauf bestehen, täglich de visr. den Zustand des Papstes zu prüfen, ihn selbst also zu kontrollieren. Im letzten Augenblick hat Roffoni sich wieder überreden lassen, doch noch der Konsultation beizuwohnen, deren Ergebnis aber noch unbekannt ist.
Gegen 8.55 erscheint endlich das Abendbulletin. Danach dauert die starke Depression an. Das Atmen ist leicht erhöht, 36, Temperatur 37, der Pulsschlag ist schwach, 92. Das Allgemeinbefinden ist immer ernst, aber eine unmittelbare Gefahr besteht nicht. Unterzeichnet ist es von Rossoni, Lapponi, Mazzoni.
Um 10.45 wird gemeldet, die Aerzte geben zu, daß die Lungenentzündung und Rippenfellentzündung nur Sekundärerscheinungen deS allgemeinen Auflösungsprozesses gewesen find. Sie sprechen auch von Leberkrebs. Wie es auch sein mag, gut unterrichtete Leute find überzeugt, daß diese Nacht die letzte LeoS XIII. fein wird, wenn kein Wunder geschieht. Er beginnt schon irre zu reden.
Eine neue alarmierende Meldung wird heute gegen 12.55 Uhr vormittags veröffentlicht. Danach nimmt der Schwächezustand rapid zu. Im Vatikan wird ein Wagen bereitgehalten, um den Eroßspönitentiar Kardinal Serafino Vannutelli, der die letzte Absolution erteilen muß, jeden Augenblick herbeizurufen. Der General der Kapuziner, der die Leichentoilette vornehmen muß, hält sich im Vatikan bereit. Die Rrgirunq hat auch ihre letzten Vorbereitungen getroffen. Um 1.55 Uhr vormittags meldet der Telegraph: Soeben trafen die herbeigeholten Neffen des Papstes im Vatikan ein. — Die Lage ist dennoch so ernst als möglich. Das giebt auch ein Telegramm Rampollas an den päpstlichen Nuntius in München zu. Die römische Presse hegt gleichfalls keine Hoffnungen mehr, die sie bis vor kurzem aufrechtzuerhalten sich den Anschein gab.
Der „Patria" zufolge äußerte sich Mazzoni, der Papst atme unruhiger, die Anschwellung der Beine habe zugenommen, die Nierentätigkeit sei sehr beschränkt. Die „Italia" meldet, die Aerzte hätten jede Hoffnung aufgegeben. Die soeben erschienene Ausgabe der „Tribun«" meldet ebenfalls ein Abnehmen der Geisteskräfte des Papstes. Er spreche unzusammev.l, ineenbe Sätze. Wenn man mit dem Papste spreche, schrecke er zusammen, dann kehre ihm das Bewußtsein zurück. . Man glaubt, daß der Papst den nächsten Morgen (also heute Dienstag) noch erlebe.
Ueber die Gründe der raschen Aenderuuq im Befinden des Papstes giebt folgende Meldung aus Rom einigen Aufschluß: Der Papst blieb den ganzen Tag in dem Zustande beunruhigender Depression. Ein Anzeichen, welches den Aerzten besonders zu Besorgnis Mir- ■!. s'- ung giebt, ist der fast vollständige Harn >nangel, indes besteht kein Anzeichen einer Blut n'rnit- ung. Der Gehalt des Harnes cu Harnstoff
Der Amtsrichter klingelte, während tu leises Lächeln um seine Lippen huschte. Dem cin- tretenben Diener befahl er, den Kriminalkom missar Meienberg, der sich noch im Gerichu» gebäude befinden müsse, hereinzuschicken, nahm diesen, der nach wenigen Minuten erschien, beiseite und teilte ihm das Ergebnis der soeben mit Assessor von Hildach stattgehabten Unterredung mit.
Der Kommissar warf, während er aufmerksam zuhörte, verstohlene Blicke auf den Assessor, fein Gesicht blieb aber unbeweglich.
„Darf ich Sie bitten, dem Herrn Kommissar Ihren Fuß zu überlassen?" wandte sich der Amtsrichter an Ernst.
Dieser streckte den Fuß vor, ungefähr als habe er einen Schuhmacher vor sich, der ihm Maß nehmen sollte, Meienberg brachte ein anS starkem Papier geschnittenes Muster zum Vorschein, hielt es gegen die Sohle von Ernsts Stiefel und ließ ihn darauf treten, verglich beides mit dem Centimetermaß, und nicht nur der Amtsrichter, sondern auch Ernst selbst überzeugte sich zu seinem Schrecken, daß alles aufs Haar stimmte. Nicht nur die Länge und Breite, auch die etwas eigenartige Form deS Stiesels war genau wiedergegeben.
„Die Stiesel scheinen noch neu." bCv leicht hin.
„Ja, ich habe sie erst vor etlichen Tagen ans Berlin mitgebracht," erwiderte Ernst.
„Wo haben Sie dieselben gekauft?" fragt* der Kommissar hastig.
„In der Schuhwarenhandlung von Junker in der Leipziger Straße." (Fortsetzung folgt.