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Vierteljährlicher Bezugspreis: bet oer Expedition 2 Mk., bei allen Postämtcm 2,25 Mk. ,cxct. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Rannt 10 Pfg.

Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 29. Mai 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, UnipcrsitätS-Buchdruckerei 38. Jahrg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Bestellungen für den Monat Juni auf die

Oberheffifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain und Neustadt, sowie von allen Post­anstalten und Landbriefträgern entgegen­genommen. ______________________

Umschau.

Allerlei vom Reichskanzler Grasen v. Bülow plaudert ein langes Feuilleton derJndep Belge" aus, das von derKöln. Ztg." aus­zugsweise wiedergegeben wird. Die Ausführ­ungen des belgischen Blattes wirken um so interessanter, als der Verfasser keineswegs ein blinder Bewunderer des Reichskanzlers ist und es hier und da an kleinen, wenn auch in liebenswürdiger Weise versetzten Nadelstichen nicht fehlen läßt. Ueber die Beziehungen des Grafen zum Kaiser wird gesagt, daß sie nicht nm: die selbstverständliche Ergebenheit gegen­über der Person deS Kaisers zur Grundlage haben, sondern daß sie auch auf der unbedingten Freimütigkeit beruhe, die der Kanzler im Ver­kehr mit dem Kaiser niemals zurücktreten läßt. In dem Artikel wird ferner erzählt, Fürst Hohenlohe habe schon vor 20 Jahren voraus­gesehen, daß der damalige Botschaftsrat v. Bülow einmal Kanzler des deutschen Reiches werden würde. Als Herr v. Bülow sich anläßlich seiner Versetzung von Paris nach Petersburg vom Fürsten Hohenlohe verabschiedet hatte, habe er, der Fürst, zu seinem Sohne Alexander gesagt:Erinnere Dich daran, was ich Dir jetzt sagen werde: dieser junge Botschaftsrat wird eines Tages Kanzler des deutschen Reiches werden! Ob der nachmalige dritte deutsche Reichskanzler sich wörtlich so geäußert hat, be­merkt dieKöln. Ztg." hierzu, wissen wir nicht; wohl aber, daß schon zu jener Zeit Fürst Hohenlohe oft die Ansicht ausgesprochen hat, daß keiner der zahlreichen jungen Diplo­maten, die unter ihm gedient hatten, es so weit bringen würde, wie Herr von Bülow. Nach dem Artikel deS belgischen Blattes hat Graf v. Bülow während seiner Pariser Zeit auch nähere Beziehungen mit Eambetta unter­halten. Gambetta sagte ihm einmal halb im Scherz, halb im Ernst:Mein lieber Botschafts­rat, uns zwei beiden wird es vielleicht einmal gelingen, unsere beiden Länder mit einander zu versöhnen. Mit Geduld, mit gutem Willen und unter der Voraussetzung, daß man aus unseren Beziehungen vorerst alle Schärfen ent­fernt, ist daS nicht unmöglich. Zum Schluß eine scherzhafte Anekdote, die in diesem Artikel erzählt wird: Als Graf Bülow von der rö­mischen Botschaft als Staatssekretär des Aus­wärtigen Amts nach Berlin berufen wurde, wo er ein Dienstgebäude zu beziehen hatte, das etwa viermal kleiner war als der mächtige Palazzo Caffarelli in Rom, sagte die Gemahlin des Botschafters ihrem Koch, der auch nach Berlin übersiedeln sollte, er werde sich dort viel einfacher einrichten und mit viel weniger Raum begnügen müssen als in Rom. Wenn er das nicht Übelnehmen wolle, so stände ihm frei, sich einen anderen Platz zu suchen; worauf der Herrscher des Bülowschen Küchendepartements feierlich erwiderte:Gnädige Frau, man soll feine Herrschaft auch im Unglück nicht verlassen."

Nachsendung von Postsendungen.

Der Beginn der Reisezeit läßt es ratsam erscheinen, darauf aufmerksam zu machen, wegen Nachsendung von Postsendungen, Telegrammen und Zeitungen die erforderlichen Anträge bei den Postanstalten nicht zu unterlassen. Größere Postanstalten geben zu diesem Zwecke besondere Formulare aus, die man entsprechend ausfüllt und dem Postamte oder Briefträger übergibt. Es empfiehlt sich, in den Anträgen noch be­sonders anzugeben, ob man die Nachsendung von Drucksachen, Warenproben und Geschäfts- Lavieren wünscht, die nach der Ortstaxe freige-

macht sind. Nach den Bestimmungen der Post- I ordnung werden derartige Sendungen, für die I die Nachtaxen weiter unten angegeben sind, nur auf ausdrücklichen Wunsch des Absenders oder des Empfängers nachgesendet. Ebenso ist auzu- geben, ob telegraphische Postanweisungen tele­graphisch nachzusenden sind, da andernfalls die Nachsendung auf dem Postwege erfolgt. Bei Anträgen auf einen unbestimmten Zeitraum ist es erforderlich, nach Ablauf von vier Wochen den Antrag zu wiederholen, da sonst nach Ab­lauf dieser Frist die Nachsendung eingestellt wird. Nach Erneuerung des Antrages ist die Nachsendung an keine Frist gebunden. Für Pakete und für Briefe mit Wertangabe werden im Falle der Nachsendung das Porto und die Versicherungsgebühr von Bestimmungsort zu Bestimmungsort neu angesetzt; der Portozuschlag von 10 Pfg. wird jedoch bei der Nachsendung nicht erhoben. Für andere Sendungen findet ein neuer Ansatz von Porto nicht statt. Ein­schreib - Postanweisungs- und Postauftragsge­bühren sowie die Gebühr von 1 Mk. für dringende Pakete und die Vorzeigegebühr für Nachnahmesendungen werden bei der Nach­findung innerhalb Deutschlands nicht noch einmal berechnet. Für den Verkehr mit den übrigen Ländern bestehen in dieser Beziehung einige Ausnahmen, z. B. bei Postanweisungen. Werden gewöhnliche und eingeschriebene

Briefe, Postkarten, Drucksachen, Waren­

proben und Eeschäftspapiere aus dem Bereich der Ortstaxr des Aufgabeorts nachgesendet, so wird, wenn die Sendungen nach der Ortstaxe regelrecht freigemacht sind, der nach der Fern- taxe fehlende Portobetrag (ohne Zuschlag und ohne Abrundung) angesetzt. Sind derartige Briefsendung-n gar nicht oder nach der Octs- taxe unzureichend freigemacht, so werden die ursprünglich angesetzten Gebühren gestrichen und die Sendungen wie nichtfreigemachte oder un­zureichend freigemachte Sendungen des Fern­verkehrs austaxiert. Für jede Nachsendungen eines Telegramms durch den Telegraphen an einen neuen Bestimmungsort wird die volle tarifmäßige Gebühr berechnet und vom Em­pfänger erhoben. Eine auf der Post bestellte Zeitung wird auf Antrag bei der Bezugspost­anstalt gegen eine Gebühr von 50 Pfg. an eine andere Postanstalt innerhalb Deutschlands über­wiesen ; bei der Ueberweisung nach Oesterreich- Ungarn, Dänemark und Luxemburg wird eine Gebühr von 1 Mk. erhoben. Die Nachsendung von Zeitungen nach Orten in andern fremden Landern ist im Wege der Ueberweisung nicht zulässig; die Nachsendung kann aber durch die Bezugspoftanstalt unter Band unter der Adresse des Beziehers gegen Entrichtung des Portos für Drucksachen erfolgen. In diesem Falle hat der Bezieher das Porto bei der Postanstalt zu ent­richten; läßt sich das Porto im voraus nicht bestimmen, so ist ein angemessener Betrag zu hinterlegen. Wenn eine Beschleunigung in der Zuführung der Zeitung erreicht wird, so kann die Nachsendung schon von der Postanstalt des Verlagsorts bewirkt werden. Z. B. kann ein Kölner Bezieher einer Berliner Zeitung, der die Nachsendung nach Ostende wünscht, bei seiner Kölner Postanstalt beantragen, daß die Zeitung schon von Berlin aus ihm unter Band nachgesendet werde. Hinsichtlich der von den Zeitungsexpeditionen, Zeitungsspediteuren und Buchhändlern bezogenen Zeitungen sind die erforderlichen Anträge auf Nachsendung nicht bei der Post, sondern bei den Zeitungsexpedi- tionen usw. zu stellen.

Militärvorlage und Statt st ik.

Im Statistischen Amte ist neuerdings eine Berechnung über die Kosten für Heer und Marine ausgearbeitet worden, die angesichts der in der kommenden Reichstagssession zu er­wartenden neuen Militärvorlage, interessant ist. Von den 8 Weltgroßmächten gibt Deutschland für Heer und Flotte weniger Geld aus als Großbritannien, Amerika und Rußland, rechnet man die Schuldenlast hinzu, sogar weniger als Frankreich. Nach dieser Statistik betragen die Kosten für Heer und Marine nach dem Stande vom März 1903 in Millionen Mark für Großbritannien 2124,7 (pro Kopf 50,3 Mk.), für Rußland 1080,20 (7,9), für Deutschland 985,1 (17,00), für Frankreich 927,2 (23,8), für Oesterreich-Ungarn 408,8 (8,9), für Italien 252,8 (11,00), für Japan 218,5 (8,8), für die Union 1482,6 (18,6). Danach zahlt also der Deutsche pro Kopf für Heer und Marine aufs Jahr rund 17 Mk., der Engländer 50, der Amerikaner 18, der Franzose jast 24 Mk.;

rechnet man nun noch die Schuldenlasten hinzu, so hat für Heer und Flotte pro Jahr zu zahlen: der Deutsche 18,4 Mk., der Engländer 63,3, der Amerikaner 20,3, der Franzose 42,7, der Italiener 26,2, der Oesterreicher und Ungar 18,3; weniger zahlt nur als der Deutsche der Russe 11,2 und der Japaner 6,5 Mk. ES geht daraus hervor, daß der Deutsche, abgesehen vom Russen, in Europa die wenigsten Steuern für die Landesverteidigung pro Kops aufwendet.

Vernüschtes

Allerlei kleine Nachrichten. Prinz Arenberg soll nach einer neueren Meldung der .Hann. Allg. Ztg." im Gerichtsgesängnis zu Hannover verbleiben, bis die ganze Angelegenheit aufgeklärt sei. Die Ueber- führung in eine Heilanstalt sei plötzlich ausgegeben worden. Zu dem Verkauf von mit Typhusbazillen behafteten Decken wird derSt. James Gaz." aus Kapstadt berichtet, daß hohe Militärbeamte schwer be­lastet seien. In Berlin wurde der Major a. D. Reisch von seiner früheren Wirtschafterin aus Eifer­sucht durch einen Stich in die Magengegend getötet. In Newyork sind infolge der Ausstände und Aus­sperrungen etwa 200 C00 Arbeiter beschäftigungslos.

Die Nordseemfel Helgoland muß repariert werden, da eine Abbröckelung der Felsmassen der Insel auch in diesem Frühjahr wieder vor sich ge­gangen ist. Insbesondere bedroht ist nach dem Hann.Kur." derKommandeurstand und Beobachtungs­posten in der Nähe der Lummerfelsen an der West­seite. Es werden gegenwärtig erneute umfangreiche Arbeiten in Angriff genommen und die ausgewachsene Höhlungen werden mit Beton ausgesüllt. An einer bedrohten anderer Stelle soll eine Schuhmauer von 15 Meter gezogen werden.

Germania, Lebens-VersicherungS-Aktren-Ge» kellschaft zu Stettin. Die am 16. Mai abgehaltene Generalversammlung genehmigte den Rechnungs­abschluß und die Verterlung des Reingewinns nach dem Vorschlag: der Verwaltung. Demnach werden den mit Gewinnanteil Versicherten der Gesellschaft 5854 524 Mk. oder rund 91°k des maßgebenden Ueber- schusses von 6 244 595 Mk. als Gewinnanteile und Zinsen überwiesen, wodurch die lediglich zur Ver­teilung von Dividende bestimmte Ecwinnreserve auf 18943147 Mk. angewachsen ist. Aus diesem Fonds erhalten die nach Plan A Versicherten eine Dividende von 23°/° der maßgebenden Prämie im Vcrsicherungs- jahr 1904/05 und die nach B Versicherten 2>/,»/« der Prämiensumme, d. i. eine mit 5>/- °/° beginnende und auf 6S°/o einer Prämie für den ältesten Jahrgang steigende Dividende. Der VersicherungSbrstand hob sich durch einen ansehnlichen Zugang von neuen Ver­sicherungen Ende 1902 auf 196467 Policen über 656574284 Mk. Kapital und 2587760 Mk. jährliche Rente. Die Einnahme an Prämien und Zinsen belief sich auf 39325334 Mk., an Kapitalien und Renten wurden den Versicherten im Jahre 1902 : 4808968 Mk. vergütet. Die Sicherheitsfonds der Germania be­trugen 275 Millionen Mark, wovon der größte Teil mit 2801/3 Millionen Mark auf die Prämienreserven fällt, die ohne die nach dem Reichsversicherungsgesetz zulässige Kürzung berechnet werden. Die Bestände des Prämienreservefonds sind für die Gesamtheit der Ende 1902 bestehenden Versicherungen in das gesetzlich vorgeschriebene Register eingetragen, sie werden ge­sondert von dem übrigen Vermögen verwaltet und in besonderen Tresors am Sitze der Eesellschast ausbe­wahrt. Alle Fonds der Germania sind in sicheren Werten angelegt, mit 230315 875 Mk. in Hypotheken, 19814143 Mk. in Darlehn auf Policen, 8635000 Mk. in Grundbesitz, 1473643 Mk. in Staatspapieren usw. Diese Ergebnisse des verflossenen Jahres zeugen von der günstigen Weiterentwicklung der Germania, von der außerordentlich vorteilhaften Beteiligung der Versicherten am Reingewinn, die um so wertvoller ist, als die Versicherten der Germania von der den Mit­gliedern von Gegenseitigkeits-Gesellschaften drohenden Nachschußpflicht ausgeschlossen sind, und der unbe­dingten Sicherheit, die von ihr sür die Erfüllung ihrer Verpflichtungen geboten wird.

Hochschulnachrichten.

In Paris ist Dr. A. Dubler, früher außer- ordentlicher Professor in der medizinischen Fakultät der Hochschule in Basel, 46 Jahre alt, gestorben.

In Rom starb, wie der Hannoversche Kurier mitteilt, der Professor der Physik an der dortigen Universität, Filipp Keller, ein geborener Nürnberger.

Professor I. Rigutini, der in Florenz gestorben ist, hat ein Alter von 73 Jahren erreicht. Er ver- öffentlichte eine große Reihe von Werken über klassische und moderne Literatur und Philologie, hat ein griechisches und italienisches Wörterbuch verfaßt und amDiktionär" der Crusca mitgearbeitet.

Wie dieVofsische Zeitung" mitteilt, ist Pfarrer Prof. Lizeut. Dalmer in Gudersleben bei Ellrich, 42 Jahre alt. gestorben. Er hat von 1886 bis 1895 dem Lehrkörper der Universität Greifswald angehört.

Vom Büchermarkt.

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Gleich anderen Zweigen der deutschen Industrie hatte auf derinternationalen Ausstellung in St. Petersburg 1902" auch die Deutsche Präcifions- Uhrenindustrie wieder einen großen Erfolg zu ver­zeichnen und zwar wurde deren Vertreterin auf dieser Ausstellung, der rühmlich bekannten Firma A. Lange & Söhne, Glashütte in Sachsin, für die von ihr dargebotenen Leistungen die Große Goldene Medaille (Grand prix) zuerkannt, so daß dieLange- Uhr" nunmehr insgesamt mit 28 ersten Preisen prämiiert ist.

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Verantwortlich für die Redaktion: Lrbr. v. Wanaenbeim in Marburg.,