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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham,

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Sonntags-erlags r Muftmrtes Somrtagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bei Der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <excl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reelanien: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag, 29. Mai 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrjitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrg.

Erstes Blatt.

Zu Bismarcks Gedenken.

Nur eine geringe Zahl von Wochen trennen uns von dem Tage, an dem zum fünften Male seit Bismarcks Tode die Zeit sich jährt. Am Z0. Juli des Jahres 1898 starb der große Kanzler in Friedrichsruh und es ging ein Faunen und Klagen damals durch die Welt: Der große Pan ist tot! Wir wißen heute, daß es wahr ist: Der große Pan ist tot! Eine Zeit lang schien es sogar, als sollten auch seine Spuren getilgt werden aus den Blättern der neuen preußisch-deutschen Ehren- und Ruhmes-Eeschichte, als sollte sein Verdienst gelöscht werden in dem Gedenken der Menschen. Damals lag es wie schwerer, atemraubender Nebel über den Fluren Alldeutschlands, damals schien der gewaltige Pulsschlag des jugend­starken deutschen Volkes langsam zu versiegen. Damals war es, daß die Spreu gesondert wurde vom Weizen, daß der treue deutsche Mann sich von dem Byzantiner schied, daß dieser den Namen Bismarcks nicht mehr wagte über die Lippen zu bringen, und daß deutsche Studenten wallsahrteten gen Friedrichsruh. lind in jenen Tagen schon der Trauer und der Entrüstung über die Lauheit des bedächtigen Alters begann der Gedanke Fuß zu fassen unter der deutschen akademischen Jugend, Denkmäler zu Ehren des großen Kanzlers und zur ernsten Mahnung an daS Volk zu errichten, deutsche Treue zu wahren auch in sorgenschwerer Zeit. Damit nicht charakterlose Schwäche die Rücken beuge und das Mark des deutschen Volkes ver­sehre. Damit eine harte Zeit nicht ein veiches Geschlecht finde.

Durch ganz Deutschland hin schmücken heute schon solcheBismarcktürme" die Höhen nuferer Berge und auch bei uns hat man den Grundstein gelegt, den Unterbau vollendet. Auf der Höhe der Lahn berge, gegenüber dem alten Schloß zu Marburg wird sich unser Bismarckturm erheben, errichtet von Marburgs Studentenschaft und Bewohnern. Von seinen Zinnen sollen die Flammen lodern weithin sichtbar durch das Hessenland, flammende Mahnzeichen, deutscher Tugenden nimmer zu vergeßen, der Errungenschaften unserer Väter immer zu gedenken, die sich zusammendrängen für alle Zeiten in den Namen Otto von Bismarck.

So lange noch deutsche Treue, deutscher Sinn in deutschen Herzen glüht, so lange noch eine deutsche Faust die lodernde Fackel in die Pechpfannen stoßen kann, fo lange wird Deutschlands Stern nicht verlöschen. Möchte das Flammenzeichen in der Nacht des 1. April alljährlich vom Berge hinab in's Tal grüßen und nimmer fehlen! Dann wird

die von bet deutschen Studentenschaft zu Ehren Bismarcks in'8 Leben gerufene Ehrung mehr als tausendfältige Frucht tragen!

Um 4 Uhr stellte sich am Hauptbahnhof ein studentischer Festzug auf, wie ihn Mgrburg selten zu sehen bekommt. Alle Korporationen und Verbindungen waren in stattlicher Anzahl vertreten. Da die hiesigen Musikkapellen nicht ausreichten, hatte man noch auswärtige in Anspruch genommen. Der imposante Zug schlängelte sich langsam durch die mit dichten Menschenmassen besetzten Straßen und langte kurz nach 6 Uhr bei der mit Fahnen geschmückten Baustelle des Bismarckturms an. Dort hatten unterdes die Vertreter der verschiedenen Be­hörden, der Magistrat und das Stadtverordneten­kollegium, die Vertreter einer Anzahl Vereine und eine große Zuschauermenge Ausstellung genommen. Der Festakt hier begann mit dem gemeinsamen Gesang des Bismarckliedes, worauf Herr Bürgermeister Siebert die Feier mit fol­genden Worten einleitete:

Hochgeehrte Festversammlung!

Vor 30 Jahren loderten an dieser Stelle die Flammen empor zur Feier des Sedantages. .

In unvergänglicher Dankbarkeit gedenken wir des großen Hohenzollernfürsten, unseres ehrwürdigen Kaisers Wilhelm des Ersten, des Kronprinzen, Kaiser Friedrich mit ihrem Berater Fürst Bismarck.

Dreißig Jahre ungestörter Friede hat dem deut­schen Volke eine gewaltige Entwickelung zu Land und Wasser gebracht, seit 15 Jahren liegt die Führung in der kraftvollen Hand Wilhelms des Zweiten.

Möge diese Säule für alle Zeiten zum Gedächtnis unserer Dankbarkeit in Frieden feststehen und der Hüter des Friedens Kaiser Wilhelm II. zum Schutze desselben Wehr und Waffen blank halten. Mit diesem Wunscke stimmen Sie ein in den Ruf: Se. Majestät unser König und Herr, der deutsche Kaiser Wilhelm II. lebe hoch!!!

Der erste Chargierte derFranconia," Herr stud. Böttger, hielt nunmehr folgende An­sprache:

Kommilitonen, Bürger!

Endlich ist der große Tag gekommen, den wir lange herbeigewünscht haben: Der Denkstein zur Bis­marcksäule wird enthüllt. Hier auf dieser Höhe soll sich die Säule erheben, deren hell lodernde Flammen weit hinaus in das Land Studenten und Bürger, die Jugend und das Alter, den Handwerker und den Ge­lehrten erinnern an den Mann, der Deutschland geeint und groß gemacht hat. Immer von neuem sollen diese Flammen Deutschlands Dankbarkeit verkünden, immer wieder sollen sie die deutsche Jugend zu neuer Dankbarkeit entflammen und ihre Begeisterung ent­zünden für Deutschlands Einigkeit, Deutschlands Ehre, Deutschlands Freiheit:

.Laßt brausen, was nur brausen kann In hellen, lichten Flammen!

.Ihr Deutschen alle, Mann für Mann .Für's Vaterland zusammen:

.Und hebt die Herzen himmelan .Und himmelan die Hände, .Und rufet alle Mann für Mann: .Die Knechtschaft hat ein Ende!'

Bald nach dem Tode des großen Kanzlers, vor vier Jahren, tauchte der Gedanke auf, überall in deutschen Landen Säulen zu errichten zu Bismarcks Gedächtnis. Wohl 100 solcher Säulen sind schon er­richtet. Viele sollen noch folgen. Auch hier unter Marburgs Studenten und Bürgern sand der Gedanke Zustimmung und Beifall: Aus allen Kreisen wurden

Gaben beigesteuert; reich war der Ertrag der Samm­lungen; gern wurde gegeben. Und nun sind heute Marburgs Studenten und Bürger heraufgezogen, um gemeinsam den Denkstein dieser Säule zu ent­hüllen. Marburgs Straßen und Gaffen sind leer; wer immer konnte, hat sich dem Festzug angeschlossen. Welcher Deutsche mag zurückbleiben, wenn es sich um den Namen und das Gedächtnis Bismarcks handelt?

Bismarck schuf die Großmacht unseres Vater­landes, äußere Macht und inneren Wohlstand durch die kraftvolle Einigung der deutschen Staaten zum deutschen Reich! Der Wunsch der Väter ward er­füllt; mächtig stand es da das deutsche Reich, nicht mehr ein Spielball fremder Nationen, sondern ein kräftiges wichtiges Glied unter den europäischen Staaten. Und wenn heute Kunst und Wissenschaft, Handel und Industrie blühten, fo geht es zurück auf die äußere Einheit, die Bismarck schuf.

Und dem soll dieses Denkmal Ausdruck verleihen: Einfach und einheitlich, fest und gewaltig erhebt sich die Säule, erhebt sich der aus mächtigen Quadern aufgeführte Bau, ein Bild der Kraft und Macht unseres Vaterlandes, ein Bild des Schöpfers unseres Vaterlandes, Bismarck.

Dort liegt die alte Stadt mit ihrer ereignis­reichen Geschichte; hier erhebt sich die Säule als ein Bild des großen Zieles, das diese Geschichte in Bismarcks Tagen erreicht hat. Dort grüßt uns das alte Schloß; wir gedenken der Hessentreue, bekannt in allen deutschen Gauen. Es grüßt uns die alina inater Pailippina; wir gedenken der deutschen Jugend, die deutsche Treue stets bewahrt hat. Es grüßt uns der Kaiser Wilhelm-Turm, das Denkmal derer, die mit Blut und Eisen das erstritten haben, und wir jetzt besitzen, das Denkmal der neuen deutschen Treue.

Und auch hier an diesem Denkmal wollen wir Treue geloben; Treue unserm Bismarck, Treue dem Vaterland. Unsere ganze Kraft gehöre dem Vater­land! Dem Gelübde folge die Tat! So nun sind wir treue Anhänger Bismarcks. Wenn so jeder Deutsche denkt und handelt, dann brauchen wir, wie unser Bismarck keine Gefahr, keinen Feind mehr fürchten; dann wird Deutschland groß dastehn in Kraft und Macht.

Und das Wort Bismarcks, mit dem er hinge- dcutet hat auf den Grund der Kraft und Macht unseres Vaterlandes, auf den Grund seiner Kraft, mit der er dem Vaterlande so große Dienste geleistet hat, dies Wort des greisen Kanzlers begleitet heute die ersten Hammerschläge auf den Grundstein dieser Säule!

,O wollet alle treulich halten

Des Kanzlers schlichtes Heldenwort, .Der selber stand vor Sturmgewalten So fest wie Deiner Eichen Hort: Ob Donnern gleich die Stürme toben, Das deutsche Herz bleibt mutgeschwellt: .Wir deutschen fürchten Gott droben, Sonst aber nichts auf dieser Welt!'

Der Redner führte nun die drei Hammer­schläge aus, welchem Beispiel auch die Herren Ehrengäste, die ebenfalls vor der Steintafel Platz genommen hatten, folgten. Die Tafel trägt die Inschrift:Gewidmet von den Studenten und Bürgern Marburgs." Mit dem Gesänge des LiedesDeutschland, Deutschland, über Alles!" hatte die Feier hier ihr Ende erreicht. In anerkennenswerter Weise hatte das Komitee dafür gesorgt, daß die Vertreter der Prefie einen günstigen Platz an einem Tische direkt an der Säule fanden. In geschlossenem Zuge zogen die Studenten dann wieder in die Stadt zurück nach dem durch die Gärtnerei Scharf aufs schönste dekorierten Museumssaal. Der­selbe füllte sich bald dermaßen, daß sämtliche Nebensäle und sogar der Gang dicht besetzt

waren. Die Gallerie war für die Damen reserviert, die davon auch in ausgiebigster Weise Gebrauch gemacht hatten, denn auch hier war kein Plätzchen mehr frei. Um 9 Uhr begann der Kommers mit einem von Herrn stud. Voß (A. T.-V.) ausgebrachten Toast, welcher wie folgt lautete:

Hochverehrte Gäste! Commilitonenk

Wir haben uns hier heute abend in so gewaltiger Anzahl zu einem Festkommers versammelt, um da­durch diesem für Marburg denkwürdigen Tage den Stempel des ächt Studentischen aufzudrücken um da­mit zu bekunden, daß gerade wir Musensöhne den regsten Anteil an dem Zustandekommen dieses Werkes genommen haben und noch nehmen!

Doch nicht Marburgs Studentenallein sind cs, die das Andenken an den großen Kanzler feiern, sondern in dankeswertester Weife hat die Bürgerschaft dies studentische Unternehmen unter­stützt, Dafür spreche ich ihr an dieser Stelle die An­erkennung der Studentenschaft aus.

Besonderer Dank gebührt vor allem Se. Excellenz dem Herrn Oberpräsidenten, da durch sein freundlickes Entgegenkommen es uns ermöglicht wurde, öffentliche Sammlungen zu veranstalten!

Ferner danken wir den städtischen Be­hörden Marburgs sür die gütige Hergabe des Platzes; wir danken dem Jägerbataillon für freundliche Unterstützung bei einer studentischen Veranstaltung zu Gunsten dieses Werkes; wir danken auch der Kgl. For st- Verwaltung, die mit Genehmigung des hohen Ministeriums die Entnahme der Bausteine gestattet bat.

Bei unserem ganzen Unternehmen ist es für uns Studenten ein beruhigendes und zu» gleich erhebendes Gefühl, daß wir in vollem Einklang mit der Bürgerschaft und den Behörden stehen. Das Band ist hier die Verehrung jenes großen Mannes, dessen Lebensbild und -werke vorhin so klar uns vor Augen geführt wurde. Um das Andenken an ihn, den deutschesten Mann, der je gelebt, den Mann von Blut und Eisen, zu seiern, haben wir uns hier versammelt; das hat auch Sie zu uns geführt, hoch» verehrte Gäste!

Mit besonderer Freude begrüße ich Sie, hoch­verehrtest er H err Rektor und d ir anderen Herren toomCorpus Academicnm. Möchte das harmonische Einvernehmen zwischen dem Lehr­körper und der Studentenschaft, das gerade Marburg besonders nachgerühmt wird, in ewige Zeiten fortdauern!

Ferner begrüße ich den Herrn Vertreter des Jägerbataillons! Ich spreche Ihnen unfern Dank aus für das rege Interesse, das unserm Unternehmen von Ihrer Seite stets entgegengebracht worden ist.

Es ist uns eine Freude und Ehre zugleich, daß auch der Herr Landrat nicht verfehlt hat, uns durch seine Anwesenheit zu beehren. Sein Erscheinen ist uns ein Beweis dafür, daß die durch diesen Kommers zum Ausdruck kommenden patriotischen Bestrebungen das Wohlwollen der Regierung erregen.

Als Vertreter der Stadt bewillkommne ich den Herrn Vizebürgermeister und dem Herrn Stadtverordnetenvorsteher. Ich danke Ihnen für .Ihr Erscheinen und knüpfe daran die Hoffnung, daß Studentenschaft und Bürgerschaft stets so zusammenhalten möchten, wie bisher.

Herrn Vizebürgermeister Siebert speziell danke ich an dieser Stelle sür die großen Verdienste um das Zustandekommen des Werkes selbst sowohl als auch der heutigen Feier. Die Studentenschaft ist ihm bleibend zu Dank verpflichtet!

Zum Schlüsse noch einmal alle« Gästen Gruß und Dank! Ich fordere meine Kommilitonen auf, aufs Wohl unserer Gäste eine» Salamander zu reiben.

71 Nachdruck verboten.)

Briefträgers Hannchen.

Von Georg Paulsen. lFortsehung.)

Graf Egon lag scheinbar teilnahmslos, mit geschloffenen Augen auf seinem Bette. Eine verzehrende Wut kochte in ihm; er wollte e8 nicht erkennen, daß er die erlittene Wunde voll­kommen verdient, er sah nur die Schmach, daß er dem Major hatte weichen muffen. Zwar hatte er auf die ernsten Worte seines Vaters, daß nun von dem ursprünglich geplanten Duell in keiner Weise mehr die Rede sein könne, das vielmehr eine Entschuldigung geboten fei, nichts erwidert und diese Entschuldigung schweigend stattfinden laffen, aber vergessen konnte er nichts, Johanna nicht und den Major nicht. Als ihm eines Tages aus der Zeitung vorgelesen wurde, wie der Krieg zwischen Serbien und Bulgarien immer wahrscheinlicher werde, da war ihm ein Gedanke gekommen, der den Wunsch, bald wieder gesund zu sein, zu einem fieberhaften machte. Er wollte als Offizier in die serbische Armee eintreten, was ihm bei seiner intimen Bekannt­schaft mit dem militärischen Gefolge des so häufig in Budapest verweilenden Königs Milan keine Schwierigkeiten bereiten konnte. Der Major von Falkenthal stand auf der anderen Seite; da war e8 doch leicht möglich, daß er seinem Gegner im offenen Gefecht gegenüber treten würde, und dann würde, das setzte sich in seinem aufgeregten Hirn als krankhafte Idee fest, für ihn die Stunde der Vergeltung schlagen.

Ja, es war so, da8 Kriegsgewölk zog sich auf der Balkanhalbinsel näher und näher zu­sammen, in Serbien wurden die Rüstungen immer offener betrieben und in der Grenzfestung Risch Batterien und Regimenter zusammen­gezogen. Die Zeitungs-Artikel in Belgrad wurden immer heftiger, und während im west­lichen Europa noch über diese Kampfeswut des kleinen Gernegroß gelächelt wurde, war man am Hose König Milan's und in seiner Re­gierung fest zu dem Kriege entschloßen, der zu­gleich über die wachsenden inneren Schwierig­keiten forthelfen sollte, und den man als ein Kinderspiel betrachtete. War doch die bulgarische Armee, wie wir wissen, ganz ohne höhere Offiziere, da diese, aus Angehörigen der Armee des Zaren bestehend, nach Rußland zurück­gerufen waren.

Fürst Alexander war von der Margareten- Jnsel nach Budapest übergesiedelt; der hohe Herr, der reichlich erfahren hatte, was Regenten­sorgen bedeuten, zeigte äußerlich eine völlige Unbefangenheit, wenn ihm auch in Wahrheit anders zu Mute war. Er glaubte auf die ent­schlossene Tapferkeit seiner Bulgaren und der mit ihnen vereinten Rumelier rechnen zu können, hatte er auch als einsichtsvoller Soldat die richtigen Gedanken über die Leistungsfähigkeit feiner Gegner, aber er mußte mit dem beinahe vollständigen Mangel an höheren Offizieren und mit der Bulgarien wenig freundlichen Haltung der Großmächte rechnen. Oesterreich-Ungarn sympathisierte ganz offen mit dem Serben» König, Rußland war Bulgarien feindlich ge­

sinnt, und seine Uebereilung konnte sogar dem Sultan, den nominellen Oberherrn Bulgariens, veranlassen, sich einzumischen.

Ich muß abwa.ten, es hilft nichts!" sagte der Major einmal seufzend zu Falkenthal. Weiß Gott, ich schüfe am liebsten Klarheit mit dem Säbel, aber dann würde e8 heißen, ich sei der Friedensbrecher gewesen, und die Inter­vention einer Großmacht rückte in den Bereich der Möglichkeit. So muß ich abwarten."

Hoheit dürfen, glaube ich, ruhig auf die entscheidende Stunde warten können," versetzte der Major respektvoll.Ich verspreche mir alles von dem ungestümen Feuer der Bulgaren im Draufgehen. Es wird ein Volkskrieg werden, und darin sind die Unsrigen den Serben über­legen. Mit großer Strategie wird nichts an- züfangen sein. Den Feind faßen und ihn schlagen, wo er gefunden wird. Eine andere Kriegs-Kunst kann es nicht geben, weil keine andere hier angewendet werden kann. Der erste Sieg wird alles entscheiden. Flieht der Feind, so darf 6t auch nicht wieder zum Stehen kommen. Das sieht jeder Mann in Ew. Hoheit Armee ein, und darum wird er kämpfen, bis der Erfolg da ist."

Sie haben recht," war die eifrige Antwort. Und darum muß ich sorgen, daß in den bulgari­schen Zeitungen keine pessimistische Stimmung aufkommt. Liest man eine österreichische oder ungarische Zeitung, so ist die Sache schon gegen uns entschieden. Bitte, schicken Sie mir meinen Kabinetts-Sekretär. Uebrigens, singt Fräulein Holder heute abend?"

Nein, Hoheit!"

Nun dann möchte ich sie Wohl einladen, mein Gast zu sein. Oder halt! Das möchte stören. Bitten Sie Fräulein Holder, ob sie die Güte haben will, mir in Ihrem Salon ein paar deutsche Volkslieder zu singen. Ich wünsche einmal etwas zu hören, was mich ganz an die Heimat erinnert. Und nicht die geringsten Feierlichkeiten, ich bitte."

Gewiß wird Johanna dazu bereit sein, mit tausend Freuden glaube ich behaupten zu können."

Also besten Dank schon jetzt. Schade, daß ich der baldigen Frau von Falkenthal keine ruhigere Zeit für die bevorstehenden Flitter­wochen garantieren kann. Aber es liegt nun einmal nicht in meiner Macht."

Stets zu Ew. Hoheit Befehl auch dann!" Der Major grüßte militärisch und entfernte sich

Johanna war selbstverständlich bereit, dem Ansuchen zu entsprechen.

Also ohne Feierlichkeit? Das ist mir das Liebste. Der Doktor muß kommen, das ist gewiß. Wird der Fürst in größerer Begleitung erscheinen?"

Ich glaube es kaum, beim Ernst der Zeit ist ihm wenig nach rauschender Geselligkeit zu Mute."

Gut, mein Freund. Also ich werde pünkt­lich bereit sein. Die Gemahlin des Intendanten der Oper wird mir zur Seite stehen."

(Fortsetzung folgt.)