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würden.

Aus allem geht also klar hervor, daß Herr von Gerlach und seine Genoffen sich im Irrtum befinben, wenn sie den Nutzen der Getrcidezölle für irgend eine Bolksklaffe in Abrede stellen. Ihr Kampf gegen die Zölle ist ein Kamps gegen das Wohl der Landwirte, der großen wie der kleinen, ein Kampf gegen daS Wohl des ge­samten Volkes, des Vaterlandes, ein Kampf richt gegen souderu für die Brot» »«cherer; denn nicht die Männer der harten Arbeit, die Landwirte, die nur einen ent­sprechenden Lohn für ihre Mühe verlangen, wie jeder andere Arbeiter auch, verdienen diesen Echandnamen, ihn wollen wir, und daS mit Recht, den Freunden, den Hätschelkindern des Herrn v. Gerlach, den Herrn von der Börse, den Getreidespekulanten überlassen.

Herrn von Gerlach aber können wir unter keinen Umständen als den Vertreter unseres Kreiser erwählen, ein Antisemit, der Herrn v. Gerlach wählt, verleugnet, entehrt sich selbst.

Ein Marburger Antisemit.

, . Der preußische Finanzminister v. Rheinbaben hat sich zu einem Korrespondenten des Berliner »Lokal. Anzeiger' über seine Amerikareise ausgesprochen. Der Minister betonte: Auf Grund des natürlichen Reich, tums Nordamerikas, namentlich an Kohlen und Eisen- erzen, hat sich dort eine Industrie entwickelt, die durch einen Massenabsah von überaus großen Dimensionen gerade im eigenen Lande gesördert wird und auf ihrem Vorwärtsmarsche nicht rasten wird, denn in ledern Industriezentrum sieht man, wie alte Fabrik- anlagen erweitert, neue gebaut und moderne Arbeits- Methoden eingeführt werden. Besonders lehrreich für Deutschland erscheint die drüben übliche Speziali- fierung der Fabrikation und die Verwendung über- raschend Zeit ersparender Maschinen, welche die Pro- duküonskosten verringern. In der Fixigkeit sind uns die Amerikaner über, aber in der Gediegenheit der Fabrikate ist, wie der Minister trotz der von Amerika ihm erwiesenen Gastfreundschaft nicht verschweigen mochte, Deutschland den Vereinigten Staaten voraus.

beschwören, denn hinter ihnen steht die Armee, die noch immer das Bewußtsein hat, Herrin der Situation p, sein. Neber die Form und Teilnahme des diplomatischen Korps an den Empfangsfeierlichkeiten ist noch keine Be­stimmung bekannt geworden.

8 Universität. In einem Anschläge am I schwarzen Brett gibt die König!. Wissenschaft- I liche Prüfungs-Kommission folgendes bekannt: I Diejenigen Herren Kandidaten des höheren I Schulamts, welche beabsichtigen, sich am Ende | des Semesters zur wissenschaftlichen Staats- I Prüfung zu melden, müssen ihre Gesuche bis spätestens 10. Juli b. I. auf dem Universitäts- Sekretariat einreichen, da später eingehende erst I M Anfang des Wintersemesters ihre Erledigung I finden können.

8 Frrien-Smdkrziige. Wie aus dem Jnseraten- I teil ersichtlich ist, sind hier den 5., 15. und I 16. Juli wieder Feriensonderzüge von Bremen I über Kassel, Marburg nach Basel eingelegt. I Arn 4. Juli fährt ein Feriensonderzug von Berlin nach Frankfurt a. M. und Basel. Der-

I selbe passiert Marburg um 4.04 Uhr morgens. | * Sflttt Athlktenfrst. Die Vorbereitungen

dem am 4., 5. und 6. Juli hier stattfindenden

I hessischen Athletenwettstreit find in vollem Gange. | Mit dem Bau der Festhalle wurde gestern auf I dem Kämpfrasen durch Herrn Zimmermeister I Volland begonnen. Der Festplatz wird 100

Meter lang und 80 Meter breit, in demselben I find zwei Tanzplätze vorgesehen. Wie man hört, find zum Wettkampfe bereits eine ganze Reihe

I von Ehrenpreisen gestiftet.

* Turnerisches. Das Turnen, welches an- I läßlich des gestrigen 50. Feldbergfestes anbe- I räumt war und wozu sich über 800 Wettturner I aus ganz Deutschland gemeldet hatten, konnte I wegen sehr ungünstiger Witterung nicht abge- I halten werden.

I * Verband der Vereine Krrditresorm e. B.

I Soeben ist der Jahresbericht des Verbandes über sein 21. Geschäftsjahr 1902/3 erschienen. Derselbe entrollt ein anschauliches Bild von dem Wirken und den Erfolgen des Verbandes der Vereine Kreditreform e. D. in dem Geschäfts­jahr 1902/3, welches für den Verband einen weiteren Schritt auf der Bahn seiner bis­herigen günstigen Entwicklung bedeutet. Nach der von den Vereinen gelieferten Statistik hat sowohl die am 31. Dezember 1902 auf 68 715 gestiegene Mitgliederzahl, als auch die Zahl der von den Vereinen erteilten Auskünfte, ins-

I besondere auch die Zahl der den Mitgliedern und deren Reisenden ausgestellten, zur münd- I lichen Auskunftseinholung in allen ca. 770 I Bureaus berechtigenden Reiselegitimationskarten I wiederum einen erheblichen Zuwachs zu der- I zeichnen. Interessant ist auch der in dem Be- | richte geschilderte Einfluß, den die am 1. Jan. I 1900 in Kraft getretenen neuen VerjährungS- I fristen auf die Inanspruchnahme des Mahn- I verfahrens der Vereine durch die Mitglieder I ausgeübt haben, lieber die allgemeine wirt- I schastliche Lage spricht sich der Bericht dahin 1 aus, daß der tiefste Punkt der Depression wohl I als überschritten angesehen werden könne, die I Besserung jedoch, von der unstreitig in mancher I Beziehung Ansätze zu verzeichnen seien, im All- I gemeinen nur äußerst langsame Fortschritte | mache, allerdings nicht zum Schaben einer ge- | sunden Entwicklung unseres Wirtschaftslebens. I Der Bericht beschäftigt sich ferner mit einigen I neueren gerichtlichen Entscheidungen, die der I Bedeutung der Krediterkundigung für den Ge- I fchäftsverkehr volle Gerechtigkeit widerfahren I lassen. Auch die für das Kreditwesen äußerst I wichtige Frage der .Kreditversicherung' wird I in einem längeren Artikel behandelt. Don einer I umfassenden Tätigkeit der Verbandsleitung im I Interesse einer Vervollkommnung der Bereins- und Derbandseinrichtungen, sowie der Kredit- I erkundigung bezw. einer Gesundung der Kredit- I Verhältnisse im Allgemeinen zeugt der übrige I Inhalt des Berichts. Der Verband ist für eine I möglichst ausgedehnte Nutzbarmachung behörd- | licher Aufzeichnungen im Interesse der Kredit- I erkundigung. In diesem Sinne hat er Eingaben I gerichtet an den deutschen Reichstag betreffs einer | Abänderung der Reichskonkursordnung, an das I Reichsjustizamt betreffs Beseitigung von Er- l schwerungen, ine einer erfolgreichen Benutzung j

Italien. Gegen das neue Kabinett wird die parlamentarische Opposition in der De­putiertenkammer sofort einen neuen Sturm versuchen, trotzdem neben Giolitti auch der Marineminister Battelo auS dem Ministerium ausgeschieden ist. ES unterliegt, wie dieVoss. ! 3tg." bemerkt, keinem Zweifel, daß das Kabinett dem erneuten Ansturm unterliegen wird. Am Donnerstag tritt die Kammer wieder zusammen und wahrscheinlich wird bereits dieser Tag die Krise bringen. Die Opposition ist entschlossen, den Schlag gegen die Regierung sofort zu führen, weil sie es mit den Ueberlieferungen der italienischen Politik für unvereinbar hält, daß ein Kabinett mit ungenügendem und unsicherem parlamentarischen Anhang die Staatsgeschäfte führt.

Serbien, ttm die öffentliche Meinung Europas über den Belgrader Königsmord kümmert sich die serbische Regierung so wenig wie die Volksvertretung des Landes. Die Forderung des Zaren auf Bestrafung der Mörder wird einfach als nicht ernst bezeichnet; man wird die Sache auf sich beruhen lassen. Von den Häuptern der Verschwörung ist Oberst Maschin Minister, Gardehauptmann Kostitsch Mitglied der nach Genf entsandten Militär- Deputation, die das Gefolge Peter I. bildet, Mitschitsch, ein naher Verwandter des Mörders gleichen Namens, ist Kommandant von Belgrad. Sie spielen, toie der »Poss. Zto." gemeldet wird, alle drei die hervorragendsten Rollen beim Einzüge des Königs in Belgrad. Selbst wenn König Peter die Absicht hätte, sie abzufchüttrln, er könnte es nicht, ohne Gefahren heraufzu-

I Marburg und Umgegend

Marburg, 23. Juni.

*. 3ur Stichwahl. Für die am 25. d. MtS. stattfindende Stichwahl wird amtlicherseits auf folgende Bestimmungen aufmerksam gemacht: Bei der Stichwahl haben dieselben Personen als Wahlvorsteher und deren Stellvertreter zu fungieren wie bei der Hauptwahl. Auch find dieselben Wählerlisten zu verwenden, die bei der Hauptwahl bereits benutzt worden find. Nachträgliche Berichtigungen derselben etwa durch Nachtragungen vonsolchen Wahlberechtigten, welche bei der Aufstellung der Wählerliste für die Hauptwahl übersehen worden sind find verboten. Dagegen können selbstverständlich bei der Stichwahl auch solche Personen ihr Wahlrecht auSübeu, die dies bei der Hauptwahl nicht getan haben. Alle anderen als auf die beiden Stichwahlkandidaten v. Pappenheim und v. Gerlach fallenden Stimmen find ungültig. Punkt 7 Uhr ist der Wahlakt zu beenden. Es darf von da ab kein Stimmzettel mehr ange­nommen werden. Wie man hört, wird unser Radfahrer-Verein mit seinen Brudervereinen in Kirchhain und Fcankenberg auch bei der am Donnerstag stattfindenden Stichwahl das Resul- tat wieder zusammenholen.

der von den Vollstreckungsgerichten gemäß 8 915 G.-P.-O. zu führenden Manifestantenlisten teilweise noch entgegenstehen und an die Re- grerungen verschiedener Bundesstaaten betreffs Einficht der Grundbücher. Bekannt find auch die vom Verbände durch seine vorjährige Ein­gabe an die Bundesstaaten eingeleiteten Be­strebungen bezüglich einer Vervollkommnung des polizeilichen Meldewesens. Wenn auch I ®et, dieser Richtung bei den Regierungen I erzielte Erfolg bis jetzt nur ein geringer ist, I fp, ergibt sich doch aus den zahlreichen Zu- I stimmungen, welche sowohl zu dieser als auch I zu anderen Eingaben des Verbandes von

Handels- und Gewerbekammern, kaufmännischen I Korporationen und Vereinen eingegangen sind, daß die in seinen Eingaben zum Ausdruck ge­kommenen Bestrebungen des Verbandes in weiten, zur Vertretung von Handel und Gewerbe be­rufenen Kreisen gebilligt und unterstützt werden. Am 18. Juli ds. I. und an den folgenden Tagen hält der Verband der Vereine [ Kreditreform e. V., dem auch der hiefige Verein 1 Kreditreform (Bureau C. W. E. Runkel, Rudolphsplatz 3) angehört, in Eisenach seinen diesjährigen VerbandStag ab.

* Militärisches. Befördert: v. Jutrzenka- Morgenstern (Marburg), Vizefeldwebel des In­fanterie-Regiments General-Feldmarschall Prinz Friedrich Karl von Preußen (8. Branden- burgisches) Nr. 64 zum Leutnant der Reserve; Gerlach (Hannover), Leutnant der Reserve des Kurhess. Jägerbataillons Nr. II zum Ober­leutnant. Der Abschied bewilligt: Bang (Marburg), Oberleutnant der Res. des Nieder-' rhein. Füs.-Rgts. Nr. 39.

8 Hnsschmitde-PrSstutS. Am Montag, den 31. August findet hier die nächste Hufschmiede- Prüfung statt. Anmeldungen find bis zum 15. August bei Herrn Kreistierarzt Melde hier emzureichen.

* Auch ein Wahlkampf. Zwei politische Gegner, die sich gestern nachmittag in der Bahnhofstraße begegneten, gerieten im Eifer des Gesprächs über die ReichStagSwahlen plötz­lich aneinander und wurde handgreiflich. ES entstand zwischen ihnen eine Schlägerei, die zahlreiche Zuschauer aber auch einen Polizei be­amten herbeilockte. Der letztere machte dem eigenartigen »Wahlkampf' ein Ende.

8 Unfall. Gestern nachmittag riß am Ein­gänge zur Barfüßerstraße ein Pferd einen Kanaldeckel heraus. Glücklicherweise passierte dem Tier weiter nichts.

I ** Dreihause«, 22. Juni. Der auf den 1 1- Oktober an gesetzte Schweinemarkt ist auf den I 20. Oktober verlegt worden.

I _ Lohra, 22. Juni Bekanntlich hatte die hiesige I Gemeindebehörde den zweiten der für unseren Ort I pro 1903 genehmigten Schweinemärkte auf den 1. Juli I 9e9t. Da jedoch zu gleicher Zeit in Wetter ein I Üücher Markt stattfindet, so hatte man hier, einer I Aufforderung des Provinzial. Rats zufolge, den I Schweinemarkt auf Dienstag den 30. Juni I ZA?*. ®?e Genehmigung seitens der vorgenannten I Behörde ist nunmehr gestern hier eiugetroffen, und I findet somit der Markt nicht, wie auf den Plakate» I angegeben, am 1. Juli, sondern am 30. Juni statt.

I . o_! Wetter, 23. Juni. Gestern fand im Saale I oe® Herrn Altenhofen eine von den Antisemiten, I Konservativen und dem Bunde der Land» wirte gemeinsam einberufene Versammlung zu

I Gunsten von H. v Pappenheim statt, in der besonders von antisemitischer Seite erklärt wurde, warum man ge- fchloffen für die Wahl des Herrn b. Pappenheim eintrete. 'P* der späteren Diskussion ergriff auch Herr Schrift- Mller von Gerlach das Wort, um seiner sinkenden Sache noch durch allerlei Mätzchen und sonstige Ge­schmacklosigkeiten anfzuhelfen. Er wird damit aber seiner Sache wohl kaum genützt haben, da die anti- femitlschen Wähler für Herrn von Pappenheim ein­treten werden. Auch die gestern erwähnten anti» semrtrfchen Versammlungen waren von den 3 genannten Parteigruppen einberufen.

I _ + »mönnn, 23. Juni. Ein Jubiläum. Morgen find gerade 50 Jahren verflossen, seitdem das Win Baumbach'sche Rittergut hierfelbst von der Familie Raßmaun bewirtschaftet wird. Es legt diese lange Zeit ein beredtes Zeugnis ab für das in jeder Weife gute und herzliche Einvernehmen zwischen dieser und dem Besitzer, Herrn Präsidenten von Baumbach m Kassel.

ö Kirchhain, 23. Juni. Der heute hier stattge- fundene Rindvieh markt war mit ca. 400 Stück Groß-' und Kleinvieh befahren. Der Handel ging sehr flott/ auch wurden hohe Preise erzielt. Der Schweinemarkv war mit 360 Läufer und Ferkel befahren; der Handel geht schleppend. Ferkel kosten das Paar 18-26 Ml. Säufer das Paar 52-96 Mk.

X Grotzseelheim, 22. Juni. Gestern abend fand hier eine sehr gut besuchte konser-, vative Versammlung statt, in welcher als Ver­treter be8 Herrn von Pappenheim Herr Heft er mann über unsere wirtschaftliche und, politische Lage sprach. Die sachlichen, auf Tat-j fachen beruhenden Ausführungen des Redner-! fanden allgemeinen großen Beifall. Man be­tonte besonders, daß die Antisemiten, welche bei der Hauptwahl getrennt von den, Konservativen marschiert wären, jetzt in; der Stichwahl geeinigt den Vertreters des Großhandels und der Börse und Feind der körperlichen, produktiven Arbeit, Herrn von Gerlach, schlagen würden. Herr von Pappen- heim würde jetzt sicher noch mehr Stimmen auf sich vereinigen, wie bei der Hauptwahl Herr Zimmermann und er zusammen erhalten hätten.

D Schweinsberg, 22. Juni. Eine seltene Feie» beging der Diener Hermann Dingel von hier. Er ifl fünfundzwanzig Jahre lang bei derselben Herrschaft tätig gewesen, nämlich im Hause des Herrn Landratefl Freiherrn Schenck zu Schweinsberg. Aus dieseoj Herrschaft und Dienerschaft gleicherweise ehrende» Anlasse wurden dem Jubilare seitens feiner Herrschaft Ehrungen und Anerkennungen verschiedener Art zuteil! Möge es dem Jubilars vrgönnt sein, nach abermals 25 Jahren auch sein goldenes Jubiläum zu feiern.

)!( WangershSttse«, 23. Juni. Zu unser« Notiz dd. Wangershausen 20. Juni in Äc. 168

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Der bisherige BanuS von Kroatien, Graf Khuen-Hedervary, ist zwar noch nicht offiziell mit der Neubildung des ungarischen Kabinetts betraut worden, er ist [ aber vom Kaiser mit der Ausführung der , Mission betraut worden, sich in Budapest darüber zu orientieren, welche Aufnahme dort ein Ministerium Khuen finden würde. Ist das Ergebnis der Information, dar der Graf dem Kaiser sofort zu melden hat, günstig, so wird Graf Khuen unverzüglich den kaiserlichen Auf­trag zur Kabinettsbildung erhalten. ES muß als unwahrscheinlich bezeichnet werden, daß die Regierung freiwillig ihre Forderungen herab­setzen werde. Es wird in dieser Beziehung ge­meldet, in einer Kronratsfitzung unter dem Vorsitz des Kaisers sei beschlossen worden, die für dieses Jahr geforderte erhöhte Rekruten­ziffer von 123000 Mann fallen zu lassen und dre bisherige von 103000 Mann zu erhalten. Lediglich die für die Bedienung der neuen Haubitzen sowie für die Vermehrung der Marine unbedingt notwendigen 6000 Mann werden gefordert werden. Weiter soll der Kaiser seine Zustimmung zur Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit gegeben haben. Die ungarische Obstruktionspartei hegt gegen die in Wien unter Hinzuziehung der österreichischen Minister geführten Verhandlungen deS Kaisers mit dem zukünftigen ungarischen Kabinettschef Argwohn. Sie hat daher beim Präsidenten des Abgeordnetenhauses ein Gesuch eingereicht, daS HauS schleunigst zu einer Sitzung einzu­berufen, damit eine Adresse an den Monarchen mit der Bitte gesendet werden könne, er möge nach Budapest kommen, um über die Krise auf ungarischem Boden und ohne Dazwifchentreten d« Regierungsvertreter frember (!) ßönber zu verhanbeln. Der Präsibent muß baS HauS nun innerhalb fünf Tagen zu einer Sitzung znfammenberufen.

Schieße« des Gorde-Fußartillerie-RegimentS und deS 4. Fußartillerie-Regiments beizuwohnen.

- Der Erzbischof von Köln Dr. Fischer ist in dem am Montag m Rom vom Papst abgehaltenen Konsistorium zum Kardinal ernannt worden. In Deutschland gibt es nunmehr zwei Kardinäle: Dr. Kodp und Dr. Fischer. Letzterer ist seit dem vorige« Jahre Erzbischof, steht bei dem Kaiser in Ansehen und hat sich bisher efls ein recht duldsamer Kirchen­fürst erwiesen. Außer ihm find noch die Bischöfe von Salzburg und Balencia Kardinäle geworden.

lieber Deutschlands Stellung zu den serbischen Vorgängen war der .Franks. Ztg.' aus Paris ge- meldet worden, auf die Initiative Italiens hätten die beutsM die französische, die englische und die italie- msche Regierung beschlossen, dem neuen serbischen Regime bis nach erfolgter Sühnung des Verbrechens 0« offizielle Anerkennung zu verweigern. 3®ie die »Post von offizieller Seite erfährt, ist diese Nachricht, insoweit fie sich auf die Stellungnahme Deutschlands bezieht, unzutreffend. Deutschland betrautet die Vor­gänge in Belgrad als innere serbische Angelegenheit, don der es i-- Bestätigung der neuen Regierung nicht abhängig zu machen gewillt ist. Dieser Stand­punkt ist durchaus korrekt; im übrigen werden die diplomatischen Beziehungen fich aber zweisellos auf das Unumgängliche beschränken.

Der preußische Eisenbahnminister Budde ist von seiner langwierigen Krankheit jetzt wieder so weit hergestellt, daß er die Geschäfte seines Refforts in dollem Umfange übernehmen konnte. Der Reichs­kanzler Graf Bülow, hat sich von seinem Leiden da­gegen noch immer nicht vollkommen erholt.

Deutsches Reich

Berit», 23. Juni.

. T" ®ec Kaiser verließ am Montag Vormittag ben Hamburger Hafen, um fich nach Knxhaven zu begeben. Hier findet am heutigen Dienstag die Wett- whrt des Norddeutschen Regattavereins statt, an der

°uf der Jacht .Meteor' beteiligen will. Am Mittwoch geht die Fahrt nach Kiel weiter.

. ~ Nufer Kaiser hat der Hauptversammlung der deutschen Landwirtschaftsgefellfchaft, die in Hannover zusammengetreten ist, auf ein Huldigungsielegramm telegraphiich feinen wärmsten Dank und treuen Segens- Wunsch ausgesprochen, die deutsche Landwirtschaft gleichzeitig aber auch auf die NatwenJgkeit der Selbsthilfe angewiesen, indem er den Wunsch aus- Wrach, daß die landwirtschaftliche Ausstellung in Hannover mit ihren mannigfachen Anregungen zu E^steni rationellen und intensiven Betriebe der Land- wirtschast den Landwirten bleibenden Rntzen bringen und dazu beitragen möge, die Landwirtschaft über die Schwierigkeiten hm wegzuhelfen, mit denen fie jetzt zu kämpfen hat.

. ~ Die Kaiserin reiste Montag Abend von Pot--

oam nach Plön zum Besuch ihrer Söhne. Bon begibt die hohe Frau sich nach Kiel, wo sie mit Gemahl zufammentrifft. Montag mittag .

Haifennben Stiftern des Kaiserin-Jncdr ich , für das ärztliche Fortbildnng-wesen eine An Jenz,

~ Kronprinz August von Sachsen traf in Tborn lWestPreugen) em, um dem Prüsungs- und Kaiferpreis-

»roßto-italistische Großmüller, bie Freunde und Schutzbefohlenen beS Herrn von Gerlach.

Wer nicht ein reiner Theoretiker und ein Neuling ix bei Politik ist, sondern mit offenem Auge bas reale Leben beobachtet hat, wer sich nicht absichtlich gegen bie Tatsachen verschließt and denGiftbaum der Börse' als eine Rose ohne Dornen betrachtet, muß auS seiner Lebens­erfahrung heraus wiffen, daß die Brotpreise durchaus nicht gleichen Schritt halten mit den Getreidepreisen. Wir können recht gut, wenn es dem Börsenjuden gefällt, niedrige Getreide­preise und hohe Brotpreise haben. Man denke doch nur an dieJdealgestalt Cäsar Wollheim', diesen »feinen Kopf', der eS fertig brachte, im Jnni fast alles am Markt befindliche Getreide aufzukaufen, dann anzuhalten, daß ein Notstand hervortrat, daß die Getreidepreise in unerhörter Weise stiegen und diesem .edlen Menschenfreund' aus der Reihe der »edelsten Kräfte der Nation' die Kleinigkeit von 18 Millionen in den Schoß warfen. Das war beileibe kein Brot- wucher, das war ein großartiges kaufmännisches Geschäft, daS von großem Talent zeugt!

Wir trauen selbst Herrn v. Gerlach eine so weitgehende Naivität nicht zu, daß er glauben sollte, seine lieben Freunde von der Börse würden, etwa aus lauter Menschenliebe, bei stark fallenden Getreidepreisen auch gleich die Mehlpreise im selben Maße sinken lassen, würden eine solch schöne »Konjunktur' nicht auSnützen.

Die Antiagrarier bestreiten die Notwendig- keit der Erhöhung der Getreidepreise, indem fie auf die intenfivere Bewirtschaftung Hinweisen, beweisen aber tonen fie die Behauptung nicht. Schreiber dieser Zeilen weiß fick noch auS den fiebzieger Jahren sehr genau der Preise zu erinnern, hat fich auch aus seines BaterS Büchern noch einmal davon überzeugt. ES kostete damals daS niederhess. MÄter Korn 8 Ctr. 810 Rthl. also der Ctr. 810 Mark, der Tagelöhner erhielt 56, die Frau 34 Silbergroschen Tagelohn, der Knecht je nach I Alter und Stärke 20-60 Thlr., die Magd 1030 Tahler. Und jetzt? Der Roggen 67 1 Mk., der Tagelöhner ist kaum noch zu haben, I der Tagelohn um das Vielfache gestiegen der 1 Lohn des Knechtes 300500 Mk., der Magd 100300 Mark. Dabei find alle Erzeugnisse, I die der Landwirt kaufen muß, höher im I Preise, seine Handwerker: Schmied, Wagner usw. I find weit teurer, die Steuerlast ist gewaltig | gewachsen. Wie man da noch die Notwendigkeit I höherer Getreidepreise bestreiten kann, ist un» I begreiflich. Daß man da noch vonBrot- I Wucher' der Landwirte redet, ist I unerhört, ist skandalös. Daß es aber I noch Landwirte gibt, bie eine solche Ver- I leumdung bei Landwirtschaft gleichgültig hin- I nehmen, ja sogar ben Vertreter solcherFreunde I der Landwirtschaft" als ihre Vertreter in ben I Reichstag schicken wollen, das ist denn doch das | Tollste, was man von jemand erwarten kann. I

In einer weiteren Hinficht entspricht die I Behauptung der Antiagrarier, daß der I Zoll dem kleinen Landwirt nicht nütze, der Wirk- I lichkeit nicht, denn würben bie Zölle Wegfällen, | [° würde mit der weiter finkenden Rentabilität I auch der Wert des Grund und Bodens fallen, I F° daß alle die kleinen Bauern arm werden I