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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
_____________________________ S-nniagSbeila-«- SOttfMrtt# SonntogSvlatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreis; bei der Expedition 2 M., be» affen Postämtern 2,25 Mk. <e$tL Bestellgeld).
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Marburg
Freitag, 3. Juli 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umversitäts-Buchdnlckerel Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
38. Jahrg.
Die neue Stellung des Präsidenten der Bereinigten Staaten von
Nordamerika.
Hat sich die Stellung des Präsidenten der französischen Republik schon wesentlich durch die Besuche fremder Monarchen in Paris und durch die Gegenbesuche des ersten Mannes in Frankreich in den Hauptstädten des Auslandes ge- tabett, so ist der Wechsel doch noch weit größer bezüglich der Position deS Oberhauptes der rordamerikanischen Union, in Folge der Welt- Politik, welche die Vereinigten Staaten eingeschlagen haben. Darauf haben besonders der Besuch des nordamerikanischen Geschwaders in Kiel und die in unserem größten KriegShafen bei dieser Gelegenheit gewechselten Reden das Augenmerk gelenkt. In den Trinksprüchen, welche unser Kaiser ausbrachte, wird Präsident Roosevelt direkt und indirekt als der leitende Mann von Nordamerika gefeiert, und der bekannte Tepeschenwechsel zwischen dem Monarchen und dem republikanischen Präsidenten zeigt auch, daß Herr Roosevelt, bei aller Vorsicht der Sprache, die Ueberzeugung gewonnen hat, ein Oberhaupt der Union müsse in viel höherem Maße als Führer seiner Nation in den Beziehungen zum Auslande, wie innerhalb deS Staates auftreten, wie eS früher geschehen ist, als die Vereinigten Staaten sich lediglich mit sich selbst beschäftigten. In, einem monarchischem- Staate, kann der regierende Herr nicht bestimmter und energischer auftreten als es Herr Roosevelt in Sachen der Entsendund eines Geschwaders nach Kiel getan hat. Das Gleiche macht sich in den wiederholten recht ernkten Aufforderungen an die nordameri- kanifche Presse bemerkbar, in den Erörterungen über das Ausland etwas mehr Mäßigung und Besonnenheit obwalten zu lassen. Auch in seinen kräftigen Worten über die Ausschreitungen der Trust-Spekulanten und bei anderen Anlässen kommt der eigene Mann, die persönliche Ueberzeugung zum Ausdruck in einer Weise, wie sie drüben bisher nicht bekannt gewesen ist. Die bisherigen nordamerikanischen Präsidenten, so tüchtige Männer unter ihnen waren, waren doch mehr oder weniger alle Vertreter derjenigen Partei, die ihnen zum Siege verhalf, sie waren ausschließlich Amerikaner. Theodor Roosevelt steht höher; er ist ein Weltmann im besten Sinne des Wortes, über den Parteien stehend und, was bei den Pankee's nicht eben häufig ist, ein Mann, der auch dem Auslande sein volles Recht zu Teil werden läßt. Wenn man die anderen Verhältnisse in Anrechnung bringt, so kann man sehr wohl sagen, Roosevelt sei ein amerikanisches Seitenstück zur Person des deutschen Kaisers. Daß in ihnen etwas Geistes- VerwandteS liegt, das empfinden wohl beide Männer.
Es ist ein Glück, daß ein solcher Präsident zu einer Zeit an die Spitze der Vereinigten Staaten von Nordamerika trat, in welcher den
26 Nachdruck verboten.)
'M. Gefesselt.
Roman von Jenny Hirsch.
~ ■ Kortsehmrg.)
„Annie!" rief er und ergriff ihre Hand, die er mit Küssen bedeckte, „Sie sind für mich der Inbegriff aller Reinheit und Schuldlosigkeit, geliebtes, teueres Mädchen —"
Sie entzog ihm die Hand. „Nicht weiter, Herr Assessor, lassen Sie mich schuldlos bleiben!" bat sie sanft und hoheitsvoll zugleich, „und jetzt entfernen Sie sich, schon zu lange sind wir hier beieinander gewesen."
Sie wandte sich zum Gehen.
„Annie, versprechen Sie mir eines," bat er sie noch zurückhaltend, „tun Sie keinen Schritt, ohne mich vorher davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Ehe sie diesem Manne folgen —"
„Lieber den Tod!" sprach sie feierlich. „Leben Sie Wohl!"
Schnell verließ sie den Pavillon und eilte so rasv vorwärts, daß Ernst, um Aufsehen zu vermeiden, davon abstehen mußte, ihr zu folgen.
„Mag sie zu der Zusammenkunft gehen, aber ich werde in ihre Nähe sein," gelobte er sich.
Achtes Kapitel.
Der Morgen des nächsten Tages brach seucht und trübe an; der gestern so klare, lachende Himmel hatte sich heute mit einer dichten, eintönig grauen Wolkenschicht umzogen, eS schien über Nacht Herbst geworden zu sein.
Pankees teilweise der Hochmut recht erheblich zu Kopfe gestiegen war. Seine besonnene Einsicht hat schon mancherlei Reibereien beseitigt, denn die Rücksichtnahme der Amerikaner, selbst der Minister in Washington ist nicht allzugroß. ES steht ja doch tatsächlich fest, daß der nord- amerikamsche Minister Hah die Entsendung des Geschwaders nach Deutfchland Hintertreiben wollte, und ein anderer Präsident hätte Herrn Hah vielleicht seinen Willen gelassen. Jedenfalls ist ein solches Auftreten, wie das Roosevelt's in Amerika ganz ungewöhnlich, in Frankreich wäre es nach den dort geltenden Anschauungen sogar direkt unmöglich gewesen. Die taktvolle Haltung des Präsidenten werden die Amerikaner besonders in den nächsten Jahren vorteilhaft empfinden, wenn eS sich um die Erneuerung der Handelsverträge handelt. Der Geschäftsgeist ist drüben sehr rege entwickelt, der Durst nach außerordentlich groß, und so wird leichi r-eS verdorben, waS bei kühlem Blut sich ganz anders gestaltet. Es ist darum im allseitigen Interesse zu wünschen, daß Roosevelt bei Ablauf seiner Amtsperiode wieder gewählt wird. Einen einsichtigeren Staatschef können die Vereinigten Staaten von Nord - Amerika jedenfalls nicht so leicht bekommen.
Tie Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in anderen großen Staaten ist jenseits des Ozeans wirklich nicht allzugroß; der Dankee unterschätzt angesichts der kolossalen Entwicklung bei sich zu Hause leicht fremde Zustände, er meint, und das ist der schlimmste Irrtum, mit Geld sei alles zu machen. Das Bedenkliche dieses Punktes hat Präsident Roosevelt so recht erkannt, daher sein Einwirken auf Vertiefung der nationalen Anschauungen. Trotz ihrer großartigen Position würden die Amerikaner, z. B. in einem ernsten Kriege, doch in eine mißliche Lage kommen, sie würden erkennen, daß eine große Zahl von gut bezahlten Söldnern doch noch lange keine starke Armee von tüchtigen Soldaten ist. Roosevelt hat durch fein Auftreten im Kuba-Kriege, das ihn so volkstümlich machte, gezeigt, was hier geleistet werden soll. Auch in dem Punkte ist er anders, wie andere Präsidenten.
Umschau.
Kieler Kaisertage.
Der Kaiser, der am Dienstag nach Eckernförde segelte und dort einem Herrenabend des Jachtklubs beiwohnte, kehrte Mittwoch nach Kiel zurück. — Das amerikanische Geschwader hat Kiel wieder verlassen. In einem Rückblick des Kieler Berichterstatters der „Tgl. Rdsch." heißt eS: Soweit es sich um „echte" Amerikaner handelte, fanden sie bei unseren Seeleuten, die meist der englischen Sprache mächtig sind, stets kameradschaftliches Entgegenkommen, dagegen machten sich die Geworbenen aus anderen Völkern und nicht zum wenigsten die Deutschen durch das Prahlen mit ihrer hohen Löhnung, besonders wenn sie in der Bierstimmung fich
hinreißen ließen, über die deutsche Flotte abfällig zu urteilen, häufig unbeliebt. Da hieß eS denn bald: „Das ist auch so ein Weggelaufener," und er konnte froh sein, wenn er nicht mit den Fäusten unserer Blaujacken in Berührung kam . . . Die Besatzung des amerikanischen Kriegsschiffes. „Chicago" stand bisher in dem Ruf der Unbesiegbarkeit beim Wettrudern. Von deutscher Seite (Linienschiff Kaiser Wilhelm II.) wurde die Herausforderung zu einer Wettfahrt über 4000 Meter angenommen. Die Kutter waren mit je 14 Ruderern bemannt. Das Ergebnis war der Sieg der Deutschen mit 100 Meter Vorsprung.
Deutsches Reich
Berlin, 2. Juli.
— Dem Könige von Sachsen sandte der antise- mitische Reichstagsabg. Gräfe am abend de8 Stichwahltages folgendes Telegramm: .Eurer Majestät senden 100 treue Sachsenher-en Gruß und Trene- gclöbnis für alle Zeit aus der vom Feinde ungebrochenen Feste des Sachsenlandes. Die Lausch hält die Treue! Heil! Gräfe, Reichstabg." Darauf ist, wie die „Bautzn. Nachr." mitteilen, am folgenden Tage ein Antwort - Telegramm des Königs eingelaufen welches folgenden Wortlaut hat: .Reichstagsabg. Gräle, Vischöfswerda. Heute früh Ihr Telegramm erhalten. Freue mich herzlich über Ihren Sieg und den Sieg der guten Sache in Ihrem Wahlbezirk. Georg."
— Die Eisenbahnbeamten, namentlich aus größern Rangier- und Güterbahnhöfen, klagen vielfach über den Mangel an Dienst- und Mietwohnungen zu an» gemessenen Preisen, der sie nötigt, unzureichende' Wohnungen in der Nähe der Arbeitsstelle, deren Preis den Wohnungsgeldzuschuß nicht unerheblich übersteigt, oder aber >veit entfernt gelegene Wohnungen zu mieten. Der Minister Budde hat nun bestimmt, daß bei der Feststellung des Bedarfs und bei der Vergebung von staatlichen Mietwohnungen vorzugsweise die in weiter Entfernung von ihren Dienststellen wohnenden Rangierarbeiter und andere durch ihre Dicnstverrichtungen besonders stark angestrengte Unterbeamte und Arbeiter zu berücksichtigen sind
— Bei seinem Abschied von Lothringen rüst Graf Häseler dem Lande einen letzten Gruß zu. Er schließt mit den besten Wünschen sür Lothringen und dessen Bewohner.
— Neber das Befinden des Präsidenten Steijn und des Obersten Schiel kommen gute Nachrichten aus Reichenhall in Oberbayern. Steijn äußerte zu einem Besucher, er befinde sich bedeutend Wohler, die herrliche Lust müfie ihn ja gesund machen. Für die Ehrungen der Deutschen würde er sein Leben lang dankbar bleiben. Schiel hat den Rollstuhl verlafien und wird von Tag zu Tag in seinen Bewegungen freier und selbständiger.
— Die Münchener Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure beschloß die Mitwirkung des Vereins bei der Beteiligung an der Weltausstellung in St. Louis. Für das in München zu verrichtende Museum von Meisterwerken der Naturwifienschast und Technik wurde ein Jahresbeitrag von 5000 Mark bewilligt.
— Die Verwendung von Spiritus - Glühlicht empfiehlt ein Erlaß des bayerischen Kriegsministeriums den Truppen und Dienststellen.
— Zur Frage der Besetzung des ersten Vize- Präsidentenposten im Reichstage durch einen Sozial- demokraten ergreist nun auch der.Vorwärts" da8 Wort, um klarzustellen, daß die Besetzung eines Präsidentensitzes für eine Ntinderheits. und Kampf- Partei, wie es die sozialdemokratische ist, keineswegs
Die frostige, trübselige Stimmung der Natur schien sich auch den Bewohnern der Villa Hil- dach mitgeteilt zu haben. Die Frau Oberst saß mit der Miene eines Richters am Frühstücks- tische, ihre Augen waren fortdauernd auf der Wanderung nach irgend einem Gegenstände, der ihr Anlaß zu einer Rüge oder einer spitzen Bemerkung geben konnte, und der Diener, der diese Anzeichen eines in der Luft schwebenden Sturmes sehr wohl kannte, bemühte sich, noch leiser als sonst aufzutreten und beinahe unhörbar zu servieren.
Der Assessor trank sehr hastig seinen Kaffee und hatte schon ein paarmal wiederholt, er müsse sich heute beeilen, nach der Stadt zu kommen, da seiner ein sehr reichlich bemessenes Arbeitspensum wartete, trotzdem rührte er sich nicht von der Stelle und vermochte kein Auge von Annie zu wenden, deren bleiches Gesicht und geröteten Augenlider von einer schlaflos und in Tränen zugebrachten Nacht erzählten; auch gelang es ihr sichtlich nur mit der größten Anstrengung, einige Bissen hinunterzuwürgen.
Elisabeth gewahrte das verstörte Wesen der Freundin ebenfalls, und sie sehnte den Augenblick herbei, wo sie dieselbe allein sprechen konnte. Jetzt aber wünschte sie die Aufmerksamkeit des Onkels und der Tante von ihr abzulenken und führte deshalb mit dem ersteren ein Gespräch, dessen Kosten sie jedoch zum größten Teile selbst tragen mußte, denn auch der Oberst war zur Unterhaltung wenig aufgelegt, sei es, daß er ebenfalls Ursache zur Verstimmung hatte, sei
es, daß die üble Laune seiner Gemahlin ihre Einwirkung auf ihn ausübte.
Ein starkes Läuten an der Hausglocke unterbrach Plötzlich das schon seit ein paar Minuten im Zimmer herrschende lästige Schweigen; erschreckt fuhr Annie von ihrem Sitze auf und stieß einen Schrei aus.
„Sie sind ja heute von einer ganz außerordentlichen Nervosität, Fräulein Wilson!" sagte Frau von Hildach mit einem mißbilligenden Blick über die Schulter, schaute aber dann nicht minder erwartungsvoll als die anderen nach der Tür, um die Ursache der frühen Störung zu erfahren, denn die Lieferanten und Boten, welche ins Hau? kamen, klingelten nicht am Haupteingang, sondern begehrten an einer Seitentür Einlaß.
Endlich trat der Diener ein und meldete, es sei ein Polizeibeamter da, welcher den Herrn Obersten zu sprechen wünsche.
Dieser erhob sich brummend. „Wa8 habt ihr schon wieder getan oder unterlassen, waS mir eine Rüge oder eine Ordnungsstrafe zu- zieht?" wandte er sich an den Diener; „ihr wißt doch, wie fatal es mir ist, Scherereien mit der Polizei zu haben."
„Verzeihen Sie, Herr Oberst, eS ist keiner von den Polizisten, die wegen solcher Dinge kommen, sondern ein Criminalpolizist," entgegnete der Diener. Geheimnisvoll und mit dem Behagen der Wichtigkeit, welche Leute empfinden, die sich im Besitze einer anderen noch unbe
als unter allen Umständen wertvoll und erfolg- versprechend angesehen werden kann. Wenn die „anbeten Parteien nach Wiederaufnahme der Reichstagsarbeiten über die Angelegenheit verhandeln werden, so wird die sozialdemokratische Fraktion in aller Gelassenheit prüfen und entscheiden.
— Das 1. bayerische Infanterie-Regiment König in München feierte sein 125iähriges Bestehen. Prinz, regent Luitpold nahm die Parade ab und hielt eine Ansprache.
— Der Ferien-Reiseverkehr in Berlin hat bereits am Mittwoch eingesetzt, trotzdem der Schulschluß erst am Freitag erfolgt. Es wurden Nachzüge notwendig. Die ersten Ferienkolonisten, rund 1160 Knaben und Mädchen, verlassen am heutigen Donnerstag Berlin.
— Der nordische Dichter Ibsen ist nach einer Meldung aus Kopenhagen wieder genesen. Erwachte die erste Ausfahrt
— Die Vorarbeiten zu dem neuen Schulunter- Haltungspflichtgesetze sind dem ,B. T." zufolge im besten Gange. Im Auftrage des Unterrichtsministers Studt sollen die Regierungen zu Ermittelungen veranlaßt werden, die einen Ueberblick über die zu treffenden Maßnahmen gewinnen lassen würden. Das Absehen ist darauf gerichtet, zu verhüten, daß in mehr» klassigen Schulen künftig mehr als 70, in einklassigen mehr als 80 Kinder in einer Klasse und von einer Lehrkraft unterrichtet werden. In jedem einzelnen Fall soll auch die voraussichtliche Höhe des staatlichen Beitrages zu Schulneubauten angegeben werden.
— Der kanadische Premierminister Saurier erklärte der .Franks. Ztg." zufolge, in der Handelsvertragsangelegenbeit müsse die Anregung von Deutschland kommen. Kanadas guter Wille zu einer Verständigung bleibe stets derselbe; aber jetzt werde es keinen Finger mehr rühren, es habe immer Entgegenkommen gezeigt. Das merkt man.
— Die Enthüllungen, die der Berliner Pommern» bankprozeß soeben gezeitigt hat und in der Aufdeckung einer bedauerlichen Preßkorruption bestehen, beschäftigen natürlich die Berliner Zeitungen. Allgemein ist das Verlangen, die Namen derer zu erfahren, die von dem früheren Direktor Ronnick Jahressummen angenommen haben.
. — Vom rheinisch»westfälischen Eisenmarkt wird berichtet, daß das Enlandgeschäft still liegt, vor allem eine Folge der begonnenen Inventuren. Dagegen ist die Ausfuhr eine flottere, besonders in Eisenbahnschienen, Halbzeug, Bandeisen und Roheisen.
— Die Firma Krupp ist nunmehr Aktiengesell- schast geworden. Sämtliche Rechte und Verpflichtungen der Firma, namentlich auch gegenüber den Beamten und Arbeitern sind von der Gesellschaft, die den Betrieb in der bisherigen Weise fortführen wird, übernommen worden.
— Wieviel neue Volksschulstellen errichtet werden muffen, darüber läßt der preußische llnterrichtsminister Erhebungen anstellen, ferner über die Höhe der erforderlichen Staatsbeihilfen. Nach tote vor sollen aber 70 und 80 Kinder auf jede Lehrkraft entfallen und das ist wohl zu viel.
— Die nächste Berufs- und Gewerbezählung findet bestimmt im Jahre 1905 statt.
Der Finanzministet v. Rheinbaben ist von seiner Amerika-Reise wohlbehalten wieder in Kiel ein» getroffen, lieber seine Reiseeindrücke wird er dem in Kiel weilenden Kaiser eingehenden Bericht erstatten. Angesichts der Stellung Englands werden Deutschland und die Vereinigten Staaten in handelspolitischen Fragen näher aneinander gerückt. Da kann es denn nur erfreulich sein, wenn der preußische Finanzministet recht freundliche Eindrücke in der Union gewonnen und mit in die Heimat gebracht haben sollte. Gleichzeitig mit dem Minister ist übrigens Prinz Georg'von Bayern in Bremerhaven eingetroffen, der am Weihnachtsheiligenabend vorigen Jahres vo« Genua aus eine Reise um die Welt angetreten halte.
kannten schaurigen Nachricht wissen, fügte er hinzu: „Es mag wohl mit dem Morde za» sammenhänaen; der Bäckerjunge erzählte schon, es sei ein Herr tot im Neuen Garten aufge»' fanden worden."
Entsetzt sprang Elisabeth auf; auch Annie hatte sich erheben wollen, aber kraftlos war sie in ihren Stuhl zurück gesunken und starrte mit weit aufgerissenen Augen, halbgeöffneten Munde und angstvoll erhobenen Händen zu Ernst hinüber, der an das Fenster getreten war und mit halb abgewandtem Gesichte in den herniederrieselnden Nebel schaute.
„Behalten Sie Ihre Dienerstubengeschichten für sich," gebot Frau von Hildach streng, „daS find ja Albernheiten, wir leben in Potsdam und nicht in den Abbruzzen."
Sie stand auf und gab damit das Zeichen für die übrigen Tifchgenossen, fich ebenfalls zu erheben und fich, wie es nach diesem Mahle Sitte war, nach Wahl und Belieben zu beschäftigen. Die drei jungen Leute rührten fich jedoch nicht von ihren Plätzen, wie eine Erstarrung war es über sie gekommen. Die Ahnung von etwas Furchtbarem, Graufigen, lag schwer auf ihnen.
Und da trat auch der Oberst schon wieder ein, mit einer Miene, welche die bangsten Befürchtungen zu bestätigen schien; jetzt war eS seine Frau, die ihm mit bebender Stimme zurief: „Wilhelm, sprich schnell, waS ist geschehen i" (Fortsetzung folgt.