Die konservative Wählerversammlung.
Im Restaurant Schweinsberg sprach gestern abend der gemeinsame Kandidat der Konservativen und des Bundes der Landwirte zum zweiten Male, und zwar vor einer fast ausschließlich aus Einwohnern Marburgs bestehen- ven Zuhörerschaft. Es hatten sich mindestens 800 Personen in dem vorderen Saale eingefunden, unter ihnen ea. 60—70 Anhänger anderer Parteien, und zwar hauptsächlich Außerdem waren auch 2 Damen anwesend. Herr Justizrat Handschuh eröffnete um 8.40 Uhr die Versammlung und ersuchte hie politischen Gegner, in der Diskussion die Dauer ihrer Reden auf je ca. 10—15 Min. zu beschränken. 68 würde ihnen dagegen gestattet werden, so oft sie wollten, das Wort zu verlangen. Darauf erteilte er Herrn von Pappenheim das Wort, der zunächst Gelegenheit nahm, einige gegen ihn auSgestreute Beschuldigungen zurückzuweisen. So die, daß er die Kandidaturen Beinhauer und Wagner unterstützt habe und in dem Kreise, in dem er wahlberechtigt sei, eine Gegenkandidatur gegen den Kandidaten des Bundes der Landwirte betreibe. Beides wies er weit von sich. Damit habe er gar nichts zu tun, was schon aus seiner Stellung zum Bunde der Landwirte hervorgehe, die er dann nochmals präzisierte. Mit der gleichen Schärfe und Bestimmtheit wendete sich darauf unser Kandidat gegen die gegnerischen Ausstreuungen, als habe er sich gegen jede zukünftige Ausbesserung der Beamtengehälter erklärt. Er sei bereits im Gegensatz zu diesen Gegnern in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses vor Jahren erfolgreich für die Aufbefferung einiger Beamtenklaffen eingetreten und dies gäbe die Gewähr, daß er auch künftig so handeln werde. Dies müffe man ihm glauben. Denn Versprechungen an einzelne Beamtenkategorieen, um sich deren Stimmen für die Wahl zu sichern, mache er prinzipiell nicht. Er habe stets nur betont, daß man nicht blind darauf los solche Gehaltserhöhungen bewilligen dürfe, da doch der Steuerzahler dafür das Geld aufbringen müffe. In berechtigten Fällen würde er selbstredend immer für Aufbesserungen schlecht gestellter Beamtenkategorieen sein, doch müffe er seine Wähler auch darauf Hinweisen, daß er dann logisch auch für neue Steuern sein müffe, um die nötigen Gelder zu beschaffen. Eine Bier- und Tabaksteuer habe er niemals empfohlen. Erhabenur darauf hingewiesen, daß, sollten neue Beamtenauf» befferungen erfolgen, die Regierung vielleicht auf den Gedanken kommen könnte, Bier und Tabak zu besteuern, da andere Steuerquellen für sie nur schwer oder überhaupt nicht erreichbar seien.
2 «Nachdruck verboten.)
Gefesselt.
Roman von Jenny Hirsch.
IFortfetzung.)
Nachdem dies geschehen, nahm er den Freundinnen gegenüber Platz, der Diener schwang sich zu dem Kutscher auf den Bock und der Wagen setzte sich in Bewegung.
„Du wirst recht müde sein, arme Annie/ plauderte Elisabeth, „solch eine ununterbrochene Eisenbahnfahrt von Paris hierher muß sehr anstrengend sein. Nun, eS ist alles bereit, Du kannst Dich recht gründlich ausruhen/
„Ausruhen!" wiederholte Annie, und ein eigentümliches Zittern ihrer Stimme ließ den jungen Mann ihr gegenüber betroffen aufschauen, „daS wird mir wirklich gut tun."
Ernst von Hildach wollte es bedünken, als beziehe sich dieses „ausruhen" auf ganz andere, hinter ihr liegende Anstrengungen, als aus die ihr durch die Reise von Paris nach Potsdam verursachten. Verstohlen, aber mit großem Interesse ließ er seine Blicke auf dem Gesichte des jungen Mädchens ruhen, das sich schon ermüdet von dem Kampfe mit dem Leben fühlte.
Bereits als Annie auS der Eisenbahn gestiegen, war ihm deren hochgewachsene Gestalt, sowie die natürliche Anmut und der Adel ihrer Bewegungen ausgefallen; jetzt bewunderte er den stolzen Schwung des Halses, auf welchem der Kopf in gefälligster Weise sich wiegte. Das Kinn war äußerst zart und fein ausgebildet, und die Wange, besonders die Schläfe, von reizvoller Schönheit.__liebet der geraden Nase
Herr von Pappenheim legte dann an der Hand des Programms der Konservativen Partei sein politisches Glaubensbekenntnis ab, das er unter wiederholtem Beifall ausführlich begründete. Wir können es uns heute versagen, darauf ausführlich einzugehen, da wir das bereits bei Gelegenheit deS Referates über die erste Wahlrede des Herrn von Pappenheim in Marburg und Kirchhain getan haben. Er streifte die im Tagesintereffe stehenden religiösen Fragen, ging näher auf die soziale Gesetzgebung ein, deren segensreiche Wirkungen er schilderte. Er wolle nichts davon gestrichen wissen, obschon sie manchem Arbeitgeber schwere Lasten aufgebürdet habe, sondern er sei im Gegenteil sür einen weiteren Ausbau derselben. Auch für dieWitwen- und Waisenversicherung werde er eintreten, sowie die Mittel zu ihrer Durchführung auch wirklich vorhanden wären. Eine Reform des Reichsfinanzwesens sei dringend nötig, denn viele Einzelstaaten seien an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Jede weiteren Ansprüche an dieselben seitens des Reiches könnten den Bestand desselben unter Umständen ernstlich in Frage stellen. Bei seinen Erklärungen betreffs der zukünftigen Handelsverträge hob Herr von Pappenheim hervor, daß in ihnen das Jntereffe aller Stände und Berufe berücksichtigt werden müffe. Jedem Gewerbe sei weniger daran gelegen, daß ihm zeitweilig besonders hohe Preise gewährt als daß ihm dauernd auskömmliche Preise garantiert würden. Die gerechten Forderungen der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels müßten durch den Handelsvertrag erfüllt werden. Einen erhöhten Schutz erforderten serner zwei andere Erwerbsstände, die heute gleich der Landwirtschaft um ihre Existenz ringen, und da8 seien die Handwerker und die kleineren Gewerbetreibenden. Er werde ganz entschieden für alle Maßregeln und Gesetze eintreten, die geeignet seien, diesen beiden Erwerbsständen wieder den goldenen Boden zu verschaffen, den sie einst gehabt hätten. Er als Landwirt sei der Ueberzeugung, daß wenn dem Handwerker und Gewerbetreibenden geholfen würde, auch der Landwirtschaft geholfen sei, und ebenso umgekehrt. Er warne davor, jenen Verhetzungen der Gegner Gehör zu schenken, die nach dem Grundsätze: „Teile und herrsche" Uneinigkeit in die Kreise der Landwirte, Handwerker und Gewerbetreibenden hineintragen wollten. Denn nur Einigkeit macht stark. Nachdem Herr v. Pappenheim noch darauf hingewiesen hatte, daß er auch der Regierung gegenüber stets seine Selbständigkeit wahren und an seiner Ueberzeugung festhalten werde, schob er es weit von sich, lediglich ein
schwangen sich feingezeichnete schwarze Brauen um ein Paar große blitzende graue Augen und schloffen eine eben nicht hohe Stirn ab, die zwischen dem dunklen Haar wie aus breitem schwarzen Rahmen glänzte. Vielleicht das Reizendste an der ganzen Erscheinung war der Mund, nur wollte der Zug wehmütigen Ernstes, der sich darum gelagert, dem Asseffor für dieses Gesicht nicht natürlich erscheinen: ebenso wenig dünkte ihm daS tadellos fitzende, aber völlig schmucklose graue Reisekleid eine paffende Hülle für diese reizende Gestalt, und der schlichte Strohhut eine paffende Bedeckung sür ihr prächtiges Haar.
„Ein fröhliches Lachen müßte diesem Mund nicht übel stehen, sein Lächeln müßte entzücken," dachte er, und als habe sie seinen Wunsch erraten, erhellte ein solches jetzt wirklich ihr Gesicht.
Es war ein klarer, heller, aber nicht zu warmer Vormittag im Juli, ein während der Nacht gefallener ausgiebiger Regen hatte die Luft gekühlt. Der Wagen fuhr über die Lange Brücke und wandte sich der Stadt zu; der köstliche Duft der blühenden Linden, welcher um diese Zeit deS JahreS ganz Potsdam einhüllt, wehte den Fahrenden süß und berauschend entgegen.
„Wie entzückend ist daS! Wie schön ist es hier!" rief Annie, und jetzt war eS, wo das ersehnte Lächeln um ihre Lippen huschte.
„O, warte nur, bis wir die Stadt erst im Rücken haben, da sollst Du staunen und zugestehen muffen, daß Potsdam Versailles den Rang streitig machen darf," erwiderte Elisabeth, indem sie den Kopf ein wenig zurückwarf, so-
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Vierteljährlicher Bezugspreis: der der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cL Bestellgeld).
Jnsertronsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Freitag, 5. Juni 1903.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei 38. Jahrg, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Verfechter agrarischer Interessen zu sein. In seiner langen parlamentarischen Tätigkeit habe er viele wohltätig wirkenden Gesetze für Handel und Industrie mit zu Stande gebracht, und er werde auch in Zukunft deren Interessen vertreten. Nur wolle er Licht und Schatten gleichmäßig zwischen allen Erwerbs ständen und Berufen verteilt wissen nach dem alten preußischen Grundsätze „jedem daSSeine." Unter lebhaftem Beifall der Majorität der Versammlung schloß damit der Redner seine klaren, programmatischen Erklärungen. Er hinterließ von sich den Eindruck eines ManneS, an dessen Wort kein Deuteln und kein Zweifel möglich ist.
Recht unangenehm gegen diesen sachlichen, ruhigen Vortrag des konservativen Redners fiel die Art und Weise auf, in der der national- soziale Kandidat, Herr von Gerlach, die Diskussion eröffnete. Er stellte an den konservativen Kandidaten die kindische Forderung, dieser möge dafür sorgen, daß daS hiesige konservative Organ, das so wacker seine Wahl- intereffen vertrete, sich der gehässigen und unanständigen Angriffe auf die National- sozialen enthalte. Die. „Oberh. Ztg." bewürfe in ihren Angriffen die Nationalsozialen mit ganzen Schmutzkübel« voll Verleumdungen, per- fönlichen Gehässigkeiten «nd Gemeinheiten, die die „Hess. Ldsztg." lediglich abgewehrt habe. Seitens der „Oberh. Ztg." sei daS reine Faustrecht proklamiert worden!" Darauf haben wir folgende« zu erwidern:
„1. Die „Oberh. Ztg." ist völlig unabhängig von Herrn von Pappenheim, dem konservativen Kandidaten.
2. Die „Oberh. Ztg." hat im Jahre 1902 3—4 Monate lang mit keiner Silbe auf die fast alltäglichen Anrempeleien und Verleumdungen der Konservativen seitens des Organs des H. v. Gerlach, der „Hess. Ldsztg.", geantwortet. Erst dann hat sie, damit ihr Schweigen nicht falsch gedeutet würde, begonnen, sich der Angriffe der „Hess. Ldsztg." zu erwehren.
3. Es ist demnach unwahr, wenn H. von Gerlach behauptet, die „Oberh. Ztg." habe die „Hess. Ldsztg." angegriffen. Und da H. von Gerlach als Besitzer der „Hess. Ldsztg." diese tatsächliche Verhältnifle genau kennt, so hat er, als er die „Oberh. Ztg." als den ,angreifenden Teil" bezeichnete, eine „bewußte Unwahrheit" ausgesprochen.
4. Wir haben niemals „Schmutzkübel voll Verleumdungen, persönlichen Gehässigkeiten und Gemeinheiten" über die Nationalsozialen und die „Hess. LandeSztg." ausgegoffen, sondern nur daS Programm und daS politische Verhalten der Nationalsozialen einer Kritik unterzogen sowie oft ehrenrührige Angriffe der „LandeSztg." von uns abgewehrt.
daß daS etwas aufgestülpte Näscheü dem Gesicht einen kecken, herausfordernden Ausdruck gab, der aber gemildert ward durch den treuherzigen Blick der lachenden hellbraunen Augen, den wohlwollenden Zug um den nicht allzu kleinen, aber frischen und mit den schönsten kleinen Zähnen versehenen Mund.
„Inzwischen gibt es in der Stadt auch mancherlei zu sehen," mischte sich Ernst von Hildach ins Gespräch, nicht ohne Anstrengung sich seinen eigenen Gedanken entreißend, welche im Begriff gewesen waren, sich gar zu eingehend mit dem Vergleiche zwischen dm beiden ihm gegenüberfitzenden jungen Mädchen zu beschäftigen. „Hier find wir am Schloß."
„Welch ein weiter und mächtiger Platz!" rief Annie bewundernd.
„Hier werden die Paraden abgehalten," erklärte Elisabeth wichtig, „auS jenen Fmstern sehen die Prinzessinnen gewöhnlich dem herrlichen Schauspiele zu. Du mußt eS auch genießen und dabei den Kaiser mit seinem Gefolge und unseren schönen, ritterlichen Kronprinzen sehen."
Es war in dm letzten RegierungSjahkbn Kaiser Wilhelm I. Noch hatte die tückische Krankheit, welcher er zum Opfer fallen sollte, den Kronprinzen nicht ergriffen.
„Jene Fenster gehören zu dm Gemächern, welche von Friedrich dem Großen bewohnt wurden," nahm Ernst wieder das Wort, „doch das hat vielleicht kein großes Interesse für Sie; Sie find Engländerin."
„Meine Mutter war eine Deutsche, eine Preußin," erwiderte Annie, indem ihre-Wangen sich höher färbten, „und ich habe meine Er-
5. Welche der beiden Zeitungen mit jenem „Gerlach'schen Schmutzkübel" seine Gegner be» denkt, weiß in Marburg jedes Kind.
Als Zeugen für unsere W orteführen wir die Ein- wohnerschast unserer Stadt an, der wir eS überlassen, für Herrn v. Gerlach für diesen wahrheitswidrigen Angriff daS rechte Wort zu finden. Au» Achtung vor uns selbst und aus Rücksicht auf unsere Leser verzichten wir auf jede weitere Charakterisierung des Vorgehens jenes Herrn, der mit solchen Mitteln seine Kandidatur der Wählerschaft empfehlen zu müffen glaubt. AuS den übrigen Ausführungen dieses Herrn heben wir noch hervor, daß er nicht glaubt, daß für das Handwerk jemals wieder „der goldene Boden" erreichbar sei und daß er behauptet, der Zolltarif verteure den Handwerkern die Rohstoffe, worunter er für die Schuster die Schuhe zählt. Auf dies Thema werden wir später in einem besonderen Artikel noch zurückkommen. Nach v. Gerlach sprach Herr Dr. Michels, auf dessen Ausführungen wir nicht ein gehen können, da uns dazu die Luft und der Raum fehlt. Denn wenn er als Privatdozent heute noch nicht z. B. Begriffe wie „Fremdwort" und „Zitat" definieren kann, so ist es unsere Sache nicht, ihn darüber zu belehren. Sachlich und ruhig, wenn auch scharf griff der sozialdemokratische Kandidat Bader in die Diskussion ein und legte Herrn von Pappenheim verschiedene Fragen vor, die dieser beantwortete, soweit er daS als ehrlicher Mann kann, der eS ablehnen muß zu einem Gesetz Stellung zu nehmen, bevor er dessen Inhalt kennt. Bezüglich seiner Stellungnahme zu den indirekten Steuern erklärte H. v. Pappenheim, er wolle dafür sorgen, daß der Arbeiter, der Handwerker und Gewerbetreibende Markstücke genug verdiene, dann werde er auch die paar Pfennige indirekte Steuer bezahlen können, die für die Erhaltung des Reichs nun einmal unentbehrlich ist. Herr von Pappenheim erklärte ferner, et habe sich nie u«d nirgends gegen das direkte geheime Wahlrecht a«8- gefproche«. Im Gegenteil wünsche er als konservativer Mann, daß daSBestehende anchbestehenbleibg, Es fei unwahr, datz er sich für ein neues Sozialifteugefetz ausgesprochen habe. Gesagt habe er nur ganz allgemein, es würde wohltätig für den inneren Frieden im Reiche fein, wenn ein Gesetz existieren würde, kraft dessen man die Volksverhetzer aller Stände, die Zerstörer des inneren Friedens unseres Volkes des Landes verweisen könne. ES sei ferner unwahr, daß er die Metzger und Bäcker als die Leute bezeichnet habe, die daS Brot und Fleisch verteuerten. Dies geschehe hauptsächlich durch den unberechtigten Zwischenhandel, die Börse, sowie beim Fleisch z. B. in Berlin durch die SchlachthauS- steuer. DaßderZoll keine Brotverteurung herbeiführe, beweise der Umstand, daß vor 20
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ziehung zum größten Teil in Deutschland erhalten."
„Eie sprechen daS Deutsche allerdings, als ob es Ihre Muttersprache wäre," bemerkte Ernst.
„DaS ist eS auch in deS Wortes eigentlichster Bedeutung," lächelte Annie.
„DaS Französische ist ihr nicht minder geläufig," plauderte Elisabeth, der es Freude machte, die Vorzüge der Freundin ins hellste Licht zu setzen; „wir neckten Dich in der Pension immer mit Deiner Vorliebe für Frankreich und die Franzosen, und ich fürchtete, Du würdest während Deines Aufenthaltes in Nizza und Paris noch gänzlich zur Französin werden."
„O nein, nein!" wehrte Annie mit einer Lebhaftigkeit, welche von ihrem bis jetzt an den Tag gelegten anmutig gehaltenen Wesen eigeiu tümlich abstach und gar nicht im Einklang mn der scherzend hingeworfenen Bemerkung der Freundin stand. Den Asseffor wollte es bedünken, als sei dadurch eine wunde Stelle in dem Gemüte der jungen Dame berührt worden, denn ihre Stirn hatte sich verdüstert und fi- schaute trübe vor sich nieder.
„Du kannst doch recht lange bei mir bleibe« Annie?" nahm Elisabeth nach einer kleinen Pause das Gespräch wieder aus.
„So lange Du mich haben willst," erwiderte diese fröhlich, „ich bin jetzt ganz frei."
Kaum hatte sie die letzten Worte gesprochen, so fuhr sie leicht zusammen, als habe berea Klang sie erschreckt; ein leiser Seufzer entschlüpft» ihren Lippen, und der Schmerzenszug um ihren Mund schien sich zu vertiefen.
(Fortsetzung folgt.