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hatten. Aber ein verabscheuungswürdiger Mord bleibt es trotzdem und nichts kann ihn rechtfertigen. Ob die Mordbnben freilich der irdischen Gerechtigkeit überliefert werden, scheint nach Lage der Sache mehr als fraglich. In dem Gedächtnis der Menschen aber sind sie gebrandmarkt und gerichtet für alle Zeiten.

Das amerikanischeGeschwader inKiel.

Wie dem ,8. T." gemeldet wird, ist die Ankunft des amerikanischen Geschwaders in Kiel offiziell auf den 25. Juni, den ersten Tag der Kieler Woche festgesetzt worden. Also end­lich eine bündige Entscheidung, vorausgesetzt, daß die Kieler Meldung zutrifft und nicht un­erwartete Hinderniffe, deren Eintritt bei amerikanischen Kriegsschiffen ja nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit liegt, einen Strich durch die Rechnung machen. Offiziell werden dem Besuche ja alle möglichen Ehrungen er­wiesen werden, das deutsche Volk aber steht kühl abseits und man kann ihm seine Ver­stimmung nicht übel nehmen angesichts der vielen Winkelzüge und Jntriguen die amerika- nischerseitS im Zusammenhang mit dieser Ge­schwader-Entsendung beliebt worden find.

Deutsches Reich

Berlin, 11. Juni.

Der Kaiser, der am Dienstag auf dem Tempel­hofer Felde bei Berlin die Gardekürassiere und die 2. Gardeulanen exerzierte und später das Armee- Jagdrennen in Hoppegartrn besuchte, wobei Leutnant v. Bachmayr den Kaiserpreis gewann, befichtigte am Mittwoch früh die Gardes du Corps und das Leib- Sarde-Husarenregiment auf dem Bornstedter Felde unweit Potsdam. Nach der Befichtigung, der die Kaiserin, sowie englische und österreichische Offiziere beiwohnten, fand ein Gefechtsexerzieren statt, zu dem noch das Lehrinfanteriebataillon, die Angehörigen der Unteroffizierschule, die Maschinrngewehrabteilung und zwei Batterien Artillerie herangezogen worden waren. Dienstag abend hatte der Monarch eine Besprechung mit dem Reichskanzler: auherdem hörte er den Vor­trag des Landwirtschaftsministers v. Podbielski und drnienigen des Laudstallmeisters Grabensee-Celle, der von einer Reise zum Studium der französische« Pferdezucht zurückgekehrt ist

Prinz Andreas von Griechenland ist in das Hessische Dragoner-Regiment Nr. 23 eingetreten.

Dem preußischen Kultusminister Dr. Studt wurde vom Kaiser von Oesterreich das Großkreuz des Leopoldordens verliehen.

Der preußische Finanzminister v. Rheinbaben wird sich am 22. d. M. zur Heimfahrt in New-York einschiffen. Inwieweit die Eindrücke seiner Amerika- fahrt unsere deutschen Verhältniffe beeinflusien werden, muß die Zukunft lehren. Daß der deutsche Organis» mus nicht allzuviel amerikanisches Blut vertragen kann, ist eine bekannte Tatsache.

Die Uebungsfahrt unseres Panzergeschwaders unter dem Befehl des Prinzen Heinrich von Preußen mdete mit einer größeren kriegsmäßige« Hebung. Es wurde ein Angriff aus die Kieler Hafensorts unter­nommen, deren Verteidigung daS Seebataiuon unter­stützte. Die Linienschiffe, die von Kreuzern und Tor­pedobooten unterstützt wurden, brachten nach lebhafter Kanonade die Forts zum Schweigen und erzwangen sich bie Einfahrt in den Hafen.

Der Magistrat in Posen will den Wahlsieg der Polen in der Ortskrankenkafle kassieren. In der am 5. Juni abgehaltenen Generalversammlung der Ortskrankenkaffe Nr. 8 in Pofen waren an Stelle der am 1. Oktober ansfcheidenden deutschen Aerzte polnische Aerzte gewählt worden. Jetzt hat der Magistrat dem Vorstande ein Schreiben zugeschickt, in dem es heißt: »Dem Vorstande wird vorläufig verboten, die Beschlüfle der Generalversammlung vom 6. Juni betreffs Aenderung der Verträge mit den Aerzte«, Apothekern, Bandagisten und Kündigung gewisser bestehender Kontrakte in Ausführung zu bringen da wir die Abficht haben, die Beschlüsse der Generalversammlung aufzuheben.'

Das Ouarantäneamt Bremverhaven hat wegen des Auftretens der Pest die gesundheitspolizeiliche Kontrolle der von der Westküste Südamerikas kommen­den Schiffe angeordnet. Wie die Veröffentlichungen des Reichsgesundheitsamts mitteilen, sanden fich un­längst bei dem Entladen des aus Rosair in Argen­tinien in den Hamburger Hafen eingelaufenen Dampfers .Westfalia' zwischen Kleiesäcken tote Ratten m gröberer Zahl. Es wurde festgestellt, daß fie an Pest verendet waren. Von der Mannschaft des Schiffes, den mit der Entladung beschäftigten Leuten und den Kaiarbeitern ist niemand an Pest erkrantt. Der Vor­fall beweist die Notwendigkeit einer fortgesetzten sorg- Iältiaen Ueberwachung der Schiffe in den Häfen durch üe Gesundheitsbehörden. Die Tatsache, daß mtt den Waren ein pestdurchfeuchter Rattenkadaver an Land

Für Geflügelfteunde.

Alle Freunde und Mitglieder unseres Geflügelzuchtvereins werden die Nachricht mit Freuden begrüßen, daß am 2. Juni d. I. in Bebra der Verband der Geffügelzuchtvereine im Reg.-Bez. Kassel definitiv gegründet wurde. Der Zusammenschluß der Vereine wird unserer heimischen Geflügelzucht zum großen Segen gereichen! Vieles ist bereits auf dem Gebiet der Geflügelzucht durch das unermüdliche Streben der Vereine, überall und ganz besonders bei den Landbewohnern das Interesse für die Geflügelzucht zu wecken und zu fördern, geschehen. Ein Blick auf die Höfe der Land­leute genügt, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß daS auSgeartete Landhuhn, daS erst gegen Frühjahr hin mit dem Legen begann, im Sommer längere Zeit in trägem Nichtstun brütelustig auf dem Neste hockte, frühzeitig das Legen einstellte und somit seinen eigentlichen Lebenszweck ganz und gar vernachlässigte, durch eine leistungsfähigere Generation verdrängt ist, ja, nicht selten begegnet man auf dem Lande reingezüchteten Hühnerstämmen, und liefern dieselben den Beweis, daß ihre Besitzer das alte Vorurteil, Rassehühner seien keine Nuh- hühner, vollständig abgestreift haben, und sie fahren wohl dabei. Wie es ohne Theorie keine Praxis giebt, so ist ohne Raffezucht keine Nuhgeflügelzucht möglich und die letztere ver­dankt ihren Aufschwung einzig und allein der ersteren. Allerdings werden auch Raffen ge­züchtet, von denen gewiß niemand wird behaupten

gelangen konnte, ist für die Möglichkeit der Pest- Verschleppung von größter Bedeutung.

Die deutsche Rosenausstellung zu Sanger­hausen, welche am 26. Juni daselbst im Rosarium des Vereins deutscher Rosenfreunde für diesen Sommer eröffnet wird, ist von zahlreichen Rofisten Deutsch­lands beschickt worden, so daß der Rosenflor von vielleicht 1215000 Edelrosen in Deutschland kaum erlebt fein wird.

Der Arbeitsmarkt zeigte im Laufe deS Mai eine so zweifellose Besserung wie schon seit langem nicht. Nicht nur die Seestädte, sondern auch die Binnenstädte bekennen sich setzt mit Entschiedenheit zu der Anschauung von einer ganz bedeutenden Besserung. Es ist auch festgestellt, daß die Besserung in den einzelnen Zweigen be§ Arbeitsmarkts mit einer allge­meinen Besserung der wirtschaftlichen Lage zusammen­hängt.

Wie der .Berl. Tgl. Runbschau' aus Prag gemeldet wird, soll als besondere Kundgebung gegen die katholische Kirche am Tage der Grundsteinlegung für das Huß-Denkmal auch dir Seligsprechung Johann Huß' erfolgen. (?)

Die europäische Fahrplankonserenz trat am Mittwoch in Zürich zusammen. Es liegen 265, zu­meist österreichische Anträge vor, darunter welche auf Schaffung befferer Verbindungen mit Dresden, Leipzig Berlin, Hamburg.

Wie ein Telegramm der ,Frkf. Zeitung' aus München meldet, liegt in Berchtesaaden der Buren­führer Schiel hoffnungslos krank darnieder.

Die .Germania' veröffentlicht folgende Warnung: Das Bischöfliche Eeneralvieariat in Fulda sieht sich veranlaßt, öffentlich bekannt zu geben, daß der Trierische Priester Kaspar Jakobs, vormaliger Kuratus von Müs, Pfarrei Großenlüder, Kreis Fulda, seit dem 26. Februar d. I. aus der Diözese Fulda wieder entlaffen und demnach von diesem Tage an nicht mehr legitimiert ist, für den Kirchenbau in Müs zu sammeln oder Beiträge in Empfang zu nehmen.

Bezüglich des Berliner Pestfalls ist mitzuteilen, daß jetzt jede Besorgnis, es könnte irgend eine der mit dem verstorbenen Dr. Sachs in Berührung ge­kommenen Personen infiziert worden sein, als ge- schwanden betrachtet werden könne. Sämtliche Isolierte befinden fich wohl und werden hoffentlich noch in dieser Woche aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis entlaffen werden können. Denken werden die Be­troffenen an ihr Pech ja Zeit Lebens.

Zum Pestfall in Berlin wird noch berichtet: Das Befinden des Wärters Margaraf, .sowie der übrigen in den Isolierbaracken der Charite zur Be­obachtung untergebrachten Personen, ist durchaus günstig. Die mtt den Isolierten eingeschloffenen Aerzte hoffen, daß alle Beobachteten von der Krank- Heft verschont bleiben. Kultusminister Dr. Studt hat angeordnet, daß der Rattenplage eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet wird, und macht aus die Gefahr einer Pestverschleppung durch Ratten be- fonbers aufmerksam. Da man wirksame Mittel zur Bekämpfung ber Rattenplage gefunden hat, so ist diesen unnützen Nagern, die eine Gefahr für eine Pestverschleppung bilden, jetzt leichter beizukommen.

Ausland.

I lalle«. In der italienischen Kammer gab es einen irredentistischen Skandal, der ein­gestandenermaßen zu dem Zwecke in Szene ge­setzt worden war, der Regierung Verlegenheiten zu bereiten. Die Demonstration scheiterte kläglich. Auch den Vorwurf einiger Abgeord­neten, daß den irredentistischen Kundgebungen gegen Oesterreich seitens der Regierung eine übertriebene Bedeutung beigelegt werde, ver­mochte daS Kabinet, in dessen Namen der Unter­staatssekretär deS Innern Ronchetti sprach, wirksam zurückzuweisen. Der Regierungsver­treter wies dabei ausdrücklich darauf hin, daß die Rücksicht auf eine verbündete und befreun­dete Macht energische Maßnahmen gegen der­artige Kundgebungen erheische.

Belgie«. Die Deputierten Vandervelde und Lorand kündigen an, daß fie den Minister deL Aeußern über die Vorstellungen, welche von den Signatärmächten der Berliner Kongo­akte dem Aongostaate gemacht seien, und deren Folgen für die Neutralität Belgiens inter­pellieren werden.

Frankreich. Ein in bretonischer Sprache erscheinendes Nationalisten-Blatt erllärt, der Ministerpräfident Combes beabfichtige die Bretagne an Preußen zu verkaufen. Combes wolle also Frankreich zerstören, denn waS sei dieses noch ohne die Bretagne, daS ihm seine Seeleute liefere. Daß eS in Frankreich so kindische Leute gibt, die da meinen, mit einer so blöden Verdächtigung daS Ministerium stürzen zu können, läßt doch tief blicken. Bezüglich der Züchtigung der marokkanischen

wollen, daß fie zum Nutzgefiügel gehören, fie find nur Luxusgeflügel, wie z. B. Cochins, Brahmas, Phönixhühner, Kämpferech, und find eben die Geflügelzuchtvereine dazu da, um be­lehrend zu wirken und den Unerfahrenen vor Fehlgriffen zu bewahren; aber eine stattliche Anzahl Hühnerraffen gehören zu den leistungs­fähigsten, die man sich nur wünschen kann, und zählen wir unter denselben nur einige, wie Italiener, Minorka, Hamburger Lack- und Sprenkelhühner und daS Wyandottehuhn auf. Ganz besonders erfreut fich das Wyandottehuhn neuerdings wegen seiner vielen guten Eigen­schaften großer Beliebtheit bei den Geflügel­züchtern. Es ist ein mittelschweres Huhn von compakten, sehr ansprechenden Körperformen, prächtiger Zeichnung, ruhigem Temperament, dabei besitzt eS die Fähigkeit, seine Eier, deren Zahl jährlich 160180 und mehr beträgt, schnell hintereinander abzulegen, um dann für einige Wochen dem Brütegeschäft obzuliegen; aber schon nach 23 wöchiger Führung der Kücken beginnt die Whandotteglucke in vielen Fällen wieder zu legen. Ganz besonders zeichnet fich dieses Huhn als Winterleger aus und ist darum doppelt wertvoll. Gegen Witterungseinflüffe ist es unempfindlich und neigt fast garnicht zu Krankheiten.

Wenn eS auf irgend einem Gebiete der Tierzucht möglich ist, das Nützliche mit dem Schönen zu vereinen, so ist es gerade auf dem der Geflügelzucht! Hierzu von vielen ein Bei­spiel. Bekanntlich ist daS Minorkahuhn wegen seines stattlichen Körperbaues, seiner tief-

Oase Figig legt fich Frankreich aus Rückfichten diplomatischer Natur die größte Selbstbe- schränkung auf. Die Regierung hat auf eine Vernichtung der ganzen Oase endgültig ver­zichtet. Die Eingeborenen müssen jedoch die Kosten der Beschießung bezahlen, die des Mordes und der Plünderung Schuldigen ausliefern und Waffen und Munition übergeben. Wenn die fanatische Gesellschaft diese Forderung ablehnt, wird den Franzosen allerdings doch nichts anders übrig bleiben, als die Schießerei sort- zusetzen.

Bei der gestrigen Beerdigung der mit demLiban" Verunglückten in Marseille sprach einer der Anwesenden in heftigen Worten gegen die Reederei. Als der Reeder Fraisfinet einige Worte sprach, ries jemand: Es ist das erstemal, daß man Mörder auf die Särge ihrer Opfer Tränen vergießen sieht. Der Bürgermeister er­hob Einspruch gegen diese Aeußerung und zog sich mit den anwesenden Vertretern der Be- hördern zurück.

England. Herr Chamberlain läßt mit­teilen, daß die gegen ihn gerichtete Erklärung des Schatzsekretärs Ritschic im Ministerrat formuliert worden sei und also auch seine, des Kolonialministers, Zustimmung erhalten habe. Literae non erubescunt, Buchstaben erröten nicht, sagten schon die alten Römer. Es darf soviel als feststehend angesehen werden, daß die Vorschläge Chamberlains vorläufig eine aftuelle Bedeutung nicht gewinnen werden. Er begnügt fich vorläufig damit, seine Ideen der Oeffentlich- keit zur Erwägung und Erörterung unterbreitet zu haben und vertraut im Uebrigen der alles heilenden Zeit.

In der Fortsetzung der Debatte über den Abänderungsantrag Chaplin bekämpft Bolin (lib.) denselben und betont, der Ausfuhr­handel Englands sei gleich dem Ausfuhrhandel Frankreichs, Deutschlands und der Vereinigten Staaten zusammen genommen. Er bestreitet, daß die Schutzzollländer England auf dem Welt­markt verdrängten. Nachdem Lee (kons.) die Erklärungen Chamberlain's gebilligt hat, erklärt Asquith (lib), das Haus werde mit den un­klaren, fich wiedersprechenden Erklärungen einzelner Minister nicht zuftieden sein wollen. Das HauS habe ein Recht darauf, ein Gesamt­urteil des Kabinetts zu erhalten. Sind die Ansichten Ritchies die Ansichten der Regierung? Die Rede Ritchies war eine überzeugende Widerlegung der Trugschlüsse Chamberlains. Asquith fährt fort: Ich freue mich, Chamber­lain noch auf der Regierungsbank fitzen zft sehen: Wir sehen zweiMinister auf derselben Bank, welche unversöhnlich geteilte Ansichten haben über Fragen, welche näher als irgend eine andere Frage die Einheit des Reiche» und seine fiskalische und finanzielle Wohlfahrt be­rühren. Das steht ohne Vorgang und Beispiel da und bedeutet ein gänzliches Ausgeben der Aeberlieferungen und Regeln des öffentlichen Lebens. Dagegen, daß in einer so wichtigen Sache zwei verantwortlichen Ministern gestattet werden soll, nicht nur entgegengesetzte Ansichten auszusprechen, sondern fie auch als Propagan­disten zweier mit einander unverträglichen politischen Anschauungen zu gebahren erhebe ich Einspruch. Hierauf erklätte Jrey (liberal), die durch die Regierung geschaffene Lage sei un- hallbar. Nachdem die Regierung die Frage der Vorzugszölle aufgeworfen habe, könne sie die Entscheidung darüber nicht in der Schwebe kaffen.

Bereinigte Staate« tum Nordamerika. In JndiapoliS (Indiana) wurde ein Neger, der eine weiße Frau auf der Straße belästigte, von einer Anzahl Weißer nach längerer Ver­folgung dingfest gemacht und auf der Straße erschaffen. Der Weiße, der den tötlichen Schuß abgab, wurde nicht verhaftet.

Schweden. In Stockholmer gut unter­richteten Kreisen wird für Juli eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Oskar von Schweden ermattet.

Algerie«. Die Vettreter der Dfchemma und der sieben Dörfer von Figig find gestern

schwarzen, glänzenden Befiederung und seiner wertvollen Eigenschaft, große und zahlreiche Eier zu legen, weithin verbreitet. Im Sommer 1902 bezog nun Herr Rentier Kantz in Buckow Bez. Frankfurt (Oder) von einem dortigen Minorkazüchter Bruteier, welche am 27. Juli und am 22. August auSschlüpften. AuS diesen beiden Bruten erzielte der genannte Herr acht Hennen, von welchen eine Henne aus der ersten Brut im Januar d. I. mit dem Legen begann und in diesem Monat 10 Eier legte; im Februar legte fie 24 Eier, im März 27 Eier, im April 28 Eier und vom 1. bis 16. Mai 16 Eier. Im ganzen also 105 Eier. Die 8 Hennen legten von Januar bis zum 16. Mai 536 Eier. Bemerkenswert ist es noch, daß diese Hühner auf einem kleinen, zeitweise nur 8 qm großen Raum gehalten wurden. Und daS ist nicht etwa ein vereinzelter Fall von besonderer Produktivität eines RaffehuhneS, nein, unsere Züchter streben eben dem Ziele zu, Raffezucht mit Nutzgeflügelzucht zu vereinen, und daß solches erreichbar ist, dafür obiges Beispiel. Wir hatten in letzterer Zeit auch Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit eines nicht nach Rassekennzeichen gezüchteten Hühnerstammes, deren Besitzer eS nicht am Futterkaufen" fehlen lassen, kennen zu lernen. Dieser Hühnerstamm, der aus 1 Hahn und 22 Hennen besteht, entbehrt, wie bereits gesagt, jeglichen Rassemerkmals vollkommen, ja selbst Herrn Hennings Figur und Arbeitsjacke stehen wohl einzig in der Hühnerwelt da; wer sich der Mühe unterziehen will, einmal im »Max

in Beni-Unif angekommen, nm ihre Unter­werfung anzuzeigen. General O'Connor er­klärte ihnen, die Zenaga vorgestern erteilte Züchtigung sei nur der Anfang des Vorgehens, das man, wenn nötig, fottsetzen werde. Frank­reich wünsche weder die Erniedttgung, noch den Ruin Figigs, sondern im Gegenteil, seine Wohlfahrt. Die im Bau begriffene Eisen­bahn werde ihnen, wenn Sicherheit herrsche, Wohlfahrt bringen. Er werde ihnen die FttedenSbedingungen mitteilen, die er zunächst als Genugtuung, sodann aber besonders als Garantie für die Zukunft fordern müsse. Eine Verhandlung über seine Bedingungen könne er nicht zulaffen.

Türkei. Der außerordentliche bulgarische Geschäftsträger bei der Pforte, Natschewitsch ersuchte seine Regierung um Zustimmung zur Rückkehr, welche in einigen Tagen stattfinden dürfte. Er wurde von der Pfotte benachrichtigt, daß der Sultan ihn am nächsten Freitag zu empfangen gedenke. Demnach scheint die Pforte bereit zu sein, fich mit Bulgarien auszusöhnen. DaS bedeutet für diesmal das Ende bei Balkanwirren.

Marburg und Umgegend

Marburg, 11. Juni.

8 Universität. Der Hilfsbibliothekar an der hiesigen Bibliothek, Herr Dr. Losch, wurde zum Bibliothekar an der Univ.-Bibliothek zu Halle ernannt.

* Zur Reichstsgswahl. Vom Reichspostamt- ist verfügt worden, daß am 16. Juni und am Tage der Stichwahl sämtliche Telegraphen- und Telephonstationen im Deutschen Reiche bis 10 Uhr abends von jedermann zum Nachttchten- dienst benutzt werden können.

§ UebnngSritt. Eine Anzahl Husaren-, Dragoner- und Attillerie-Offiziere trafen heute früh, auf einem Uebungsritt begriffen, auS der Richtung von Kaffel über Frankenberg kommend hier ein und nahmen im Hotel Pfeiffer Aufent­halt. Heute mittag reisen die Herren wieder nach Kassel und Hofgeismar zurück.

* Für Lehrer. Eine für die Lehrerschaft und die Landgemeinden bedeutsame Frage hatte kürzlich der Bezirksausschuß Liegnitz in Schlesien als Berufungsinstanz zu entscheiden. Er er­kannte nach denBerk. N. N.", daß Volks­schullehrer das Amt von Gemeindeschöffen be­kleiden können, waS bisher allgemein als unzu­lässig angesehen wurde.

* Naturalien-Ankauf. Das Königl. Proviant- Amt in Hanau kauft bereits gut gewonnenes, trockenes Pferdeheu neuer Ernte gegen Bar­zahlung. Bei gutem Wetter kann jeden Tag geliefert werden. Bei Bahnsendungen ist bie Abresse für ben Frachtbrief: Hanau Nord. Die Abfuhr von ber Bahn wird für Rechnung' beS Verkäufers übernommen und kostet der Zentner 15 Pfg. Weitere Anfragen find an daS Proviant-Amt in Hanau zu richten. Ge­schäftsleute wollen ihre Adresse bei dem ge­nannten Amte nieberlegen, damit letzteres direkte Aufforderungen übersenden kann.

§ Schweres Unwetter Nach einem äußerst schwülen Tag zogen fich gestern abend kurz vor 8 Uhr hauptsächlich im Westen unserer Stadt drohende schwarze Wolken zusammen. ES dauette auch nicht lange, bis sich mehrere schwere Gewitter, wie man fie selten hier gewohnt ist, vereinigten und fich hier festsetzten. Es folgte Schlag auf Schlag und Blitz aus Blitz, in den Wolkenbruch attigen Regen mischten fich auch noch kurze Hagelschauer, die aber glücklicherweise nicht verheerend wirkten. Leider richteten die Waffermsffen, die sich durch unsere bergigen Straßen ergossen, hier und da Schaden an. Am Hirschberg hob sich da? Pflaster und das Wasser drang, jedenfalls infolge eine» Kanaldefekts, aus der Erde. Viele Keller waren in kurzer Zeit mit Wasser gefüllt und überall sah man Leute beschäftigt, für Abfluß zu sorgen. Im nahen OckerShausen wurde der

und Moritz" nachzusehen, kann daselbst besagts«D Gockels lebenswahres Konterfei finden. Nach Ansicht vieler Leute, die teils zu bequem find, das Neue und Gute zu prüfen, teils sich darin gefallen, auf ihrer vorgefaßten Meinung zu beharren, sollen die nicht nach Rassemerkmalen gezüchteten Hühner die besten Legehühner sein, und müßte demnach vorbeschriebener Hühner­stamm im Legen großartiges leisten. Wie wir nun von dem Besitzer selbst erfuhren, legten diese Hühner von Januar bi» inel. Mai d. I. 650 Eier. Sapienti sat!

Es ist selbstverständlich, daß eine rationelle Pflege der Hühner ein wichtiger Faktor zur Erzielung eines großen Eierertrages bildet, denn das Sprüchlein: »Wie du mir inS Kripp- chen, so ich dir inS Dippchen", gilt nicht für bie Milchkuh allein! Wie bereits eingangs er­wähnt, find bie Geflügelzuchtvereine dazu da, um anregend und belehrend zu wirken. Viele» ist bereits erreicht, aber noch vieles auf dem Gebiet der Geflügelzucht ist befferungSbebürftig unb -fähig, unb sollten darum alle, die Zest und Gelegenheit haben, Geflügelzucht zu treiben, fich unserem Vereine anschließen, um mitzu- arbeiten an der Hebung der heimischen Geflügel­zucht im besonderen und somit des Dolkswohl- stanbes im allgemeinen.

Wir würben uns ganz besonders freuen, tn unseren Vereinsversammlungen, die angesichts der bevorstehenden gegen Ende Oktober b. I. im Schützenpfuhl stattfinbenben 1. VerbanbsauS- stellung des Anregenben reichlich bieten, recht viel» Freunbe unserer Bestrebungen begrüßen zu könne«.