Lätigkeit als GenossenfchastSbeamter, die Landwirtschaft auf meiner eigenen väterlichen Besitzung betreibe.
H. Heft ermann.
So sieht der sachliche Kamps der „Landes- zeitung" bei Lichte betrachtet aus!
Deutsches Reich
Berlin, 10. Juni.
— Der Kaiser, der Montag Vormittag mit seiner Gemahlin wieder in Potsdam eintraf und Abends den Reichskanzler zu Gast geladen hatte, traf am Dienstag in aller Frühe auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin ein, stieg zu Pferde und besichtigte das Garde-Kürassier- und daS 2. Garde - Ulanenregiment. Hieran schloß sich eine Gefechtsübung, an der auch Jnfantererie und Artillerie teilnahmen. Nach einem Parademarsch der Truppen führte der Kaiser die Kürassiere in die Kaserne zurück, wo er mit den Offizieren speiste. Der Befichtigung hatten u. a. auch englische und österreichische Offiziere beigewohnt. Nachmittags besuchte der Kaiser daS Rennen im Hoppegarten, den Abend verlebte er im Kreise der Offiziere des 2. Manenregiments.
— Der Kaiser genehmigte eine neue evangelische Kirchenordnung für die Marine. Sie sieht das Amt eines Marinepropftes vor, der alS Vorgesetzter aller Marinegeistlichen anzusehen und nur dem Staats- felretär des Reichsmarineamts unterstellt ist.
— Die Würde eines Schützenkönigs wird Kronprinz Wilhelm nur noch in ganz besonderen Fällen aunehmen. Diese Antwort erhielt die Schützengilde in Neustadt lOberschlefien), die den Prinzen um An- »ahme der Würde gebeten hatte. Der Bescheid lautete ablehnend.
— Das deutsche Uebungsgeschwader unter dem Befehl des Prinzen Heinrich von Preußen kehrt nach einer Abwesenheit von fünf Wochen am heutigen Mittwoch nach Kiel zurück. Abgesehen von dem Auslaufen des Kreuzers .Amazone' vor Brest ist die kriegsmäßige Nebungsfahrt ohne Unfall von statten gegangen. Während des Aufenthalts des Geschwaders m Skagen lDänemark) hielt Prinz Heinrich Gottesdienst am Grabe der Besatzung deS im Sommer 1898 dort gestrandeten deutschen Torpedoboots.
— Die Genesung des Eisenbahnministers Budde »acht stetige Fortschritte. Der Minister hat nach einer Mitteilung aus Berlin dieser Tage die erste Ausfahrt im offenen Wage» unternehmen können, die ihm gut bekommen ist.
— Das Befinden des Seniors der nationalliberalen Partei Dr. Hammacher hat fich, wie ferner aus Berlin berichtet wird, wesentlich gebeffert. Bei seinem hohen Mter von 79 Jahren hatte der schwere Grippeanfall ernste Sorgen hervorgerufen, doch ist die Hauptgefahr jetzt überwunden.
— Nach der neuesten amtlichen Ueberficht über die Lebensmittelpreise in Preußen find Weizen und Roggen durchschnittlich teurer geworden, auch die Kartoffelpreise haben angezogen. Dagegen hält der Rückgang der Preise für Schweinefleisch, Speck und Schmalz an.
— Im Gnesener Geheimbundprozeß gegen pol» msche Gymnasiasten beantragte der Staatsanwall gegen die Leiden Vorsteher der geheimen Verbindung I und 2 Monate, gegen die übrigen Angeklagten 1 bis 10 Tage Gefängnis. Im Lause der Verhandlung waren Gymnasiasten vernommen worden, die bekundeten, infolge einer Warnung des Pfarrers respettive Propstes aus der Verbindung ausgeschieden zu sein. Alsdann wurden Erkenntniffe aus anderen Geheim» bundprozeffen verlesen, in denen festgestellt worden ist, daß auch polnische Gymnafiastenverbindunge« einen bewaffneten Aufstand zur gewaltsamen Los- reißung der ehemals polnischen Landesteile von Preußen und die Wiederaufrichtung eines selbstständigen polnischen Königreiches bezweckten.
— Wie die .Dresdener Nachr." von aut unterrichteter Seite erfahren haben wollen, wird der demnächst zusammentretenden Konferenz bundesstaatlicher Finanzminister ein vom Reichsschatzamt bereits fertig ausgearbeiteter Entwurf eines Reichsfinanzrechts zur Begutachtung vorgelegt werde«. — Anscheinend handelt «S sich um eine Wahlente.
— Der bekannte Parlamentarier und Etaats- rechtslehrer Geh. Justizrat Proseffor Dr. Hamel, Sekretär der Juristenfakultät in Kiel feiert am heutigen Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Hamel gehörte der freisinnigen Vereinigung an. In den letzten Jahren beteiligte er fich au den parlamentarischen Verhandlungen jedoch garnicht mehr und für die kommenden Legislaturperiode hat er auch kein Mandat mehr angenommen.
— Der Hirtenbrief deS Breslauer Fürstbischofs Kopp gegen die polnische Preffe, der am vergangenen Sonntag in allen katholischen Kirchen Oberschlefiens statt der Predigt von der Kanzel verlesen wurde, hat in mehreren Orten große Erregung hervorgerufen. Selbst bei der Verlesung in den Kirchen wurden an Orten laute Flüche ausgestoßen.
— Aus den Mitteln, die im Extraordinarium des Etats der Eisenbahnverwaltung für die Vermehrung und Verbesserung der Vorkehrungen zur Verhütung von Schneeverwehungen und Waldbränoen vorgesehen find, find als Mittel für Feuerschutzanlagen über» wiesen worden an di« Eifenbahndirettionen Altona 28000 Mk., Berlin und Magdeburg je 7000 Mk., Breslau 14000 Mk , Bromberg 21000 Mk., Kassel und Elberfeld je 11000 Mk., Köln 19000 Mk., Danzig 25000 Mk., Erfurt 4000 Mk., Esten a. Ruhr 17000 Mk., Frankfurt a. Main und Münster L Wests, je 18000 Mk., Halle a. d. E. 16000 Mk., Hannover 13000 Mk., Kattowitz 45000 Mk., Königsberg 8000 Mk, Posen 5000 Mk., St. Johann-Saarbrücken 8000 Mk., Stettin 10000 Mk. Die vorstehenden Summen find ausschließlich für Feuerschuhanlagen zu verwenden.
— Der im Herbst iu Aussicht stehende Besuch unseres Kaisers in Wien wird von den polittschen Auguren mit eiserner Beharrlichkeit als Aussöhnungs- Versuch zwischen Oesterreich und Italien gedeutet. Davon kann schon deswillen keine Rede sein, weil zwischen den beiden genannten Mächten gar keine Differenz besteht, die auszugleichen wäre. Die ita- liemschen Irredentisten haben eS ja wieder einmal etwas ata getrieben; in Wien aber weiß man am besten, daß dieses Treiben von niemandem mehr verurteilt wird als von der italienischen Regierung. Die Beziehungen zwischen sämtlichen Dreibundmächteu sind gute und werden es hoffentlich auch ewig bleiben.
— Die Auswanderung über Bremen ist im Mai Weller gestiegen; sie betrug 1607 gegen 1570 Deutsche tat Mai 1902 und 22070 gegen 17520 Ausländer. Bom Januar bis Mai wanderten aus 6852 Deutsche (5711) und 76 596 (66548) Ausländer. Auch über Hamburg wanderten mehr Personen aus.
— Die Landesverwaltung Kiautschou hat einen besonderen Kommiffar für chinesische Angelegenheiten erhalten. Der Popen wurde dem Admiralitätsrat Echrameier übertragen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Bei dem heutigen Empfang einer Abordnung Mohamedaner auS Bosnien und der Herzegowina, die für die verliehenen Auszeichnungen, sowie für alle den
Bosniern und Herzegowinern bezeigte Fürsorge dankte, sagte der Kaiser: „Die Abordnung könne überzeugt sein, daß ihm daS Wohl Bosniens und der Herzegowina und das von deren Bewohnern, besonders der Mohamedaner sehr am Herzen liege und daß er ihnen auch ferner sein Wohlwollen erhalten werde."
Italien. Die „Franks. Ztg." meldet aus Rom: Die kürzliche Unpäßlichkeit des Papstes schwächt diesen so sehr, daß er den größten Teil des Tages im Bette bleibt und nur für einige Audienzen aufsteht, obwohl er kaum hört, was die Besucher sagen. Ost werden die Audienzen abgebrochen, weil der Papst zu früh ermattet.
Frankreich. Die Chauvinisten Frankreichs bemühen sich eifrigst, glauben zu machen, daß der bevorstehende Besuch des Königs Distor Emanuel von Italien dadurch eine hochpolitische Bedeutung besitze, daß er eine Abwendung Italiens von dem Dreibunde und eine Annäherung an Frankreich einleite. So schreibt z. B. der Pariser „Matin": Was geeignet ist, die Wichtigkeit des Besuches des Königs von Italien zu unterstützen, sowie die Färbung dieses Besuches zu präzisieren ist, daß unabhängig von den hauptsächlichen Personen des Hofes, Admiral Morin, Minister der auswärtigen Angelegenheiten Italiens, den königlichen Gast begleiten wird. Also weil der König von Italien, im Gegensatz zu König Eduard von England, mit ministerieller Begleitung erscheinen wird, deshalb ist sein Be- fr • ft wichtig, deshalb kann er nichts mehr und richt- weniger bringen, als ein französisch- italienisches Bündnis, daS nur unter Auflösung deS Dreibundes möglich ist, und zwar des Dreibundes, der erst vor Jahresfrist erneuert und festgelegt ward. Die Begleitung des Ministers des Auswärtigen ist ganz etwas Selbstverständliches; auch nach Petersburg hatte König Viktor Emanuel seinen auSwärttgen Minister, der damals Prinetti hieß, mitgenommen, und doch hat niemand daran gedacht, diese Begleitung in dem Sinne eines russisch-italienischen Bündniffes aufzufassen. Die deutsche Reichsregierung und die österreich- ungarische Regierung find über den Besuch des Königs von Italien in Paris nicht im geringsten beunruhigt, dieser Besuch wird noch nicht einmal als eine kleine Extratour aufgefaßt, nachdem die persönlichen Begegnungen des Kaisers mit dem Könige von Italien in Berlin und Rom jeden Schatten eines Verdachtes, als könnte fich Italien vom Dreibünde trennen, beseitigt haben.
— Die franzöfischen Behörden beschloffen die Oase Figig nicht zu zerstören. Doch müssen die Bewohner die Kosten der Beschießung bezahlen und die des Mordes und der Plünderung Schuldigen ausliefern, sowie ihre Waffen und Schießvorräte den Franzosen übergeben. — Gestern trafen Abgesandte eines Teils der Bewohnerschaft von Figig ein, um ihre vollständige Unterwerfung anzubieten. General O'Connor lehnte es ab, sie zu empfangen, mit der Erklärung, er würde nur mit den Behörden verhandeln. Der General hat kein Vettrauen in die Unterwerfungsversprechen der Führer der Kfurs wegen ihres mohamedanischen Fanatismus. Er wird 24 Stunden auf die Uebergabe der Behörden selbst warten. Wenn diese Frist abgelaufen ist, wird er ein erneutes Vorgehen bestimmen. Die Bewohner FigigS find durch die Beschießung erschreckt und erstaunt, daß kein Franzose verletzt ist.
England Während im englischen Parlament gestern die Debatte über die Chamber- lainschen Zollpläne wieder ausgenommen wurde, hielt eS der Mnisterrat für zweckmäßig, nach Schluß der Parlamentsberatung,zu einer Sitzung zusammenzutreten. Es hat fich doch wirklich viel Zündstoff zusammengefunden, fo daß das Ministerium einmütig und mit größter Vorsicht operieren muß, um sich vor Verdrießlichkeiten zu bewahren. Mit der Einmütigkeit der Kabinettsmitglieder soll eS nun aber garnicht zum besten bestellt fein. Einige Minister, denen die Chamberlainschen Zollpläne absolut nicht in den Kopf hinein wollten, fühlten fich besonders abgestoßen durch den Brief Chamberlains an einem Arbeiter, in welchem dem Arbeiterstande goldene Berge in Aussicht gestellt werden für den Fall, daß die Zollvereinigung Englands mit seinen Kolonien Tatsache toerbe. Die Verdrießlichkeiten im Kabinett und die Angriffe im Parlament sollen den Kolonialminister gehörig verstimmt haben. Wenn einige Londoner Blätter aber meinen, daß fich diese Verstimmung bis zu einem Rücktrittsentschluß Chamberlains steigern werden, fo verkennen sie doch völlig den Charakter ihres leitenden Staatsmannes. So leichten Kaufes gibt ein Chamberlain seine Pläne und Kämpfe nicht auf. Vielleicht verschwindet Chamberlain von der Bühne, wenn eS einmal zu Neuwahlen kommt. Aber auch diese Möglichkeit muß vor der Hand noch mit einem Fragezeichen versehen werden. — Die Kolonialkriege Englands nehmen kein Ende. Ein den Londoner Blättern soeben zugegangenes amtliches Com- muniqä stellt eine baldige Expedition Englands gegen den Stamm der Staudi, englisch Ost» afrika in Aussicht. Die Eingeborenen leben in sehr unwirtlichen Gebieten, ähnlich wie im Somalilande. In letzter Zeit sanden vielfach Zusammenstöße zwischen Soldaten und Eingeborenen statt, wobei es Tote und Verwundete auf beiden Seiten gab. Auch wurden seitens der Eingeborenen mehrfach Eisenbahnzüge zum Entgleisen gebracht. Also schon wieder ein neuer Krieg, während der gegen den tollen Mullah noch keineswegs aum Abschluß gebracht ift Der
Mullah hat vielmehr p-^nz überraschende Erfolge über seine Feinde' .-getragen und eine Anzahl englischer Offiziere gefangen genommen. Entgegen der im Somalilande herrschenden Praxis werden diese Offiziere auf ausdrücklichen Befehl des Mullah nicht getötet, sondern als wertvolle Geiseln zurückgehalten. Die Versuche der Engländer, gefangene Somalihäuptlinge gegen die in der Gefangenschaft befindlichen englischen Offiziere auszutauschen, sind bisher an dem Widerstande des Mullah gescheitert, der sich weit erfahrener zeigt, als es die Engländer erwartet hatten. Der Aufstand im Somalilande wird den Engländern unter allen Umständen sicher noch sehr große Opfer an Gut und Blut kosten. — Londoner Blättermeldungen zufolge wird die kanadische Regierung noch in dieser Session des Parlaments einen Antrag aus erhebliche Erhöhung der Zölle auf Stahl einbringen.
— Im Unterhause hielt gestern der Schatzkanzler Ritchie eine Rede, in der er den Entschluß der Regierung kund gab, den Kornzoll aufzuheben. Er bekannte sich als Freihändler und erklätte, daß die Regierung die Anstellung einer Untersuchung über die Frage der Vorzugstarife für nötig erachte. — Es besteht Grund zu der Annahme, daß die Erklärung, welche Ritchie im Unterhause über seine Stellung gegenüber der Vorzugstarif-Politik Chamberlains verlesen hat, daS Ergebnis einer im gestrigen KabinetSrat über den Gegenstand erfolgten Beratung gewesen ist und die Erklärung vorher den Ministerkollegen Ritchies unterbreitet worden ist.
Bulgarien. Die „Agence Bulgare" erklärt die Meldung, daß eine aus 1200 Personen bestehende Bande die makedonische Grenze bei Dschumaja überschritten hat, für unbegründet. Angesichts der von den bulgarischen Behörden getroffenen strengen Maßnahmen, sei die Ueber- schreitung der Grenze seitens einer derartigen Menschenmenge unmöglich. Die „Agence Bulgare" bezeichnet ferner das Gerücht, der bulgarische Gesandte in Petersburg werde nach Wien versetzt und der diplomatische Agent in Bukarest werde abberufen, alS vollständig unbegründet.
Marokko. Die gegen die marokkanische Oase Figig auSgesandte französische Straf- expedition hat ihre Aufgabe bereits erfüllt und dasjenige der Banditenester, von dem aus der Angriff auf den Generalgouverneur Jonnart und deffen Begleitung verübt worden war, in Grund und Boden kartätscht. 600 Granaten wurden auf das Dorf Zenage abgefeuert, das nun bloß noch einen gewaltigen Aschenhaufen darstellt. Die Frauen und Kinder deS Ortes hatten fich rechtzeitig in Sicherheit gebracht und auch von den Männern ist wohl kaum einer fo wahnwitzig gewesen, den ftanzösischen Kolonnen Widerstand zu leisten. Mit der Einäscherung Zenages ist die Strafexpedition jedoch nur in dem Falle beendigt, daß fich sämtliche Bewohner der Oase Figig den Franzosen unterwerfen. Geschieht das nicht, fo werden noch eine Anzahl anderer Dörfer des Gebietes in Grund und Boden gefchoffen. An Spanien, das sich wegen des Vorgehens Frankreichs gegen Marokko bereits beunruhigt zeigte, find von Paris aus beschwichtigende Erklärungen ergangen, so daß die spanische Regierung wieder voll Zuversicht aufschaut. Der spanische Minister des Aeußern Aberzuza fühtte in der Kammer in der Beantwortung einer Anftage über die äußere Politik ans, daß Spanien mit den Nationen, die an Marokko interesfiett seien, auf einem ausgezeichneten Fuße stehe, und daß die Mächte die Rechte Spaniens anerkennen. Spanien unterhalte mit England die besten Beziehungen. Der Minister kam bei dieser Gelegenheit auch auf den Besuch des Prinzen Heinrich zu sprechen und erklärte, daß dieser politischer Bedeutung völlig entbehrt habe und lediglich ein Akt der Höflichkeit gewesen sei. Das haben wir von vornherein gesagt. Freundschaft mit Spanien Ja, aber intimere politische Beziehungen um keinen Preis, da könnten wir etwas erleben.
China. Die ausgedehnten Gebäude des Steueramts und des Ritenamts in Peking, die an das Stadtteil mit den ftemden Gesandtschaftengrenzen, wurden gestern von einer Feuersbrunst heimgesucht. Die Gebäude deS Steueramts, in denen vier Millionen Taels aufbewahrt waren, wurden völlig vernichtet. Die ausländischen Truppen, welche angesichts der gänzlichen Unzulänglichkeit der chinesischen Feuerwehr hilfreich eingriffen, riflen die Gebäude des Ritenawts ein, um ein Uebergreifen des Feuers auf die Fremdenstadt zu verhüten.
Marburg und Umgegend
Marbnrg, 10. Juni.
8 Akademischer Gottesdienst wird am nächsten Sonntag ftüh in der reformierten Stadt- und Univerfitätskirche abgehalten. Die Predigt hält Herr Prof. Lic. Bauer.
§ Som Landgericht. Referendar Kunisch wurde zum Affeffor ernannt.
* Militärisches. Heute traf ein Kommando, bestehend aus 1 Unteroffizier und 9 Jägern zu Pferde aus Langensalza hier ein, das bei den Felddienstübungen unseres Jägerbataillons Verwendung finden wird. Dasselbe wird bis zum 21. d. Mts. in Marburg verbleiben.
§ Katholischer Lese Verein. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, begeht der katholische Lefeverein am Donnerstag nachmittag bei Herr Restaurateur Schmenner (Hansenhaus rechts) fein gomtnetfeft
* 3nr Reisezeit. Die Urlaubs- und damit die Reisezeit Hebtan. In den großen Geschäften,' Bureaus und namentlich in dem beamtenreichen Apparat der Kommunal- und Staatsbehörden kann fich der Urlaub nicht auf einen Monat beschränken. Familienväter, deren Kinder die Schule besuchen, werden nach Möglichkeit berücksichtigt und erhalten ihren Urlaub, wenn es irgend angeht, während der großen Schulferien. Die andern gehen erst im August auf Urlaub oder bereits jetzt im Juni. Der Juni- Urlaub hat etwas für fich. Der Aufenthalt in den Sommerfrischen ist im Juni billiger und angenehmer als im Ferienmonat, in dem überall Ueberfüllung herrscht und demzufolge, die Preise für Wohnung und Kost horrende steigen. Die wahlberechtigten deutschen Reichsbürger, welche in diesem Jahre ihren Urlaub im Juni verleben, haben allerdings einen nicht geringen Kamps mit ihrem Pflichtbewußtsein auSzufechten. Mag eS in der Sommerftische noch so schön sein, am 16. Juni muß der wahlberechtigte Urlauber in dem Otte anwesend sein, in deffen Wahlliste sein Name eingetragen ist. Denn gewählt muß diesmal werden, so viel wie gegenwättig stand bei einer Reichs- tagswahl kaum je auf dem Spiel.
* Gut Heil! Der Vorsitzende der deutschen Turnerschaft Herr Dr. med. Götz in Leipzig- Lindenau begeht am heuttgen Mittwoch mit seiner Gattin die goldene Hochzeit. Er wird aus diesem Anlaß von dem Ausschuß der deutschen Turnerschaft und von vielen turnerischen Kreisen beglückwünscht.
* Für die freie Wahl der Aerzte «ad Apotheker bei den Krankenkassen tritt der Medizinalrat' bei der Regierung in Danzig ein. In feiner Begründung heißt eS: „Schon der Zwang, einen Arzt zu konsultieren, zu dem man kein Vettrauen hat oder der einem persönlich wider- wättig ist, ist ein unetträglicher. Kommt dazu etwa gar unfreundliches ober sonst unangemessenes Benehmen be8 Arztes, Nachlässigkeit in der Behandlung, oder wohnt der Arzt weit weg, so führt daS dazu, daß die Arbeiter Beiträge zur Kaffe zahlen und trotzdem einen Arzt gegen eigene Bezahlung zuziehen, der ihnen nahe bei wohnt und ihr Vertrauen genießt. Aehnlich ist es mit den Apotheken. — Unter der Spihmarke „Aerztliches Titelwesen" bttngen die „Minist.-Bl. f. Med.-Angel." eine AuS» laffung. Hiernach ist die Führung des Titels „Dr." seitens eines nicht zum „Dr. med." promovierten Arztes unstatthaft.
* Strauß-Konzert. Es sei nochmals auf das am Sonnabend den 13. und Sonntag den 14. Juni im Museumsgarten stattfindende Konzert von Johann Strauß jun. mit seinem Wiener Orchester aufmerksam gemacht. Der Name Strauß wird auch diesmal sicher nicht seine Anziehungskraft verfehlen, denn jeder erinnert sich wohl mit Vergnügen an die Genüffe, welche uns die Wiener stets durch die schwungvolle Wiedergabe, insbesondere der Strauß'schen Kompofitionen, bereitet haben.
* Ausgestelltes Gemälde. Im Bamberge?- schen Laden (Hofstadt) ist seit einigen Tagen ein großes von einem italienischen Künstler herrührendes Gemälde ausgestellt. Der prachtvolle Rahmen ist in genanntem Geschäft hergestellt.
§ Zur Hrmdeplage. Gestern wurde in bet Kasernenstraße ein Kind von einem Hund in den Arm gebissen.
8 Tierquälerei. Ein junger Mann band einen Hund an eine Stange und tauchte das Tier bann fottwährenb in ben Mühlgraben. Wie man hött, ist Anzeige wegen Tierquälerei erstattet.
8 Schöffengericht. Wie auch damals in unsere» Zeitung berichtet, benahmen fich am 2. Osterfeiertaa einige ;unge Leute im Eisenbahnwagen auf der Fahrt von Cölbe nach Marburg sehr ungebührlich, sodaß schließlich die Notleine gezogen wurde. Als man de« Hauptübeltäter am Bahnhof festnehmen wollte, schlug dieser zu den Leuten hinein und leistete schließlich auch noch einem Polizeibeamten Widerstand. Mit Gewalt mußte man ihn zur Wache führen, damit es endlich Ruhe auf der Straße gab. DaS Gericht ver- ntteilte den wegen dieser Straftaten angeklagten jungen Mann zu 6 Wochen Gesangnis. — Ein anderer Mann, der einen Stock entwendet. hatte, wurde zu 14 Tagen und eine Frau wegen Holzdieb» »stahl zu 1 Tag Gefängnis verurteilt.
< Dagoberlshaufen, 9. Juni. Das Grimm'sche Gut Hierselbst ging heute durch Kauf in ben Besitz eines Herrn Raff auS Thüringen über. Der neue Käufer übernimmt bas Gut mit sämtlichem lebenden und toten Inventar sosott.
— Ebsdorf, 9. Juni. Sine Kuh beS Landwirts Heinr. Weber zu Ebsdorf brachte gestern ein Kalb zur Welt, bei welchem die Hinterbeine über den Rücken hin gewachsen waren. Das Tier lebte noch bei der Geburt, verendete aber gleich darauf
□ Wetter, 8. Juni. Das Schöffengericht verurteilte zwei junge Leute von hier, die zu Fastnacht einen dritten durchgeprügelt hatten, zu 50 Mk. Geldstrafe. — Ein Dieustknecht auS K., der einen Jungen mit einem Stein geworfen hatte, wurde zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt.
** Wetter, 9. Juni. Wie wir vernehmen, wird der auf Tournee fich befindliche berühmte Zauber-Phantast L’homme mystSriear, gen. der moderne Faust, auch unfern Ott passieren und bei dieser Gelegenheit am Sonntag, den 14. Juni eine „Soiree" im Roth'schen Theatersaale arrangieren.
§ Großfeelheim, 8. Juni. Dem Zimmermeister Johannes Schröder von hier fiel eine Axt in die Hand, sodaß etliche Finger wohl amputiert werden müffen.
(§) Amöneburg, 9. Juni. Am nächsten DonnrrL» tag 10'/- Uhr findet hier die Fronleichnamsprozemon mit Musikbegleitung statt; woran auch die Filtal» anmmnhA ttithmhAtm imlnimmt