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Zur Hebung des Fremdenverkehrs in Oberhessen.

Fast überall ist man bestrebt, den Fremden­verkehr zu heben und zu beleben und namentlich die Bewohner großer Städte auf schön gelegene und zur sommerlichen Erholung besonders ge­eignete Orte aufmerksam zu machen. So haben eS auch bereits verschiedene Städtchen und Ort­schaften unseres Oberheffens verstanden, einige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und erfreuen sich während der Sommermonate insbesondere während der Zeit der großen Ferien eines an­sehnlichen Fremdenbesuchs. Namentlich mag hier unter anderen das schön gelegene Städtchen Rauschenberg im Kreise Kirchhain hingewiesen werden, welches besonders zur Zeit der Sommer­serien bereits seit Jahren von einer immer größer werdenden Anzahl Sommerfrischler auf­gesucht wird. Vorzugsweise sind es Familien aus Frankfurt a. M., welche sich auf all­jährlich mehrere Wochen in dem stillen, weitab von allem Getriebe liegenden Städtchen Rauschenberg niederlassen, um durch einen längeren Landaufenthalt in der ruhigen und schönen Umgebung dieses Ortes sich zu erholen und neue Kräfte und neue Lust für die folgende Berufstätigkeit zu sammeln. Dieser Erfolg Rauschenbergs ist, neben der sehr ge­eigneten Lage und Umgebung dieses Städtchens wohl nicht znm geringsten Teil der Gründung eines die Hebung des Fremdenverkehrs erstreben­den Vereins in Rauschenberg zuzuschreiben. Welche wirtschaftlichen Vorteile aber aus dem mehrwöchentlichen Aufenthalt zahlreicher Familien aus mittleren und größeren Städten einem kleinen Landstädtchen oder anderen Orte erwachsen, braucht wohl nicht weiter ausein­andergesetzt zu werden. ES ist ja klar, daß jede der die Sommerfrische aufsuchenden Familien ein ansehnliches Stück Geld in dem Orte verbraucht, was mehr oder weniger allen Einwohnern zu gute kommt.

Hierbei mag zur Nacheiferung für andere geeignete Orte unseres schönen und noch jo recht ländlichen Oberheffens, besonders darauf hingewiesen werden, daß sich unsere im Herzen Deutschlands gelegene Gegend, reich an Bergen und Waffer, durch­zogen von schönen Flüssen, Bächen und Tälern mit fruchtbaren Gefilden, prächtigen Wäldern und schönen Wiesenauen, fern von allen groß« industriellen Anlagen und Betrieben, ganz besonders für so unendliche Erholung und Er­frischung von Städtern und namentlich Groß­städtern eignet. Unsere Gegend ist ja auch reich an Naturschönheiten, wenn sie auch noch Ueber die Kirchenhändel unter dem Landgrafen von Hessen-Cassel,

Moritz dem Gelehrten.

Wahrhaftiger Bericht was sich bei Einführung der Verbefferungspunkte zu Schmalkalden begeben und zugetragen hat.

(Fortsetzung.)

Am 24. Juli theilte der Landgraf im Univerfi- tätsfaal in einer lateinischenRede denVersammelten den Vorgang mit, ging von da in die Mittagskirche too ihm unterwegs die Bürger eine Bittschrift überreichten. Nach dem Gottesdienst ließ er !das Volk in der Kirche warten und hielt eine Ansprache. Er sagte, wir wollen, daß die zehn Gebote nach der Schrift gelehrt werden >und statt der Hostien das Brod gebrochen werden jsoll, wie es der Heiland gethan u. s. w. Am August setzte der Landgraf im Hörsaal den Anwesenden auseinander, wie er als Landes­herr das Recht habe, nach dem Exempel der Könige im alten Testament den Gottesdienst fron Mängel zu reinigen, stellte den Professoren und Studenten vor, wie gröblich sie sich an rhrem Landesherrn vergehen, sie, die doch j- fein Brod äßen und drohte den Ungehor- «amen mit harter Strafe, den Gehorsamen perhieß er fürstliche Gnade, die Studenten Dueben noch in Zucht und Ordnung, während Me Bürger sagten,mer Wille keh neie Religion, kehn neie Katechismus un keh Aennerung bei der Taufe un Nochtmohl hun!" Am 5. August predigte Dr. Schönfeld in ver luthischen Kirche über die Brodbrechung und 6. August Schoner über die Abschaffung

Mittag-Ausgabe.

nicht weltbekannt find, sie weist interessante Denkmäler, Schlösser und Burgen auf, nur haben diese Schönheiten bisher noch fast ganz im Verborgenen geblüht". Sie rechtfertigen aber in vollem Maße und aus guten Gründen ein Eintreten in den Wettbewerb, um die Auf­merksamkeit der Fremdenwelt und der während der Sommermonate an schönen und ruhigen Orten Erholung suchenden städtischen Bevölkerung auf sich zu lenken.

Menn nun auch in den letzten Jahren in unserer engeren Heimat Wohl hier und da etwas geschehen ist, um einzelnen Orten und Punkten die Aufmerksamkeit der auswärtigen Kreise zu­zuwenden, so sind dies doch nur verhältnis­mäßig geringe Anfänge und ist dies durchaus noch nicht, ausreichend geschehen. Es ist noch gar sehr viel Gelegenheit geboten, zu Nutz und Frommen unserer oberhessischen Orte und Täler in der Förderung des Fremdenverkehrs tätig zu sein und zwar nach verschiedenen Richtungen hin. Solche Bestrebungen werden, wie die Er­fahrung lehrt, recht reichlich belohnt. Am zweckmäßigsten geschieht dies durch Privatver­einigungen, sogenannte Verkehrs- und Ver­schönerungsvereine, welche Wohl hier und da schon bestehen, aber bei weitem noch nicht in allen Orten, welche durch ihre Lage, Um­gebung oder sonstige Wichtigkeir erfolgreiche Aussicht für den Fremdenverkehr und für Sommerfrischler bieten. An allen diesen Orten, die verdienen die Aufmerksamkeit auswärtiger Kreise, namentlich der Großstädter aus sich zu lenken, sollte ein Verkehrs- und Verschönerungs­verein vorhanden sein, vorzugsweise aber in solchen, deren Umgegend sich durch besondere landschaftliche Schönheit und herrliche Waldungen auszeichnet. Freilich stößt die Gründung solcher Vereinigungen vielfach auf Schwierigkeiten, auch besteht nicht überall Klarheit über eine zweck­mäßige und ersprießliche, den besonderen Ver­hältnissen de8 einzelnen Ortes angepahte Ent­faltung ihrer Tätigkeit. Diesem Bedürfnis aber kommt ein kleines Büchlein in angenehmer Weise entgegen, das vom Herausgeber der Woerl'schen Reisebücher versaßt ist.

Die vorzugsweise in Frage kommenden Orte und Kreise unseres Oberheffens sollten es sich mehr wie bisher angelegen sein lassen, in der angeregten Frage recht rege zu sein, dieser Sache besondere Aufmerksamkeit zu widmen, Beobachtungen zu machen und Erfahrungen zu sanimeln, jedenfalls aber mit der Gründung geeigneter Vereine(Verkehrs- und Verschönerungs­vereine), wo solche noch nicht bestehen, vorzu­gehen. Der Erfolg wird bei geeigneter und sachgemäßer Tätigkeit sicher nicht ausbleiben. Gar mancher Ort im deutschen Vaterlande ver­dankt der wohlverstandenen Pflege dieser Be­strebungen seinen Wohlstand.

Die Voraussetzungen hierzu find, wa8 schöne Berge und Wälder, malerische Flußtäler, freund-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Somttagsveilager Jlluftrirtes Sormiagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcL Bestellgeld).

Znserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend, 23. Mai 1903.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck tmb Verlag- Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

38. Jahrq.

statst, sae

liche Städtchen und Dörfer und andere Natur­schönheiten anlangt, auch in unserem Oberheffen ganz bestimmt vorhanden.

Gewiß haben auch weitere Reisen entweder nach unseren nordischen Meeresküsten mit ihrer Körper und Geist erfrischenden Seeluft oder in leidlicher Richtung nach den majestätischen Bergey der deutschen, österreichischen und schweizerischen Alpen ic. ihre großen Reize. Dennoch aber wird ein großer Teil der wirklich einer Er­holung bedürftigen städtischen Bevölkerung das Gewünschte in nicht zu weiter Ferne, in unserem so schönen hessischen Berg- und Hügellande gerne suchen und auch finden.

Bekanntlich werden die größeren und be­sonders die großen Städte immer in rascherem Tempo größer und das Bedürfnis der städtischen Bevölkerung zu einem, wenn auch nur mehr­wöchentlichen Landaufenthalt im Sommer immer allgemeiner und verbreiteter. Mögen diese Anregungen die verdiente Beachtung finden.

Umschau.

Die Arbeiten des Landtags.

Es darf als ziemlich sicher angesehen werden, daß von den Gesetzentwürfen, die der preußische Landtag in seiner letzten Tagung nicht zur Erledigung gebracht hat, ihm wieder einige in der nächsten Session zu­gestellt werden. Zu diesen Entwürfen sind namentlich diejenigen über die Ausführung des Reichsseuchen» geseheS, über die Aenderung der Kreisordnung für die Provinz Posen und über das Feuerlöschwesen zu zählen. Diese Entwürfe wären sicher auch vom Land- tage verabschiedet worden, wenn ihm die nötige Zeit dazu noch zur Verfügung gestanden hätte. Man darf aber auch jetzt schon von einzelnen neuen Entwürfen berichten, die dem Landtage wahrscheinlich zugehen werden. Dazu gehört in erster Linie eine Novelle zum Knappschaftskassengesetz, die sich infolge der Re­vision der Krankenversicherung als notwendig heraus­stellt. Des weiteren dürste als sicher angesehen werden können, daß in der nächsten Tagung eine Novelle zum Wahlgesetz dem Parlamente vorgelegt werden wird. Es sind ja die entsprechenden Ankündigungen schon in der vorigen Landtagstagung vom Regierungstische aus erfolgt. Mit ziemlicher Sicherheit wird matt ferner auf die Einbringung von Entwürfen über die unterirdischen Wasseradern, insonderheit die Heilquellen und über die Aenderung der Beitragszahlung an die Aerztekammern rechnen können. Die Vorarbeiten für diese Gesetze werden schon seit längerer Zeit von den zuständigen Stellen vorgenommen, und man kann annehmen, daß sie in nicht zu ferner Zeit zum Ab­schlüsse gebracht werden können. Dagegen ist noch nicht abzusehen, ob die in letzter Zeit zur Aufstellung erster Entwürfe gediehenen Arbeiten auf den Gebieten der Wohnungsfürsorge und des Fideikommißwesens schon für die nächste Tagung zu legislatorischen Aktionen führen werden. Beide Entwürfe liegen, der erstere den behördlichen Stellen, der letztere der Oeffentlichkeit zur Begutachtung vor. Es ist anzu­nehmen, daß bei beiden noch recht mannigfaltiges Material wird gesammelt werden können. Die Be­arbeitung des letzteren und die Prüfung der sich daraus ergebenden Aenderungsvorschläge werden sicherlich noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen. Es läßt sich deshalb jetzt noch nicht übersehen, ob diese Entwürfe schon in der nächsten Tagung dem Landtage werden unterbreitet werden können.

Die Kosten der kriegerischen UnternehmungenEnglands.

Die militärischen Unternehmungen Großbritan­niens seit 1895 haben einen recht erheblichen Auswand finanzieller Mittel verursacht. Weitaus am teuersten stellte sich der südafrikanische Krieg, der in den Jahren 18991902 sür rein militärische Zwecke rund 187,7 Millionen Lstr.. insgesamt 211 Millionen Lstr er­forderte. Die Teilnahme Englands an den Unter­nehmungen gegen China 1897/98 verschlang über 5,8 Millionen Lstr.; die Expeditionen in den Jahren 1896 und 1897 in Mashonaland und Matabeleland kosteten zusammen ca. 2,6 Millionen; ebensoviel die Kämpfe an der Nordwestgrenze Indiens im Jahre 1897/98. Auch die Sudanexpedition während der Jahre 1896 bis 1899 blieb mit einer Gesamtkostensumme von 2,4 Millionen Lstr nicht weit hinter diesen Beiträgen zurück. Wesentlich geringer waren die Ausgaben für die Chitral-Expedition im Jahre 1895. die rund 1,2 Millionen Lstr. betrugen, und die Kosten der beiden Aschantiaufstände in den Jahren 1895/96 und 1900, die sich auf 192500 bezw. 428000 Lstr. beliefen. Ins­gesamt hat demnach Großbritannien in diesen 10 kriegerischen Unternehmungen in denen zumeist britische und eingeborene Truppen nebeneinander engagiert waren, rund 227 Millionen Listr. oder über 4,5 Milliarden Mark verausgabt. Selbst wenn man, wie cs in der vom britischen Kriegsamte aufgestellten Berechnung geschieht, die von China in Aussicht ge­stellte Entschädigung und die Kriegssteuer, die den im südafrikanischen Kriege gewonnenen Kolonien auf­erlegt wurde, mit einem Gesamtbeträge von 40 Mill. Lstr. in Anrechnung bringt, bleiben immer noch rund 187 Millionen Lstr. oder über 3,7 Milliarden Mark übrig, die Großbritannien für Unternehmungen von zumeist geringerer Bedeutung verausgabt hat.

Die englisch-portugiesische Allianz und das deutsch-englische

> Eventualabkommen.

Unter dem TitelDie englisch-portugiesische Allianz und das deutsch-englische Eventualab­kommen" bespricht in derDeutschen Kolonial­zeitung" Carl Singelmann-Berliu, welcher seit etlichen Jahren die portugiesischen Angelegen­heiten in dieser Wochenschrift behandelt, die Notwendigkeit für Portugal, sich an eine Groß-, macht anlehnen zu müssen, wie e8 auch nach manchen Annahmen über kurz oder lang Holland tun müsse. Die Allianz Portugals mit England sei nicht neueren Datums, es handele sich viel­mehr nur um eine Bestätigung der in den Jahren 1376, 1386, 1642, 1654, 1660, 1661, 1703 und 1815 abgeschlossenen Verträge, die 1898 im englischen Parlament alsaufrecht erhalten" bezeichnet wurden. Der Verfasser ist der Ansicht, daß diese Allianz für Portugal nichts Demütigendes habe; denn während Eng» land die Streitkräfte stelle, bringe Portugal, das wohl tapfere Soldaten, aber infolge seiner finanziellen Lage keine größeren Verteidigungs­mittel stellen könne; strategisch für England höchst wichtige Stützpunkte in die Wagschale, so in Portugal selbst Lissabon, Oporto, Leixoes und Lagos, dann das sehr wichtige Dreieck Liffabon-Horta (Azoren)- S.-Vicente (Kapverde), welche Punkte im Kriegsfälle England sicher besetzen werde; ebenso wie es schon 1801 und

der Bilder Einrichtung des Katechismus nach der Schrift und gegen die Lehre von der wahren Allgegenwart deS Leibes Christi. An demselben Tage war der Rentmeister mit Zimmerleuten gekommen, um das große Kruzifix auS der Kirche nehmen zu lassen, da kam der Pöbel und hatte die Bürgerglocke gezogen, auch hatte der Kirchner Antonius ein Geschrei ver­breitet, es sollten alle Bilder aus der Kirche genommen werden. Diesem Vorgang war Schoners Predigt gefolgt, während derselben wenig Andacht stattfand. Nach der Predigt verlas er die Synodalbeschlüffe. Da erhob sich ein groß Geschrei in der Pfarrkirche und außerhalb. Da8 Band des Friedens war zer­rissen, der Ruf ertönte:Schoner solle von der Kanzel steigen, sonst werde man ihn herunter holen!" Die Professoren, welche anwesend waren, sahen ein, daß es ein böses Ende nehmen werde und schickten einen Boten zu Schoner, der ihm sagen maßte, er solle auf­hören zu reden, welches diesen bewog, von der Kanzel zu steigen. Alle Eingänge der Kirche waren dicht mit Menschen besetzt. Der Aufruhr nahm zu. Die Studenten begleiteten Schoner zu den Professorenstnhlen, damit ihm nichts geschehen solle, der Tumult und das. Geschrei vermehrte sich. Rektor, Professoren, Bürger­meister und Rath flüchten aus der Kirche, denn man stürzt auf die Profefforentribüne, ergreift die Theologen, stößt sie hinunter, zerreißt ihnen die Kleider und schlägt sie. Dr. Schönfeld wird zur Treppe hinunter geworfen, in den Chor gezerrt und mit Füßen getreten. Mit Mühe brachte er die Worte herausschonet meiner, ich habe aenua. führt mich hinweg, nehmt, mich

gefangen!" Da rief man:Schlagt den Schelm tobt, schlagt drauf!" In diesem Augenblick trafen ihn von neuem Faustschläge auf den Kopf, so daß er niederstürzte. Da die Auf­rührer glaubten, er sei tobt, trat ein Augen­blick Stille ein, man trug Schönfeld aus der Kirche, wo die Studenten einen Mantel über ihn deckten und auf das Schloß in Sicherheit brachten. Inzwischen war auch der alte Superintendent von Ziegenhain, Schoner, geschlagen worden. Nachdem man ihn genug mißhandelt hatte, stieß ihn das Volk zur Kirche hinaus mit dem Rufe:Hinaus mit dem Bösewichter, die Kirche ist unser!" Einen anderen Pfarrer, Wigand Pfaff, schleppte man in die Kirche, wo er mißhandelt wurde und betheuern mußte:nie wieder in Marburg zu predigen." Ein anderer Namens Heinstein entkam, weil er noch unbekannt war. Prosefior Dr. Eellarius war das letzte Opfer, indem er auf dem Gottesacker und in der Kirche ge­schlagen wurde, gelang es ihm, sich den Händen der Aufrührer zu entwinden und lief in das Pfarrhaus, wo ihn des Pfarrer Leuchters Frau vor den Wüthenden dadurch rettete, daß sie ihn durch eine entgegengesetzte Thür des Hauses entließ und ihn so den Blicken entzog. Ohne Mantel und Hut lief Cellarius zum Tore hinaus ver­folgt von dem Pöbel, sogar ein Weib welche einen Hauer schwang, war dabei. Als der Aufstand ausbrach, hatten sich die verabschiedeten Theologen und ihren Wohnungen gehalten und da sie vernahmen, daß die Sache ein so schreck­liches Ende genommen, gingen sie von Marburg weg nach Gießen, wo sie der Landgraf Ludwig von.Hessen-Darmstadt freundlich aufnahm.

Durch diesen Aufruhr hatten die Marburger ihre sonst so gerechte Sache verdorben, man bewaffnete sich mit Feuergewehren und anderen Waffen, die Pforten und Stadttore wurden verrammt und die Stadt in Vertheidigungszu- stand versetzt. Die Kirche wurde verschlossen, und damit glaubten die Bürger ihre Schuldig­keit gethan zu haben. Landgraf Moritz war gerade in Gemünden, als er die Nachricht von dem Marburger Aufstand erhielt, er eilte mit 17 Reiter als Begleitung dorthin, aber anstatt um Gnade zu flehen, setzten sich die Marburger in VertheidigungSzustand. Moritz ließ nun S Fähnlein feines Ausschuffes und einige von der Ritterschaft von Cassel kommen und in Marburg einrücken und führte am 9. August mit eigener Hand die Geistlichen in die Kirche, und sprach hier seine Entrüstung auS über die frevelhafte Entweihung des Gottes­hauses, er schloß mit den Worten, daß nach diesem Aergerniß, deffen Ursache die Heiligen­bilder wären, nach dem Gebot Gottes diese entfernt werden müßten. Nun nahm der Bildersturm in Marburg seinen Anfang. Dar­über berichtet Pfarrer C. Dietrich folgendes; Als bei der Marburger Reformation ein Auf­stand wegen der Verbefferungspunkte entstand, dabei die Bürger die reformierten Prediger in der lutherischen Kirche überfielen und hinauS- schlugen, führte am dritten Tage der Land­graf Moritz mit eigener Hand diese in die Kirche, verwies dem Volk den Auf­ruhr und ließ damit die Bürger sehen daß er Recht hätte, das große hölzerne Kruzefix herabwerfen, worauf er sich aus bet Kirche begab. (Schluß folgt).