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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Ittuftrirtes Sonntagsblatt.

Jfo 155

« Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet ollen Postämtern 2,25 Mk. <c$cL Bestellgeld).

ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reelamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 9. Juni 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätsMichdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Der Gipfel des freihändlerischen Schwindels

ist, nach vielem und heißem Mühen, nun end­lich von der Frankfurter Zeitung erreicht worden. Sie veröffentlicht diesesRundschreiben der Vereinigung Süddeutscher Handelsmühlen* in Mannheim:

Die Unsicherheit bezüglich de8 Zeitpunktes der Einführung des neuen Zolltarifs veranlaßt die unterzeichneten Mühlen, um sich vor plötz­lichen schweren Verlusten zu bewahren, von jetzt ab, bei allen Verkäufen die nachfolgende Zusatz- Bedingungen zugrunde zu legen: 1. Für alle an dem Tage des Gültigwerdens erhöhten Ge­treidezölle noch nicht fälligen Mehlquantitäten einschließlich Griese und Dunste (tritt ein Auf­schlag in der Meise ein, daß für je 75 Kgr. Weizenmehl der Mehrzoll für 100 Kg. Weizen, für je 65 Kg. Roggenmehl der Mehrzoll für 100 Kg. Roggen vom Käufer zu entrichten ist. 2. Der Aufschlag unter Ziffer 1 ist auch für solche vor dem obigen Tage fällig gewordene Qualitäten zu entrichten, welche der Käufer bis dahin nicht ordnungsgemäß abgerufen hat oder mit deren Abnahme er im Vorzüge ist."

Und zu diesem unsinnigen Schriftstück süd­deutscher Handelsmüller sagt dieFrankfurter Zeitung":

Dieses Rundschreiben ist ein neuer konkreter Beweis für die alte Tatsache, daß der inländische Konsument um den Getreidezoll mehr zu zahlen hat als der ausländische Konsument. Man darf wirklich begierig sein, ob die agrarischen Organe es über sich gewinnen, ihren Lesern den Sachverhalt, wie er aus obigem Rundschreiben hervorgeht, mitzuteilen."

Die Herren Freihändler haben die Behauptung von der unter allen Umständen gegebenen preissteigernden Wirkung der Zölle ihren Lesern schon so oft vorgelogen, daß sie nachgerade selber daran zu glauben scheinen. Und an dieser Autosuggestion hindert sie nicht eine einzige der bisher gemachten Erfahrungen, daß alle bis­herigen deutschen Getreidezollsätze eine Preis­steigerung nicht bewirkt haben.

Es waren bisher Getreidezollsätze in Deutsch­land in Geltung:

vom 1. Januar 1880 ab: 10 Mark pro Tonne , 21. Februar 1885 : 80

i 26. Novemb. 1887 : 50

Nachdem der letzte Zoll vom 1. Februar 1892 ab auf 35 Mark herabgesetzt wurde, soll nun­mehr nach dem neuen Tarifgesetz der Roggenzoll in den neuen Verträgen wieder auf 50 Mark, also auf den alten Satz von 1887 erhöht werden, der Weizenzoll um eine Lappalie höher, auf 55 Mark. Und hierauf bezieht sich jenesvor- forgende" Rundschreiben der süddeutschen Handels­müller.

Man vergleiche nun die tatsächlichen Preis­notirungen an der Berliner Börse jeweils vor und nach der Einführung der obigen Zollsätze.

5 (Nachdruck verboten.)

w Gefesselt.

, ' Roman von Jenny Hirsch.

(Fortsehung.)

Sie streckte die Hand nach dem an der Tür befindlichen Knopf deS elektrischen KlingelzugeS aus, aber Annie hielt fie zurück.

Laß das; ich bin gewohnt, mich selbst zu bedienen, und möchte auch hier nicht fremde Hilfe in Anspruch nehmen," bat sie. .

So wirst Du wenigstens die meinige nicht verschmähen," versetzte Elisabeth, entledigte sie mit einem schnellen Griffe ihres Hütchens »nd nahm ihr den Umhang ab.

Hier ist Dein Wohnzimmer, hier Dein Schlafzimmer und hier dicht daran Dein An­kleidezimmer," plauderte sie, indem fie die Tür öffnete und Annie über die Schwelle zog.Aber eS herrscht überall Dämmerschein, und Du mußt doch wiffen, wie es bei Dir ausfieht."

Sie öffnete die Jalousien; Helles, goldiges Sonnenlicht flutete herein und tauchte die rubin­farbenen Ripsmöbel des Wohnzimmers, die Goldrahmen der Spiegel und Kupferstiche, die Vasen, Schalen und Porzellanfiguren auf Tischen und Borden in einen blendenden Glanz.

Wie prächtig Du mich einquartiert hast!" rief Annie, zwischen diesem Gemache und dem mit weißgrundigem, buntgeblümten Kattun drapierten Schlafzimmer auf der Schwelle stehend, ich werde mir inmitten dieser Herrlichkeit wie verzaubert vorkommen."

Es haben jeweils im Monatsdurchschnitt gekostet:

Weizen Roggen n) Monat Dezbr. 1879 per Tonne 234 Mk. 169 Mk. Zollzuschlag am 1. Januar 1880 per Tonne 10 . 10 .

232 Mk. 170 Mk.

Also: 2 Mk. 1 Mk.

weniger, mehr statt 10 Mk.Verteuerung"! l) Monat Februar 1885: 162 Mk. 146 Mk.

Zollzuschl. 21. Februar 30 Mk.

(also plus) 20 , 20

Tatsächlicher Preis März 1885: 164 Mk. 145 Mk.

Also: 2 Mk. 1 Mk.

mehr weniger statt 20 MarkVerteuerung"! c) Monat November 1887: 159 Mk. 119 Mk.

Zollzuschl. 26 Nov. 1887 50 Mk.

(also plus) 20 20 _

Tatsächlicher Preis Dezember 18s7: 160 Mk. 119 Mk.

Also: 1 Mk. nichts

mehr mehr statt 20 Mk.Verteuerung". Wir fragen daher einen geneigten Leser: wie soll man, doch einigermaßen parlamentarisch, die süddeutschen Handelsmüller bezeichnen, die trotz dieser zutage liegenden Tatsachen aus der bevorstehenden Wiedereinführung der 1887er Zollsätze einen Anlaß zu nehmen sich erdreisten: ihren Kunden eine Preissteigerung um den vollen Betrag der Zollerhöhung von 15 und 20 Mk. abzuknöpfen? Und wie soll man die Frankfurter Zeitung" charakterisieren, die, statt diesen Schnapphähuen gebührend die Leviten zu lesen, solche Absurditäten alsneuen, konkreten Beweis" für die Zollwirkung hinstellt und in ganz ehrlich scheinender Neugier fragt: Ob die Agrarieres wohl über sich gewinnen" werden, dieser Wahrheit die Ehre zu geben? Pfui Kuckuck! -

Aber auch die Herren um Kardorff sollten aus diesen alten Reminiszensen an die bisherigen Kornzollwirkungen doch endlich die Lehre ziehen, daß man aufhören müsse, den ländlichen Wählern vorzuerzählen: es sei ihnen durch die Wieder­herstellung der 1887er Kornzölle ein greifbarer Vorteil geschaffen worden. Ein Getreidezoll, der nur so hoch ist, daß er wie Figura von 18791887 zeigt, einfach schlankweg vom Aus­lande getragen wird, kann unS eben nichts nützen, so innig die Herren um Kardorff es der deutschen Landwirtschaft auch wünschen mögen. Nur ein Zoll, wie der Bund der Land­wirte ihn verlangte, der so hoch ist, daß das Ausland nur einen Teil noch tragen kann, der andere Teil aber auf den Inlandspreis aufge­schlagen werden muß: nur ein solcher Zoll hat Wert für die Landwirtschaft!

Umschau.

Vom Frankfurter Sängerstreit.

Sieger in dem Frankfurter Sängerwettstreit wurde, wie wir Sonnabend nachmittag durch Extrablatt meldeten, der Berliner Lchrergesang- verein, der Kölner Männergesangverein hat also

Das Beste hast Du noch gar nicht gesehen," erwiderte Elisabeth, sich mit kindlicher Freude an der Ueberraschung der Freundin weidend, da, schau!"

Sie führte fie an8 Fenster und ein lautes Ach!" der Bewunderung entfuhr Annies Lippen. Sie überblickte den klaren, blauen See, der im Sonnenschein blitzte und funkelte. Kleine Barken, von kräftigen Armen gerudert, und Kähne mit weißen Segeln belebten ihn. Ein Dampfer schoß, tiefe Furchen ziehend, dem Landungsplatz am jenseitigen Ufer zu, wo ländliche Wohnungen, stattliche Schlösser und Landhäuser halb ver­steckt im grünen Walde liegen, der sich dahinter meilenweit auszudehnen scheint.

O, hier ist es gut sein!" seufzte Annie. Der Ton kam au8 tiefstem Herzensgrund.

Hier laß uns Hütten bauen!" fiel Elisa­beth lustig ein.DieS ist die Deinige, die meinige liegt nur wenige Schritte davon ent­fernt dort über dem Korridor, Onkel und Tante hausen unten und Vetter Ernst hat fich im Pavillon eingerichtet. So, jetzt bist Du über alles unterrichtet."

Sie schloß die Jalousien wieder und führte Annie zum Sopha. Der davor befindliche Tisch war mit einer weißen Damastserviette bedeckt und mit einer Schale erlesener Früchte, einem Korbe mit feinem Backwerk, Karaffen, Gläsern und Tellern besetzt.

Nimm einen kleinen Imbiß," sagte fie, der Freundin ein Glas Limonade mischend,ich habe Dir alles bereit gestellt."

Wie gut und vorsorglich von Dir," ant-

den vor vier Jahren in Kaffel errungenen Wanderpreis deS Kaisers abgeben müssen. Als Stundenchor wurdedas Volkslied" ein hübsches Wanderlied im Volkston von Kinzl, gesungen. Die Kölner sangen die ersten Töne zweimal empfindlich zu hoch, während der Gesang der Berliner Lehrer tadellos war. Die Kaiserin selbst legte dem Vorsitzenden die güldene Kette um den Hals. Die Kette ist ein Meisterpzerk deutscher Goldschmiedekunst, in München herge- gestellt. Sie besteht aus drei verschiedenen Gliedern, von denen eins eine Harfe zeigt. Neben Gold sind Rubinen verwendet. Eine Siegesgöttin hält den Lorbeer in der Rechten. Die Inschrift lautet:Im Liede stark, deutsch bis ins Mark." Den 2. Preis erhielt der Männergesangverein Köln, den 3. der Sänger­chor Offenbach, den 4. die Berliner Liedertafel, den 5. der Potsdamer Männergesangverein, den 6. Aachener Konkordia, 7. Lehrergesangverein Bremen, 8. Sängerbund Krefeld, 9. Liedertafel München-Gladbach, den 10., 11. und 12. Preis Sanssouci, Konkordia und Männergesangverein Essen. _____

Die Opfer der Brüsseler Konvention.

AuS der kürzlich publizierten Umfrage über die diesjährige Rübenbestellung ergiebt sich, daß elf deutsche Zuckerfabriken für die kommende Kampagne die Betriebseinstellung beschlossen haben. 'ES ist nicht zweifelhaft, daß die Zahl dieser Opfer der deutschen Handelspolitik sich im nächsten Jahre noch erheblich vermehren wird, wenn es nicht gelingt, noch rechtzeitig die­jenigen Hilfsmaßregeln durchzufetzen, die ge­eignet sind, die verheerenden Wirkungen der BrüsselerKonvention einigermaßen abzuschwächen.

Aus Frankreich wurde jüngst berichtet, daß die dortige Zuckerindustrie sich entschlossen habe, mit den Jntereffentenverbänden der anderen Rübenländer in Unterhandlung zu treten zwecks Vereinbarung einer internationalen Produktions- bezw. Exportregulierung. In der Tat liegt nur auf diesem Wege, in Verbindung mit einer ein­heimischen Derbrauchskontingentierung, noch eine Rettungsmöglichkeit gegenüber den Folgen der Brüsseler Konvention.

Wir hoffen daher, daß die französische An­regung allenthalben volles Verständnis und bald seine Verwirklichung finden möge.

Von unserer Marine.

Die soeben erschienene Rangliste der kaiser­lich deutschen Marine für das Jahr 1903 ent­hält eine nach dem Stande vom 20. Mai d. I. aufgestellte Liste der Fahrzeuge der deutschen Kriegsflotte. Danach find vorhanden 18 Linien­schiffe, darunter 4 der Wittelsbachklasse mit je 11800 Tons Deplazement und 13 60015 000 HP., 5 der Kaiserklasse mit je 11152 Tons Deplazement und je 13000 HP., 4 der Branden- burgklasse mit je 10 062 Tons und 9000 HP.,

wortete Annie dankbar, indem sie aus dem Glase nippte und von den Erdbeeren.

Du machst mich ganz stolz; die Tante nennt mich so oft gedankenlos, und Ernst sagt, ich sei unbedacht," lachte Elisabeth.Wie gefällt Dir mein Detter?"

Die Frage war so natürlich und wurde ganz harmlos gestellt, trotzdem brachte sie Annie in Verlegenheit. Es war ihr, als sehe fie daS bleiche, geistvolle Gesicht, daS fie im Wagen fich gegenüber gehabt, wieder vor fich, als blickten die stahlgrauen Augen fie erwartungsvoll an und wollten ihr die Antwort von den Lippen lesen.

Herr von Hildach ist ein ansehnlicher junger Mann und scheint geistvoll und liebenswürdig zu sein," sagte fie kühl und zurückhaltend.

Du sagst das in einem Ton, als hätte er keinen angenehmen Eindruck aus Dich gemacht, das bedauere ich; Ernst ist so gut," erwiderte Elisabeth.

Du irrst Dich; ich habe Deinen Vetter erst so kurze Zeit gesehen; es steht mir noch gar kein Urteil über ihn zu."

Er spottet gern; wir stehen immer mit­einander auf Kriegsfuß, aber ich bin ihm sehr gut."

Was fich liebt, neckt fich," scherzte Annie; es kam ein klein wenig bedrückt heraus.

Lieben?" sagte Elisabeth langsam, indem fie den Kopf in die Hand stützte und nachdenk­lich vor fich hinschaute.Ja, sieh, Annie, ich weiß eS nicht, ob ich Ernst liebe. Darum wünsche ich ja eben so sehr, Ihr möchtet recht gute Freunde werden, dann könntest Du mich vielleicht darüber ausklären."

ferner 8 Küstenpanzerschiffe, unter denen Beo» Wulf, Hildebrand. Heimdall und Hagen je 4114 TonS und 5000 HP., die übrigen rund 3500 Tons und 4500 HP. besitzen, 12 Panzerkanonen­boote, 11 große Kreuzer, unter ihnen Fürst Bismarck mit 10 690 Tons Deplazement unb' 13500 HP., Prinz Heinrich mit 8931 Tons und 15000 HP., ferner 30 kleine Kreuzer, von' denenGefion" 3765 Tons und 9000 HP.,' Irene" undPrinzeß Wilhelm" je 4292 TonS und 8000 HP. besitzen, endlich 6 Kanonenboote, 15 Schulschiffe, 8 Spezialschiffe, unter denen S. M. JachtHohenzollern" mit 4279 Ton« und 9000 HP. undKaiseradler" mit 1716 TonS und 3000 HP. figurieren, und 3 Hafen­schiffe,Friedrich der Große,"Preußen" und Neptun," die sämtlich zur Marinestation der Ostsee gehören.

Statuten der Krankenkassen.

Nach Erlaß des Krankenverficherungsgesetzes vom 15. Juli 1883 und demnächst von neuem nach Erlaß des Abänderungsgesetzes vom 10. April 1892 hat der Bundesrat, um eine An­leitung zur Aus- oder Umarbeitung von Kaffenstatuten zu geben und dadurch die Durch­führung des Gesetzes zu erleichtern, Entwürfe von Statuten für eine Ortskrankenkasse unb; für eine Betriebs-(Fabrik-)Krankenkasse nebst Vorbemerkungen unv Erläuterungen aufgestellt unb imZentralblatt für das Deutsche Reich" veröffentlicht. Durch das nunmehr im Reichs­gesetzblatt verkündigte Abänderungsgesetz vom 25. Mai d. I. hat das Krankenverficherungs- gesetz wiederum so wesentliche Abänderungen erfahren, daß eine Umarbeitung der großen Mehr­zahl der Kassenstatuten nicht zu umgehen sein wird., Damit für diese Umarbeitung in ähnlicher Weise, wie aus Anlaß der beiden früheren Gesetze, eine Anleitung gegeben werde, ist dem Bundesrate nunmehr ein Entwurf für die not­wendigen Abänderungen jener Musterstatuten zugegangen, der nach erfolgter Beschlußfassung des Bundesrats baldtunlichst veröffenüicht werden soll.

Das neue Gesetz tritt seinem vollen Inhalte nach zwar erst mit dem 1. Januar 1904 in Kraft. Die Krankenkassen werden aber gut tun, die Beschlußfassung über die Aenderungen ihrer Statuten möglichst frühzeitig zu bewirken, damit sich nicht die Genehmigungsanträge bei den höheren Verwaltungsbehörden zu sehr auf den Schluß deS Jahres zusammendrängen und dann infolge Ueberlastung dieser Behörden un­liebsame Aenderungen nicht rechtzeitig erfahren sollten, müssen letztere nach Bestimmung deS. Gesetzes durch die Aufsichtsbehörde mit rechts­verbindlicher Wirkung von Amts wegen voll-* zogen werden.

Hierbei mag zugleich darauf hingewieseNj werden, daß die den eingeschriebenen Hilfskaffem auf Grund des § 75 a des Krankenverficherungs­gesetzes ausgestellten Bescheinigungen, wonach diese Kassen, vorbehaltlich der Höhe deS,

Annie mußte laut auflachen.Das ist ein drolliger Auftrag. Liebt Dich denn Dein Vetter?"

DaS weiß ich nicht und glaube, er weiß eS selbst nicht. Das heißt, er ist mir gut, aber ob wir so eine Liebe für einander haben, eine Liebe, wie Du wirst mich verstehen, Annies

Eine Liebe, wie fie dazu gehört, um fich mit einem Manne fürs ganze Leben zu verbinden, Freud und Leid, wenn eS sein muß Kummer, Elend, ja selbst Schmach mit ihm zu teilen,, eine solche Liebe ist es nicht!" fiel Annie ein.- Sie hatte sich halb von ihrem Sitze erhoben, ihre Stimme hatte etwas Feierliches.

Elisabeth nickte stumm.

Man will Dich mit Deinem Vetter ver­heiraten?" fuhr Annie fort.

Ich glaube, der Onkel wünscht es, die Tante hält e§ für ausgemacht, und Vetter Ernst hat nicht gerade etwas dagegen."

Unb Du?" , . t r

Ich befinde mich so ziemlich in derselben Lage, nur find mir seit kurzem doch Zweifel aufgestiegen, ob es genügt, daß man einander nur gut ist, um in der Ehe glücklich zu werden."

Prüfe Dich, Elisabeth, prüfe Dich"

Wie bleich Du plötzlich wirst," unterbrach fie das junge Mädchen erschrocken;die Tante hat doch recht, ich bin gedankenlos. Da schwatze ich mit Dir von meinen Angelegenheiten und vergesse darüber, wie dringend Du der Ruh« bedarfst. Lege Dich ein paar Stunden nieder Annie, ich wecke Dich, wenn es Zeit ist, daß Du Dich jum Mittagessen ankleidest."

(Fortsetzung folgt.