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Sonntagsbeilags: Allusterrtes Sonntagsblatt

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Erscheint wöchentlich sieben nml.

Dmck und Verlag' Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdrnckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk., btt allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcL Bestellgeld).

Jnsertlonsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zelle 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 30. Mai 1903.

MMag-Ansgave.

OuednM, eine gröbliche Irreführung, i.

Seit Wochen füllte sich die Presse aller Par­teien mit Artikeln über Quednau, das klassische Mustergut des Herrn Prof. Dr. Backhaus in Königsberg. Herr Prof. Backhaus hatte, wie wir vollkommen überzeugt find, lediglich im Interesse der deutschen Landwirtschaft, vor 4 Jahren mit eigenen Mitteln den Versuch ge­macht, ein Versuchs- und Demonstrationsobjekt einzurichten zwecks Beantwortung der Frage: Ist es möglich, unter den gegebenen volkswirt­schaftlichen Verhältnissen ein Landgut durch intensivste Kapitalaufwendungen und durch lehr­gerechte Bewirtschaftung zu einer befriedigenden Verzinsung zu bringen ? Herr Professor Backhaus hatte sich vergeblich bemüht, staatliche Mittel oder die Mittel landwirtschaftlicher Korporationen für diesen Zweck zu erhalten, er verwirklichte sein Streben daher aus eigenen Mitteln. Kürz­lich erschien nun im Verlage von Paul Pareh in Berlin das 270 Seiten starke Buch, das den Rechenschaftsbericht über den Ausgang dieses Versuches der großen Oeffentlichkeit darbietet. Ein Waschzettel, der eiligst der gesamten Presse zuging, extrahierte und verbreitete als Resultat des Ganzen die Behauptung: das für den vor­genannten Zweck vor 4 Jahren erworbene Gut Quednau in Ostpreußen habe vordem im Durch­schnitt mehrerer Jahre jährlich Mk. 4000 Ver­lust gebracht, seine Rentabilität sei nun aber durch Herrn Professor Backhaus nach Verwendung ungefähr des doppelten Anlagekapitals zur Ren­tabilität geführt worden, und zwar zu einer Rentabilität von durchschnittlich 2,5 Prozent in den ersten 3 Jahren und voraussichtlich 3,75 Prozent im vierten, jetzt noch laufenden Betriebs­jahre.

Die liberale Presse brach in ein Freuden­geschrei aus: Das haben wir ja immer gesagt, mit Kapital und Intelligenz ausgestattet, ist auch heut zu Tage die deutsche Landwirtschaft noch vollkommen existenzfähig. Es ist einem vielbeschäftigten Tagesredakteur natürlich nicht möglich, ein 270 Druckseiten starkes wissen­schaftliches Werk in gründlicher Weise so schnell durchzuarbeiten, um mit einer hierauf ge­gründeten Kritik prompt hervorzutreten. Es mußte sich daher die Besprechung in der agrarischen Presse bisher auf einige allgemeine Gesichtspunkte beschränken, die jenem angeb­lichen Versuchsresultat gegenüber unter allen Umständen zu Recht bestehen. Beispielsweise: Ein mit intensivstem Kapitalaufwand und höchster Intelligenz nur erzieltes Zinsergebnis von 2,5 Prozent ist nicht ein Beweis gegen, sondern für eine schärfste Notlage der Land­wirtschaft. Der dümmste Stadtonkel, der über das vom Professor Backhaus in Quednau ange­legte Kapital von annähernd 200000 Mark

lieber die Kirchenhändel unter dem Landgrafen von Hessen-Cassel,

Moritz dem Gelehrten.

Wahrhaftiger Bericht was sich bei Einführung der Verbesserungspunkte zu Schmalkalden begeben und zugetragen hat.

(Schluß.)

Die nun bestellten Werkleute machten sich mit ihren Hauen und Aexten daran und zerschlugen das Kruzefix, worauf sie es auf den Kirchhof schleppten, wo es die Soldaten, welche Nachts Schaarwache hielten, zum Spott der Bürgerschaft verbrannten. Alle anderen Bilder nahm man weg und wurden einige, welche über dem Altar hingen zum Verdruß und Bürgerschaft aus Schabernak hinter die Fenstern von einigen Häusern gehängt.

In der nothwendigen Erzählung der Motive, Gießen 1806, wird über die Kirchenhändel in Marburg berichtet:

Mit Unwillen und Trauer wird in Zukunft jeder Freund der Eeistesfreiheit und Kunst an den 9. August 1605 denken, welcher so viel Schönes zertrümmerte, was unsere Vorfahren aus Liebe zu ihrem Glauben und zur Kunst mit Aufopferung aller Art geschaffen haben. Es wurde zerstört, dasCruzefix" so zwischen dem Chor und Kirche gehängt und zu den Zierden des Lahen oder FronaltarS gehörte. Das Bildwerk oder der Ornat .an der

verfügt, braucht sich nur vierprozentige städtische oder ländliche Obligationen oder ähnliche Wert­papiere hinzulegen und dann den ganzen Tag in den Straßen Berlins umherzubummeln. Er hat dann, wenn das Jahr herum ist, ohne jede Intelligenz, ohne jede Tätigkeit überhaupt weitaus mehr verdient, als Herr Professor Backhaus mit höchster Intelligenz und mit intensivster Tätigkeit verdient hat. Denn man wolle beachten: Professor Backhaus hat weder seinen Wohnsitz auf dem Versuchsgut, hat also nicht einmal seinen Haushalt dort profitiert, noch hat er sich auch nur einen Groschen als Entgelt für seine Wirtschaftsführung aus der Gutskasse zahlen lassen. Das Gut Quednau hat nach den Büchern eine Kapitalanlage von über 400 000 Mark. Welches städtisch-industrielle oder gewerbliche Unternehmen von solchem Um­fange würde einen erstklassig ausgebildeten Geschäftsleiter oder Geschäftsinhaber austreiben können, der nichts, rein garnichts für diese Tätigkeit beanspruchen würde? Der von Herrn Professor Backhaus berechnete Wirtschaftsrein­ertrag beträgt rund 5000 Mk. pro Jahr. Wir glauben, daß es nur eine sehr mäßige Bezahlung wirklicher Intelligenz bedeuten würde, wenn man die erste leitende Kraft eines solchen Unternehmens nur mit 5000 Mark honoriert. Wir wollen wenigstens ruhig abwarten, ob sich aus städtisch-gewerblichen Kreisen jemand, der nicht eben dumm ist, bei uns mit der Behauptung melden wird, das sei für ein Unternehmen mit fast einer halben Million eine fürstliche Ent­lohnung. Setzt man nun einen solchen Gehalts­betrag für den Herrn Pofessor Backhaus als Besitzer und Leiter des Rittergutes Quednau aus: so bleibt Null für die Verzinsung seines Kapitals. Wahrhaftig: ein klassischer Beweis dafür, daß auch heut zu Tage noch Kapital und Intelligenz in der Landwirtschaft einen angemessenen Nutzen bringen! Bei dieser Sachlage war es eigentlich recht überflüssig, daß in einem Teil der land­wirtschaftlichen Presse noch eine weitere Abwehr der gegnerischen Anzapfungen in der Weise stattfand, daß man sagte: Was in Quednau, dicht vor den Toren Königsbergs möglich sei, das könne unmöglich auch für die Tausende und Abertausende anderer Landgüter unter schlechteren Verkehrsverhältnissen gelten. Und so weiter und so weiter. Wir meinen: Als einen solchen Gutsertrag, der den wo hl- berechtigten volkswirtschaftlichen Anforder­ungen der deutschen Landwirtschaft überhaupt als einigermaßen entsprechend angesehen werden darf, kann man nur einen Ertrag gelten lassen, der, neben auskömmlicher, angemessener Arbeits­entlohnung des Betriebsleiters, eine Verzinsung der ersten Kapitalhälfte entsprechend dem Zinsfuß der ländlichen Hypotheken von 3Vz bis 4 Prozent und eine Verzinsung der in ihrer Kapitalficherheit stark riskierten zweiten Hälfte der Kapitalsanlage von 5 bis 6 Proz. sichert. Jedes städtisch - gewerbliche Unternehmen, daS nur so geringe Zinsen, wie die eben ge­nannten Sätze abwirst, wird von jedem In­dustriellen und von jedem Kaufmann

goldenen Tafel", welche die Krönung der Maria im Himmel vorstellte, da ja die Kirche der hl. Maria geweiht war, das Bildwerk so auf der Profesiorium gewesenen Bühne ge­hängt. Alsdann das steinerne Cruzefix auf dem Kirchhof und das Bildwerk, welches sonsten im Chor und außer der Kirche gestanden hat. Unter letzteren find ohne Zweifel die Bildsäulen am Portal und Pfeilern zu verstehen. Die fünf nach dem Kirchhof ausspringenden Wand­pfeiler waren ehedem mit Bildsäulen verziert, von denen jetzt noch die verzierten Postamente zu sehen sind, ebenso die beiden Pfeiler des Portals. An der Südweflecke, das Kerner, an dem Kugelhaus, der reformierten Kirche und überall, wo Bildnisse an den Mauern einge­hauen waren, hat man diese abgehackt, oder die Nieschen zugemauert, wie an der Südseite des Dominikanerklosters, am jetzigen Rudolphs- platz, noch vor dreißig Jahren zu sehen war."

Kolbe schreibt in den Sehenswürdigkeiten von Marburg S. 45:

Nach Unterdrückung des Aufstandes seitens des Landgrafen fand alsdann eine vandalische Zerstörung der bisherigen Kultuseinrichtungen der lutherischen Kirche statt. Der kunstreiche gothische Hochaltar mit seinem Rentable, der sogenannten goldnen Tafel, ward zerschlagen, desgleichen alle Apostel- und Heiligenstatuen in und außerhalb der Kirche, der große Taufstein aber hinausgeschafft. Unter dem spöttischen Rufen: .Bist Du Gottes Sohn. io hilf Dir

mit Recht schon als ein unbe­friedigendes Geschäft bezeichnet. Wenn wir Landwirte mit einem solchen Ertrage uns bereits für befriedigt erklären wollen, so tun wir dies nur in sehr starker Ueberschätzung der sozialen Annehmlichkeit unseres Berufes und aus angeborener Liebe zum Schalten und Walten auf eigener Scholle in der freien Natur.

Wir meinen also: Es lag gar kein Anlaß für die landwirtschaftliche Presse vor, das von Herrn Professor Backhaus proklamierte Wirt- schastsresultat als ein solches gelten zu lassen, das leider unter anderen wirtschaftlichen Ver­hältnissen nicht erreichbar sei. Wir sind viel­mehr überzeugt, daß ein so miserables Resultat von, abzüglich Arbeitsentlohnung, Null Ver­zinsung mindestens noch überall, auch in der Kassubei, erreicht wird. Wir unsererseits haben uns das Backhaus'fcheBuch also nicht aus dem Grunde kommen lassen und es nicht deshalb mühsam durchstudiert, um zu erfahren, wie man es anstellen müsse, um einso gutes" Resultat zu erzielen, sondern wir studierten das Buch, um festzustellen, welche geradezu exceptionellen Unglücksfälle dort vorgefallen sein müssen, um angesichts der hervorragend günstigen Lage Quednaus, angesichts der enormen Kapitalaufwendungen und angesichts der erstklassigen Betriebsleitung ein so überaus klägliches Wirtschaftsergebnis zu zeitigen.

Unser Studium hat ein uns selber über­raschendes Resultat gehabt. Wir haben nicht entdecken können, daß andere und größere Schicksalsschläge vorgefallen sind, als sie in der ganzen Landwirtschaft leider allgemein üblich sind, ebensowenig, ob besondere Fehler unter­geordneter Wirtschaftsorgane dieses geringe Re­sultat verschuldet haben. Wohl aber mußten wir konstatieren: daß selbst das vom Professor Backhaus angegebene geringe Wirtschaftsergebnis tatsächlich nicht einmal erreicht worden i st, daß vielmehr Quednau unter seiner Besitzzeit einen doppelt so hohen V e r l u st gehabt hat, als zur Zeit des Vor- befitzers, daß mithin in dem durch die Zeitungen gegangenen Waschzettel eine gewiß nicht beab­sichtigte, aber tatsächliche Irreführung der öffentlichen Meinung stattgefunden hat. Zum Beweise hierfür stellen wir aus dem Backhaus- schen Buch folgende Tatsachen sest.

Der für 1903 laut Anschlag S. 258/59 er­hoffte Reinertrag von 3,75 Prozent ist ernst­lich überhaupt nicht zu beachten. Dieser Anschlag ist aufgestellt und in Druck gegeben, bevor man wissen konnte, was von den Wintersaaten überhaupt fehlerfrei aus dem Winter kommen würde, und bevor eine Sommer­saat überhaupt noch dem Boden an­vertraut war. Die hier (Seite 258) ein­gesetzten Erträge für Verkaufsgetreide und Handelsgewächse auS teilweis überhaupt noch nicht existierenden Saaten übersteigen die vor­angegangenen, Seite 260 nachgewiesenen, ebenfalls schon in hohem Kulturzustande des Ackers unter der Besitzzeit des Herrn Pros. Backhaus gewachsenen

selbst" rißen die Bilderstürmer das große über dem vorderen Altar hängende vergoldete Cruzefix herunter und verbrannten es auf dem Kirchhofe. An der Stelle des Altars ließ sich der Landgraf einen fürstlichen Stand einrichten und als Eingang dazu das Carokene Treppenhaus am Chore erbauen. Die Bürger wurden nun entwaffnet und am 13. August beugten sie sich dem Willen des Fürsten. 12 Abgeordnete baten Moritz aus den Knieen auf dem Schlosse um Gnade, welche ihnen gewährt wurde. Die aus Marburg vertriebenen Theologen, der Super­intendent Heinrich Leuchter, Johannes Schmidt, Conrad Dietrich, ^Professor Strinkelmann und Balthaser Mentzer I. fanden Unterkunft an dem am 10. Oktober 1605 in Gießen errichteten Gymnasium und eine weitere Anzahl von Professoren erhielten Anstellung an der am 7. Oktober 1607 zu Gießen neu errichtete Universität. Am 18. März 1624 spielte sich in Marburg abermals ein Schauspiel ab. In­folge eines Rechtsspruches des höchsten Gerichts, war Marburg Hessen-Darmstadt zugesprochen worden und die Kurfürsten von Köln und Sachsen auf kaiserlichen Befehl mit der Exe- cution betraut worden. General Tilly half die Execution vollziehen und so kam es, daß an genanntem Tage Nachmittags um 8 Uhr Landgraf Ludwig V. mit einem großen Train von Darmstadt ankam und eine Kutsche voll Prediger mitbrachte. Noch an demselben Tage wurde den ieitberiaeu Pfarrern verboten am

Ernten 1900, 1901 und 1902, um 100 Prozents Jeder Verständige muß eine solche Zukunfts­musik als Beweisgrundlage schlechthin ablehnen. Wir können uns ernsthaft nur mit dem tatsächlichen Ergebnis der vorange­gangenen Rechnungsjahre 1900, 1901 und 1902 befassen. Diese Rechnungsjahre umfasse^ (S. 253 des Buches) 2% Betriebsjahre und eS beträgt der Gesamtertrag dieser 2VZ Jahre 12 815 Mark 5126 Mark pro Jahr oder 2,5 Prozent des arbeitenden Kapitals des Guts­besitzers. Nun sind die Seiten 112 bis 125 mit einer ausführlichen Beschreibung der in Quednau errichteten neuen Molkereianlage ange­füllt. Hieraus, sowie aus sonstigen gelegen^ lichen Bemerkungen dieses Buches ist folgendes ersichtlich: Das Gut Quednau produzierte bei der Uebernahme im Jahre 1899 täglich ca. 200 Liter Milch. Diese Produktion ist bis zum Jahre 1903 auf rund 500 Liter täglich ge­steigert worden und der Verfasser sagt, daß hiermit das wirtschaftlich mögliche Maximum erreicht ist. Trotzdem wurde mit einem Kosten­aufwand von rund 120 000 Mark eine, für eine tägliche Verarbeitung von 10000 Liter berechnete Molkerei gebaut, in der bisher tat­sächlich 5000 Liter täglich verarbeitet wurden. Die ganze Anlage ist also nicht als Bestandteil des Gutsbetriebes gedacht, sondern, wie Prof. Backhaus selber ausdrücklich und wiederholt betont, als eine selbständige gewerbliche Unternehmung, was auch äußerlich dadurch erkennbar wird, daß sie nicht auf dem Gute, sondern bei dem Bahnhof Quednau auf einem besonderen Grund­stück errichtet worden ist. Die Errichtung er­folgte in der ausgesprochenen Absicht de8 späteren Verkaufes der Molkerei und es hat auch dieser Verkauf und damit die vollständige LoZlösung der Molkerei vom Gutsbetriebe seit Januar 1903 stattgefunden. Jeder Einsichtige wird zugeben, daß, wenn man die Betriebser» gebniffe einer Landwirtschaft betrachten will, es vollkommen unzulässig ist, den Ertrag des hier geschilderten, rein gewerblichen Molkereiunter­nehmens in diese Wirtschaftsrechnung mit hinein- zuuehmen. Bei dem Verhältnis von Höchstens 500 Liter Gutsmilch zu 5000 Liter Gesamt» Verarbeitung, also gegenüber 4500 Liter Kaus- milch, ist es einfach irreführend, wenn man denausdem Unternehmergewinn mit in die Landwirtschastsrechnung einbezieht. Nicht so lautete die Frage, die Professor Backhaus 1899 bei der Gutsübernahme sich stellte: Wie viel kann ich als gelehrter Molkereispezialist ver­dienen, wenn ich eine Molkerei für Kaufmilch errichte und meine besonderen Fachkenntnisse zur Herstellung eines halben Dutzends von Spezialitäten (Kindermilch, Eiweiß, Käse aller Art) verwerte? Sondern die Fragestellung lautete: Was kann ein intensiv betriebener Ackerbau einbringen? Nur die Antwort aus d-iese Frage war volkswirtschaftlich und wirt­schaftspolitisch wichtig.

folgenden Tag zur Predigt läuten zu lassen und am 19. März früh 7 Uhr wurden sie zu, Kanzley bestellt und ein Dekret des Landgrafen verlesen, wonach sie entlassen seien und an ihr» Stelle wieder lutherische Prediger eingesetzt würden. Der Rektor der Universität mit den Professoren und Dienern waren um 9 Uhr aus der Kanzley zu erscheinen befohlen worden, wo ihnen die kaiserliche Kommission verlesen wurde. Hierauf wurden sie von den Subdelegirten ihrer Ehde und Pflichten entbunden und der Gnade des Landesherren empfohlen, wogegen die Professoren Einsprache erhoben. Der Kanzler erklärte nun, daß nur die Professoren die vor der Regierung des Landgrafen Moritz angestellt seien, in ihren Rechten verbleiben würden, worauf der Rektor Crotius erklärte: Was sie nicht ändern könnten, das müßten und wollten sie Gott befehlen, mit Geduld tragen, doch würden sie nichts von denen ihren wohlhergebrachten Rechten vergeben, worauf fit dimittirt wurden. Die Universitätshäuser, in welchen die Professoren Dr. Crocius, Dr. Cruzinger und M. Cambachus wohnten, mußten sofort geräumt werden. Dem Dr. Cruzinge, wurden die Möbel vor die Thüre gesetzt, et wohnte im Kugelhof. Dr. Mentzer und Dr Winckelmann kamen von Gießen zurück uni wieder nach Marburg. Am 22. Märj wurden alle von Landgraf Moritz angestelltet Professoren und Prediger auf die Kanzley g* fordert und ihnen von den Rätben beichte*