Einzelbild herunterladen
 

mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg un- Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jlluftrktes Sonntagsblatt.

M 165

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. xc$cl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raunt 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 19. Juni 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Unwcnitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Ueber das Ergebnis der Reichstags­wahlen

wird sich erst ein abschließendes Urteil fällen lassen, wenn die auf den 25. d. M. anberaumten Stichwahlen vollzogen sein werden. Die all­gemeinen Wahlen haben, wie zu erwarten stand, noch nicht die Hälfte der Entscheidungen ge­bracht. Aber auch auS dem Ausfall der allge­meinen Wahlen lassen sich doch schon jene die Wahlen fieS Jahres 1903 charakterisierenden Merkmale erkennen. DaS augenfälligste dieser Merkmale ist die Tatsache, daß die »Vorfrucht der Sozialdemokratie', wie der Freisinn vielfach genannt worden ist, mehr und mehr in die Frucht selbst übergeht, daß der Freisinn von der Sozialdemokratie aufgesaugt wird. Diese Tatsache hat allerdings nur Bedeutung als Wahlerscheinung, die Beschlüsse des Reichstags werden durch sie nicht berührt; in Zoll-, in Heeres- und Marinefragen haben ja auch bisher schon Freisinnige und Sozialdemokraten stets an einem Strang gezogen. Die Mitglieder der freisinnigen Vereinigung haben in der ver­flossenen Legislaturperiode allerdings für die Flotten- und Militärvorlagen gestimmt; ihre Zahl war aber auch damals schon so gering, daß die Entscheidungen des HauseS von ihrem Votum niemals irgendwie recht abhingen. Kein einziger Freisinniger ist im ersten Wahlgange gewählt worden, trotz der Utt- geheure« zur Wahlagitation verwendeten Summe« hat der Handelsvertragsverei« keinen Sieg zu erfechten vermocht. Von den paar Mandaten, die er besaß, find ihm circa die Hälfte bereits verloren gegangen und viele Lorbeeren werden ihm auch in der Stich­wahl nicht winken. Auch die Agitation der Nationalfoziale« zr» Gunsten politischer Anschauungen des Handelsvertragsver­eins ist so gut wie im Sande verlaufen Alle national-sozialen Kandidaten find im ersten Wahlgange glatt durchgefallen, bis auf den einzigen, der in die Stichwahl gekommen ist, H. v. Gerlach in Marburg. Sonst hat man nirgends im Lande etwas von diesen Leuten wissen wollen, sonst hat man üb erall sich dieserBauernfeinde, dieser Gegner des selbständigen Handwerks und der Gewerbetreibenden, dieser Leute, die den Wert jedes kleinen BauerngütchenS vermindern wollen und daher für die Verarmung unserer Bauern wirken, dieser Freunde der Warenhäuser und Konsumvereine zu erwehren gewußt. Nur in Marburg find viele Kaufleute und auch einige Handwerker für die Nationalsozialen, ihre größten wirtschaft­lichen Feinde eingetreten, und haben damit be­kundet, daß fie deS festen Willens sind, jede Bestrebung zu gunsten neuerKonsum-

14 (Nachdruck verboten.)

" Gefesselt.

Roman von Jenny Hirsch.

kFortseynng.)

O, das hat doch keine Aehnlichkeft mit dem vorübergehenden Besuche, den uns der Marquis heute machen wird,' entgegnete der Oberst.

»Man weiß nie, wie sich die Dinge ent­wickeln können, in die man sich ohne reifliche Ueberlegung eingelassen hat,' erwiderte fie, nervös mit der Quaste des Sessels spielend, »beide Einladungen haben insofern eine Aehn- lichkeit, als sie ohne meinen Willen erfolgt find.'

»Wenn eS Dir so sehr unangenehm ist, den Marquis zu empfangen, so läßt fich da wohl noch ein Ausweg finden,' sagte der in die Enge getriebene Oberst.

»Du müßtest dann vermeiden, ihm zu be­gegnen, und die Fahrten nach Berlin und ;Seinem geliebten Kasino aufgeben,' erwiderte Frau Cacilia mit beißendem Spott, »das hieße Dir doch ein zu großes Opfer ansinnen. Vor­läufig ist indes der Marquis das kleinere Uebel, lassen wir es jetzt auf fich beruhen. Sprechet! wir jetzt von dem größeren: wie lange soll Annie Wilson noch in unserem Hause bleiben?"

Der Oberst sah fich ängstlich um. »Aber, liebste Cäcilie, die jungen Damen können jeden Augenblick eintreten."

Sei ohne Sorge, ich kenne ihre Gewohn­heiten besser, es währt noch mindestens eine Viertelstunde, ehe sie sichtbar werden,. und früher kommt auch Ernst nicht zum Vorschein, die Zeit will ich aber benufeen. um endlick einmal ein

vereine, Warenhäuser, Wanderlager zu unterstützen und dadurch den Unter­gang deS heimischen Gewerbes und des Handwerkerstandes herbeizuführen. Die alte Majorität der Regierung, die sich aus den beiden konservativen Parteien, den National- liberalen und dem Zentrum zusammensetzt, bleibt jedenfalls auch im neuen Reichstage bestehen. Immerhin verdient die Tatsache Beachtung, daß die Zahl der für sozialdemokratische Kandidaten abgegebenen Stimmen auch diesmal wieder eine sehr erhebliche Steigerung erfahren hat. Alles in allem dürfte die Sozialdemokratie wirklich 3 Millionen Wähler auf fich vereinigt haben, während 1898 2% Millionen Stimmzettel für Kandidaten dieser Partei abgegeben wurden. Gleichwohl hat^ die Sozialdemokratie bei den allgemeinen Wahlen gerade nur ihren Besitzstand, der fich in der verflossenen Session auf 58 Mandate belief, erhalten; dafür ist fie aller­dings weit über hundertmal an Stichwahlen beteiligt. Da haben e8 die bürgerlichen Par­teien nun in der Hand, durch Einmütigkeit und Geschlossenheit zu beweisen, daß die Sozial­demokraten ihre Erfolge vor allem den Fehlern ihrer Gegner zu danken haben. Der 25. Juni wird zeigen, ob die Deutschen ihren Erbfehler, den Hader und die Uneinigkeit, überwinden, sich einmütig um das nationale Banner scharen und die Bemühungen ihrer Gegner zu Schanden machen werden.

Don den bekannten Abgeordneten find gleich bei den allgemeinen Wahlen folgende wieder gewählt worden: Die konservativen Kandidaten Graf Limburg Stirum, Graf Carmen v. Sal- dern, Graf Kanitz-Podangen. Höchst sonderbar ist das Ergebnis in Frankfurt a. O., woselbst der konservative Kandidat von Waldow-Reitzen- stein mit dem antisemitischen Gegenkandidaten in die Stichwahl kommt. Ter Bund der Land­wirte hat bisher nur einen Sieger aufzuweisen, von seinen Führern find die bisherigen Abge­ordneten Dr. Rösicke, Dr. Hahn und Lucke unterlegen; Dr. Oertel ist in eine ziemlich aus­sichtsreiche Stichwahl gekommen. Fürst Herbert Bismarck, der als wildkonservativ bezeichnet zu werden pflegt, erhielt in seinem Wahlkreise Jerichow 8812 Stimmen, während der Kan­didat der freisinnigen Volkspartei 5673 und der Sozialdemokrat 7115 Stimmen auf fich ver­einigten. Fürst Herbert Bismarck kommt also mit dem Sozialdemokraten in Stichwahl. Hof­prediger a. D. Stöcker ist in Siegen glatt gewählt worden. Ahlwardt, um auch ihn nicht zu vergessen, ist in Neustrelitz gegen den konservativen Kandidaten von Barnim durchgesallen. Von den bekannten Reichspar­teilern find die Herrn v. Tiedemann, Dr. Arend und Stockmann wiedergewählt worden. Die Nationalliberalen haben in der Hauptsache keine einzige ihrer Größen den Sieg erreichen sehen. Diejenigen nationalliberalen Kandidaten, welche

ernstes Wort mit Dir $u reden. So wie bis­her dürfen die Dinge nicht fortgehen.'

»Fräulein Wilsons Anwesenheit im Hause bringt doch aber nicht die geringsten Unzuträg­lichkeiten, ich finde im Gegenteil, fie übt den günstigsten Einfluß auf uns alle aus,' entgegnete der Oberst.

»Mich bitte ich auszunehmen, mein Auge ist klar genug, mich blendet diese Abenteurerin nicht,' fiel Frau von Hildach scharf ein.

»Abenteurerin?' rief der Oberst auS; »da tust Du ihr entschieden Unrecht.'

Seine Frau lachte schneidend. »Schlimmer als daS; ich bin überzeugt, auf ihr lastet eine Schuld.'

»Cäcilie!' Der Oberst hob abwehrend und entsetzt die Hände.

»Eine Schuld!' wiederholte Frau von Hil­dach mit großem Nachdruck.Ich unterliege nicht ihrem Banne» ich beobachte unbeeinflußt und darum sehe ich, wie sie bei einer zufälligen Bemerkung zusammenschreckt, darum fällt es mir auf, wie ängstlich sie vermeidet, über ihre jüngste Vergangenheit zu reden. Zwischen ihrem Aufenthalt in Nizza und ihrer Ankunft bei uns liegt eine Lücke, und in dieser Zeit hat fie etwas begangen'

Liebste Frau'

Etwas begangen.' fuhr fie unbeirrt fort, vor dessen Folgen sie fich in unser Haus ge­flüchtet. Sie hat einen Makel auf ihren Namen gebracht, den fie mit dem unseren zu vertauschen strebt. Du merkst es natürlich richt, daß sie ihre Netze nach Deinem einzigen Sohne auS- wirft.'

in dem ersten Wahlgange siegten, find weniger hervorgetreten. Der Abgeordnete Paasche ist mit einem Centrumskandidaten, Hasse, Baffer- mann, Sattler und Prinz Carolath find mit Sozialdemokraten in die Stichwahl gekommen.

Von der stärksten Partei, dem Zentrum kehren die bewährten Größen ausnahmslos wieder in den Reichstag zurück. Von den im ersten Wahlgange Gewählten nennen wir die Abgeordneten Graf Ballestrem, Spahn, Bachem, Hompesch, Schädler, DaSbach, Heim, Opsergeld, Am Zehnhoff, Pichler, Hitze, Hertling, Herold, Fritzen, Letocha. Don den Antisemiten siegte Liebermann von Sonnenberg im ersten Wahl­gange, während Bruhn es nur biß zur Stich­wahl mit dem Sozialdemokraten brachte. Von den Wilden wurde Prinz Hohenlohe wieder- gewählt, von den Polen Fürst Radzivill, Jazi- zewski, Wolskgier u. a. Die Sozialdemokraten endlich sehen ihre Führer vollzählig im Reichs­tage wieder, ihnen haben, die Hauptwahlen, abgesehen vom Zentrum, die größten Erfolge gebracht. Die Entscheidung bringt aber erst der Stichwahltag, der 25. Juni.

Umschau.

Preßstimmen zur Reichstagswahl.

DieStaatsbürger Ztg.' stellt fest, daß die antisemitischen Kandidaten Köhler, Dr. Giese und Zimmermann nicht in die Stichwahl ge­langten und für die nächste Legislaturperiode Ausfallen. Ueber Ahlwardt sagt sie nichts. Tatsächlich ist Ahlwardt aber von dem gleichen Geschick wie die drei Vorgenannten ereilt worden. Die anderen antisemitischen Kandidaten gelangten in die Stichwahl. Liebermann von Sonnenberg wurde, wie schon erwähnt, im ersten Wahlgange gewählt. DasVerl. Taget»!.', das Organ der freisinnigen Vereinigung, ist weit davon entfernt das Anwachsen der Sozial­demokratie und den Umstand, daß fein einziger Angehöriger seiner Partei im ersten Anlauf siegte, zu beklagen; es stellt fich vielmehr auf den Standpunkt, daß es unter Kollegen ja schließlich ganz egal sei, wer dis Braut heimführ?. Es sei daher tonte meine chose, ob sozialdemokratische oder freisinnige Kandidaten gegen hohe Zölle stimmten, wenn diese nur be­kämpft würden. Wer fich frei von kleinlichem Fraktionsgeist fühle, werde die praktische Wahr­heit dieser Anschauvngswiise nicht in Abrede stellen können. Ganz merkwürdig ist die Wahlbetrachtung derVoss. Ztg.', die den Standpunkt des Richter'schen Freisinns vertritt. Das Blatt behandelt darin zwar nicht gerade den Turmbau von Babel und andere vorsint­flutliche Dinge, vermeidet aber jedes Wort der Kritik und beschränkt sich ganz ausschließlich auf das Lob der Caprivi'schen Handelspolitik. Sehr viel anders macht es die demokratische

Nach Ernst?' schrie der Oberst so laut, daß sie ihn mit leiser Stimme bat, er möge sich mäßigen. Etwas leiser fuhr er fort: »Da bist Tu entschieden im Irrtum, Cäcilie, mir ist es im Gegenteil schon ausgefallen, mit welcher Zurückhaltung und Kälte sie gerade Ernst be­handelt.'

Frau von Hildach lachte sehr bitter. »Das ist ja eben ihre raffinierte Koketterie, damit hat sie meinem sonst so klugen, verständigen Ernst den Kopf völlig verdreht.'

Ter Oberst schüttelte ungläubig den Kopf. »Verzeihe, Cäcilie, Deine Abneigung gegen Annie und Deine Besorgnis, Dein Lreblings- plan könnte scheitern, lassen Dich da Dinge sehen, welche nicht vorhanden find. Eher könnte ich glauben, es hätte fich etwas zwischen ihr und Röber angesponnen; ist er da, so stecken die beiden immer die Köpfe zusammen.'

Die Frau Oberst hob wie in Verzweiflung die mageren, weißen Hände in die Höhe:Spiel, nichtswürdiges Spiel!' stieß fie beinahe zischend hervor.Ihr Verkehr mit Röber ist die spanische Wand, hinter welcher fie seine Be­werbungen um Elisabeth verbergen will, hat fie die beiden glücklich zusammengebracht, so glaubt fie ein großes Hindernis beseitigt, das ihrem Anschläge auf Emst im Wege steht.'

Der Oberst schüttelte wiederum den Kopf. »Unmöglich!' brummte er.

Du glaubst mir nicht!' rief seine Frau, die Hände ringend,das ist ja von jeher das Unglück in unserer Ehe gewesen, immer, immer habe ich das Schicksal der Kasiandra aebabt."

Dolksztg.', welche mit trockenen Worten der Taktik des Abg. Richter die Schuld an dem Rückgang der freisinnigen Wähler beimißt und ihren Artikel mit den Worten schließt: Noch ein Jahrfünft, und die freisinnige Volkspartei unter der bisherigenbewährten" Führung ist zum Gespött der Welt geworden. Ueber daS Wahlresultat selbst ist noch zu melden, daß etwa 180 Stichwahlen erforderlich seiy werden. AuS etwa 60 Wahlkreisen lagen noch nicht sämtliche Teilresultate vor, als diese Zeilen geschrieben wurden, andere Depeschen enthielten offenbare Ungenauigkeiten. Mit Sicherheit ließ sich da» Resultat erst in 330 Wahlkreisen ermitteln. Dieses auch von derNordd. Allg. Ztg.' an hervorragender Stelle mitgeteilte Ergebnis lautet: Konservative definitiv gewählt 21, an Stichwahl beteiligt 44, bisherige Parteistärle 52. Reichspartei 4, 7, 20; Antisemiten 0, 6, 12. Nach derStaatsb. Ztg.' trifft dies Ergebnis nicht zu. Zentrum 60, 28, 106; National- liberale 6, 65, 53; Freisinnige Volkspartei 0, 26, 28; Freisinnige Vereinigung 0, 10, 15; Deutsche Volkspartei 0, 8, 7; Sozialdemokraten 57, 117, 58; Bund der Landwirte 1, 5, 6; Bayrischer Bauernbund 0, 3, 5; Polen5, 5, 14; Welfen 1, 6, 3; Wilde 10, 8, 18.

Wahlresultate aus Hessen- Nassau und Umgebung.

Treysa, 17. Juni. Bei der gestern statt- gesundenen Reichstagswahl des Wahlkreises Fritzlar-Homberg-Ziegenhain wurde der seitherige ReichstagSabgeordnete Max Liebermann von Sonnenberg wiedergewablt.

Das Ergebnis ist ungefähr folgendes: Lieber­mann (Relpt.) 6660 Stimmen Wagner (Kons.) 2141 Stimmen. Jordan (Soz.) 631 Stimmen und Müller (Fulda) (Zentr.) 336 Stimmen.

Kassel, 17. Jnui. Im Wahlkreise Kassel- Melsungen stellt sich das Gesamtergebnis folgendermaßen: Es erhielten: Thiele (Sozd.) 14531, ßattman (dtfch.-soz.) 7 771, Beinhauer (oer. P.) 7 639, Müller (Cent.) 783, Naumann (natsoz.) 161 Stimmen.

HerSfeld, 17. Juni. Der gestrige Tag der Reichstagswahl hat, wie in sehr vielen Wahlkreisen, auch für den Wahlkreis Hersfeld- Rotenburg-Hünfeld kein endgültiges Resultat gebracht; wie vorauszusehen war, findet eine Stichwahl statt und zwar zwischen dem feit« berigen Abgeordneten Herrn Redakteur L. Werner zu Kassel und Herrn Zentrums-Kandidaten Richard Müller-Fulda. Das Gesamt-Ergebnis stellt fich wie folgt: v. Stockhausen (Kons.) 2 955, Werner (Ant.) 5578, Müller (Zent.) 3176, Bock (Soz.) 1302 Stimmen.

Gießen, 17. Juni. Bei der gestrigen Reichs­tagswahl erhielten KommerzienratHeyligenstaedt- Gießen (nat.-lib.) 5 355, Bürgermeister Köhler- Langsdorf (Ant.) 5 087 und Kaufmann Krumm-

Jetzt litt es den Obersten nicht länger aus seinem'Stuhl, er sprang auf; wenn seine Frau tragisch ward, so war die Sache sehr ernst. »Sage doch das nicht, liebe Cäcilie, Du weißt, wie bereitwillig ich auf Deinen klugen Rat höre!" bat er, ihre Hand ergreifend.

Sie entriß sie ihm und fuhr in gereiztem. Tone fort: »Das tust Du nicht. Wie oft habe ich Dich gebeten, nicht mehr zu spielen; hast Du je darauf gehött?'

Er schlug beschämt die Augen nieder. »Ich bin nie über gewisse Grenzen hinauSgegangen,' verteidigte er fich kleinlaut.

Sie zuckte unmutig mit den Achseln.Da­von später,' sagte sie, »bleiben wir jetzt bei dem Nächstliegenden. Du hast mir, der ge­borenen Gräfin Geltow» angesonnen, die Er­ziehung der Tochter Deines Bruders zu über­nehmen. obwohl die Abstammung des Mädchens von mütterlicher Seite und die Kreise, in denen man fie bisher hat aufwachsen lassen, diese Aufgabe für mich zu einer sehr schwierigen gemacht haben.'

Der Oberst warf fich wieder in den Stuhl; diese Litanei kannte er.

Ich habe mich der Aufgabe unterzogen,' fuhr Frau von Hildach mit der Miene einer Märtyrerin fort, »ich habe das verwilderte Kind an mein Herz und unter meine Obhut genommen, welche Unterstützung hast Du mit dabei angedeihen lassen?'

(Fortsetzung folgt.