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des Strafgesetzbuches sorgen. Denn heut zu Tage Würde der »«nehme «nd Reiche nicht mit dem­selben Maße immer gemessen, wie der Arme und die Strafabmessung wäre in die Willkür des Richters gestellt. Nunmehr wurde der Zolltarif dorgenommen und die bekannten nationalsozialen Doktrinen vorgetragen. Nur sprach Redner leider nicht davon, wie er dafür sorgen wolle, daß das Bieh aber auch die Produktionskosten ein» bringe und die Grenzen rechtzeitig gesperrt Würden. Schließlich empfahl er v. Gerlach als .wahren Freund des Volkes'. In der nun folgenden Dis­kussion ergriff sofort Herr Bader das Wort, um die Kandidate des Wahlkreises Marburg - Kirchhain Frankenberg mit einem doppelten Gesicht zu zeichnen, mit Ausnahme des Herrn von Pappenheim, denn das sei ein Ehrenmann. Die in Stärke von 6070 Per­sonen erschienenen Zuhörer haben keinem der beiden Redner Beifall gespendet. Heute abend 8 Uhr spricht der Antisemit Zimmermann hier.

oo Errrfthaufen- 7. Juni. Heute wurde hier der diesjährige Uebungstag derOber- hessischen Posaunenchöre' abgehalten. Es waren 8 Chöre mit 109 Mitgliedern erschienen, teils gu Fuß, teils mit geschmückten Wagen, die meisten aber per Bahn. Die Chöre, vom hiesigen Posaunenchor am Bahnhof abgeholt, marschierten von dort aus in geordnetem Zuge unter mächtigem Posaunenschall auf den festlrch hergerichteten UebungSplatz. Hier wurden nun eine ganze Menge Choräle wie andere geistliche Musikstücke, teils mit gesamten Chören, teils in Einzelchören vorgetragen. Wie verlautet, solle« dre eingeübten Choräle rc. von sämtlichen Thören beim diesjährigen Misfirnissest in Mar­burg gespielt werden.

+ Roda, 8. Juni. Am 5. Juni hielt hier H. v. Gerlach eine Wählerversammlung ab, in der unser Herr Bürgermeister, der größte Bauer im Ort, ihm Beifall spendete. Unser Herr Bürgermeister ist dem­nach mit den Bestrebungen eines Mannes ein­verstanden, der sür unsre kleinen Bauern, die sich eine Kuh und ein paar Schweine halten, dasselbe Schicksal herbeiführen will, wie es jene kleinen Bauern betroffen hat, die früher Schafe züchteten und davon lebten. Jene kleinen Bauern find zum größten Teil deswegen zugrunde gegangen, weil Schafe und Wolle nicht durch Zölle geschützt worden find. Das­selbe Schicksal wird unsere kleinen Bauern treffen, wenn, wie Herr v. Gerlach es will, keine ausreichenden Zölle für Rind­vieh und Schweine geschafft werden. Sie werden dann einfach ruiniert werden. Wenn fie H. v. Gerlach wählen, dürfen sie sich dann aber nicht beklagen, denn dann haben fie fich ihren Untergang selbst zuzuschreiben. In der Diskussion widersprach Herr Seip den Aus­führungen v. Gerlachs; konnte indessen als einfacher, gerader Mann nicht sehr viel gegen den zungengewandten nationalsozialen Redner ausrichten.

Roda, 6. Juni. Heute ging ein von Xotb nach Süd ziehendes Gewitter mit schwerem Hagelfchlag über unsere Gemarkung nieder. Da es ziemlich windstill war, ist der Schaden nicht zu groß.

(!) Fr«mke«berg, 6. Juni. Am 4. Juni brach hiersetbst in dem Wohnhause des Heinrich Koch auf dem Untersten Markt Feuer aus. Rasch herbeigeeilte Hülfe konnte jedoch das Feuer noch im Keime er­sticken. Der entstandene Schaden beträgt ra. 100 bis 120 Mark.

(!) Mrrmnude«, 6. Juni. Gestern nachmittag am 1 Uhr wollte der Vertreter des antisemitischen Reichstagskaudidaten, Herr Werner auch in unserem Orte eine Wahlversammlung abhalten. Es war dem­selben jedoch nicht möglich gewesen, ein Lokal zu be- kommen, aber auch wenn Werner rin Lokal gehabt hätte, hätte er fich den Vortrag ersparen können, da Niemand erschienen wäre.

(!) Geismar, 8. Juni. Gestern Nachmittag um 5 Uhr fand im Saale des Gastwirts Hecker Hierselbst eine Wahlversammlung statt, in welcher der Reichs­tagskandidat der konservativen Partei und des Bundes der Landwirte, Herr von Pappenheim, sein Programm entwickelte. Die klaren Ausführungen desfclben und kein offenes Wesen machten einen großen und günstigen Eindruck aus di« Zuhörer, die wiederholten Beifalls- bezengungen geben hiervon beredten Ausdruck. Die Wahl des Herrn von Pappenheim wird wohl in nuferem Orte gesichert sein.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete

r. Jesverg» 7. Juni. Ein starkes Unwetter, dem «in plötzlich einfetzender rasender Sturm vorausging, toQ gestern über unsere Gegend. Dabei kam eine Reisegesellschaft, welche in einem Landauer sich ober­halb Jesberg aus der Ehauffee befand, beinah in großer Gefahr. Ein mächtiger Apfelbaum wurde nämlich vom Sturm ausgeriffen und auf die Köpfe der Pferde geschleudert, so daß das Handpferd blutend St Fall kam, während der Wagen in den Aesten ecken blieb. Nur durch die Kaltblütigkeit des Kutschers (aus dem deutschen Haus in Ziegenhain) wurde schweres Unglück verhütet.

WilvvNgen, 6. Juni. In letzter Zeit treten die Wildschweine in großen Rudeln in den hiesigen Feldfluren auf und verursachen an den Feldfrüchten erheblichen Schaden. Einem Oekonom in Ungedanken wurde von den Sauen ein Kartoffelacker von einigen Morgen um­gewühlt und die gepflanzten Kartoffeln total vernichtet.

F«lda, 6. Juni. Am 3. d. Mts., morgens 9 Uhr, starb plötzlich infolge eines Herzschlages nach längerem Kranksein der Königs. Amts­richter Herr Franz Beckmann zu Hilders im besten Mannekalter von 41 Jahren.

Schmalkalden, 6. Juni. In der Umgebung wurden auf einem Feld zwei Personen vom Blitz erschlagen.

Bad Orb, 6. Juni. Am Freit-g und Sonnabend fand Hierselbst der XIV. Hessische Etädtetag statt. Es warm lautC. A. Z. nahezu 100 Vertreter von Städten aus dem Heflen- land anwesend. Nach Erstattung des Ge­schäftsberichts wurde zu 8 3 der Satzungen des »Hessischen Städtetages",Mitgliedschaft,folgender Zusatz gemacht: »Die Städte des Fürstentums Waldeck sind berechtig dem «Hessischen Städte­

tag' als Mitglieder betzutreten.' Der Antrag wird angenommen. Weiter berichtete man über die Maßnahmen, welche von dem Vorstande des Städtetags, bezw. den beteiligten Gemeinden gegenüber dem § 13 des Zolltarifs»Gesetzes, be­treffend die Aufhebung kommunaler Verbrauchs­abgaben, getroffen sind, bezw. noch getroffen werden sollen. Folgende Resolution fand An­nahme: .Der Hessische Städtetag schließt fich der in der Versammlung von Vertretern süd- und mitteldeutscher Städte vom 25. Mai d. I. in Mainz gegenüber dem § 13 des Zolltarif­gesetzes vom 25. Dezember 1902 gefaßten Resolution an und ermächtigt den Vorstand, die hiernach erforderlichen Schritte alsbald in die Wege zu leiten'. Die Resolution fand ein­stimmige Annahme. Hiernach erstattete Herr Bürgermeister Schösser-Gelnhausen, den Kaffen­bericht. Die Einnahmen beS Verbands im abge­laufenen Geschäftsjahr betrugen 1615 Mark 74 Pfg., die Ausgaben 1182 Mk. 85 Pfg., der verbliebene Bestand 432 Mk. 89 Pfg. Die nach den Satzungen ausscheidenden Vorstands­mitglieder wurden durch Akklamation wieder­gewählt. Herr Bürgermeister Müller- Allendorf hielt hiernach einen überaus intereffanten Vortrag über »Die Gemeinde- nuhungen im Regierungsbezirk Kastel', liebel .die Bildung und die Tätigkeit von Gesundheitskommissionen in den Städten nach dem Gesetze vom 16. September 1899, bezw. der allerhöchsten Verordnung vom 4. März 1901 referierte Herr Stadtsyndikus Brunner-Kaffe! und beantragte am Schluffe seiner mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen die An­nahme folgender Resolution: .Der hessische Städtetag hält die Errichtung von Gesundheits- Kommissionen auch in Städten mit 5000 Ein­wohnern und weniger, insbesondere in Kurorten und Sommerfrischen, für wünschenswert und giebt den in ihm vertretenen derartigen Städten anheim, dieselbe in Erwägung zu ziehen.' Die Resolution wurde von der Versammlung an­genommen. Nunmehr hielt Herr Geh. Reg.- Rat Dr. Knorz-Kassel einen orientierenden Vortrag überbie Errichtung einer Ruhegehalts­und einer Witwen- und Waisen-Versorgungs- kaste für bie Kommunalbeainten des Regierungs­bezirks Kaffe!.' An den Vortrag knüpfte sich eine längere Debatte. Schließlich wurde nach­stehende Resolution angenommen: »Der hessische Städtetag richtet an bie Städte des Regierungs­bezirks Kaffel die dringende Bitte, in ihrem eigenen Jntereffe der von dem Komwunal- verband für den Regierungsbezirk Kaffel ge­gründeten Gemeindebeamten-Ruhegehalts- und Witwen- und Warsen-Versorgungs-Kasse bei« zutreten.' Auf Antrag des Herrn Bürger­meisters Radke-Wildungen beschloß der Städte­tag ferner, bei dem hessischen Kommunalland- tag den Antrag zu stellen, daß den Städten des Fürstentums Waldeck die Möglichkeit ge­geben wird, der zu errichtenden Kaste beizu­treten. Zum Schlüsse der Verhandlungen hielt Herr Dr. Stein-Frankfurt a. M. einen Vortrag über .Soziales Museum, feine Organisation und seine Aufgaben in unserer Provinz.' Es wurde hierauf im Badehotel Schneeweis und Müller ein Frühschoppen eingenommen und später verschiedene Sehenswürdigkeiten besichtigt. Der Abend vereinigte die Teilnehmer bei einem Festmahl im Kurhotel. Bemerkt sei, daß aus ein Begrüßungstelegramm vom Kaiser ein in herzliche Worte gegleideteS Danktete- gramm einging. Die Tagung ging heute mit einem Ausflug zu Ende.

Ha«a«, 7. Juni. Auf der Strecke Hanau Friedberg wurde gestern abend laut »Kass. Allg. Ztg. dem Lokomotivführer .Hilgenberg des 8 Uhr 20 Minuten von Friedberg ab­gehenden Personenzuges zwischen den Stationen Erbstadt und Assenheim im selben Augenblicke, als er fich etwas hinausbeugte, von einem Wagenteile des in entgegengesetzter Richtung kommenden Personenzugcs 833 die Hirnschale zertrümmert. Gleichzeitig wurde der Körper des Unglücklichen, der herabstürzte, von den Rädern des Zuges zermalmt.

Herbor«, 7. Juni. Heute feierte Herr Jvh. Fr. Meckel und seine Ehefrau Elise geb. Suppes das 'tene Fest der goldenen Hochzeit.

Lollar, 7 Jm i. Heute sand hier die dies­jährige Gauturnfahrt .erTurnvereine des Gaues Hessen statt. Um 2*/» Uhr stellte fich der Festzug auf und marschierte durch den Ort auf den Festvlatz, woselbst die fremden Turner vom Bürgermeister in einer kurzen Ansprache bearützt wurden. Hieraus hielt der Vorsitzende des hiesigen Turnvereins eine Ansprache, in der er hauptsächlich hervorhob, daß noch so viele Einwohner dem Turnverein fern ständen, wo doch die Turnvereine die schönsten Ziele verfolgten. In demselben würden die der Schule entwachsenen jungen Leute zu körperlich kräftigen und geistig gesunden Männern herangezogen und so für den Dienst des Vaterlandes brauchbar gemacht. Im Namen der Frauen und Jungfrauen überreichte ein hiesiges junges Mädchen mit einer Ansprache eine prächtige Fahnenschleife, worauf Herr Gauvertreter Helm auS Gießen eine längere Ansprache hielt, in der er besonders die Turnerei schilderte. Zum Wett­turnen traten ra. 150 Turner an. Zuerst wurden Stabübungen ausgesührt, welche im allgemeinen als gut zu bezeichnen waren. Es folgte nun: Hangeln nach Zeit, Steinstoßcn, Weitsprung und Freihoch, fprung. Den ersten Preis erhielt mit 31'/. Punkt Erich Jünge vom Turnverein Kirchhain und in dem­selben Bezirk Christoph Rössing vom Turnverein Marburg den 6. Preis mit 22>/s Punkt, der 10. und letzte Preis ging mit 20 Punkten ab. Während des Turnens hätte sich beinahe ein großes Unglück er­eignen können. Die östliche Wirischaftshalle brach auf einmal, vom Sturme gefaßt', zusammen und sämtliche Jnsaffen mußten herausbesördert werden, ohne zum Glück Schaden gelitten zu haben. Hier wäre doch größere Vorsicht am Platze, denn die ganze Halle war nur leichtfertig aufgebaut.

Bad-Nairheim, 6. Juni. Am 4., 5. und 6. Juli feiert der älteste hiesige Männergesang- verein .Frohsinn' fein 60jähriges Stiftungs­fest, verbunden mit Fahnenweihe. Gelegentlich

des Festes findet ein Gesang-Wettflrert mit Klaffen- und EhrenpreiSfingen statt, wozu sich zahlreiche Vereine, darunter auch bieLieder­tafel' aus Marburg, gemelbet haben. Der Großherzog hat einen Ehrenpreis in der Form eines prächtigen golbenen Pokals gestiftet. Die Stabt hat einen Ehrenpreis von 150 Mk., bie Babebirektion einen anderen zur Verfügung gestellt.

Kreiskriegerverbandsfest FronhMsm.

G. Frvuhaufe«, 7. Juni.

Wenige Minuten nach 11 Uhr eröffnete der Verbanbsvorfitzenbe, Herr Lanbrat von Negelein bie 12. Vertreterversammlung beS Kreiskrieger- verbanbes Marburg, begrüßte bie zahlreich er­schienenen Vertreter ber einzelnen Kriegervereine unb knüpfte baran bie Hoffnung, baß bie hier zur Verhanblung stehenben Fragen zum Wohle unseres Kriegervereinswesen gereichen möchten. Bei Aufstellung ber Präsenzliste ergab es fich, daß von 38 dem KreiSverbanb angeglieberten Vereinen 30 vertreten waren. Hierauf verlas der Schriftführer des Vereins, Herr Kreis­sekretär Voß bas Protokoll ber in biesem Frühjahre in Marburg stattgefunbenen 11. Ver- treterversammlung. Dasselbe würbe ohne Ein­wendung angenommen. Hierauf berichtete Döring-Marburg über den in Kaffel stattge­fundenen 28. Bertretertag des Kriegerverbandes in Hessen. Besonders ist aus diesem Bericht hervorzuheben, daß der Kreisverein Marburg im verflossenen Vereinsjahr 485 Mk. an Unter­stützungen empfangen hat. Weiter ist aus bem Berichte noch zu entnehmen, daß ber Beitrag eines jeden Kreisvereinsmitgliedes von 42 auf 50Pfg. erhöht worden sei. Während des Berichtes des Herrn Döring trafen noch bie Vertreter ber Kriegervereine von Schönstadt und Ober­rosphe ein. Im weiteren Verlauf seines Berichtes erwähnte bet Berichterstatter, bas Vereinsblatt .Parole' wenigstens in einem Exemplare zu halten. Nach erstattetem Berichte sprach ber Vorsitzende dem Berichterstatter den Dank des Verbandes aus. Sodann schritt bie Versammlung zu Punkt 5 ber Tagesordnung, bett, den Antrag Blencke Marburg, bie Vereine, bie gelegentlich be§ Verbandsfestes un­verschuldet mit einem Fehlbetrag abschließen, finanziell zu unterstützen. Da Herr Blencke am Erscheinen verhindert war und somit der An­trag nicht begründet werden konnte, wurde der Antrag für die nächste FrühjahrSvertreterver- samwlung zur Beratung zurückgestellt. Zu Punkt 6 der Tagesordnung .Geschäftliches' bemerkte Herr Schriftführer Voß, daß bei wirklich patriotischen Festen der Krieaerverein stets an der Spitze marschieren müsse. Der Verbandsvorsitzende ergänzte noch diese Ausführungen. Zu bemerken ist weit-r, daß sich die Kriegervereine von Sarnau, Treisdach und Hachborn zum Beitritt in den Kriegerverband Marburg angemeldet haben, bezw. schon ausgenommen find. Anträge für bie nächste Vertreterversammlung waren nicht eingegangen. Nach einigen Ausführungen in Sachen der Gesuche um Unterstützungen be­dürftiger Kameraden zwischen den Kameraden Haupt Ockershaufen und Döring-Marburg war bie Tagesordnung erschöpft. Mit Dankesworten an bie Versammlung schloß ber Herr Vor- fitzenbe bie Vertreterversammlung gegen 12 Uhr.

Um 8/*l Uhr fanden sich bie Vertreter zum größten Teile wieder zum Mittagsmahle ein, welches ber Küche bes Herrn Gastwirts Pfeffer alle Ehre machte.

Inzwischen war's %2 Uhr geworben und die eingeladenen Krigervereine fanden fich allmählich auf dem Festplatz ein. Gegen x/s3 Uhr fand hier die Aufstellung des FestzugeS statt. Wohl an 900 ehemalige Krieger waren ber freund­lichen Einladung des festgebenden Vereins gefolgt. Erschienen waren vom Kreisverbanbe Marburg die Kriegervereine von Ebsdorf, Wittelsberg, Gardistenverein Marburg, Lohra, Wollmar, Weipoldshausen, Krieger- und Landwehrverein Marburg, Kalbern, Amönau, Krieger-Kamerad­schaft Marburg, Roth,!be, Kirchners, Ober­rosphe, Hermershausen, N ederweimar, Nieder­walgern, Nordeck und Winnen, Krieger Kamerad­schaft Ockershausen, Michelbach, Schönstadt, Kappel, Beltershausen, Sterzhausen, Goßfelden, Warzenbach, Wetter, Münchhausen, Hachborn. Von nicht dem Kreisverbanbe angehörigen Ver­einen waren erschienen bie Kriegervereine von Odenhausen, Ruttershausen, Mornshausen, Mainzlar, Staufenberg, Gladenbach, Krumbach, Weidenhaufen, Fronhaufen. Außerdem be­teiligten fich am Festzuge ber Gesangverein Fronhausen unb ber Nauchklub Fronhausen. Die Aufstellung einer solchen Menschenmenge erforderte eine geraume Zeit. Gegen V»4 Uhr setzte sich ber Festzug unter Voran tritt bet Musikkapelle bes 82. Jnf.-Regt. zu Göttingen in Bewegung und marschierte durch die festlich geschmückten Straßen des Ortes wieder zum Festplatz. Dieser, in unmittelbarer Nähe bes Bahnhofs gelegen, zeigte ein farbenbuntes Dilb. Links unb rechts vom Eingang stehen bie mit bunten Fähnchen geschmückten Wirtschaftshallen, während sich bet Juxplatz hinter diesen Hallen aufbaut: Karouffel, Kasperletheater, Wiedaus Kinemaiograph, Riesenschlangen und Affen sorgten für vielseitigste Zerstreuung. Der Fest- zug nahm vor bet Mufiktribüne Aufstellung. Ter Schriftführer des festgebenden Vereins, Herr Thörner, begrüßte von ber Tribüne aus die erschienenen Kameraden und Festteilnehmer unb wünschte einem jedem, daß er in Ruhe unb Frieden fich nach Lust bie wenigen Stunden vergnügen möge, denn .Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht'. Et übergab sodann dem Verbands- votfitzenden, Herrn Landtat von Negelein, das

Wort, der in kernigen Worten die Bedeutung, den Zweck unb baS Ziel aller Kriegervereim unb ihrer Bestrebungen ber als .Armee its schwarzen Rocke', kennzeichnete unb ben fesch gebenden Verein zum heutigen Festtage, bete 25 jährigen Stiftungsfeste, beglückwünschte. Zu« Schluffe seiner Ansprache brachte er bem obersten Kriegsherrn ein dreimaliges Hutrah, in welches bie Zuhöret begeistert ein» stimmten. Nach Absingung ber National» Hymne ließ ber Vorsitzende bie Veteranen zum Appell antreten und toibmete biefen Kämpfern um .Deutschlands Ehre unb Ruhm' ein kräftiges Hoch. Nunmehr verlief sich bie Menge in bie Wirtschaftszelte, um fich an vorzüglichem Bopp'schem Stoff zu stärken, während die Jugend eifrig nach den lustigen, munteren Weisen der vorzüglichen Kapelle dem Tanzvergnügen huldigte.

Weiteste Telegramme

Wildparkstatt»«, 8. Juni. Der Kaiser unb bie Kaiserin finb heute morgen IO1/« Uhr hier eingettoffen unb begaben fich nach dem Neuen Palais.

Fra«kf«rt a. O., 8. Juni. Die Nachricht, daß ber Urheber bes am 29. Mai bei Drebkau verübten folgenschweren Eisenbahnattentates verbaftet sei, bestätigt fich nicht, Der in Bobersberg verhaftete Gärtner Hentschke mußte toieber aus ber Haft entlassen werden, nachdem er sein Alibi Nachweisen konnte. Die, Eisen­bahndirektion Halle a. S. hat auf die 6t» Mittelung des Täters eine Belohnung von 2000 Mk. ausgesetzt.

Guefe«, 8. Juni. Der Prozeß gegen bie 24 polnischen Gymnasiasten wegen Geheim- bünbelei nahm heute unter großem Andrange des Publikums vor ber hiesigen Strafkammer seinen Anfang. 16 Angeklagte waren vom persönlichen Erscheinen entbunben worden. Die Angeklagten, auch die Nichterschienenen, erklärten sich teils für nichtschuldig, teils verweigerten fie die Aussage.

Metz, 8. Juni. Gestern fand die feierliche Enthüllung des Denkmals für bie am 16. August 1870 gefallenen bes 4. thüringischen Infante ceiregiments No. 72 statt.

Wiesbaden, 8. Juni. Der Kaiser be­sichtigte gestern Nachmittag baS Römische Bab, bas in ber Nähe des Kochbrunnens bloßgelegt worden ist. Zur Familientafel wat bet König von Dänemark geloben. Abenbs besuchten die Majestäten mit den anwesenden Fürstlichkeiten die vierte Festvorstellung. Zur Aufführung gelangteArmide'. Gegen 11 Uhr find bann bie Majestäten nach Wildparkstation abgeteist. Auf dem Wege zum Bahnhofe hatte sich eine große Menge angesammelt, die die Majestäten stürmisch begrüßte. Außer den Spitzen bet Behörden erschienen auf bem Bahnhofe der König von Dänemark in der Uniform feine# Ulanenregiments, Prinz Adolf von Schaumburg- Lippe mit Gemahlin, die Prinzen Eitel Friedrich unb Adalbert, sowie ber Herzog von Sachsen- Coburg unb Gotha. Die Verabschiedung de» Kaisers vom König war überaus herzlich. Sie küßten fich wiederholt die Wangen.

Marseille, 7. Juni Der Dampfer .Jnsulaire der Gesellschaft Fraissinet stieß heute Nachmittag rott dem derselben Gesellschaft gehörenden Dampfer .Libau auf der Höhe der Insel Maire zusammen und brachte den letzteren zum Sinken. Die Zahl der Reisende« auf dem .Libau' betrug etwa 200. Die Hälfte wird als verloren angesehen. Das Bureau der Gesellschaft ist geschlossen, eine offizielle Liste noch unbekannt. Etwa 40 Reisende wurden vom .Bechamp und dem österreichischen Dampfer .Chasocsy' gerettet, 40 andere und 17 Matrosen vom Balkan ausgesammelt. Als das erste Rettungsboot auf etwa 40 Meter an ben .Libau' herankam. neigte fich dieser plötzlich seitwärts. Die Masten schlugen auf anderthalb Meter vom Rettungsboot entfernt ins Wasser. Der Dampf« versank mit der Menge, die fich an den Leitern fest­klammerte. Ein herzzerreißender Schrei wurde ge­hört, dem bald Totenstille folgte. Die Maschinen explodierten und verursachten ein Zischen des WafierS, das fünf Minuten anhielt.

Ristowaes, 8. Juni. Gestern abend wurde in unserer 14 Kilometer von bet Verbindungs­bahn Mich - UeSküb gelegenen Stadt da# Er­scheinen einer 165 Mann starken Bande ge­meldet. Truppen wurden abgeschickt, bie bie Bande umzingelten unb nach 6 stündigem Kampfe auftieben. Man ist erstaunt, baß bie Bande, bie fich in Besitz von Bomben und Grafgewehren befand, so nahe an bie Stabt herankommeo konnte.

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