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mit -em Kreis-latt für die Kreise Marburg un- Kirchhain.

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Sormtagsbeilage: JLlitstrirLes Sormtagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei oer Expedition 2 Mk., bei allen Postämtcm 2,25 Mk. <excl. Bestellgeld).

Jnsertlvnsgebühr: die gespaltene Zeile oder vercn Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 7. Juni 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Unklarheiten und Unwahrheiten, n.

Wir haben uns gestern mit der wirtschafts­politischen .Seeschlange" der unwahren Be­hauptungen beschäftigt und ihr an der Hand einiger weniger statistischer Zahlen eines ihrer Häupter abgeschlagen, das von früh bis spät und Tag für Tag die öffentliche Meinung dahin zu beeinflussen suchte, daß die Getreidezölle die Getreidepreise steigerten und damit die Lebenshaltung verteuerten. Wir bezweifeln zwar nicht, daß diese Behauptung trotzdem von den freihändlerischen Doktrinären nach wie vor weiter verkündet wird, denn sie ist eine der Hauptstützen, die ihre Theorie des-Freihandels trägt. Und deshalb können sie dieselbe für ihre Zwecke nicht entbehren. Doch das macht nichts. Bei allen, denen der Cobdenismus noch nicht den Kreislauf der Gedanken unheilbar gestört hat, wird durch die von uns zitierten statistischen Zahlen jener Ast, auf dem der Freihandel mit saß, abgesägt sein und bleiben. Und heute gehen wir daran, einen weiteren Ast abzuhacken, den die Freihandelsmänner sorgsam mit Vogelleim beschmiert haben in der Absicht, vor allem die Handwerker daran festzuleimen, um sie so zu sich in das Freihandelslager herüberzuziehen für den Fall, daß das Schreckbild desdurch die Zölle im Preise erhöhten Brotgetreides" nicht in der gewünschten Weise ziehen sollte. Diese Leimrute der nationalen und internationalen Demokraten wird gekennzeichnet durch den Satz: die Zölle verteuern dem Handwerker die zum Gebrauche feines Handwerkes «ö» tiflett Rohstoffe!

Es ist nicht abzustreiten, daß auch dieser Satz gerade so wie der andere vomBrot­wucher", wenn er nur mit dem nötigen Pathos vorgetragen wird, auf die Menge jener Leute, denen das Denken eine viel zu beschwerliche Arbeit ist, um es auch nur zu versuchen, großen Eindruck macht. Wie eben jedes Schlagwort bei der denkfaulen Menge auf Erfolg zählen kann, welches ihre materiellen Instinkte zu reizen vermag. Ob es den Tat­sachen entspricht oder nicht, spielt dabei gar keine Rolle. Der politische Führer wirft es seinen Hörigen zu, und diese, die sonst meist im Leben erbitterte Feinde jeder göttlichen und menschlichen Autorität find, plärren es unver­standen und unverdaut M^tzchestijfleS Dogma nach und versuchen eS oft, durch die Beweiskraft ihrer Fäuste ihre Gegner zum Glauben an das­selbe zu bewegen. Die Hauptsache bleibt, daß die urteilslose große Menge an jene Schlagworte glaubt, die die Führer derselben unter sorg­samer Beachtung der etwaigen Wirksamkeit auSgediftelt haben. Denn nur mit Rückficht darauf werden solche Schlagworte geprägt, deren Inhalt vollständig unwahr ist, wie jenes, daß die Zölle dem Handwerker die Rohstoffe verteuern. Dieser Satz ist ein

Willkommengruß zur Fuhuenweihe des Poßunterbeamte« - BtrriuS Marburg a. b. L.

Willkommen rufen wir aus vollen Herze« Euch Allen zu, die Ihr erschienen seid, Zu unferm Weihefeft, zu Tanz und Scherzen, Zu frohem Ernst zu ernster Fröhlichkeit.

Drum labt die Weihestimmung Einzug halten, Bringt alle beut' der Freude ihren Zoll, Dann wird sich unser Fest auch schön entfalten, Dann wird es werden, wie eS werden soll.

Werst hinter Euch waS noch von trüben Stunden In Euren Herzen etwa haftet still Zur Freude habt Ihr Euch hier eingefunden Drum hoch den Kopf! es geht, wenn man nur will. Ja hoch den Kopf! Das ist des Postmanns Weise, Die Art der Männer, die sich heute hier Versammelten im frohem Festeskreise, Geschart um ihren Wahrspruch, ihr Panier.

Und mag das Wetter noch so bräun und toben, Sie scheuen nicht den Aufruhr der Natur Klar ist ihr Auge und der Kopf bleibt oben, Fest ist ihr Schreiten über Feld und Flur.

Sie fragen nicht nach Frühlings holdem Lächeln Nach Sommer nicht und nicht nach Sonnenlicht Ob Donner grollen, ob Zephyre fächeln, Sie scheuen auch des Mnters Stürme nicht.

Und diese zähe Art wird nimmer wanken, Wenn auch des Lebens Wetter sie umbraust Stets sest der Sinn, stets vorwärts die Gedanken Sie schreiten wacker durch, wenn älrch zerzaust. Ihr Wackern, die Ihr folget uns'rer Bitte, Gekommen seid von fern und nah, Seid uns willkommen heut in uns'rer Mitte, Von Herzen rufen wir Euch zuHurah"!

Kronemann, Ober-Postschaffner.

Hauptargument der Nationalsozialen in ihrem Kamvfe gegen den Zolltarif und gegen die auf seiner Basis abzufchließenden Handelsverträge. Es darf in keiner Versamm­lung unausgesprochen bleiben, in der auch nur ein einziger Handwerker anwesend ist. Und demgemäß operierte auch H. v. Gefach, der nationalsoziale Reichstagskandidat am vorigen Mittwoch damit und erzielte bei seinen An­hängern einen Erfolg, den man in Hinblick auf die möglichen Rückschlüsse auf den Jntellett derselben nur bedauern kann.

H. v. Gerlach führte u. a. am Mittwoch aus, daß durch den neuen Zolltarif den Handwerkern die Rohstoffe ver­teuert würden, so z. B. den Weißbindern der Kalk, die Farben, die Pinsel, den Tischlern das Holz, den Pflasterern die Steine, den Maurern der Zement, denSchuhmachsrn die Schuhe! Herr von Gerlach hätte ebenso gut fortfahreu können: Den Lokomotiv­führern die Lokomotiven, den Orga­nisten die Orgeln, den Küstern die Kirchen u. s. f. Und das mit ganz dem gleichen Rechte, wie er die Schuhe zu den Rohstoffen rechnet und ebenso den Zemeut, von denen doch jedes Kind weiß, daß sie Ferttgfnbrikate und keiue Rohstoffe sind. Aber was macht das Herrn von Gerlach? Man sieht, er ist nicht wählerisch in seinen Mitteln. Wenn er einen Zweck zu erreichen gedenkt, stellt er ruhig, wie in diesem Falle, jedes Ting auf den Kopf, in der Hoffnung, daß es niemand merkt! Seine Anhänger können daraus ersehen, wie gering er ihre geistigen Fähigkeiten einschätzt.

Nein, weder Schuhe noch Zement find Rohstoffe, sondern bereits fertig ge­arbeitete Fabrikate! Daß auf diese ein Zoll kommt, ist vollständig berechtigt, um unserer heimischen Industrie, die aus den Rohstoffen Schuhe und Zement herstellt, zu fördern und deutschen Arbeitern Arbeit und Verdienst zu sichern, die beiden ohne die Zölle auf Fertigfabrikate dem Auslande zufallen würden. Daß H. v. Gerlach die technische Terminologie so unbekannt sein sollte, daß er die Begriffe Rohstoffe und Fertigfabri­kate nicht unterscheiden könnte, ist selbstver­ständlich bei der großen Bildung, die er besitzt, ausgeschlossen. Er kann deshalb mit dieser Vermengung der Begriffe lediglich eine Beein­flussung der Wähler zu seinen Gunsten beab­sichtigen, von deren Unmöglichkeit er überzeugt ist, wenn er sich streng an die nackten Tatsachen hält.

Wie steht e8 nun aber mit der Behaup­tung v. GerlachS, daß der Zolltarif den Handwerkern die Rohstoffe verteuere? Sehen wir uns die Sache ein­mal näher an. Der Zimmermann, der Tischler braucht zu seiner Berufsarbeit Holz. Daß unsere hiesigen Zimmerleute und Tischler sowie die sonstigen Handwerker, die Holz verarbeiten, dies Holz ausnahmslos aus den

4 (Nachdruck verboten.)

Gefesselt.

Roman von Jenny Hirsch.

(Fortsetzung.)

Elisabeth hatte in dem Institut, in welchem sie mehrere Jahre verbrachte, die Bekanntschaft der um zwei Jahre älteren Annie Wilson gemacht und sich dieser mit der vollen Be­geisterung ihres jungen liebebedürstigen Herzens angeschlossen. Als Annie sich von ihr trennen mußte, um ins Leben hinaus zu gehen, war ihr dies ein namenloser Schmerz gewesen, und die sich ihr eröffnende Aussicht auf die reiche Erb­schaft hatte sie hauptsächlich deswegen erfreut, daß sie nun hoffen durfte, wieder mit ihr ver­einigt zu werden. Onkel Metzig hatte ihr versprochen, sobald sie auS der Pension zurück­kehre und in feinem Hause lebe, wolle er Annie Wilson alS ihre Gesellschafterin zu ihr kommen lassen. Sein Tod hatte diesen Plan vereitelt.

Wiederholt hatte Elisabeth, sich auf die Zu­sage des Verstorbenen stützend, gebeten, man möge ihr gestatten, ihre liebe Annie zu sich zu nehmen; die Frau Oberst hatte stets geantwortet, Elisabeth stehe unter ihrer Obhut und bedürfe weder einer Leitung noch einer Gesellschaft. Der Onkel hätte ihr wohl gern den Wunsch er­füllt, aber er war eine jener bequemen Naturen, die unbedingt unter die Herrschaft eines stärkeren Willens geraten, und einen solchen besaß seine Frau. Sie hatte stets die schlagendsten Gründe dafür bei der Hand, daß die Aufnahme eines

heimischen Wäldern entnehmen, ist anzunehmen. Aber gesetzt auch, sie bezögen es aus dem Auslande. Dann würden uach Pos. 74 des neuen Zoll­tarifs die 100 kg für unbearbeitetes oder roh bearbeitetes Holz 20 Pfennig und für weiter bearbeitetes, nach Pos. 75, 50 Pfennig Zoll zu entrichten sein. Und dieser Zollsatz wird mindestens auch heute unter den geltenden Handelsverträgen für den Doppel­zentner gezahlt. Eine Verteuerung deS Holzes würde also nicht eintreten. Wie steht es nun bei den Weiß bindern und Malern? Nach Pos. 224 und 225 des neuen Zolltarifs sind Färb er den (auch Kreide), Graphit, Bimsstein, Schmirgel, Wiener Kalk, nach Pos. 227 kohlensaurer Kalk, gebrannter Kalk, auch gelöscht, Kalkmörtel, natürlicher phosphorsaurer Kalk, Magnesit, Dolomit, Witherit, Strontianit u. s. f. zollfrei, und ebenso sind zollfrei die Borsten (Pos. 151) und Borstenersatzstoffe für die Pinsel, woraus zugleich hervorgeht, daß auch die Roh­stoffe der Bürstenmacher ebenfalls nicht durch den neuen Zolltarif verteuert werden, da sie eben wie die der Weißbinder, Maler und verwandter Gewerbe zollfrei sind. Die Roh- stoffe, die das Maurer- und ihm verwandte Gewerbe verarbeiten, sind nach dem neuen Zolltarif ebenfalls zollfrei. So nach Pos. 221 Kies, nach Pos. 223 Lehm, Chamotte- und Dinasmörtel und ebenso die sog. hydrauli­schen (wasserbindende) Zuschläge oder Pozzuolane, Tuffe, Traße, und da Kalk, wie oben erwähnt, ebenfalls zollfrei eingeführt werden darf, so sind auch die Rohstoffe für Zement zollfrei. Der fertige Zement unterliegt allerdings einem kleinen Zoll und zwar von 50 Pfennig pro Doppelzentner. Dadurch sollen aber unsere zahlreichen Zementfabriken, die großen Mengen Arbeitern Arbeit und Verdienst verschaffen, konkurrenzfähig gegen daS Ausland erhalten werden, und deshalb ist dieser geringe Zoll auf fertigen Zement volkswirt­schaftlich gerechtfertigt und nötig. Auch Steine, Lava (Pos. 234), Gips (Pos. 228), Schlacken zu Bausteinen (Pos. 704) sind zollfrei. Nun das Rohmaterial der Pflasterer. Auch daS ist zollfrei nach Pos. 234 (Steine pp.) Bearbeitete Steine, Pflaster­steine tragen allerdings nach Pos. 681 einen Zoll von 40 Pfennigen pro 100 kg. Und warum? Weil ohne diesen Zoll das Ausland (Norwegen z. B.) mit seinen vorzüglichen Pflastersteinen unsere Pflasterindustrie mit ihren vielen tausend Arbeitern einfach ruinieren würde. Darunter würde gerade unsere aufblühende hessische Pflasterindustrie am härtesten betroffen worden und deshalb ist dieser geringe Zoll von 40 Pfennigen ebenso berechtigt wie nötig. Aber die Rohstoffe find auch hier zollfrei! Wir kommen zu den Schuhmachern, Kürschnern und Gerbern. Daß Schuhe keine Rohstoffe, wie H. v. Gerlach behauptet, find, brauchen wir wohl niemand zu beweisen.

fremden Elements vom Uebel sei, und diesen Gründen mußte man fich beugen.

Selbst von einer Einladung zu einem längeren oder kürzeren Besuche au Annie wollte die Frau Oberst nichts hören, und es war halb gegen ihren Willen geschehen, daß eine solche nun doch ergangen war. Annie, welche eine Zeitlang Gesellschafterin bei einer in Nizza lebenden Gräfin gewesen war, hatte eine längere Zeit gar nichts von sich hören lassen und dann an Elisabeth geschrieben, daß fie fich in Paris befinde, ihr aber nicht ihre Wohnung angegeben, sondern nur eine Chiffre, unter welcher fie ihr ihre Briefe postlagernd senden sollte. Dadurch, sowie durch den Ton in AnnieS Schreiben tief bekümmert und beunruhigt, hatte Elisabeth jetzt alles daran gesetzt, die Freundin zu fich rufen zu dürfen. Sie hatte fich hinter ihren Vetter Ernst gesteckt, dem die Mutter nicht so leicht etwas abschlug, fie hatte dem Onkel so lange in den Ohren gelegen, bis dieser gegen seine Gewohnheit ein Machtwort sprach, und so hatte fie denn die Einladung an Annie schreiben dürfen. Die Antwort darauf war die Anzeige gewesen, daß Annie unverzüglich abreisen werde, und wieder hatte fich Elisabeths eine große Angst bemächtigt.

Ohne daß Annie es geradezu aussprach, glaubte sie doch zwischen den Zeilen zu lesen, daß jene von Gefahren umringt sei, vor denen sie sich zu ihr flüchten wollte. Die Erscheinung der Freundin verwischte diesen Eindruck zwar wieder ein wenig in ihrem arglosen Gemüte, aber trotzdem stand es sest bei ihr: fie ließ fie

Die wirkliche Rohstoffe der Schuhmacher, Kürschner und Gerber find dagegen ebenfalls zollfrei.

Nach Pos. 153 des neuen Zolltarifs unter­liegen Felle und Häute zur Lederbereitung, auch Leimleder, rohe Fisch- und Kriechtierhäute keinem Zoll. Und ebenso find nach Pos. 154 Hasen- und Kaninchenfelle und nach Pos. 155 Felle zur Pelzwerk-(Rauch-)Warenbereitung zoll­frei. Daß fertig bearbeitete Felle, also Leder, einem Zoll unterliegen, ist nicht mehr wie recht und billig. Denn dadurch soll erzielt werden, daß die Zubereitung deS Leders im Inlands bewirkt wird, wodurch das schwer darniederliegende heimische Handwerk der Gerber geschützt und gefördert werden foö,' welches einer großen Anzahl Arbeitskräften Lebensunterhalt und damit Existenz bietet.

Unsere Leser werden aus diesen wenigen Beispielen ersehen, daß der Zolltarif keines­wegs den Handwerkern die Rohstoffe verteuert, da er für fast sämtliche Roh­materialien keinen Zoll vorsieht. Wenn er dagegen Halb- und Fertigfabrikate mit einem Zoll belegt, so geschieht es, um jene Teile deS heimischen Handwerks und der Industrie, die sich mit der Verarbeitung von Rohstoffen befassen, zu fördern oder vor ihrem völligen Untergang zu bewahren. Dadurch werden zahlreiche Mittelstandsexistenzen vor der Vernichtung gesichert, und zahlreiche Arbeits­kräfte erhalten Arbeit und Verdienst. Und deshalb find diese Zölle volkswirtschaftlich be­rechtigt und notwendig. Wer sich gegen dieselben erklärt, der kann nur ein Feind unseres Handwerkerstandes und der Kleinindustrie sein. W.

Umschau.

Die Hilfe, Nationalsoziales Volksblatt, herausgegeben von Fr. Naumann, Pfarrern. D., schreibt in ihrer Nr. 23:Die .Oberhess. Ztg.' in Marburg be­schuldigt die Nationalsozialen:fie wollen den Grund und Boden zum Staatseigentum machen und dem Arbeiter seine paar Aeckerchen nehmen, die er fich zusammengespart hat". Offenbar hat ein alter Meergreis unter den Konservativen eine unklare Jugenderinnerung an die Boden­reform allererster Entwickelungsstufe etwas zittrig zu Papier gebracht und dem ^Ober- hessen" eingesandt. Der aber hat schnell zu- sammenzereimt und zusammengeleimt: Boden- reforni..: Damaschke Nationalsoziale und hat jenes verstaubte Zerrbild schleunigst in eine Polemik gegen die Nationalsozialen, zu der vermutlich der Stoff ohnedies sehr knapp gewesen wäre, hineingesteckt. 0 sancta sim- plicitas!" In diesen Ausführungen ist jeder Satz ein Irrtum. Ueber die selbstgefällige Ueberhebung, die in dem lateinischen Ausruf steckt, sehen wir kaltlächelnd hinweg, denn wir

sobald nicht wieder fort. Beim Eintritt in die Vorhalle machte Ernst von Hildach Miene, eine der rechts und links in das Innere führenden Türen für seine Begleiterinnen zu öffnen, Elisabeth hielt ihn jedoch zurück.

Nicht doch, Ernst," sagte sie, ,verspüren wir die Vorstellung bis vor dem Mittagessen. Bis dahin hat es noch ein paar Stunden Zeit, und die mag Annie auf ihrem Zimmer ver­bringen, um fich auszuruhen."

Ohne auf die Einwendungen der Freundin zu hören, nahm fie deren Arm, nickte dem Vetter freundlich zu, stieg mit Annie die Trepp« hinauf und öffnete die Tür eines Zimmers, durch dessen herabgelaffene Jalousien sich nur gedämpft das Licht des Tages stahl. Eine kühle, wohlige Lust, von Rosenduft süß durchwürzt, wehte den Eintretenden entgegen.

Die Diener, welche daS Gepäck heraus­brachten, folgten den Äamen aus dem Fuße und entfernten fich auf einen Wink der jungen Herrin fehr schnell wieder.

Sei willkommen, nochmals willkommen!" rief Elisabeth, sobald fie fich mit Annie allein sah, und zog fie an sich.O, Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich nach Dir gesehnt habe!"

Und Du weißt gar nicht, welche Wohltat Du mir erwiesen hast, daß Du mich gerade jetzt zu Dir riefst! O Elisabeth, wie danke ich Dir!"

Annie machte eine Bewegung, als wollte fi« die Hand der Freundin, welche fie noch in bei ihrigen hielt, an ihre Lippen drücken; Elisabeth aber umfing fie, küßte fie nochmals auf bn Mund und strich ihr liebkosend über das Gesicht