Utfcrofltett tmb w«hrschemlich gleich verschiebe«. Der Schrotschuß ist offenbar auS nächster Nähe «bgegeben, so daß der Stock Kellers, den dieser Wie zur Abwehr entgegenstreckte, zersplitterte und mit Pulversteinen überzogen ist. Der Schuß fitzt mitten in der Brust und hat eine große Wunde verursacht. Keller war ohne Gewehr, hatte jedoch 2 Revolver bei sich, er hat — und zwar allem Anschein nach erst nach seiner Verwundung — dieselben aus der Tasche gezogen. DaS kSnigl. Amtsgericht Battenberg erschien schon bald nach Mitternacht, der Dettreter der Staatsanwaltschaft Marburg am nächsten Morgen am Tatort. Verhaftet und dringend verdächtig ist der 16jährige Karl Strieder aus Bromskirchen, der trotz seiner Jugend schon mehrfach vom hiesigen Landgericht wegen schwerer Diebstähle bestraft ist. Zeugen haben ihn am Morgen vor der Tat mit einem Gewehr gesehen, kurz vor der Tat ist er in der Nähe deS Tatorts gesehen worden, kurz nach derselben ist er dabei betroffen worden, als er ein Gewehr unter einem Busch zu verbergen suchte. Auch hat er sich in erhebliche Widersprüche verwickelt. Keller war wegen seines freundlichen Wesens bei der BevSlkerung allgemein beliebt.
□ Homberg a. 6. Ohm, 81. Mai. Wiederum Hat die Ohm em Opfer gefordert. Testern abend 6 Uhr ertrank beim Baden in dem offenen Fluß in der Nähe der Hainmühle der hiesige Bahnhofswirt Deeg, der 24 jährige Sohn der Gastwirtin Ww. Deeg zum .Frankfurter Hof', dahier. Ein Herzschlag hat, soweit aus den Bekundungen der Zeugen zu nehmen ist, den Tod herbeigeführt. Der Verunglückte war ein angenehmer, strebsamer Mensch, die Teilnahme der Einwohnerschaft der schwergeprüften Witwe und den trauernden Geschwistern gegenüber ist daher allgemein und herzlich. <•
Heffen-Naffau und Nachbargebiete
M Treysa, 81. Mai. Unter starker Beteiligung seitens der Bürger- und Beamtenschaft sowie des Kriegervereins wurde heute der seit dem 1. d. M. pensionierte Gerichtsdiener und Gefangenwärter Feuer- senger dahier beerdigt. Der Verstorbene stammte aus der Gegend von Insterburg in OK Preußen und war, nachdem er an mehreren anderen Orten tätig gewesen, vor etwa 17 Jahren an daS hiesige Amtsgericht versetzt worden. Durch sein humanes und anspruchloses Wesen war es ihm möglich, sich bei allen, mit denen er amtlich und außeramtlich m Berührung kam, recht beliebt zu machen.
Kassel, 30. Mai. Durch zwei Jagdhunde dom Tode errettet wurde in Hannov.-Münden ein Herr aus Kaffel. Er wollte über die Fulda in einem Fährboot setzen. DaS Fahrzeug schlug jedoch um und der Jnsaffe versank im Wasser. In diesem Augenblicke sprangen die zwei Jagdhunde eines vorübergehenden Jägers in die Flut und zogen den Ertrinkenden schwimmend ans Land, indem ihn die klugen, mutigen Tiere am Rockkragen kunstgerecht festhielten. Die am Ufer alsbald angestellten Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg begleitet.
Kassel, 30. Mai. Der Bäckerstreik wurde durch eine Resolution der am Dienstag abend tagenden Versammlung der Streikenden für beendet erklärt. Die Gehilfen nehmen die von den Meistern angebotenen zehn Prozent Lohnerhöhung an.
Altenbaaua, 29. Mai. Dem .Kaff. Tgbl.' wird geschrieben: Ein ebenso heiteres als seltenes Vorkommnis hat sich in einem hiesigen Bauernhause gestern abend zugetragen. Der älteste erwachsene Sohn deS Hauses hatte sich früh $u Bett gelegt, weil er am andern Morgen zeitig
heraus mußte, während die Mutter und andere Angehörige noch vorn im Zimmer beschäftigt waren. Plötzlich fing der junge Mann zu lamentteren an: »Es muß ein Untier im Bette sein, es krabbelt und knurrt etwas unter mir im Bettstroh, ich kann nicht schlafen, ich stehe auf K." Die Mutter und die anderen suchten ihn vergeblich zu beschwichttgen, lachten ihn wegen seiner Einbildungskraft auS und meinten, er träume wohl. Plötzlich sprang der Junge mit einem Satz aus dem Bette unter allen Zeichen der Erregung. Man durchsuchte nun das Bett und fand zur allgemeinen lieber« rafchung daS Untier — einen leibhaftigen Igel — im Bette. Nachdem man sich von dem allgemeinen Schrecken und Erstaunen erholt hatte, Harte sich die Sache auf. Die etwa« kurzsichtige Mutter hatte am Tage neues Stroh ins Bett gelegt und dabei muß der Igel mit hineingeraten sein.
4- Schlichter«, 30. Mai. In den Tagen vom 25.-29. v. M. fand im hiesigen Lehrerseminar unter Vorsitz des ProvinzialschulrateS Dr. Otto-Caffel daS Staatsexamen für Volksschullehrer statt. Das Ergebnis derselben kann als ein besonders günstiges nicht bezeichnet werden, da von 39 Teilnehmern nur 26 die Befähigung zur endgiltigen Anstellung im Dolksschuldienste erlangten. Als Kommiflar der Kgl. Regierung fungierte Herr Regierungs- und Schulrat Märtin-Caflel.
Hana«, 29. Mai. Verunglückt ist heute morgen in der HeraeuS'schen Platinschmelze ein Arbeiter dadurch, daß ihm siedendes Pech in daS Gesicht, an den Hals und an die Brust spritzte. Der Arbeiter wurde mittels Krankentransportwagens in daS Landkrankenhaus gebracht.
Bad Ra«hei«t, 29. Mai. Sein 50 jähriges Berufsjubiläum als Buchdrucker feierte am gestrigen Tage der Buchdruckereibefiher L. Wagner, Verleger der amtlichen Bad Nauheimer Kurliste und des Wetterauer Anzeigers.
Siege«, 30. Mai. Ein Raubmordversuch unter Anwendung einer Schußwaffe ist beute vormittag, laut .Sieg. Ztg.' in der Nähe unserer Stadt verübt worden. Ein in Webbach beschäftigter Arbeiter Namen? Heinrich Otto, der sich zum Pfingstfest nach seinem Heimatsort Beienbach begebe» wollte, wurde um 11 Uhr auf dem Wege von Siegen nach Bürbach kurz vor dem Bürbacher Wäldchen von einem Manne dem Aussehen nach einem wandernden Handwerksburschen, angehalten, der kurzerhand seine Barschaft von ihm verlangte' Als bet Arbeiter sich weigerte, sein Geld herzugeben, zog der Kerl einen Revolver und setzte ihn dem Arbeiter auf die Brust. Dieser schlug die Waffe beiseite, wobei der Schuß loSging und dem Arbeitet die Hand durchbohrte. Der Angreifer lief alsdann in den Wald nach dem Giets- betg zu.
Verwischtes
Wer iß Andrer? Zu den vielen Häselet- Anekdoten wird unS von einem Freunde unseres Blattes folgende mitgeteilt, die den Vorzug hat wahr zu fein. Generaloberst Graf von Häseler liebte eS, wenn seine Offiziere in der Jnstruk- tionSstunde aktuelle Themata behandelten, denn et wü» chte auch das geistige Niveau seiner Soldaten auf eine möglichst hohe Stufe gehoben. Eines TageS nun wohnte der General in der Kaserne des 3E. Regimentes in Metz der Jn- struktionsstunde bet 5. Kompagnie bei. Im
Laufe der Besichtigung übernahm er selbst die Fragestellung und sich an ben rechten Flügelmann toenbenb, frag er: .Wer ist Andröe?' .Alles blieb stumm l Der instruierende Leutnant, der Kompagniechef sahen sich betrübt an, die Kritik deS Gewaltigen erwartend. Der Kommandierende wendet sich an den zweiten Mann: .Weißt Du, mein Sohn, wer Andröe ist?' Die gleiche Antwort erfolgt. .Die Offiziere werden immer trauriger.' Nun kommt Häseler zu dem dritten Mann, der ob seiner Begriffsstutzigkeit in der Kompagnie, ja im Bataillon trotz seiner . kurzen militärischen Laufbahn berüchtigt war. Den beiden Offizieren wird es warm und kalt. Also wer war Andräe? Und siehe da, munter und furj entschlossen antwortet der Gefragte: „Ich weiß eS, Andröe ist mit dem Ballon nach dem Nordkap gefahren, er kommt aber nicht wieder.' Häseler dankte den beiden, vor Ueberraschung ganz erstarrten Offizieren für die glänzende Instruktion der Rekruten und daS verständnisvolle Eingehen auf seine Jntenttonen. Kaum hat er den Rücken gedreht, stürzte der Kompagniechef auf den Leutnant zu, um auch seinerseits zu danken. Der Leutnant aber weist den Dank bescheiden zurück, er wisse nicht und könne sich nicht erklären, wie dieser Sch......zu der Ant
wort gekommen sei. Schließlich wurde der Held des TageS vorgerufen, woher er wisse, wer Ändröe sei. Und die Antwort lautet: Gestern sagte der Unteroffizier zu mir: .Du verflixte Schnapsnase wärst Du doch mit Andröe nach dem Nordkap gefahren und kämst auch nicht mehr wieder!' Dieser klassische Ausspruch war bei dem braven Soldaten haften geblieben und hatte den Ruf der Kompagnie, deS Bataillons, ja deS ganzen Regiments gerettet.
Allerlei fielet Nachrichten. Die Aussetzung einer Prämie von 10000 Mk. für die Erfindung eines den gesetzlichen Vorschriften ensprechenden Ersatzmittels für Prä- servesalz haben die vereiniqtenSchlächterinnungenHamburg, Altona, Wandsbeck, Kuxhaven und Altona bei dem deutschen Fleisckerverband beantragt. — Dem ,B. L-A' wird Döberitz noch berichtet: Die Inschriften am Obelisken lauten: Südseite, Vorderansicht: .Wilhelm II. dem Andenken seines großen Ahnherrn, seiner ruhmvoll« Armee und ihrer heldenmütigen Tapferkeit'. Oftseite: ^Friedrich 11. der Große führte von diesen Felder vor 150 Jahren sein Heer zu Kampf und Sieg'. Nordsette: .Friedrich II., König von Preußen, lag mit 44000 Mann im Lager zu Döberitz 12. bi? 14. Sept. 1753.' — .Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen, lag mit dem Gardekorps im Lager zu Döberitz 25. dis 29. Mai 1108.' — Westseite: Ihre Taten bleiben unser Eigen- tum, ein Beispiel der Nacheiferung für alle Zeiten.' — DaS Berliner Königliche Schauspielhaus wird am 14. Juni daS hundertjährige Jubiläum der ersten Aufführung von Schillers .Braut von Messina' durch eine besonders festliche, wohlvorbereitete und neu ausgestattete Aufführung begehen.
LebenSverstchernngS- und Ersparnis-Bank tu Stuttgart (Alte Stuttgarter, gegr. 1854.) Der Rechnungsabschluß der Lebensverficherungs- und ErfparniS- Bank in Stuttgart (alte Stuttgarter) für das Jahr 1902 weist einen Gefamtüherschuß von 8 371 880 Mk. aus, den höchsten, welchen die Bank bisher erzielt hat. Auf die Todesfallverficherten entfällt davon die Summe von 8 817 153 Mk, 6. i. 34,7 •/» der aewin»berechtigten Prämien (im Vorjahre 33,8 °k). Der Rest mit 54727 Mk. gehört der Gruppe der Altersverficherten. Dieses außergewöhnlich günstige Resultat ist hauptsächlich die Folge der im Berichtsjahre besonders niedrigen Sterblichkeitsziffer. Während der durchschnittliche Zinsertrag mit 4,10«/- deS Vermögens und die Äerwaltungskosten mit 5,0«/- der Gesamteinnahme sich ganz auf der Höhe des Vorjahres gehalten haben, war die Zahl der Sterbefälle prozentuell die niedrigste der letzten 80 Jahre; die Sterblichkeit blieb um 33,7 «fo gegen die rechnungsmäßig zu erwartende zurück, so daß hieraus eine Ersparnis von 2984754 Mk. verblieb. Bemerkenswert niedrig war der Prozentsatz der durch Kündigung,
Nichtzahlung der Prämie x. erfolgten vorzeitigen Au« Witte. Er gmg im Berichtsjahre wieder auf btt Noras von 0,901» der im Laufe des Jahres auf den Todes, fall versichert gewesenen Summen zurück, nachdem er selbst in den sehr kritischen Jahren 1900/01 die Höhj von 1,041» nicht überschritten hatte: ein Beweis, daß die Versicherten durch die Werbetätigkeit der Organq der Bank nicht zum Abschluß von zu hohen Summen gedrängt werden. — Zur späteren Divideudenvertettung an die Todesfallversicherten fließen nach dem Vor« schlag des DerwaltnngsrateS von dem oben angeführten Neberschuß 7 637 441 Mk in die Gewinnreservei
Allgemeine Reserve wird der Betrag von 600000 Mk. abgezweigt. wodurch sich dieselbe auf 4 700 000 Mk. erhöht; 49711 Mk. werden der Kurs- ausgleichungSreferve und 30000 Mk. dem Pensionsfonds der Bankbeamten zugewiesen. DaS Gesamt- Vermögen der Bank stellt sich damit Ende 1902 aut 212 529195 Mk., wovon 38 505 857 Mk. auf Extra) und Dividendenreserven entfallen.
Neueste Telegramme
Sotha, LJuni. Hier tagte zu Pfingsten der 2. deutsche Redakteurtag. Den Sitzungen wohnten Sertreter der Regierung sowie her Oberbürgermeister Liebetrau-Gotha und andere hervorragende Persönlichkeiten bei. Eine Redakteur-Deputation wurde vom Staatsminister Heut i g >G ot ha, Exzellenz, m «/«stündiger Audienz empfangen, der eine energische Förderung der Bestrebungen der deutschen Redakteure tut Bundesrat seinerseits in sichere Aussicht stellte.
Wltlattta, 2. Juni. In Grehville wütete gestern ein Tornado. Einzelne Häuser wurden auSeinandergeriffen, andere ganze Strecken weit fortgefegt. Dächer wirbelten wie Blätter in der Luft herum. Viele Menschen wurden emporgehoben und große Strecken durch dm Sturm über Häuser und Bäume weggetragen. 200 Menschen sind mindestens umgekommen.
Newyork, 2. Juni. Nach einer unbestätigtm Nachricht aus KansaS Eith find 300 Personen dort bei der Ueberschwemmung ertrunken. Flüchtlinge, welche den höheren Stadtteil, genannt FlueffS erreichten, berichten, daß zahlreiche Personen, bei dem gleichen Versuche umge- tommen seien. Ein abgeschwemmter Oeltank zerstötte 4 Brücken. In Kawtale, welches 200 Meilen oberhalb KansaS Eity überschwemmt ist, ertranken ca. 50 Personen.
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